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11.11.2018
Von: Jens Gesper

Aus Brasilien nach Wittgenstein

Pfarrer Jaime Jung arbeitet seit dem 1. November in der Erndtebrücker Kirchengemeinde


Pfarrer Jaime Jung (links) wurde jetzt als neuer Synodalvikar von Superintendent Stefan Berk und von der Erndtebrücker Kirchengemeinde in Wittgenstein begrüßt.

Mit Worten des Dankes verabschiedeten sich viele der Gottesdienst-Besucher am Sonntagmorgen von Pfarrer Jaime Jung, der seit dem 1. November offiziell in der Erndtebrücker Kirchengemeinde arbeitet.

Wer nicht sofort nach dem Gottesdienst nach Hause musste, konnte am Sonntagmorgen in der Erndtebrücker Kirche noch mit dem neuen Pfarrer Jaime Junge ins Gespräch kommen.

Sein Geburtstort liegt Luftlinie knapp 10.500 Kilometer entfernt auf dem 26. Breitengrad auf der südlichen Halbkugel, sein letzter Wohnort hatte im November eine Durchschnitts-Temperatur von gut 22 Grad Celsius und lag genau 57 Meter überm Meeresspiegel. Sein Name: Jaime Jung. So fremd der Vorname, so vertraut der Nachname. Kein Wunder, denn die Vorfahren des gebürtigen Brasilianers waren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus dem kargen Leben im Hunsrück und in Pommern nach Südamerika ausgewandert.

Der 42-jährige Pfarrer arbeitet offiziell seit dem 1. November in der Evangelischen Kirchengemeinde Erndtebrück, seinen Einstand hat er allerdings schon am Tag zuvor beim Erndtebrücker Reformations-Gottesdienst gegeben. Offiziell begrüßt wurde Jaime Jung jedoch beim Gottesdienst jetzt am Sonntag in der örtlichen Evangelischen Kirche. Mit einem Segenswort des Ortspfarrers Stefan Berk, gleichzeitig Superintendent des Wittgensteiner Kirchenkreises. Wegen dieser Doppelfunktion wird Stefan Berk in seiner Gemeindearbeit entlastet, genau deshalb arbeitet Jaime Jung nun als Synodalvikar in de Erndtebrücker Kirchengemeinde. Seine Ausbildung hat er bereits in Brasilien abgeschlossen, aber er wird jetzt hier nochmal einen Probedienst absolvieren, um Pfarrer der Evangelischen Kirche von Westfalen zu werden.

Seine Predigt am Sonntag in der Erndtebrücker Kirche war sehr persönlich - so dass die Gottesdienst-Besucher nicht nur eine sehr bewegende Predigt hörten, sondern auch viel über den Neuen erfuhren. Ausgehend von der Frage „Warum lässt Gott das zu?“ sprach Jaime Jung über einen Brasilianer, der als 17-Jähriger alles für sein Theologiestudium organisiert hatte, als der plötzliche Tod des Vaters alle seine Pläne über den Haufen warf. Erst kurz vorm Ende seiner Predigt offenbarte der 42-Jährige, dass das seine eigene Lebensgeschichte war. Dass er mit zeitlicher Verzögerung doch noch Theologie studieren konnte, dass er doch Pfarrer werden konnte, dass ihn rund 150 Jahre nachdem seine Vorfahren Deutschland verlassen hatten, seine Wege jetzt wieder hierher geführt haben. Die Wege des Herren sind unergründlich, aber mit seiner Predigt ermutigte Jaime Jung zum Gottvertrauen: „Gott lässt uns nicht im Stich und er allein weiß, was für Pläne er für uns hat. Sicher ist: Die Wille Gottes ist voller Liebe, auch wenn unser menschlicher Verstand es nicht begreifen kann.“

Hier gibt es die Predigt von Pfarrer Jaime Jung,
hier gibt es mehr Fotos vom Sonntag.