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24.06.2018
Von: Jens Gesper

Die Tür zur Begegnung mit Gott

Ein Festgottesdienst für zehn Jahre Offene Kirche in der Stadtkirche Bad Laasphe


Werner Schreiber, Manfred Dinger, Alex Pfeil, Steffen Post, Heide Wagner, Ulla Cappeller, Dr. Susanne Lange, Burkhard Naß und Christina Heinrich (von links) sind oder waren im Offene-Kirche-Team, am Sonntag wurde in der Laaspher Stadtkirche im Gottesdienst gefeiert, dass es das besondere Angebot seit zehn Jahren gibt und dass sich Menschen dafür ehrenamtlich engagieren.

Ein bisschen mehr Betrieb hätte am Sonntagmorgen schon in der Laaspher Stadtkirche sein können. Aber diejenigen, die das Angebot der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Laasphe am besten zu schätzen wissen, um das es in diesem Festgottesdienst gehen sollte, die sind immer nur für einen überschaubaren Zeitraum in der Lahnstadt. Gefeiert wurde in diesem Gottesdienst nämlich, dass es die Offene Kirche Bad Laasphe seit inzwischen zehn Jahren gibt und dass es in erster Linie ehrenamtliches Engagement ist, das von April bis Oktober neben dem Sonntag auch dreimal während der Woche die Türen der Kirche für Menschen offen stehen lässt: um zu schauen, um zu verweilen, um sich zu sammeln, um zu beten oder um einfach mal Luft zu holen.

Es ist schwer zu sagen, wie viele Leute seit den Anfängen das Angebot wahrgenommen haben. Aber ein erstes Gästebuch ist bereits vollgeschrieben worden, das zweite wurde in dieser Saison frisch ausgelegt. Pfarrer Steffen Post zitierte am Sonntagmorgen aus eben jenem ersten Gästebuch, jemand hatte im vergangenen September hineingeschrieben: „Heute ging für uns die Sonne auf, obwohl es eigentlich ein verregneter Tag war. Schutz suchend landeten wir hier in dieser Kirche und haben eine so interessante und bereichernde Führung mitmachen dürfen, die uns auch zwischenmenschlich sehr viel gegeben hat.“ Hier das komplette Gottesdienst-Manuskript.

Schon zuvor hatte Alex Pfeil als einer der Ehrenamtlichen der Offenen Kirche an besonders eindrückliche Ereignisse erinnert. An den Niederländer, der in die Kirche hereinkam, sich interessiert umschaute, während seine Begleiterin vor der Tür stehen blieb. Auf seine Nachfrage hin, so Alex Pfeil, habe die Frau gesagt, sie komme aus Israel und habe noch nie eine Kirche betreten. Ohne zu drängen hatte der Ehrenamtliche von der Offenen Tür ihr versichert, sie sei herzlich willkommen. Und die Frau kam tatsächlich in die Laaspher Stadtkirche. Und schrieb auf Hebräisch ins Gästebuch, wie gut es ihr gefallen hatte, wie froh sie war, dass sie sich hatte einladen lassen. Alex Pfeil erinnerte sich zudem daran, wie zu Zeiten der vielen Flüchtlinge, die auch nach Bad Laasphe kamen, einen Nachmittag lang zwei junge Männer in der Kirche gebetet hätten.

Neben Alex Pfeil sind heute Ulla Cappeller, Christina Heinrich, Eva Heinrich, Hans-Dieter Krüger, Dr. Susanne Lange, Burkhard Naß und Heide Wagner als Ehrenamtliche teilweise seit der ersten Stunde in der Offenen-Kirche-Gruppe aktiv. Steffen Post bat diese genau wie die Ehemaligen im Gottesdienst nach vorn, hier nannte der Pfarrer Sigrid Bänfer, Manfred Dinger, Kathy Messerschmidt, Werner Schreiber, Johannes Weissinger und Irene Zirkel-von Borcke, außerdem erinnerte er an die bereits verstorbene Hildegunde Schmidt. Alle Anwesenden bekamen von Steffen Post, der selbst zum Offenen-Kirche-Team gehört, einen Schlüsselanhänger in Form einer Kirche

„Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein und aus gehen und Weide finden“, so lautet eines der Ich-bin-Worte von Jesus im Johannes-Evangelium. Natürlich kam auch das in der Predigt von Steffen Post vor, die sich aus zwei Grundgedanken entwickelte: Die Offene Kirche sei erstens ein Symbol für das offene Vaterherz Gottes und dafür, wie er den Menschen durch Jesus Christus einen Lebensraum in seiner Gegenwart erschließe, und biete zweitens eine gute Chance, Menschen niederschwellig eine Begegnung mit Gott, mit Jesus zu ermöglichen. Wie der Pfarrer dabei die Kirche verstand, das war ganz bildlich zu sehen. Vor der Kanzel stand eine Leinwand, die zeigte während der gesamten Predigt ein Foto von einer offenen Kirchentür, im Hintergrund Kirchenbänke, im Vordergrund eine vielfach benutzte Fußmatte, auf der man dennoch die Grußbotschaft noch lesen konnte: Willkommen Zuhause. Jeder Gottesdienst-Besucher bekam dieses heimelige Foto als Geschenk, und das gemütliche Kaffeetrinken in der Stadtkirche unterstrich diese Botschaft dann auch nochmal sehr anschaulich.

Interessierte sind das ganze Jahr zu den Gottesdiensten in der Laaspher Stadtkirche herzlich willkommen und bis Oktober außerdem auch noch dienstags und donnerstags von 14 bis 17 Uhr sowie mittwochs von 10 bis 12 Uhr in der Offenen Kirche zum Gebet, zur Stille, zur Besichtigung.

Hier gibt es das Gottesdienst-Manuskript,
hier gibt es das Stadtkirchen-Faltblatt auf Deutsch,
here You get the Stadtkirchen-leaflet in English,
hier is de Stadtkirchen-folder in het Nederlands
hier gibt es viel mehr Fotos.