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12.11.2017
Von: Jens Gesper

Während die EKD...

... noch Nachwuchs-Beteiligung einforderte, fand in Wittgenstein schon eine Jugendsynode statt


Üblicherweise werden bei Synoden nicht solche Fotos gemacht, bei der Premiere einer Jugendsynode im Wittgensteiner Kirchenkreis geht das schon - auch wenn nicht mehr alle Delegierten und Organisatoren da waren, denn die jungen engagierten Christen leben natürlich in der Welt und einige spielten am Sonntagnachmittag gleich nach der Jugendsynode Fußball.

Wohlüberlegt verteilten die Delegierten nach den Diskussionen bei der Jugendsynode ihre Klebepunkte, um deutlich zu machen, welches für sie die wichtigen Zukunftsthemen sind.

Corinna Hedrich und Christian Schneider packten Superintendent Stefan Berk (rechts) die Ergebnisse der Jugendsynode in einen Koffer, der Wittgensteiner Kirchenkreis will sich im Februar oder März ausführlich damit beschäftigen.

Im großen U saßen die Delegierten und die Organisatoren der ersten Wittgensteiner Jugendsynode, um sich gemeinsam darüber Gedanken zu machen, wie man eine lebendige evangelische Kirche in Wittgenstein und Hochsauerland für 2030 sicherstellen kann.

Die Teenager-Band „JesusPirates“ aus der Siegerländer Kirchengemeinde Rödgen-Wilnsdorf umrahmte den Wittgensteiner Gottesdienst, den Superintendent Stefan Berk am Samstagabend mit den Delegierten und den Organisatoren der Jugendsynode feierte.

„Die Beteiligung junger Menschen ist angesichts der alarmierenden Befunde über den Traditionsabbruch gerade bei ihnen aus meiner Sicht eine der zentralen Herausforderungen für die Kirche der Zukunft. Wir müssen darüber nachdenken, wie sie stärker in Entscheidungsprozesse eingebunden sein können.“ Das sagte am Sonntag Heinrich Bedford-Strohm als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland bei der EKD-Synode. Synoden heißen bei den Evangelischen die Versammlungen, in denen Diskussionen geführt und Beschlüsse gefasst werden. Auf Ebene von EKD und Evangelischer Kirche von Westfalen je einmal im Jahr, auf Ebene des Wittgensteiner Kirchenkreises sogar zweimal. Und jetzt zum allerersten Mal auf Jugendebene im heimischen Kirchenkreis. Gerade als Heinrich Bedford-Strohm am Sonntag in Bonn ein stärkeres Einbeziehen der jungen Leute als Zukunftsträger der Kirche einforderte, ging im Abenteuerdorf in Wemlighausen schon die Jugendsynoden-Premiere zu Ende, die dem Ratspräsidenten-Ansatz bereits Rechnung trug.

Anderthalb Jahre lang hatten junge und junggebliebene Ehrenamtliche aus der Jugendarbeit im Kirchenkreis die Jugendsynode ausgearbeitet, die für den damaligen Jugendreferenten Thomas Lindner neben der beeindruckenden Jugendbibelwoche der zweite Baustein aus der Jugendarbeit zum Reformationsjubiläum sein sollte. Mit viel haupt- und ehrenamtlicher Arbeit war die Tagung vorbereitet worden, seit Sommer ohne Thomas Lindner. Dass die Veranstaltung jetzt dennoch in einer beeindruckenden Weise mit vielen engagierten, motivierten und verantwortungsbereiten jungen Menschen stattfand, war letztlich ein deutlicher Anhaltspunkt für die qualitativ hochwertige Arbeit des Kompetenzzentrums für Kinder-, Jugend- und Familienarbeit im Wittgensteiner Kirchenkreis während der vergangenen Jahre.

Mit Corinna Hedrich, die für den Kirchenkreis im Organisations-Kreis arbeitete, gehörten Thorsten Betz, Lea Hasler, Anna Koch, Dana Lindner, Verena Pöppel, Christian Schneider und Leon Weise zum Leitungsteam, das am frühen Freitagabend mehr als 30 Delegierte begrüßte: Aus 14 der 15 Kirchengemeinden waren Ehrenamtliche nach Wemlighausen abgeordnet worden, auch wenn nicht alle ihr Mitarbeitenden-Kontingent von zwei Jüngeren ab 15 Jahren und einem Älteren ab 25 Jahren ausschöpften. Die Altersbandbreite der Leitungsgruppe reichte von 17 bis 44 Jahren, die der Teilnehmenden von 15 bis 30 Jahren.

