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17.09.2017
Von: Jens Gesper

Zurück zum Ursprung

Zehnjähriges Bestehen der Diakonischen Gemeindemitarbeit in Elsoff gefeiert


Ein Gruppenbild zum Zehnjährigen der Diakonischen Gemeindemitarbeit im Kirchenkreis, auf dem man fast alle gut sehen kann: Simone Conrad, Christiane Lunau, Ingrid Leinweber, Barbara Lenz-Irlenkäuser, Carmen Wagner-Khatibi, Erika Wiesel, Margit Weller, Marion Wunderlich, Ursula Hampel, Andrea Impelmann, Elvira Siliacks und Thomas Dörr (von links).

Bei der Stehtischrunde wurde zurück und nach vorn geblickt und die Gegenwart nicht vergessen: Simone Conrad, Henning Setzer, Helmut Kneppe, Thomas Dörr, Waltraud Schäfer, Christel Rother und Barbara Lenz-Irlenkäuser (stehend, von links).

Musikalisch wurde der Gottesdienst zum zehnjährigen Bestehen der Diakonischen Gemeindemitarbeit im Wittgensteiner Kirchenkreis auch von Bläsern des CVJM-Posaunenchors Raumland umrahmt.

„Hinsehen, hingehen, helfen“ - wie ein Refrain, wie ein Kehrvers kam dieses Tuwort-Trio am Sonntag immer wieder in der Predigt der Wittgensteiner Diakoniepfarrerin Simone Conrad in der Elsoffer Kirche vor. Das Leitmotiv des Diakonischen Werks Wittgenstein dazu heißt „Weil Menschen Menschen brauchen“. Beim Gottesdienst ging es ums zehnjährige Bestehen der Diakonischen Gemeindemitarbeit im Kirchenkreis - und dafür kehrte man zurück zu den Ursprüngen. Schon 2005 war in Elsoff die Idee für die Diakonische Gemeindemitarbeit entstanden, Dr. Ralf Kötter gab den Impuls dafür. Auch wenn der ehemalige Pfarrer der Lukas-Kirchengemeinde jetzt fehlte, so waren doch rund 140 Festgäste in der Elsoffer Kirche.

Was eine Diakonische Gemeindemitarbeiterin macht, das ist vielfältig. Einen Überblick gaben die Gemeindemitarbeiterinnen selbst im Gottesdienst. Mit kleinen anonymisierten Geschichten aus ihrer Arbeit illustrierten sie ihren Dienst am Nächsten. Dazu gehören gedankliche Ausflüge mit den älteren Menschen in die Vergangenheit, sei es in die schöne Schulzeit oder in furchtbare Kriegs-Erinnerungen, gemeinsames Beten und Psalm-Lesen, das wie ein kleiner Gottesdienst zuhause sein kann, gemeinsames Schweigen, das auch mal schwer auszuhalten ist, das Hinweisen auf Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten, aber auch das verlässliche Dasein, wenn diese nicht funktionieren und vielleicht der Alkohol ein Problem im Alter bleibt, oder auch das spontane Dasein, wenn die evangelische Klientin, die auf der Besuchsliste steht, nicht zuhause ist, aber die katholische Nachbarin nach dem Tod ihres Mannes dankbar den Besuch annimmt. Die Gemeindemitarbeiterinnen sind von vor Ort, manchmal sprechen sie sogar das örtliche Platt, sie lesen vor oder backen auch Plätzchen, bei einer Diabetikerin natürlich in Absprache, damit die schlechten Augen nicht noch schlechter werden. Und sie kommen nicht nur zum Geburtstag, sondern das ganze Jahr lang. Insgesamt waren es über 30.000 dokumentierte Besuche in den zehn Jahren.

Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst von Bläsern des CVJM-Posaunenchors Raumland und von Günther Zacharias an der Orgel. Entstanden war der Gottesdienst im Miteinander von Simone Conrad und den Diakonischen Gemeindemitarbeiterinnen, im Einzelnen sind das heute: Carmen Wagner-Khatibi für die Banfetaler Kirchengemeinden, Andrea Impelmann für die Berleburger, Christiane Lunau für die Dorlarer, Ursula Hampel und Erika Wiesel für die Feudinger, Ingrid Leinweber für die Laaspher, Elvira Siliacks und Margit Weller für die Lukas-, Marion Wunderlich für die Raumländer, Yvonne Eben für die Wingeshäuser Kirchengemeinde und Barbara Lenz-Irlenkäuser als Koordinatorin der Diakonischen Gemeindemitarbeit. Ihnen allen wurde im Gottesdienst noch einmal der Segen von Diakoniepfarrerin Simone Conrad zugesprochen.

