Johannes Weissingers 16. Bericht

  • „Wir fahren in Richtung Süden, machen im Cuyahoga Valley Nationalpark bei den Brandywine Falls - einem Wasserfall - Halt, folgen dem Cuyahoga River, fahren über Wooster nach Millersburg,...
  • ... einem Zentrum der Amish.“

5. Dezember 2012

Gisela und ich stehen rechtzeitig auf, um uns noch von Roy zu verabschieden. Er muss zur Arbeit, aber wir könnten ganz in Ruhe unsere Sachen packen, versichert er uns. Das tun wir auch und bekommen sogar noch die Gelegenheit, ein Reh, das im Garten äst, zu fotografieren. Wir fahren in Richtung Süden, machen im Cuyahoga Valley Nationalpark bei den Brandywine Falls - einem Wasserfall - Halt, folgen dem Cuyahoga River, fahren über Wooster nach Millersburg, einem Zentrum der Amish. Von dort geht es weiter in Richtung Loudonville. Unterwegs kaufen wir in einer Amish-Bäckerei Gebäck und ein Glas selbstgemachte Marmelade. Wir sehen auf der Straße die von den Amish weiterhin als Fortbewegungsmittel gebrauchte Pferdekutsche. An Mansfield vorbei fahren wir zurück nach Tiffin. Es ist schon dunkel, als wir in unserem Quartier ankommen.

  • „Heute ist Nikolaustag, fällt mir beim Frühstück ein und ich beschließe, mit ein paar kleinen Geschenken noch einmal zu dem Opportunity Center zu fahren, in dem ich vor gut einer Woche etwas zu den Bräuchen am Nikolaustag erzählt habe.“
  • „Auf dem Rückweg halte ich an der Tiffin Universität, um Fotos zu machen. Mit einem Studenten komme ich ins Gespräch. Es ist Christoph Frederick, der Sohn von Rick und Jane Frederick, die ich aus der Trinity Church kenne.“

6. Dezember 2012

Heute ist Nikolaustag, fällt mir beim Frühstück ein und ich beschließe, mit ein paar kleinen Geschenken noch einmal zu dem Opportunity Center zu fahren, in dem ich vor gut einer Woche etwas zu den Bräuchen am Nikolaustag erzählt habe. Ich komme an, als gerade die Presse ein Gruppenfoto macht. Die Kinder und die Jugendlichen haben ihre Schuhe rausgestellt, die wirklichen Schuhe und die, die sie für heute gebastelt haben. Ich erlebe etwas von dem mit, was der Leiter mir in seinem Dankesbrief geschrieben hatte: „Das Lachen in den Gesichtern ist Gold wert.“ (Einige Tage später werde ich einen schwarz-rot-goldenen Dankesgruß erhalten.)

Auf dem Rückweg halte ich an der Tiffin Universität, um Fotos zu machen. Mit einem Studenten komme ich ins Gespräch. Es ist Christoph Frederick, der Sohn von Rick und Jane Frederick, die ich aus der Trinity Church kenne. Christoph kann sich gut vorstellen, dass eine Zusammenarbeit der beiden in Tiffin ansässigen Universitäten der Entwicklung Tiffins zugute kommen könnte. Nachmittags besuchen Gisela und ich erst das Glasmuseum, dann Nancy Howe in ihrem Büro in der Stadtverwaltung oder genauer im Gesundheitsamt und zum Schluss das Civil War Museum.

7. Dezember 2012

Gisela und ich stehen früh auf. Wir sind um 10 Uhr mit der Pfarrerin Dr. Sigrid Rother in ihrer Gemeinde in Westerville in der Nähe von Columbus verabredet. Die Fahrt ist unangenehm. Es regnet ununterbrochen. Wir sind froh, als wir in Westerville ankommen. Auf einem riesigen, heute leeren Parkplatz vor dem Gemeindezentrum steigen wir aus. Sigrid begrüßt uns, setzt Kaffee und Tee auf und führt uns durch das Gemeindezentrum. Es sind rund zwölf Räume, in denen sich Kinder- und Erwachsenengruppen gleichzeitig treffen können. In jedem steht ein Fernseher. In der Sonntagsschule für Erwachsene werden drei Angebote gemacht. Es gibt eine Bibelgruppe, eine Theologiegruppe und eine, die aktuelle Ereignisse bedenkt. Der Größe der Gruppenräume nach zu schließen folgt man dem pädagogischen Prinzip kleiner, überschaubarer Gruppen (zwischen acht und 20 Teilnehmern).

