Innovationspreis 2017

Superintendent Stefan Berk überreichte die Urkunde für den ersten Platz im Innovations-wettbewerb „Schatz im Acker“ an einige Mitarbeitende aus dem Team für die Jugendsynode: Merle Schäfer, Thomas Lindner, Anna Koch und Dana Lindner (von links).

Bei der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein wurde am Mittwoch im Abenteuerdorf Wittgenstein auch der Innovations-Preis „Schatz im Acker“ verliehen. Zum dritten Mal, seit 2013 wird er alle zwei Jahre ausgelobt. Obwohl die Medien auch in den vergangenen beiden Jahren über viel mehr spannende Neuerungen in den Gemeinden und Arbeitsbereichen des Kirchenkreises berichtet haben, gab es am Ende nur acht Bewerbungen um das Preisgeld, das sich auch in diesem Jahr wieder auf insgesamt 2100 Euro belief. Verteilt wurde es genau wie 2015: Der Sieger bekam 1000, der Zweitplatzierte 500 und zwei Drittplatzierten je 300 Euro.

Der Kreissynodalvorstand (KSV) als Leitungsgremium des Kirchenkreises nahm die Bewerbungen unter die Lupe, alle Mitglieder und regelmäßig anwesende Gäste durften abstimmen. Das Ergebnis war eindeutig: Der Sieger lag deutlich vorm Zweiten, der deutlich vor den um einen Punkt getrennten Dritten und Vierten lagen. Dabei waren alle acht Projekte sehr gute Ideen, aber so unterschiedlich, dass es kaum objektive Bewertungsmaßstäbe geben konnte und jegliche Bewertung nichts Endgültiges sein konnte. Bedeutet: Auch wenn eine Bewerbung kein Preisgeld bekam, sondern stattdessen die Einreicher als Dank für die Teilnahme zum Kaffeetrinken ins Abenteuerdorf eingeladen wurden, so kann doch genau diese Idee gerade in diesem Augenblick genau die richtige für eine andere Gemeinde sein. Ab Juli stehen alle Bewerbungen mit Kontaktdaten auf der Homepage des Wittgensteiner Kirchenkreises, so dass man die Projektbeschreibung anschauen und dann ganz unkompliziert übers Telefon oder per E-Mail mit den Einreichern in Kontakt treten kann.

Den ersten Platz belegte die Jugendsynode des Kompetenzzentrums für Kinder-, Jugend- und Familienarbeit im Kirchenkreis. Seit dem Frühjahr 2016 bereitet dessen Leiter Thomas Lindner mit einem Team von Ehrenamtlichen die Jugendsynode als Beitrag zum Reformationsjubiläumsjahr vor. Die Mitarbeiter kommen aus ganz Wittgenstein. Im November werden sie sich in kürzeren oder längeren Workshops ein Wochenende lang mit Delegierten aus allen 15 Kirchenkreisgemeinden von Fischelbach bis Winterberg und Dorlar Gedanken über die Kirche im Jahr 2030 machen. Gemeinsam mit der Arfelderin Anna Koch, der Birkelbacherin Dana Lindner und der Niederlaaspherin Merle Schäfer stellte Thomas Lindner die akribische Konzeption der Jugendsynode vor. Erndtebrücks Pfarrerin Kerstin Grünert wollte gleich wissen, ob da auch andere als Delegierte und Mitarbeitende hinkommen dürften. Zur Jugendsynode wird ein öffentlicher Gottesdienst am Samstag gehören, auch am Sonntag sind Gäste willkommen. Aber nur zum Zuhören, nicht zum Mitreden. Weil auch die große Synode der Jugendsynode, obwohl es diese im Kirchenrecht gar nicht gibt, zuhören möchte, verpflichtete sich die Wittgensteiner Sommersynode jetzt einstimmig, die Ergebnisse der Jugendsynode bei der Herbstversammlung des Kirchenkreises zur Kenntnis zu nehmen und im Rahmen einer Synodalversammlung im Frühjahr 2018 mit den jungen Leuten zu diskutieren. Unabhängig von der beeindruckenden Vorstellung am Mittwoch hatte die Jugendsynode bereits Wochen vorher die Innovationspreis-Abstimmung klar geworden. Aber so waren in Wemlighausen gleich vier, die den Preis aus den Händen von Superintendent Stefan Berk entgegennehmen konnten.

