„Heilsame Begegnungen“ >
< Frauen und Reformation in der Kulturkirche
08.03.2018
Von: Pfr. Bernhard Lerch/Jens Gesper

75. Jahrestag der Deportation

Am 9. März 1943 wurden Wittgensteiner Nachbarn als Zigeuner nach Auschwitz gebracht


Der gebürtige Saßmannshäuser Karl Janson und seine aus Siegen stammende Ehefrau Hedwig wurden am 9. März aus Laasphe nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht. Ihr Sohn kämpfte übrigens während ihrer Deportation als deutscher Soldat an der Front.

Am 9. März 1943, also vor genau 75 Jahren, wurden 145 Berleburger Mitbürger nach Auschwitz deportiert. Es waren Familien, Männer, Frauen und Kinder. Nur neun von ihnen kamen nach der Befreiung wieder heim, alle anderen wurden im KZ ermordet; von den Nazis als „Zigeuner“ diffamiert und verfolgt.

In der repressiven Atmosphäre der Diktatur war ein offenes Gedenken oder Gebet für die Verstorbenen nicht möglich, in den Umbrüchen der Nachkriegszeit geriet dieses Anliegen schnell in den Hintergrund. Wenn sicherlich von den Hinterbliebenen viel für ihre Verstorbenen gebetet wurde, so blieb doch das Seelenamt der Gemeinde für die Verstorbenen (Requiem, Heilige Messe für die Verstorbenen) bis heute aus. Nach 75 Jahren will die St.-Marien-Gemeinde Bad Berleburg ihren ermordeten Schwestern und Brüdern nun Gerechtigkeit widerfahren lassen und das Requiem am Jahrestag ihrer Deportation feiern. Es wird am Freitag, 9. März, ab 18.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Marien im Herrengarten zelebriert. In dieser Heiligen Messe werden zu Ehren der Verstorbenen auch Gebete und Gesänge aus dem damaligen Gebetbuch enthalten sein.

Bereits am Donnerstag, 8. März, wird als Einführung zum Thema eine Lesung aus der einschlägigen Fachliteratur stattfinden. Sie beginnt um 19.30 Uhr im Katholischen Gemeindehaus im Herrengarten.

Die Stadt Bad Berleburg lädt zusammen mit den Evangelischen und Katholischen Kirchengemeinden außerdem zu einer einfachen und schlichten Gedenkveranstaltung am Freitag, 9. März ab 19.30 Uhr ein. Gemeinsam wird ein Kranz am Deportations-Gedenkstein im Rathausgarten niedergelegt; Bürgermeister Bernd Fuhrmann wird die Ansprache halten. Alle interessierten Mitbürgerinnen und Mitbürger sind zu den genannten Veranstaltungen herzlich eingeladen.

Die Vorgänge damals basierten auf dem Auschwitz-Erlass, den Wikipedia erläutert: So „wird der Erlass des Reichsführers SS Heinrich Himmler vom 16. Dezember 1942 bezeichnet, mit dem die Deportation der innerhalb des Deutschen Reichs lebenden Sinti und Roma angeordnet wurde, um sie als Minderheiten - anders als bei vorausgegangenen individuellen oder kollektiven Deportationen - komplett zu vernichten.“

Auch in Bad Laasphe wird der damaligen Nachbarn gedacht. „Man verstand auch hier den Auschwitz-Erlass als eine Anweisung zur Deportation von umherziehenden und asozialen Personen, vertrat aber den Standpunkt, solche gäbe es unter den in Laasphe lebenden ‚Zigeunern‘ und ‚Zigeunermischlingen‘ nicht. Alle würden sozial angepasst leben. Für eine Einweisung in ein Lager käme demzufolge niemand in Frage.“ Diese Sätze stehen in dem Buch „Dass sie den Zigeuner-Habit ablegen“ aus dem Jahr 1996. Sein Autor, der Historiker Dr. Ulrich F. Opfermann, ist am Freitag, 9. März, zu Gast im Evangelischen Gemeindehaus am Laaspher Kirchplatz 20. Ab 19.30 Uhr findet hier eine Gedenkveranstaltung statt, da sich an diesem Tag die Deportation der als Zigeuner verfolgten Laaspher und Feudinger nach Auschwitz zum 75. Mal jährt. Denn am Ende traf nach dem Drängen aus dem Berleburger Landratsamt die Deportation auch die Laaspher Familien Freiwald und Janson, obwohl die Familienväter Frontsoldaten des Ersten Weltkriegs mit Auszeichnungen waren.

Der Laaspher Freundeskreis für christlich-jüdische Zusammenarbeit lädt zu der Veranstaltung ein, die sich in zwei Teile gliedert und von Friedhelm Nicklaus am Klavier musikalisch begleitet wird. Ulrich Opfermann spricht zunächst über „Sinti und Sinti-Nachfahren in Wittgenstein und die Deportation vom 9. März 1943“, danach geben der Freundeskreis-Vorsitzende Rainer Becker und die Janson-Nachfahrin Ida Wagner Einblick in ein Einzelschicksal, indem sie aus Briefen und Postkarten lesen, die Richard Freiwald aus dem Konzentrationslager an seine in Laasphe verbliebenen Geschwister schrieb, nicht alle waren deportiert worden. Auch Fotos werden an diesem Abend an die Menschen erinnern.