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21.05.2018
Von: Jens Gesper

„Aber auf dein Wort“

Hans-Gerd Ströhmann feierte den 50. Jahrestag seiner Ordination in Feudingen


Menschen aus der Feudinger, Iserlohner und Siegerländer Zeit gaben Pfarrer Hans-Gerd Ströhmann zum 50. Jahrestag seiner Ordination Segensworte mit auf den Weg, das Foto zeigt von links: Erhard Latt, Reiner Morsch, Albert Henz, Hans-Gerd Ströhmann, Peter-Thomas Stuberg, Oliver Lehnsdorf, Günther Albrecht und Ellen Bade-Morsch.

„Wenn du mal fertig bist, gibt es keine Kirche mehr“, das hätten ihm damals Kollegen während der Ferienarbeit gesagt, erinnerte sich jetzt Hans-Gerd Ströhmann in der Feudinger Kirche. Diese Leute hatten ganz offenbar Unrecht, schließlich war der Anlass für diese Erinnerung der 50. Jahrestag der Ordination des Pfarrers. Ordination heißt die offizielle Beauftragung zum öffentlichen Dienst an Wort und Sakrament, die Aufnahme in die Dienstgemeinschaft der Geistlichen mit allen Rechten und Pflichten. Genau am 12. Mai 1968 war Hans-Gerd Ströhmann vom damaligen Wittgensteiner Superintendenten Reinhardt Henrich ordiniert worden. Aber das Wochenende mit dem 12. Mai war jetzt 50 Jahre später im Oberen Lahntal schon anders geblockt, da konnte kein Ordinations-Jubiläum zelebriert werden: Feudingen feierte stattdessen seine erste urkundliche Erwähnung vor 800 Jahren. Und da schließt sich ein Kreis, denn in der Predigt des 77-Jährigen, der heute wieder in Burbach-Holzhausen lebt, kam auch die damalige 750-Jahr-Feier vor.

1967 hatte der gebürtige Gummersbacher, der als Kind ins Siegerland kam, eine erste Stelle als Hilfsprediger in Feudingen angetreten, war mit Ehefrau Hiltrud und der ersten Tochter ins Pfarrhaus eingezogen. Und ruckzuck war er im Festausschuss fürs anstehende Dorf-Jubiläum. Ganz lebendig sprach er von den damaligen Vorbereitungen und von seiner Zusammenarbeit dabei mit dem katholischen Kollegen Ludger Wachtmeister, „ein wunderbarer Mensch“. Er erinnerte daran, dass er in seinem ersten Jahrgang 74 Konfirmanden hatte und sonntags 150 Mädchen und Jungen im Kindergottesdienst waren, dass er aber außerdem hier einen Altenkreis ins Leben rief. Obwohl er so etwas ja noch nie vorher gemacht habe. Es sei einfach geboten gewesen. Als der passionierte Posaunenchor-Bläser dann 1976 aus Wittgenstein nach Iserlohn ging, musste dort ein ganz anderes Defizit behoben werden. Hier gab es nämlich bis zu diesem Zeitpunkt keinen Posaunenchor, deshalb wurde der in der neuen Gemeinde gleich mal aus der Taufe gehoben. 1989 ging es dann zurück in die Landschaft seiner Kindheit, Hans-Gerd Ströhmann übernahm eine Pfarrstelle in Burbach.

Seine gute Zusammenarbeit mit den „katholischen Brüdern“ (Originalton Ströhmann), sein waches Augenmerk auf die Gemeindeglieder von Jung bis Alt, seine Leidenschaft für die Musik, das selbstverständliche Sich-Einbringen als Mensch in die Gesellschaft, das waren die Leitmotive, die in unterschiedlichen Variationen in den Erinnerungen von Hans-Gerd Ströhmann immer wieder vorkamen. Und zur Predigt wurden sie an diesem Nachmittag, weil es zwischendurch, wie in einem unerwarteten Refrain immer wieder hieß: „Aber auf dein Wort.“ Die unerschütterlich vertrauende Entgegnung von Simon Petrus aus dem Lukas-Evangelium, als ihn Jesus Christus heißt, er möge nach einem erfolglosen Fischfang an gleicher Stelle erneut die Netze im See Genezareth auswerfen. Immer wieder ließ Hans-Gerd Ströhmann dieses Bibelwort in seine Ausführungen einfließen. Als Motivation, als Vergewisserung, als Kraftquelle. Es gelte, genau dieses Wort weiterzusagen.

