Superintendenten-Bericht 2016

Superintendent Stefan Berk freute sich bei der Sommersynode des Kirchenkreises in Bad Laasphe, dass Simone Conrad ab Sommer mit einer halben Stelle als Wittgensteiner Diakoniepfarrerin arbeitet.

Früher gab es den Superintendenten-Bericht bei der Wittgensteiner Herbstsynode, so fand er nie Eingang in die Berichte bei der Westfälischen Landessynode, die stets kurz zuvor stattfand. Deshalb hat der Kirchenkreis seinen Zeitplan umgestellt - und am Montag hielt Stefan Berk im Laaspher Gemeindehaus nach anderthalb Jahren seinen ersten Superintendenten-Bericht bei einer Sommersynode. Auf 16 Seiten ging der Leitende Theologe des Wittgensteiner Kirchenkreises auf die erfolgten Veränderungen dieser jüngsten Vergangenheit und die absehbaren der näheren Zukunft ein, ein wichtiger Stichpunkt in der längeren Perspektive ist das Kirchbild 2025. Zu diesem Thema hatten sich die heimischen Kirchengemeinden nach einer Synodalversammlung im Oktober Gedanken gemacht und Berichte an den Kreissynodalvorstand geschrieben.

Die Bestandsaufnahme freute Stefan Berk: „In den Berichten, die fast 100 Seiten umfassen, entdecke ich einen großen Reichtum - an Gottesdiensten, an Engagement für Kinder, Jugendliche und Familien, an diakonischer Suche nach Menschen im Alter und in Krankheit. Ich lese von Initiativen, um Neues auszuprobieren, von vielen ehrenamtlichen Mitarbeitenden, die sich leidenschaftlich für ihre Gemeinde stark machen. Ich wandere in Gedanken durch den Kirchenkreis Wittgenstein und sehe schöne Kirchen und Kapellen, die gepflegt und in Schuss gehalten werden. Die Berichte zeugen von einer hohen Leistungsfähigkeit unserer Gemeinden, unserer Presbyterien, unserer Gruppen und Kreise. Das gilt vor allem für zwei Bereiche - den Bereich Gottesdienst und den Bereich Diakonie.“

Bei den Gottesdiensten nahm er eine immer größere Bandbreite wahr, in Ergänzung zu den bewährten und traditionellen: „Aber es werden inzwischen zugleich andere Gottesdienstformen ausprobiert und gewagt, mit neuer Musik, mit neuen Verkündigungsformen, mit alternativer Sprache, mit Beteiligung von sogenannten Laien. In manchen Gemeinden kommen Kinder und Jugendliche besonders in den Blick, Familiengottesdienste gehören vor allem in den Kindergarten-Gemeinden zum Alltag.“ Wobei der Superintendent auf ein Paradoxon hinwies: „In einigen Berichten finden sich auch weitergehende Gedanken - etwa die Erfahrung, dass eine Reduzierung der Zahl von Gottesdiensten eine Steigerung der Zahl der Besucherinnen und Besucher zur Folge hatte.“

Für die Diakonie fasste Stefan Berk zusammen: „Die Diakonischen Gemeindemitarbeiterinnen bilden hier so etwas wie das Rückgrat, neben der professionellen diakonischen Pflege und den anderen Angebote des Diakonischen Werkes Wittgenstein. Die sieben Kindergärten spielen für die Trägergemeinden eine wichtige Rolle, aber auch die Diakonie im Alltag durch Besuchsdienste, durch Begegnungsangebote, durch die Pfarrerinnen und Pfarrer werden genannt. Auch wenn das Diakonische Werk seit einigen Jahren eine eigene Rechtsform hat - ich habe den Eindruck, dass es gelungen ist zu vermitteln: Es ist unser Diakonisches Werk.“

Konkret ermutigte der Superintendent zum Weiterarbeiten mit den Berichten in den Gemeinden: „Ich möchte sie den Presbyterien zum Lesen empfehlen, um zu entdecken, was die Nachbarn beschäftigt. Und aufeinander zuzugehen, um gemeinsam die Kommunikation des Evangeliums im ländlichen Raum weiter zu treiben, mit Freude und Engagement - oder um Ralf Kötter zu zitieren: als ‚leidenschaftliche Kirche‘.“

