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01.01.2019
Von: Jens Gesper

„Suche Frieden und jage ihm nach!“

Was sagen Menschen aus dem Kirchenkreis zur Jahreslosung 2019?


Ein englisch-sprachiges „Gott segne dich“ auf einem Verkehrsschild in Malta. Gesetzlich bestimmt verboten, aber vielleicht ein Sinnbild für die Jahreslosung 2019 und ihre immer währende Aufforderung in einer immer friedloseren Welt: „Suche Frieden und jage ihm nach!“

Franzi Hess und Daniel Seyfried in der mittleren Reihe auf dem Foto zu ihrer Vorstellung arbeiten seit Oktober zusammen im Kirchenkreis-Kompetenzzentrum für Kinder-, Jugend- und Familienarbeit. Ihnen kommt ganz Unterschiedliches in den Sinn, wenn sie hören: „Suche Frieden und jage ihm nach!“

Patrick Bloy (Dritter von links) ist seit Oktober als Vikar in Bad Berleburg, bei manchem Hetzen im Alltag würde er gern das eigentliche Ziel neu in den Blick nehmen, vielleicht auch singend wie hier im Kleinen Chor zum Lobe Gottes. Ganz im Sinne der Jahreslosung: „Suche Frieden und jage ihm nach!“

Obwohl Pfarrer Jaime Jung sehr gut Deutsch spricht, schaut und hört er als Nicht-Muttersprachler bei den Details genauer hin. Auch bei der Jahreslosung 2019: „Suche Frieden und jage ihm nach!“ Und ebenfalls im Gespräch mit den Gemeindegliedern nach seiner Einführung in Erndtebrück.

Krankenhaus-Seelsorgerin Claudia de Wilde wurde bei der Wittgensteiner Sommersynode begrüßt, bei der Herbstsynode hielt sie die Andacht sehr anschaulich mit einer Baumscheibe in der Hand. Bei der Jahreslosung „Suche Frieden und jage ihm nach!“ denkt sie vor allem auch an den Seelenfrieden.

Pfarrer Joachim Cierpka versteht sich auch als Brücken-Bauer in der 2017 neu entstandenen Lukas-Kirchengemeinde im Elsoff- und Edertal. Und mit der Jahreslosung 2019 „Suche Frieden und jage ihm nach!“ will er weiter selbst über Brücken gehen: „Der Startschuss ist gefallen. Los geht‘s!“

Wie zum Abschiedsgruß hielt der Esloher Pfarrer Jürgen Radermacher bei der Herbstsynode 2018 die Hand hoch. Nach 33 Jahren in der Dorlarer Kirchengemeinde wechselt er 2019 in den Ruhestand, die Jahreslosung „Suche Frieden und jage ihm nach!“ stellt ihn zwar vor viele Fragen, aber dabei bleibt ihm doch auch eine Gewissheit.

Das Jahr 2018 hat für den Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein einige personelle Veränderungen mit sich gebracht. Fünf Menschen sind aus ganz unterschiedlichen Ecken neu in den Kirchenkreis gekommen, um hier zu arbeiten, eine ist hier vor Ort in die Hauptamtlichkeit gewechselt, einer geht 2019 in den Ruhestand. Was fällt diesen sieben Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Lebensläufen ein, wenn sie die Jahreslosung für 2019 hören? Diese lautet: „Suche Frieden und jage ihm nach!“ Das Psalmwort gibt uns Menschen mit einem Ausrufezeichen ganz offenbar einen Auftrag fürs neue Jahr.

Die aus Schwarzenau stammende Franzi Heß arbeitet seit Herbst als Gemeindepädagogin im Kompetenzzentrum für Kinder-, Jugend- und Familienarbeit des Kirchenkreises. Im Dunstkreis von Weihnachten leuchtet ihr die Jahreslosung ganz praktisch, ganz greifbar ein: „Da viele Menschen - wie auch ich - auf den letzten Drücker Weihnachtsgeschenke einkaufen ist man manchmal wirklich auf der Jagd nach etwas Frieden, etwas Friedlichem für einen selbst oder gemeinsam mit Anderen in all dem Stress und Chaos. Man muss sich anstrengen auf der Suche nach Frieden wie bei einer Jagd: viel Rennerei, aufmerksam sein, am besten macht man es nicht allein, einfach dran bleiben - und nicht stehen bleiben!“

