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20.05.2016
Von: Jens Gesper

„Adel und Frömmigkeit“

Dr. Ulf Lückel aus Girkhausen legt seine Dissertation als Buch vor


Der Adels-Stand wurde in Deutschland 1919 aufgehoben, das Wort „Frömmigkeit“ wirkt in der Gegenwart oft aus der Zeit gefallen. Und dennoch wurde gerade ein Buch veröffentlicht, das den Namen „Adel und Frömmigkeit“ trägt. Das Thema des aus Girkhausen stammenden Dr. Ulf Lückel auf knapp 250 Seiten: „Die Berleburger Grafen und der Pietismus in ihren Territorien“. So auch der Untertitel. Das Buch ist die Dissertation von Ulf Lückel, die er am Fachbereich „Evangelische Theologie“ der Philipps-Universität Marburg einreichte und für den jetzt vorliegenden Druck überarbeitete. Man kennt ihn aus den unterschiedlichsten Zusammenhängen: Ulf Lückel hält an verschiedenen Orten im Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein Gottesdienste und spielt dort die Orgel, ist der Schriftleiter im Wittgensteiner Heimatverein und begeistert eine staunende Zuhörerschaft in historischen Vorträgen der heimischen Kreisvolkshochschule, bei denen er mühelos und kurzweilig den komplizierten Balanceakt zwischen „lehrreich“ und „unterhaltsam“ schafft. Nachdem sich das Werk als Basis zunächst „Die Wittgensteiner Grafschaften und ihre historische Entwicklung“ und dann für die Zeit von 1699 bis 1712 die „Voraussetzungen für das Eindringen des Pietismus in das Wittgensteiner Land und seine Anfänge“ angeschaut hat, geht es ans Eingemachte: Das dickste Kapitel im Buch beleuchtet „Die Blütezeit des Pietismus in Wittgenstein“, im Scheinwerferlicht sind die Jahre 1712 bis 1741.

Auf dem Buchrücken heißt es: „Ulf Lückel untersucht die sozialen, ökonomischen, theologischen und persönlichen Faktoren, die zu dieser einzigartigen Konstellation in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Wittgenstein führte. Die unterschiedlichen Gruppierungen von der Sozietät der Eva von Buttlar über die Inspirationsbewegung, die Neutäufer um Alexander Mack in Schwarzenau, die Gründung einer Herrnhuter Brüdergemeine des Grafen Nikolaus Ludwig von Zinzendorf bis hin zum Großprojekt der sogenannten ‚Berleburger Bibel‘ werden erörtert und liefern ein fesselndes und facettenreiches kirchen-historisches Bild Wittgensteins in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.“

Dabei war der heimische Adel entscheidend: „Diese Untersuchung über die Entwicklung des radikalen Pietismus in der Nordgrafschaft Wittgensteins beleuchtet das große Engagement des gräflichen Hauses zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg für die neue religiöse Bewegung Anfang des 18. Jahrhunderts durch die Gräfin Hedwig Sophie zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg und spannt den Bogen zu ihrem Sohn Graf Casimir weiter, der als Garant für die Toleranz in seinem Territorium einstand.“ Und Ulf Lückel weiß auch, wem er dafür zu danken hat, dass er den damaligen Akteuren so nahe kommen konnte, wie es für die Qualität der Arbeit absolut notwendig war: „Ein besonderer Dank gilt freilich der Fürstlichen Familie zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg in Bad Berleburg, besonders SD Gustav Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, die mir uneingeschränkten Einblick in alle familiären Akten, Korrespondenzen und in die Privatbibliothek der Fürstlichen Familie gewährte. Ohne dieses großzügige Entgegenkommen wären viele wertvolle Details meinen Forschungen verborgen geblieben!“ Druckkostenbeihilfen bekam Ulf Lückel unter anderem von den Kirchengemeinden Arfeld und Girkhausen sowie von der Evangelischen Kirche von Westfalen. Das Werk ist im Buchhandel erhältlich.