In welchem Veränderungsprozess sich der Kirchenkreis befindet, machte Stefan Berk ganz einfach anhand der personellen Pfarrer-Veränderungen der vergangenen zwei Jahre klar: Stefan Turk verließ Erndtebrück; Christine Liedtke wechselte aus ihrer Schulpfarrstelle in Schmallenberg in die Pfarrstelle für die Kirchengemeinden Bad Berleburg und Girkhausen; Peter Liedtke verließ die Schmallenberger Pfarrstelle in der Kirchengemeinde Gleidorf und wurde kreiskirchlicher Pfarrer, unter anderem zuständig für die Flüchtlingsarbeit; Wolfgang Tonnat, der auch in Winterberg arbeitete, ging in Rente; Gisela Weissinger wechselte aus der Klinikseelsorge in der Baumrainklinik in den Ruhestand, nachdem ihr Mann Johannes schon ein Jahr zuvor in Pension gegangen war; Diakoniepfarrerin Stephanie Eyter-Teuchert ging wie die Gleidorfer Pfarrerin Elisabeth Grube in den Vorruhestand; Kerstin Grünert hat die freie Pfarrstelle in Erndtebrück übernommen; Dr. Tim Elkar, der den Abendmahls-Gottesdienst zum Auftakt der Synode hielt, hat das zweite theologische Examen bestanden und vertritt in Raumland Dr. Dirk Spornhauer während dessen Kontaktstudium. Außerdem müsse man in absehbarer Zeit auf Ursula Groß und Dr. Detlef Metz verzichten, die sich für neue Aufgaben außerhalb des Wittgensteiner Kirchenkreises entschieden hätten. Dem Kirchenkreis kam zudem im Kompetenzzentrum für Kinder-, Jugend- und Familienarbeit Carolin Bem abhanden, die jetzt mit einer kompletten Stelle in der offenen Jugendarbeit in Erndtebrück arbeitet.

Bei alledem gilt, wie Stefen Berk ausführte: „Wir werden in der nächsten Zeit erhebliche Schwierigkeiten haben, offene Pfarrstellen wieder zu besetzen. Die erste Leidtragende dieser Entwicklung ist die Kirchengemeinde Feudingen, wo sich auf die Ausschreibung im Spätherbst niemand bewarb, ja, noch nicht einmal ein telefonisches Interesse vorhanden war. Jetzt ist die Pfarrstelle in Gleidorf zur Besetzung frei gegeben und wird in Kürze ausgeschrieben, Ergebnis offen.“

Für den Ausweg der Feudinger Kirchengemeinde aus ihrem Dilemma gibt es gerade wieder eine neue Idee: „Inzwischen haben Presbyterium und Kreissynodalvorstand einen neuen Weg eingeschlagen: Wenn diese Pfarrstelle in dieser Aufteilung auf 50 Prozent Gemeinde, 50 Prozent Kirchenkreis nicht zu besetzen ist - warum sollten wir nicht den Spielraum nutzen, den die Landeskirche mit den Modellprojekten Anfang des Jahres eröffnet hat? Deshalb haben wir entschieden, die Pfarrstelle vakant zu lassen und in dieser Kirchengemeinde zu erproben, ob es sinnvoll sein kann, mit den frei werdenden finanziellen Mitteln einen Gemeindepädagogen oder eine Gemeindepädagogin anzustellen. Nicht nur für die Kinder- und Jugendarbeit, sondern für die ganze Gemeinde soll dieser Mensch tätig sein, und dafür wurde eine entsprechende Konzeption erarbeitet. Seit einer Woche liegt die Freigabe durch die Landeskirche vor - allerdings in der Gestalt, dass das Ganze nicht so recht in den Modellcharakter passt und wir in eigener Verantwortung diese Entscheidung treffen können. Das Ganze wird als Modellprojekt beschrieben und begleitet und auch ausgewertet.“

Für die Reha-Kliniken Bad Berleburg berichtete der Superintendent von Gesprächen, wie die Arbeit weitergeführt werden könne: „Hier wird sich künftig Pfarrer Horst Spillmann mit einem Teil seines Dienstes neben Pfarrer Dr. Andreas Kroh engagieren.“ Schon in trockenen Tüchern ist die Personalie für die Diakoniepfarrstelle: „Ich bin froh, dass wir vorsorglich eine kreiskirchliche Pfarrstelle für diesen Bereich errichtet haben, damit wir diese Arbeit ab Sommer mit Pfarrerin Simone Conrad weiterführen können. Sie arbeitet weiter als Gemeindepfarrerin im eingeschränkten Dienst in der Kirchengemeinde Birkelbach und gleichzeitig mit einer weiteren halben Stelle als Diakoniepfarrerin.“ Simone Conrad ist noch bis zu den Sommerferien mit einer halben Stelle Schulpfarrerin an der Erndtebrücker Hauptschule. Ganz frisch hat Thomas Lindner eine Zusage bekommen, dass ein Anerkennungspraktikant bereit ist, ab August im Kompetenzzentrum mitzuarbeiten.

