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19.08.2016
Von: Jens Gesper

Zwei Männer in Gleidorf gesegnet

Stefan Berk: „Was zählt, ist die Liebe zueinander, das Versprechen, füreinander einzustehen“


Pfarrerin Ursel Groß nahm die öffentliche Segnung der Partnerschaft von Jonas und Sven Metz (von links) in der Gleidorfer Auferstehungskirche vor.

Pfarrerin Ursel Groß nahm die öffentliche Segnung der Partnerschaft von Jonas und Sven Metz (von links) in der Gleidorfer Auferstehungskirche vor.

1992 ist Jonas Metz in der Evangelischen Kirchengemeinde Gleidorf getauft worden, 2006 ist er in der Kirchengemeinde Gleidorf konfirmiert worden und 2016 hat er in der Kirchengemeinde Gleidorf geheiratet. Ach, nein, so darf das ja nicht heißen. Die Lebenspartnerschaft von ihm und seinem Mann Sven Metz - geborener Böhnke - ist gesegnet worden. Jonas ist 24 Jahre alt und kommt ursprünglich aus Bad Fredeburg. Sven ist fünf Jahre älter und stammt aus Grafschaft, er ist vor 15 Jahren in Schmallenberg konfirmiert worden. Seit 2. Mai 2012 sind die beiden Männer ein Paar, nach vier Jahren haben sie diese Verbindung nun offiziell gemacht. Morgens mit der Verpartnerung im Schmallenberger Standesamt, nachmittags mit der Segnung in der Gleidorfer Auferstehungskirche und anschließend beim Feiern im Katharina-Zell-Haus bei der Schmallenberger Christuskirche. Inzwischen wohnen sie gemeinsam in Dortmund, aber das Ja-Wort wollten sich die Beiden doch lieber dort geben, wo ihre Familien und immer noch Freunde und Bekannte wohnen.

In 2014 hatte die Landessynode der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) mit großer Mehrheit beschlossen, dass nun eine solche öffentliche Segnung einer eingetragenen Lebenspartnerschaft im Rahmen eines Gottesdienstes möglich ist. Diese Segnung wird zudem pfarramtlich dokumentiert. Stefan Berk hatte damals als Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein, zu dem auch die Gleidorfer gehören, bei der Landessynode ebenfalls dafür gestimmt, denn: „Segen - um den geht es, wenn zwei Menschen in unseren Kirchen heiraten oder ihre Partnerschaft feiern. Segen kommt von Gott. Er hat ihn von Anfang an ausgesprochen über allem Leben. Segen hängt für mich deshalb nicht davon ab, ob jemand Mann oder Frau ist. Was zählt, ist die Liebe zueinander, das Versprechen, füreinander einzustehen - und an der Seite dieses einen Menschen zu bleiben, solange ich lebe. Wo sich einer auf den anderen ohne Vorbehalt verlassen kann, kann man diesen Segen Gottes spüren.“ Und konkret auf die Segnung im Sauerländer Teil des Kirchenkreises Wittgenstein bezogen sagt Stefan Berk als Leitender Theologe des Wittgensteiner Kirchenkreises: „Deshalb glaube ich, dass dieses Miteinander unter Gottes Segen steht. Ich freue mich immer wieder, wenn Menschen den Mut haben, ihre Liebe zueinander und die Hoffnung auf ein gemeinsames Leben segnen zu lassen. Und das gilt eben nicht nur für Mann und Frau, sondern auch für die Partnerschaft von Frauen oder Männern - so, wie das jetzt in Gleidorf gefeiert worden ist.“

Die Segnung in Gleidorf war die zweite ihrer Art im Wittgensteiner Kirchenkreis, nachdem in Elsoff im vergangenen Jahr die Partnerschaft zweier Frauen gesegnet worden war. Die Westfälische Landeskirche hat mit ihrer Entscheidung vor knapp zwei Jahren einen deutlichen Schritt in Richtung „Gleichbehandlung“ gemacht. Und auch wenn es für manche Menschen nicht schön ist, dass die EKvW genau wie die Bundesrepublik Deutschland hetero- und homosexuelle Partnerschafts-Bezeugungen immer noch nicht als gleichberechtigt anerkennen will, so hat die komplizierte Begrifflichkeit in der Kirche doch auch etwas für sich. Segnung der Lebenspartnerschaft sagt es nämlich nochmal ganz klar, um was es geht: Zwei Menschen stellen sich und ihre Partnerschaft möglichst für das weitere gemeinsame Leben unter den Segen Gottes, ausdrücklich und bewusst bekennen sie sich vor Gott zueinander. Um mehr geht es nicht. Aber definitiv auch nicht um weniger.