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04.02.2018
Von: Jens Gesper

Ein wunderbarer Abend...

... ist vorbei, aber bis 2. März geht es in Erndtebrück um „Die weibliche Seite der Reformation“


Aufmerksam verfolgten die Besucher am Sonntagabend in der Evangelischen Kirche Erndtebrück den Abendgottesdienst, der sich genau wie die gerade eröffnete Ausstellung in dem Gebäude mit der „Weiblichen Seite der Reformation“ beschäftigt.

Auch Männer nahmen am Sonntagabend bei der Eröffnung der Ausstellung „Die weibliche Seite der Reformation“ die Kunstwerke und Infotafeln in der Evangelischen Kirche Erndtebrück unter die Lupe.

Musikalisch wurden die Vernissage und der Gottesdienst zur Ausstellung „Die weibliche Seite der Reformation“ von der Wittgensteiner „Yazzmine“ umrahmt, die passend zum Thema mit Katharina Belz eine ganz starke Frauenstimme am Mikrofon hat.

Die allererste Pfarrerin im Wittgensteiner Kirchenkreis war in den 1970er Jahren Ruth Salinga in Erndtebrück. Schon allein deshalb ist der Ort für die Ausstellung perfekt gewählt, die am Sonntag in der örtlichen Evangelischen Kirche eröffnet wurde. Das Thema „Die weibliche Seite der Reformation“. Es geht um die Rolle der Frauen ganz allgemein und auch um einzelne berühmte und weniger bekannte Protagonistinnen in einer Geschichte, die vor 500 Jahren auf dem festen Fundament der Bibel einen anderen Zugang zum christlichen Glauben suchte. Und auch heute noch mit der gleichen Standfestigkeit auf neue Fragen Antworten, für neue Probleme Lösungen sucht.

Trotz Schnee waren es bei der Vernissage am späten Sonntagnachmittag gut 50 Besucher, darunter Bürgermeister Henning Gronau, die Stefan Berk in der Kirche begrüßte. Der Wittgensteiner Superintendent und Erndtebrücker Pfarrer hatte die Ausstellung 2017 im Frauenmuseum Bonn gesehen, wo sie ein Beitrag zum Reformations-Jubiläum war. Er war sofort begeistert und machte für die Ausstellung auch Werbung im Theologischen Ausschuss des Kirchenkreises. Bei dem genau das gut ankam, was auch Stefan Berk gefiel: das Konzept der Ausstellung. Hier gibt es einerseits 16 Schautafeln, die eine 500-jährige Geschichte in Schlaglichtern voller Fakten präsentieren, diese sind nicht zu diskutieren, sondern können zur Kenntnis genommen werden. Andererseits gibt es zehn Kunstwerke, Gemälde wie Installationen, von Künstlerinnen der Gegenwart, die sich mit der Reformation im Allgemeinen, oft aber auch mit Katharina von Bora, Luthers Ehefrau, im Speziellen beschäftigen. Hier ist jeder Betrachter persönlich gefragt, sich in einem ziemlich evangelischen, künstlerischen Großversuch selbst seine eigenen Gedanken zum Werk zu machen.

Die bewährte Kombination von Infos und Kunst aus dem Frauenmuseum funktioniert auch in der Erndtebrücker Kirche sehr gut. Während Pfarrer Dieter Kuhli als Vorsitzender des kreiskirchlichen Theologischen Ausschusses in seiner Einführung auf die Schautafeln einging, schlenderte Marianne Pitzen mit ihren Zuhörern im Geiste an den Kunstwerken in der Kirche entlang. Von ihr stammen die orangefarbenen Matronen im Kirchen-Chorraum, sie ist aber auch die Direktorin und künstlerische Leiterin des Frauenmuseums. Nach der Einführung hatten die Zuschauer die Möglichkeit, sich schon mal kurz in der Ausstellung umzuschauen, bevor der Abendgottesdienst in der Kirche mit 70, also noch etwas mehr Besuchern begann. Das übliche Team, das diesen regelmäßigen Gottesdienst am ersten Sonntag des Monats schon lange verlässlich vorbereitet, hatte sich diesmal aus einigen Ecken des Kirchenkreises weiblich verstärkt. In Predigt-Versatzstücken erweckten die Frauen historische Geschlechtsgenossinnen anschaulich zum Leben. „Es war ein wunderbarer Abend und Gottesdienst: die Beiträge voller Inhalt, aber auch oft poetisch und wunderbar vorgetragen“, so fiel das Fazit von Marianne Pitzen aus, die sich im Wittgensteiner Kirchenkreis sichtlich wohlfühlte. Nach dem Gottesdienst gab es nochmal die Möglichkeit, die Ausstellung anzuschauen, während die Wittgensteiner Band „Yazzmine“ wie zuvor bei der Vernissage und im Gottesdienst Musik machte.

Die Chance, diesen wunderbaren Abend zu erleben, ist vertan. Aber es gibt mehr Gelegenheiten für andere Veranstaltungen. Die Ausstellung ist bis zum Weltgebetstag, 2. März, jeden Mittwoch von 15 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags verlässlich zwischen 12 und 17 Uhr geöffnet. Außerdem können Gruppen unter Tel. (02753) 5087969 oder per E-Mail an ausstellung(at)kirchenkreis-wittgenstein.de eigene Termine vereinbaren.

Darüberhinaus lädt Pfarrerin Silke van Doorn als Schulreferentin des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein am Donnerstag, 8. Februar, alle Interessierten zu einem Vortrag in der Kirche - und damit in der Ausstellung - ein. Prof. Dr. Ute Gause von der Ruhr-Universität in Bochum betrachtet die Frauen der Reformation und ihre Lebenswelten und fragt sich zwischen 19 und 20.30 Uhr sehr zugespitzt: „Domestizierung oder Emanzipation?“

Hier gibt es den Gottesdienst zur Ausstellungs-Eröffnung,
hier gibt es die Einführung zur Ausstellung von Dieter Kuhli,
hier gibt es Informationen zu den Kunstwerken,
hier gibt es das Ausstellungs-Faltblatt,
hier gibt es mehr Fotos.