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09.04.2017
Von: Jens Gesper

Er hat einen Talar und wohnt im Pfarrhaus

- und ist doch nicht Pfarrer, sondern Gemeindepädagoge in Feudingen: Johannes Drechsler


Am Sonntag feierte die Feudinger Kirchengemeinde einen Gottesdienst in der örtlichen Kirche, in dem der neue Gemeindepädagoge Johannes Drechsler (Siebter von rechts) ins Amt eingeführt wurde.

Ein Einführungsgottesdienst in der Passionszeit kann nicht ausgelassen sein, das liegt in der Natur der Dinge. So war es auch am Sonntag in der Feudinger Kirche. Obwohl der Anlass - die Einführung des neuen Gemeindepädagogen Johannes Drechsler - ein sehr freudiger war, war die Musik im Gottesdienst eher getragen. Nur die Kindergottesdienst-Kinder sangen fröhlich ein Lied zur Begrüßung - und was noch schöner war, die fünfjährige Eliana, die achtjährige Emma und der zehnjährige Levi Drechsler gingen ganz selbstverständlich mit nach vorn, um das Ständchen für den Papa zu singen. Allein das zweijährige Nesthäkchen Jakob blieb in der ersten Kirchenbank-Reihe bei Mama Katharina auf dem Schoß sitzen. Die Familie Drechsler wohnt bereits seit sechs Wochen im Feudinger Pfarrhaus, und ist deutlich spürbar schon gut im Oberen Lahntal angekommen.

Obwohl Johannes Drechsler bei seinem Einführungsgottesdienst einen Talar trug und obwohl er mit seiner Familie im Pfarrhaus wohnt, ist der 51-jährige gebürtige Heidelberger kein Pfarrer. Er absolvierte zunächst einmal eine Ausbildung zum Krankenpfleger, machte später sein Diplom als Religionspädagoge an der Evangelischen Fachhochschule Freiburg und ist ordinierter Laienprediger. Für den Pfarrerssohn gehörte die Kinder- und Jugendarbeit ganz natürlich zu seinem Aufwachsen dazu. Auch während er hauptberuflich noch einen anderen Job hatte, engagierte er sich stets ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendarbeit, dabei reifte in hm der Entschluss, diese wichtige Arbeit hauptamtlich zu machen. Nach sehr unterschiedlichen Stationen vor allem im Süden Deutschlands, aber auch schon in Nordrhein-Westfalen ist Johannes Drechsler nun im Oberen Lahntal gelandet. Als Gemeindepädagoge wird er in allererster Linie und hauptsächlich in der Feudinger Kirchengemeinde, aber ein wenig auch im Wittgensteiner Kirchenkreis arbeiten.

Nachdem absehbar war, dass nach dem Weggang von Pfarrer Oliver Günther im Januar 2014 die verbliebene halbe Pfarrstelle in der Feudinger Kirchengemeinde auch in Kombination mit einer zweiten halben Pfarrstelle nicht zu besetzen war, einigten sich der Kirchenkreis und die Feudinger Kirchengemeinde auf ein Modellprojekt. Die Oberlahntaler bekommen das Geld, das der Kirchengemeinde für die halbe Pfarrstelle zustehen würde und können damit einen Gemeindereferenten bezahlen. Die entstehende Finanzierungslücke schließt der Kirchenkreis in diesem Modellprojekt ganz bewusst, um in Zeiten, da es absehbar schwieriger wird, Pfarrer für Stellen auf dem Land zu finden, andere Modelle für eine gute kirchliche Gemeindearbeit auszuloten.

Den meisten Besuchern im Gottesdienst waren diese Details egal, ihnen war einfach wichtig, dass nun wieder noch jemand hauptamtlich in der Feudinger Kirchengemeinde arbeitet. Mit Kindern und Jugendlichen, aber auch Gottesdienste wird Johannes Drechsler künftig regelmäßig halten, wie ein Blick in den örtlichen Gemeindebrief beweist. Pfarrer Oliver Lehnsdorf, der Johannes Drechsler ins Amt einführte, schätzte, dass 150 Besucherinnen und Besucher im Gottesdienst waren. Sie kamen aus allen Ecken der großen Kirchengemeinde, die von Großenbach bis Amtshausen und Saßmannshausen reicht, in die Feudinger Kirche. Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen gaben Johannes Drechsler ein Segensvotum mit auf den Weg. Musikalisch umrahmt wurde der feierliche Gottesdienst vom Feudinger CVJM-Posaunenchor und Kirchenchor Berghausen/Feudingen.

Im Anschluss an den Gottesdienst fand im benachbarten Gemeindehaus eine Feierstunde mit einem reichlich gedeckten Büffet statt. Nachdem Pfarrer Oliver Lehnsdorf Johannes Drechsler und seine Familie nochmal persönlich in der Gemeinde begrüßt hatte, freuten sich auch Monika Benfer als Mitglied des Wittgensteiner Kreissynodalvorstands und des kreiskirchlichen Ausschusses für Gemeindepädagogik sowie Bernd Rothenpieler und Sven Sonneborn als Vertreter der CVJMs Oberndorf und Feudingen auf den gemeinsamen Weg mit dem neuen Gemeindepädagogen. Ein kurzes Grußwort gab es außerdem vom stellvertretenden Laaspher Bürgermeister Günter Wagner. Johannes Drechsler war bei der Feierstunde im Gemeindehaus anzumerken, wie wohl er sich mit seiner Familie bereits in Wittgenstein fühlt. Sie seien „total begeistert“, wie sie hier aufgenommen worden seien und im Gemeindebrief hatte er den Menschen im Oberen Lahntal im Namen seiner Familie schon versichert: „Wir freuen uns sehr darauf, Sie und Euch kennenzulernen.“

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