Losungs-Impulse in den Zeiten von Corona

Als die Entwicklungen der Corona-Pandemie im Kirchenkreis Wittgenstein dazu führten, dass am 15. März 2020 hier fast alle Gottesdienste abgesagt werden mussten, da wurde spürbar, mit welcher Dynamik das Virus unser Leben verändert. Umso wichtiger ist ein theologischer Impuls, den die Pfarrerinen und Pfarrer aus dem Kirchenkreis seit dem 18. März von montags bis samstags nun täglich liefern. Hier veröffentlicht - und auch von heimischen Medien. Auf der Kirchenkreis-Homepage ergänzen sie die sonntäglichen Angedachts.

Bei einem täglichen Angebot bieten sich die Herrnhuter Losungen als Ausgangspunkt an. Diese bestehen laut Wikipedia aus einer Sammlung von kurzen Bibeltexten des Alten und des Neuen Testamentes. Sie gelten als überkonfessionell, da sie für alle Christen verfasst werden. Entstanden ist das Konzept vor knapp 300 Jahren dank Nikolaus Ludwig von Zinzendorf aus der Herrnhuter Brüdergemeine. Durch Auslosen wird für jeden Tag ein alttestamentlicher Vers festgelegt, dazu wird aus dem Neuen Testament durch einen Mitarbeiter der Brüdergemeine ein so genannter Lehrtext gewählt, der üblicherweise in direktem oder thematischem Bezug zu dem gelosten alttestamentlichen Vers steht.

17. April

Die Gebote des HERRN sind lauter und erleuchten die Augen.

Psalm 19, 9

Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit.

Kolosser 3, 16

Pfarrerin Ursel Groß, Grafschaft: Wo finden wir sie - klare, eindeutige, ehrliche Gebote, die die Augen leuchten lassen? In diesen Tagen und Wochen zu Beginn des zweiten Jahres der Corona-Pandemie finden wir eher das Gegenteil: Heute so - morgen so hören wir Gebote, die uns mehr verunsichern und verwirren als dass sie die Augen leuchten lassen.

Der Beter des 19. Psalms sagt: Die Gebote des Herrn sind eindeutig. Sie weisen klar den Weg zum Leben und schützen das Leben aller. Lassen wir sie reichlich unter uns wohnen, damit Leben für alle möglich bleibt.

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16. April

Nicht werde jemand unter dir gefunden, der Wahrsagerei, Hellseherei, geheime Künste oder Zauberei treibt. Denn wer das tut, der ist dem HERRN ein Gräuel.

5. Mose 18, 10 und 12

Die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf.

Epheser 5, 9 bis 11

Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer, Raumland: Wie aktuell dieser Vers aus dem 5. Mose-Buch ist, zeigt ein Blick in unsere Welt, in der es von „Verschwörungstheoretikern“ und ähnlichem nur so wimmelt. Moderne Hellseher und Wahrsager versuchen, mit den abstrusesten Verschwörungsmythen die Welt zu erklären.

Für mich sind Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit, die hier als Frucht des Lichts bezeichnet werden, wichtige Maßstäbe. Aus der Gewissheit der Vergebung meiner Schuld durch Jesus Christus erwächst die Güte meinen Mitmenschen gegenüber, die genauso vergebungsbedürftig sind, wie ich. Es erwächst die Liebe zur Gerechtigkeit Gottes, die keine Tatsachen verschweigt, keine falschen Fakten verbreitet, deren Maßstab aber Barmherzigkeit und Liebe sind. Und es erwächst die Liebe zur Wahrheit, die keine Zusammenhänge verdreht, und meine begrenzten Versuche, sie zu finden, in die viel größere Wirklichkeit der Wahrheit Gottes aufnimmt.

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15. April

Fröhlich lass sein in dir, die deinen Namen lieben!

Psalm 5, 12

Die Jünger wurden erfüllt von Freude und Heiligem Geist.

Apostelgeschichte 13, 52

Jugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen: Freude ist etwas, dass sich nicht verbergen lässt. Wenn sich jemand freut, dann sehen wir das an einem breiten Grinsen und den strahlenden Augen. Oder wir merken es, weil jemand gut gelaunt vor sich hin summt oder singt. Wer sich freut, kann auch nicht einfach ruhig sitzen bleiben, sondern möchte am liebsten tanzen und springen. So stelle ich mir den Psalmbeter und die Jünger vor. Sie freuen sich, weil sie erlebt haben, wie Gott eingreift und handelt. Und diese Freude platzt regelrecht aus ihnen heraus. Sie ist ansteckend.

Darum wollen auch wir uns von Herzen freuen, wenn wir Gottes Handeln erleben. So können wir gerade jetzt ein Mutmacher für andere sein und Gott bezeugen.

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14. April

Der HERR hatte sie fröhlich gemacht.

Esra 6, 22

Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Lukas 10, 20

Pfarrerin Christine Liedtke, Girkhausen: Was kann uns geschehen? Was müssten wir fürchten? Unsere Fröhlichkeit und unsere Freude sind nicht aufgesetzt und nicht flüchtig: Gott selbst macht uns fröhlich, weil er uns zeigt, dass der Tod überwunden ist. Unsere Namen sind bei ihm aufgeschrieben, und das heißt: alles, was uns ausmacht, ist bei Gott bewahrt; unser ganzes einzigartiges Leben ist bei ihm verzeichnet. Nichts geht Gott verloren. Seine Liebe umhüllt und bewahrt uns. Mit Hanns Dieter Hüsch dürfen wir fröhlich bekennen: „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit. Gott nahm in seine Hände meine Zeit. Mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen, mein Triumphieren und Verzagen, das Elend und die Zärtlichkeit.“

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13. April

Wasche dein Herz von der Bosheit, auf dass dir geholfen werde. Wie lange wollen bei dir bleiben deine heillosen Gedanken?

Jeremia 4, 14

Johannes sprach: Bringt also Früchte, die der Umkehr entsprechen!

Lukas 3, 8

Pfarrerin Simone Conrad, Wingeshausen: Waschen. Hände, Füße, Wäsche. Mehr oder weniger verschmutzt, mit oder ohne Flecken. Manche Flecken sind groß und ausgeprägt, auch beim gründlichen oder mehrmaligen Waschen kaum zu entfernen. Wie sieht es mit den dunklen Flecken auf meinem Herzen aus? Boshafte Gedanken, Bequemlichkeit, verletzende oder gar zerstörerische Muster. Wasche dein Herz von der Bosheit… schaffe ich das? Oder sind die Flecken zu hartnäckig? Gott-sei-Dank, wir kommen von Ostern her. Ich selbst kann mein Herz gar nicht reinwaschen, aber Jesus hat es für mich getan - auf dass mir geholfen werde.

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12. April

Das soll mein Ruhm und meine Wonne, mein Preis und meine Ehre sein unter allen Völkern auf Erden, wenn sie all das Gute hören, das ich Jerusalem geben will.

Jeremia 33, 9

Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.

Lukas 2, 29 bis 32

Kirchenkreis-Archivar Dr. Johannes Burkardt, Bad Berleburg: Manche Bibelworte wirken wie eine warme Lampe, die man nachts anmacht. So auch dieses für einen Tagesbeginn herrliche Wort. Es kündigt „all das Gute“ an, das Gott seinem Volk verspricht. Dabei spricht Jeremia es in einer schrecklichen, scheinbar aussichtslosen Situation: Krieg, Tod, Vernichtung, Fehler der Entscheider bestimmen die Lage. Der Prophet selbst ist eingekerkert. Dieser Kontext macht den Vers aktuell: Er zerbricht die Blockade unserer dunklen Gedanken. „Gutes“ und „Heil“ sind die Themen der Zukunft. Klar muss aber sein: Unser Ego und unser wackliger Wohlstand sind nicht der Zweck des Versprechens. Es geht um Ruhm und Ehre unseres Schöpfers.

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11. April - Sonntags-Angedacht

Pfarrer Oliver Lehnsdorf, Oberndorf: Die österliche Zeit, in der wir uns gerade befinden, erinnert uns daran, dass uns Gott Hoffnung schenkt. Wir dürfen hoffen, dass Dinge, die nicht gut sind, gut werden können. Ich kann mich noch sehr gut an eine Fernsehmoderatorin erinnern, die am Ende jeder Sendung immer wieder sagte: „Alles wird gut.“ Ich fand es sehr tiefsinnig, was sie da sagte. Und wie ich später erfuhr, meinte sie dies auch genau mit diesem tiefen christlichen Hintergrund.

„Alles wird gut,“ ist die Kurzbeschreibung dessen, dass sich im Leben die Dinge zum Guten wenden können. Es ist ein Ausdruck dafür, dass man darauf vertrauen kann, dass es auch in schwierigen Zeiten immer wieder neu Hoffnung gibt und dass es dann auch Licht am Ende des Tunnels geben kann. Gott schenkt uns Glaube, Hoffnung und Liebe, die uns dabei helfen, trotz allem weitermachen zu können. Zudem dürfen wir hoffen, dass es aufgrund des Glaubens ein Leben nach dem Tod gibt. Denn so wie Jesus Christus an Ostern auferstanden ist und den Tod besiegt hat, so haben auch wir die Hoffnung auf die eigene Auferstehung. Und wir haben die Hoffnung, dass wir dadurch dann auch im Himmel die wiedersehen können, die vorher gestorben sind und uns nahestanden.

Aus diesem Grund schreibt auch Paulus im 15. Kapitel des 1. Korinther-Briefs in den Versen 53 und 57 Folgendes: „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel? Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus.“So ist die österliche Zeit eine Zeit der Hoffnung und der Freude. Sinnbildlich wird dies besonders auch bei den orthodoxen Christinnen und Christen, die an Ostern an verschiedenen Orten jeweils ein großes Feuerwerk begehen. Meine Familie und ich haben dies vor einigen Jahren auch einmal an Ostern in Kreta in Griechenland selbst miterleben dürfen. Neben dem Feuerwerk gab es dabei dann auch ein großes Fest. Und nicht zuletzt bekamen auch jede Besucherin und jeder Besucher als Zeichen für die österliche Freude jeweils ein Brot, ein buntes Ei und eine Kerze geschenkt.

Ich wünsche uns, dass wir auch diese Freude haben. Ich wünsche uns, dass wir Gott dafür dankbar sind, dass unser Leben keine Sackgasse ist, sondern durch den Glauben in Gottes ewigen Reich weitergehen kann. Möge Gott uns in diesem Sinne immer wieder neu segnen.

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10. April

Verwirf mich nicht in meinem Alter, verlass mich nicht, wenn ich schwach werde.

Psalm 71, 9

Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert.

2. Korinther 4, 16

Prädikantin Christiane Petri, Hatzfeld: Manchmal fühle ich mich wie 100. Viele werden es derzeit so empfinden. Trotz oder gerade wegen aller fehlenden Aktivitäten fühlt man sich regelrecht eingerostet. Nicht müde zu werden - wie sehr wünschen wir uns das in diesen zermürbenden Zeiten. Wo sind sie, die Tage, an denen ich Bäume ausreißen könnte wie mit 30 oder die Momente, an denen ich ausgelassen und unbeschwert sein kann wie mit 20? Wobei ich mich frage, wie sich die 30- und 20-Jährigen derzeit wohl sehen. „Alter ist relativ“ hat mal ein kluger Kopf gesagt. Und das stimmt. Was unser Menschsein so wertvoll macht, sind nicht jugendlicher Elan oder schmerzfreie Gelenke, sondern ist, dass wir in der Lage sind, Herz und Sinn zu öffnen für das, was uns neuen Lebensmut geben kann. Dass wir denken und fühlen können. Und glauben.

Durch Ostern ist lebendig geworden, was uns prophezeit wurde: Siehe, ich mache alles neu! (Offenbarung 21, 5)

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9. April

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Jesaja 43, 1

Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?

Römer 8, 31

Pfarrer Dieter Kuhli, Bad Laasphe: Losung und Lehrtext - Worte der Zuversicht. Tröstliche Lebensgewissheit, die ihren unverbrüchlichen Grund hat in Gottes Liebe. Ermutigung und Hoffnung - wenn es sein muss, auch gegen den Augenschein. Sie hält und trägt uns in den Hoch-Zeiten unseres Lebens, aber auch in Situationen von Krankheit, Not und Bedrängnis. „Fürchte dich nicht. Du bist - und du bleibst - mein.“ So lautet Gottes Evangeliumsbotschaft für das Gottesvolk Israel in der Gefangenschaft in Babylonien ebenso wie später für die junge christliche Gemeinde in Rom. Und für uns hier und heute ganz genauso. Gewiss: Die Corona-Pandemie ist damit noch nicht besiegt. Aber sie verliert ihren Schrecken. Auch sie kann und wird uns nicht „scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn“. (Römer 8,39) Gott sei Dank!

Du Aufheiterung meines Geistes, du Lob meines Herzens und meines Mundes, mein Jesus, dir werde ich folgen, wohin immer du gehst. Weil du mein Herz dir erworben und als dein Eigentum in Besitz genommen hast, so kannst du mir in Ewigkeit nicht mehr weggenommen werden.“ (Gertrud von Helfta)

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8. April

Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt.

1. Mose 3, 9 und 10

Kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft geben müssen.

Hebräer 4, 13

Pfarrer Thomas Janetzki, Wingeshausen: Kennen Sie das? Manchmal möchten wir am liebsten wie ein Kind unsere Augen und Ohren fest schließen und hoffen, dass all das, was da gerade passiert, dann von ganz allein verschwindet. Aber so einfach ist das leider nicht.

Auch Gott ruft uns jeden Tag in unsere Verantwortung hinein: Für unsere Mitmenschen und seine ganze Schöpfung - und es nutzt uns gar nichts, uns zu verstecken. „Wo bist Du?“ - „Was tust Du?“ - Fragen an jede und jeden von uns…

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7. April

Er hat die Sünde vieler getragen, und für die Übeltäter trat er ein.

Jesaja 53, 12

Jesus spricht: Segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.

