Keine Schulpflicht in der Erstaufnahme

Auch bei der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein sprachen Schulreferentin Silke van Doorn und Flüchtlingspfarrer Peter Liedtke am Montag im Laaspher Gemeindehaus über die schwierige Situation von Flüchtlingskindern in den Erst-Unterbringungen.

Peter Liedtke ist seit einem Jahr Flüchtlingspfarrer im Wittgensteiner Kirchenkreis, bei der jüngsten Synode machte er in seinem Bericht sehr anschaulich deutlich, dass gerade zwar nicht mehr so viele Flüchtlinge kommen, dass die Situation derjenigen, die hier sind, dennoch schwierig ist: Sie könnten zwar mit einem Aufenthalts-Status die Erstaufnahme-Einrichtung legal verlassen, fänden dann jedoch kein Dach überm Kopf. Viele größere Ziel-Kommunen seien aufgrund der großen Nachfrage überfordert. Und so landeten die Flüchtlinge wieder relativ perspektivlos in der Erstaufnahme-Einrichtung.

Genau an dieser Stelle setzte ein Antrag des Ausschusses für Bildung und Erziehung des Kirchenkreises an, den Silke van Doorn, Mitglied des Kreissynodalvorstands (KSV), als Ausschuss-Vorsitzende einbrachte: Peter Liedtke habe den Ausschuss darauf aufmerksam gemacht, dass Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in den Erst-Unterbringungen sind, nicht als schulpflichtig gelten würden. Bei einer vorgesehenen Verweildauer von wenigen Wochen sei das hinnehmbar gewesen. Nun habe sich aber eine Verweildauer von mehr als drei Monaten ergeben, die sich bei vielen weiter verlängere – trotzdem würden sie nicht beschult. Der zuständige Schulrat kenne das Problem, könne aber an der Gesetzeslage nichts ändern. Der Ausschuss wisse, dass es keine Lösung sei, auch diese Flüchtlingskinder noch irgendwie in den Schulen unterzubringen, da diese schon am Rande ihrer Möglichkeiten durch die zugewiesenen Flüchtlinge schienen. Dennoch fordere der Ausschuss: „Spätestens nach zwei Wochen sollten Kinder Unterricht erhalten, damit sie Struktur kennen lernen, nicht verwahrlosen und besonders die Deutschkenntnisse wachsen.“

Die Motivation zu diesem Antrag fasste Silke van Doorn sehr klar zusammen: „Für die Kinder spricht niemand, also tun wir das!“ Der Ausschuss wisse, dass es keine einfachen Lösungen geben könne. Aber er wolle auf das Problem aufmerksam machen und darum bitten, dass man sich in den Kirchengemeinden und im KSV Gedanken mache, wie man hier Abhilfe schaffen könne. Dieser Auftrag erging von der Synode einstimmig an das Leitungsgremium des Kirchenkreises.