An einer Stelle verweilen wir etwas länger. Vor einem großen Gemälde, auf dem Kinder abgebildet sind, steht eine Bank. Eingerichtet wurde dieser Platz, nachdem ein Kind der Gemeinde vor den Augen seiner Mutter von einem Auto überfahren wurde und zwei andere an einer genetischen Krankheit gestorben sind. Gedacht ist dieser Ort, der abseits von dem Durchgangsflur liegt, als Stelle, an der Menschen trauern können. Sigrid erzählt uns, dass vorgestern wieder eine Schülerin von einem betrunkenen Autofahrer überfahren wurde. Diese Schülerin gehörte zwar nicht zu ihrer Gemeinde, wohl aber gehen viele Kinder der Gemeinde in dieselbe Schule.

„Nachdem wir in der Mensa der Hochschule für Kunst und Design zu Mittag gegessen haben, können wir mit Dr. Janine Wilson sprechen, der zweiten Pfarrerin der Gemeinde neben dem Seniorpastor Tim Ahrens.“

Wir werfen einen Blick in den Gottesdienstraum. 700 Mitglieder hat die Gemeinde, sonntags ist der Parkplatz voll. Wir nehmen Kaffee und Tee aus der Küche mit in Sigrids Büro. Ich bin gespannt, Näheres zu erfahren über ihre Schwierigkeiten, die sie - wie ich gehört habe - bekommen hat, weil sie im Wahlkampf eine Aktion für Gerechtigkeit gestartet hat. Aber es ist wie bei dem Spiel „Stille Post“. Es ist alles ganz anders gewesen. Sigrid hat einen Zeitungsartikel vom Februar 2011 mitgebracht. Auf der Titelseite wird von einer Gewerkschafts-Demonstration berichtet. Das dazu gehörende Bild zeigt ihre Familie: ihren Mann, der für die Gewerkschaft arbeitet, und die beiden Kinder (eines auf den Schultern des Vaters) in Demonstrations-Outfit, sie in ganz gewöhnlicher Kleidung dahinter. Im Anschluss an die Demonstration habe die Familie einen Ausflug in den Zoo gemacht, berichtet Sigrid und ergänzt, der Fotograf habe ihre Familie ganz zufällig aufgenommen, vielleicht habe ihm das Motiv gefallen, sie habe jedenfalls nicht im Traum damit gerechnet, auf diese Weise abgebildet zu werden. Als sie das Bild in der Zeitung gesehen habe, habe sie sich gleich mit ihrem Kollegen, dem Seniorpastor der Gemeinde, in Verbindung gesetzt und beide hätten der Gemeinde am Sonntagmorgen den Vorgang erklärt. So sei es nicht zu Auseinandersetzungen in der Gemeinde gekommen. Nachdem dieser Punkt geklärt ist, wenden wir uns anderen Fragen zu, vor allem Fragen der Partnerschaftsarbeit zwischen der westfälischen und der amerikanischen Kirche. Wir fahren weiter nach Columbus zu der First Congregational Church an der East Broadway Street, die Sigrid uns als besonders aktiv im Einsatz für soziale Gerechtigkeit empfohlen hat. Nachdem wir in der Mensa der Hochschule für Kunst und Design zu Mittag gegessen haben, können wir mit Dr. Janine Wilson sprechen, der zweiten Pfarrerin der Gemeinde neben dem Seniorpastor Tim Ahrens.

„Der Raum, in dem sie von ihrer Arbeit berichtet, steht für das Profil der Gemeinde. An der Wand hängt ein Porträt von Washington Gladden, dessen Namen unbedingt erwähnt werden muss, wenn von der Bewegung des Social Gospel in den USA die Rede ist.“

Der Raum, in dem sie von ihrer Arbeit berichtet, steht für das Profil der Gemeinde. An der Wand hängt ein Porträt von Washington Gladden, dessen Namen unbedingt erwähnt werden muss, wenn von der Bewegung des Social Gospel in den USA die Rede ist. Gladden ist von 1882 bis 1918 Pfarrer in dieser Gemeinde gewesen. Gladdens Botschaft, dass das Evangelium nicht nur auf die Erlösung des einzelnen Menschen zielt, sondern auch auf die Veränderung der Welt, spiegelte sich in seinem Tagesablauf.

