Die Umstände verdoppeln die Spende fast >
< „Ich bin, weil du bist - Schritte zum Frieden“
23.07.2017
Von: Jens Gesper

„Wenn du weit gehen willst,...

... dann geh' zusammen mit anderen“ - Dorlar und Gleidorf feierten Diakoniegottesdienst


Ursel Groß, Organist Martin Henke, Brigitte Stooff, Elena Agalakov, Christiane Lunau, Karin Paetsch und Simone Conrad (von links) gestalteten den Diakoniegottesdienst der Evangelischen Kirchengemeinden Dorlar und Gleidorf am Sonntag in Eslohe.

Günter und Gisela Bannuscher aus Grafschaft wurden jetzt von Pfarrerin Ursel Groß aus dem Vorbereitungs-Team verabschiedet, seit 2009 bereiten die Kirchengemeinden Dorlar und Gleidorf ihre Diakoniegottesdienste gemeinsam vor.

Gudrun Thimm (rechts) war Presbyterin in der Dorlarer Kirchengemeinde, ihre Tochter Stefanie Ockershausen ist Presbyterin in der Gleidorfer Kirchengemeinde. Beide zusammen verkauften nach dem Diakoniegottesdienst Stofftaschen, der Reinerlös ist für den Wittgenetienr Partnerkirchenkreis Ngerengere in Tansania bestimmt.

„Diakonie“ - diese christliche Vokabel hat ihre Wurzeln im Altgriechischen: Diakonía bedeutet Dienst. Das Internet-Lexikon „Wikipedia“ schreibt: „Unter Diakonie versteht man alle Aspekte des Dienstes am Menschen im kirchlichen Rahmen.“ Es geht also um ein Miteinander von Menschen. Passend dazu stand am Sonntag „Ich bin, weil du bist“ über dem Diakoniegottesdienst der Evangelischen Kirchengemeinden Dorlar und Gleidorf. Ein Team aus beiden Kirchengemeinden bereitet die Gottesdienste im Miteinander vor, das Leitmotiv haben sich die Frauen diesmal vom Misereor-Hungertuch 2017/18 geborgt. Das afrikanische geflügelte Wort vergegenwärtigt in dem anschaulichen, einfachen Bild die Tatsache, dass es zum Wesen des Menschen gehört, Teil vielfältiger Beziehungen zu sein. Für den Diakoniegottesdienst wurde dieses „Ich bin, weil du bist“ ergänzt, erläuternd stand daneben „Schritte zum Frieden“.

Rund 80 Besucher, vornehmlich aus den beteiligten Kirchengemeinden, waren der Einladung in die Esloher St.-Johannis-Kirche gefolgt. Gestaltet wurde der Gottesdienst von den Presbyterinnen Elena Agalakov und Karin Paetsch, der Diakonischen Gemeindemitarbeiterin Christiane Lunau sowie Brigitte Stooff gemeinsam mit der Gleidorfer Gemeindepfarrerin Ursel Groß und der Wittgensteiner Diakoniepfarrerin Simone Conrad. Die Hochsauerländer Kirchengemeinden gehören nämlich zum Kirchenkreis Wittgenstein.

„Das Thema nimmt auf, was uns bewegt - der Terror in der Welt und unsere Angst davor - so viele Nachrichten von Hass und Gewalt und immer wieder unser Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit. Wie können wir damit umgehen? Wie können wir den Frieden im Blick behalten?“, so formulierte Ursel Groß in ihrer Begrüßung die Fragen, die am Anfang standen und auf die der Gottesdienst Antworten geben wollte. Nachdem Brigitte Stooff ins Thema eingeführt hatte, gab es zwei ganz konkrete Beispiele für die neue Angst vor dem Terror, der scheinbar näher rückt: Simone Conrad erinnerte sich an ihren Kirchentags-Besuch in Berlin und bisher nicht gekannte Taschen-Kontrollen, Fußball-Fan Christiane Lunau sprach von den zunehmenden Sicherheits-Checks vorm Stadion. Elena Agalakov stellte dem das entgegen, was die Christen dank ihrer Heiligen Schrift haben: „‚Fürchtet euch nicht‘ sagt die Bibel, 365-mal, einmal für jeden Tag im Jahr. Diese Botschaft, die Botschaft für den Frieden und gegen die Angst müssen wir mitnehmen in unseren Alltag. Den Terroristen und Gewalttätern darf nicht die Hoheit über die Gedanken der Menschen überlassen werden.“

In ihrer Predigt ermutigte Ursel Groß dazu, diese Friedensbotschaft nicht nur allein, sondern auch im größeren Verbund in die Welt zu tragen: „Menschsein ist niemals eine private Sache. Menschsein ist immer im Gegenüber und im Miteinander mit anderen begründet - so wie es ein anderes afrikanisches Sprichwort sagt: Ein einzelner Finger kann keine Laus im Haar fangen.“ Anschaulicher und praktischer geht es nicht, sogar für westliche Köpfe. Die Bewahrung des Menschseins von uns selbst und von all unseren Brüdern und Schwestern nah und fern ist eine wahrhaftige Herkules-Aufgabe, aber auch dafür hatte Ursel Groß das passende afrikanische Sprichwort: „Wenn du weit gehen willst, dann geh' zusammen mit anderen.“

Seit 2009 gehen die evangelischen Nachbarkirchengemeinden für den Diakoniegottesdienst zusammen. Bis im vergangenen Jahr arbeitete das Grafschafter Ehepaar Gisela und Günter Bannuscher in der Vorbereitungs-Mannschaft mit: Sie von Anfang an, der Gleidorfer Presbyter seit seiner Pensionierung. Am Sonntag wurden die Beiden von Ursel Groß offiziell aus dem Team verabschiedet, mit einem großen Dank und mit Sonnenblumen, die dank Gisela Bannuscher so sicher zum Hochsauerländer Diakoniegottesdienst gehörten wie das Amen in der Kirche.

Nach dem Gottesdienst konnte man vor der Kirchentür noch in Wittgenstein genähte Stofftaschen bei Gudrun Thimm und Stefanie Ockershausen kaufen - und auch die passten zum Thema. Denn mit dem Reinerlös unterstützt der Wittgensteiner Partnerschaftsausschuss inzwischen seit Jahrzehnten den Partnerkirchenkreis im tansanischen Ngerengere. Und in Zeiten, in denen man zur Bewahrung der Schöpfung Abschied von den Plastiktüten nimmt, bekommen die Stofftaschen einen ganz neuen Stellenwert. Im Gemeinderaum unterhalb der Kirche fand dann noch ein Kirchcafé statt. Hierzu ließen so viele Menschen einladen, dass zwischendurch weitere Stühle gestellt werden mussten.

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