Zweiter Bauwagen für Waldentdecker >
< „Gott trägt uns, heute, morgen und in Ewigkeit“
21.03.2017
Von: Jens Gesper

Wie geht es weiter mit der Kapelle Schameder?

Arbeitskreis bei Bezirks-Versammlung der Erndtebrücker Kirchengemeinde aus der Taufe gehoben


Reichlich Betrieb herrschte jetzt bei der Gemeindeversammlung der Evangelischen Kirchengemeinde Erndtebrück für den Bezirk Schameder in der örtlichen Kapelle, engagiert wurde miteinander diskutiert - und dann ein Arbeitskreis aus der Taufe gehoben.

Rund 60 Besucher waren am Dienstagabend in der Kapelle Schameder, die Evangelische Kirchengemeinde Erndtebrück hatte zu einer Gemeindeversammlung ihres Bezirks Schameder eingeladen, zu dem auch Teile von Leimstruth gehören. Klar und deutlich war von vornherein gesagt worden, dass es vornehmlich um die Kapelle Schameder gehen werde.

Presbyter Michael Roggenkamp stellte nach der Begrüßung durch Pfarrer Stefan Berk die aktuelle Situation in Zahlen vor. Eine Auswahl: Laut offizieller Prognosen für Siegen-Wittgenstein erwartet man einen generellen Rückgang der Einwohnerzahlen zwischen 2015 und 2030 um 10,5 Prozent, speziell für Erndtebrück ist der Wert mit mehr als 16 Prozent besonders hoch. Bei heute 370 Gemeindegliedern im Bezirk ging Michael Roggenkamp für 2040 von 292 aus. Die durchschnittliche Nutzungsdauer bei acht aufgeführten Gebäuden aus der Kirchengemeinde lag für die Kapelle Schameder mit knapp zwei Stunden pro Woche deutlich am niedrigsten. Die Kosten für das 1972 errichtete Gebäude mit 152 Quadratmetern Nutzfläche bezifferte Michael Roggenkamp für 2017 auf 10.180 Euro, denen er Einnahmen in Höhe von 700 Euro gegenüberstellte. Offiziell hat sich die Evangelische Kirche von Westfalen Richtwerte „Gottesdienstfläche pro Gemeindeglied“ überlegt, die sind im Kirchenkreis überall größer als veranschlagt, aber mit viereinhalb mal so viel Fläche wie vorgesehen liegt Schameder ganz weit vor Balde, Benfe und Erndtebrück. Die finanzielle Rechnung stellte Michael Roggenkamp folgendermaßen zusammen: Die Bewirtschaftungskosten für alle Gemeinde-Gebäude betrügen derzeit 95.000 Euro, 66 Prozent der Kirchensteuereinnahmen, schon länger müsse die Gemeinde den Haushalt alljährlich mit rund 20.000 Euro aus Rücklagen ausgleichen. Das geht mal, ist aber kein Zukunftskonzept. Vor allem, wenn man sieht, dass all das Geld, was man in Gebäude steckt, für die Gemeindearbeit fehlt. In Erndtebrück selbst hat sich die Kirchengemeinde vom Jugendheim getrennt, das wurde von einem Investor gekauft und renoviert, jetzt wird es zurückgemietet, solange die Gemeinde diese Räumlichkeiten braucht.

Schon bei den 16 Prozent Einwohner-Rückgang fiel einer der Zuhörer Michael Roggenkamp ins Wort: Das gelte für Schameder aber nicht, schließlich habe man das florierende interkommunale Gewerbegebiet. Es war deutlich, dass die Leute in Schameder an ihrer Kapelle hängen und diese unbedingt halten wollen. Das Presbyterium als Entscheidungsträger in der Kirchengemeinde hatte das kaum anders erwartet. Stefan Berk machte deutlich, dass dem Leitungsgremium klar sei, mit wieviel privatem Engagement die Kapelle Anfang der 70er Jahre gebaut worden sei. Genau diese Eigeninitiative war jetzt in der Diskussion wieder greifbar. Man tauschte verantwortungsbewusst und ernsthaft Argumente aus. Dabei sahen die Versammlungsbesucher die Kirchengemeinde zwar klar in der Pflicht, sie wollten sich selbst aber gleichzeitig nicht aus der Verantwortung stehlen - obwohl die Dorfgemeinschaft ja mit dem Gemeindebau schon ein Schmuckstück in Eigenregie besitzt.

Umgehend wurde deutlich, dass eine Lösung nicht schnell zu finden ist. Man wird noch viel öfter miteinander sprechen müssen. Es braucht viel mehr Informationen über den Zustand der Kapelle. Ein wichtiger Punkt in der Diskussion war immer, dass das Gebäude auch die Friedhofskapelle für Schameder ist, für den kommunalen Friedhof, der auf kirchlichem Boden liegt. Deshalb muss bei den Überlegungen in jedem Fall das Gespräch mit der politischen Gemeinde gesucht werden. Wobei Carsten Dreisbach die Situation einleuchtend in Relation brachte: Das sei jetzt eine Veranstaltung der Kirchengemeinde, weil das Gebäude ihr gehöre. Wäre es ein kommunales, dann stünde der Erndtebrücker Bürgermeister mit genau dergleichen Problemanzeige vor der Versammlung.

Doch es sollte nicht bei der gegenseitigen Versicherung bleiben, dass man mal reden müsse. Pfarrerin Kerstin Grünert zückte Zettel und Kugelschreiber, weil sie Namen für den zu gründenden Arbeitskreis haben wollte. Da stehen jetzt neben Ortsvorsteher Tim Saßmannshausen auch Georg Lange, Harald Knebel, Carsten Dreisbach, Heinz-Herbert Weyand, Dieter Burghardt, Jürgen Saßmannshausen, Eckhard Bald, Jörg Stöcker, Silvia Roth, Silvia Jendryschik-Idem, die Presbyter Michael Roggenkamp und Andrea Bäcker sowie Pfarrerin Kerstin Grünert drauf. Gefragt werden soll auch noch jemand aus Leimstruth. Das war der Versammlung ganz wichtig, wenn man über die Kapelle Schameder spreche, müsse jemand aus Leimstruth im Team sein - und man hatte auch schon jemanden im Auge.

Nach den jetzigen Planungen soll der Arbeitskreis in neun bis zwölf Monaten zu einem Ergebnis kommen. Dabei geht es auch um die Fragen: Können wir die Kapelle halten und wenn ja wie? Für die Zukunft der Kirchengemeinde ist außerdem noch eine viel grundsätzlichere Frage wichtig: Wie gestaltet sich hier in Zeiten des demographischen Wandels evangelisches Leben? Der sehr gut laufende Kindergottesdienst Schameder mit 13 Mädchen und Jungen vor zwei Wochen ist da schon einmal ein sehr guter Anfang, aber könnte der nicht auch im Gemeindebau stattfinden? Letztendlich kommt es darauf an, dass die Arbeit gut ist und dass das Wort „Gemeinde“ mit Leben erfüllt wird. Ob das in kirchlichen Gebäuden oder in anderen Räumen im Ort geschieht, ist dann die zweite Frage.

Hier gibt es die PowerPointPräsentation von Michael Roggenkamp.