Die Assoziation von Patrick Bloy entsteht ebenfalls aus der deutschen Gegenwart und ist doch ganz anders. Seit Oktober ist der angehende Pfarrer als Vikar in Bad Berleburg. Die Suche und die Jagd nach Frieden lässt ihn zuerst an Flüchtlinge denken: „Millionen Menschen tun dies jährlich. Einige wenige von denen kommen auf ihrer Suche auch nach Deutschland, leider viel zu oft wird ihnen der Frieden auch hier verwehrt. Einige kommen zu uns in die Gemeinde und finden hier hoffentlich ihren Frieden. Letztlich sind es aber nicht nur sie, die hier in den Blick kommen, ebenso jagen wir oft durch unseren Alltag, hetzen von Termin zu Termin, und verfehlen dabei immer, was wir doch eigentlich suchen sollten: den Frieden. Friede, hebräisch Shalom, ist mehr als die Abwesenheit von Krieg, Folter und Terror, oder um es in einem Wort zu sagen: Angst. Es ist das Positive, das gelingende Leben, in der durch den Exodus der Juden geschenkten Freiheit, an der wir Christen durch Christus Anteil haben dürfen.“

Auch Daniel Seyfried, seit Herbst Leitender Jugendreferent im Kompetenzzentrum, schaut genauer das hebräische Shalom an. Zum einen ist hier eine Andacht von ihm zum Thema, zum anderen eine Zusammenfassung zweier Dinge, die ihm die Jahreslosung deutlich macht: „Erstens, der Frieden, der heilvolle Zustand, der Shalom ist ein Geschenk Gottes. Das Geschenk seines Friedens kann ich nur dann erleben, wenn ich täglich neu mit Gott in Beziehung trete, ihn suche in meinem Alltag, ihm nachjage in allen Situationen meines Lebens. Dann werde ich die Erfahrung machen, wie Gott mich trägt und mir Frieden schenkt. Und zweitens ist jeder eingeladen, selbst für den Frieden einzutreten. Jeder ist aufgefordert aktiv zu werden, damit Frieden wird und bleibt. Frieden suchen, bedeutet dann, unser Handeln und Reden und Denken prüfen, ob es dem Frieden dient. Dem Frieden nachjagen heißt, nicht müde zu werden sich für den Frieden einzusetzen und das in einer immer gewaltsameren und unheilvolleren Welt. Hier sind wir gefragt, Gottes Frieden anzunehmen und weiterzugeben.“

Pfarrer Jaime Jung arbeitet seit November als Synodalvikar in der Evangelischen Kirchengemeinde Erndtebrück. In Brasilien als Nachfahre deutscher Auswanderer geboren, schaut er aus einer anderen Perspektive nochmal genauer auf die deutschen Bibeltexte, auch auf die Jahreslosung: „Als Nicht-Muttersprachler habe ich noch Schwierigkeiten mit der Bedeutung einiger Wörter. Zum Beispiel das Verb ‚jagen‘. Bis vor kurzem habe ich es nur mit Negativem verbunden: etwas jagen, um es zu töten oder zu fangen. Aber neulich fand ich heraus, dass ‚jagen‘ durchaus eine positive Bedeutung haben kann, zum Beispiel nach etwas ‚begierig streben‘. Streben nach Frieden, ihn auf jeden Fall haben wollen, nicht aufhören, bis man Frieden erlangt hat. Das ist es, wozu die Jahreslosung uns auffordert. Frieden ist so kostbar, dass man auf ihn nicht verzichten kann und alles tun soll, bis man ihn erreicht hat. Daher: Gib die Suche nach dem Frieden nicht auf, such‘ einen Weg dorthin, suche das Gespräch, reiche die Hand, verzeih‘, jage dem Frieden nach! Denn Frieden ist nicht Passivität, sondern Bewegung.“