Lukas 6, 28

Pfarrer Peter Mayer-Ullmann, Banfe: Wie gehe ich mit Konflikten und Verletzungen um? Krame ich in dem reichen Waffenarsenal meines Herzens, schwinge innerlich die Keule und stelle dann ein Bein nach dem anderen? Gestehe ich mir den Groll zu oder bügele ich ihn gleich nieder mit der Lieb-Kind-Devise? Wie also ist es um mein Repertoire bestellt im Umgang mit Konflikten und Verletzungen?

Von Karfreitag kommen wir her, auf Karfreitag gehen wir zu. Wenn das nicht nur ein Datum in der Geschichte und damit auf meinem Kalender ist, sondern wenn das mein Karfreitag ist, an dem Gott mit mir aufgerechnet, aber nicht abgerechnet hat, dann gehört zu meinem Repertoire vor allem, was eines unserer Lieder so sagt: „Wunden müssen Wunden heilen“ (Philipp Friedrich Hiller, Ev. Gesangbuch 123, 7). Dann lege ich meine Verwundungen in die Wunden Jesu für mich und bitte ihn, dass sie mich frei machen für den Segen und das Gebet auch für die, die es mir schwer machen.

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6. April

Gott erhöht die Niedrigen und hilft den Betrübten empor.

Hiob 5, 11

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis.

2. Korinther 1, 3 und 4

Vikarin Carolin Kremendahl, Bad Laasphe: Welch ein Trost, welch eine Hoffnung steckt in diesen Versen. Von Ostern dem Fest des Lebens und der Hoffnung kommen wir her. Wenn nicht am Kreuz, wo dann hat Gott beeindruckend gezeigt, dass er die Niedrigen erhöht?

Durch den Tod von Jesus hat er den Tiefpunkt unseres Lebens geteilt und wird durch seine Auferstehung zu einem Tröster, jetzt und in Ewigkeit. Darin zeigt sich die allmächtige Barmherzigkeit Gottes. Denn nicht die bösen Mächte von Trübsal und Bedrängnis geben den Ton an, sondern: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“  (Dietrich Bonhoeffer).

eine E-Mail an die Autorin, die Post wird aus dem Berleburger Haus der Kirche weitergeleitet


5. April

Geschieht etwa ein Unglück in der Stadt, und der HERR hat es nicht getan?

Amos 3, 6

Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?

Lukas 24, 26

Prädikantin Traudel Stremmel, Berghausen: „Das meinst du doch auch, oder?“, fragen wir (rhetorisch), wenn wir die Antwort als zustimmend erwarten. Die Frage des Propheten Amos an das Volk Israel und die an die Jünger Jesu auf dem Weg nach Emmaus sind auch solche Fragen. „Ja“, muss die Antwort lauten, „das ist so.“ Das Geschick der Stadt, des Landes, der Welt liegt in Gottes Händen. Ebenso wie das Geschick des einzelnen Menschen, auch das des Sohnes Gottes.

In seinem Leiden und Sterben kommt uns Gott ganz nah, um uns mit ihm in seine Herrlichkeit zu führen. Gott ist der, der verwandelt: unser Unglück in Glück, unsere Trauer in Freude, unser Leid in Hoffnung, unseren Tod in Leben. Unser Leben liegt in seinen fürsorgenden Händen. Was kann uns Besseres passieren?

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4. April - Oster-Angedacht

Superintendentin Simone Conrad, Wingeshausen: Heute ist Ostern - Zeit des Suchens und Findens, Zeit für bunt gefärbte Eier und liebevoll befüllte Osternester. Solche Osternester werden gerne angenommen - übrigens auch von erwachsenen Kindern. Und nicht immer sind in diesen Osternestern die klassischen Schokoladenhasen, mit oder ohne Goldfolie und Glöckchen. In den Osternestern, die ich packe, finden sich auch schon mal Mango-Streifen, Chips-Tüten oder Badebomben. Ein bisschen verrückt, ja, ich weiß, aber Sinn und Zweck ist es ja, den Beschenkten eine Freude zu bereiten. Und die haben wir zurzeit bekanntermaßen bitter nötig.

Deswegen packe ich heute ein imaginäres Osternest für Sie, in der Hoffnung, Ihnen eine Freude zu bereiten. Dahinein kommen:
- ein rotes Osterei als ein altes christliches Symbol für das neu erwachende Leben.
- ein Tütchen mit Samen von Vergissmeinnicht als Erinnerung daran, dass wir die Hoffnung nicht vergessen dürfen. Sie muss gesät werden, die Hoffnung, und sie braucht Pflege und Zeit zum Gedeihen. Und nur wenn wir sie vergessen, stirbt sie.
- Kaffee. Ja, der gehört für mich dazu. In der Frühe des Ostermorgens das neue Leben begrüßen - und dann vielleicht ein Kaffee und ein Plausch mit der Nachbarin über den Gartenzaun? Auch Gemeinschaft (auf Distanz) macht lebendig.
- eine Kerze. Anstelle der Kerzen, die wir sonst in unseren Kirchen in der Osternacht entzündet hätten. Zeichen für das Licht, das in die Dunkelheit kommt. Zeichen für Jesus, der die Schwärze des Todes besiegt und das Leben wieder hell werden lässt.
- ein kleines Herz. Vielleicht aus Holz oder aus einem warmen Stein - ein Herz für das große Herz Gottes, der uns mit seinem Sohn Jesus Christus Anteil am ewigen Leben schenkt.
- und eine Osterglocke, diese kleine zarte Pflanze, die doch laut und hell läuten möge: Christ ist erstanden! Sie verbringt den Winter in der Dunkelheit der Erde, aber sie erwacht neu, jedes Jahr. Zäh und widerstandsfähig, trotzig bisweilen in Schnee und Hagel. Wie so viele Menschen sehne ich mich danach, wie die Osterglocke mich zu entfalten und von der Sonne bescheinen zu lassen: Wärme, Licht und die Gewissheit: Das Leben wird neu.

Denn das ist Ostern für mich: Das Leben wird neu. Es geht nicht nur irgendwie weiter, nein, es birgt Hoffnung und die Gewissheit: das Licht durchdringt die Dunkelheit. Denn Gott ist ja da, ist an unserer Seite. Leidet mit uns, ringt mit uns - und nimmt uns mit in das Leben. Und darum: Frohe Ostern Ihnen allen!

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3. April

Er ist der HERR, unser Gott, er richtet in aller Welt.

Psalm 105, 7

Christus hat gelitten, ein für alle Mal um der Sünden willen, der Gerechte für die Ungerechten, damit er euch zu Gott führe.

1. Petrus 3, 18

Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück: Königlich Bayerisches Amtsgericht. Die Mutter aller Gerichtssendungen. Hab' ich als Kind gerne geguckt. Mich faszinierte der Richter, der immer einen Weg fand, die Schwindelei aufzudecken, und es schaffte, dass niemand dabei bloßgestellt wurde. Am Ende war alles wieder gut.

Am Ende und ein für alle Mal ist für uns Menschen alles gut. Denn wir haben den HERRn, der unser Richter ist. Der für uns geklärt hat, dass der Tod nicht die größte Macht über uns hat. Sondern Gottes Liebe, die uns antreibt zum Leben, zu Gerechtigkeit, Rücksichtnahme und Gemeinschaft.

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2. April

Der HERR schafft deinen Grenzen Frieden.

Psalm 147, 14

Christus ist unser Friede.

Epheser 2, 14

Erzieherin Angelika Krämer, Niederlaasphe: Stell Dir vor, Du bist in Deinen Sorgen und Ängsten so gefangen, dass Du keinen Ausweg siehst und nicht entkommen kannst. Auch wenn Du Dich mit aller Kraft dagegen wehrst, bestimmte Gedanken zu denken und schon gar nicht zu fühlen, führt kein Weg an ihnen vorbei. Du musst durch dieses tiefe Tal der Angst, Verwirrung und Unsicherheit bis Du einen Weg hinausfindest und den nächsten Berg erklimmen kannst. Du stehst nach einem beschwerlichen Weg hoch oben auf dem Gipfel und blickst in kosmische Ferne der Sonne entgegen. Die Enge der Angst ist einem Glanz und einer unendlichen Weite gewichen, die nur Gott uns geben kann.

Jesus ist diesen Weg am Kreuz gegangen und hat uns seinen Frieden gestiftet. Unsere Seele findet Ruhe.

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1. April

Warum willst du mit Gott hadern, weil er auf Menschenworte nicht Antwort gibt? Denn auf eine Weise redet Gott und auf eine zweite; nur beachtet man's nicht.

Hiob 33, 13 und 14

Jesus antwortete dem Hohenpriester: Ich habe frei und offen vor aller Welt geredet. Ich habe allezeit gelehrt in der Synagoge und im Tempel, wo alle Juden zusammenkommen, und habe nichts im Verborgenen geredet. Was fragst du mich? Frage die, die gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe.

Johannes 18, 20 und 21

Pfarrer Jaime Jung, Erndtebrück: Bei Quiz-Shows im Fernsehen versuche ich immer für mich selbst, die Fragen zu beantworten. Manchmal bin ich erstaunt, dass ich was weiß, aber noch öfter merke ich, dass ich keine Ahnung habe. Egal, ich bin ja nur ein Mensch. Es ärgert mich aber, wenn eine interessante Frage gestellt wird und noch vor der Antwort die Werbepause beginnt. Manchmal kommt die Antwort erst am nächsten Tag dran. Ich, Mensch, ärgere mich!

Im echten Leben, wenn es um Fragen an Gott geht, um Lebensfragen, um meine Fragen über die Lage der Welt, bekomme ich selten eine Antwort von ihm darauf. Oder zumindest nicht so, wie ich es mir erhofft habe. Manchmal kommt es mir vor, als würde Gott in eine Pause gehen, stundenlang, tagelang, manchmal fast ein Leben lang. Aber Gottes Antworten auf unseren menschlichen Fragen kommen. Immer. Auf seine Weise, in seiner Zeit. Ich, Mensch, darf und will darauf vertrauen.  

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31. März

Dein Herz eifre nicht gegen die Sünder, sondern jederzeit nach der Furcht des HERRN.

Sprüche 23, 17

Jesus sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!

Lukas 23, 34

Prädikantin Christiane Petri, Hatzfeld: Meine Schwiegereltern hörten gerne das HR4-Wunschkonzert; ich eher weniger. Aber bei einem der Schlager lief mir dann doch schonmal ein Schauer über den Rücken: „Ich hab‘ Ehrfurcht vor schneeweißen Haaren“. Ehrfurcht zu haben - das ist etwas ganz Tiefes, etwas, das ganz viel mit Respekt und Anerkennung zu tun hat und überhaupt nichts mit Angst und Abhängigkeit.

Deshalb würde ich uns auch die Weisheit aus dem Buch der Sprüche so übersetzen, wie sie in der Basisbibel abgedruckt ist: „Sei nicht eifersüchtig auf die Sünder, die in Saus und Braus leben! Bleib du beim HERRN und hab Ehrfurcht vor ihm!“ Dort heißt es nämlich weiter: „Denn wenn Du das tust, hast du eine sichere Zukunft. Deine Hoffnung wird nicht enttäuscht.

Jesus Christus nimmt uns mit in seine Zukunft, wenn er am Kreuz stellvertretend für uns um Vergebung bittet. Ist das nicht aller Ehr-Furcht wert?

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30. März

Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter.

Jesaja 9, 5

Jesus Christus empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

2. Petrus 1, 17

Jung-Erwachsenen-Mitarbeiterin Bianca Brieseck, Erndtebrück: Wenn ein Mensch, der einem wichtig ist, stirbt, so denkt man häufig an ihn. Vor allem um seinen Geburts- und Todestag. Aber warum ist uns Jesus so wichtig? Warum denken wir zu dieser Zeit so besonders an ihn? Er war doch „nur“ ein Mensch? Genau deshalb.

Er war einer von uns, lebte wie wir. In vielem, was wir von ihm lesen und hören, finden wir uns wieder, in unserem ganz normalen Leben. Wir identifizieren uns mit ihm, wenn er erzählt und berichtet. Er war das fehlende Glied zwischen Gott und uns Menschen. Er hat uns seinen Vater nähergebracht, half uns, zu verstehen und unsern Glauben zu stärken. Und er starb für uns, seh- und begreifbar. Deshalb ist Jesus uns so wichtig.

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29. März

Der HERR wird König sein über alle Lande. An jenem Tag wird der HERR der einzige sein und sein Name der einzige.

Sacharja 14, 9

Seine Knechte werden ihm dienen und sein Angesicht sehen, und sein Name wird an ihren Stirnen sein.

Offenbarung 22, 3 und 4

Jugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen: Die meisten Eltern machen sich intensiv Gedanken, wie ihr Kind einmal heißen soll. Da spielt die Namensbedeutung ebenso eine Rolle wie der Klang. Unser Name hilft uns, dass wir uns identifizieren können. Und durch unseren Namen wird auch eine gewisse Herkunft und Zugehörigkeit deutlich.

So verhält es sich auch mit dem Namen Gottes. Wir können Gott mit Namen ansprechen. Indem wir das tun, benennen wir bestimmte Eigenschaften Gottes und bekennen ihn als unseren Herrn. Damit zeigen wir: Wir gehören zu Gott. Und in unserem Alltag soll etwas von dieser Zugehörigkeit erkennbar werden.

