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15.03.2017
Von: Jens Gesper

Von Reiste nach Rostock-Reutershagen

Glocken der St.-Christopheri-Kirche läuten künftig im hohen Norden


Hier arbeitet Mathias Heitmann im Glockenturm der ehemaligen St.-Christopheri-Kirche in Reiste, die drei Glocken von hier läuten künftig knapp vor der Ostseeküste.

Immer wieder kamen Besucher vorbei, und wollten schauen, was in der ehemaligen St.-Christopheri-Kirche in Reiste passierte: Hier sprechen Marianne Schneider, Udo Griwahn, Mathias Heitmann, Jürgen Rademacher und Peter Herrmann (von links) darüber, wie gut es ist, dass die Glocken auch künftig zu Gottesdienst und Gebet rufen werden.

Die drei Reister Glocken.

Mathias Heitmann (links) und Udo Griwahn haben die drei Glocken aus der entwidmeten Reister Kirche abgeholt. Diese läuten künftig in der neuen evangelischen Kirche der Luther-St.-Andreas-Gemeinde in dem Rostocker Stadtteil Reutershagen.

Ab Ostern 2018 sollen die Reister Glocken in der neugebauten evangelischen Kirche in Rostock-Reutershagen läuten.

„Je näher wir dem Kirchlein kamen, desto stärker vernahmen wir auch das frohe Geläut unserer drei kleinen Glocken, die nun zum ersten Mal mit ihren Stimmen zum Gottesdienst riefen“, so zitiert das Buch „Die Kirchen des Kirchenkreises Wittgenstein in Wort und Bild“ eine Chronik, die vom 1. Dezember 1968 berichtet. An diesem Tag wurde in Reiste die St.-Christopheri-Kirche der Evangelischen Kirchengemeinde Dorlar mit einem Gottesdienst ihrer Bestimmung übergeben. Im November 2011 wurde die Kirche entwidmet, beständig sinkende Gemeindegliederzahlen durch den demographischen Wandel zwangen die Gemeinde dazu. Nachdem im vergangenen Dezember nach langer Suche bereits das Kirchengebäude in gute Hände abgegeben wurde, wurden in dieser Woche eben jene drei Glocken abgeholt. Sie läuten jetzt nicht mehr im Hochsauerland, sondern künftig knapp vor der Ostseeküste in Rostock-Reutershagen.

Gegossen wurden die Bronzeglocken 1968, die große hat einen Durchmesser von knapp 70 Zentimetern und wiegt mehr als 200 Kilogramm, die mittlere wiegt bei etwas über 50 Zentimetern Durchmesser knapp 100 Kilogramm und die kleinste wiegt mit etwas weniger als 50 Zentimetern Durchmesser rund 70 Kilogramm. Die Inschriften auf den Glocken lauten, wieder von der großen zur kleinen: „St. Christopherus“ und „Ihr sollt mein Zeugnis sein“, „St. Elisabeth“ und „Selig bist du, die du geglaubt hast“, „St. Bernhardin“ und „Einer trage des anderen Last“. Alle drei Namen stammen von evangelischen Kirchen in Breslau, sind Erinnerung daran, dass es nach dem Zweiten Weltkrieg oft schlesische Vertriebene waren, die die evangelischen Kirchengemeinden im katholischen Sauerland wachsen oder sogar erst entstehen ließen. Die Evangelische Kirchengemeinde Dorlar wurde 1947 gegründet. Gertrud Wenzel aus Reiste kann sich an die Einweihung der St.-Christopheri-Kirche vor knapp 50 Jahren erinnern, die kleinste Glocke sei von den Reistern selbst gekauft worden. Obwohl es vielen nicht leicht gefallen sei, dieses Geld aufzubringen, so sei es ihnen doch wichtig gewesen.

Davon sprach sie jetzt, als Udo Griwahn und Mathias Heitmann von der Firma Turmuhren- und Läuteanlagenbau aus Grimmen in Reiste waren, um die Glocken aus dem Glockenturm auszubauen. Auch Pfarrer Jürgen Rademacher, die Presbyter Ulrike Voss und Peter Herrmann sowie Marianne Schneider als neue Besitzerin der entwidmeten Kirche schauten neben anderen Interessierten den Glockenbauern bei ihren Arbeiten in Reiste zu. Nach dem Ausbau am Dienstag und der Heimfahrt am Mittwoch brachten die Handwerker die Glocken am Donnerstag an ihren neuen Einsatzort in die Luther-St.-Andreas-Gemeinde in Reutershagen. Hier wird das bestehende Martin-Luther-Haus der Kirchengemeinde derzeit modernisiert sowie um zusätzliche Gemeinderäume und eine neue Kirche erweitert. Gerlind Froesa-Schmidt geht als Pfarrerin der Luther-St.-Andreas-Gemeinde davon aus, dass der Bau Ostern 2018 fertig sein wird. Und dann werden die Reister Glocken zur Freude aller Beteiligter wieder läuten: „Wir sind der Evangelischen Petri-Kirchengemeinde Dorlar sehr dankbar für die Möglichkeit, das wohlklingende Dreiergeläut zu erwerben“, so Pastorin Froesa-Schmidt.

Trotz aller Trauer, die Pfarrer Jürgen Rademacher weiter empfindet, hat es sich jetzt für ihn ebenfalls „gut angefühlt“, als die Glocken abtransportiert wurden, weil sie auch weiterhin die Menschen zu Gottesdienst und Gebet rufen würden. Nur eben an einem anderen Ort. Der Kontakt mit der Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern sei ein sehr angenehmer und wertvoller gewesen. Vermittelt hat diesen Kontakt Claus Peter aus Hamm, der als offizieller Glockensachverständiger der Evangelischen Kirche von Westfalen arbeitet und ehrenamtlich diese Funktion in Mecklenburg-Vorpommern bekleidet. Statt in der guten Luft des Hochsauerlands läuten die Glocken also künftig in der guten Luft im hohen Norden, der gedanklichen Verbindung zwischen Reiste und Breslau im Osten wird ein neuer Ort hinzugefügt: Reutershagen, ebenfalls im Osten.

Hier gibt es mehr Informationen über die Luther-St.-Andreas-Gemeinde in Rostock-Reutershagen.