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17.01.2018
Von: Jens Gesper

Gemeinsam sind wir stärker

Der Christlich-Jüdische Freundeskreis Bad Laasphe nutzte 2017 viele neue Kooperationen


Mit einem so genannten Übersee-Brief werden Menschen mit Laaspher Wurzeln über die Aktivitäten des Christlich-Jüdischen Freundeskreises im abgelaufenen Jahr informiert. Auch diesmal wurde der Brief von den Anwesenden bei der Jahreshauptversammlung unterzeichnet.

Auch wenn die Zahl der Anwesenden bei der Jahreshauptversammlung des Christlich-Jüdischen Freundeskreises Bad Laasphe im örtlichen Haus des Gastes jetzt sehr überschaubar war, so waren doch immerhin drei der fünf Neuen vor Ort, die im abgelaufenen Jahr dem Verein beigetreten sind. 62 Mitglieder zählt nun der Freundeskreis, der in 2017 ein beeindruckendes Programm auf die Beine gestellt hatte, an das der Vorsitzende Rainer Becker noch einmal erinnerte.

Augenfällig im Jahr nach den Feierlichkeiten zum 25-jährigen Vereinsbestehen die vielen Kooperationen, die Grundgedanken und -überzeugungen einer christlich-jüdischen Zusammenarbeit breiter in die Öffentlichkeit tragen, auch wenn es bei uns - historisch bedingt - keine Juden mehr gibt. Die Erinnerung und das Gedenken an die jüdischen Nachbarn standen bei drei Veranstaltungen im Mittelpunkt: an den 75. Jahrestagen zweier Deportationen, die im April 1942 zunächst 52 Juden aus Laasphe und Banfe nach Zamość und im Juli 1942 nochmal 18 Laaspher Juden nach Theresienstadt brachten, sowie am 79. Jahrestag der Reichspogromnacht im November. Zur Veranstaltung im Juli waren die Geschwister Dalia und Naftali Lavi aus Israel angereist, deren Großeltern Herz und Minna Beifus genau 75 Jahre zuvor aus Laasphe in den Tod geschickt worden waren. In die beiden anderen Gedenkveranstaltungen waren über das Wittgensteiner Kirchenkreis-Schulreferat Schülerinnen und Schüler eingebunden. Im April reinigten je zwei Klassen der Laaspher Grundschule und des Städtischen Gymnasiums die Stolpersteine und erinnerten an die Menschen, die aus Wittgenstein abtransportiert wurden, im November waren Neuntklässlerinnen des Städtischen Gymnasiums an der Gedenkfeier im Haus des Gast beteiligt. Sie erzählten von der Familie Brill und den Menschen hinter deren 16 Laaspher Stolpersteinen und verlasen die Namen der 85 Deportierten, von denen gerade mal vier überlebten.

Außer den schulischen Kooperationen gab es in 2017 eine weitere große Zusammenarbeit für die Beschäftigung mit dem Thema „Euthanasie“, also der systematischen Ermordung von Menschen mit körperlichen, geistigen, psychischen Beeinträchtigungen durch die Nazis. Für diese beeindruckende Veranstaltungsreihe mit Ausstellung, Theaterstück und Exkursion arbeitete der Freundeskreis wie schon oft zuvor und bewährt mit dem örtlichen Kulturring zusammen, hinzu kam diesmal das Wittgensteiner psychosozialen Forum, in dem das Diakonische Werk Wittgenstein, die Diakonie Südwestfalen, der Arbeiterwohlfahrt-Kreisverband Siegen-Wittgenstein/Olpe, das Sozialwerk St. Georg Westfalen-Süd, der Kreis Siegen-Wittgenstein, der Evangelische Kirchenkreis Wittgenstein und die Evangelische Kirchengemeinde Raumland kooperieren. Ernst Canstein ist der Name, der in Bezug auf Euthanasie für Laasphe immer genannt wird: 1934 wurde der ausgewiesene Nazi-Gegner wegen einer angeblichen Schizophrenie in die Heilanstalt Aplerbeck eingewiesen, 1941 folgte zunächst die Verlegung in die Landesheilanstalt Herborn, dann in die Tötungsanstalt Hadamar.

All das war nur eine Auswahl der Veranstaltungen. Und weil auch die Kassenführung keinerlei Anlass zur Kritik gab, sondern nur höchstes Lob erhielt, wurde der Vorstand von der Versammlung einstimmig entlastet. Gewählt werden mussten an diesem Abend zwei Kassenprüfer, auch die Voten für Heinrich Höse und Kurt Spies fielen einstimmig aus. Und so kann das nächste Vereinsjahr beginnen, das auch wieder unterschiedliche Veranstaltungen bereithält: Im April eine Kooperation mit der Kreisvolkshochschule Siegen-Wittgenstein, wenn Dr. Ulf Lückel im Laaspher Haus des Gastes über „Jüdisches Leben in Wittgenstein, von den Anfängen bis zum Untergang 1938“ spricht. Und im Mai jährt sich zum 75. Mal der Tag, an dem mit dem Gemeindevorsteher Max Präger und seiner Familie die letzten Laaspher Juden deportiert wurden.

Hier gibt es den Bericht des Vorsitzenden Rainer Becker über 2017
und hier weitere Berichterstattung zu Aktionen des Freundeskreises im abgelaufenen Jahr
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