Verfahrenseinstellung möglich >
< Von Paulus bis zum Rap-Konzert
27.11.2017
Von: Jens Gesper

„Der streitbare Luther“

Ob dieser Ansporn oder Warnung für die Gegenwart ist, fragte Prof. Dr. Rainer Elkar in Bad Berleburg


„Der streitbare Luther - Ansporn oder Warnung für die Gegenwart?“ lautete das Vortrags-Thema von Prof. Dr. Rainer Elkar (Dritter von links) im Berleburger Haus der Kirche. Auch im Anschluss daran gab es noch reichlich Bedarf, über den Reformator zu sprechen.

Mit einem deftigen Satz von Martin Luther begann Prof. Dr. Rainer Elkar jetzt seinen Vortrag „Der streitbare Luther - Ansporn oder Warnung für die Gegenwart?“ im Berleburger Haus der Kirche an der Schloßstraße. Das zitiere er, so der emeritierte Geschichtsprofessor, aus einem Reclam-Büchlein „Luther zum Vergnügen“. Und gleich formulierte Rainer Elkar deutliche Zweifel daran, dass es ein Bändchen mit dem gleichen Titel über Zwingli oder Calvin geben könne: „Bei ihnen mangelt es an Berichten über Lust und Freude am Leben.“ Hintergrund ist die Tatsache, dass Luthers Thesenanschlag ihn plakativ für viele Menschen zum ersten Gesicht des evangelischen Glaubens macht, aber es viel mehr Bereiter der Reformation gab. Zum Beispiel Johannes Calvin und Ulrich Zwingli. Und dabei ist evangelisch nicht gleich evangelisch, beschäftigt man sich genauer mit den Protestanten, dann gibt es zum einen Lutheraner und zum anderen Reformierte. Während die Unterscheidung zwischen katholisch und evangelisch einfach ist, ist die Sache mit „lutherisch“ und „reformiert“ als Differenzierung im evangelischen Glauben eher etwas für Fortgeschrittene. Die Wittgensteiner sind wie die Siegerländer tendenziell reformiert. Wikipedia dazu: „In der reformierten Theologie nimmt die Bibel, verstanden als göttliche Offenbarung, die zentrale Stelle ein; dies schlägt sich nieder in der Schlichtheit der Kirchenräume und des Gottesdienstes, der auf die Verkündigung des Evangeliums zentriert sein und möglichst wenige außerbiblische Elemente enthalten soll.“

Der ursprünglich aus Franken stammende Rainer Elkar ist Lutheraner, sein im Siegerland aufgewachsener Sohn, der Erndtebrücker Pfarrer Dr. Tim Elkar, ein Reformierter. Wie die meisten der übrigen 14 Besucher - die allesamt gespannt darauf waren, wie ein Lutheraner kritisch mit Luther umgehen würde. Wie nicht anders zu erwarten, fand der Referent den streitbaren Luther dort, wo es um Bauern, Thomas Müntzer, Täufer, Kriegsleute und Juden ging. Rainer Elkars genaue Blicke in die Schriften Luthers gewährten den Zuhörern in Bad Berleburg präzise, konzentrierte Einsichten in Gedankenwelt und Lebensumstände des streitbaren Luthers. Nach deutlichen Worten der Kritik kam der Geschichtswissenschaftler Elkar aber unter anderem zu diesem Fazit: „Luther war weder ein verehrungswürdiger Heiliger noch ein Demokrat. Luther lebte in einer Zeit, die vom Gedanken einer bürgerlichen Demokratie unbeleckt war. Wer Luther ausschließlich aus einer heutigen Warte zu beurteilen oder zu verurteilen sucht, beweist nur mangelnden historischen Sachverstand.“

Durch den Abend in Bad Berleburg führte der Laaspher Pfarrer Dieter Kuhli, Vorsitzender des Theologischen Ausschusses im Wittgensteiner Kirchenkreis zum einen, bekennender Reformierter zum anderen. Das hinderte ihn nicht daran, in der anschließenden Diskussion Luther vor der einen oder anderen Kritik des Lutheraners Rainer Elkar in Schutz zu nehmen, wobei der Reformator am Ende gar nicht so schlecht bei Rainer Elkar wegkam. Denn natürlich ging es auch um Luthers Sätze über die Freiheit eines Christenmenschen, die den evangelischen Freiheitsbegriff kurz und bündig zusammenfassen. „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ Genau damit landete Rainer Elkar in der Gegenwart: „Den Mut zum freien Wort kann man von Luther lernen.“ Doch für den Historiker stand dabei fest, dass diese Sätze über die Freiheit eines Christenmenschen immer zusammengehören. Man muss den zweiten immer zum ersten dazu denken.

Wer mehr und Detaillierteres über den Vortrag wissen möchte und außerdem den deftigen Satz vom Anfang lesen will,

hier gibt es den gesamten Vortrag von Rainer Elkar,
hier gibt es das Handout dazu.