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10.01.2016
Von: Jens Gesper

Erndtebrück hat neue Pfarrerin

Kerstin Grünert wurde unter großer Anteilnahme ins Amt eingeführt


Alle diese Menschen gaben der neuen Erndtebrücker Gemeindepfarrerin Kerstin Grünert (Bildmitte vorn) am Sonntagnachmittag beim Gottesdienst Segensworte mit auf die Wege im neuen Amt.

Beim Einzug zur Melodie „Highland Cathedral“ erhielt der CVJM-Posaunenchor Erndtebrück/Oberndorf Unterstützung von Manuel Wickel an der Trommel.

Proppenvolle war die Evangelische Kirche Erndtebrück am Sonntagnachmittag bei der Amtseinführung der neuen Gemeindepfarrerin Kerstin Grünert.

Beim „Lobe den Herren meine Seele“ des Erndtebrücker Kirchenchores durfte die gesamte Gemeinde den Refrain mitsingen.

Geschenke gab es viele am Sonntagnachmittag für die neue Erndtebrücker Pfarrerin Kerstin Grünert - auch vom inzwischen ein bisschen weniger neuen Erndtebrücker Bürgermeister Henning Gronau.

Die beiden evangelischen Erndtebrücker Pfarrer Kerstin Grünert und Stefen Berk bekamen am Sonntagnachmittag bei der Feier im Evangelischen Jugendheim Besuch von Gemeindeassistent Daniel Feldmann, Pfarrer Bernhard Lerch und drei Sternensingerinnen aus der Christus-König-Gemeinde Erndtebrück.

„So viele sind gekommen -wir sind total beeindruckt, wie viele sich angemeldet haben: aus Euren Familien, Kerstin und Ekkehard, aus dem Kreis Eurer Gemeinden in Hilchenbach und Lützel und aus den Freundschaften, aus dem Kirchenkreis bis hin zu Gästen von weit her. Und so viele Erndtebrücker, Benfer, Balder, Zinser und Schamedersche sind da, weil es um ihre Pfarrerin geht, die heute nach langem Anlauf eben richtige Pfarrerin wird.“ Mit diesen Worten begrüßte der Erndtebrücker Pfarrer und Wittgensteiner Superintendent Stefan Berk in der Evangelischen Kirche Erndtebrück am Sonntagnachmittag die Festgemeinde, die sich aus Anlass der Amtseinführung von Pfarrerin Kerstin Grünert hier versammelt hatte. Geschätzt knapp 300 Besucher (Korrektur: gezählt 386) waren es in der Kirche, beim anschließenden Kaffeetrinken im Evangelischen Jugendheim immerhin noch gut 200 Menschen.

In seinen Ausführungen ging Stefan Berk noch einmal auf die besondere Situation ein, dass Kerstin Grünert bei ihrer Wahl bereits eine vertraute Größe in der Kirchengemeinde Erndtebrück war: „Wer schon mehr als zwei Jahre lang in einer Gemeinde arbeitet, der ist bekannt - sowohl mit den Begabungen wie mit den Macken und Eigenarten. Und trotzdem bist Du gewählt worden. Einstimmig. Ohne Zweifel: Du sollst Pfarrerin dieser Kirchengemeinde sein!“ Ein zu 100 Prozent eindeutiges Votum - in einem Beruf, der Berufung verlangt: „Das Amt, das Du heute übernimmst, ist etwas Großartiges. Denn Du bist nicht nur in Deinem eigenen persönlichen Glauben Gottes Zukunft auf der Spur, sondern kannst und sollst und darfst das öffentlich tun, mitten im Alltag des Lebens - im Alltag Deines Lebens als Ehefrau und Mutter, als Freundin und Sportlerin, als Liebhaberin von Dirndln und roten Schuhen. Mag sein, dass nicht jeder das toll findet. Aber das bist Du - und als dieser einzigartige Mensch sollst Du nun zu den Menschen gehen und gute Nachrichten bringen, mitten in deren Alltag hinein. Deine Gemeinde will Dich. Mit Talar - und mit roten Schuhen.“

