„Wir sind eine Familie“ >
< Neue Konfis stellten sich im Gottesdienst vor
08.09.2019
Von: Jens Gesper

In Langewiese und Winterberg zur Probe gepredigt

Dr. Sandra Gintere könnte nach Vortrag am Freitag neue Gemeindepfarrerin werden


Dr. Sandra Gintere konnte nach dem Gottesdienst am Sonntag auch dem früheren Winterberger Pfarrer Manfred Gringel die Hand schütteln. Während sie in der lettischen Sowjetrepublik geboren wurde, kam er einst im ostpreußischen Langstein, das nun in Polen liegt, zur Welt.

„Darf ich Sie bitten nach vorn zu kommen?“ - mit einem freundlichen Lächeln lud Dr. Sandra Gintere in Langewiese am frühen Sonntagmorgen rund 40 Gottesdienst-Besucher, die ihren Sitzplatz eher in der hinteren Hälfte der örtlichen evangelischen Kirche gesucht hatten, ein, in die ersten Bankreihen ein. Und fast alle folgten der Einladung der Frau, die möglicherweise die neue Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Winterberg wird. Die ursprünglich aus Lettland stammende 58-Jährige arbeitet seit drei Jahren als Pfarrerin im Siegerland und wird nun der Winterberger Kirchengemeinde von der Evangelischen Kirche von Westfalen als neue Pfarrerin präsentiert, zwei Jahre nachdem Pfarrer Matthias Gleibe Winterberg verlassen hat.

Außer der Predigt, die Sandra Gintere am Sonntag zunächst in Langewiese, danach auch noch vor rund 60 Besuchern in der Evangelischen Kirchen Winterberg hielt, gehört zu einer Präsentation verbindlich noch eine weitere Aufgabe, bei der sich Pfarrstellen-Bewerber vorstellen: manchmal der Konfirmanden-Unterricht, manchmal eine Bibelstunde. In diesem Fall ist es nun ein Vortrag.

Die gut 1300 Gemeindeglieder der Winterberger Kirchengemeinde entsprechen einer halben Pfarrstelle, deshalb wird diese um eine zweite Hälfte vom zuständigen Wittgensteiner Kirchenkreis aufgestockt. In den zweiten 50 Prozent kümmert sich Sandra Gintere ums Thema „Tourismus“ mit dem Schwerpunkt in Winterberg, aber auch für den übrigen Kirchenkreis, zu dem neben Wittgenstein auch das Schmallenberger Sauerland gehört. Zur Kombination „Kirche und Tourismus“ hält Sandra Gintere am Freitag, 13. September, ab 19 Uhr im Haus der Kirche in Bad Berleburg, Schloßstraße 25, einen Vortrag unter der Überschrift „Menschenwege in Gottes Welt“, zu dem alle Interessierten herzlich eingeladen sind.

Im Tourismus-Zusammenhang wirkte es interessant, wie Sandra Gintere in ihrer Predigt am Sonntag zur biblischen Geschichte von Maria und Martha nicht nur einen ganz akkuraten Blick auf die Gastgeber-Rolle der Schwestern warf, sondern sich und ihren Zuhören das dargebotene Essen so präzise beschrieb, dass einem in der Kirche das Wasser im Munde zusammenlief. Wobei das nur ein Aspekt der Predigt war, sehr genau blickte Sandra Gintere auch auf die Lebenssituation der beiden Schwestern, die mit ihrem Bruder Lazarus - allesamt unverheiratet - für die damaligen Zeiten eine ungewohnte Wohngemeinschaft bildeten. Das Idealbild der Vater-Mutter-Kinder-Familie stellte Sandra Gintere daneben, sie war sich für die Gegenwart aber auch sicher, dass Gott ebenfalls ganz selbstverständlich bei Patchwork-Familien und Alleinerziehenden und deren Kindern ist.

Das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Winterberg entscheidet nach dem Gottesdienst am Sonntag, 15. September, in seiner Sitzung über die Präsentation. Danach können die Dinge ihren gewohnten Gang gehen. Superintendent Stefan Berk skizzierte schon beim Gottesdienst am vergangenen Sonntag in Langewiese den weiteren Verlauf, wenn sich das gemeindliche Leitungsgremium für Sandra Gintere entscheidet. Demnach könnte sie, wenn alles glatt und geschmeidig läuft, bei einem ehrgeizigen Zeitplan im November ihren Dienst in Winterberg antreten.

Hier gibt es mehr Fotos von dem Morgen in Langewiese und Winterberg.