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23.06.2019
Von: Jens Gesper

Was vom Kirchentag übrig blieb

Gastgeber-Sein ist anstregender, aber auch schöner als nur Besucher-Sein


Auf dem Berleburger Stöppel machten sich Wittgensteiner und Hochsauerländer auf den Weg zu ihrem Fünf-Tages-Erlebnis-Kurzurlaub beim Dortmunder Kirchentag.

Der bittende Blick, hier aus der Lukas-Kirchengemeinde im Elsoff- und Edertal, zum Himmel half, nachdem es beim Abend der Begegnung mal kurz regnete, fing sich das Wetter wieder und blieb bis zum Schlussgottesdienst gut und oftmals sonnig.

Lama-Brandzeichen auf Holzscheiben zaubern, das konnte man am Stand vom Abenteuerdorf Wittgenstein beim Abend der Begegnung zum Auftakt des Kirchentags.

Der Feierabend beim Abend der Begegnung war so spät, dass der Blitz die vielen fleißigen Helfer aus der Kirchengemeinde Dorlar-Eslohe leider nicht mehr bis in die letzte Reihe beleuchtet bekam.

Wenn die Schlange vorm begehrten KirchenWald mal wieder zu lang war, dann hatten die Helfer auch schon vorher ein Becher Wasser für die Wartenden.

Der Wittgensteiner KirchenWald zauberte in der Dortmunder St.-Petri-Kirche auf manches Gesicht ein Lächeln.

Die Trialog-Gruppe mit jungen Menschen aus dem tansanischen Ngerengere, von der United Church of Christ in Indiana und Kentucky und aus Wittgenstein traf sich mit Superintendent Stefan Berk im Dorf der beiden Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein auf dem Markt der Möglichkeiten zu einem Gespräch über das Thema „Was für ein Vertrauen“.

Auch Adelheid Böhl (Zweite von rechts) aus Stünzel und die Banferin Christel Knebel (rechts) gehörten zum Frauenhilfs-Team beim Markt der Möglichkeiten auf dem Kirchentag.

Gastgeber-Sein ist deutlich anstrengender als Besucher-Sein sein - diese Erkenntnis konnten nach dem 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund auch viele Menschen aus dem Wittgensteiner Kirchenkreis unterschreiben. Als Teil der Westfälischen Landeskirche übernahm der heimische Kirchenkreis mit seinen Menschen ebenfalls Aufgaben und trug so dazu bei, dass dieser Kirchentag auch ein bisschen nach Wittgenstein und Hochsauerland roch und schmeckte.

Gleich beim Abend der Begegnung nach dem Eröffnungsgottesdienst hatten die Kirchenkreise Wittgenstein und Siegen, die den Gestaltungsraum XI ganz im Süden der Evangelischen Kirche von Westfalen bilden, einen hervorragenden Platz erwischt. Wer aus dem Südwesten Dortmunds zu dem fröhlichen Abend mit zahllosen Ständen und musikalischen Angeboten wollte, der kam am kleinsten westfälischen Kirchenkreis nicht vorbei. Das Abenteuerdorf Wittgenstein stellte sich mit Lama-Weben und Holzbrandzeichen zum Selbermachen vor. Das Marburger Bibelseminar lud als Abenteuerdorf-Kooperationspartner mit einfachsten Mitteln Gruppen von zwei Leuten aufwärts dazu ein, miteinander Auswege zu finden und Aufgaben zu lösen. Der Wittgensteiner Flüchtlingspfarrer Peter Liedtke regte zum Nachdenken über das Thema „Heimat ist für mich…“ an. Bei der Lukas-Kirchengemeinde aus dem Elsoff- und Edertal konnte man eine Leonardo-Brücke bauen, sie stellte außerdem ihr ausgezeichnetes Projekt „Sieben auf einen Streich“ vor. Die Kirchengemeinde Dorlar-Eslohe, die auch zum Wittgensteiner Kirchenkreis gehört, hatte im Handumdrehen alle Herzen, die live vor Ort aus Sauerländer Schiefer herausgeschlagen wurden, verkauft, auch die angebotene Mett-Spezialität namens Esloher Igel und frisches Brot aus dem Kirchenkreis fanden reißenden Absatz.

