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09.10.2016
Von: Jens Gesper

Strom von der Sonne über Afrika

Leiter einer Gehörlosenschule in Eritrea berichtete im Erndtebrücker Klöneck


Das, was Medhin Yohannes als Schulleiter der Gehörlosenschule in Asmara in Eritrea den Zuhörern im Erndtebrücker Klöneck erzählte, übersetzte Pfarrerin Barbara Plümer als Gehörlosenseelsorgerin der Kirchenkreise Wittgenstein und Siegen in Gebärdensprache.

Im Erndtebrücker Klöneck war am Sonntagnachmittag Medhin Yohannes und sprach vor rund zwei Dutzend Wittgensteiner Zuhörern Englisch. Dann wurde übersetzt: von Pfarrerin Barbara Plümer, Gehörslosenseelsorgerin der Kirchenkreise Wittgenstein und Siegen, in Gebärdensprache, vom Erndtebrücker Pfarrer Stefan Berk auf Deutsch. Denn jeder Anwesende sollte verstehen, worüber Medhin Yohannes sprach. Er ist Leiter der Gehörlosenschule in Asmara, der Hauptstadt des ostafrikanischen Landes Eritrea. Eritrea liegt zwischen Sudan, Äthiopien und Dschibuti am Roten Meer.

Medhin Yohannes ist derzeit als Gast der Gehörlosenmission in Deutschland, die Gehörlosenmission ist eine Arbeitsgruppe des Dachverbandes der evangelischen Gehörlosenseelsorger. Barbara Plümer gehört zur Missionsleitung. Als deren Vertreterin war sie vor etwa einem Jahr beim Jubiläum zum 25-jährigen Bestehen der Gehörlosenschule in Asmara. Die Gehörlosenmission finanziert die einzigen Gehörlosenschulen in Eritrea: eine in Asmara, die andere in Keren. Die zweite ist eine Internatsschule und wurde bereits 1955 von der finnischen Mission gegründet. Seit den 1980er Jahren beteiligt sich die deutsche Gehörlosenmission an der Trägerschaft der Schulen. Die zweite Trägerin ist die finnische Gehörlosenmission. Sie finanzieren gemeinsam die Arbeit der Schule, die Gehälter der Angestellten, das Essen der Internatsschüler und alle laufenden Kosten, wie Strom und Wasser. Der Staat trägt finanziell nichts zum Schulbetrieb bei, er hat lediglich 2010 der Schule ein größeres, bis dahin leerstehendes Gebäude kostenlos zur Verfügung gestellt.

Das neueste Projekt der deutschen Gehörlosenmission ist die Errichtung einer Solaranlage auf dem Gebäude des Internats in Keren, um durch die nachhaltige Stromgewinnung einerseits die Versorgung der Schule auch nachts sicher zu stellen und andererseits die Küche vom Holzkohle-Herd auf energie-sparende Induktionsplatten umzustellen. In der Gehörlosenschule Keren gibt es nicht jeden Tag Strom. An manchen Tagen fließt dieser nur ein paar Stunden, das Netz ist überlastet. Die Beleuchtung auf dem Gelände ist alt oder kaputt. In Schlafräumen gibt es keine Lampen. Kerzen sind viel zu teuer. Abends sind Unterhaltungen in Gebärdensprache oder Hausaufgaben-Machen im Zimmer nicht möglich. Die Mahlzeiten für die Schüler und Lehrer werden auf Holzfeuern gekocht. Holz ist in Eritrea knapp und darum teuer. Die Kosten für Holz und unzuverlässigen Strom betragen etwa 10.000 Euro im Jahr

Der Ausweg, den die Gehörlosenmission sieht, ist einfach: Eine Photovoltaik-Anlage mit Speicher löst mehrere Probleme auf einmal. Die Sonne scheint in Eritrea jeden Tag. Das sind optimale Bedingungen für Solarstrom. So kann Strom für Tag und Nacht erzeugt und gespeichert werden. Die Schule bekommt neue Kabel, damit die Anlage gut funktioniert. Auf dem Schulgelände werden neue Lampen angebracht. Die Mädchen und Jungen bekommen Klemmleuchten für die Betten, so haben sie auch abends Licht. Fürs Kochen wird kein Holz mehr gebraucht. Mit Induktionskochfeldern und passenden Töpfen kann mit Strom gekocht werden. Es ist viel umweltfreundlicher, die laufenden Kosten sind viel niedriger. Die Gesamtkosten des Projekts werden auf 60.000 Euro taxiert. Auch weil die Firma Solarstrom Schulte aus Bergkamen die Kosten für die Planung und die Arbeit übernommen hat.

Im Vortrag von Medhin Yohannes wurde klar, welch sinnvolle Arbeit die Schule leistet in einem Land, wo bis vor wenigen Jahren behinderte Menschen - auch Gehörlose - noch von ihren Eltern vor der Öffentlichkeit versteckt wurden. Bedrückend war dabei allein die Tatsache, wie wenigen protestantischen, katholischen und koptischen Kindern diese Einrichtung eine bessere Lebensperspektive eröffnen kann. Der Bedarf ist viel größer, wie die Ausführungen des Schulleiters deutlich machten. Die Freiluft-Fotos aus seiner Präsentation machten noch etwas Anderes deutlich, worauf Stefan Berk ausdrücklich hinwies: Wo, wenn nicht in Afrika sollte man unter einem wolkenlosen, strahlend blauen Himmel Photovoltaik-Anlagen unterstützen? Wer Fragen zur Schule oder zur Gehörlosenseelsorge hier vor Ort hat, wendet sich an Pfarrerin Barbara Plümer, unter Tel. (0271) 2378500, am Bildtelefon unter (0271) 2378501, per Fax unter (0271) 2378502 oder mit einer E-Mail an Barbara.Pluemer(at)gebaerdenkreuz.de.

Bei der Veranstaltung im Klöneck wurden schon Spenden für das Solarstrom-Projekt gesammelt, aber es braucht natürlich auch weiterhin Unterstützung.

Das Spendenkonto der Gehörlosenmission hat bei
der Sparkasse Holstein
die IBAN DE04 2135 2240 0200 0028 30 und
die BIC NOLADE21HOL.
Das Stichwort lautet „Solarstrom“.

Hier gibt es das Faltblatt.