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23.10.2016
Von: Jens Gesper

Abschied vom Pfarrer-Ehepaar Kötter

Viele Menschen kamen zu dem Gottesdienst in der Elsoffer Kirche


Der Lukas-Pfarrer Dr. Ralf Kötter und seine Ehefrau Christina wurden am Sonntagnachmittag beim Gottesdienst in der Elsoffer Kirche aus der Gemeinde verabschiedet, die Predigt hielt Dr. Magdalene Frettlöh, für die Liturgie war Pfarrerin Silke van Doorn (von links) zuständig.

Lang war die Schlange der Menschen,...

... die sich am Sonntagnachmittag von Lukas-Pfarrer Dr. Ralf Kötter vor der Elsoffer Kirche verabschieden wollten.

Zahlreiche Pfarrers-Kollegen verabschiedeten Dr. Ralf Kötter aus Wittgenstein, genau wie Superintendent Stefan Berk und Vertreter aus dem Siegener Haus der Kirche, wo die gemeinsame Verwaltung der beiden Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein sitzt.

Stellvertretend für viele Umarmungen, die es am Sonntagnachmittag vor der Elsoffer Kirche und im benachbarten Gemeindehaus gab, ist das hier Kirchmeister Kurt Grauels Dank und Gruß zum Abschied von Ralf und Christina Kötter.

Es entspricht nicht dem Wittgensteiner Temperament, dass der Pfarrer in die Kirche kommt und Beifall aufbrandet. Aber genau das passierte am Sonntagnachmittag, als Dr. Ralf Kötter zu seinem Verabschiedungsgottesdienst die Elsoffer Kirche betrat. Gemeinsam mit Ehefrau Christina, beide wurden von ihren jeweiligen Aufgaben und Verantwortungen in der Gemeinde freigesprochen. Der Andrang war mächtig, kurz vor Gottesdienst-Beginn karrten Presbyteriums-Mitglieder zusätzliche Stühle in die Kirche, aus dem Gemeindehaus wurden weitere Gesangbücher herbeigeholt. Menschen im kompletten Spektrum von ganz jung bis alt aus allen Ecken der Lukas-Kirchengemeinde im Eder- und Elsofftal waren in der Kirche versammelt, außerdem Wittgensteins Superintendent Stefan Berk, Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann, Bernhart Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein als Patron der Lukas-Kirchengemeinde und Thomas Dörr als Geschäftsführer des Diakonischen Werks Wittgenstein sowie zahlreiche Pfarrer aus dem Wittgensteiner Kirchenkreis und fast alle Ortsvorsteher der sieben Dörfer in der Initiative „Eder- und Elsofftal mit Zukunft“.

Die Liturgie im Gottesdienst übernahm Pfarrerin Silke van Doorn als Mitglied des Wittgensteiner Kreissynodalvorstands, dem Kirchenkreis-Leitungsgremium. Deutlich bewegt ließen sich Ralf und Christina Kötter die Verantwortungen und Pflichten in der Gemeindearbeit von Silke van Doorn von den Schultern nehmen. Weshalb der Pfarrer nicht allein vorn stand, erläuterte Silke van Doorn so: „Das alles hat Ralf nie allein gemacht - Christina und Ralf: das Gesamtkonzept im dienenden Dienst.“ Musikalisch wurde der Gottesdienst von Georg-Adolf Spies an der Orgel gestaltet. Die Predigt hielt Dr. Magdalene Frettlöh, gebürtige Beddelhäuserin, vor rund 44 Jahren in der Elsoffer Kirche konfirmiert und heute Professorin für Dogmatik am Institut für Systematische Theologie in Bern. Ihr Thema aus Paulus Brief an die Gemeinde in Philippi Kapitel 1, Vers 3 bis 11, ein „überschwängliches Dankgebet“, wie die Theologin sagte, an Gott. Zuvor hatte sie ihren Zuhörern mit auf den Weg gegeben: „Wie wichtig ist es darum, wenn Sie als Lukas-Gemeinde den beiden, die so viele Jahre in Ihrer Mitte, mit Ihnen und für Sie gelebt, mit Ihnen gehofft und gebangt, heitere und schwere Zeiten mit Ihnen geteilt, die neue, anziehende Lebendigkeit der Gemeinde begrüßt und den dabei nicht ausbleibenden Konflikten sich gestellt haben - wie wichtig ist es darum, wenn Sie als Lukas-Gemeinde heute Christina und Ralf Kötter den Segen Gottes als Ihren Segen mit in den neuen Lebensabschnitt geben. Den beiden und ihren Kindern Gottes Segen gönnen, ihnen aber auch vorbehaltlos sagen können ‚Unseren Segen habt ihr‘ und mit dem Segen unseren Respekt und unseren Dank, unser Gebet und unsere praktische Unterstützung.“ Das war offenbar vielen Menschen ein Anliegen, etwa so lange wie der einstündige Gottesdienst dauerte auch das persönliche Bedanken bei Ralf und Christina Kötter vor der Kirchentür.