Zwei wichtige Baustellen nannte Stefan Berk abschließend: zum einen in der Kirchengemeinde Winterberg, zum anderen in Wunderthausen/Diedenshausen. Für die Hochsauerländer mit ihren komplizierten Gebäudesituation sagte der Superintendent: „Seit wenigen Tagen liegt ein Konzept auf dem Tisch, bei dem die Kirchengemeinde nur noch die Kirche selbst im Eigentum behält, sie zu einem mehrfach nutzbaren Gemeinderaum umgestaltet und damit eine finanziell tragbare Lösung schafft. Aber das bedeutet eben auch, die inhaltlichen Akzente neu zu setzen - als Stichwort nenne ich nur die Herausforderung durch den Tourismus.“ Nach einem selbstkritischen Blick auf den Einsatz des Kreissynodalvorstands in Wunderthausen/Diedenshausen - „Manchmal zeigt sich, dass eine Entscheidung sich im Nachhinein als unglücklich erweist, auch wenn sie gut gemeint und gedacht war“ - obsiegte beim Leitenden Theologen in Wittgenstein die Zuversicht: „Jetzt arbeitet ein neues Bevollmächtigtengremium darauf hin, bis Ende des Jahres eine Entscheidung für eine Vereinigung mit einer der Gemeinden in der Nachbarschaft herbeizuführen; das trifft sicher nicht auf die Zustimmung aller Gemeindeglieder, aber der Spielraum ist zu klein, um eine Eigenständigkeit zu gewährleisten. Da hilft es nicht, die Vergangenheit zu bemühen oder theologische Grundsatzpositionen ins Feld zu führen; es gibt Rahmenbedingungen, die gelten und die in einem Miteinander unserer kirchlichen Struktur gelten müssen. Trotzdem bin ich mir sicher, dass wir hier zu einem Ergebnis kommen, das mehrheitlich akzeptiert wird - und wo am Ende die Aufgabe im Mittelpunkt steht, das Evangelium zu kommunizieren. Das setzt ja zuerst voraus, dass in unserer Kirche alle Beteiligten miteinander reden können müssen, auch wenn man anderer Meinung ist. Denn die Wahrheit ist uns immer voraus - und kann von uns nur geahnt und gesucht und erbeten werden.“

Die Zukunft des Kirchenkreises - jetzt gestalten

Der Superintendenten-Bericht von Stefan Berk bei der Wittgensteiner Kreissynode machte klar, die Kirchenkreis-Situation mit immer weniger Gemeindegliedern ist und bleibt schwierig. Und dennoch können die Evangelischen hier in Selbständigkeit immer noch viele Dinge bewegen und kirchliches Leben zwischen Erndtebrück, Eslohe und Elsoff vielfältig gestalten. Doch eine Leitung muss auch die weitere Zukunft im Auge haben, so fragte Stefan Berk: „Aber wie ist die weitere langfristige Perspektive für uns als Kirchenkreis Wittgenstein? Wenn wir weiter schrumpfen - und eine Kehrtwende ist nirgends in Sicht! -, wenn die Zahl der aktiven Pfarrerinnen und Pfarrer weiter abnehmen wird, wenn die Zahl der ehrenamtlich engagierten Gemeindeglieder auch zurückgeht oder die wenigen sich zuerst auf ihre Gemeinden konzentrieren?

Vor einigen Wochen fand nach langer Zeit wieder eine gemeinsame Sitzung der beiden Kreissynodalvorstände von Siegen und Wittgenstein statt. Wenn sich der Trend der letzten Jahre fortsetzt, wird der Punkt kommen, an dem wir eine neue Einheit für die Evangelische Kirche in Südwestfalen suchen müssen. Ich nenne das nicht einfach Fusion oder Vereinigung, so, als könnte man mal eben zwei solch weiträumige Kirchenkreise zusammenlegen. Wir brauchen etwas anderes, wir brauchen eine Vision, wie wir hier in der südlichen Ecke von Westfalen überzeugend, fröhlich und einladend Kirche sein und leben wollen. Und wie diese Kirche geleitet und gestaltet werden kann - mit den Ressourcen, die uns tatsächlich zur Verfügung stehen, möglichst effizient und schlank, damit für die inhaltliche Arbeit, für Verkündigung und Diakonie, für Seelsorge und Gemeinwesenarbeit, viel Zeit und Manpower übrig bleiben.

Wir haben vereinbart, das alte Kooperations-Gremium wieder zu beleben, damit wir jetzt anfangen, uns über die zukünftige Strukturen Gedanken zu machen. Jetzt - in einer Zeit, in der wir noch gute personelle Möglichkeiten haben, in der wir finanziell immer noch gut ausgestattet sind. Veränderungen werden auch an dieser Stelle auf uns zukommen - und deshalb möchte ich sie mit anderen gemeinsam gestalten, möchte Einfluss nehmen auf die Gestalt, die unsere Kirche zukünftig hat, anstatt überrascht zu werden und dann unter Druck Entscheidungen treffen zu müssen. Wir fangen mit dem Nachdenken mal an. Und setzen darauf, dass Veränderungen möglich sind. Nicht, weil wir das schon schaffen, sondern weil der Herr unserer Kirche bleibt - von Ewigkeit zu Ewigkeit.“

Unterlagen zum Thema

2016-superintendenten-bericht.pdf

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