Schon die offizielle Einladung zur Amtseinführung hatte mit einem Foto klar gemacht, dass die Neue das strenge reformierte Beffchen, die weiße Halsbinde evangelischer Pfarrer, und rote Pumps unter einen Hut bringt. In ihrer Predigt ging Kerstin Grünert auf dieses Nebeneinander von Pfarrerin und Privatperson in ihrer Person ein, das am Ende doch immer ein Miteinander ist: „Eigentlich will ich beides in einem: ich sollte mich doch nicht von meinem Beruf, von der Berufung trennen. Und ich will beim besten Willen die Pfarrerin nicht von der Kerstin trennen. Hin und wieder aber doch. Dann will ich nichts hören von dem ganzen dienstlichen Zeug. Aber auch dann ertappe ich mich dabei, wie ich nach wie vor mit Leib und Seele Pfarrerin bin.“ Das passte sehr gut zum Predigttext aus dem Römerbrief von Paulus: „Ich habe Euch vor Augen geführt, wie groß Gottes Erbarmen ist. Die einzige angemessene Antwort darauf ist, dass ihr euch mit eurem ganzen Leben Gott zur Verfügung stellt. Das ist der wahre Gottesdienst.“ Und zu diesem Gottesdienst im Alltag lud Kerstin Grünert alle Anwesenden ein: „Wir sind alle zuständig für den wahren Gottesdienst. Das Leben nach diesem Verständnis zu führen, heißt auch, dass wir um ein Miteinander im Angesicht des Schöpfers bemüht sind. Aufeinander achten, so gestalten wir gelingendes Leben. Barmherzig sein: mit uns selbst und mit dem anderen: in der Partnerschaft und Freundschaft, in der Familie, bei der Arbeit, im Dorf, in der Gemeinde. Wenn wir es ernst meinen mit dem Gottesdienst im Alltag der Welt, dann nehmen wir die Herausforderung an, allein für unser Leben und Handeln die Verantwortung zu übernehmen und dem anderen neben uns genau die gleiche Fähigkeit zuzutrauen. Darin sind wir alle gleich. Gott sei Dank! Die Pfarrer tragen nicht alleine die Verantwortung für den wahren Gottesdienst.“

Zuvor hatte ein gutes Dutzend Menschen aus unterschiedlichen Lebensphasen und Arbeitsbereichen Kerstin Grünerts mit Segensworten die neue Erndtebrücker Gemeindepfarrerin gestärkt. Das trug genauso zur Feierlichkeit bei wie das hervorragende musikalische Programm des fast zweistündigen Gottesdienstes, der dennoch kurzweilig war. Für die Musik sorgten der CVJM-Posaunenchor Erndtebrück/Oberndorf, verstärkt um den Trommler Manuel Wickel vom Feudinger Spielmannszug für die Stücke „Highland Cathedral“ und „Pirates of the Caribbean“, unter Leitung von Erhard Weber, der Kirchenchor Erndtebrück unter Leitung von Helmut Krumm, Esther Graf an der Orgel, Kathrin Hackler am Klavier und der Kindergottesdienst Schameder mit Stefan Berk an der Gitarre.

Gefeiert wurde mit leckeren Kuchen und deftigeren Speisen anschließend im Evangelischen Jugendheim. In schöner ökumenischer Geschwisterlichkeit wurde Kerstin Grünert dort vom katholischen Wittgensteiner Pfarrer Bernhard Lerch, Gemeindeassistent Daniel Feldmann und drei Sternsingerinnen erwartet. Dem Grußwort von Bernhard Lerch schlossen sich Erndtebrücks Bürgermeister Henning Gronau an, es folgten neben vielen anderen Gemeindebrandinspektor Karl-Friedrich Müller als Leiter der örtlichen Feuerwehr, Karin Grebe, Ursula Horchler, Dorothee Krumm und Hildegard Obergefell von der Erndtebrücker Frauenhilfen, Helmut Krumm für den Kirchenchor. Nach kurzen Dankesworten, in denen die Siegerländerin Kerstin Grünert an verschiedenen Lebensstationen Halt machte und nochmal überlegte, wann sie in Hilchenbach eigentlich Erndtebrück zum ersten Mal wahrgenommen hätte, spielte zum Abschluss Manuel Burk nochmal Klavier im Jugendheim.

Danach konnte Kerstin Grünert nach einem anstrengenden Tag mit ihren Ehemann Ekkehard und den Kindern Ronja und Matti nach Hause. Das Presbyterium hatte ihr ja eine Bank geschenkt mit den Namen der Vieren, die künftig beim Pfarrhaus am Kirchplatz steht - in dem seit vergangener Woche wieder eine Pfarrerin wohnt.

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