„Einen Schlüssel zu haben, ist gut“ >
< Der Garten war diesmal das Thema
28.06.2019
Von: Jens Gesper

Was vom Trialog übrig blieb

Junge Christen aus Tansania, den USA und Wittgenstein dachten gemeinsam über Vertrauen nach


Für die Gruppe war es kompliziert, dass ein größerer Teil wegen Visums-Problemen erst beim Kirchentag dazukam, aber gute Kennenlern-Spiele waren in dieser schwierigen Phase in Dortmund eine ganz große Hilfe.

Die Fahnen an den Winterberger Bäumen sind aus Österreich und Lettland, aber die vier Trialog-Leute in diesen Bäumen im Wittgensteiner Kirchenkreis sind aus Deutschland, Tansania, den USA – und außerdem auch noch ein bisschen aus Brasilien.

Die tansanisch-amerikanisch-deutsche Trialog-Gruppe besuchte Köln - natürlich kam sie da am Dom nicht vorbei.

Nachdem die Trialog-Gruppe zunächst vorm Elsoffer Gemeindehaus der Lukas-Kirchengemeinde die Leonardo-Brücke aufgebaut hatte, liefen die jungen Leute dann auch drüber - voller Vertrauen, aber dennoch auch mit einer Hand, die einen hält.

Inzwischen sind sie alle an ihren Ausgangsorten in ihren jeweiligen Lebensalltagen zurück: Amina, Eva, Peter und Simon in Tansania, Josh, Rick und Stefanie in den USA, Fenja in Fischelbach, Hannes in Sassenhausen, Jaime in Erndtebrück, Max in Bad Berleburg und Oliver in Oberndorf. Zwölf Tage lang waren sie rund um den Kirchentag als Trialog-Gruppe unterwegs, um als Protestanten von drei verschiedenen Kontinenten miteinander das Kirchentags-Leitmotiv „Was für ein Vertrauen“ durchzubuchstabieren und zu bedenken. Die Partnerschaft des Wittgensteiner zu ihrem Partnerkirchenkreis Ngerengere in Tansania besteht seit 1990, die Jugendaustausch mit der United Church of Christ in Indiana und Kentucky seit 1993. Die damit verbundenen jeweiligen Besuche finden in schöner Regelmäßigkeit statt, für beide Verbindungen gibt es klar funktionierende Strukturen. Das war diesmal anders, für den so genannten Trialog der drei Länder gab es keine Blaupause. So kam der tansanischen Gruppe nicht nur kurz vorm Deutschland-Besuch ihr Superintendent abhanden, der Teilnehmer des Trialogs sein sollte, darüberhinaus gab es für drei junge Leute aus der Gruppe bisher nie gekannte Visums-Probleme - auch wenn mit zeitlicher Verzögerungen die verbliebenen Vier der Fünfer-Gruppe schließlich doch alle hier waren. Sehr kurzfristige Planungen machten es in Deutschland und in den USA schwer, in den letzten Momenten des Abiturs oder in der heißen Prüfungsphase von Auszubildenden junge Teilnehmer zu finden.

Jaime Jung, seit November Pfarrer in Erndtebrück und ursprünglich aus Brasilien stammend, war es, der trotzdem das breite, bunte Programm sehr gut organisierte. Dabei an seiner Seite Max Born aus der Berleburger Jugendarbeit und im Freiwilligen Sozialen Jahr in der örtlichen Kirchengemeinde sowie der Oberndorfer Pfarrer Oliver Lehnsdorf als Vorsitzender des Partnerschafts-Unterausschusses „Ngerengere“, alle am Trialog beteiligt. Hinzu kam Franzi Heß vom Kirchenkreis-Kompetenzzentrum für Kinder-, Jugend- und Familienarbeit, die als Beobachterin von außen hilfreiche Tipps geben konnte, und die Berleburger Pfarrerin Claudia Latzel-Binder, die aufgrund ihrer breiten internationalen Ökumene-Erfahrung immer wieder Ratschläge hatte, an ganz vielen Programmpunkten beteiligt war und mit ihrem Beförderungs-Einsatz dafür sorgte, dass am zweiten Kirchentags-Tag auch die drei fehlenden Tansanier zur Gruppe in Dortmund dazu kommen konnten.

