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24.01.2018
Von: Jens Gesper

Dorlar und Gleidorf machen sich gemeinsam auf die Socken

Kooperations-Vereinbarung für Evangelische in Eslohe und Schmallenberg ist in Kraft


Aufgeschlossen, fröhlich, mutig und zukunftsorientiert haben die beiden zuständigen Presbyterien eine Kooperation zwischen den Kirchengemeinden Dorlar und Gleidorf aus der Taufe gehoben, um auch in schwierigen Zeiten evangelisches Leben in Eslohe und Schmallenberg für die Zukunft zu sichern.

Täuflinge bekommen in der Evangelischen Kirchengemeinde Dorlar ein Paar selbstgestrickte Socken. Gemeindepfarrer Jürgen Rademacher aus Eslohe schenkte jetzt seiner Gleidorfer Amtskollegin Ursel Groß genau solche Socken, als die Kooperation zwischen den Kirchengemeinden Dorlar und Gleidorf feierlich aus der Taufe gehoben wurde.

Täuflinge bekommen in der Evangelischen Kirchengemeinde Dorlar ein Paar selbstgestrickte Socken. Gemeindepfarrer Jürgen Rademacher aus Eslohe schenkte jetzt seiner Gleidorfer Amtskollegin Ursel Groß genau solche Socken, als die Kooperation zwischen den Kirchengemeinden Dorlar und Gleidorf feierlich von den beiden Presbyterien im Beisein von Stefan Berk und Ulf Helmrich vom Kreissynodalvorstand (KSV) des Wittgensteiner Kirchenkreises im Schmallenberger Katharina-Zell-Haus aus der Taufe gehoben wurde. Die beiden Hochsauerländer Kirchengemeinden, zu denen die allermeisten evangelischen Esloher und Schmallenberger gehören, sind Teil des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein, der KSV ist dessen Leitungsgremium.

Zuvor waren bereits am dritten Advent die Kooperations-Vereinbarung selbst und die Überlegungen dahinter bei zwei Gemeindeversammlungen vorgestellt worden: Mit dem Ziel, weiterhin zwei Pfarrstellen auf dem Gebiet zu erhalten, verpflichten sich die Kirchengemeinden darin zur engen Zusammenarbeit auf den sechs Handlungsfeldern der Gemeindearbeit: Gottesdienst, Kirchenmusik und Kultur; Seelsorge und Beratung; Diakonie und gesellschaftliche Verantwortung; Mission und Ökumene; Bildung und Erziehung; Leitung, Öffentlichkeitsarbeit und Verwaltung. Die Pfarrstelleninhaber werden damit in ihrer Arbeit und bei ihren Aufgaben zu Grenzgängern. Beide Versammlungen waren dankbar, dass die zwei Presbyterien mit Kirchenkreis und Landeskirche zur Gestaltung einer absehbar schwierigen Zukunft den Mut entwickelt hatten, in diesem Modellprojekt einen neuen Weg einzuschlagen und auszuprobieren. Die Ursache bringt Ursel Groß auf den Punkt: „Nach dem Schlüssel der Landeskirche, die pro Pfarrstelle eine Gemeindegliederzahl von 3000 bis 3500 gesetzt hat, bedeutet das nach der Pensionierung von Pfarrer Jürgen Rademacher eine Pfarrstelle für die 3250 Gemeindeglieder, die auf einer Gesamtfläche von 340 Quadratkilometern leben.“ Zum Jahresende geht Jürgen Rademacher in den Ruhestand, allen Beteiligten in Eslohe, in Schmallenberg, in Bad Berleburg und in Bielefeld war klar, dass ein Pfarrer allein auf 340 Quadratkilometern keine Perspektive für lebendiges evangelisches Leben ist.

