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10.09.2017
Von: Jens Gesper

Von Polen bis nach Patagonien

Partnerschafts-Gottesdienst in Bad Berleburg schaute aufs Refomations-Jubiläum weltweit


Pfarrer Martin Ahlhaus predigte beim Wittgensteiner Partnerschafts-Gottesdienst in der Berleburger Kirche und hatte außerdem Eddy Nyagweta, einen Bildhauer aus Harare, mit drei von dessen Kunstwerken mit nach Wittgenstein gebracht.

Der Kleine Chor zum Lobe Gottes der Berleburger Kirchengemeinde sang beim Wittgensteiner Partnerschafts-Gottesdienst unter Leitung von Pfarrerin Christine Liedtke ganz viel in Deutsch und ein bisschen in Spanisch.

Der frühere Winterberger Pfarrer Manfred Gringel hatte sich sein lutherisches Gewand für den Partnerschafts-Gottesdienst angezogen und berichtete über seine Verbindungen aus dem Wittgensteiner Kirchenkreis nach Polen.

Der Weltgebetstag führt kommendes Jahr nach Surinam, deshalb faltete Manuela Schnell beim Wittgensteiner Partnerschafts-Gottesdienst schon fleißig Frösche für den ersten Freitag im März.

Beim amerikanischen Cornhole-Spielen im Gang der Berleburger Kirche konnte man bei den Young Ambassadors nach dem Wittgensteiner Partnerschafts-Gottesdienst mit Sandsäckchen werfen.

Horst Seeger stellte Eddy Nyagweta beim Wittgensteiner Partnerschafts-Gottesdienst die Verbindung zu den Youth Alive Ministries in Soweto vor.

Karin Dornhöfer präsentierte nach dem Wittgensteiner Partnerschafts-Gottesdienst in der Berleburger Kirche das reichhaltige Angebot des Ökumenischen Weltladens in Bad Laasphe.

Der eine sprach von dreistündigen Gottesdiensten, die andere sagte, das sei noch gar nichts. Den Besucherinnen und Besuchern vom Partnerschafts-Gottesdienst des Wittgensteiner Kirchenkreises wurde am Sonntag in der Berleburger Stadtkirche wahrscheinlich schnell klar, dass es an diesem Tag wohl nichts mit der üblichen 60-Minuten-Veranstaltung würde. Aber es gab ja auch so viel zu berichten und zu erleben. Die Wittgensteiner und Hochsauerländer aus dem heimischen Kirchenkreis hörten viel davon, wie das Reformations-Jubiläum, das die deutschen Evangelischen schon das ganze Jahr begleitet, international wahrgenommen wird. Menschen aus dem Kirchenkreis sprachen über ihre globalen Kontakte. Insgesamt waren knapp 100 Gottesdienst-Gäste in der Kirche.

Und die hörten zum Beispiel eine Bibellesung in ziemlich vielen Sprachen. Obwohl es Paulus Brief an die Römer war, kamen weder Latein noch Italienisch vor, aber neben Deutsch lasen Laura Mengel auf Englisch, Dagmar Seeger auf Spanisch, Pfarrerin Claudia Latzel-Binder auf Suaheli und Julie Balouziye, die aus Aleppo stammt, auf Arabisch aus der Bibel. Der Kleine Chor zum Lobe Gottes der Berleburger Gemeinde sang unter Leitung von Christine Liedtke ganz viel Deutsch und ein bisschen Spanisch.

