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09.12.2015
Von: Jens Gesper

„Wie köstlich ist deine Güte, Gott...“

Erndtebrücker Hauptschüler machten mit beim Wettbewerb „Selfie von Gott“


Die Neuntklässler der Erndtebrücker Hauptschule beteiligten sich an dem Wettbewerb „Selfie von Gott“. Doch bevor sie mit dem Projekt begannen, schlossen sie zunächst einmal einen Vertrag mit ihrer Religionslehrerin Simone Conrad.

„Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deinen Flügeln Zuflucht haben“ - zu diesem Psalmwort machten sich die Neuntklässler der Erndtebrücker Hauptschule Gedanken, suchten passende Bilder und stellten eine Power-Point-Präsentation für den Wettbewerb „Selfie von Gott“ zusammen.

Spätestens seit es Selfies von Angela Merkel mit Nationalmannschafts-Fußballern und mit Flüchtlingen gibt, kennen viele Menschen diese neue Sorte Fotos: Selbstporträts mit anderen Leuten oder schicken Bauwerken und Landschaften, selbst geknipst mit dem eigenen Handy am ausgestreckten Arm in der Hand. Dass hier zweimal „selbst“ vorkommt ist kein Zufall, denn dieses Wort heißt auf Englisch „self“ - und genau daher kommt die neue Vokabel. Hat man das alles im Kopf, dann wundert man sich über den Titel eines Wettbewerbs, den die Stiftung „Bibel und Kultur“ mit dem nordrhein-westfälischen Ministerium für Schule und Weiterbildung sowie den Landeskirchen und (Erz-)Bistümern in NRW unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gerade durchführt. Der heißt nämlich: „Selfie von Gott“. Wobei Gott das Selfie natürlich nicht selbst machen soll, sondern alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich zu diesem Wettbewerb einladen ließen.

An der Erndtebrücker Rothaarsteigschule beteiligte sich die neunte Klasse an dem Wettbewerb. Zunächst stellte Pfarrerin Simone Conrad als Religionslehrerin den 16 Schülerinnen und Schülern vom Erndtebrücker Gemeindegebiet, aus dem Oberen Lahntal und aus dem Siegerland das Projekt vor. Einstimmig beschloss die Klasse, dass sie gern an dem Wettbewerb teilnehmen wollte. Und dann wurde noch ein Vertrag geschlossen. Sieben Regeln hatten sich alle gemeinsam überlegt: Unter anderem ging es darum, den Anderen Respekt zu zeigen und Mehrheits-Entscheidungen zu akzeptieren. Alle Schüler unterschrieben das - und ihre Religionslehrerin auch.

Das war einfach - aber wie sollte das jetzt mit dem Selfie gehen? Eine Bibel hat zwar reichlich Buchstaben, aber Bilder sind da eher selten. Wenn man ein Bild von Gott in der Bibel finden will, dann muss man es in den vielen Worten suchen. Die Jugendlichen sprachen über den Psalm 23 und über die Geschichte vom verlorenen Sohn, sie dachten über Gott als das Licht der Welt, als Fels und als Burg nach. Aber am Ende entschieden sie sich für einen Vers aus dem 36. Psalm: „Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deinen Flügeln Zuflucht haben.“

In Vierer-Gruppen und Partnerarbeit machten sich die Jugendlichen Gedanken über diese eindrücklichen, tröstenden, wärmenden Worte. Sie schrieben ihre eigenen Texte zu den Gedanken und suchten passende Fotos, so entstanden sieben kleinen Power-Point-Präsentationen. Eigentlich hatten die Hauptschüler bei den Flügeln aus dem Psalm erst an einen „coolen Adler“ gedacht, aber da fanden sie gar nicht so viele passende Bilder. Und so überlegten sich die Wittgensteiner und Siegerländer ein anderes Tier mit Flügeln, das ihnen hier vor Ort deutlich näher ist: ein Huhn. Zum Klassenverband gehören nämlich echte Hühnerzüchter. Da gab es dann natürlich genügend Fotos - und da war es auch gar nicht mehr schlimm, dass es nicht geklappt hatte mit dem Film-Drehen und die Idee mit der Superhenne auch leider nicht so schnell umgesetzt werden konnte.

Aus den sieben einzelnen Präsentationen puzzelte Benjamin dann für die ganze Klasse eine einzige zusammen. Am Mittwochmorgen sahen die Erndtebrücker Neuntklässler zum ersten Mal das Endprodukt. Sie waren zufrieden und zu Recht waren sie stolz auf das Ergebnis, für das Simone Conrad klarstellte: „Da ist nix von mir drin.“ Das hätte ihre Schüler alles allein und zusammen gemacht. Gerade das Zusammenarbeiten war für einige der jungen Leute das Schönste am Projekt. Aber beim gemeinsamen Gucken merkten sie, dass ihnen doch noch etwas fehlte. Deshalb wird die neue Power-Point-Präsentation jetzt noch ganz schnell mit Musik unterlegt. Und dann muss sie ruckzuck mit der Post auf den Weg, denn: Am Samstagmittag ist Einsendeschluss für den Wettbewerb.

Und am Samstag ab 12 Uhr ist die Arbeit der Neuntklässler von der Erndtebrücker Hauptschule hier (mit etwas Geduld) zu sehen. Keine Sekunde früher, denn die Konkurrenz schläft ja nicht.