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15.03.2020
Von: Jens Gesper

Gottesdienste abgesagt

Dynamik der Corona-Pandemie verlangte im Kirchenkreis nach kurzfristigen Änderungen


Kurz vor dem einzigen Gottesdienst im Wittgensteiner Kirchenkreis am gestrigen Sonntag machte sich das Arfelder Presbyterium, hier mit Organist Lukas Grundmann, Gedanken, ob und wie man an diesem Morgen Abendmahl feiern möchte.

Auch wenn es in der Berleburger Stadtkirche am gestrigen Sonntag keinen Gottesdienst gab, spielte Hans-Werner Christ doch Orgel. Einzelne suchten zur Gottesdienst-Zeit einen Augenblick der inneren Einkehr in dem Gotteshaus.

Einen Gottesdienst gab es am gestrigen Sonntag in der Evangelische Kirche Erndtebrück nicht, ihre drei Pfarrer waren dennoch vor Ort. Gemeinsam werden sie jetzt mit dem Presbyterium überlegen, wie die Erndtebrücker Kirchengemeinde in den kommenden Wochen ihren Dienst gestaltet.

Gut zwei Dutzend Besucher waren am gestrigen Sonntag in der Erndtebrücker Kirche - obwohl es dort keinen Gottesdienst gab. Mit dem notwendigen Abstand hörte man zusammen das Evangelium, verband man sich zum Fürbittengebet, das die Politiker genau wie die Menschen im Gesundheitswesen und die Corona-Virus-Infizierten in den Blick nahm, und erhob man sich gemeinsam zum Vaterunser.

Die Veranstaltungsplakate oben drüber sind inzwischen überholt, die anderen Aushänge in der Erndtebrücker Kirche sind mittlerweile wichtiger.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben solch eine Dynamik, dass man sich erstens regelmäßig über neue Informationen auf dem Laufenden halten muss und zweitens flexibel auf dieser Basis immer wieder neue Entscheidungen treffen muss. Das ist am Wochenende auch im Wittgensteiner Kirchenkreis geschehen. Bereits am Donnerstag und Freitag waren größere, besondere Gottesdienste wie ein Familiengottesdienst in der Laaspher Stadtkirche, der Diakoniegottesdienst in der Evangelischen Kirche Erndtebrück und die Jubelkonfirmation in Girkhausen abgesagt worden, ersatzweise sollten jedoch kleinere Gottesdienste gefeiert werden. Auch aufgrund der Erinnerung an den 11. September 2001 und an die Atomkatastrophe in Fukushima - damals waren im Wittgensteiner Kirchenkreis viele Gottesdienste sehr gut besucht, weil in Zeiten der Verunsicherung Gottesdienste und der Kirchenraum selbst Trost und Hoffnung geben.

Als am Samstag dann für das Berleburger Stadtgebiet ein generelles Veranstaltungsverbot ausgesprochen wurde, war das ausschlaggebend für ein neues Nachdenken. Superintendent Stefan Berk suchte Kontakt mit den Kirchenkreis-Gemeinden in Wittgenstein und Hochsauerland, um eine einheitliche Linie zu finden. Einige Presbyterien hatten ohnehin schon Veränderungen für den Gemeindebetrieb beschlossen. Die einheitliche Linie sah dann am Sonntag so aus: Eigentlich fanden keine Gottesdienste statt, stattdessen waren an den vorgesehenen Gottesdienststätten Pfarrerinnen und Pfarrer vor Ort, die Kirchentüren standen offen, es konnte gemeinsam oder allein gebetet werden, hier und da spielte eine Orgel, außerdem wurde aus der Bibel gelesen.

Einzige Ausnahme: Arfeld. Hier stand die Konfirmation auf dem Programm. Kontinuierlich waren der Pfarrer Horst Spillmann, das Presbyterium, die Konfis und ihre Eltern miteinander im Gespräch. Die Entscheidung vom Freitag, tatsächlich Konfirmation zu feiern, wurde auch bei einer neuerlichen Diskussion am Samstag nicht revidiert. Sieben Konfirmandinnen und Konfirmanden in der großen Arfelder Kirche waren ohne Schwierigkeit und mit genügend Abstand unterzubringen, für den einen oder anderen Konfi fiel die Festgesellschaft dabei allerdings deutlich kleiner aus als ursprünglich geplant. Auch zum anschließenden Abendmahl wurde entgegen der üblichen Gewohnheiten nicht die gesamte Gemeinde, sondern ausschließlich die Konfirmandinnen und Konfirmanden eingeladen.

Wann nun in den übrigen 13 Wittgensteiner Kirchenkreis-Gemeinden, die von Mitte April bis Mitte Juni terminierten Konfirmationen gefeiert werden, kann man derzeit nicht sagen. In welcher Form die für die kommenden drei Wochen geplanten Einführungsgottesdienste für die neuen Presbyterien stattfinden, muss man sehen. Der Verabschiedungsgottesdienst für Pfarrer Horst Spillmann in Arfeld Ende März wird verschoben. Generell sind nun erstmal alle Kreise, Gruppen und Gottesdienste im Wittgensteiner Kirchenkreis abgesagt. Dennoch werden in manchen Kirchen wie etwa in Erndtebrück und in Bad Berleburg tagsüber die Türen offen sein, um in diesen besonderen Zeiten den Menschen diese besonderen Räume für Gebet und Stille zu öffnen.