Und dann die Berichte. Bianca Brieseck aus Eslohe-Herhagen, also aus der Kirchengemeinde Dorlar, die zum Wittgensteiner Kirchenkreis gehört, sprach über die United Church of Christ in den US-Bundesstaaten Indiana und Kentucky. Sie nahm am Young-Ambassadors-Austauschprogramm zwischen Wittgenstein und Amerika kurz vor der Jahrtausendwende teil, 2015 und 2016 war sie die deutsche Leiterin. Sie berichtete davon, dass das Reformations-Jubiläum in den USA sehr wohl ein Thema sei und dass dort genau wie im Wittgensteiner Kirchenkreis ein knapp ein Meter großer, purpurroter Kunststoff-Luther durch die Gemeinden unterwegs sei. Der Berleburger Presbyter Horst Seeger nannte zwei Verbindungen, zur Jugendorganisation „Youth Alive Ministries“ in Soweto sowie zum Überkonfessionellen Theologischen Institut von Patagonien. Während das Jubiläum in Südafrika keine Rolle spiele, werde es in Chile gerade thematisiert. Der frühere Winterberger Pfarrer Manfred Gringel hat im Wittgensteiner Kirchenkreis, zu dem auch Winterberg gehört, die Beauftragung für das Gustav-Adolf-Werk, das Diasporawerk der Evangelischen Kirche in Deutschland. Geboren im ostpreußischen Langstein, heute auf Polnisch: Łęciny, schaut er auf die evangelischen Verbindungen nach Polen, wo die Protestanten für all unsere Nachbarländer betrachtet die kleinste Minderheit sind. Er freute sich, dass Wojciech Polak als Primas der Katholischen Kirche in Polen am Reformationstag 2016 beim Ökumenischen Gottesdienst in Cieszyn, also Teschen, in Südpolen war und dass es aus Anlass des Jubiläums gerade erstmals einen dreitägigen Evangelischen Kirchentag in Polen gab. Pfarrerin Christine Liedtke berichtete aus dem Lutherischen Partnerkirchenkreis Ngerengere der Wittgensteiner in Tansania, wo der 500. Jahrestag des legendären Thesenanschlags mit einem großen Zentralgottesdienst gefeiert wird. Die einfachste und verlässlichste Möglichkeit durch die Welt zu reisen ohne den Kirchenkreis zu verlassen ist der Weltgebetstag, zum dem alljährlich Christinnen in irgendeinem Land auf der Erde einen gemeinsamen Gottesdienst für den ersten Freitag im März gestalten. In der Schnittmenge von Weltgebetstag der Frauen und Reformationsjubiläum stellte Margot Käßmann als Schirmfrau vor wenigen Wochen das Projekt „Reformation ist überall - Frauenperspektiven“ in Wittenberg vor, wovon die Berleburgerin Manuela Schnell erzählte. Zum Schluss wusste der Oberndorfer Pfarrer Oliver Lehnsdorf noch von einem Gottesdienst zu den vier lateinischen Soli der Reformation in Honduras zu berichten: solus Christus, sola fide, sola gratia, sola scriptura. Oder auf Deutsch: allein Christus, allein durch Glauben, allein aus Gnade und allein durch die Schrift. Die Stimmung ist dort übrigens eher lateinamerikanisch als Latein. Oliver Lehnsdorf erinnerte sich jedenfalls daran, dass in dem zentralamerikanischen Land keine Kirchenbänke ständen, höchstens ein paar Stühle und in der Mitte sei einfach viel Platz zum Tanzen.

Getanzt wurde in Bad Berleburg nicht, Bewegung gab es trotzdem. Auch diesmal wurde beim Partnerschafts-Gottesdienst die Kollekte so gesammelt wie in Ngerengere üblich: also mit einem Kollektengang. Die Gemeinde steht auf, geht zum Spendenkörbchen auf dem Altar - in Wittgenstein: auf dem Abendmahlstisch - und wirft etwas hinein. Zur Belohnung gibt es ein Stückchen Schokolade für den Spender. Essenstechnisch gewappnet konnte der Gottesdienst so auch etwas länger sein. Zwei Minuten bevor die übliche Gottesdienststunde endet kam Martin Ahlhaus zur Predigt. Der Pfarrer ist beim landeskirchlichen Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung fürs südliche Westfalen und damit für den Wittgensteiner Kirchenkreis zuständig. In Zeiten der Globalisierungskritik beschrieb er die Kirchen als etwas andere Global Player, die Nächstenliebe und Solidarität in die weltumspannende Abläufe einbringen können und müssen. Dabei wies er in seiner Predigt auf das Kunstwerk „Togtherness“ zu Deutsch: Zusammengehörigkeit - im Chorraum der Berleburger Kirche hin. Martin Ahlhaus hatte den Bildhauer Edious Nyagweta aus Simbabwe mit nach Wittgenstein gebracht. Der Shona-Art-Künstler bearbeitet in Handarbeit bis zu 2,5 Milliarden Jahre alten Serpentinstein in verschiedenen Farben, Maserungen und Härtegraden mit Hammer, Meißel, Raspel und Feile. Durch Wachsen und Polieren hebt er Kontraste in Farbe und Textur hervor. Sowohl das Werk im Mittelpunkt der Predigt als auch zwei weitere Arbeiten von Eddy Nyagweta konnten die Besucherinnen und Besucher nach dem Gottesdienst, der nach etwa anderthalb Stunden endete, anschauen. Und offensichtlich war der Gottesdienst nicht zu lang gewesen, denn viele ließen sich zum Kirchkaffee einladen. Um mit den Young Ambassadors im Mittelgang der Kirche Cornhole zu spielen, um mit Manuela Schnell Frösche zu falten, der Weltgebetstag führt im kommenden Jahr nach Surinam, um sich bei Karin Dornhöfer das Angebot aus dem Ökumenischen Weltladen Bad Laasphe anzuschauen, um sich von Manfred Gringel im Namen des Gustav-Adolf-Werks kleine Putztücher für Bildschirme schenken zu lassen, damit man immer den richtigen Durchblick hat und auch mal genauer hinschauen kann, um sich von Horst Seeger Bilder und Texte aus Chile und Südafrika zeigen zu lassen und um letztendlich einfach mal miteinander ins Gespräch zu kommen.

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