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05.07.2018
Von: Jens Gesper

Wo die Elf auch mal zwölf Namen hat

Menschen aus dem Kirchenkreis stellten ein Bibel- und ein Geschichts-Team auf


In aller evangelischen Freiheit zählte die Bibel-Elf des Glaubens im Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein sogar zwölf Akteure.

Die Geschichts-Elf des Glaubens im Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein war ziemlich ökumenisch aufgestellt.

Ulrike Berk, die selbst keine Mannschaften des Glaubens aufgestellt hatte, zog zur Freude von Steffen Post die Gewinner des Wettbewerbs „Wähl‘ die Elf des Glaubens“.

So viel Mühe durfte man sich machen, musste man aber nicht: Einer der teilnehmenden Pfarrer hatte nicht nur zwei Elfen aufgestellt, sondern auch ausdrücklich begründet. Aber am Ende ärgerte sich der Theologe, weil er mal kurz Karl Barth vergessen hatte.

„Wie nennt man die Fußballschuhe von Jesus?“ - das fragte jetzt Steffen Post als Vorsitzender des Unterausschusses für missionarische Dienste im Wittgensteiner Kirchenkreis in die sehr kleine Runde im Berleburger Haus der Kirche, als die Ergebnisse des Wettbewerbs „Wähl‘ die Elf des Glaubens“ vorgestellt und die Preisträger dazu gezogen werden sollten. Der Laaspher Pfarrer hatte drumherum ein höchst unterhaltsames Fußball-Programm für die Zuhörer zusammengestellt.

Hier konnte man hören, wie Bundespräsident Theodor Heuss das berühmte „Turek, du bist ein Teufelskerl, Toni, du bist ein Fußballgott“ aus der 1954er WM-Rundfunkübertragung konterte, und wie Gerald Asamoah 2001 die Aussage von Schalke Manager Rudi Assauer „Ich habe den Glauben an den Fußballgott verloren“ parierte. An Maradonas größenwahnsinnigen Hand-Gottes-Vergleich von 1986 wurde erinnert wie an ein Wortspiel aus einer heimischen Zeitung, als nach der Schmach des 2014er WM-Spiels kurz vor Karfreitag 2018 im Freundschaftsspiel Deutschland gegen Brasilien das einzige Tor von Gabriel Jesus geschossen wurde: „Nun soll Jesus für nichts anderes als Brasiliens Auferstehung sorgen.“

Steffen Post hatte ein Foto vom HSV-Vaterunser gegen den Abstieg, warf einen Blick in die blau-weiße Schalke-Bibel, horchte in die Vor-Weihnachtssingen in Fußballstadien unter der Überschrift „Olé, du fröhliche“, zeigte ein Bild von einem Fenster in der Gelsenkirchener St.-Joseph-Kirche und von einem Aufbahrungs-Szenario mit einem Sarg ganz in Schwarz und Gelb, der Pfarrer sprach auch von den Kapellen und den Bestattungsmöglichkeiten der Vereine.

Nach dem kurzweiligen Vortrag, in dem zum einen mit Sicherheit viel Arbeit, zum anderen aber auch ganz viel Freude steckte, stellte der passionierte FC-Köln-Fan Post die Resultate des Wettbewerbs „Wähl‘ die Elf des Glaubens“ vor. Jeder im und um den Wittgensteiner Kirchenkreis war eingeladen, zwei Mannschaften aufzustellen: zum einen ein Team mit Menschen aus der Bibel selbst, zum anderen eines mit Menschen, die in der Nachfolge die christliche Botschaft mit ihren Talenten besonders überzeugend lebendig werden ließen.

In der zweiten sogenannten Geschichts-Elf markierte ein Ehepaar den ersten und den letzten Platz: In der authentischen Mannschafts-Aufstellung von Steffen Post stand Katharina von Bora im Tor, während Martin Luther im Sturm spielte. Dazwischen in der Reihenfolge auf den Plätzen: Dietrich Bonhoeffer, Paul Gerhardt, Martin Luther King, dann gemeinsam Papst Franziskus und Friedrich von Bodelschwingh, schließlich ebenfalls gleichauf Johann Sebastian Bach, Mutter Teresa, Hildegard von Bingen und Franz von Assisi, die jeweils genau so viele Stimmen wie Katharina von Bora hatten.