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28. März - Sonntags-Angedacht

Jugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen: „So lange ich atme, hoffe ich“ - so lautet der Titel eines Buches. Es handelt von James Scott, der mit einem weiteren Wanderer auf einer Trecking-Tour im Himalaya unterwegs ist. Ein Schneesturm überrascht sie und sie verlieren jegliche Orientierung. Sie geraten in Streit über das weitere Vorgehen und welchen Weg sie jetzt einschlagen sollen. Deshalb trennen sie sich, jeder geht in dieser schwierigen Situation seinen Weg. Die Sichtverhältnisse werden immer schlechter, James Scott verirrt sich immer mehr. Er verliert zudem seine Trinkflasche. Irgendwann kommt er an eine Stelle, an der es nicht mehr weiter geht. Ein Wasserfall auf der einen Seite, ein Abgrund auf der anderen Seite, nur ein steiler Felshang nach oben scheint der einzig plausible Weg. Doch irgendwann geht es auch hier nicht mehr weiter. Wieder runterklettern ist zu gefährlich. Weiter hinauf geht es aber auch nicht. Und das Schneetreiben macht jeden Versuch, weiterzukommen, unmöglich. Er sitzt fest, es geht nicht mehr vor und nicht mehr zurück. James Scott findet Unterschlupf unter einem schmalen Felsvorsprung. Er hat nur drei Schokoriegel dabei und - wie bei einer Treckingtour üblich - nur ganz wenige andere Sachen. 43 Tage hält er dort aus. Trotz Kälte, Hunger, Einsamkeit und Verzweiflung überlebt er. Und seine Schwester lässt unentwegt nach ihm suchen. Diese wahre Begebenheit berichtet vom Durchhalten in extrem schwierigen Situationen. Es geht um Mut, jeden Tag neu in Angriff zu nehmen und die Hoffnung nicht aufzugeben. Das ist es auch was mich an dem Buch so fasziniert.

„So lange ich atme, hoffe ich“ - wäre das nicht ein tolles Motto auch für uns? Es spiegelt doch eine positive Einstellung wieder, die in die Zukunft gerichtet ist. Kein Klagen ist zu hören, darüber wie schlimm alles ist oder werden könnte, sondern vielmehr die Hoffnung, dass alles gut wird.

„So lange ich atme, hoffe ich“  - vielleicht brauchen wir gerade jetzt, bei all den schwierigen Situationen unseres Alltags diesen Satz, der uns daran erinnert, den Mut nicht sinken zu lassen, sondern hoffnungsvoll nach vorn zu blicken.

„So lange ich atme, hoffe ich“ ist auch eine Einstellung, die mit Gott rechnet - ja mit Gott, der handelt, der eingreift und uns stärkt. Gott der noch Möglichkeiten hat, wo wir längst am Ende sind und nicht mehr weiter wissen. Gerade an Ostern wird es uns verdeutlicht. Mit Jesu Tod am Kreuz ist Gott nicht am Ende. Die Auferstehung Jesu zeigt uns, dass es geht weitergeht, auch nach dem Tod. Und darum lassen sie uns solange wir atmen, hoffen oder wie es Paulus im Brief an die Römer schreibt: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.

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27. März

Wenn du nun gegessen hast und satt bist und schöne Häuser erbaust und darin wohnst, dann hüte dich, dass dein Herz sich nicht überhebt und du den HERRN, deinen Gott, vergisst.

5. Mose 8, 12 und 14

Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.

1. Thessalonicher 5, 18

Presbyter Christian Gerhardt, Hesselbach: Vor knapp 20 Jahren hat es in meinem Leben einen heftigen Kampf zwischen mir und meinem Gott gegeben, weil ich mit meiner damaligen Lebenssituation alles andere als zufrieden war! In Gebeten und Streitgesprächen mit meinem Gott forderte ich eine Erklärung für den Sinn meines Lebens. Wenn ich nun nach so langer Zeit zurück an diesen Tag, an diese Zeit denke, dann erfüllt mich die Antwort meines Gottes mit tiefer Dankbarkeit für die Veränderung in meinem Leben.

Lasst uns in den großen und kleinen Dingen, Ereignissen, Situationen - sogar in dieser verrückten Zeit - unseres Lebens, die Dinge heraussuchen für die wir dankbar sind. Lasst uns um Gottes Willen unsere Energie auf die positiven Dinge des Lebens richten, um diese Welt wieder ein klein wenig besser zu machen!

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26. März

Ich hatte dich gepflanzt als einen edlen Weinstock, ein ganz echtes Gewächs. Wie bist du mir denn geworden zu einem schlechten, wilden Weinstock?

Jeremia 2, 21

Bedenke, aus welcher Höhe du gefallen bist, kehr um zu den Werken des Anfangs.

Offenbarung 2, 5

Jugendreferentin Franzi Heß, Schwarzenau: Pflanze ist Pflanze. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das defintiv nicht stimmt. Ich übe noch an meinem grünen Daumen, aber ich weiß, dass jede Pflanze ganz eigen sein kann. Jede braucht etwas anderes. Die eine benötigt viel Wasser, eine andere ganz wenig, die eine Pflanze verzeiht mir nicht, wenn ich sie mal ein wenig vernachlässigt habe, eine andere ist da nicht so nachtragend. Am Anfang sehen alle Pflanzen gleich aus, doch das gleiche Aussehen bedeutet nicht, dass alle die gleiche Zuwendung benötigen.So ist es auch bei uns Menschen. Äußere Einflüsse machen uns zu dem, was wir sind. Jeder benötigt etwas anderes. Genau auf diese ganz individuellen Bedürfnisse sollten wir achten und genau hinschauen, was jeder einzelne grade braucht, um so wachsen zu können wie Gott es für und geplant hat.

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25. März

Du bist meine Hilfe; verlass mich nicht und tu die Hand nicht von mir ab, du Gott meines Heils!

Psalm 27, 9

Der Übeltäter sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.

Lukas 23, 42 und 43

Pfarrerin Simone Conrad, Wingeshausen: Tu' die Hand nicht von mir ab. Bitte, du bist doch meine Hilfe! Vor meinem inneren Auge sehe ich Hände, die mir schon so oft gereicht wurden, Hände, die mir geholfen haben: eine Hand, zur Versöhnung ausgestreckt. Eine Hand, die mir hilft aufzustehen, wenn ich gestolpert bin und gefallen. Eine Hand, die mir tröstend über den Kopf streicht, wenn ich Trost brauche. Eine Hand, die mir hilft, auf dem Weg voller Geröll nicht aus dem Tritt zu kommen und nach vorne zu gehen. Eine Hand, die beschützend einen Schirm über mir aufspannt.

Danke Gott, dass du mir deine Hand zur Hilfe reichst!

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24. März

Gott segnete Mann und Frau und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan.

1. Mose 1, 28

Alles ist euer, ihr aber seid Christi.

1. Korinther 3, 22 und 23

Pfarrerin Christine Liedtke, Girkhausen: Aus Segen soll Segen kommen. So war es von Gott gedacht. Der gesegnete Mensch darf die Erde bevölkern und sie sich untertan machen. In Gottes Auftrag steckt die Aufforderung, die Erde maßvoll zu nutzen und segensvoll in ihr zu wirken. Von Ausbeutung und Zerstörung war nie die Rede. Darauf macht auch der dazu ausgewählte Vers des Apostels Paulus aufmerksam. Es kommt auf die Perspektive an. Wir Meschen stehen nicht an oberster Stelle. Manchmal wird uns das schmerzlich bewusst. Wie kurz lebt der Mensch. Wie klein ist er. Und wie überheblich.

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23. März

Habe ich dir nicht geboten: Sei getrost und unverzagt?

Josua 1, 9

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

2. Timotheus 1, 7

Kirchenkreis-Archivar Dr. Johannes Burkardt, Bad Berleburg:Sei getrost und unverzagt“ spricht Gott dreimal zu Josua, als er ihm die Führung der Israeliten anvertraut. Der heutige Lehrtext ergänzt: Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit geschenkt. Wir fragen uns wohl alle, was uns mehr ängstigt: Alltagssorgen, die bedrohliche Seuche oder die unterschiedlichen Ansätze, die Krise zu meistern? Die Bibel weist den richtigen Weg: wir sollen nicht Furchtstarre fallen, sondern mit Besonnenheit, klarem Kopf und mit Blick auf das Wohl aller unseren Weg gehen. Und wir dürfen das mit kritischem Vertrauen auch den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung zugestehen. Ich liebe die Schrift für so kraftvollen Zuspruch!

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22. März

Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten.

Psalm 34, 7

Wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.

Lukas 11, 10

Jugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen: „Gegensätze ziehen sich an“ heißt es. Und auch unsere Verse heute sind voller Gegensätze. Einerseits wird vom Elend, Bitten, Suchen und Anklopfen erzählt. Anderseits hören wir von Hilfe, vom Empfangen, Finden und Auftun. Das eine zeigt unser menschliches Erleben und wirkt ein wenig rastlos. Dem gegenüber steht das göttliche Handeln. Gott der in allen Lebenslagen, Krisen und Leid-Erfahrungen gegenwärtig ist und der uns das gibt, was uns in der jeweiligen Situation hilft. Den Blick auf Gott zu richten, möchte uns Mut und Kraft geben und Hoffnung wecken.

Gegensätze ziehen sich an. Was wären wir Menschen wohl ohne Gott? 

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21. März - Angedacht

Pfarrer Thomas Janetzki, Wingeshausen: Wohin kann ich fliehen mit meiner Unsicherheit und wohin soll ich gehen mit meiner Angst - eine Frage, die so auch aus der Bibel stammen könnte. In der Zeit der Corona-Pandemie stehen wir jeden Tag wieder vor solchen bedrängenden Fragen: Was wird aus unserer gespaltenen Gesellschaft, die in so vielen Hinsichten auseinanderdriftet? Welche Folgen wird das alles für die Wirtschaft und die Arbeitsplätze hier mit sich bringen? Was wird aus meinem Leben, wenn Corona nach mir oder meiner Familie greift?

Auf einmal ist unser Glauben an die menschliche Macht dahin, und wir sind durch Sorgen und Ängste wie eingesperrt, wollen aber gleichzeitig aus diesem inneren Gefängnis ausbrechen, sehnen uns nach Nähe und der Gesellschaft anderer, nach der Normalität von früher…

Was ist aus unseren Hoffnungen auf Gesundheit, Sicherheit, Erfolg und Glück seit dem Beginn des vergangenen Jahres geworden? Und: Wie lange können wir Menschen in einer solchen Situation leben, ohne innerlich und äußerlich Schaden zu nehmen?

Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ - diese Frage kann man in der Bibel im Psalm 4 lesen. Es ist die Frage eines Menschen, der damit deutlich macht, dass er sich in einer Not befindet, dass ihm oder ihr etwas fehlt. Wichtig ist dabei: Der Beter oder die Beterin in Israel sind nicht allein. Die Fragen, das Lob, die Klage in den Psalmen sind immer verbunden mit denen vieler anderer. In allen Nöten und Zweifeln gilt: Uns alle verbindet die Erfahrung unseres Glaubens, das feste Vertrauen auf Gott und seine Liebe zu uns. Das entscheidend Gute im Leben können wir nur von Gott erwarten.

Was bedeutet das für uns jetzt und hier? Für mich stellt es klar, wohin wir mit unserer Unsicherheit und unseren Ängsten kommen können: Zu Gott, von dem die Bibel immer wieder sagt, dass seine Liebe auch die größte Dunkelheit erhellt. Diese Erfahrung schlägt sich gerade auch in unserem Psalm 4 nieder: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ Ein paar Zeilen später heißt dann die Antwort: „Allein du, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne.

Da ist jemand, der mich sieht, der mich begleitet - nicht nur an den guten und schönen Tagen in meinem Leben, sondern gerade in Zeiten wie jetzt. Wenn wir in dieser Gewissheit leben, werden wir erleben, wie Gott uns in unserer Lebenssituation, wie immer sie auch sein mag, bewahrt. Das ist die neue Perspektive der Christen, die in allen Finsternissen, Unsicherheiten und Sorgen um die Zukunft Gott in seiner Güte und Zuwendung erfahren. So können sie vertrauensvoll mit ihm ihren Weg gehen und bleiben in seiner Hand in allen Höhen und Tiefen geborgen. Sie wissen sich unter seinem Schutz und haben Hoffnung für die weitere Geschichte Gottes in ihrem Leben und die Geschichte der ganzen Welt. Er wird uns Gutes sehen lassen!

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20. März

Gideon sprach zu dem Engel des HERRN: Ist der HERR mit uns, warum ist uns dann das alles widerfahren?

Richter 6, 13

Jesus war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?

Markus 4, 38

Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer, Raumland: „Wieso ist uns das widerfahren?“ oder „Wieso tut Gott mir sowas an?“ Die Frage Gideons ist die Frage von Menschen damals, wie heute. Gott wird so als ein Schicksalsgott gesehen, vor dessen willkürlichen Schlägen ich mich nur noch ducken kann und hoffen, dass es mich nicht zu schlimm erwischt. Doch Gott ist nicht der Schicksalsgott, der auf uns einschlägt. Gott ist der liebende Vater, dem ich mich anvertrauen kann und bei dem ich Hilfe in der Not erfahre. Denn Gott kann nicht zum Bösen verführt werden. Seine Antwort auf das Leid in der Welt ist das Leiden seines Sohnes für uns.

Das glaubende Herz darf klagen: „Fragst du nicht danach wie es mir geht?“ Und es darf sich in der Klage gewiss sein, dass Gott da ist und hilft. Auf mein Gebet, das die Last des Lebens vor ihn bringt, antwortet Gott mit dem Geschenk der neuen Gewissheit seines Beistandes.

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19. März

Haltet meine Satzungen und tut sie; ich bin der HERR, der euch heiligt.

3. Mose 20, 8

Jesus spricht: Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.

Matthäus 7, 24

Pfarrer Dieter Kuhli, Bad Laasphe: Baut euer Lebenshaus nicht auf Sand! Beim ersten Unwetter, beim nächsten Sturmwind oder Platzregen würde es zusammenbrechen. Jesus, der Bergprediger, meint seine Warnung ernst. Sie ist die Konsequenz der Seligpreisung, mit der der Mann aus Nazareth seine berühmte Bergpredigt beginnt: „Selig sind, die da geistlich arm sind - die arm sind vor Gott und darum wissen! -, denn ihrer ist das Himmelreich.“ (Matthäus 5, 3) Lassen wir uns das gesagt sein. Und richten wir uns im Alltag daran aus. Dann werden wir - so hoffe ich zuversichtlich - auch im Kleinen erfahren, was Richard von Weizsäcker, der frühere Bundespräsident, zugleich für die Welt als Ganze erwartet: „Die großen Konflikte der Zeit wären lösbar, wenn wir Menschen die Kraft fänden, persönlich und politisch gemäß der Bergpredigt zu handeln.“

Schenke mir, Gott, den Glauben, der tief im Herzen wurzelt. Lehre mich, auf dein Wort zu hören und es zu tun. „Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“ (Markus 9, 24) Amen.

