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20.11.2015
Von: Jens Gesper

„Leidenschaftliche Kirche in der Mitte der Gesellschaft“

Berliner Bundesakademie für Kirche und Diakonie lud zum Workshop nach Lukas


Mit einem Lächeln auf den Lippen schauten die Workshop-Teilnehmer auf der Gemeindehaus-Baustelle in der Lukas-Kirchengemeinde in die Zukunft. Denn trotz aller Probleme ist für eine leidenschaftliche Kirche in der Mitte der Gesellschaft das Land auch zukünftig hell und weit.

Die Autos auf dem Parkplatz beim Elsoffer Gemeindehaus hatten Nummernschilder von Stuttgart oder Hannover, von Recklinghausen oder dem Nürnberger Land. Ein gutes Dutzend Workshop-Teilnehmer aus unterschiedlichen Ecken Deutschlands hatte sich auf den Weg in die dreifache Peripherie gemacht, wie Dr. Ralf Kötter den Standort seiner Lukas-Kirchengemeinde im Eder- und Elsofftal schon mal nennt: Liegt das Gebiet doch am Rand der großen Kommune Bad Berleburg, die ihrerseits am Rand des Kreises Siegen-Wittgenstein liegt, der seinerseits am Rand von Nordrhein-Westfalen liegt.

Allein dass die Teilnehmer den Weg hierher auf sich genommen hatten, wo Autobahn ein fernes Fremdwort und Personennahverkehr eher eine andere Vokabel für Schülertransport ist, machte deutlich, wie groß deren Interesse war. Die Bundesakademie für Kirche und Diakonie in Berlin hatte gemeinsam mit dem Bundesnetzwerk „Gemeinwesendiakonie und Quartiersentwicklung“ zu einem zweitägigen Workshop eingeladen, die große Überschrift „Voneinander lernen - Praxis im Fokus“, darunter etwas kleiner „Das Land ist hell und weit - Kirche in der Regionalentwicklung“.

Referent der Veranstaltung war Gemeindepfarrer Ralf Kötter, der aber definitiv nicht der Einzige war, der redete. Denn das Konzept der Lukas-Kirchengemeinde mit seiner Initiative „Eder- und Elsofftal mit Zukunft“ ist es ja, dass möglichst viele gesellschaftliche Akteure miteinander ins Gespräch kommen und Gegenwart gemeinsam gestalten. So trafen die Workshop-Teilnehmer nach einer Rundfahrt durch die sieben Dörfer der Zukunfts-Initiative mit dem Generationenbus und einem Vortrag von Ralf Kötter zur „leidenschaftlichen Kirche in der Mitte der Gesellschaft“ viele andere Menschen, die das theoretische Konzept des Miteinanders in der Praxis zum Leben erwecken, bei zwei Gelegenheiten: zum einen beim Abendessen mit Vertretern von Kommune, Wirtschaft und Presbyterium, zum anderen beim Gespräch mit Akteuren aus der Regionalentwicklung.

Die Workshop-Teilnehmer konnten in Dialog treten mit Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann und Bernhart Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein als Patron der Zukunfts-Initiative, mit der Elsoffer Grundschul-Leiterin Karin Gaschler, dem Wittgensteiner Diakonischen-Werk-Geschäftsführer Thomas Dörr und Oliver Berg als Leiter der gemeinsamen Verwaltung der beiden Kirchenkreise Wittgenstein und Siegen, mit den Ortsvorstehern Bodo Hüster und Martin Schneider, mit Vertretern der heimischen Kreditinstitute, der Südwestfalen-Agentur in Siegen und dem Institut für Regionalmanagement, mit örtlichen Arbeitgebern und unterschiedlichen Mitarbeiterinnen aus den diakonischen Angeboten der Lukas-Kirchengemeinde.

Nachdem die Ergebnisse dieser Gespräche im Kreise des Workshops noch einmal bedacht und analysiert worden waren, stand für die angereisten Teilnehmer die Bestätigung der Erkenntnis, dass in der Lukas-Kirchengemeinde mit ihrer Zukunfts-Initiative auf der Höhe der Zeit Arbeit für die Menschen vor Ort gemacht wird. Für Ralf Kötter ergab sich die Einschätzung, dass künftig noch stärker die Bürger beteiligt werden könnten. Aufgrund der großen Nachfrage findet im Mai erneut ein Workshop zum gleichen Thema in Elsoff statt. Und dann werden sich wieder Leute mit fremden Nummernschildern auf den Weg in die Peripherie der Peripherie der Peripherie machen, wo Autobahn ein Fremdwort und Personennahverkehr eine andere Vokabel für Schülertransport ist. Und wo die Menschen trotzdem gern leben, weil hier für ein gutes Leben alle Kräfte gebündelt werden.