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21.05.2018
Von: Jens Gesper

„Großer Gott, wir loben dich“

Ökumenischer Bittgottesdienst für Einheit der Christen fand in Laaspher Katholischer Kirche statt


In der St.-Petrus-und-Anna-Kirche feierten Rosemarie Biedermann und Dieter Kuhli mit einer besonderen Laaspher Gottesdienst-Gemeinde den Bittgottesdienst für die Einheit der Christen.

Der evangelische Organist Friedhelm Nicklaus spielte beim Gottesdienst die beeindruckende Orgel in der St.-Petrus-und-Anna-Kirche, die mit 35 Registern das größte Orgelwerk des Altkreises Wittgenstein ist.

Nach dem Gottesdienst trafen sich einige der rund 80 Besucher noch zum Kirchkaffee im Katholischen Gemeindehaus.

„Wenn das Rote Meer Grüne Welle hat, dann ziehen wir frei, dann ziehen wir frei heim aus dem Land der Sklaverei“ - poetisch ist diese Textzeile aus einem Lied von 1972 über den Auszug der Israeliten aus Ägypten. Peter Janssens hat die Musik dazu geschrieben, Wilhelm Willms den Text, beide Mitglieder der Oekumenischen Textautoren- und Komponistengruppe der Werkgemeinschaft „Musik“. Am Pfingstmontag stand es auf einem eigens gedruckten Liedblatt beim Ökumenischen Bittgottesdienst für die Einheit der Christen, der in Bad Laasphe seit Jahren von Evangelischer und Katholischer Kirchengemeinde gemeinsam organisiert und gefeiert wird. In diesem Jahr in der Kirche St. Petrus und Anna an der Gartenstraße. Aber obwohl die Evangelischen ihren fabelhaften Organisten Friedhelm Nicklaus mitgebracht hatten und die Katholiken mit ihrer beeindruckenden Orgel und deren 35 Registern das größte Orgelwerk des Altkreises Wittgenstein beisteuerten, klappte es mit dem Gesang der rund 80 Gottesdienst-Besucher bei diesem Lied nicht so richtig.

Dieter Kuhli erläuterte danach, er und Rosemarie Biedermann seien sich zumeist schon nicht ganz einig gewesen, an welcher Stelle des Liedes, sie sich jetzt gerade überhaupt befänden. Der Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde und die frühere Gemeindereferentin des hiesigen Katholischen Pastoralverbunds und heutige Vorsitzende des Wittgensteiner Gesamtpfarrgemeinderats saßen in der Kirche nebeneinander und hatten den Gottesdienst wieder gemeinsam vorbereitet. Rosemarie Biedermann war für den liturgischen Teil zuständig, Dieter Kuhli für die Predigt, darüberhinaus übernahm Nicole Göbel aus dem Gesamtpfarrgemeinderat die Lesungen. Das war alles perfekt organisiert, aber das für beide Gemeinden ungewohnte Lied von der Grünen Welle im Roten Meer mit seinen zwei unterschiedlichen Kehrversen war wohl einfach zu viel fremdes Terrain.

Gut, wenn man dann eine Gewissheit hat: „Deine rechte Hand, Herr, ist herrlich an Stärke“ stand über dem Gottesdienst, angelehnt an den Lobgesang von Moses und den Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten. Die Relevanz dieses Textes für den Mitteleuropäer des 21. Jahrhunderts liegt vielleicht nicht mehr so offensichtlich auf der Hand, aber die Materialien für den Bittgottesdienst hatten diesmal die Kirchen in der Karibik vorbereitet, die, über 500 Jahre nachdem der christliche Seefahrer Christoph Kolumbus die Karibik erreicht hatte, auch heute noch genauere Vorstellungen haben, was Sklaverei und Unterdrückung bedeuten. Dieter Kuhli war sich indes sicher, dass die Geschichte vom Herausführen aus der Sklaverei in Ägypten, „für uns genauso wichtig ist wie für die Christen und Kirchen in der Karibik in ihrem mittelamerikanischen Kontext“. Auch im Hier und Jetzt: „Bis zum heutigen Tag werden Menschen durch andere Menschen unterdrückt und versklavt. Und wir ahnen, auf welche Seite wir dabei gehören, obwohl wir das nicht wollen.“ Und während heute Viele „am liebsten wieder ganz hohe Mauern errichten würden gegen Menschen, die unter Unterdrückung, Verfolgung und Sklaverei leiden“, erinnerte Dieter Kuhli an die Verpflichtung eines Gläubigen gegenüber seinem Nächsten, im sozialen Miteinander und vor allem gegenüber sozial Schwachen.

Ihren Glauben bekannte diese besondere Laaspher Gottesdienst-Gemeinde aus römisch-katholischen und evangelischen Christen mit dem Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel, wie es im Gotteslob steht. Rosemarie Biedermann ermunterte die Evangelischen ausdrücklich, das Bekenntnis zur einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche mitzusprechen. Deutlich erläuterte sie, dass das „katholisch“ hier nichts mit der Konfession zu tun habe. Das aus dem Griechischen stammende, zugrundeliegende Adjektiv „katholikos“ bedeutet in diesem Zusammenhang nämlich: „allgemein, universal, weltumspannend“. Und als Friedhelm Nicklaus auf der imposanten Orgel dann „Großer Gott, wir loben dich, Herr wir preisen deine Stärke“ anstimmte, da erscholl denn auch beeindruckender Gesang. Das war für beide Konfessionen bekanntes Terrain - und nach dem Gottesdienst traf man sich noch zum gemeinsamen Kirchkaffee im katholischen Gemeindehaus.