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18. März

Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.

Sprüche 16, 9

Nicht dass wir tüchtig sind von uns selber, uns etwas zuzurechnen als von uns selber; sondern dass wir tüchtig sind, ist von Gott.

2. Korinther 3, 5

Pfarrer Peter Liedtke, Girkhausen: „Wenn ich einmal groß bin…“, „Wenn ich mein eigenes Geld verdiene…“, „Wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind…“, „Wenn ich im Ruhestand bin…“ - mit solchen Sätzen fangen wir an, wenn wir nach unseren Träumen und Lebensplanungen gefragt werden. Mit einiger Lebenserfahrung im Gepäck wissen wir aber, dass es oft ganz anders kommt. Und als Erläuterung verweisen wir dann auf das Wort der heutigen Losung. Gott hat andere Pläne und dem müssen wir uns beugen. So deuten wir dieses Bibelwort.

Für mich ist aber das Wort aus dem Buch der Sprüche keine Einladung zum Fatalismus. Ich höre eher heraus: „Habe Deine Pläne, Deine Träume. Strebe ihnen nach. Doch ich will mit Dir gehen und dafür sorgen, dass Du am Ende Deines Weges sagen kannst: Es kam anders, aber es war gut so wie es kam.“

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17. März

Du bist ein Gott, der mich sieht.

1. Mose 16, 13

Der Zöllner stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!

Lukas 18, 13

Pfarrer Dr. Andreas Kroh, Wolzhausen: Von anderen Menschen beachtet und gesehen zu werden, das ist ein besonderes Thema unserer Zeit. Im Grunde sind die sogenannten sozialen Medien ein Ausdruck dafür. Menschen wollen sich mitteilen, sie wollen wahrgenommen werden in ihren Hobbys, in ihrer Freizeitgestaltung oder auch in ihrem Beruf. Der biblische Impuls lenkt die Aufmerksamkeit darauf, dass ich mir klar darüber werde, dass Gott mich sieht. Gott ist ein Gott, der mich und mein Leben sieht. Von Gott gesehen zu werden, das bedeutet auch, dass Gott uns Menschen beachtet, wir fallen vor Gott durch kein Raster. Wir sind für Gott wichtig!

Danke, guter Gott, dass du uns Menschen siehst und Du uns Beachtung schenkst.

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16. März

Lass mich deine Herrlichkeit sehen!

2. Mose 33, 18

Philippus spricht: Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns. Jesus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch, und du kennst mich nicht, Philippus? Wer mich sieht, der sieht den Vater.

Johannes 14, 8 und 9

Pfarrer Steffen Post, Bad Laasphe: Gottes Herrlichkeit sehen!? Ja, am liebsten mit Pauken und Trompeten, mit rotem Teppich und vor vielen Fernsehkameras, live und in Farbe als Durchgreifer, Pandemiebezwinger und Weltaufräumer. In Jesus setzt Gott Zeichen: Mit Windeln und Krippe in Bethlehem, mit einem Stück Brot und einem Schluck vom Saft der Trauben am Abendmahlstisch, mit Kreuz und leerem Grab an Karfreitag und Ostern. So zeigt er sich: Menschlich, fürsorglich, verletzlich. Mitten drin, statt nur dabei. Einfach herrlich, herrlich lebensnah.

Darum will ich bitten: „Lass uns deine Herrlichkeit sehen auch in dieser Zeit. Erbarm dich, Herr.“ (Christian David, Ev. Gesangbuch 262, 6)

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15. März

Unser Gott, den wir verehren, kann uns erretten aus dem glühenden Feuerofen. Und wenn er's nicht tut, so sollst du dennoch wissen, dass wir deinen Gott nicht ehren und das goldene Bild nicht anbeten werden.

Daniel 3, 17 und 18

Wir können's ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.

Apostelgeschichte 4, 20

Pfarrer Thomas Janetzki, Wingeshausen: Kennen Sie das? Einen faszinierenden Film gesehen zu haben, ein tolles Lied gehört, ein megagutes Buch gelesen - und davon muss man jetzt jemandem erzählen: „Das musst Du auch erleben, glaube mir!“ So ähnlich geht es Petrus mit der guten Nachricht von Jesus, die er einfach weitergeben muss, auch wenn es wie hier vor dem Hohen Rat gefährlich ist.

Ich wünsche mir, dass wir das auch so vermitteln können: „Wenn Du da nicht dabei bist, dann verpasst Du etwas!“ Es wäre doch schön, wenn wir auch so überzeugend wären als Kirche; so voller Begeisterung, dass wir einfach von Jesus erzählen müssen, oder?

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14. März - Angedacht

Pfarrerin Christine Liedtke, Girkhausen: Es ist schon merkwürdig: Kaum lässt sich der Frühling auch nur ansatzweise blicken, geraten wir in Unruhe. Es ist, als ob mit den ersten Trieben und Schösslingen, die durch die Erde brechen, auch in uns eine Kraft und Stärke freigesetzt wird, die sich entladen will. Und sie entlädt sich - im Frühjahrsputz! Die Sonne hat es zutage gebracht: Die Fenster müssen dringend geputzt werden; die Glasböden der Vitrine haben Staub angesetzt; und: Spinnweben sind in der Zimmerecke. So bewaffne ich mich mit Eimer und Schmierseife, mit Tüchern und Trittleiter und rücke so manchem Schmutz zu Leibe.

Und während ich das tue, kann ich meine Gedanken frei schweifen lassen. Und plötzlich kommt mir in den Sinn: Das wäre doch mal gut, so ein Frühjahrsputz für mein Inneres! Wie viel hat sich da angesammelt, gerade in den letzten Monaten, was dringend entfernt werden muss. Da sind die düsteren und dunklen Gedanken, die mich Schlimmstes für unsere Gesellschaft erwarten lassen.  Da ist die Unzufriedenheit, die sich spinnwebartig über mein Gemüt gelegt hat. Da ist ein Stück Aggressivität - sie hat sich gut versteckt, aber ich spüre sie doch auf. Da ist das graue Tuch der Depression - wollte ich es nicht längst mal gegen etwas Farbenfrohes austauschen? Wenn ich mich so an den Frühjahrsputz in meinem Inneren heranwage, entdecke ich, je genauer ich hinschaue, umso mehr Unschönes. Da hat sich viel im Dunkeln verborgen. Sind wir nicht „Kinder des Lichts“, wie es im Ersten Thessalonicher-Brief (Kapitel 5, Vers 5) heißt? Aber tritt in diesem Licht nicht all das Unschöne noch deutlicher hervor?

Beim Putzen im Bad fällt mein Blick in den Spiegel. Neulich hat ein Pastor gesagt: „Glauben heißt: sich nicht im Spiegel betrachten, sondern mit den Augen Gottes, mit den Augen der Liebe.“ Ich versuche, mein Spiegelbild mit den Augen der Liebe zu betrachten. Das hat etwas Befreiendes und Reinigendes. Es hat etwas von Frühjahrsputz. Wenn ich mich selbst sehen kann als die, die von Gott voller Liebe angesehen wird, dann wird meine Angst um mich selbst kleiner. Diese Sicht macht mich frei für Andere. Jesus hat uns vorgemacht, wie ein Leben aussieht, das nicht um das eigene Wohl kreist. Jesus lebte voller Liebe, er half und stärkte, heilte und tröstete. Wenn er sagt „Folge mir nach“, dann ist klar, was ich tun soll.

Ricarda Huch hat es knackig so ausgedrückt: „Liebe ist das einzige Gut, das wächst, wenn wir es verschwenden.“ Wenn der Frühling uns bald verschwenderisch mit Wachstum, Farben, Düften und Sonnenschein verwöhnt, dann können wir uns auf Huchs Satz besinnen und ganz einfach auch anfangen, verschwenderisch zu sein - mit tröstenden Worten, unterstützenden Taten und wohlmeinenden Gedanken, kurz: mit der Liebe!

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13. März

Der Mensch wirft das Los; aber es fällt, wie der HERR will.

Sprüche 16, 33

Ihr solltet sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.

Jakobus 4, 15

Pfarrerin Dr. Sandra Gintere, Winterberg: Wer von uns kennt noch das in der Vergangenheit durchaus vertraute und bekannte biblische Prinzip „sub conditione iacobea“, also unter der Bedingung des Jakobus? Steht das nicht im Widerspruch zu einem der wichtigsten Werkzeuge unserer Zeit, nämlich dem Terminkalender? Der Terminkalender ist Ausdruck unseres Selbstbewusstseins als denkende und planende Menschen. Wir planen unser Tun langfristig, über Wochen, Monate, oft über Jahre hinaus. Wir haben den Eindruck, dass wir unseren Lebenslauf ohne Einschränkung selbst planen, gestalten und verändern können. Aber Gottes Wort erinnert uns daran, dass wir eben nicht der alleinige Herr über unser Leben und unsere Zeit sind.

Unser heutiger Bibelexte will uns sagen, dass es kein Verbot des Planens gibt, sondern ein Gebot beim Planen: Mache dir bewusst, dass unsere ganze Lebensplanung nur etwas Vorläufiges ist, weil letztlich Gott darüber entscheidet, ob sie unsere Wirklichkeit wird oder nicht!

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12. März

Du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.

Psalm 22, 11

Wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.

Römer 14, 8

Laienpredigerin Monika Benfer, Bad Laasphe: Von allen Seiten umgibst du mich. Du warst da zum Beginn meines Lebens, du gehst mit mir auf den Lebenswegen und du wirst bei mir sein am Ende. Was sich anhört wie totale Kontrolle, Unfreiheit und an der Leine liegen, ist für mich das Leben. Leben mit Jesus an meiner Seite, mit jemanden, der mich so nimmt wie ich bin. Der alles von mir kennt und sich doch nicht abwendet. Der mir seine Hand gibt, wenn ich Hilfe brauche. Der für mich gestorben ist, damit ich frei bin und keine Angst haben muss vor dem Ende meines Lebens. Jesus ist meine Hoffnung, mein Halt, mein Trost, meine Freiheit, und deshalb kann ich mein Leben genießen.

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11. März

Du sollst den Fremden lieben wie dich selbst.

3. Mose 19, 34

Übt Gastfreundschaft.

Römer 12, 13

Pfarrerin Claudia de Wilde, Hemschlar: Wann immer man bei Ulle zu Besuch kam, gab es Kaffee und Zeit für ein Gespräch. Nie hatte jemand das Gefühl, dass es nicht passte. Menschen aus verschiedenen Nationen gingen bei ihr ein und aus. Jeder war willkommen. Ulle in Haapsalu, Estland, war der gastfreundlichste Mensch, den ich jemals kennengelernt habe. Dabei hatte sie für sich und ihre drei Kinder gerade das Nötigste zum Leben - deshalb gab es Kaffee und Plätzchen oft als Mitbringsel. „Den Fremden lieben wie dich selbst“ - sie hat das gelebt. Und manches wärmende Wort bleibt in Erinnerung. Danke, Ulle, für die gute gemeinsame Zeit!

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10. März

Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.

Jeremia 31, 3

Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

1. Johannes 4, 16

Pfarrer Henning Debus, Wallau: Ein Jahr lang leben wir schon unter der Fremdherrschaft eines unscheinbaren Virus. Viele Jahre lang lebten Jeremia und ein großer Teil des Volkes Israel unter der Fremdherrschaft der damaligen Großmacht Babylon.

Heute wie damals: Einschränkungen des Alltagslebens, gefährdete und zerstörte Existenzen, viele Tote, die Unsicherheit, wann es wieder besser wird.  Und: Wie wird die Zukunft aussehen?
Heute wie damals, „je und je“: Die Zusage Gottes, dass er seine Welt und seine Menschen liebt; so sehr, dass er uns bei sich haben will „aus lauter Güte“. Es liegt allein an uns, in seiner Liebe zu bleiben.

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9. März

Wenn ich auch im Finstern sitze, so ist doch der HERR mein Licht.

Micha 7, 8

Ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages.

1. Thessalonicher 5, 5

Pfarrerin Claudia Latzel-Binder, Bad Berleburg: Ich kann diese Bibelverse gerade jetzt im Frühling gut verstehen. Wir alle genießen es, dass es jeden Tag wieder etwas heller wird. Das Licht tut so gut. Wie herrlich ist es, sich einfach einmal in die Sonne zu setzen, Strahlen und Wärme zu genießen. Man ist gleich ein ganz anderer Mensch! Als Christ*innen sagen wir, Gott ist unser Licht. Auch in dunklen Zeiten von Pandemie und Lockdown können wir das erleben. Kinder dieses Lichtes können Gottes Licht reflektieren und diese Welt etwas heller, wärmer und schöner machen. Die Bibel zu lesen, zu beten oder Gottesdienst (wenn auch zur Zeit nur digital) zu feiern, heißt für mich, mich im Glauben in die Sonne zu setzen.

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8. März

HERR, du bist unser Gott, gegen dich vermag kein Mensch etwas.

2. Chronik 14, 10

Ich will mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf dass die Kraft Christi bei mir wohne.

2. Korinther 12, 9

Presbyter Christian Schneider, Schwarzenau: Wie gut ist es, jemanden an seiner Seite zu wissen; in guten wie in schweren Zeiten. Und wie viel besser ist es, jemanden an seiner Seite zu wissen, der allmächtig ist. Nicht nur Menschen sind gegen unseren Gott machtlos, sondern alles, was wir kennen, und auch alles, was wir uns nicht einmal vorstellen können. Das Wissen um Ihn und das Vertrauen in Ihn sind die einzigen Hürden, die zu überwinden sind. Dahinter erwartet uns Unvorstellbares.

