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26.10.2016
Von: Jens Gesper

Girkhausen will Gemeindehaus behalten

Ein Dorfverein soll das Gebäude von der Kirchengemeinde übernehmen


Als Mitglied des Arbeitskreises, der sich Gedanken um das Gemeindehaus der Girkhäuser Kirchengemeinde gemacht hat, sprach Pfarrerin Christine Liedtke zu den rund 100 Besuchern der Dorfversammlung.

Eindeutig sprachen sich die knapp 100 Besucher der Girkhäuser Dorfversammlung für die Übernahme des Gemeindehauses durch einen Dorfverein aus: Es gab nur 27 Enthaltungen und keine einzige Gegenstimme.

Nach der Dorfversammlung schauten sich viele der Besucher schon mal den Jugendraum im Girkhäuser Gemeindehaus an, der künftig auch als Ehrenamts-Kneipe funktionieren könnte.

Nur eine Stunde in konzentrierter Arbeitsatmosphäre brauchte die Versammlung im Girkhäuser Gemeindehaus am Mittwochabend, um die Entscheidung zu treffen, wie es mit eben jenem Gemeindehaus weitergehen soll. Das Dorf hat etwa 850 Einwohner, zur Kirchengemeinde gehören rund 600 Menschen. Zu wenige, um den Gebäudebestand zu erhalten, wenn man das Geld aus den Kirchensteuer-Zuweisungen auch für Arbeit in der Gemeinde ausgeben will: Das Pfarrhaus ist schon verkauft, weil die Kirche nicht wirklich zur Disposition steht und das Kindergarten-Gebäude der Kommune gehört, rückte das Gemeindehaus in den Blick der Gemeinde, die sparen muss. Ansonsten droht ihr nämlich das Haushaltssicherungskonzept. Könnte das Gebäude als Haus für die Dorfgemeinschaft eine Zukunft haben? Zwei Jahre Nachdenken und Abwägen in einem Arbeitskreis über diese Frage und eine gründliche Vorbereitung machten den Abend zum Paradebeispiel für bürgerschaftliches Engagement und die Gestaltung von Dorfleben in den Zeiten des demographischen Wandels. An Ende stand ein klares Votum fürs Gemeindehaus.

In die Anwesenheitsliste hatten sich 99 Besucher eingetragen: Gegen das Projekt stimmte kein Einziger, 27 enthielten sich ihrer Stimme, damit votierten 72 Versammlungs-Teilnehmer für den Erhalt als Dorfgemeinschaftshaus. Das bedeutet: Die Kirchengemeinde versucht jetzt nicht, das Gemeindehaus als Immobilie zu verkaufen, sondern behält es und stellt es der Gemeinschaft quasi als Dauerleihgabe zur Verfügung, um sich selbst nicht mehr um die laufenden Kosten kümmern zu müssen. Ein zu gründender Dorfverein übernimmt das Gebäude, das generell in einem guten Zustand ist, bringt es technisch und optisch auf Vordermann, um es künftig als attraktiven Ort der Begegnung und des Feierns der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen: als Ehrenamts-Café oder Ehrenamts-Kneipe oder als Veranstaltungsort, den man für private Feiern und auch für regelmäßige Zusammenkünfte von Vereinen und Kirchengemeinde beim Dorfgemeinschaftsverein mieten kann.

Gemeindepfarrerin Christine Liedtke und Ortsvorsteher Eberhard Lauber, die neben anderen wie früher das alte Girkhäuser Presbyterium und heute das aktuelle zum Arbeitskreis gehören, machten gleich zu Beginn ihre Sicht klar. Vor allem Christine Liedtke ermutigte als Neu-Girkhäuserin - die Pfarrerin der Kirchengemeinden Bad Berleburg und Girkhausen wohnt seit rund anderthalb Jahren im Dorf - zu dem angedachten „Haus für uns Alle“, fußläufig erreichbar und barrierearm. Auch um das zu erhalten, was es hier noch gebe: Ihrem erwachsenen Sohn sei bei einem Besuch aufgefallen, dass in Girkhausen die Generationen tatsächlich zusammenfeierten. Zahlen kamen an diesem Abend ebenfalls auf den Tisch, Gerhard Dickel vom Arbeitskreis hatte diese vorbereitet: 25.000 oder 30.000 Euro müssten ins Gebäude gesteckt werden, auch um die Decke zu dämmen und die Heizungsanlage zu erneuern. Für den Betrieb müsse man alljährlich 6000 bis 7000 Euro aufbringen. Summen, die man nicht eben mal aus der Portokasse bezahlt. Bauchschmerzen bereitete den Mitgliedern anderer Vereine bei der Versammlung außerdem die Befürchtung, dass das runderneuerte Gemeindehaus zukünftig eine Konkurrenz für bereits bestehende Veranstaltungsorte anderer örtlicher Vereine sein könnte. Und das sagten sie auch. Doch Eberhard Lauber verwies darauf, dass man darüber im Arbeitskreis vorher nachgedacht habe. Er sah diese Konkurrenz nicht, vermutete noch ein viel größeres Nachfrage-Potential. Nach der Abstimmung über die Zukunft des Gemeindehauses ging der Ortsvorsteher davon aus, dass Anfang des Jahres der Dorfverein gegründet werden könne.

Anschließend hatte der Arbeitskreis eine Überraschung vorbereitet. Er lud die Versammlung in den Gemeindehaus-Jugendraum ein, wo auf alle ein Schnaps wartete. Die Besucher bekamen schon mal einen Eindruck von der künftigen Ehrenamts-Kneipe, die Arbeitskreis-Mitglieder hatten sich den Schnaps mit der sehr gut vorbereiteten Sitzung redlich verdient. Allerdings war das wohl erst der Anfang der Arbeit. Sie geht weiter, auch um die Jugendlichen, die bei der Versammlung noch fehlten, ins Boot zu holen, damit sie nicht den Eindruck bekommen, dass sie bei diesem Projekt scheinbar nur ihren Jugendraum verlieren, sondern erfahren, dass die Entscheidung des Dorfers für das Dorfgemeinschaftshaus auch für sie eine gute Entscheidung für ihre Zukunft war.