Und das hatte offenbar gewirkt. Viele Menschen kamen zum Ordinations-Jubiläum in die Feudinger Kirche, die Hans-Gerd Ströhmann als Gemeindepfarrer schon vor über 40 Jahren verlassen hatte. Viele Oberlahntaler waren da, viele Siegerländer und andere Weggefährten mit weiteren Anreisen. Außerdem natürlich die Familie. Acht der neun Enkelkinder. Der eine, der fehlte, hatte zugesagt, an diesem Wochenende als Ehrenamtlicher bei einer katholischen Freizeit mitzuarbeiten, stand dort im Wort. Die Enkel, die da waren, übernahmen im Gottesdienst Lesungen oder spielten im Feudinger CVJM-Posaunenchor unter Leitung von Hans-Gerd Ströhmanns Schwiegersohn Joachim Hackler. Die Ströhmann-Töchter Dorothee, Simone und Gerhild sprachen das Fürbittengebet. Auch Siegens Superintendent Peter-Thomas Stuberg war eigens nach Wittgenstein gekommen, um den Jubilar zu würdigen, mit einem klaren Bezug auf den Kehrvers aus der Predigt. Hans-Gerd Ströhmann habe das Wort nicht nur gesagt, sondern auch gelebt. Übrigens weit über seine Pensionierung hinaus. „Ruhestand“ passe einfach nicht zu Hans-Gerd Ströhmann, mit all seinen Predigtvertretungen habe dieser ja nie so richtig Feierabend gemacht.

Zu den gut 250 Gästen in Feudingen gehörten auch Albert Henz und Volkmar Klein. Der Erstgenannte ist Theologischer Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen, war aber als ehemaliger Iserlohner Nachbarpfarrer von Hans-Gerd Ströhmann in Wittgenstein. Der Zweite war auch nicht als heimischer Bundestagsabgeordneter vor Ort, sondern als Ehemann von Dorothee Klein, Presbyterin in der Burbacher und damit in Hans-Gerd Ströhmanns letzter Kirchengemeinde vorm Ruhestand. Volkmar Klein erinnerte sich beim anschließenden Kaffeetrinken im Gemeindehaus, wie er als neuer ehrenamtlicher Bürgermeister Anfang der 90er Jahre zu einem Schützenfest gekommen sei und sich dankbar zum Pastor gestellt habe, der sei schon am Bierrondell gewesen. Sie hätten sich danach „gut angefreundet“, er habe von Hans-Gerd Ströhmann gelernt, wie man auf Menschen zugehen könne.

In Feudingen konnte man morgens vor der Schule beim Pfarrer Hans-Gerd Ströhmann auch noch Hebräisch lernen. Beim Ordinations-Jubiläum jetzt waren Dieter Kuhli, Heinrich Afflerbach und Ellen Bade, die genau das gemacht hatten und später tatsächlich Theologie studierten. Pfarrerin Ellen Bade-Morsch reiste aus dem Saarland an, Berufskollege Heinrich Afflerbach aus Ennigerloh, so weit hatte es Dieter Kuhli nicht. Der Synodalassessor und damit stellvertretende Superintendent des Wittgensteiner Kirchenkreises gratulierte seinem Konfirmator in dieser Rolle offiziell, aber darüber hinaus auch ganz persönlich. Die Anregungen und die Begleitung von Hans-Gerd Ströhmann über die Konfirmation hinaus in der Kindergottesdienst- und Jugendarbeit seien für sein weiteres Leben wichtig gewesen, so Dieter Kuhli. In das Bild passte auch der Kollektenzweck, den sich Hans-Gerd Ströhmann für den Festgottesdienst zu seinem Ordinations-Jubiläum überlegt hatte: Das Geld war bestimmt für die Jugendarbeit von Feudinger Kirchengemeinde und CVJM.

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