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14.11.2018
Von: Jens Gesper

„Antisemitismus in der Schule“

Schulreferat der Kirchenkreise Wittgenstein und Siegen veranstaltet Lerntag in Wilnsdorf


Das Archivfoto zeigt Schulreferentin Silke van Doorn, die im Rahmen ihres Lehrer-Fortbildungsprogramms die Jüdische Schule in Frankfurt besucht. Am 14. November lautet ihr Thema im Evangelischen Gemeindezentrum Rödgen „Antisemitismus in der Schule“.

In diesen Tagen jährt sich die Reichpogromnacht zum 80. Mal und vor fünf Jahren wurden im November das jüdische Gräberfeld auf dem Hermelsbacher Friedhof in Siegen und das Mahnmal beim jüdischen Friedhof in Bad Berleburg antisemitisch geschändet. Steigende Zahlen antijüdischer Taten in ganz Deutschland und besonders in der Hauptstadt Berlin beunruhigen. Ende August diesen Jahres wurde im Fahrwasser der gewalttätigen Ausschreitungen in Chemnitz dort auch das einzige koschere Restaurant Sachsens von Neonazis überfallen.

Eine Situation, die Pfarrerin Silke van Doorn, Schulreferentin der Evangelischen Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein, so zusammenfasst: „Heute laufen nicht nur in Chemnitz, sondern auch bei uns Menschen aller Altersstufen herum und reden rassistisch und antisemitisch. Wir wollen das nicht. Doch hilflos stehen wir zuweilen an den Schulen, im Alltag, im Beruf Menschen gegenüber, die genau diesen Judenhass wieder verbreiten.“

Aber die Beauftragte für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit im Wittgensteiner Kirchenkreis will nicht an diesem Punkt der gefühlten Hilflosigkeit verharren: „Wir wollen lernen, die Phänomene des Antisemitismus heute zu erkennen und Strategien entwickeln, dagegen anzugehen. Dazu laden die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, das Schulreferat der Evangelischen Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein, die Synodalbeauftragten für das jüdisch-christliche Gespräch in Siegen und in Wittgenstein ein, den Lerntag gegen Antisemitismus in der Schule zu besuchen.“ Denn „Jude“ ist wieder ein häufig gehörtes Schimpfwort auf Schulhöfen, obwohl oder vielleicht auch gerade weil die Schüler keine jüdischen Mitmenschen mehr kennen. Und trotzdem legt diese alte falsche Klischee-Vorstellung von einem Sündenbock die Axt an die Wurzel unseres gelingenden Zusammenlebens im 21. Jahrhundert. Auch weil zu alten deutschen Ressentiments nun auch noch manchmal Israel-Feindlichkeit von Migranten aus der Türkei, aus Syrien, aus dem Libanon kommt.

Die Lehrerfortbildung zum Thema „Antisemitismus in der Schule“ findet am Mittwoch, 14. November, von 9 bis 17 Uhr im Evangelischen Gemeindezentrum Rödgen in Wilnsdorf-Obersdorf, Rödgener Straße 109a, statt. Dr. Türkân Kanbıçak und Manfred Levy vom Pädagogischen Zentrum des Fritz-Bauer-Instituts und des Jüdischen Museums in Frankfurt am Main und Gül Ditsch vom Antidiskriminierungsbüro Siegen sind die Referenten an diesem Tag. Es wird im Plenum und in Gruppen gearbeitet, dabei geht es übrigens nicht nur um Antisemitismus auf dem Schulhof, auch anti-muslimeischer Alltagsrassismus wird thematisiert. Die heutige Situation verlangt für Silke van Doorn, „dass wir als Lehrer, als Jugendleiter und als Verantwortung Tragende nicht nur reagieren, sondern in der Schule und in unseren Jugendgruppen Rassismus und Antijudaismus verlernen“. Damit öffnet sie die Lehrerfortbildung ausdrücklich auch für alle anderen Interessierten.

Anmeldungen nimmt die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland unter cjz.siegen(at)t-online.de entgegen. Weitere Auskunft erteilt Silke van Doorn unter Tel. (0160) 90161268 oder nach einer E-Mail an silke.vandoorn(at)kirchenkreis-siegen.de. Ihr Ziel für die Veranstaltung ist ehrgeizig: „Es wäre ein starkes Zeichen in der Region, wenn alle Schulen mindestens einen Abgeordneten schickten, um zu zeigen: Wir sind wach und stehen rechtzeitig auf gegen die Anfänge von Hass, Ausgrenzung und Antisemitismus.“

Hier gibt es die Einladung zur Veranstaltung.