Am Sonntag predigte er morgens im Gottesdienst, abends hielt er Vorträge über die Reinheit der Milch und die Zustände in den Kohlenminen, über Streiks in der Autoindustrie und die Rechte der Schwarzen, über das Wahlsystem und die Fragen von Krieg und Frieden. Über 40 Bücher hat er im Lauf seines Lebens geschrieben und sich ein Ansehen im ganzen Land erworben. Ein Zeitungsmagazin zählte ihn kürzlich zu dem Kreis der National Heroes, die die USA voran gebracht hätten. Tim Ahrens sieht seine größte Bedeutung für die Christenheit in seinem tiefen und dauernden Einfluß auf die liberale Theologie. (In den Gemeindenachrichten vom Januar 2013 werde ich später lesen, dass sich die Gemeinde an einem Programm gegen die in den USA verbreitete Fettleibigkeit beteiligt, das Michelle Obama gestartet hat und das sich besonders auf die Gesundheitserziehung für Kinder konzentriert. Michelle Obama will ausdrücklich die Faith Leader für die Mitarbeit gewinnen.)

Unter dem Porträt von Gladden ist auf einer Flipchart der Satz „JUSTICE and only JUSTICE should you work hard for“ zu lesen. Er stammt von Reinhold Niebuhr. Ein Kreis von Gemeindegliedern diskutiert gerade eines seiner Bücher (wie vor Kurzem auch die Theologie Dietrich Bonhoeffers). Das Mobiliar ist ehrwürdig wie auch die Ausstattung der Kirche mit Gobelins und einer imposanten Orgel. Es sind nicht die Ärmsten, die sich in dieser Gemeinde zum Gottesdienst und in den Gruppen versammeln; sie lassen sich aber auf ihre Verantwortung für die Armen in Columbus und weltweit ansprechen und unterstützen mit ihrem Geld die praktische Arbeit für Flüchtlinge und Obdachlose. Der Standort der Kirche ist bezeichnend. Im 19. Jahrhundert bildete der East Broadway die Grenze zwischen dem Gebiet, in dem die Sklaverei noch in Kraft war, und dem, in dem sie aufgehoben war. Die First Congregational Church, um 1850 gebaut, stand auf der sklavenfreien Seite. Wir besuchen anschließend das Ohio Statehouse mit seinem Museum zur politischen Geschichte Ohios und der USA. Das Wetter ist - wie schon den ganzen Tag - weiterhin nasskalt. So fahren wir im Auto einmal den East Broadway rauf und runter (sehen mehrere Synagogen) und machen uns auf den Weg zurück nach Tiffin.

8. Dezember 2012

Das Ende meines Aufenthaltes in den USA rückt nahe. Soll ich noch „eine letzte Gelegenheit“ wahrnehmen? Das unfreundliche Wetter spricht dagegen und auch die Tatsache, dass ich seit Langem nicht mehr an der Fortsetzung meiner Berichte geschrieben habe. Ich begebe mich an die Arbeit. Dann ist es Zeit für eine Pause. Gisela und ich machen uns auf zu dem Garlo Heritage Naturpark, zwei Meilen südlich von Bloomville. Hier bin ich auf meiner Rundfahrt mit John Crumrine gewesen. Damals war keine Zeit, einmal um den See zu gehen. Das hole ich jetzt mit Gisela nach. (Der Park ist nach Dr. Olgierd Garlo und seiner Frau Maria benannt. Das Ehepaar Garlo ist 1948 aus Osteuropa in die USA eingewandert und hat 1967 dieses Landstück erworben. Alma und Dolly Garlo stifteten Ende der 1990er Jahre die heutige Parkfläche für den neu eingerichteten Seneca County Park District, der mittlerweile rund zehn ähnliche Parks umfasst.)

Abends sind wir mit unseren Gastgebern Dian und Jon zum Dinner bei Jon und Nancy Laux eingeladen. Auch diese beiden kenne ich von verschiedenen Treffen in der Trinity Church. Nancy singt in der Band mit. Weil sie früher solo gesungen und immer noch eine kräftige Stimme habe, benutze sie bei den Auftritten in den Gottesdiensten das Mikrofon nur als Attrappe, verrät sie uns. Jon ist ein Fan des Rennsports und ist manche Rennstrecken in einem Rennwagen schon selbst gefahren. Aber wir reden nicht nur von diesem Teil der Geschichte, in dem Deutsche - Namen wie Rosemeyer, Stuck, Carraciola und Graf Berghe von Trips tauschen wir aus - eine meisterliche Rolle spielten, sondern auch von dem unrühmlichen Teil der deutschen Geschichte.