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7. März - Angedacht

Pfarrer Jaime Jung, Erndtebrück: Ich war schon seit langer Zeit nicht mehr beim Friseur, aber das stört mich nicht. Irgendwie habe ich mich an mein Erscheinungsbild mit längeren Haaren gewöhnt. Ganz besonders heben sich jetzt die grauen Haare heraus, die sich weder vermeiden noch verstecken lassen. Wir haben Frieden miteinander geschlossen. Sie gehören zu mir und zu meiner Lebensgeschichte. Diese Erkenntnis macht alles viel einfacher: Ich werde nun älter. Punkt. Und ich bin dankbar dafür!

Über das Altwerden gibt es viele Redensarten: „Alter: das ist immer noch das einzige Mittel, das man entdeckt hat, um lange zu leben“, „Jeder will alt werden, aber keiner will alt sein“, „Ich habe meine Falten so mühsam erworben, deshalb will ich sie auch behalten“. Irgendwo dazwischen befinden wir uns selbst. Man wird älter und damit ist man mal auf der heiteren Seite des Lebens, mal auf der etwas traurigen.

Viel wichtiger als die Antwort auf die Frage „Wo sind all die Jahre geblieben?“ ist es, dass eine möglichst positive Einstellung zum Leben erhalten bleibt - auch wenn das nicht immer einfach ist. Eine Voraussetzung für ein erfülltes Leben ist letztendlich das Staunen und die Freude über die kleinen Dinge, so wird jeden Tag zum Geschenk. Und - ganz wichtig dabei - das Vertrauen zu Gott: Wie eine Brücke über alle Ängste und Zweifel. Eine Brücke, die einen aushält und trägt und vorwärts gehen lässt. Und das trotz aller wilden Wasser, die unter einem toben.

Altern und reifen zu dürfen, Erkenntnisse zu gewinnen, das alles ist wie eine Schatzkiste. Die Zahlen, die auf der Geburtsurkunde stehen, sind nicht relevant. Zum Verständnis von Jung und Alt ist es wichtig, dass man seine Schatzkiste immer wieder öffnet und feststellen kann, was man schon alles sammeln durfte. Und davon zu erzählen. Warum? Weil das den Jüngeren auf dem Weg zum Älterwerden hilft. Weil das zur Besonnenheit beitragen kann: Wie viel durfte ich schon erleben, wie viele Freuden und Überwindungen gehören in meine Schatzkiste! Das Erzählen aus dem eigenen Leben kann einem selbst guttun und andere ermutigen und inspirieren.

Auch in der Bibel ist das graue Haar ein eindrückliches Bild für die Weisheit des Alters, die ich mir sehr wünsche. Zu dieser Weisheit jedes Menschen gehören zwei Dinge: Zum einen die Dankbarkeit für das, was gewesen ist. Es ist nun mal so, dass man das Vergangene nicht mehr ändern kann. Aber man kann Frieden damit schließen und sagen: Es war gut so! Und dabei lässt man los und erleichtert das eigene Herz. Zum anderen die Gelassenheit vor dem, was kommen wird. Egal in welcher Lebenslage, wünsche ich mir und Ihnen so viel Gottvertrauen, dass wir sagen können: Was immer auch kommt, ich kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hände.

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6. März

Die Völker werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.

Jesaja 60, 3

Dein Reich komme.

Lukas 11, 2

Verwaltungs-Mitarbeiter Michael Rose, Lützel: Aus Winter wird Frühling - gaaanz langsam… und spannend zu beobachten, wie ich finde. Etwas mehr Leben, etwas mehr Glänzen, etwas mehr Sonne, Licht bricht durch. Gottes Licht möchte auch durchbrechen; mitten hinein in unseren Alltag. So wie damals bei Gottes gewaltiger Vision bei Jesaja: Mitten hinein in die Probleme der Israeliten beim Aufbau des Tempels und mitten hinein in die Angst wegen der Bedrohung durch die Feinde.

Gottes Reich bricht sich Bahn. Auch wir können es heute schon erkennen, erleben und uns dran erfreuen. Es wird hell und prächtig sein. „Dein Reich komme“ muss also nicht nur eine der Bitten im „Vater unser“ bleiben, sondern kann zu einer Freude und Hoffnung werden, die unser Leben prägt und neu auf Gott und seine Herrlichkeit ausrichtet.

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5. März

Der Name des HERRN ist ein starker Turm, der Gerechte eilt dorthin und findet Schutz.

Sprüche 18, 10

Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!

Philipper 4, 6

Pfarrerin Berit Nolting, Berghausen:Heute wird auf der ganzen Welt der Weltgebetstag gefeiert. Christinnen aus Vanuatu haben den Gottesdienst für dieses Jahr erstellt. Und sie bitten uns, für sie und ihr Land zu beten. Wir bringen sozusagen ihre Bitten vor Gott und sind gleichzeitig dankbar für das schöne, so ferne Land. Wir können für die Menschen und Ihre Sorgen in den zahlreichen Gottesdiensten beten, die wir digital, über Fernsehen und Radio mitfeiern können. Aber auch ganz persönlich in unserm Gebet. Egal wann und wie. Es lohnt sich, sich an Gott zu wenden. Denn gemeinsames Beten hilft:

O Jesus, sei mein Kanu, das mich über Wasser hält im Meer des Lebens.
Sei das Ruder, das mir hilft, den Kurs zu halten.
Sei mein Bootsausleger, der mich hält in stürmischen Zeiten der Versuchung.
Lass deinen Geist mein Segel sein, das mich täglich trägt.
Mach mich stark, damit ich sicher paddeln kann auf meiner Lebensreise.
Aus Vanuatu

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4. März

Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.

Jeremia 29, 11

Es hat Gott gefallen, alle Fülle in Christus wohnen zu lassen und durch ihn alles zu versöhnen zu ihm hin, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz.

Kolosser 1, 19 und 20

Abenteuerdorf-Geschäftsführerin Silke Grübener, Mornshausen: Frieden verbinde ich mit Stille. Stille um mich herum - ohne Geschrei, ohne dass Menschen beleidigt, bedroht, verfolgt oder verletzt werden. Aber ich verbinde Frieden auch mit Stille ganz tief in mir drin - zufrieden sein, zur Ruhe kommen können ohne störende Einflüsse von außen. Gott hat Gedanken des Friedens für uns und will uns Zukunft und Hoffnung schenken. Damit mir dies immer wieder bewusst wird, brauche ich diese Stille, um mich sammeln zu können und um zu schauen, wie ich anderen von diesem Frieden weitergeben kann, so dass auch sie (wieder) Hoffnung bekommen.

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3. März

Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.

1. Mose 2, 18

Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Johannes 19, 26 und 27

Pfarrer Oliver Lehnsdorf, Oberndorf: In der Passionsgeschichte gibt es Inhalte, die einen besonders berühren können. Ein gutes Beispiel dafür findet sich meiner Meinung nach im heutigen Lehrtext. Es ist die Szene, wo Maria und Johannes bei Jesus sind, der am Kreuz hängt. In dieser bedrückenden Situation stiftet Jesus zwischen Beiden eine neue Gemeinschaft. Und dabei werden gleichzeitig auch zwei Kulturen miteinander verbunden. Denn Maria ist eine Judenchristin und Johannes ein Heidenchrist. Jesus ermutigt auch uns dazu, über alle Nationen, Kulturen und Grenzen hinweg gute Verbindungen aufzubauen und zu stärken. Dabei möge Gott uns immer wieder neu segnen.

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2. März

Lehre mich rechtes Urteil und Erkenntnis, denn ich vertraue deinen Geboten.

Psalm 119, 66

Wer ist weise und klug unter euch? Der zeige mit seinem guten Wandel seine Werke in Sanftmut und Weisheit.

Jakobus 3, 13

Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück: Komisch, nervig, mag ich nicht, altmodisch, anstrengend, lustig, gesellig, tut mir gut, mag ich total gerne, ganz weit vorne - so, oder so ähnlich sehen meine Schubladen aus, die ich im Kopf und auch im Herzen habe. Damit lassen sich prima Leute sortieren. Ein Blick genügt, zwei oder drei Worte gewechselt und schon hab ich mein Urteil gefällt. Und das nahezu für ewig. Ist bequem, aber nicht schön! Etwas Weisheit und Sanftmut täte da ganz gut. Denn da, wo ich mehr als einen Blick und die paar Worte wage, zeigen sich fast immer ein buntes Durcheinander und eine herrliche Vielfalt an Mensch und Beziehung. Da lohnt es sich doch, die Schublade mal auszukippen und alles neu zu sortieren.

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1. März

Jakob sprach zu Josef: Geh hin und sieh, ob's gut steht um deine Brüder und um das Vieh.

1. Mose 37, 14

Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.

Philipper 2, 4

Jugendmitarbeiterin Birthe Becker-Betz, Fischelbach: Jeder soll das Wohl des Anderen vor Augen haben, Solidarität zeigen, sich bemühen, nicht nur auf den eigenen Vorteil zu schauen. Alles so leicht gesagt. Dass es ganz anders gehen kann und Menschen es durchziehen nur für sich zu sorgen und das Ganze ohne mit der Wimper zu zucken, hat uns spätestens die Coronapandemie gelehrt. Angefangen beim Kauf von Toilettenpapier in rauen Massen, bis hin zum Unmut über die Verteilung der Impfstoffe. Ein ständiger Kampf um den eigenen Vorteil, immer in der Angst, nichts mehr abzubekommen.

Seid barmherzig und liebenswürdig, sorgt euch um euren Nächsten und werdet Jesus gleich. Als Christen ermutigt ihr euch gegenseitig und seid zu liebevollen Taten bereit. Gottes Geist bewirkt, dass ihr mitfühlende Liebe empfindet und sie euch in einer Gemeinschaft verbindet. Bleibt in der Liebe miteinander verbunden und haltet fest zusammen“ so ist es in Philipper 2 zusammengefasst. Eine Gebrauchsanweisung zum Leben miteinander, in Liebe und Rücksichtnahme. Nehmen wir das doch mit aus dieser Losung, als Motivation für unser eigenes Leben.

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28. Februar - Sonntags-Angedacht

Pfarrerin Claudia Latzel-Binder, Bad Berleburg: Die Friseure dürfen wieder öffnen und ich will die Gelegenheit beim Schopfe packen, das Thema „Haare und Glauben“ mit Ihnen anzudenken. Auch wenn mir persönlich die wuscheligen Köpfe zur Zeit des Lockdowns gut gefallen, ist für viele der Gang zum Cutdown ein wichtiges Zeichen für die schnittweise wiedergewonnene persönliche Freiheit.  „Du hast die Haare schön“ heißt es in einem bekannten Schlager recht prosaisch. Auf biblisch klingt das so: „Siehe, meine Freundin, du bist schön… Dein Haar ist eine Herde Ziegen, die herabsteigt vom Gebirge Gilead“ (Hoheslied 4, 1).

Das ist Poesie! Die Bibel beschreibt die Körperteile von Menschen insgesamt und eben auch die Haare nicht nach äußeren Kategorien wie rot, schwarz, blond, braun, borstig, lockig oder so, sondern viel mehr nach ihrer Funktion und Wirkweise. Die Haare dieser Frau strotzen demnach nur so vor Vitalität, strahlen Schwung, Dichte, Hüpfen und Bewegung aus und werden deshalb besungen. Ich finde es faszinierend, dass man, wenn man irgendwo hinten sitzt, bei Menschen ihr Alter an den Haaren abschätzen kann. Und das hängt nicht nur mit dem Schnitt oder der Farbe zusammen, sondern wie sie eben insgesamt wirken. Im traurigsten Fall eben wie ein paar letzte, lahme Ziegen, die den Berg herunterhinken. Bei manchen Krankheiten werden Haare stumpf oder dünn oder fallen sogar aus. Und auch Giftstoffe lassen sich bekanntlich in Haaren nachweisen. Ist es dann eine Haarspalterei, zu fragen, ob man uns allen - nicht nur den Erkrankten - die Coronazeit an den Haaren ansieht?

Vermutlich sieht man das manchmal schon. Eben, wenn sie nicht geschnitten wurden und die ursprüngliche Farbe wieder zum Vorschein kommt. Auch wenn man sich beim Home-Office nicht so ordentlich frisiert und beim Home-Schooling manches Mal komplett auf duschen, waschen, föhnen verzichtet. Was man aber nicht sehen kann sind all die Empfindungen dieser Zeit wie Sorge, Einsamkeit, Genervt-Sein. Wie tröstlich ist es, wenn Jesus sagt, dass jedes unserer (im Durchschnitt 100.000!) Haare von Gott gezählt ist „Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Haupt alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht!“ (Matthäus 10,30).

Das heißt doch: Gott weiß und kümmert sich auch um die kleinsten Dinge unseres Lebens, weiß warum welches Haar grau oder stumpf geworden oder ausgefallen ist. Er weiß, was uns bekümmert, uns den Schwung und die Lebenskraft raubt. Und er versteht auch, warum wir unsere Frisur so tragen, wie wir es tun, sie manchmal vernachlässigen oder besonders viel Wert auf sie legen. Er weiß auch um das, was äußerlich niemand sonst ablesen kann. Er weiß, was uns ärgert, besorgt, wovor wir Angst haben. Fürchtet euch nicht, sagt er. Das ist für mich die Haupt-Sache schlechthin. Gott kümmert sich um uns. Er geht mit uns durch diese haarige Zeit. Egal mit welcher Frisur - wir sind ihm wichtig. Das ist ein echter Trost.

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27. Februar

Wie ein Adler ausführt seine Jungen und über ihnen schwebt, breitete der HERR seine Fittiche aus und nahm sein Volk und trug es auf seinen Flügeln.

5. Mose 32, 11

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren.

