Herbstsynode in Bad Laasphe >
< Gottesdienste neu strukturiert
29.11.2015
Von: Jens Gesper

Tacheles reden und Fragen stellen

Kirchenkreis Wittgenstein verabschiedete seine Diakoniepfarrerin Stephanie Eyter-Teuchert


Viele Menschen gestalteten den Gottesdienst mit, in dem die Wittgensteiner Diakoniepfarrerin Stephanie Eyter-Teuchert (Mitte) am Sonntagmorgen in der Laaspher Stadtkirche aus ihrem Dienst verabschiedet wurde.

Superintendent Stefan Berk verabschiedete Diakoniepfarrerin Stephanie Eyter-Teuchert am 1. Advent in der Laaspher Stadtkirche aus ihrem Dienst.

Neben dem wunderbaren Orgelspiel von Friedhelm Nicklaus gab es auch ein berührendes Segenslied von Claudia und Lisanne Arwa sowie Jonas Decker.

Zum Abschied kamen Menschen aus der Flüchtlingsarbeit,...

... aus dem Sauerland,...

... aus dem Eder- und Elsofftal,...

... aus Erndtebrück und...

... natürlich aus Bad Laasphe, hier arbeitete Pfarrerin Stephanie Eyter-Teuchert lange Zeit als Klinikseelsorgerin.

Zwei Indianer sitzen am Lagerfeuer, der Ältere sagt: „Manchmal fühle ich mich, als ob zwei Wölfe in meinem Inneren miteinander kämpfen. Einer der beiden ist rachsüchtig, aggressiv und grausam. Der andere aber ist liebevoll, sanft und mitfühlend.“ Der Enkel fragt: „Welcher der beiden wird den Kampf um dein Herz gewinnen?“ Der Großvater antwortet: „Der, den ich füttere.“ Diese Geschichte erzählte am Sonntag die Wittgensteiner Diakoniepfarrerin Stephanie Eyter-Teuchert, die an diesem Morgen mit einem Gottesdienst in den Vorruhestand verabschiedet wurde. 18 Jahre lang arbeitete sie im Kirchenkreis. Für ihre Zuhörer formulierte sie den Schluss, den sie aus der Geschichte zog: „Darum geht es, immer wieder im Leben - in meinem Leben, aber aus meiner Sicht auch in dem vieler anderer Menschen. Es geht immer wieder darum: Wem gebe ich Raum?“ Und offenbar hatte sie in ihrer Arbeit vielen Menschen Raum gegeben, denn neben Familie und Freunden waren aus allen Ecken des Wittgensteiner Kirchenkreises von Erndtebrück bis Elsoff, von Schmallenberg bis Fischelbach viele Menschen zum Gottesdienst in die Laaspher Stadtkirche gekommen. Auch Menschen, denen sie als Laaspher Klinikseelsorgerin begegnet war.

Und auch wenn sich diese Geschichte definitiv nicht in der Bibel findet, eine christliche Fütterungs-Anweisung für die inneren Wölfe gibt es dort schon. Der Predigttext am ersten Advent aus Paulus Römerbrief begann so: „Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt. Denn wer den anderen liebt, der hat das Gesetz erfüllt.“ Stephanie Eyter-Teuchert deklinierte das zwei Wochen nach den Anschlägen in Paris in ihrer Predigt konkret und klar durch: „In meinen Augen ist es nicht der richtige Weg, dem Terror mit Kriegsmitteln zu begegnen. Auch wenn wir uns aus Bündnisgründen loyal verhalten wollen. Wir verlieren die Position der Verhandlungsmöglichkeit, wir setzen uns einer größeren Gefährdung aus und wir werden mitschuldig am Tod vieler Zivilisten. Unsere Position als Christen ist für mich die der Friedensstifter, nicht die der Kriegsunterstützer.“ Und auch wenn die Pfarrerin offenkundig Tacheles reden kann, so war doch eigentlich das Fragen ihr Markenzeichen: „Eine andere Frage ist die, wie wir mit Flüchtlingen, die vor diesen Mördern geflohen sind, hier bei uns umgehen. Können wir uns da das Mitgefühl, die Gastfreundschaft, die Menschenliebe erhalten? Können wir die Menschen in ihrer Not sehen und ihnen beistehen? Welche Haltung nehmen wir ein? Welchem Wolf in uns geben wir Raum?“

