Abschied vom Pfarrer-Ehepaar Kötter >
< Ein Lebenscafé für Trauernde in Bad Laasphe
15.10.2016
Von: Jens Gesper

Hans-Jürgen Debus ist verstorben

Kirchenkreis Wittgenstein verliert klugen Begleiter und leidenschaftlichen Theologen


Der ehemalige Wittgensteiner Superintendent Hans-Jürgen Debus verstarb am 15. Oktober.

Hans-Jürgen Debus als Leader der zweiten Young-Ambassadors-Generation in 1998,...

... als Reise-Begeisterter mit seiner Fischelbacher Gemeindegruppe im jordanischen Petra in 1999,...

... als Lutheraner bei der Ordination des reformierten Steffen Post in 2007,...

... als Freund der Inder, hier mit seinem Freund Arputharaj in 2007,...

... als Superintendent mit seinem Nachfolger Stefan Berk in 2007.

Pfarrer Hans-Jürgen Debus kommt von einer Beerdigung, zieht den Talar aus, krempelt die Ärmel hoch und hilft, den Fischelbach hinterm Lutherhaus zu stauen, denn nebenan brennt ein Gebäude und möglicherweise wird das Löschwasser knapp. Später gibt es im Fischelbacher Gemeindehaus etwas zu trinken und zu essen. Um die Jahrtausendwende hat sich dieses Szenario abgespielt, es illustriert sehr anschaulich, wie der gebürtige Siegerländer seinen Dienst als Gemeindepfarrer für Bernshausen, Fischelbach, Hesselbach und Sohl und auch als Wittgensteiner Superintendent verstand. Am Wochenende ist Hans-Jürgen Debus, inzwischen ein Schwarzenauer, knapp zwei Wochen nach seinem 69. Geburtstag verstorben.

Aus gesundheitlichen Gründen war Hans-Jürgen Debus kurz vor seinem 60. Geburtstag im Sommer 2007 in den Ruhestand gewechselt. Nach seinem Abitur 1966 nahm der Mann aus Obersdorf, heute ein Ortsteil von Wilnsdorf, sein Studium an der Kirchlichen Hochschule Bethel auf. Weiter ging es an die Phillipps-Universität Marburg und die Göttinger Georg-August-Universität, wonach Hans-Jürgen Debus 1972 das erste Theologische Examen bei der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) in Bielefeld ablegte. Dem schloss sich das Vikariat in der Kirchengemeinde Bünde an. Nach dem zweiten Theologischen Examen in 1974 kam Hans-Jürgen Debus als Pastor im Hilfsdienst in die Kirchengemeinde Isselhorst, wo er ordiniert und im Jahr drauf zum Gemeindepfarrer gewählt wurde. 1987 kam er dem Siegerland wieder näher, wurde Pfarrer in Fischelbach. Von 1997 bis 2006 war er zudem nebenamtlicher Superintendent des Wittgensteiner Kirchenkreises.

Seit 1987 arbeitete er neben seinem Gemeindedienst im Strukturausschuss „Diakonie“ des Kirchenkreises mit, schnell wurde er zum Scriba - also: Schriftführer - des Wittgensteiner Kreissynodalvorstands, der das Leitungsgremium des Kirchenkreises ist. Ab 1992 hatte er die Synodalbeauftragung für die Jugendarbeit im Kirchenkreis inne. Im Jahr darauf begann seine Arbeit im UCC-Unterschuss des Ökumenischen Ausschusses der EKvW. UCC steht für die amerikanische United Church of Christ, mit der Westfalen seit 1991 eine Kirchengemeinschaft verbindet. In 1993 starteten die Wittgensteiner das Austauschprogramm „Young Ambassadors“ mit der UCC in Indiana und Kentucky, bei der zweiten Austausch-Generation 1997/98 gehörte Hans-Jürgen Debus zum Leitungs-Team. Auf der Facebook-Seite der Young Ambassadors erinnern sich gerade viele Amerikaner auf Englisch an ihn und bedauern seinen zu frühen Tod.