Den zweiten Platz holte Pfarrerin Silke van Doorn als Synodalbeauftragte für den christlich-jüdischen Dialog. Seit ihrer Wahl im vergangenen Jahr arbeitet sie im Vorstand des Christlich-Jüdischen Freundeskreises Bad Laasphe mit, außerdem ist die Schulreferentin des Wittgensteiner Kirchenkreises. Für den 75. Jahrestag der Deportation von Laaspher Juden nach Zamość hatte sie den Kontakt zur Laaspher Grundschule und dem örtlichen Städtischen Gymnasium gesucht, die an diesem Tag die Stolpersteine der Deportierten putzen. Den Preis für diesen lebendigen Geschichtsunterricht in Kooperation mit Schulen und Freundeskreis in Bad Laasphe nahm Silke van Doorn entgegen.

Auf dem geteilten dritten Platz landete zum einen der Stationenweg zum Entdecken, Erleben und Begegnen, den Sabine Lang vom Kuratorium fürs Abenteuerdorf Wittgenstein eingereicht hatte. Dieser ist eine Weiterentwicklung des ehemaligen Barfußpfads, elf Stationen sind bereits detailliert ausgearbeitet, die Umsetzung soll bis 2019 erfolgen, wenn die Planungen auf der Homepage stehen gibt es die Möglichkeit, weitere konkrete Stationen finanziell zu unterstützen Zum anderen belegte die Initiative „Jedes Kind hat Recht auf Urlaub“ vom Förderverein „Perspektive Zukunft“ in Kooperation mit dem Kirchenkreis und dem Wittgensteiner CVJM den dritten Platz. Während des halben Jahres ihres Bestehens hat die Initiative bereits dafür gesorgt, dass die Freizeitpreise in diesem Jahr generell reduziert werden konnten und 20 Personen durch eine finanzielle Unterstützung die Teilnahme an einer Freizeit ermöglicht wird.

Ohne Siegerprämie, aber trotzdem zum Nachahmen empfohlen sind diese vier Projekte. Philipp Hartmann vom Kompetenzzentrum hatte die Erlebnisorientierten Konfi-Tage eingereicht, die das Kompetenzzentrum in Zusammenarbeit mit der Gleidorfer Kirchengemeinde erarbeitet hatte. In der Umbruchphase einer Vakanzzeit hatte die Kirchengemeinde der Schmallenberger Evangelischen Kontakt mit dem Kompetenzzentrum gesucht, das Ergebnis des gemeinsamen Nachdenkens ist ein funktionierendes einjähriges Konzept mit monatlichen Konfi-Tagen von morgens bis nachmittags, in das junge Ehrenamtliche und andere Gemeindeglieder, etwa Mütter und Presbyter fürs Catering, eingebunden werden. Das Gute am ausgearbeiteten Konzept: Es steht nicht nur erlebnisorientiert in der Überschrift, sondern die einzelnen Bausteine halten auch eben dieses Versprechen.

Max Born stellte im Wettbewerb für die Jugendarbeit in der Kirchengemeinde Bad Berleburg Fantasy-Spiele vor, die die Berleburger Kirchengemeinde inzwischen in Verbindung mit Girkhausen als erfolgreich erprobtes Komplettkonzept für Katechumenen-Wochenenden im Abenteuerdorf nutzt. Das Ganze ist für andere Kirchengemeinden sehr gut als Blaupause zu nutzen, es ist ein Spaß-Garant für junge Teilnehmer und jugendliche Mitarbeitende mit Erlebnispädagogik und Gruppenerlebnissen, die am Ende die Bibelarbeiten und die christliche Botschaft unterstützen.

Im Namen des Synodalen Kirchenkreis-Ausschusses für Gemeindepädagogik bewarb sich dessen Vorsitzender Jörn Dickel mit einem interreligiösen und interkulturellen Austausch. Ein ägyptischer Muslim kommt im August zur beruflichen Fortbildung nach Deutschland, er lebt hier in Gastfamilien und steht für Begegnungen mit jungen Mitarbeitenden aus der kirchlichen Jugendarbeit zur Verfügung. Das konkrete Projekt mag zwar schwer nachzumachen sein, aber für Wittgenstein ist das Angebot eines interreligiösen und interkulturellen Austauschs eine prima Idee.

Pfarrerin Claudia Latzel-Binder schließlich hatte für die Kirchengemeinde Bad Berleburg einen Drei-Abend-Lektoren-Kurs für Interessierte eingereicht, den sie mit ihrer Amtskollegin Christine Liedtke für Bad Berleburg und Girkhausen anbot. Die Ausgangssituation sei gewesen, dass es bei den Presbyterinnen und Presbytern ein Unbehagen wegen ihrer Lesungen im Gottesdienst gegeben habe. Auch hier wurde mit einem klug überlegten kleinen Konzept, das technisch und inhaltlich half, die Lesungen zu verbessern, reagiert. Das Ganze ist leicht nachzumachen, aber seine Auswirkung auf die Qualität der Lesung als wichtiges Puzzleteil des Gottesdienstes kann schwer wiegen.