Superintendenten-Bericht 2017

In seinem Bericht bei der Sommersynode des Wittgensteiner Kirchenkreises im Abenteuerdorf in Wemlighausen ging Superintendent Stefan Berk aus Anlass des Reformations-Jubiläums noch einmal ganz deutlich auf das Fundament der Evangelischen Kirche ein: „Da ist dieser breite Konsens, dass wir ohne die Bibel in einer verständlichen Sprache nicht auskommen. Deshalb war es am Ende vielleicht wirklich gut, eine neue Revision der Lutherbibel zum Jubiläumsjahr heraus zu geben. Unsere Kirche gewinnt ihre Autorität nicht aus sich selbst heraus. Auch deshalb ist es gut, dass in unserer Kirche viele Leitungsämter auf Zeit besetzt werden, ohne dass die entsprechenden Personen irgendeine besondere Würde bekommen. Die gebührt alleine dem Wort Gottes, hier ist Autorität zu suchen. Und alles, was unsere Kirche ausmacht, bleibt vorläufig. Wir bleiben darauf angewiesen zu fragen, wie wir unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen des Lebens heute Nachfolge leben können. Zum zweiten lebt eine Kirche des Wortes vom Gespräch, auch von der Diskussion, auch vom Streiten. Wo es keine Autorität einer Person gibt, die vorgibt, was richtig und falsch ist, was jetzt zu tun und zu lassen ist, da kann nur die versammelte Gemeinde an diese Stelle treten. Gemeinsam finden wir Wege der Nachfolge. Gemeinsam entscheiden wir über Glaubensaussagen. Gemeinsam suchen wir nach Positionen, wenn es um ethische Fragen geht. Zum dritten bleibt unsere Kirche unterwegs, auch wenn wir gerade in unserem Kirchenkreis viele alte Kirchen und Kapellen haben. Das ist für mich kein Widerspruch - wohl aber brauchen wir den Mut, Inhalte und Gebäude zueinander ins rechte Maß zu setzen. Nicht der Erhalt von Gebäuden ist unser Auftrag, sondern die Füllung der Räume mit Gottesdiensten, mit Spiritualität, mit versammelter Gemeinde.“

Konkret für den Wittgensteiner Kirchenkreis beleuchtete der Leitende Theologe vier Punkte unter der Überschrift „Kirchengemeinden auf dem Weg: Signale über den eigenen Kirchturm hinaus“. Für die am Jahresanfang neu entstandene Lukas-Gemeinde im Elsoff- und Edertal: konstatierte er, dass die theoretische Vereinigung gelungen sei, ein Bevollmächtigtengremium (BVG) seine Arbeit engagiert und umsichtig begonnen habe, dass es gut sei, dass Pfarrer Peter Liedtke eine halbe Kirchenkreis-Pfarrstelle für Projekt- und Vertretungsarbeit habe, und dass die praktische Vereinigung aber noch lange nicht abgeschlossen sei: „Umso frustrierender ist der Ausgang der Ausschreibung der Pfarrstelle in der Lukas-Gemeinde: Noch nicht mal eine Anfrage hat mich erreicht, geschweige denn eine schriftliche Bewerbung. Immerhin gibt es einen kleinen Schimmer am Horizont: Seit letzter Woche liegt eine Bewerbung eines Pfarrers vor, der aber aus der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz kommt. Deshalb wird zur Zeit im Landeskirchenamt geprüft, ob diese Bewerbung zugelassen werden kann; das hängt einerseits an inhaltlichen Kriterien, die ich für unproblematisch halte, zum anderen aber an formalen Dingen wie Versorgung und Pfarrdienstrecht. Die besondere Situation unseres Kirchenkreises ist aber im Landeskirchenamt inzwischen bekannt und wird bei diesen Fragen auch berücksichtigt; von daher hoffe ich sehr, dass wir noch vor den Sommerferien hier einen großen Schritt weiter kommen und wir uns im BVG mit dieser Bewerbung befassen können.“