Eine Überraschung hielt die Bibel-Elf bereit, denn wider Erwarten wurde Jesus nicht Erster. Vielleicht schien es manch einem Wettbewerbs-Teilnehmer nicht angemessen, Jesus überhaupt aufzustellen, müsste er doch eigentlich eher Teamchef sein. Eine Teilnehmerin gab ihm aber auch bewusst in der Elfer-Liste auf dem Teilnahmeschein die Spielmacher-Nummer 10. Und so ergab sich folgendes Bild: Auf dem ersten Platz landete Mose, dann gemeinsam auf Platz zwei Jesus und Petrus vor Josef aus dem Neuen Testament, also Jesu Vater. Es folgten bei Stimmengleichheit Abraham und Paulus vor David, dann auf dem nächsten Platz bei neuerlicher Stimmengleichheit Jesu Mutter Maria und Maria Magdalena, bevor Johannes der Täufer, Ruth und Hiob mit gleicher Stimmenzahl die Mannschaft komplettierten, so dass diese Elf des Glaubens in aller evangelischen Freiheit zwölf Akteure zählte.

Die Erndtebrückerin Ulrike Berk, einzige Frau an diesem Abend im Haus der Kirche, zog als Glücksfee ein bisschen wie bei einer DFB-Pokal-Auslosung die in Überraschungseier-Kapseln eingepackten Teilnehmernamen aus einer Glasschüssel. Problem dabei: Der betagte Gewinner schlug zwei Tage später bei der telefonischen Sieges-Mitteilung von Steffen Post den ersten Preis, die Übernachtung für vier Personen im Abenteuerdorf, aus gesundheitlichen Gründen aus.

Kurzerhand rutschten alle übrigen Preisträger einen Platz herauf, so dass die Siegerliste folgendermaßen aussieht: Alfred Bernshausen aus Volkholz gewinnt die Übernachtung im Abenteuerdorf, der Girkhäuser Klaus Saßmannshausen und die Berghäuserin Liesel Baum bekommen das Buch „Was macht dich stark?“, in dem David Kadel bekannte Menschen aus dem Fußball-Geschäft über ihren Glauben sprechen lässt, die Laaspherin Margitta Traunfelder und die Girkhäuserin Ruth Bald erhalten die DVD „Und vorne hilft der liebe Gott“, Fußball-Bibeln gibt es für Dominik Post, Bärbel Trebing, Nicole Weller, Karin Tuschhoff und Benjamin Post. Letztgenannter rückt nach als jüngster Auslosungs-Besucher, der auch mitgespielt hatte.

Die Akribie und Zuneigung, mit der Steffen Post das Programm zusammengestellt hatte, ließ erahnen, wie tief er dem Fußball verbunden ist, was der Pfarrer folgendermaßen zusammenfasst: „In offiziellen Jugendmannschaften habe ich bis zur B-Jugend recht bescheiden in der Abwehr gespielt; im Hobbybereich bin ich dann in der CVJM-Mannschaft ins Tor gerückt, wo ich mich wohl nicht ganz so schlecht angestellt habe. Mit etwas gezieltem Training hätte da laut einiger Experten wohl mehr draus werden können, habe aber nie aktiv im Seniorenbereich gespielt, weil zwei Dinge hinderlich waren: a) in der Regel wurde früher sonntagsnachmittags gespielt und da war bei uns im Ort die Gemeinschaftsstunde, b) spätestens mit der Entscheidung fürs Theologie-Studium blieb keine Zeit mehr für Training und sportlich ambitionierte Ziele.“

Heutzutage lassen sich Fußball und Glaube für die meisten Menschen längst mannigfaltig gut unter einen Hut bringen - und die allermeisten werden sich amüsieren, wenn sie hören, wie die Fußballschuhe von Jesus heißen. Nämlich: Christstollen. Übrigens: Die nächste Fußball-Weltmeisterschaft findet hauptsächlich im Advent 2022 statt.