Nach dem offiziellen Grußwort von Schirmherr Bernd Fuhrmann, Berleburgs Bürgermeister war per Skype von einer Tagung aus Sindelfingen live zugeschaltet, begann für die Teilnehmenden die erste zweistündige Arbeit in Gruppen, die am nächsten Morgen drei Stunden lang fortgesetzt wurde. Am Nachmittag folgte erneutes, drei Stunden langes Zusammenarbeiten, diesmal an einem anderen, kleineren Thema. Außer beim Gottesdienst, den Superintendent Stefan Berk am Samstagabend hielt und bei dem es Musik von der Teenager-Band „JesusPirates“ aus der Kirchengemeinde Rödgen-Wilnsdorf gab, bot sich während der Arbeitsgruppen, bei vielen leckeren Mahlzeiten im Abenteuerdorf und in den Pausen die Möglichkeit zur Begegnung in einem großflächigen Kirchenkreis, der immerhin von Fischelbach bis Eslohe und von Winterberg bis Erndtebrück reicht.

Wie die Kirche im Jahre 2030 aussehen soll, das war die große Überschrift über der Jugendsynode. Um fundiert nachdenken zu können, hatten sich die Organisatoren auch Fachwissen von außen eingeladen: Jan Siegismund, der in der gemeinsamen Verwaltung der selbstständigen Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein lange in der Finanzabteilung gearbeitet hat, Prof. Dr. Tobias Künkler von der CVJM-Hochschule in Kassel und Ulla Stegemann, Referentin beim Diakonischen Werk Hessen für Freiwilliges Engagement, wobei Letztgenannte die Idee der Jugendsynode so spannend fand, dass sie gleich das ganze Wochenende bis zur abschließenden Synoden-Sitzung blieb, bei der zunächst von Teilnehmenden die einzelnen Themen und Gedanken aus den Arbeitsgruppen vorgestellt wurden. Es ging um Finanzen und um Vernetzung, um Kirche im Internet und um Glauben im Alltag, um Mitarbeiter-Motivation und um Gottesdienst-Gestaltung, um Gemeinde mit Blick auf die Welt und um die Zukunft der Jugendarbeit, auch in Zeiten des demographischen Wandels. Nach der Vorstellung der Arbeitsgruppen-Ergebnisse gab es im Plenum Zeit für Nachfragen und Kommentare. An vielen Stellen waren sich die jungen Leute ganz einig. Bessere Möglichkeiten der Kommunikation, die leichtere Zugänglichkeit zu Informationen, ein klares Einbringen von christlichen Positionen in den Alltag - all das waren unumstrittene Positionen. Bei anderen Dingen war es anders. Denn auch wenn sich die allermeisten natürlich mehr jüngere Musik für die Gottesdienste wünschten, so mahnte ein anderer, dass man den älteren Gottesdienst-Besucher nicht die Orgel komplett wegnehmen dürfe. Und die nächste Stufe des vollzogenen Verantwortungs-Bewusstseins: Ein Dritter regte an, man könne doch mal mit den Älteren reden. Die Erfahrung aus seiner Gemeinde: Die würden manchmal auch selbst gern modernere Lieder singen. Das eingeforderte Miteinander-Reden war die Grundlage, auf der die erste Wittgensteiner Jugendsynode - wie jede Synode - funktionierte.

Es war beeindruckend, dieses Stück gelebte Demokratie und ehrenamtliches Engagement mitzuerleben. Ganz am Ende nach allen Diskussionen mussten die Delegierten ihre Entscheidungen treffen. Alle hatten acht Klebepunkten, um die Aufgaben, die die Jugendsynode sah, zu gewichten. Ziel: Die Sicherstellung einer lebendigen evangelischen Kirche in Wittgenstein und Hochsauerland im Jahr 2030. Die klaren Ergebnisse der Abstimmung bei der Jugendsynode packten Corinna Hedrich und Christian Schneider für die große Synode in einen Koffer, den sie Superintendent Stefan Berk mit auf den Weg gaben. Auch wenn dieses selbsterfundene Wittgensteiner Instrument in der Westfälischen Landeskirche keine rechtliche Verbindlichkeit hat, wird die nächste Kirchenkreis-Synode im Dezember von der Tagung der Jugendlichen erfahren. Stefan Berk skizzierte als Leitender Theologe des Wittgensteiner Kirchenkreises, dass es dann im Februar oder März eine öffentliche Tagung gebe, wo die Synodalen mit den Jugendlichen über die Ergebnisse der Jugendsynode sprechen werden. Diese praktische Demokratie-Übung wurde sowohl vom Kreis Siegen-Wittgenstein als auch von der Evangelischen Kirche von Westfalen finanziell unterstützt.

Und wenn Heinrich Bedford-Strohm fordert, man müsse darüber nachdenken, wie junge Menschen stärker in Entscheidungsprozesse einzubinden zu seien, dann kann der Wittgensteiner Kirchenkreis auf jeden Fall schon mal mitteilen, dass sich hier junge Leute sehr gern einbinden lassen und in beeindruckender Weise ehrenamtlich mitarbeiten.

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