Konfi-Cup-Belohnung: Revierderby >
< Etwas für jüngere Frauen und Berufstätige
15.04.2018
Von: Jens Gesper

„Denn bei dir ist die Quelle des Lebens...“

Beim Berleburger Festgottesdienst „50 Jahre Abendkreis“ wurde Psalm 36 nicht nur einmal gelesen


Der Offene Abendkreis für Frauen der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Berleburg feierte am Sonntagmorgen bei einem Festgottesdienst in der Berleburger Stadtkirche sein 50-jähriges Bestehen.

Die eine Hälfte der Verse für den Menschen im Talar, die andere, eingerückte Hälfte der Verse für die Gemeinde - so funktioniert üblicherweise das gemeinsame Lesen des Psalms im Gottesdienst. Aber am Sonntagmorgen lief das Ganze in der Berleburger Stadtkirche anders ab. Tatsächlich startete die Verteilung wie gewohnt: Zunächst wechselte sich Pfarrerin Claudia Latzel-Binder mit den 100 Gottesdienst-Besuchern bei den Worten von Psalm 36, die im Gesangbuch stehen, ab. Danach wurde anders aufgeteilt: Mal in weiblich und männlich, mal in unter und über 50, dann war der Anfangsbuchstabe des Nachnamens auschlaggebend und schließlich die Frage, ob man schon mal im Offenen Abendkreis für Frauen der Berleburger Kirchengemeinde war. Und all das war kein Zufall, denn der Gottesdienst feierte das 50-jährige Bestehen des Frauenabendkreises.

Diese gründliche, geduldige Beschäftigung mit dem Psalmwort, die Runde für Runde ein anderes Klangbild ergab und einem die Worte von Mal zu Mal näher brachte, vertrauter machte, war sinnbildlich für die Arbeit, die im vergangenen halben Jahrhundert im Abendkreis geleistet wurde. Am Sonntag musste man jedes Mal aufs Neue überlegen, zu welcher Gruppe man gehörte und dementsprechend aktiv werden. Selbst aktiv werden, sich des eigenen Standpunkts klar werden.

Beim Festgottesdienst kamen viele der Frauen aus dem Kreis zu Wort. Stellvertretend sei Mechthild Christ genannt, sie leitet den Kreis heute, ein Team aus Teilnehmerinnen unterstützt sie bei der Programmgestaltung. Mechthild Christ erinnerte an Pfarrer Herbert Lückhof, der den Kreis 1968 aus der Taufe gehoben hatte, umriss die Geschichte der Gruppe, die inzwischen längst erwachsen ist, mit allen Nebenwirkungen: „Heute organisieren wir uns relativ selbständig, freuen uns aber immer, wenn unsere Pfarrerinnen uns an dem einen oder anderen Abend mit einem Thema besuchen.“

Um was es dabei im Abendkreis geht, der sich in seinen Anfängen ausdrücklich an jüngere Frauen, Mütter, Berufstätige wandte, das zeigte sich am Sonntag nach einer anderen Aktion an einem Seil im Chorraum: Auch wenn es wie eine Wäscheleine aussah, so hingen hier keine Kleidungsstücke, sondern Wassertropfen aus Pappe, auf denen stand: Kraftquelle für den Alltag, Gemeinschaft, Offenheit und Toleranz, Gespräche über Glauben und die Bibel, praktizierte Ökumene, Vielfalt der Themen, Einlassen auf Neues, Vertrauen untereinander, Achtsamkeit. Genau darum geht es auch in Zukunft, auf vielfältige Art laden die Frauen in der Kirche, im Gemeindebrief und in der Zeitung zu ihren Abenden ein, die normalerweise zweimal monatlich stattfinden. Auf der Homepage der Berleburger Kirchengemeinde kann man schon heute das Programm bis September sehen. So geht es beim nächsten Mal am Donnerstag, 26. April, um Sri Lanka, nicht nur gesehen als Urlaubsort, sondern auch mit Blick auf die Friedensarbeit mit kirchlichen Partnern, Claudia Latzel-Binder referiert an diesem Abend im ehemaligen Pfarrhaus an der Berleburger Schloßstraße 18b, gegenüber vom Eingang der Stadtkirche.

Bei der Predigt am Sonntag ging Claudia Latzel-Binder genauer auf die Worte des Psalms 36 ein, setzte sie in einen größeren Zusammenhang und las auch die Verse vorneweg und hintendran, die nicht im Gesangbuch stehen. Und am Ende wusste die Pfarrerin auch, welche Lieblingsverse die versammelte Gemeinde im Psalm 36 hatte. In einer letzten Runde hatte sie den kompletten Text allein verlesen und die Gottesdienst-Besucher dazu ermutigt, nur die eigenen Lieblings-Worte, -Zeilen, -Sätze des Psalms mitzusprechen. So wurde „Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht“ am lautesten vorgetragen. Wenig überraschend, aber auf einem festen Fundament fußend, denn wenn man sich gründlich und geduldig mit einem Thema beschäftigt, kann man sich eine Meinung bilden. Genau wie es der Abendkreis seit 50 Jahren macht.

Hier gibt es den kurzen Rückblick von Mechthild Christ aus dem Gottesdienst am Morgen,
hier gibt es den detallierteren Rückblick von Mechthild Christ aus dem Abenteuerdorf am Nachmittag,
hier gibt es noch mehr Fotos aus Kirche und Abenteuerdorf vom 15. April 2018,
hier
gibt es eine vom Berleburger Presbyter Georg Bender zusammengestellte Reise durch die 50 Jahre in einigen Worten und ganz vielen Bildern.