Deshalb das Modellprojekt, dessen Vorteile Ursel Groß aufzählt: „Vor dem Hintergrund einer engen Zusammenarbeit der Kirchengemeinden bleiben zwei Pfarrstellen erhalten - ein unschätzbarer Wert, um Gottesdienste, Amtshandlungen und ein Mindestmaß an Seelsorge zu gewährleisten. Zwei Pfarrstellen ermöglichen den Pfarrstelleninhabern geregelte freie Zeit durch predigtfreie Wochenenden und durch eine Vertretung auf kurzem Weg abgesicherte Urlaube und Fortbildungen. Zwei Pfarrstellen bieten die große Chance, gabenorientiert zu arbeiten. Das bedeutet: Nicht einer ist für alles Ansprechpartner beziehungsweise zuständig, sondern die Presbyterien fragen ‚Was kannst Du?‘ und können so zukünftig in einzelnen Handlungsfeldern diese Arbeit nach den Begabungen ihrer Pfarrer aufteilen. Zwei Pfarrstellen bedeutet schließlich: Keine Gemeinde muss ihre Selbständigkeit und ihre Identität aufgeben. Die Gemeinden bleiben in ihren Grenzen bestehen. Dies ist nach den Umbrüchen und Abschieden der letzten Jahre wichtig, damit die Gemeinden zur Ruhe kommen und sich stabilisieren können, um in Zukunft lebensfähige und lebendige Gemeinden zu bleiben.“ Die Pfarrerin spricht hier von der Aufgabe von Kirchengebäuden und dem Verlust von Pfarrer-Hauptamtlichkeit vor Ort.

Der Esloher Dr. Hans Dürr als Finanzkirchmeister der Kirchengemeinde Dorlar schaut nochmal genauer auf die Zahlen der Evangelischen in der Hochsauerländer Diaspora: „Mit zusammen etwa 3250 Mitgliedern ist die Kooperation Eslohe-Schmallenberg ein ernst zu nehmender personaler Faktor. Die geringe Anzahl an Konfirmanden in den Kirchengemeinden gemeinsam zu schulen, entlastet beide und fördert soziale Kontakte über Gemeinde-/Stadtgrenzen hinweg. Das gilt auch für den Veranstaltungskalender, zukünftig vielleicht für gemeinsame Kommunikationswege.“ Für ihn sind die zwei Pfarrstellen ebenfalls ein wichtiges Argument: „Sonntägliche Gottesdienste parallel in zwei Kirchen sichern allein fahrttechnisch Gottesdienstbesucher. Auf Dauer werden Gottesdienste in der Zentralkirche Eslohe eine gesicherte Besucheranzahl haben, nur wenige würden aus Cobbenrode, Reiste, Wenholthausen rund 20 Kilometer Anfahrt in die Stadt Schmallenberg einplanen.“

Für Stefan Berk als Leitenden Theologen des Wittgensteiner Kirchenkreises sind die Schritte der beiden selbstständigen Kirchengemeinden Dorlar und Gleidorf aufeinander zu auch wichtig für die Zukunft der Evangelischen Kirche in der Hochsauerländer Diaspora: „Ich glaube, dass auch in zehn Jahren unsere Kirchengemeinden in der Region präsent sein werden - die Form wird sich aber verändern. Einige Gebäude werden aus finanziellen Gründen anders genutzt werden, aber wir bleiben mit Menschen verbunden und begleiten sie zuverlässig und gut an den Schnittstellen des Lebens. Das macht Volkskirche auch in Zukunft aus, dass sie Kirche für Menschen ist. Andere Angebote werden wir demnächst viel stärker regional planen und verantworten, weil nicht mehr jede Gemeinde alles tun kann: Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche, Chöre und Konzerte, Freizeiten und Feste. Kirchengemeinden - mit Sicherheit auch über die konfessionellen Grenzen hinaus - entscheiden deshalb gemeinsam, welche Schwerpunkte wo stattfinden und wer dafür verantwortlich ist. So hat Kirche im ländlichen Raum für mich Perspektive.“ Die beiden Evangelischen Kirchengemeinden Dorlar und Gleidorf machen sich jetzt - im vollen Bewusstsein ihrer unterschiedlichen Größen und Gaben - auf jeden Fall schon mal gemeinsam auf die Socken.

Hier gibt es die Präambel und die Eckpunkte der Kooperations-Vereinbarung zwischen den Evangelischen Kirchengemeinden Dorlar und Gleidorf.