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24.09.2019
Von: Jens Gesper

An zwei Abenden gab es Mozart...

... in der Laaspher Stadtkirche - und das nur wegen Karl Barth


Rüdiger Weyer beschäftigte sich zur Eröffnung der Karl-Barth-Ausstellung in der Laaspher Stadtkirche mit dessen Tambacher Vortrag „Der Christ in der Gesellschaft“.

Die Laaspher Gemeindepfarrer Dieter Kuhli und Steffen Post sorgten dafür, dass die örtliche Stadtkirche für einen Abend zum Kinosaal wurde. Auf dem Programm stand der Dokumentarfilm über Karl Barth aus dem Jahr 2017: „Gottes fröhlicher Partisan“.

Neben Gemeindegliedern und örtlichen Touristen haben auch sieben Religions-Kurse und -Klassen des Städtischen Gymnasiums Bad Laasphe die Karl-Barth-Ausstellung in der Stadtkirche besucht. Für sie hatte Pfarrer Dieter Kuhli sogar einen Fragebogen dazu, der ausgefüllt werden konnte.

Genau am Vorabend des 100. Jahrestags von Karl Barths Tambacher Vortrag „Der Christ in der Gesellschaft“ beschäftigte sich Rüdiger Weyer jetzt in der Evangelischen Stadtkirche Bad Laasphe eben damit. Vor 27 Jahren hatte der Religionslehrer nach einem Referat in seinem Studium der Evangelischen Theologie eine Hausarbeit dazu geschrieben, in die er jetzt einen tiefen Einblick gab. Der Anlass dafür: Die Karl-Barth-Ausstellung „Gott trifft Mensch“ mit 16 spannenden Aufstellern vom Reformierten Bund in der Stadtkirche Bad Laasphe, die mit Rüdiger Weyers Vortrag eröffnet wurde. Diese Ausstellung feiert auch ein Jubiläum zum 100-Jährigen, denn 1919 erschien in der ersten Auflage Karl Barths neue Wege weisender Kommentar zum Römerbrief, der den Dorfpfarrer aus einer kleinen Schweizer Bauern- und Arbeiter-Gemeinde in das Bewusstsein der interessierten deutschsprachigen Theologen-Öffentlichkeit katapultierte. Laasphes Pfarrer Dieter Kuhli erwähnte in der Begrüßung Barths Ruf als evangelischer Kirchenvater des 20. Jahrhunderts, dessen Todestag sich im vergangenen Dezember zum 50. Mal jährte.

„Der Christ in der Gesellschaft“ war Karl Barths Vortrag überschrieben, geschickt interpretierte der Schweizer Theologe das vorgegebene Thema erstmal anders als wahrscheinlich erwartet, um Grundsätzliches ganz selbstverständlich zu formulieren: „Der Christ ist der Christus. Der Christ ist das in uns, was nicht wir sind, sondern Christus in uns. In seiner ganzen paulinischen Weite: wir werden wohl daran tun, den Zaun, der Juden und Heiden, sogenannte Christen und sogenannte Nichtchristen, Ergriffene und Nicht-Ergriffene trennte, nicht wieder aufzurichten. Die Gemeinde Christi ist ein Haus, das nach allen Seiten offen ist; denn Christus ist immer auch für die anderen, für die, die draußen sind, gestorben. Es ist in uns, über uns, hinter uns, jenseits uns eine Besinnung auf den Sinn des Lebens, eine Erinnerung an den Ursprung des Menschen, eine Umkehr zum Herrn der Welt.“ Rüdiger Weyer nahm seine Zuhörer mit durch die eigene Hausarbeit und auf die Spuren von Karl Barth, am Ende kristallisierte er für sich zwei Erkenntnisse aus der Beschäftigung mit dem Tambacher Vortrag heraus. Zum Ersten: „Es ist für Karl Barth also sehr wichtig, jedes Thema, jede Frage zunächst auf Christus zu beziehen, in seinem Licht Menschen und Dinge zu sehen und von daher kommend die Fragen und Probleme des Lebens zu beantworten.“ Zum Zweiten, den Gedanken und dem Handeln Karl Barths folgend: „In der Tat glaube ich, dass wir es neu lernen müssen, auf die konkreten Fragen und Sorgen der Menschen einzugehen. Ich wünsche mir deshalb lebensnahe Pfarrer, die wissen, wo ‚der Schuh drückt‘, die kurz und prägnant Jesu Sicht einer Sache auf den Punkt bringen können. Die Hauptthemen der Tagespresse (Aus- und Übersiedler, Flüchtlinge und Asylanten, Rechtsradikalismus usw.) bieten uns allen vor Ort genug Raum, nach Gottesdiensten, Andachtsstunden und Gebeten mit der Praxis zu beginnen.“ Diese Sätze stammen aus 1992.