Philipper 4, 7

Jung-Erwachsenen-Mitarbeiterin Bianca Brieseck, Erndtebrück: Wow, was für eine Vorstellung. Dieses Bild von einem Adler, wie er mit ausgestreckten Schwingen am Himmel fliegt, majestätisch und mächtig zugleich. Es wirkt beruhigend, wenn so jemand über einem schwebt und seinen Schutz zugesagt hat. Dann fühle ich mich nicht allein, dann kann ich sicher meinen Weg und meine Aufgabe angehen. Das ging den Israeliten damals so und das geht mir heute so. Ich darf die Gewissheit haben, so wie jeder andere auch, dass Gott mich begleitet und behütet.

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26. Februar

Siehe: Der die Berge gemacht und den Wind geschaffen hat, der dem Menschen sagt, was er im Sinne hat - er heißt »HERR, Gott Zebaoth«.

Amos 4, 13

Jesus betet: Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt.

Johannes 17, 6 und 7

Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück: Glaube kann Berge versetzen - so heißt es. Also, Glaube kann viel bewirken. Das ist doch ein schöner Gedanke. Und das Beste daran ist: Es steht nicht zur Debatte, wie viel Glaube man braucht, um einen ganzen Berg zu versetzen.

Es geht allein um die grundsätzliche Einstellung, die Haltung, überhaupt zu glauben. Wenn's mehr nicht ist?! Ironie off.

Glauben heißt für mich mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Zu fühlen, zu schmecken und zu sehen, wie freundlich der HERR ist. Und das ist überhaupt nicht einfach. Glaube kann Berge versetzen und ist so anstrengend wie ein 8000er ohne Sauerstoff.

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25. Februar

Du bist mein Schutz und meine Zuflucht, mein Heiland, der du mir hilfst vor Gewalt.

2. Samuel 22, 3

Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Römer 8, 38 und 39

Pfarrerin Claudia Latzel-Binder, Bad Berleburg: Auf dem Grabstein eines meiner Amtsvorgängers steht dieser Römerbriefvers. Auch zu meinen Lieblingsbibelworten gehört er und ich spreche ihn oft am offenen Grab und bei der Abkündigung von Verstorbenen im Gottesdienst. Dort wird für mich besonders deutlich, wie wunderbar diese Aussage ist. Wir alle sterben (nach langem erfülltem Leben oder plötzlich und viel zu früh). Nichts ist sicherer als der Tod, sagen wir. Doch! Mehr als sicher, nämlich gewiss ist Gottes Liebe. Sie ist Schutz und Zuflucht bei allem und in allem. Weder Mächte noch Gewalten, weder Pandemien noch Katastrophen können uns von der Liebe Gottes trennen. Denn er hält uns fest. Ganz sicher! Gewiss!

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24. Februar

Ihr sollt Brot die Fülle haben und sollt sicher in eurem Lande wohnen.

3. Mose 26, 5

Sie aßen alle und wurden satt und sammelten auf, was an Brocken übrig blieb, zwölf Körbe voll.

Matthäus 14, 20

Presbyter Christian Gerhardt, Hesselbach: Wow! Essen satt... und eine sichere Unterkunft! Was für eine Zusage! Wie viele Menschen auf dieser Welt wünschen sich das sooo sehr! Wenn ich mir das letzte Jahr so anschaue und zurückblicke, ertappe ich mich dabei, zu jammern und zu mosern über diese Sch...-Situation!  Es ist ja so einfach sich immer  nur zu beschweren! Aber wenn ich mal ehrlich zu mir selbst bin, dann geht es mir und meiner Familie trotz der Situation richtig gut. Wir haben alles, was wir brauchen, und sind gesund! Da ist mir klar geworden, dass ich für mich zwei Vokabeln in den letzten Jahren erfahren durfte: Zufriedenheit und Dankbarkeit. Wenn wir auf das vertrauen, was der Herr uns zusagt, und das in Dankbarkeit annehmen, dann können wir zufrieden sein und müssen nicht unstet jedem Kram hinterherrennen.

Vielen Dank für diese Zusage! Das beruhigt ungemein!

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23. Februar

Ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich!

Jesaja 6, 8

So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!

2. Korinther 5, 20

Prädikantin Traudel Stremmel, Berghausen: Gott spricht, Jesaja hört und antwortet - und lässt sich beauftragen für seinen Dienst. Wie so viele Menschen nach ihm. Gott spricht - immer noch: Hören wir ihn heute? Die Stille ist selten geworden in unserer lauten und hektischen Zeit. Manchmal ist sie auch nicht auszuhalten. Und antworten? Dass wir Gott antworten können, unterscheidet uns von allen anderen Mitgeschöpfen. Aber mit der Antwort tun wir uns schwer: Warum gerade ich? Andere können das viel besser.

Unser Leben in Wort und Tat ist Antwort auf Gottes Ansprache, die wir vielleicht mehr spüren als hören. Möge Gott uns einen Mut wie Jesaja schenken, sodass wir sagen können: Hier bin ich, sende mich als Botschafter für deinen Frieden.

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22. Februar

Hanna betete: HERR Zebaoth, wirst du das Elend deiner Magd ansehen und an mich gedenken und deiner Magd nicht vergessen?

1. Samuel 1, 11

Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.

Lukas 1, 46 bis 48

Prädikantin Christiane Petri, Hatzfeld: Frauengeschichten?
Die Vokabeln in diesen Texten und die Geschichten dazu lassen mich zunächst an die drei großen Ks denken: Kinder, Küche, Kirche. Hanna und Maria. Beide sprechen von sich als Magd, als Dienerin.  Die eine betet und bittet. Die andere betet und lobt. Denn die eine wünscht sich sehnlichst ein Kind, die andere dankt für die Gnade der guten Hoffnung, trotz aller Umstände. Aber beiden geht es in ihren Anliegen letztendlich darum, von Gott angesehen, beachtet und wahrgenommen zu werden bzw. worden zu sein.
Wenn Lebenspläne durchkreuzt werden, wenn alles anders kommt als erwartet oder Hoffnungen, Sehnsüchte und Wünsche sich nicht erfüllen, dann gibt es zwei Möglichkeiten:
Verzweifeln oder Vertrauen. Hanna und Maria haben sich für Vertrauen entschieden.
Glaubensgeschichten!

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21. Februar - Sonntags-Angedacht

Pfarrerin Simone Conrad, Wingeshausen: Heute ist der erste Sonntag der Passionszeit, vergangenen Mittwoch, am Aschermittwoch, hat die Fastenzeit begonnen. „Fasten, ernsthaft?“ bin ich gefragt worden. „Auf noch mehr verzichten? Ich verzichte doch schon auf so viel!“ Ja, wir verzichten auf viel: auf Nähe und Freunde, auf Umarmungen und gemeinsames Lachen, wir vermissen Unbeschwertheit und etlichen entschwindet die Lebensgrundlage, die sie trägt. Und ich merke: Ich werde so müde dabei, bin der erzwungenen Distanz überdrüssig, und möchte einfach nur noch, dass das alles endlich vorbei ist. Aus dem optimistischen „Gemeinsam schaffen wir das!“ zu Anfang der Pandemie ist eine teils perspektivlose murrende Unzufriedenheit geworden.

Und dann - dann habe ich mit meiner Freundin telefoniert, Pfarrerin in der Krankenhausseelsorge. Von den Mitarbeitenden im Krankenhaus ans Sterbebett eines Corona-Patienten gerufen. Sie hat mir von ihrem Dienst erzählt, den gemischten Gefühlen, die sie auf dem Weg ins Krankenhaus begleitet haben - und sie hat auch erzählt, wie gut es war, dass sie dort war. Gut für den Sterbenden, den anderen Patienten im Zimmer, gut für die Angehörigen, gut auch für die behandelnde Ärztin. Eine junge Ärztin, viele Stunden schon im Dienst, eigentlich sollte sie den Tag frei haben - aber sie musste einspringen, weil einige aus dem Ärzteteam selbst an Corona erkrankt waren. Zeit nur für ein kurzes Gespräch, sie musste weiter, der Dienst ruft. Was gesprochen wurde, ist vertraulich, aber ein Satz aus dieser Begegnung, ein Satz aus dem Mund dieser jungen Ärztin, der hat mich ins Herz getroffen. Denn auf die Frage, ob die Routine hilft bei ihrem schweren Dienst, hat sie geantwortet: „Man gewöhnt sich nicht daran, dass Menschen bei lebendigem Leib ersticken.“

Und auf einmal wusste ich wieder, warum ich verzichte. Und alles, was ich persönlich in Kauf nehme, erscheint so klein, so unbedeutend gegenüber dieser Aussage: „Man gewöhnt sich nicht daran, dass Menschen bei lebendigem Leib ersticken.“ Ja, ich bin es leid, ja, ich bin müde, ja, ich will nicht mehr. Aber ich weiß, dass es notwendig ist. Ich weiß, wofür. Und ich weiß auch, wohin Gott mich schickt: an die Seite der Schwachen. Da ist unser Platz.

Deshalb werde ich weiter verzichten - auf Nähe und Freunde, auf Umarmungen und gemeinsames Lachen. Ich tue das nicht gerne - nein, das wäre nicht ehrlich. Aber ich tue es überzeugt.

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20. Februar

Der HERR erlöste sie, weil er sie liebte und Erbarmen mit ihnen hatte. Er nahm sie auf und trug sie allezeit von alters her.

Jesaja 63, 9

Wenn er das verlorene Schaf gefunden hat, so legt er sich's auf die Schultern voller Freude.

Lukas 15, 5

Presbyter Christian Schneider, Schwarzenau: Ein Gott voll Friede-Freude-Eierkuchen. Wie viele haben sich Ihn schon als gutmütigen Opa im Himmel vorgestellt, der keiner Fliege etwas tut und vielleicht sogar etwas vergesslich und leichtgläubig geworden ist. Doch schon im nächsten Vers, ergibt sich ein neues Bild: „Aber sie waren widerspenstig und betrübten seinen heiligen Geist; darum ward er ihr Feind und stritt wider sie.“ Ich zweifle nicht an Gottes Großherzigkeit und Vergebung, aber auf der Nase herumtanzen lässt er sich sicher heute wie damals nicht! Ich glaube unser Bild von Gott hat mit der Zeit manch unverdientes Fältchen bekommen.

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19. Februar

HERR, du hast angefangen, deinem Knecht zu offenbaren deine Herrlichkeit und deine starke Hand.

5. Mose 3, 24

Gott wollte kundtun, was der herrliche Reichtum dieses Geheimnisses unter den Völkern ist, nämlich Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.

Kolosser 1, 27

Pfarrerin Christine Liedtke, Girkhausen: Offenbarungen sind etwas, auf das wir kein Anrecht haben. Sie werden uns geschenkt. Wenn sie uns von Gott zuteil werden, so bleiben sie vorläufig, weil unser kleiner Verstand die Gedanken Gottes nicht in ihrer Fülle erfassen kann. Aber immer wieder spricht Gott zu uns, offenbart uns, dass er unsere Nähe sucht und will. In Jesus Christus, dessen Leidensweg wir in diesem Wochen nachsinnen, hat Gott uns offenbart: Ich liebe euch, meine Menschen-Geschöpfe, bis zum eigenen Tod. Ich liebe euch und will euch nicht verlieren, auch an den Tod nicht. Darum besiege ich mit meiner Liebe den Tod. Ihr sollt leben!

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18. Februar

Herr, hab ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so geh nicht an deinem Knecht vorüber.

1. Mose 18, 3

Jesus sprach zu Zachäus: Ich muss heute in deinem Haus einkehren.

Lukas 19, 5

Pfarrer Peter Mayer-Ullmann, Banfe: Auf verlorenem Posten stehen und sich nicht sicher sein, dass Gottes Gnade tatsächlich auch uns meint: Das gibt es also nicht erst seit Corona. Das gab es auch schon vor und nach Abraham und Zachäus und ist auch unserem Leben jenseits von Corona durchaus nicht fremd.

Wie hilfreich kann es da sein, wenn wir uns immer wieder gerne einbetten lassen in die Tradition einer mutigen und munteren Zuversicht oder auch in den Rhythmus des Kirchenjahres. So will uns ja gerade die gestern wieder begonnene Passionszeit mit allem Nachdruck vor Augen führen, dass Gott besonders dort in unserem Leben Einkehr halten will, wo Leid und Sorgen, Ängste und Schmerzen sich breitmachen, auf dass dem Haus dieser Welt wie auch unserem ganz eigenen Lebenshaus Heil widerfährt.

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17. Februar

Du bist die Zuversicht aller auf Erden und fern am Meer.

Psalm 65, 6

Jesus Christus ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.

1. Johannes 2, 2

Claudia Seyfried, Girkhausen: Unser Leben spielt sich zur Zeit auf sehr kleinem Raum ab: im eigenen Haushalt, im Homeoffice und Homeschooling, in der seltenen Begegnung mit sehr ausgewählten Kontakten. Manchmal hat man das Gefühl, die Welt um einen herum ist geschrumpft. Zuversicht ist das, was wir in dieser Situation brauchen. Das Wort „Zuversicht“ kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet „ehrfurchtsvolles Aufschauen“. Der zuversichtliche Blick aus unserer kleinen Welt heraus nach oben zu Gott und in die Weite zu unseren Brüdern und Schwestern in der ganzen Welt tut gut und eröffnet neue Perspektiven.

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Claudia Seyfried ist Mitarbeiterin des Archivs der Evangelischen Kirche von Westfalen.


16. Februar

Alle Völker auf Erden sollen erkennen, dass der HERR Gott ist und sonst keiner mehr!

1. Könige 8, 60

Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen? Denn du allein bist heilig! Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor dir, denn deine Urteile sind offenbar geworden.

Offenbarung 15, 4

Erzieherin Angelika Krämer, Niederlaasphe: Haben nicht schon alle Völker auf Erden die Macht Gottes auf Erden gespürt? Und das bereits seit tausenden von Jahren? Bei schlechten Ereignissen haben Sie gedacht, Gott ist zornig, und sich gefürchtet. Wenn alles gut lief haben sie Gott gelobt.  Aber wenn Gott die reine Liebe ist, wie kann er dann zum Fürchten sein? Menschen aus allen Völker erleben die Schönheit der Schöpfung und sind immer wieder tief beeindruckt. Wenn sie zum Himmel schauen sehen sie es im Äußeren. Wenn sie nach innen schauen sehen sie es in sich selbst. Die Kunst ist, Beides miteinander zu verbinden und in tiefen Kontakt zu treten, damit alle Menschen eins werden mit dieser Liebe. Denn Gott ist heilig.