Sein Vater, berichtet Jon, habe, weil er Französisch sprach, in Frankreich als amerikanischer Soldat deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkrieges bewacht. Einer dieser Gefangenen habe seinem Vater drei selbst gemalte Bilder geschenkt. Diese zeigt er uns. Sie hängen in seinem Schlafzimmer. Als ich von meinem Vater und seiner Kriegsgefangenschaft in Opeleika, Alabama, erzähle, ist Jon überrascht. Dass auch ganz gewöhnliche deutsche Soldaten (zur Baumwollernte) in Kriegsgefangenenlagern in den USA waren, habe er nicht gewusst, er habe gedacht, das hätte nur Offiziere betroffen. Er zeigt mir in einem Atlas, wo Opeleika liegt. Zum Abschied schenken mir Jon und Nancy eine Kugel aus Tiffin-Glas, in das eine Taube mit dem Schriftzug „Tiffin 2012“ eingeritzt ist, mit einem Holzring, in den die Kugel zu stellen ist.

9. Dezember 2012

Heute gibt es in der Trinity Church nur einen Gottesdienst, in dem ein Weihnachtsspiel aufgeführt wird. So ist genug Zeit, in Ruhe mit Dian und Jon zu frühstücken. In dem Weihnachtsstück „Prepare the Way“ spiele ich den Gastwirt, in dessen Herberge kein Platz für Josef und Maria war. Dieser Gastwirt blickt in dem Stück nur in das Buch mit den messianischen Weissagungen und nicht in das Gesicht derer, die bei ihm Unterkunft suchen. Seine Überlegungen zielen nur auf den Gewinn, den er aus dem Verkauf von Messias-Shampoo und Messias-Handcreme erzielen will, nicht auf Möglichkeiten, Bedürftigen zu helfen.

Diese Rolle ist zwar witzig, aber noch mehr entlarvt sie eine bestimmte Geisteshaltung. So versuche ich mich in einem Wortspiel, als ich mich von der Gemeinde verabschiede: Die Worte des Innkeepers - Gastwirtes - seien mir von der Rolle vorgegeben, meine eigenen Worte seien das Versprechen, sie dankbar im Gedächtnis zu behalten - keep in my mind and my heart - und im Gebet an sie zu denken. Meine Frau spricht auch für mich mit, als sie für die vielen Eindrücke und Begegnungen, die sie hier erlebt hat, dankt und zwei Gedanken anfügt: „In Deutschland heißt es oft 'die Amerikaner'. Hier habe ich einzelne Menschen mit verschiedenen Gesichtern und Überzeugungen getroffen, die mir geholfen haben, in meinem Kopf vorhandene Vorurteile als solche zu erkennen. Und ich habe in Deutschland die Erfahrung gemacht, dass uns Besucher aus Lateinamerika oder Afrika auf Dinge aufmerksam gemacht haben, die uns schon gar nicht mehr auffielen. So können wir uns gegenseitig auf Fehlentwicklungen hinweisen, an die wir uns gewöhnt haben. Ich wünsche mir noch viele Gelegenheiten, in einem ehrlichen Gespräch voneinander zu lernen.“

Nach dem Gottesdienst ist die Zeit, sich von vielen persönlich zu verabschieden. Daran, wie viele es sind, wird mir deutlich, eine welch gute Zeit ich hier verbracht habe. Meine beiden Gastgeber, das Ehepaar Bob und Nancy Howe und das Ehepaar Jon und Dian Ewald, suche ich in der großen Schar und bitte um ein gemeinsames Foto. Susan Crumrine hat eine Torte gebacken. Wie gut, dass Gisela ein Foto gemacht hat, als die Aufschrift „Thank you, Johannes“ noch vollständig zu lesen war. Ich gehe zusammen mit Rick, dem Gitarristen der Band und heute auch Regisseur des Weihnachtsspiels, aus dem Gemeindehaus. Ich erinnere mich und ihn, wie aufmunternd er mich nach dem ersten Gottesdienst hier begrüßt hat. Er antwortet: „Es war eine gute Zeit mit dir. Aber wie heißt es? Zu jedem 'hello' gehört ein 'goodbye'.“

Professor Tom Newcombe mit Ehefrau beim Konzert im Ritz-Theater.

Am Nachmittag gibt es das Weihnachtskonzert der Heidelberg Universität im Ritz-Theater. Dian und Jon Ewald haben für Gisela und mich Karten besorgt. Es ist ein schöner Abschluss meiner Zeit in Tiffin. Wieder sehe und begrüße ich viele Menschen, die ich von vorangegangenen Begegnungen kenne. Zum Dinner bei Ewalds sind auch Susan und Randall Halen gekommen. Aber ich merke, wie meine Gedanken mit dem Einpacken der Sachen, die Gisela und ich mit nach Hause nehmen, beschäftigt sind.

