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27.09.2016
Von: Jens Gesper

„Eine mächtig gesegnete Zeit“

Thomas Lindner freute sich über den Besuch des US-Wrestlers Stu Perry im Kirchenkreis


Eigentlich sahen die Vier-Augen-Gesprächen mit Stu ganz anders aus als hier bei der gemeinsamen Jugendgruppe der Kirchengemeinden Girkhausen und Wunderthausen/Diedenshausen.

Die gemeinsame Jugendgruppe der Kirchengemeinden Girkhausen und Wunderthausen/Diedenshausen übt mit Stu zusammen Böse-Gucken, was ganz wichtig ist beim Wrestling.

Vorm Erndtebrücker Login ging es ganz schön zur Sache als der Wrestler und Pastor Stu Perry zu Gast war.

Wenn der Profi fast immer beim Armdrücken locker gewinnt, dann muss für den Show-Effekt mal etwas Unerwartetes geschehen. Auch dieses Prinzip des amerikanischen Wrestlings setzte Stu sehr anschaulich in der Feudinger Jungenschaft um.

Es braucht gleichermaßen Kraft und Fingerspitzengefühl, wenn man einen amerikanischen Wrestler - wie hier in der Feudinger Jungenschaft - auf Luftballons setzen will.

Einmal mit dem Handy und der Übersetzungs-App den Aufgabenzettel ins Visier genommen, schon konnte Stu im Wettbewerb mit den Gleidorfer Konfirmanden beim Konfi-Tag in der Schmallenberger Christuskirche die Fragen zu Jesu Leben lösen.

Auf dem Altartisch in der Schmallenberger Christuskirche zeigte Stu beim Gleidorfer Konfi-Tag, dass er in Sachen „Bierdeckel-Turmbau“ eher fortgeschritten ist.

Inzwischen ist Stu Perry wieder in seiner Heimatstadt Louisville im amerikanischen Kentucky. Gut zwei Wochen lang war der 27-Jährige zu Gast im Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein und dabei im Auslands-Einsatz als Botschafter des Glaubens. Es war auf den ersten Blick ein bisschen kompliziert, denn natürlich sprach er nur Amerikanisch. Aber schaute man genauer in die Augen der deutschen Jugendlichen, dann sah man bei ihnen den eisernen Willen, dass sie den Wrestler, Sozialarbeiter und ehemaligen Pastor unbedingt verstehen wollten. Diesen Blick würden English-Lehrer vielleicht auch gern öfters in den Augen ihrer Schüler sehen, aber wer im Englisch-Unterricht gut aufgepasst hatte, der war bei den Treffen mit Stu definitiv im Vorteil.

Er sprach vom Wrestling-Geschäft. Jede Woche sehen ihn über 75.000 Menschen in der Fernseh-Sendung „Ohio Valley Wrestling“ ringen - und zwar auf die amerikanische Art, also mit all der übertriebenen Dramatik und Show. Gleichzeitig ist er auch noch in seinem anderen Leben als Sozialarbeiter in der Jugendhilfeeinrichtung „Brooklawn“ mit einer ganzen Stelle beschäftigt. 1851 war das Heim eines der ersten protestantischen Waisenhäuser in den USA, heute kümmert man sich dort um psychisch belastete Kinder. Ein Besuch in Brooklawn gehört zum festen Programm des Wittgensteiner Jugendaustauschs „Young Ambassadors“ mit der amerikanischen United Church of Christ. Hier hatten sich Stu Perry und Thomas Lindner vom Kompetenzzentrum für Kinder-, Jugend- und Familienarbeit im Kirchenkreis erstmals getroffen, so kam es jetzt zu dem Besuch in Wittgenstein und Sauerland. Stu besuchte, teilweise sogar zweimal, die gemeinsamen Jugendgruppe der Kirchengemeinden Girkhausen und Wunderthausen/Diedenshausen, den Birkelbacher Witti-Treff und den Gottesdienst dort, die Feudinger Jungenschaft, den Konfirmanden-Tag in Schmallenberg und das Erndtebrücker Login.