Außer den aktuellen Gemeindemitarbeiterinnen waren auch Margitta Grebe, Gunhild Müller, Monika Lauber, Martina Homrighausen, Angela Wunderlich und der jahrelange Quotenmann Karl-Ludwig Wiesel als Ehemalige in Elsoff. Über die Geschichte der Arbeit erfuhr man beim anschließenden Empfang in einem neuangebauten Teil des Elsoffer Gemeindehauses mehr. Thomas Dörr als damals neuer Geschäftsführer des Diakonischen Werks Wittgenstein und Barbara Lenz-Irlenkäuser als erste Gemeindeschwester dieser neuen Prägung erinnerten sich an die Anfänge mit dem Impulsgeber Ralf Kötter, bevor die Beiden weitere Menschen zum Thema befragten. Denn natürlich mussten noch mehr Kooperationspartner - auch zur finanziellen Unterstützung - mit an Bord kommen, als das Kirchengemeinde-Projekt 2007 zunächst aufs Berleburger Stadtgebiet, schließlich auf den Altkreis Wittgenstein ausgeweitet wurde. Barbara Lenz-Irlenkäuser und Thomas Dörr hatten eine Handvoll Menschen für eine Stehtischrunde eingeladen: Helmut Kneppe als ehemaligen und Henning Setzer als aktuellen Sozialdezernenten des Kreis Siegen-Wittgenstein, die stellvertretende Landrätin und Niederlaaspher Ortsvorsteherin Waltraud Schäfer, die stellvertretende Laaspher Bürgermeisterin Christel Rother sowie die Diakoniepfarrerin Simone Conrad.

Alle Frauen wussten aus ihrer Praxis-Erfahrung die Diakonische Gemeindemitarbeit zu schätzen, sie hörten darüber nur Gutes. Auch die Vernetzung mit dem kommunalen Seniorenberatungs-Angebot funktioniere zum Wohle der Menschen prima. Dass man durch die Unterstützung unterschiedlicher Akteure möglichst lange im Alter zuhause wohnen bleiben kann, das war von Anfang an ein wichtiges Ziel der Gemeindemitarbeit. Simone Conrad war als Gemeindepfarrerin zudem für die „verlässliche Entlastung“ durch die Gemeindemitarbeit bei den Besuchen von älteren Menschen „von Herzen dankbar“. Da wusste sie auch, dass sie im Namen ihrer Kolleginnen und Kollegen sprach. Ursprünglich sollten die Gemeindemitarbeitenden auch ehrenamtliche Besuchskreise auf den Weg bringen. Das klappte unterschiedlich gut. Es ist nicht überall gleich einfach, Ehrenamtliche für einen solchen Dienst zu gewinnen, dennoch seien es inzwischen rund 40, so Barbara Lenz-Irlenkäuser.

Der Geschäftsführer des Diakonischen Werks stellte im Beisein von Helmut Kneppe noch einmal klar, dass die wittgenstein-weite Diakonische Gemeindemitarbeit ohne die Initiativ-Förderung durch den Kreis nicht möglich gewesen wäre. Finanziell unterstützt werden die Stellen auch durch den Freundeskreis „Diakonische Arbeit im Kirchenkreis Wittgenstein“ und natürlich von den beteiligten Kirchengemeinden. Es sei ihm von Anfang an ein Anliegen gewesen, so Thomas Dörr, dass das Diakonische Werk wieder näher an die Gemeinden rücke. Mittlerweile ist die finanzielle Förderung durch den Kreis Siegen-Wittgenstein - wie vorher genau abgesprochen - geringer geworden, dennoch bot Sozialdezernent Henning Setzer jetzt nochmal ausdrücklich andere Unterstützung an: Wenn man bei der Ehrenamtlichen-Gewinnung Hilfe haben wolle, dann möge man sich beim Kreis melden. Und in Elsoff, einem der Orte im Kreisgebiet, die am weitesten weg von Siegen liegen, wunderte sich Henning Setzer darüber, wieso es so etwas Gutes nur in Wittgenstein gebe und im Siegerland nicht.

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