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30.10.2016
Von: Jens Gesper

Klares Bekenntnis zum Standort

Kirchengemeinde Winterberg musste sich von Pfarrhaus und Gemeindesaal trennen, jetzt Umbau


Um die Baustelle „Leben“ ging es im Gottesdienst der Evangelischen Kirchengemeinde Winterberg, um die Baustelle „Kirche“ bei der anschließenden Gemeindeversammlung, zu der auch Superintendent Stefan Berk (links), hier im Gespräch mit Presbyter Claus Knesebeck, gekommen war.

Pfarrer Matthias Gleibe (Zweiter von rechts) erläuterte der Gemeindeversammlung in der Evangelischen Kirche Winterberg die geplanten baulichen Änderungen. Gut 50 Besucher waren bei dem Treffen und dabei deutlich mehr Frauen, als es dieses Foto vermuten lässt.

Gerade mal drei Katechumenen waren es am Sonntag, die sich beim Gottesdienst in der Evangelischen Kirche Winterberg ihrer Kirchengemeinde vorstellten. Mehr Jugendliche sind es leider nicht, die hier im Frühjahr 2018 konfirmiert werden. Eine Zahl, die deutlich macht, was das Schlagwort „Demographischer Wandel“ konkret für die Evangelische Kirchengemeinde Winterberg in ihrer ohnehin bestehenden Diaspora-Situation bedeutet. Den Vorstellungsgottesdienst hatte Pfarrer Matthias Gleibe mit den jungen Leuten unter die Überschrift „Baustelle Leben“ gestellt. Eben das konnten die Gottesdienst-Besucher auch an einem Bauzaun in der Kirche lesen. Und um Baustellen ging es auch in der Gemeindeversammlung, die sich dem Gottesdienst anschloss.

Gut 50 Menschen ließen sich zur Versammlung einladen, die ein bisschen improvisiert, aber auch gemütlich im Kirchraum stattfand. Als Erstes erfuhren die Zuhörer von Matthias Gleibe, dass der Bauzaun „Staubschutzwand“ heißt, als zweites, dass die Kirchengemeinden einen Vertrag unterschrieben hat, mit dem das benachbarte Pfarrhaus und der Gemeindesaal an einen Investor verkauft wurden. Für ihre 1360 Gemeindeglieder hat die Gemeinde einen deutlich zu hohen Gebäudebestand, die mittelfristige Finanzplanung hatte dem Presbyterium als Leitungsgremium der Gemeinde bereits 2013 klar gemacht, dass es einen Weg aus den strukturellen Finanz-Problemen suchen muss. Zwei Jahre lang wurde viel nachgedacht, wurden Pläne gemacht und aus vielfältigen Gründen manche auch wieder verworfen.

Matthias Gleibe skizzierte jetzt, wie sich die Situation künftig ohne Pfarrhaus und Gemeindesaal darstellt. Die bestehende Empore in der Kirche wird vergrößert, darunter trennt eine Glaswand einen zweiten Raum vom Kirchraum ab. Beide sind durch einfaches Öffnen der Wand leicht zu verbinden, so dass auch zu Weihnachten alle Gottesdienstbesucher gut Platz in der Kirche finden. Die Kirchenbänke verschwinden, künftig ist der Kirchraum bestuhlt, auch um ihn für unterschiedliche Veranstaltungen nutzbar zu machen, beispielsweise durch einfaches Dazustellen von Tischen. Außerdem bekommt die Kirche eine neue Heizung. Die bestehenden Kirchenfenster werden auf die Möglichkeit einer besseren Isolierung hin untersucht. Der der Kirche vorgelagerte Flur wird abgerissen, künftig kommt man wieder - wie vor 1981 - von draußen durch die Kirchentür in die Kirche. Vorsichtig ging der Pfarrer davon aus, dass man innerhalb eines Jahres die Arbeiten abschließen werde, die in Kürze beginnen. Deutlich wies Matthias Gleibe auf die fortbestehenden Unwägbarkeiten hin und auf die Kraft, die dieses Unterfangen das Presbyterium und die Gemeinde bereits gekostet habe. Die Wohnsituation des Ehepaars Gleibe wird sich Ende 2017 ändern, so lange wohnen Matthias und Claudia Gleibe noch im Pfarrhaus, auch wenn das jetzt veräußert wurde.

Dicht begleitet wurde das Presbyterium vom Kreissynodalvorstand, dem Leitungsgremium des Kirchenkreises Wittgenstein, zu dem die Winterberger Gemeinde gehört, und von der Kirchenkreis-Verwaltung. Auch deshalb war Superintendent Stefan Berk bei der Gemeindeversammlung. Der Leitende Theologe des Wittgensteiner Kirchenkreises wusste, wovon Matthias Gleibe sprach, doch Stefan Berk setzte einen anderen Akzent. Nachdem er einen Brief der Investoren vorgelesen hatte, die im nächsten halben Jahr aus dem alten Gemeindesaal ein neues Foto-Atelier machen, erklärte der Superintendent, dass das große Engagement des Kirchenkreises in Winterberg ein klares Bekenntnis zu dem Standort sei. Auch wenn die Landeskirche demnächst 3000 Gemeindeglieder für eine Pfarrstelle vorsehe, wolle der Kirchenkreis die Pfarrstelle mit aktuell 1360 Gemeindegliedern sichern. Auch im Hinblick auf die mehr als 300.000 Gäste und 1,5 Mio. Übernachtungen pro Jahr in Winterberg. Gerade im Urlaub gebe es Zeit und Platz für die Sinnfragen des Lebens, dann müsse Kirche gastfreundlich und gastgebend da sein, um in die Region hineinzuwirken. Dabei war Stefan Berk bewusst, dass auf die Gemeinde die Unannehmlichkeiten eines Umbaus zukommen. Aber dann gebe es für eine gewisse, beschränkte Zeit halt nur Gottesdienste in der Evangelischen Kirche in Langewiese, deutlich schrieb er den Winterbergern ins Stammbuch: „Das ist auch Eure Gemeinde.“

Presbyter Claus Knesebeck wollte ebenfalls optimistisch in die Zukunft blicken. Die Pläne für den Umbau vor Augen war er sicher: „Es wird richtig schön.“ Mit dem Gebäude-Verkauf jetzt kann der Umbau relativ pass-genau finanziert werden. Im Namen des Presbyteriums ermutigte Claus Knesebeck die Zuhörer, wenn es Anfragen oder Anregungen gebe, solle man sich nie scheuen, man könne die Presbyterinnen und Presbyter immer ansprechen. Und da machte es Mut, dass es in einer der ersten Anfragen aus dem Publikum gleich mal um Eigenleistungen ging. Offensichtlich will man in der Evangelischen Kirchengemeinde Winterberg gern mit anpacken und helfen, um auch in finanziell schwierigen Zeiten die Zukunft der Gemeinde zu sichern und zu gestalten.