Überall dort sprach er über Wrestling, aber nicht nur. Immer wieder kamen in den Gesprächen die Jugendlichen aus Brooklawn vor, junge Leute, die mit einem schweren Päckchen auf dem Rücken durchs Leben gehen. Das Fundament, auf dem Stu seine Jugendlichen dort begleitet, ist ein unerschütterliches: sein Glaube an Gott. Ursprünglich hat er sogar als Vollzeit-Jugendpfarrer gearbeitet, dabei entwickelte er zusammen mit einer Kirche - die religiöse Zersplitterung ist in den USA deutlich größer als man das im heimischen Kirchenkreis kennt - Programme für Schüler der unterschiedlichen Altersgruppen. Ganz bewusst entschied er sich danach jedoch für seine Arbeit in Brooklawn, mit Jugendlichen außerhalb des üblichen christlichen Dunstkreises.

Außer der Unterhaltung im großen Kreis bot sich in bei seinen Besuchen auch immer wieder bei ernsteren Problemen die Möglichkeit zum leisen Vier- oder Sechs-Augen-Gespräch. In Erinnerung daran sagte Stu kurz vorm Heimflug: „Ich möchte allen danken, die mit mir geredet haben, die mich um Rat gefragt haben, sogar Herausforderungen ihres Lebens mit mir geteilt haben. Ich werde Euch nicht vergessen und ich hoffe, Ihr wisst, dass Gott für Euch alle verblüffende Pläne hat.“ Für sich selbst war er sicher: „Viele von denen, die ich getroffen habe, behalten einen festen Platz in meinem Kopf und meinem Herzen.“

Thomas Lindner hat eine Vermutung, wie es der amerikanische Gast schaffte, sehr schnell eine gute Verbindung herzustellen: „Einen Menschen wie Stu habe ich selten erlebt. In wenigen Minuten hat er bei jedem seiner zehn Einsätze in Wittgenstein und Sauerland die Herzen der Jugendlichen gewonnen. „Durch seine Offenheit, über seine Lebensgeschichte und seinen Glauben zu reden, spürten die Jugendlichen sofort, dass das - im Gegensatz zu seinen Wrestling-Auftritten - keine Show war, sondern alles echt. So ergab es sich eigentlich immer, dass trotz Sprachbarriere Jugendliche sich vertrauensvoll an ihn gewandt haben und ihre eigene Lebensgeschichte offenbarten. Mit seinen Besuchen in den verschiedenen Gruppen und Kreisen hat er bei vielen Jugendlichen einen tiefen Eindruck hinterlassen, der mehr ist als nur eine Eintagsfliege. Ich bin fest davon überzeugt, dass er einigen der Teilnehmern einen neuen Zugang zum Leben und zum Glauben geschenkt hat. Es war eine mächtig gesegnete Zeit.“

Kommunikation generell und damit die Kommunikation seines Glaubens ist Stu Perry ein wichtiges Anliegen, was auch seine Homepage www.stuperryspeaks.com deutlich macht. In seinem Blog https://revstublog.wordpress.com/ finden sich allein 16 Videos über seine Zeit im Wittgensteiner Kirchenkreis. Da kann man übrigens auch erfahren, was er in den zwei Wochen zu seinem deutschen Lieblingsessen erkoren hat. In Deutschland war der Amerikaner zum ersten Mal, aber nicht zum letzten Mal, oder wie er es im Original ausdrückt: „I definitely have the wanderlust and definitely hope to be back again!“ Aber Vorsicht, auch wenn wir meinen, die Amerikaner an dieser Stelle gut verstehen zu können, so benutzen sie unser deutsches Wort doch ein bisschen anders, deshalb hier die Übersetzung des Satzes in Bezug auf Deutschland: „Ich hab‘ auf jeden Fall Fernweh und ich hoffe auf jeden Fall, hierher zurückzukehren!“

Denn sein Fazit des Besuchs fällt eindeutig aus: „Mein Besuch hier war mehr als ich jemals hätte erwarten können. In meinen Glaubenszeugnissen hab‘ ich mich ab und zu auf Epheser 3, 20 ‚alle Ehre für Ihn, der unendlich viel mehr schaffen kann als wir erbitten oder erhoffen könnten‘ bezogen. Das Treffen mit den Schülern hat mir gezeigt, dass es Gottes Plan für mich war, hier zu sein. Ich hatte so viel Spaß, aber das Coolste war, zu erkennen, dass Gott einen seltsamen 27-jährigen Wrestler aus Kentucky nutzen konnte, Schüler in einer ganz anderen Ecke der Erde zu erreichen.“

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