Auch in Indien trauern Menschen um Hans-Jürgen Debus. Seit seinem ersten Besuch auf dem Subkontinent in 1976 hatten das Land und die Leute einen festen Platz in Hans-Jürgen Debus großem Herzen. Seit Isselhorster Zeiten unterstützte er mit seinen Gemeinden die Menschen in Kiliyanur und dort insbesondere eine Krippen-Einrichtung für Mädchen und Jungen. Nach dem Tsunami Ende 2004 vermittelte er einen Kontakt zwischen der Laaspher Hauptschule und der Plütschau Primary School in Tranquebar: Dass die indischen Kinder wieder eine schöne Schule bekamen, war auch der kontinuierlichen finanziellen Unterstützung durch die Wittgensteiner zu verdanken.

Selbst wenn Hans-Jürgen Debus stets die gesamte Gemeinde, den ganzen Kirchenkreis im Blick hatte, so gab es doch einen klaren Focus in der Arbeit: Kinder und Jugendliche als Gegenwart und Zukunft der Kirche zum einen, zum anderen der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Dabei war seine Fischelbacher Gemeinde mit unterwegs: in Rom und London, in Ägypten, Jordanien und Israel.

Den Sauerländern im Wittgensteiner Kirchenkreis ist Hans-Jürgen Debus wohlmöglich aus einem ganz anderen Grund noch in Erinnerung. Er war der Leitende Theologe des Wittgensteiner Kirchenkreises als es kurz vor der Jahrtausendwende bei der Evangelischen Kirche von Westfalen in Bielefeld die Überlegungen gab, Kirchenkreise entlang kommunaler Grenzen neu zu ordnen. Für Wittgenstein hätte das den Abschied von den evangelischen Eslohern, Schmallenbergern und Winterbergern bedeutet.

Nachdem Hans-Jürgen Debus im Vorfeld klar gemacht hatte, dass er für den Verbleib der drei Gemeinden im Kirchenkreis kämpfen werde, wenn das der Wille in Dorlar, Gleidorf und Winterberg sei, brachten alle drei einstimmige Beschlüsse zur Wittgensteiner Kreissynode im Dezember 1999 mit, dass sie weiter zum Wittgensteiner Kirchenkreis gehörten wollten. Als ein Vertreter der Landeskirche daraufhin die Synode zu Gelassenheit und Geduld mahnte, weil man ja noch nachdenke, fand Hans Jürgen Debus deutliche Worte: „Ich persönlich kann das Gerede von Gelassenheit nicht mehr hören. Ich will frühzeitig einen Beschluss der Synode.“ Den bekam der Superintendent vom Kirchenkreis-Parlament. Die Synode votierte bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung dafür, sich für den Verbleib von Dorlar, Gleidorf und Schmallenberg im Wittgensteiner Kirchenkreis einzusetzen - zu dem gehören die drei Gemeinden auch heute noch.

Hans-Jürgen Debus hinterlässt Ehefrau Johanna, mit der er 44 Jahre verheiratet war, und die Töchter Rani und Jasmine mit ihren Familien, zu denen drei Kinder gehören. Trotz aller gesundheitlicher Probleme, die Hans-Jürgen Debus gerade während der letzten Jahre beschwerten, traf sein Tod jetzt doch viele Menschen unvorbereitet.

Der heutige Wittgensteiner Superintendent Stefan Berk spricht für viele, wenn er sagt: „Ich bin traurig, dass wir als evangelische Kirche in Hans-Jürgen Debus einen klugen Begleiter, engagierten Gemeindepfarrer und leidenschaftlichen Theologen verlieren.“

Die Trauerfeier und die Beisetzung finden auf Wunsch von Hans-Jürgen Debus im Familienkreis statt.

Für die Kinderkrippe Kiliyanur in Indien kann man weiter auf das Konto des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein bei der KD-Bank für Kirche und Diakonie spenden.
Stichwort:  Trauerfall Debus, Kinderkrippe Kiliyanur (Indien)
IBAN: DE03 3506 0190 2001 3370 28
BIC: GENODED 1DKD

Hier ist der komplette Brief von Superintendent Stefan Berk an die Menschen im Kirchenkreis.

Hier ist die Predigt von Superintendent Stefan Berk für den Trauergottesdienst zum Abschied von Hans-Jürgen Debus.