Etwa verdoppelt wurde die Zuhörerschaft in der Stadtkirche durch den Posaunenchor der Laaspher Kirchengemeinde, dessen Leiter der Wallauer Rüdiger Weyer seit 22 Jahren ist. Als Karl-Barth-Kenner wusste er sofort, was zu spielen war: Mozart, was sonst? Sollte er in den Himmel kommen, werde er sich dort, „zunächst nach Mozart und dann erst nach Augustin, nach Luther, Calvin erkundigen“, hatte der Schweizer gescherzt. So hörten die Stadtkirchen-Besucher an diesem Abend in vier musikalischen Interventionen unter Anderem die „Kleine Nachtmusik“ von Blechbläsern.

Auch am übernächsten Abend gab es Musik von Wolfgang Amadeus Mozart in der Stadtkirche, von Friedhelm Nicklaus in zwei Stücken an der Orgel zum Leben erweckt. Auf diese Art eröffnete er eine Veranstaltung, die nochmal ganz anders aus dem Stadtkirchen-Alltag fiel. Diesmal war nämlich eine Leinwand aufgespannt, auf der diese etwas andere Abend-Gemeinde den Dokumentarfilm „Gottes fröhlicher Partisan“ aus 2017 über Karl Barth schaute. Er brachte den zwei Dutzend Zuhörern nicht so sehr den Theologen, dafür aber den Menschen Karl Barth näher. Einigen Raum nahm dabei sein gleichzeitiges Leben mit zwei Frauen ein, eine komplizierte Kombination, über die hier auch drei inzwischen ziemlich ergraute Enkelkinder Karl Barths ganz unbefangen Auskunft gaben. Es kamen aber natürlich weitere Themen vor. Dabei auch immer wieder Filmsequenzen mit Karl Barth und seinem deutlich vernehmbaren Schweizer Akzent.

All diese Veranstaltungen fanden inmitten der Ausstellung statt, die zwischenzeitlich nicht nur während der offiziellen Offenen Kirche in Bad Laasphe Gäste hatte, sondern außerdem noch von insgesamt sieben Religions-Kursen und -Klassen des örtlichen Städtischen Gymnasiums besucht wurde.

Am Sonntag, 29. September, geht es beim Gottesdienst mit Pfarrer Dieter Kuhli ab 10 Uhr in der Stadtkirche Bad Laasphe nochmal sehr viel mehr um Karl Barths Theologie, das Thema lautet: „‚Der Ton vom Ostermorgen’ - Leben und Wirken des Theologen Karl Barth“. Gleich vorher und direkt danach hat man noch einmal die Chance hat, die Karl-Barth-Ausstellung in der Lahnstadt zu betrachten. Danach zieht diese weiter. Am Montag und Dienstag, 30. September und 1. Oktober, ist sie im Gemeindehaus Raumland zu sehen, außerdem gibt es am Dienstag an gleicher Stelle ab 19 Uhr einen Vortrag vom ehemaligen Raumländer Vikar Dr. Tim Elkar, inzwischen Pfarrer in Neunkirchen, über Leben und Werk Karl Barths unter der Überschrift „Deine Gnade genügt“.

Hier gibt es die Hausarbeit von Rüdiger Weyer (pdf, 8,5 MB),
hier
gibt es mehr Informationen und Fotos.