Pfarrerin Claudia de Wilde ist seit Sommer Krankenhaus-Seelsorgerin im Berleburger Akutkrankenhaus, hier einige Sätze von Ihr aus einer kurzen Andacht zur Jahreslosung: „Frieden und Seelsorge - das passt doch gut zusammen: Das Wort ‚Seelenfrieden‘ nimmt beides auf. Seelenfrieden meint, zufrieden mit dem zu sein, was man hat, und zugleich auch versöhnt mit dem, was man nicht hat. Aber ist Seelenfrieden nicht etwas zu klein gedacht für dieses Bibelwort der Jahreslosung? Ich denke nicht: Der Psalm 34, aus dem dieser Bibelvers stammt, erzählt von David, der sich in einer Notlage befindet, aber zugleich erlebt, dass er unter Gottes Schutz ist. Seelenfrieden. ‚Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben‘ (Vers 19). ‚Als einer im Elend rief, hörte der Herr und half ihm heraus‘ (Vers 7). ‚Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus‘ (Vers 8). Frieden haben mitten in Bedrängnis und Not, im Bewusstsein, dass Gott selbst bei uns ist, das ist nicht klein, sondern etwas Großes. Kann man diesem Frieden, diesem Seelenfrieden nachjagen? Jagen heißt, etwas ganz bewusst zu tun, seine Aufmerksam zu fokussieren. Jagen kann man nicht so nebenbei. Es ist Anspannung und Konzentration. Dem Seelenfrieden nachzujagen, wenn wir in Not sind, das kann heißen, seinen Blick von der eigenen Last abzuwenden und stattdessen auf Gott zu schauen, der uns umlagert und heraushilft. Seelenfrieden im Angesicht Gottes. Dem können wir nachjagen. Und dieser Frieden und das uns in Liebe zugewandte Angesicht Gottes werden uns in jedem Gottesdienst beim Segen zugesprochen.“

Joachim Cierpka, seit Mai der Lukas-Pfarrer im Elsoff- und Edertal, erinnern die Worte der Jahreslosung zuerst an einen in einem ganz anderen Geist gesagten Satz: „‚Wir werden sie jagen!‘ Dieses Zitat eines Mitglieds der im Bundestag vertretenen Parteien steigt ihn mir auf. Gefallen im Zusammenhang der jüngsten Regierungsbildung. Ausdruck einer Tendenz des Umgangs, die sich inzwischen in Teilen der Gesellschaft Bahn bricht, nicht nur in unserem Land. Der Friede ist den Menschen zumeist nicht nur einen Schritt voraus, sondern manchmal meilenweit entfernt. Soweit, dass es nicht einfach ist, ihn zu finden. Es gilt, ihn zu suchen. Aber dafür ist Wille nötig. Anstrengend ist es. Der Weg dahin oft mühsam. Vor allem, weil jede(r) sich auf dem Weg selber mitnehmen muss. Nicht wenige haben daran schwer zu tragen. Und es gibt nicht unendlich viel Zeit, um ihn zu erlangen. Denn ohne ihn zerbricht vieles, entsteht unheilbarer Schaden. In menschlichen Beziehungen, im zwischenstaatlichen Miteinander, in der Weltgemeinschaft. Deshalb gilt es zu eilen, ihm nachzujagen. Jeder Schritt, der uns dem Frieden näher bringt, zählt - heute, morgen und das ganze Jahr. Der Startschuss ist gefallen. Los geht‘s!“

Der Esloher Pfarrer Jürgen Radermacher aus der nördlichsten Gemeinde im Wittgensteiner Kirchenkreis geht mit dem Jahreswechsel 2018/19 in den Ruhestand. Auch nach 33 Jahren als Gemeindepfarrer der Kirchengemeinde Dorlar hat er statt eines Ausrufezeichens am Ende seines Dienstes noch viele Fragezeichen in Bezug auf die Jahreslosung: „Womit eigentlich soll man dem Frieden nachjagen? Mit Geduld? Die verliere ich manchmal, wenn ich ehrlich bin. Mit Tatkraft? Etwa wie ein Gewehr, das ich wie ein Jäger schussbereit über die Schulter hänge? Mit Zuversicht? Mit Überzeugung? Mit anderen gemeinsam? Mit etwas von jedem, gewiss. Doch am Ende bist du es mein Gott, der den Frieden schafft durch deinen Sohn Jesus Christus. Darauf hoffe ich.“

Wie von selbst haben sich die sieben Menschen aus dem Wittgensteiner Kirchenkreis in diesem Text nach ihrem Lebensalter geordnet, von der 22-jährigen Franzi Heß bis zum 64-jährigen Jürgen Rademacher. Aus jedem der drei Lebensjahrzehnte dazwischen gibt es im Wittgensteiner Kirchenkreis seit 2018 mindestens einen neuen hauptamtlich Mitarbeitenden. Sie werden sich 2019 im Hoffen auf den Herrn in all ihrer Verschiedenheit mit unterschiedlichen Menschen unterschiedlicher Lebensalter auf unterschiedliche Wege machen, um der Jahreslosung Leben einzuhauchen: „Suche Frieden und jage ihm nach!“