Umbau des Freizeitzentrums Wemlighausen

Bei der Wittgensteiner Synode zählten Hans Joachim Behm (links) von der Rechnungsprüfungsstelle und Jan Siegismund aus der Haushaltsabteilung des Gemeinsamen Kreiskirchenamtes Siegen/Wittgenstein die Stimmen aus. Am Ende sprach sich die Versammlung knapp gegen den Umbau des Wemlighäuser Freizeitzentrums aus.

Jede Stimme zählt – gern wird diese Binsenweisheit formuliert, selten stimmte sie mehr als bei der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein am Mittwoch in Bad Laasphe. Mit 22 zu 21 Stimmen sprachen sich im Gemeindehaus die Delegierten aus den 16 Gemeinden und den einzelnen Arbeitsbereichen des Kirchenkreises gegen die Fortführung der Umbauplanungen des Freizeitzentrums (FZ) Wittgenstein aus. Das Außergewöhnliche dabei: Im September 2013 gab es bei der Wittgensteiner Sommersynode ein ganz anderes Bild, da waren noch 35 für einen FZ-Umbau und nur 14 dagegen. Weshalb sich die Mehrheiten so schnell, so deutlich gedreht haben, ist schwierig zu sagen.

Unterschiedliche Punkte spielten hier wohl eine Rolle. Nachdem die Kosten für den Umbau überhaupt nicht mit dem geplanten Finanzrahmen in Einklang zu bringen waren, hatte der Kirchenkreis zunächst mal die Architektin ausgewechselt. Mit einem neuen Architekten war nochmal genau in Blick genommen worden, was wirklich notwendigerweise zu ändern sei, um die Einrichtung zukunftsfähig zu machen. Dabei wurden nach allgemeiner Einschätzung der zuständigen Gremien - das ist neben dem FZ-Kuratorium auch die Bau-Projektgruppe - die Planungen nicht nur dichter an die heimischen Bedürfnisse gerückt, sondern auch noch Geld eingespart.

Unendlich viele Stunden hauptamtlicher, aber auch ehrenamtlicher Arbeit wurden in die Zukunft des FZ investiert. Zudem war Superintendent Stefan Berk unterwegs, um in der heimischen Wirtschaft Sponsoren und finanzielle Unterstützer zu finden. Das gelang für einen sechsstelligen Betrag. Am Ende war es nur noch eine kleine Summe, die für den inzwischen mit 1,8 Mill. Euro bezifferten Bau fehlte. Aber die hätte man leicht auftreiben können und müssen, denn der Finanzierungsplan des Umbaus war mit genauen Zahlen festgeschrieben worden. Dennoch versagte die Synode dem FZ diesmal ihre Unterstützung. Der Grund? Die Stimmung war eine ganz andere.

Auch im vergangenen Jahr war bei der Synode deutlich auf bestehende Risiken durch einen Umbau hingewiesen worden, darauf, dass das FZ schwer in die Konzeption der Kirchenkreis-Jugendarbeit passt, darauf, dass eine solches Einrichtung nur funktioniert, wenn es der Kirchenkreis wirklich zu seinem Haus macht und auf längere Sicht die Arbeit hier subventioniert. Das war damals jedoch sehr unaufgeregt passiert. Diesmal waren die Diskussionen indes viel hitziger. In Zeiten, da bereits drei Wittgensteiner Kirchengemeinden im Haushaltssicherungskonzept sind und fünf kurz davor stehen, war diesmal statt Gottvertrauen und Zuversicht anscheinend Angst der Ratgeber für viele Synodale.

Mit Verantwortungsbewusstsein, aber auch Verzagtheit lehnte die Versammlung denkbar knapp folgenden Beschlussvorschlag ab: „Die Synode des Kirchenkreises Wittgenstein macht sich die Position des Kreissynodalvorstands zu eigen und beschließt, an der Durchführung des Umbaus des Freizeitzentrums Wemlighausen festzuhalten. Unbedingte Voraussetzung bleibt, dass der beschlossene Kostenrahmen der Eigenmittel des Kirchenkreises in Höhe von 1,4 Mio. Euro nicht überschritten werden darf.“

Stattdessen fasste sie bei sechs Gegenstimmen und vier Enthaltungen folgenden Beschluss: „Die Synode nimmt zur Kenntnis, dass die Kosten für den Umbau des FZ von ursprünglich geplanten 1,4 Mio. Euro auf 1,8 Mio. Euro steigen. Deshalb übernimmt die Synode nicht länger die Verantwortung für die Durchführung der Umbaumaßnahme. Stattdessen wird der KSV beauftragt, nach Alternativen zu suchen, das FZ ohne die bisher geplanten Umbaupläne weiter zu betreiben. Darüber hinaus soll auch eine Schließung und ein Verkauf der Anlage geprüft werden.“

Nach der vielen Arbeit, die scheinbar unnötig für den Erhalt des Freizeitzentrums geleistet wurde, muss sich der Kreissynodalvorstand erneut Gedanken machen und ungefähr bei Null anfangen. Jede Stimme zählt, gerade in der Evangelischen Kirche. Deshalb wäre für den Kirchenkreis auch eine Entscheidung für das FZ nicht viel besser gewesen, wenn sie genauso knapp ausgefallen wäre.