10. Dezember 2012

Dian geht heute etwas später zur Arbeit, um Zeit zu haben, noch einmal ein fürstliches Frühstück zu servieren und sich in Ruhe zu verabschieden. Gisela und ich packen unsere Sachen in die Koffer, genauer: Wir packen ein paar Mal um, bis das für das Fluggepäck zulässige Gewicht genau ausgeschöpft, aber auch nicht überschritten ist. Die Papiere, Zeitungen und Bücher, für die im Koffer kein Platz ist, kommen in ein Paket (Standardformat bei der Post, Porto 80 Dollar). Ich fahre noch einmal ins Gemeindebüro, bekomme die Audiocassette mit dem Gottesdienst von gestern und verabschiede mich dankend von Virginia Sherman, der Sekretärin. Ein letztes Mal fahre ich den Chevrolet, den Al Bilger mir geliehen hat, als Gisela und ich zu ihm fahren und das Auto zurückgeben. Al fährt uns zum Flughafen Detroit.

„Als wir uns dem Flugplatz nähern, erkennt Al, dass das Flugzeug, das da etwas abseits auf dem Rollfeld steht, das Flugzeug des Präsidenten ist.“

Unterwegs kommen wir auf das Thema „11.September 2001“. Al berichtet, dass es noch immer eine Gruppe von Statikern, Architekten, Sprengstoffexperten, Chemikern, Feuerwehrleuten und anderen gibt, die massive Einwände gegen die offizielle Darstellung dessen, was an diesem Tag geschah, erheben. Als wir uns dem Flugplatz nähern, erkennt Al, dass das Flugzeug, das da etwas abseits auf dem Rollfeld steht, das Flugzeug des Präsidenten ist. „Obama ist hier,“ sagt er zu uns. „Nun gut, wenn ich ihn treffe, will ich ihm sagen, dass ich ihn grüße von einem Bürger seines Landes, der sehr unzufrieden ist mit der Art, wie in diesem Land Politik gemacht wird,“ antworte ich, worauf Al kurz erwidert: „Ich will nur eins: Sagt die Wahrheit. Das ist doch nicht zu viel verlangt.“ Ich verdanke Al viel. Als ich es ihm sage, bemerkt er: „Ich helfe gern.“ Die Kopie der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung in deutscher Sprache in DIN A2, die Al mir mit auf den Heimweg gibt, wird mich an ihn erinnern – und nicht nur sie.

11. Dezember 2012

Der Flug war nicht ganz ruhig, aber insgesamt ohne große Probleme. Wir landen pünktlich in Frankfurt. Und damit ist es mit der Pünktlichkeit erst einmal vorbei. Die S-Bahn vom Flughafen zum Hauptbahnhof hat 20 Minuten Verspätung. Die Folge: der Zug nach Marburg ist weg. Dann hat der nächste Zug von Frankfurt nach Marburg so viel Verspätung, dass wir in Marburg den Zug nach Bad Laasphe zwar noch sehen, aber nicht mehr erreichen. Der fährt uns buchstäblich vor der Nase weg. Also müssen wir noch einmal zwei Stunden warten. In Bad Laasphe lassen wir unsere Koffer am Bahnhof stehen und gehen zu Düsbergs, bei denen Gisela unser Auto geparkt hat.

Während Gisela mit dem Auto unser Gepäck holt, gebe ich meinen ersten kurzen Reisebericht. (Ein längerer Bericht am nächsten Dienstag wird die dreiteilige Vortrags- und Gesprächsreihe der Kurseelsorge im Haus des Gastes zu dem Thema „Die USA im Jahr der Wahl“ abschließen.) Ich bin freundlichen Menschen begegnet und habe interessante Einblicke in die Kirche und Gesellschaft in Ohio gewonnen, Gottesdienste haben mich bewegt und ich habe die Landschaft in ihrer farbenprächtigsten Jahreszeit gesehen - Grund genug, dankbar zu sein. Und ich hoffe, dass ich auch einen Beitrag dazu leisten konnte, die Kirchengemeinschaft zwischen der UCC Ohio und der Evangelischen Kirche von Westfalen lebendig zu halten und zu vertiefen. Dass das möglich war, verdanke ich besonders meiner Frau, die zuhause mit vielen unvorhergesehenen Problemen allein fertig werden musste. Den Kontakt zu den Menschen in Tiffin, die zu Freunden wurden, zu halten und zu pflegen ist nun unser beider Bestreben.