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19.11.2015
Von: Jens Gesper

„Das Grundgesetz ist ausschlaggebend“

Pastor Siamak Aminmansour lud in Bad Berleburg zu einer „Begegnung mit dem Islam“


Der Berleburger Presbyter Horst Seeger kennt Pastor Siamak Aminmansour seit Jahren, der gebürtige Iraner lud jetzt im Christus-Haus zu einer „Begegnung mit dem Islam“ ein, es sollte dabei um die Herausforderungen, Chancen und Grenzen gehen.

„Muslime zusammenschlagen? Das wollen wir nicht, wer das will muss gehen!“ und „Wir müssen beten für Muslime, dass sie Christus als Heiland entdecken“ - diese beiden Aussagen fielen am Donnerstagabend schon ganz früh bei einem Vortrag in Bad Berleburg. Klare Sätze, da wusste jeder, wo er dran war. Pastor Siamak Aminmansour sagte sie, der Treffpunkt „Bibel“ der Berleburger Kirchengemeinde hatte ihn als Referenten eingeladen. Presbyter Horst Seeger und Siamak Aminmansour sind seit Jahren befreundet. Der 48-Jährige wurde im Iran als Muslim geboren, konvertierte mit 13 Jahren gegen den Willen seiner Eltern zum Christentum, kam vor 15 Jahren nach Deutschland zum Theologie-Studieren und darf seit 2003 nicht mehr in seine Heimat, die Islamische Republik Iran, einreisen. Das Thema des Abends lautete „Begegnung mit dem Islam“, es sollte um die Herausforderungen, Chancen und Grenzen dabei gehen. Und beinahe 100 Besucher im Christus-Haus machten deutlich, dass diese Dinge die Menschen offenkundig gerade beschäftigen.

Siamak Aminmansour stellte zunächst den Islam dar. Aus seiner Biografie eines Konvertierten, der sich bewusst und gegen Widerstände für seine Religion entschieden hat und deshalb mehrfach im Gefängnis saß, waren dabei wohl viele Sätze zu verstehen, die der Referent sagte. Er führte klar aus, dass nach seiner Meinung und gegen anderslautende Gerüchte der Islam keine besondere Wertschätzung für die beiden monotheistischen Religionen der Juden und Christen habe. Und er warnte davor, sich zu sehr über biblische Figuren, die auch im Koran vorkommen, zu freuen. Oft seien zwar die Namen gleich oder ähnlich, aber die Inhalte ganz unterschiedlich. Siamak Aminmansour arbeitet nicht nur beim Evangeliums-Rundfunk in Wetzlar und als Pastor einer Baptistengemeinde in Offenburg, darüberhinaus betreut er Untergrund-Gemeinden, etwa im Iran. Aus seinen Erfahrungen heraus schien ihm der Islam innovationsfeindlich und mit der Demokratie nicht vereinbar, weil Allah am Ende immer die Grenzen setze und Recht haben müsse. Dass nach genau dem gleichen Muster andererseits auch Christen mit der Demokratie unzufrieden sind, wenn in Volksentscheiden für größere Rechte von Homosexuellen gestimmt wird, sagte er jedoch nicht.

Aber der Referent schrieb den westlichen Demokratien mit klaren Worten etwas ins Stammbuch: Wenn sie für billiges Öl vor der islamischen Welt kuschten, dann trügen sie zur Unterdrückung der Frauen in diesen Gesellschaften bei. Und wenn man Kriege für billiges Öl anzettele, dann dürfe man sich nicht wundern, wenn hinterher die Flüchtlinge in Scharen zu uns kämen. Siamak Aminmansour wies auf Zusammenhänge hin, ohne sich in Verschwörungstheorien zu verlieren.

Und bezugnehmend auf die Flüchtlings-Situation in Deutschland machte der Referent ganz klar, dass er die derzeit offenen Grenzen ablehne. Auch wenn man natürlich Menschen aufnehmen könne und müsse. Zudem dürfe man nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen. Er, der sich selbst in der Flüchtlingsarbeit engagiert, forderte Integrationskurse, Deutschunterricht und warnte vor Ghettos. Diejenigen, die nicht in unserer Gesellschaft ankämen, die seien leicht ansprechbar für die Salafisten.

Von der Politik verlangte er Konzepte für die Flüchtlingsarbeit: „Ohne Plan tun wir den Menschen nicht gut.“ Wobei die Aufgabe am Ende nicht allein bei den Institutionen liege: „Das ist unser Land, das ist unsere Gesellschaft, wir können nicht die Behörden alles machen lassen.“ Und das durfte der Mann, der im Iran geboren wurde, auch sagen, für ihn stand fest: „Deutscher wird man nicht durchs Blut, sondern durchs Gesetz.“ Und was für die Menschen und das gelingende Zusammenleben hier das Entscheidende sein muss, war für Siamak Aminmansour, der seit vier Jahren den deutschen Pass hat, ebenfalls nicht zu diskutieren: „Das Grundgesetz ist ausschlaggebend.“