Die Feudinger Kirchengemeinde hatte die Erfahrung gemacht, keinen Pfarrer für die halbe offene Pfarrstelle zu finden, deshalb wagte man hier einen neuen Weg, wie Stefan Berk erläuterte: „Weil wir die vakante Pfarrstelle nicht besetzen konnten, haben wir im Rahmen eines Modellprojektes mit Zustimmung der Landeskirche eine Stelle für einen Gemeindepädagogen geschaffen, die mit Johannes Drechsler besetzt werden konnte. Mit dieser Konstruktion in Feudingen ändert sich das - jedenfalls in der Idee. Denn die beiden Hauptamtlichen im Pfarrdienst und in der Gemeindepädagogik teilen sich die Arbeit nach einem Plan, der vom Presbyterium festgelegt worden ist. Da gibt es Bereiche, in denen der eine oder der andere die Verantwortung trägt - und an anderen Stellen wird gemeinsam im Team gearbeitet. Wie immer im normalen Leben, hat eine solche Konstruktion auch Sollbruchstellen, an denen Konflikte entstehen können. Man merkt an solchen Stellen, dass Modellprojekte immer etwas Vorläufiges haben, immer eine Portion Risiko enthalten. Und deshalb ist es gut, dass die Zuständigen der Landeskirche dieses Projekt begleiten wollen, um von außen zu beraten und Erfahrungen aus anderen Projekten einfließen zu lassen. Auch seitens des KSV werden wir die Begleitung weiterführen, so wie wir es im Vorfeld intensiv mit dem Presbyterium beraten haben. Denn wir brauchen diese Lerneffekte, wir brauchen den Erfahrungsaustausch darüber, unter welchen Bedingungen so etwas funktionieren kann.“

Im Bericht des Superintendenten kamen auch die drei Hochsauerländer Kirchengemeinden des Wittgensteiner Kirchenkreises vor. Die eine Überschrift: „Gleidorf - Dorlar: Dienstgemeinschaft neu buchstabieren“, wobei Stefan Berk hier gleich klar machte, was das nicht heißt: „Dass ich diese beiden Kirchengemeinden im Hochsauerland in einem Atemzug nenne, hat nichts mit einer etwa geplanten Vereinigung zu tun.“ Gemeinsam mit den Gemeinden arbeite man an einer Dienstgemeinschaft zwischen Gleidorf und Dorlar, zwischen Schmallenberg und Eslohe: „Ziel soll sein, die Arbeit in diesen beiden weiträumigen Kirchengemeinden besser zu vernetzen und die Hauptamtlichkeit effektiver zu gestalten, wenn das Wort an dieser Stelle erlaubt ist. Über einen Vertrag binden sich die beiden Presbyterien an eine verlässliche und kontinuierliche Zusammenarbeit.“ Hilfreich ist dabei, dass die beiden Amtsinhaber Ursel Groß und Jürgen Rademacher schon seit Jahren vertrauensvoll zusammenarbeiten, dadurch dass die Gleidorfer Pfarrerin früher schon in der Esloher Altenheimseelsorge tätig war. Stefan Berk führte dazu aus: „Ich bin auch auf dieses Modell der Zusammenarbeit gespannt - denn hier ist ja deutlich zu erkennen: Die Vereinigung dieser beiden Kirchengemeinden würde keinen Mehrwert ergeben, weil sich ein Zusammengehörigkeitsgefühl in diesem großen Raum von Fleckenberg bis Reiste kaum ergeben kann. Trotzdem müssen wir versuchen, die Möglichkeiten zu einem besseren Miteinander auszunutzen, um die Ressourcen, die wir haben, wirklich gut einzusetzen - und das heißt auch, die Arbeit in den Pfarrämtern so zu gestalten, dass die Kolleginnen und Kollegen auch unter veränderten Bedingungen auf Dauer gut und gesund arbeiten können.“

Für Winterberg hatte Stefan Berk zwei Baustellen ausgemacht. Während der Umbau der Kirche kurz vor seinem Abschluss steht, bleibt die zweite, gedankliche Baustelle erhalten: „Das Thema des Tourismus bleibt aber offen.“ Während der kreiskirchlichen Visitation in der Winterberger Kirchengemeinde im Frühjahr sei den Besuchern aus der Kirchenkreisleitung deutlich signalisiert worden, dass man auf mehr Engagement im Tourismus hoffe: „Seitens der Stadt Winterberg wird der Wunsch nach einer viel stärkeren Beteiligung der evangelischen Kirche deutlich formuliert. Das Thema kann aber nicht von der Kirchengemeinde alleine bearbeitet werden; hier müssen Kirchenkreis und Landeskirche mit ins Boot, um eine tragfähige und zukunftsträchtige Lösung zu finden. Die Erfahrungen mit Tourismusseelsorge in anderen Teilen Deutschlands zeigt, dass wir hier gefragt sind.“

Unterlagen zum Thema

2017-06-15-supbericht.pdf

197 kB