Damit wäre die Sache mit dem Nach-Wittgenstein-und-Hochsauerland-Schmecken geklärt. Aber wo roch der Kirchentag nach unserem Kirchenkreis? Ganz einfach: in der St.-Petri-Kirche. Egal, wer das Gotteshaus betrat, eines war so sicher wie das Amen in der Kirche: Die Menschen atmeten ein - und zwar ganz, ganz tief und sie wunderten sich über den wundervollen Duft. Knapp 50 Bäume aus dem Wittgensteiner Kirchenkreis standen in der Dortmunder Kirche, schufen den Eindruck eines Waldes. Viele Hände und Köpfe hatten Superintendent Stefan Berk dabei geholfen, seine Idee Wirklichkeit werden zu lassen. Die breitgefächerten ansprechenden Andachten aus den Kopfhörern, der Barfußpfad, die Fühlboxen mit unbekanntem Inhalt, die zum Nachdenken einladenden Texte aus der Bibel oder auch von einem Indianer-Häuptling und nicht zuletzt die wundervollen Fotos des Berleburgers Stefan Völkel von Bäumen und Wäldern im Kirchenkreis machten den KirchenWald zu einem sinnenfreudigen Rundum-Erlebnis. Und wenn am Ende jemand ökologische Bedenken hatte, dann konnten die freundlichen heimischen KirchenWald-Erklärer nicht nur einen Becher frisches Wasser reichen, sondern auch erläutern, dass allein in Wittgenstein 82 Mio. Bäume - also etwa für jeden Bundesbürger einer - stehen. Und dass die in Dortmund aufgestellten entnommen werden mussten, um in dem heimischen Wirtschaftswald für die anderen Platz zu schaffen. Längere Schlangen verlangten von den Wartenden manchmal ein bisschen Geduld, aber während des Wald-Aufenthaltes sollte niemand gehetzt und gedrängelt werden. Ganz ohne Warten konnten die Fernsehzuschauer beim Wort zum Sonntag vom Kirchentag einen Blick in den KirchenWald werfen, war doch die ARD-Traditions-Sendung zwischen seinen Zweigen aufgezeichnet worden.

Gleich vor der St.-Petri-Kirche fand einer der drei öffentlichen Kirchentags-Auftritte des Kleinen Chores zum Lobe Gottes der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Berleburg unter Leitung von Pfarrerin Christine Liedtke statt, zu den rund 2000 Stimmen bei der großen Musical-Aufführung von „Marin Luther King“ in der Westfalenhalle gehörten die beiden von Pfarrerin Kerstin Grünert und Presbyterin Stefanie Graffmann aus Erndtebrück. Außer der Trialog-Gruppe mit jungen Menschen aus dem tansanischen Ngerengere, von der United Church of Christ in Indiana und Kentucky und aus Wittgenstein waren viele weitere junge und ältere Menschen aus dem Kirchenkreis in Dortmund unterwegs. Trotz ihrer 81 Jahre übernachtete die Schmallenbergerin Christa Gorges wie gehabt in der Gemeinschaftsunterkunft. Franzi Heß vom Kompetenzzentrum für Kinder-, Jugend- und Familienarbeit im Kirchenkreis hatte bei ihrem erstmaligen Angebot einer organsierten Fünf-Tages-Fahrt schon einige junge Leute dabei, deren Begeisterung lässt auf eine Wiederholung hoffen. Auch die beiden Tagesfahrten wurden gut angenommen, die Kirchengemeinde Dorlar-Eslohe hatte für ihre traditionelle Gemeindefahrt den Dortmunder Kirchentag als Ziel ausgesucht. Als gemeinsamer Gestaltungsraum hatten die Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein auf dem Markt der Möglichkeiten ein gemeinsames Dorf gestaltet, wo sich neben vielen Anderen das gemeinsame Schulreferat mit Pfarrerin Silke van Doorn und die Frauenhilfen aus Siegerland und Wittgenstein präsentierten, vorneweg dabei: die Berghäuser Pfarrerin Berit Nolting. Ihr Raumländer Kollege Dr. Dirk Spornhauer war auch auf dem Markt der Möglichkeiten zu sehen, genauer gesagt am Evangelischen-Bund-Stand.

Gastgeber-Sein ist deutlich anstrengender als Besucher-Sein - das merkten Stefan Berk, Christine Liedtke und Peter Liedtke auch nochmal, als sie als Pfarrer beim Abendmahl des Schluss-Gottesdienstes im Fußballstadion „Signal Iduna Park“ und auf der Wiese im Westfalenpark mitwirkten und nicht ganz so leicht an Traubensaft und Brot dafür kamen. Aber das war bald vergessen, weil Gastgeber-Sein nicht nur anstrengender, sondern ganz am Ende auch deutlicher schönes ist als nur Besucher-Sein.

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