„Was für ein Vertrauen“ stand über dem Trialog und nicht nur beim Kirchentag kam dieses Leitmotiv oft zum Tragen. Gleich am ersten Tag war man gemeinsam auf der 40 Meter langen Hängebrücke bei Kühhude unterwegs, auch der Besuch im Winterberger Kletterpark oder eine Andacht, die zum Laufen über Glasscherben ermutigte, waren solche Einladungen zum Vertrauensbeweis, auf den sich viele einließen, aber nicht immer alle. Und auch das war in Ordnung. Die sprachlichen Hürden waren manchmal höher als erwartet, aber das fröhliche Miteinander bei Kennenlern-Spielen und in erlebnispädagogischen Einheiten funktionierte immer. Neben der Gemeinschaftsunterkunft in einer Dortmunder Schule beim Kirchentag waren das Wittgensteiner Abenteuerdorf und das Christushaus im Herrengarten die Unterkünfte für den Trialog-Austausch. Im Berleburger Gemeindehaus gab es dann auch mal ein amerikanisches Frühstück, ein tansanisches Mittagessen und einen bunten Abend, bei dem nicht nur die Feudinger CVJM-Tonspuren sangen und der Berleburger Christian Schneider Gitarre spielte, auch die Trialog-Teilnehmer gestalteten mit Musik und Informationen aus ihrer Heimat den Abend mit, der bei einem gemütlichen Grillen vorm Christushaus endete.

Außerdem gehörten zum Programm: ein Tag in Köln inklusive Rhein-Schifffahrt sowie Aufenthalt im Dom und in einem Escape Room, eine Wanderung durch die Wisent-Wildnis mit einem gutem Blick auf die Kolosse, ein 08/14-Gottesdienst in Bad Berleburg, eine Stippvisite am Waldskulpturen-Kunstwerk „Stein-Zeit-Mensch“, eine Berleburger Schlossführung, ein Besuch in der Oberndorfer Kirche bei einem Andi-Weiss-Konzert und ein spannender Aufenthalt in der Lukas-Kirchengemeinde, wo die Wege in die Elsoffer Kirche, an die Orgel, auf den jüdischen Friedhof, in die Schule und abschließend in einen örtlichen Kuhstall führten. Orte, an denen sich Pfarrer Joachim Cierpka überall gleichermaßen gut auszukennen schien. Beim Elsoffer Gemeindehaus baute die Trialog-Gruppe unter tatkräftiger Mitwirkung von Anke Althaus-Aderhold aus dem Lukas-Leitungsgremium eine Leonardo-Brücke auf, über die die jungen Leute voller Vertrauen gingen. Gott sei Dank vorm leckeren Mittagessen, denn nach der Lukas-Einladung waren die die junge Leute wahrscheinlich doch schwerer als vorher. Eine besondere Vertrauens-Herausforderung war der Besuch in Siegen, wo man nach dem Abendessen im Dunkel-Restaurant auf der Nachtwächter-Tour fast in eine Kundgebung der rechtsextremistischen Kleinstpartei „Der dritte Weg“ geraten wäre. Allein die Zusammensetzung der Gruppe veranlasste diese zur Umkehr - auch das eine Realität im Deutschland von 2019, wo das Vertrauen auch mal an seine Grenzen kommt.

Inzwischen sind sie alle an ihren Ausgangsorten und in ihren jeweiligen Lebensalltagen zurück. Aber die Erfahrungen aus den zwölf Tagen haben sie mit nach Hause genommen: in die USA, nach Tansania und auch in ihre Wittgensteiner Heimatorte. Die kann ihnen niemand mehr nehmen. Die haben sie selbst und vielleicht auch ihr Vertrauen wachsen lassen. Und das ist gut so.

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