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15. Februar

Die Israeliten sprachen zum HERRN: Wir haben gesündigt, mache du es mit uns, wie dir's gefällt; nur errette uns heute!

Richter 10, 15

So wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.

Lukas 15, 7

Jugendreferentin Franzi Heß, Schwarzenau: Einen alten Freund wieder treffen, mit dem man jahrelang keinen Kontakt hatte. Vielleicht hat man immer mal wieder dran gedacht, was für schöne Zeiten man zusammen verbracht hat oder wieviel Spaß man gemeinsam hatte. Nach einer Krise wieder zu Gott zu finden muss sich genau so anfühlen, wie einen alten Freund wieder zu treffen. Erleichterung, diesen Freund wieder bei sich zu haben. Diesen Freund, der immer ein offenes Ohr hat, der einen immer beschützt und nur das Beste für einen will.

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14. Februar - Sonntags-Angedacht

Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück: „Wenn mich die weltpolitische Lage deprimiert, denke ich immer an die Ankunftshalle im Flughafen Heathrow. Es wird immer behauptet, wir leben in einer Welt von Hass und Habgier, aber das stimmt nicht. Im Gegenteil, mir scheint, wir sind überall von Liebe umgeben. Oft ist sie weder besonders glanzvoll noch spektakulär, aber sie ist immer da. Väter und Söhne, Mütter und Töchter, Ehepaare, frisch Verliebte, alte Freunde. Als die Flugzeuge ins World Trade Center flogen, gab es unter den Anrufen der Menschen an Bord meines Wissens nach keine Hass- oder Rachebotschaften, es waren alles Botschaften der Liebe. Ich glaube, wer darauf achtet, wird feststellen können, dass Liebe tatsächlich überall zu finden ist.“

So hört man Hugh Grant als britischen Premierminister zu Beginn des Films „Tatsächlich… Liebe“. Dazu Bilder aus besagter Flughafenhalle. Man sieht, wie sich Menschen in den Armen liegen. Man sieht tatsächlich Liebe.

Mir gefällt ein Satz ganz besonders. Denn Liebe wird ja mit allerlei Erwartungen überfrachtet. Aber: Oft ist sie weder besonders glanzvoll noch spektakulär. Doch sie ist immer da. Liebe ist pur und rein, frei von Erwartungen und Konventionen. Kann das denn sein? Das passt doch so gar nicht zu dem, was zwischen Menschen abgeht. Auch nicht in dem Film. Ich hab‘ ihn schon oft gesehen und finde es jedes Mal aufs Neue empörend, wenn Alan Rickman Emma Thompson wegen Heike Makatsch betrügt. Also in ihren jeweiligen Rollen natürlich. Liebe kann also auch verblassen und müde werden. Oder eben in einem Strohfeuer enden.

Tatsächlich Liebe, das ist etwas, das gut zu Gott und uns Menschen passt. Gottes Liebe zu uns ist Fakt, eine Tatsache. In der Bibel wird viel über die Liebe geschrieben. Leidenschaftlich und voller Feuer ist sie, auch erotisch, so wie sie im Hohelied beschrieben wird. Aufopferungsvoll und bedingungslos, so steht es im Neuen Testament, so äußert sich Jesus über die Liebe: „Ihr sollt einander lieben - so wie ich euch geliebt habe.“ (Johannes 15, 12) Wir sind zuerst geliebt und sind deswegen überhaupt erst fähig, Liebe untereinander auszuteilen.

Heute ist der Tag der Liebe. Lasst ihn uns begehen. Neu und anders als sonst. Noch einmal so richtig grundsätzlich. Heute schenke ich dir ein Herz, um dir zu zeigen: Du bist geliebt! Total bedingungslos und voller Leidenschaft. Gott ist so richtig verliebt in dich. In mich auch. So sehr, dass er alles darangesetzt hat, dass die Menschen dieses großartige Geschenk der Liebe annehmen. Seine Liebe ist tatsächlich überall. Und ich will sie mit meinen Taten zum Leuchten bringen, lebendig und leidenschaftlich machen. Valentinstag 2021 - hab‘ ein Herz für dich und lass' dich lieben.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der halte unseren Verstand wach und unsre Hoffnung groß und stärke unsre Liebe!

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13. Februar

Gott sei uns gnädig und segne uns.

Psalm 67, 2

Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.

Johannes 1, 16

Pfarrer Oliver Lehnsdorf, Oberndorf: Was hat Gottes Segen zur Folge? Ich denke, dass dies vor allem der Glaube, die Hoffnung und die Liebe sind. Der Glaube basiert auf dem Vertrauen, dass Gott uns und die gesamte Schöpfung erschaffen hat, und dass er immer an unserer Seite ist und uns begleitet. Die Hoffnung besteht darin, dass Dinge gut werden können und dass unser Leben einen Sinn hat. Und die Liebe ist die Grundlage von allem Guten. Sie schenkt Gemeinschaft und hilft uns dabei, uns auch miteinander versöhnen zu können. Möge Gott uns segnen, so dass der Glaube, die Hoffnung und die Liebe immer wieder neu entstehen und wachsen können.

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12. Februar

Dünke dich nicht, weise zu sein, sondern fürchte den HERRN und weiche vom Bösen.

Sprüche 3, 7

Ein jeder prüfe sein eigenes Werk.

Galater 6, 4

Verwaltungs-Mitarbeiter Michael Rose, Lützel: Oftmals empfinde ich es als kostbar, eine klare Meinung zu hören und selbst eine eindeutige Meinung kommunizieren zu können. Und es kann ja gut sein, dass meine Gedanken echt klug und weise sind. Aber - vielleicht ja auch nicht! Bei aller Überzeugung bleiben Demut, Offenheit für die Sichtweise des Anderen und Zuhören Eckpfeiler, um z.B. Egoismus oder falschen Stolz zu vermeiden. Nicht so einfach - wie kann es gelingen? In Gottes Nähe, mit Gottes Hilfe, in Gehorsam und Vertrauen auf Gott und seine unbegrenzten Möglichkeiten. Also, machen wir uns auf in Gottes Nähe!

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11. Februar

Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade!

Micha 7, 18

Gott hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?

Römer 8, 32

Pfarrerin Berit Nolting, Berghausen:Wo ist solch ein Gott?“ - so beginnt die heutige Losung: Gott wo bist Du? - diese Frage wird mancher gearde stellen. Gott, wo bist Du in diesen Zeiten der Pandemie? Im Angesicht des Todes? Im Angesicht von Krankheit, Leid und Armut. Das ist aber gar nicht die Frage. Sondern: Wo ist solch ein Gott, wie du es bist? Gott ist da. Das steht für den Propheten Micha fest. Und er sagt auch gleich, was für einen Gott wir da haben. Einen gnädigen Gott, der Schuld erlässt, der nicht zornig wird. Der das Liebste, was er hatte, seinen Sohn, für uns gegeben hat. Wo ist so ein Gott wie Du? Er ist mitten unter uns und kennt uns ganz genau. Und weiß von daher auch, was wir brauchen. Nämlich seine Gnade!

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10. Februar

Himmel und Erde werden vergehen, du aber bleibst.

Psalm 102, 27

Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.

Hebräer 13, 8

Abenteuerdorf-Geschäftsführerin Silke Grübener, Mornshausen: „Jesus Christus gestern und auch heute und derselbe auch in Ewigkeiten. Fasse seine Hand, er will dich führen, er hält dich für alle Zeiten.“ Ein Zuspruch aus einem schon etwas älteren Lied aus meiner Kindergottesdienstzeit. Jesus hält mich auch in schwierigen Zeiten - wie ein Achterknoten, eine besonders sichere Schlaufe beim Klettern. Ein idealer Knoten, um sich anzuseilen, auch bei hoher oder mehrfacher Belastung. Ein fester Halt, auf den ich mich verlassen kann - immer wieder.

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9. Februar

Ich will rühmen Gottes Wort; ich will rühmen des HERRN Wort.

Psalm 56, 11

Dieses kostbare Gut, das dir anvertraut ist, bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt.

2. Timotheus 1, 14

Pfarrerin Claudia de Wilde, Hemschlar: Mit dem CVJM auf einer Jugendfreizeit in Finnland: urige Blockhütten mit Kamin am Saimaa-See, tägliche Bibelarbeiten, Schwimmen, Rudern, Lagerfeuer, Ausflüge sind unser Programm Anfang der 90er Jahre. Jetzt sind wir unterwegs nach St. Petersburg. Mit im Gepäck: 25 russische Bibeln, Einfuhr verboten. An der Grenze werden wir kontrolliert. Aber keine einzige Bibel wird entdeckt. So können wir sie weitergeben an Menschen in den Kirchen und auf der Straße. Ungläubiges Staunen und überschwängliche Freude sind die Reaktion. Eine Bibel ist ein Schatz. Gut, sich daran hin und wieder erinnern zu lassen.

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8. Februar

Die den HERRN lieb haben, sollen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht!

Richter 5, 31

Jesus betet: Ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast.

Johannes 17, 22

Pfarrerin Simone Conrad, Wingeshausen: Ach ja, die Sonne - wie ich mich nach ihr sehne! So viele kalte und trübe Tage, da brauche ich das Licht! Es schenkt mir Wärme und Energie, der Tag wird heller, die Zukunft leuchtet, der Weg wird klarer. So sollen wir Christenmenschen sein: leuchtend voller Begeisterung, mit Strahlkraft, die einlädt zu unserem Gott, voller Wärme, die wir weitergeben dürfen. Und all das, weil wir selbst aus dem Licht von Gottes Liebe leben.

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7. Februar 2021 - Angedacht

Pfarrer Peter Liedtke, Girkhausen: Ökumenischer Kirchentag 2021 in Frankfurt - viele haben dem dritten ökumenischen Kirchentag entgegengefiebert. Einander begegnen und Brücken bauen für ein weiter wachsendes Miteinander über alle Konfessionsgrenzen hinweg, das täte gut. Doch statt Begegnung „Face to Face“, gemeinsamem Singen aus dem Liederbuch und dem Anstehen vor bald überfüllten Hallen gibt es nun Kacheln und Soziale Medien.  Es geht uns bei Kirche so wie auch vielen Menschen in ihren familiären Planungen: Trauungen und Taufen können nicht stattfinden, runde Geburtstage im Wohnzimmer statt in der Schützenhalle, Schüleraustausch und Abi-Feten müssen abgesagt werden. Uns geht viel verloren, und etliches davon kann auch nicht nachgeholt werden. Doch die Traurigkeit angesichts der notwendigen Einschnitte ist nur eine Seite.

Die Losung des Kirchentages gibt einen Hinweis, wie wir mit der Situation auch umgehen dürfen. „Schaut hin“ heißt es in Markus 6, 38. Die Plakate dazu sind eine Frechheit - dachte ich zuerst. Auf dunkelblauem und rosa Hintergrund die Losung in einer verschwommenen Schrift. Im Eben-mal-drüber-Sehen kann man die Losung nicht lesen. Damit entsprach das Plakat so gar nicht meinen Sehgewohnheiten. Aber genau damit erklärt das Plakat, worum es in der Losung geht. Genau hinschauen und nicht nur flüchtig; sich Zeit nehmen, über das Dargestellte nachdenken.

Solche Haltung widerspricht den heutigen Leitgedanken. Wir sollen schnell und schneller hören, sehen und dann reagieren. Wer sagt „Darüber muss ich jetzt erst einmal nachdenken“, hat in unserer Zeit oft schon verloren.

In Wahrheit kommt es aber genau darauf an: Genauer hinzuschauen, intensiver nachzudenken, sich einzufühlen in Andere.

Im Moment stehen viele Veränderungen an, die über die Bewältigung der Krise hinausgehen. Und wir müssen hinschauen: Was dient unserem Miteinander? Welche Werte wollen wir pflegen? Welche neuen Haltungen gilt es einzuüben? Im Moment werden manche Fehler sichtbar, die wir bisher zudecken konnten. Fehler vor allem, wie wir mit Menschen umgehen. Welche Notlagen übersehen wir einfach? Welche Gaben, die uns gegeben sind, verstecken wir, um sie ganz allein für uns zu haben?

Bei der Brotvermehrung, aus der die Losung stammt, schauen die Jünger, was an Essen da ist. Fünf Brote und zwei Fische bekommen sie zu sehen. Doch als Jesus das Wenige teilt, schauen die Menschen noch einmal ganz genau bei sich selber hin. Manches Verborgene tritt zutage. Und siehe da, es reicht, dass alle satt werden.

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6. Februar

Hiob sprach zu Gott: Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum gebe ich auf und bereue in Staub und Asche.

Hiob 42, 5 und 6

Saulus umleuchtete plötzlich ein Licht vom Himmel; und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst.

Apostelgeschichte 9, 3 bis 5

Pfarrerin Barbara Plümer, Siegen:Darum gebe ich auf“ - darin steckt Ausgeliefert-Sein. Etwa komplizierten medizinischen Zusammenhängen. Virus-Varianten, dem Anmelde-Chaos bei der Impfterminvergabe. Das Virus diskutiert nicht mit mir. Hiob forderte: Gott, setz dich mit mir auseinander! Gott tat das. So erkennt Hiob seine Grenzen. Aber er erfährt: Gott nimmt mich ernst! Obwohl ich besserwisserisch war. Er bleibt aktiv. Dies nehme ich für mich mit: Ich bleibe dran, wie Hiob. Ich sehe ein: ich habe kein Patentrezept. Aber ich lasse mich nicht kalt stellen von einem Virus. Mit Hiob sage ich trotzig: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!