Rückblickend auf ihre Arbeit als Pfarrerin ordnete Stephanie Eyter-Teuchert ein: „Seelsorge war mir immer ein wesentlicher Arbeitsbereich und meine Art der Arbeit in der Gemeinde in Dortmund, in Kamen, im Krankenhaus in Marburg, hier in Laasphe und an der Schnittstelle zwischen Kirchenkreis und Diakonie war immer auch Beziehungsarbeit. Nach meinem Verständnis lebt die Kirche gerade aus dieser Beziehungsarbeit.“ Und jede Beziehung braucht die Liebe: „Das Wesentliche ist die Liebe. Liebe zu Gott, Liebe zu den Menschen um uns herum und Liebe zu uns selbst.“ Aufgrund ihrer Erfahrung aus der Arbeit mit Menschen betonte die Pfarrerin zum letzten Punkt ausdrücklich „Es ist wichtig, auf eigene Bedürfnisse zu achten und: Ja, ich darf und soll mich selbst lieben.“

Offiziell verabschiedete sie Stefan Berk als Superintendent des Wittgensteiner Kirchenkreises aus dem Dienst: „Es war häufig - eigentlich fast immer - eine leise Arbeit. Menschen zu begleiten, ganz gleich, ob Patientinnen und Patienten oder ehren- und hauptamtliche Mitarbeitende in den Laaspher Kliniken, im Hospizdienst, in der ambulanten Pflege.“ Und doch eine ganz wichtige Arbeit, die „für ungezählte Menschen“ zum Segen geworden sei: „Deine Weiterbildungen, Deine Qualifikationen zur Supervisorin, zur Mediatorin und zum Coach wurden wichtige Stützen für die vielen Begegnungen in so manchem tiefen Tal.“

Außerdem waren viele weitere Menschen am Gottesdienst beteiligt: die Laaspher Gemeindepfarrer Dieter Kuhli und Steffen Post, die Diakonischen Gemeindemitarbeiterinnen Ingrid Leinweiber und Carmen Wagner-Khatibi, Tanja Baldus als Koordinatorin der Hospizarbeit im Diakonischen Werk Wittgenstein, Margit Haars als Leiterin des örtlichen August-Herrmann-Francke-Hauses, Gunda Stopfer, Susanne Reuter und Claudia Arwa vom Diakonischen Werk in Bad Laasphe, Letztgenannte hatte ihre Tochter Lisanne und Jonas Decker für ein Segenslied mitgebracht, ansonsten war Friedhelm Nicklaus an der Orgel für die Musik in dem Gottesdienst zuständig.

Im Anschluss an den Gottesdienst fand im benachbarten Gemeindehaus ein Empfang statt, wo es allerdings eine ganze Weile dauerte bis man endlich essen konnte. Schon in der Kirche war es eine lange Schlange von Gottesdienst-Besuchern, die sich von Stephanie Eyter-Teuchert verabschieden wollten. Im Gemeindehaus waren ebenfalls viele Gäste, die ein Grußwort sprachen oder ein Geschenk überreichten. Spürbar war es trotz aller Wehmut ein schöner Tag für Stephanie Eyter-Teuchert: „So gehe ich nun am Ende des Jahres aus der Arbeit in diesem Kirchenkreis und aus der Landeskirche hinaus, werde die Menschen hier in Wittgenstein vermissen und freue mich auf das was vor mir liegt an Aufgaben und Lebenszeit. Und bin gewiss: was zählt, ist, was ich in meinem Leben füttere, was wirklich zählt, ist die Liebe, die mir begegnet und die ich weitergeben kann.“

Hier gibt es noch mehr Fotos.