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19.03.2016
Von: Jens Gesper

Afrikanische Energie in Elsoff

Projektchor begeistert bei Konzert in der Kirche und beschert Flüchtlingsarbeit knapp 580 Euro


Der Afrika-Projektchor unter Leitung von Martina Dienst...

... begeisterte in der Elsoffer Kirche die vielen Besucher.

Zum Einsatz kamen außerdem: der Hallenberger Kirchenchor „Cäcilia“,...

... der Bromskirchener Syrer Muneb al-Suleiman mit seiner Oud sowie...

... Martin Dielenhein und Philipp Schreiber an den Trommeln.

Wenn viele Fotos von einer Veranstaltung in einer Wittgensteiner Kirche Bewegungsunschärfe haben, ist das schon etwas Außergewöhnliches - auch wenn die Fotos bei einem Konzert entstanden. Genau das passierte am Samstagabend in der Elsoffer Kirche. Aber es war auch gar nicht anders zu erwarten, denn gleich zu Beginn zogen die 50 Sängerinnen und Sänger singend in den Chorraum der Kirche ein. Dr. Ralf Kötter war es dann als Pfarrer der Lukas-Kirchengemeinde im Eder- und Elsofftal, der den Chor und die mehr als doppelt so vielen Zuhörer begrüßte: Wittgensteiner und Sauerländer, Evangelische und Katholische, Junge und Alte, Männer und Frauen, hier Aufgewachsene und ganz woanders Geborene. Allein der Chor bildete diese Bandbreite ab. Denn der Afrika-Projektchor unter Leitung von Martina Dienst, Diedenshäuserin mit Hallenberger Migrationshintergrund, hatte sich ganz bewusst mit diesem Anspruch gegründet. Ein halbes Jahr lang probte der Chor auf Zeit miteinander, jetzt endete das Projekt mit zwei Konzerten: eins in der Evangelischen Kirche Elsoff, eins in der Katholischen St.-Heribert-Kirche Hallenberg.

Außer viel Bewegung beim Singen und ungewohnten Rhythmen in der Elsoffer Kirche gab es dort auch noch fremde Sprachen. Denn hier wurde nicht auf Englisch, Lateinisch und Deutsch gesungen, sondern auch auf Damara-Nama, Ghanaisch, Herero, Kisuaheli, Lozi, Oshivambo und Zulu. Dabei vermittelten viele der Lieder eine christliche Botschaft, manche der Lieder stammten aus der Zeit als in Südafrika noch gegen die Rassentrennung des Apartheid-Regimes gekämpft werden musste. Eingefügt wurde in dieses Programm ein Auftritt des Hallenberger Kirchenchores „Cäcilia“, der zum Teil zum Projektchor angehörte und dessen Kern bildete. Der Kirchenchor sang die Missa Africana des Hochschullehrers, Arrangeurs, Komponisten und Chorleiters Michael Schmoll. Das breitgefächerte Programm war von beschwingt bis besinnlich doch immer beeindruckend. Hinzu kamen gesangliche Solo-Auftritte von Adrian Lange und Cäcilia Schürmann sowie von Achim, Franziska und Viktoria Dienst, die als Ehemann oder Töchter nicht zufällig den gleichen Nachnamen wie die Chorleiterin hatten. An den Trommeln sorgten Martin Dielenhein und Philipp Schreiber für den richtigen Rhythmus, Gitarre spielte Peter Beckmann. Und der Sänger Muneb al-Suleiman griff für zwei Solo-Musikstücke noch zur Oud. Der Syrer aus dem hessischen Bromskirchen nahm die Kurzhalslaute zur Hand und spielte virtuos. Ein tosender Beifallssturm im Stehen war die Belohnung für den Flüchtling und sein bewegendes Spielen.

Mit Standing Ovations endete auch das außergewöhnliche Chorkonzert nach anderthalb Stunden in der Elsoffer Kirche. Ohne eine weite Anreise und komplizierte Pass-Bestimmungen hatten die Wittgensteiner afrikanische oder afrikanisch inspirierte Musik erlebt, die mal nachdenklich, mal mitreißend war, aber immer voller Energie und am Ende auch voller Zuversicht steckte - und so auch zu einem „Wir schaffen das“ ermutigte. Die Kollekte beim Konzert betrug knapp 580 Euro, diese sind für die Flüchtlingseinrichtung in Bad Berleburg bestimmt.