Beim anschließenden Empfang im benachbarten Gemeindehaus herrschte ebenfalls viel Betrieb. Hier war es Kurt Grauel, der im Namen des Lukas-Presbyteriums dankte und erinnerte an weinselige Sitzungen, die Arm in Arm endeten, an das Putz-Runterbrechen in der Kirche, bei dem der Pfarrer dem Kirchmeister Handwerkszeug demolierte, an die Aufregungen um die Elsoffer Kirchenbücher, die nach der Vereinigung der beiden Kirchengemeinden im Schwarzenauer Gemeindebüro lagern sollten und um das neue Haus des Pfarrers mit seinem Außenanstrich zwischen Terrakötter und Panna Kötter. Die Angst um die Kirchenbücher hätte sich allerdings schnell gelegt, nachdem klar geworden sei, dass die sowieso in Bielefeld lägen, so Kurt Grauel. Für die Stadt Bad Berleburg erinnerte Bernd Fuhrmann mit dem Beigeordneten Volker Sonneborn an die Anfänge der Kooperation von Kirchengemeinde und Kommune zurück, an die Bereitschaft neue Ansätze auf ihre Tauglichkeit zu prüfen. Der Anbau ans Elsoffer Gemeindehaus sei da nur ein Teil eines gut gelungenen Zukunftsprojekts. Abschiedsworte gab es zudem von Alt-Presbyter Otto Marburger, dem Schwarzenauer Ortsvorsteher Bodo Hüster im Namen all seiner Kollegen, den Frauenhilfen der Lukas-Kirchengemeinde, dem früheren Lukas-Vikar Oliver Lehnsdorf und Barbara Lenz-Irlenkäuser als erster Diakonischen Gemeindemitarbeiterin der neuen Wittgensteiner Prägung - nach einer Idee von Ralf Kötter.

Deutlich war Ralf Kötter anzumerken, wie schwer ihm der Abschied fiel. Kein Wundert nach 18 Jahren der Kindheit und Jugend in Kierspe, 17 Jahre des Studiums und der Universitäts-Mitarbeit in Münster markierten die 19 Jahre im Eder- und Elsofftal die bisher längste Phase in seinem Leben. Ralf Kötter blickte auf die Wittgensteiner Zeit - „19 fantastische Jahre“ – zurück und freute sich, dass nach einem durch seine Krankheit schwierigen Abgang so viele Menschen bei der Verabschiedung waren. In seiner neuen Stelle wird er als Dozent für theologische Grundfragen sowie für Gruppen- und Bildungsarbeit am Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung der Evangelischen Kirche von Westfalen in Schwerte-Villigst arbeiten. Ralf Kötter nutzte die Gelegenheit, Dank an alle Mitarbeitenden zu sagen, und ermunterte die Zuhörer, weiter mit Mut die Zukunft zu gestalten. Es müssten alle Kräfte zusammenarbeiten, schon allein das mache viel mehr möglich. Den Zuhörern versicherte er: „Im Herzen behalten wir Euch drin.“ Auch bei der Familie Kötter wird ganz viel aus Wittgenstein bleiben. Neben zahlreichen Erinnerungen nur ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit: Von seinem letzten Konfirmanden-Jahrgang in Lukas bekam Ralf Kötter ein Geschenk mit einer Schiefertafel, das bereits im neuen Haus in Unna ist. Darauf steht: „Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.“ Und wenn man den Richtigen begegnet, dann kann es sogar sein, dass in einer Wittgensteiner Kirche mal Beifall aufbrandet, wenn der Pfarrer in die Kirche kommt.

Hier gibt es die Predigt von Dr. Magdalene Frettlöh.

Hier gibt es mehr Fotos von der Verabschiedung in Elsoff.

Hier gibt es einen kurzen Rückblick auf die Arbeit von Dr. Ralf Kötter.