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17.12.2017
Von: Jens Gesper

Dankbar für den Mut zu einem neuen Weg

Versammlungen in Eslohe und Gleidorf informierten Gemeinden über Vereinbarung zur Kooperation


Finanzkirchmeister Dr. Hans Dürr und Pfarrer Jürgen Rademacher erklärten bei der Gemeindeversammlung in der Esloher St.-Johannis-Kirche das Konzept einer Kooperations-Vereinbarung, das von den 60 Zuhörern einstimmig begrüßt wurde.

Auch nach der Gemeindeversammlung sprachen die Besucher in der Gleidorfer Auferstehungskirche noch miteinander, generell wollte man den neuen Weg einer Kooperations-Vereinbarung gern und optimistisch einschlagen.

Der Begriff „Diaspora“ ist ein Fremdwort, kommt aus dem Altgriechischen und heißt Verstreutheit. Diaspora ist aber auch der Alltag der Evangelischen im Hochsauerland. Was das konkret bedeutet? Ein paar Zahlen helfen weiter: Die Evangelische Kirchengemeinde Dorlar hat rund 1100 Gemeindeglieder auf mehr als 180 Quadratkilometern, die Evangelische Nachbargemeinde Gleidorf rund 2200 Gemeindeglieder auf mehr als 160 Quadratkilometern. Also ungefähr 3300 Menschen auf mehr als 340 Quadratkilometern Fläche oder um die Rechnung einfacher zu machen: auf etwa 330 Quadratkilometern. Also Pi mal Daumen: zehn Evangelische pro Quadratkilometer. Das ist Diaspora - und das soll jetzt neu gestaltet werden. Denn in der Gleidorfer Gemeindearbeit musste aufgrund veränderter Rahmenbedingungen bereits eine halbe Pfarrstelle eingespart werden und in einem Jahr geht der Dorlarer Pfarrer Jürgen Rademacher in Ruhestand.

3300 Gemeindeglieder - das heißt in Teilen der Evangelischen Kirche von Westfalen schon heute: eine Pfarrstelle. Das könnte im Hochsauerland wegen der weiten Wege nicht funktionieren - und das ist allen Beteiligten klar. Auch beim Wittgensteiner Kirchenkreis in Bad Berleburg, zu dem die Hochsauerländer gehören, auch bei der Landeskirche in Bielefeld. Deshalb wollen die Kirchengemeinden Dorlar und Gleidorf, ein Modellprojekt enger Zusammenarbeit in einer dünn besiedelten Diaspora-Situation auf den Weg bringen, in Zusammenarbeit und mit Unterstützung durch den Kreissynodalvorstand des Kirchenkreises Wittgenstein und durchs Landeskirchenamt. Das haben sich die Presbyterien überlegt, am Sonntag wurden die Überlegungen nach den Gottesdiensten bei Gemeindeversammlungen in der Gleidorfer Auferstehungskirche und in der Esloher St.-Johannis-Kirche vorgestellt.

Die selbstbewusste Absicht der Kirchengemeinden steht in der Präambel der Kooperations-Vereinbarung: „Ziel ist, die Selbständigkeit der beiden Kirchengemeinden mit jeweils einer vollen Pfarrstelle zu erhalten.“ Schaut man auf die sehr unterschiedlichen Gemeindegliederzahlen - Gleidorf hat doppelt so viele wie Dorlar -, dann könnte das ungerecht wirken, Erläuterungen dazu gibt der dritte der insgesamt acht Eckpunkte in der Vereinbarung: „Beide Kirchengemeinden verpflichten sich zur engen Zusammenarbeit auf den sechs Handlungsfeldern der Gemeindearbeit: Gottesdienst, Kirchenmusik und Kultur; Seelsorge und Beratung; Diakonie und gesellschaftliche Verantwortung; Mission und Ökumene; Bildung und Erziehung; Leitung, Öffentlichkeitsarbeit und Verwaltung.“ Die Pfarrstelleninhaber werden also in ihrer Arbeit und bei ihren Aufgaben zu Grenzgängern. Der Konfirmandenunterricht wird ab Sommer gemeinsam durchgeführt. Es wird einvernehmlich ein gemeinsamer Predigtplan erstellt. Die Pfarrer sowie autorisierte Presbyteriums-Mitglieder erhalten Teilnahmerecht und beratende Stimme beim Leitungsgremium der Nachbargemeinde. Alle diese Vereinbarung berührende Beschlüsse werden durch einen Kooperationsausschuss vorbereitet und bedürfen der mehrheitlichen Zustimmung beider Presbyterien. Zu diesem neuen Ausschuss gehören für Dorlar Elena Agalakov, Dr. Hans Dürr, Peter Herrmann und Pfarrer Jürgen Rademacher, für Gleidorf Dr. Jürgen Fuhse, Dr. Johannes Gilbert, Pfarrerin Ursel Groß und Dr. Werner Kördel.

Während in Eslohe rund 60 Gemeindeglieder nach dem Gottesdienst zur Versammlung in der St.-Johannis-Kirche blieben, waren es in der Gleidorfer Auferstehungskirche etwa 20. So unterschiedlich groß das Interesse, so einmütig die anschließenden Reaktion. Man war hüben wie drüben dankbar dafür, dass die Presbyterien der beiden Kirchengemeinden zur Gestaltung einer absehbar schwierigen Zukunft mit Kirchenkreis und Landeskirche den Mut entwickelten, einen neuen Weg einzuschlagen und auszuprobieren. Die letztendliche Verantwortung liegt bei den Presbyterien als Leitungsgremium, in Eslohe wurde jedoch in der Gemeindeversammlung ein Meinungsbild abgefragt. Da sprachen sich alle einstimmig dafür aus, dieses Modellprojekt zu testen.

Aber in Eslohe schien in der Versammlung ein weiteres Problem auf, das das Presbyterium noch bearbeiten muss: der Name der Kirchengemeinde. Der Ursprung der Kirchengemeinde liegt in Dorlar, der Ort gibt ihr seit 70 Jahren den Namen. Heute gehört Dorlar zur Stadt Schmallenberg, die allermeisten Gemeindeglieder sind kommunal betrachtet aber Esloher. Mit Fingerspitzengefühl, das historische Bewusstsein und die gegenwärtige Praktikabilität im Auge behaltend muss hierüber nachgedacht werden. Bei dieser schon länger bestehenden Schwierigkeit bietet allerdings die neue Kooperations-Vereinbarung eigentlich schon mal ein wenig Entspannung. Denn diese bezieht sich künftig auf alle Evangelischen des Wittgensteiner Kirchenkreises in den Kommunen Eslohe und Schmallenberg, obwohl man das nicht gleich denkt, wenn man die dazugehörigen Gemeindenamen Dorlar und Gleidorf hört. An dieser Stelle muss man eben Dinge erklären. Genau wie die historisch bedingte Zugehörigkeit dieser beiden Kirchengemeinden zu Wittgenstein, während andere Teile vom Esloher und Schmallenberger Kommunalgemeinde-Gebiet zu den Evangelischen Kirchenkreisen Lüdenscheid-Plettenberg oder Arnsberg gehören.

Hier gibt es die Präambel und die Eckpunkte der Kooperations-Vereinbarung zwischen den Evangelischen Kirchengemeinden Dorlar und Gleidorf.

Hier gibt es die Präsentation zu der Kooperations-Vereinbarung aus der Gemeindeversammlung der Dorlarer Kirchengemeinde in Eslohe.