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Barbara Plümer ist die Gehörlosen-Seelsorgerin im Wittgensteiner Kirchenkreis.


5. Februar

Du hast meine Seele vom Tode errettet, meine Füße vom Gleiten, dass ich wandeln kann vor Gott im Licht der Lebendigen.

Psalm 56, 14

Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.

Apostelgeschichte 12, 7

Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer, Raumland: Wie geht das eigentlich, voller Zuversicht und mit positivem Blick auf den Tag und die Herausforderungen des Lebens zu blicken. Diese Frage ist für viele Menschen momentan nur schwer zu beantworten. Die Pandemie zehrt an den Kräften und den Reserven. Dies gilt besonders auch für das seelische Gleichgewicht. Der Psalmbeter gibt uns einen Tipp, wie ein solcher positiver Blick gelingen kann. Er schaut zurück auf die Erfahrungen, die er gemacht hat. Seine Erfahrungen sind für ihn mit dem Wirken Gottes in seinem Leben verbunden. So kann er die Kraft zum Weitergehen als Rettung seiner Seele und den sicheren Stand im Leben als Geschenk Gottes erkennen. Manchmal benutzt Gott auch, wie bei Petrus, seine Engel dazu, uns an das Heil zu erinnern, dass er uns geschenkt hat.

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4. Februar

Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.

Psalm 34, 19

Wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus.

2. Korinther 1, 5

Pfarrerin Dr. Sandra Gintere, Winterberg: In diesen Worten Davids aus dem 34. Psalm finden wir Zuspruch in besonders schwierigen Zeiten. Wenn die Lasten, die wir tragen müssen, uns alle Kräfte zum Leben rauben. Diese Worte trösten und ermutigen uns auch in alltäglichen Lebenssituationen. Gott ist immer in unserer Nähe, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Selbst in scheinbar ausweglosen Situationen dürfen wir uns auf IHN verlassen. Auch dann, wenn wir uns verzweifelt oder mutlos fühlen. Wir können darauf vertrauen, dass Gott schon längst neben uns ist. Gott ist immer nur ein Gebet weit von uns entfernt. Wir können mit IHN sprechen, IHN bitten und von IHM Hilfe erfahren.

Nichts, was wir erleben, kann uns von IHM trennen.

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3. Februar

Wie kann ein Mensch sich Götter machen?

Jeremia 16, 20

Wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns Einsicht gegeben hat, damit wir den Wahrhaftigen erkennen. Und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben.

1. Johannes 5, 20

Pfarrer Henning Debus, Wallau: „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott!“, hat Martin Luther gesagt. Heute gilt dieser Satz immer noch, vielleicht mehr denn je. Ein kleines Virus hat es innerhalb eines Jahres geschafft, unsere vermeintlichen Sicherheiten ins Wanken zu bringen. Für viele Menschen weltweit sind Sicherheiten weggebrochen. Unsere Welt wird sich nach der Pandemie verändert haben. Werden wir uns dann neue Götter machen, an die wir unsere Herzen hängen? Oder wird der Prophet Jeremia Recht behalten, wenn er betet: „Die Völker werden zu dir, Gott, kommen von den Enden der Erde“?

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2. Februar

Mein Wort wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.

Jesaja 55, 11

Gib deinen Knechten, mit allem Freimut zu reden dein Wort. Strecke deine Hand aus zur Heilung und lass Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus.

Apostelgeschichte 4, 29 und 30

Laienpredigerin Monika Benfer, Bad Laasphe: Im Moment gibt es Worte, die unseren Alltag bestimmen. Jeden Tag hören wir sie und sehnen uns nach anderen Zeiten ohne: Corona-Virus, Mutation, Impfung, Inzidenzwert, Lockdown, Kontaktverbot, Reisebeschränkung, Präsenzunterricht. Wie wunderbar ist es, dass wir unseren Tag mit ganz anderen Worten beginnen können, mit Worten aus dem Buch der Bücher: Heilung, Wunder, Trost, Gebet, Erlösung, Jesus Christus. Worte, die uns aufrichten, die uns gerade jetzt erreichen wollen. Worte, die uns Halt schenken und uns Mut machen.

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1. Februar

Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein?

1. Mose 18, 14

Die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben!

Lukas 17, 5

Pfarrer Dieter Kuhli, Bad Laasphe: Ernste Zeiten - Zeiten der Erschöpfung und der Niedergeschlagenheit - bedürfen der Heiterkeit. Davon erzählt die dramatische Geschichte von Abraham und Sara: Ihr gemeinsamer Auszug aus der Heimat, ihr allzu langes Warten auf das ersehnte Kind. Die Geschichte ist von Anfang an nur zum Lachen. Kein Wunder also, dass Sara schließlich „bei sich selbst“ lacht (1. Mose 18, 12). Und doch steht Gott zu seinem Versprechen: Schließlich wird Isaak geboren, das Kind der Verheißung. Sein Name bedeutet: „Gott hat mir ein Lachen zugerichtet“ (1. Mose 21, 6). „Sollte dem HERRN also etwas unmöglich sein?“ Warum, liebe Leserin, lieber Leser, sollte die Geschichte heute bei uns anders verlaufen?! Darum lassen Sie uns in unserer Corona-Erschöpfung und unserem zunehmenden Genervt-Sein auf Gott schauen und ihn darum bitten: „Stärke uns den Glauben!

„Ach Christus, sieh an, wie ich daliege und gefallen bin. Ach Christus, wie du selbst überwunden hast, so hilf mir auf, dass ich deine Hilfe spüre und fühle, damit mein Glaube stärker wird und ich deine Macht preise“ (Martin Luther).

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31. Januar - Angedacht

Pfarrer Martin Ahlhaus, Kierspe: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lukas 6, 36) - selten hat eine Jahreslosung so gut in die Zeit gepasst wie diese. Das lange vor der Corona-Pandemie ausgewählte Bibelwort für 2021 fordert auf, barmherzig zu sein: gelassen mit mir selbst, gnädig mit anderen, rücksichtsvoll mit der Schöpfung!

Wenn uns die globale Covid-19-Epidemie eins gelehrt hat, dann dies: Wie unberechenbar und gefährdet unser Leben ist und mit ihm all die Selbstverständlichkeiten in Familie und Freundeskreis, Schule und Beruf. Unbefangenes Begegnen und herzliches Umarmen, ausgelassenes Feiern und grenzenloses Reisen, unbegrenztes Wachstum und nimmersattes Wirtschaften: all das ist uns in den vergangenen Monaten abhandengekommen! Im Rückspiegel betrachtet erscheint uns das Leben vor der Pandemie wie ein Tanz auf dünnem Eis: Bis ins Detail verplant, von Ansprüchen gehetzt, auf Konsum gebürstet!

Nun lernen wir die dunkle Seite der Globalisierung kennen: Ein Virus, das sich nicht einfangen lässt, und Infektionen, die sich trotz Reiseverboten ausbreiten. Überall auf der Welt intensives Forschen und mühsames Erklären der Medizin, angestrengte und anstrengende Maßnahmen der Politik. Wie sollten da keine Fehler passieren und Ungereimtheiten entstehen? Wie sollte hier alles reibungslos und auf Anhieb klappen? Wer wollte dort über die Vermessenheit von gestern und die Verzweiflung von heute richten? Langsam lernen wir: Diese Krise werden wir nur gemeinsam meistern - in Deutschland, Europa und der Einen Welt - oder gemeinsam versagen!

Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“, sagt Jesus zu den Menschen, die ihm nacheifern. Lernt Geduld und Erbarmen, Rücksicht, Gnade und Liebe von dem Gott, der Mutter und Vater aller Menschenkinder ist! Dessen Herz für diese Erde schlägt und dem es an die Nieren geht, wenn Menschen hungern und leiden, einander Gewalt und Unrecht antun und die gute Schöpfung vor die Hunde geht. Darum habt Erbarmen, ein warmes, weites Herz: Für euch selbst und euer Leben; für eure nahen und fernen Nächsten; für diese ganze Welt, die Gott ins Herz geschlossen hat. Übt euch in Zivilcourage und Solidarität! Trachtet nach Gerechtigkeit und Frieden! Erbarmt euch der Benachteiligten und Ausgegrenzten! Sorgt für die faire Verteilung von Nahrung und Impfstoff in Süd und Nord und schützt diese Erde vor weiterem Raubbau in Ost und West!

„Seid barmherzig!“ - selten hat eine Jahreslosung so gut in die Zeit gepasst wie dieses Jesuswort in das begonnene Jahr. Bleiben Sie behütet und zuversichtlich, gesegnet und bewahrt!

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30. Januar

Alle deine Geschöpfe sollen dich preisen, HERR, alle, die zu dir gehören, sollen dir danken!

Psalm 145, 10

Die Erde, die den Regen trinkt, der oft auf sie fällt, und nützliche Frucht trägt denen, die sie bebauen, empfängt Segen von Gott.

Hebräer 6, 7

Pfarrer Peter Liedtke, Girkhausen: Segen ist eine Gabe Gottes an die Menschen. Und Menschen sind in meinem Denken - vielleicht auch in Ihrem - Aktive, Kreative. Der Lehrtext als Auslegung zur Losung holt uns herunter von diesem Sockel, auf dem wir uns gerne sehen. Oft sind nicht wir die Handelnden. Und doch kommt es auf uns an. Der, der uns in Dienst nimmt, braucht uns. Und darum segnet er uns. Das nimmt eine große Last von uns. Nicht unsere guten Taten zählen, sondern unsere Bereitschaft, Gott durch uns handeln zu lassen. Wie Bonhoeffer schreibt: „Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“

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29. Januar

Viele, die im Staub der Erde schlafen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande.

Daniel 12, 2

Der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn.

Römer 6, 23

Jugendmitarbeiterin Birthe Becker-Betz, Fischelbach: Der Tod kann plötzlich kommen, oder als Erlösung, nach langer Krankheit und schwerem Leid. In den Todesanzeigen bekommt man oft einen Eindruck von dem, was dem Tod vorausgegangen ist. Traurig ist es immer, und ich weiß nicht, wie ich persönlich damit zurechtkommen würde, wenn ich nicht den Glauben hätte und die Zuversicht, dass es weitergeht für uns. Das ist die Hoffnung, die wir als Christen haben dürfen. Gott sei Dank! Jesus ist für uns gestorben und hat uns befreit, damit wir ewiges Leben haben können, an seiner Seite.

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28. Januar

Jakob sprach: HERR, ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du an deinem Knechte getan hast.

1. Mose 32, 11

Jesus aber sprach zu Zachäus: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams.

Lukas 19, 9

Pfarrer Thomas Janetzki, Wingeshausen: Jakob richtet diese Worte an Gott, als er sich auf den Weg zurück nach Hause zu seinem Bruder Esau macht, den er zuvor gleich mehrmals betrogen hat. Er weiß genau, was er Gott zu verdanken hat, der ihn damals und bis zu diesem Tag trotz all seiner Taten nicht verlassen hat, sondern ihn weiter begleitet und sogar noch beschützt.

Mir macht diese Geschichte immer wieder neuen Mut, weil Gott uns eben nicht so behandelt, wie wir es verdienen, sondern unendlich gnädig zu uns ist.

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27. Januar

Die in ihrem Geist irren, werden Verstand annehmen, und die, welche murren, werden sich belehren lassen.

Jesaja 29, 24

Wenn es jemandem unter euch an Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der jedermann gern und ohne Vorwurf gibt; so wird sie ihm gegeben werden.

Jakobus 1, 5

Kirchenkreis-Archivar Dr. Johannes Burkardt, Bad Berleburg: Im Multimedia-Dschungel der Krisen- und Pandemiezeit möchte man verzweifeln: was ist Fakt, was Fake? Was ist eine zündende Idee, was Nebelkerze? Was ist berechtigte Klage in der Not, was nur Routine-Gemurre einer verwöhnten Konsumgesellschaft?

Jesaja kündigt uns eine helle und klare Zeit ohne diese Sorgen an. In ihr regieren Vernunft, Einsicht und Barmherzigkeit. Und Jesaja macht klar, dass wir diesen Zustand nicht aus eigener Kraft erreichen können. Er wird uns von Gott geschenkt. Auf ihn dürfen wir bis dahin hoffen, ihm dürfen wir uns anvertrauen. Das macht Mut am Morgen eines neuen Tages!

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26. Januar

Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?

Jeremia 23, 29

Jesus spricht: Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen; was wollte ich lieber, als dass es schon brennte!

Lukas 12, 49

Pfarrer Jaime Jung, Erndtebrück: Das Feuer hat Kraft und fasziniert zugleich. Die kleine Flamme einer Kerze kann Geborgenheit vermitteln und zur Andacht einladen. Anderseits kann ein großes Feuer Angst verbreiten und Schaden anrichten.

Wie das Feuer ist auch das Wort Gottes: Es hellt den Weg der Suchenden auf, es wärmt das Herz der Einsamen und bringt die Augen der Gläubigen zum Leuchten und Hoffen, auch inmitten großer Dunkelheit. Aber kein Mensch soll leichtfertig damit umgehen, sonst kann er Schaden in seinem Leben nehmen. Gott und sein Wort wollen ernst genommen werden. Das Feuer kann Edelmetalle zum Schmelzen bringen und was Neues entstehen lassen. So auch Gottes Wort in uns.

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25. Januar

Aber mit dir will ich nicht ein Ende machen. Ich will dich mit Maßen züchtigen, doch ungestraft kann ich dich nicht lassen.

Jeremia 30, 11

So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit.

1. Petrus 5, 6

Pfarrer Dr. Andreas Kroh, Wolzhausen: In der Geschichte des Volkes Gottes gab es immer wieder Höhen und Tiefen. Und immer wieder hat Gott sich als ein Du, ein Gegenüber erwiesen. Gott würdigt sein Volk dadurch, dass er zu ihm spricht. Wenn wir in der Gegenwart des Jahres 2021 dieses Propheten-Wort hören, dann können wir durch den Propheten Jeremia lernen, dass Gott daran interessiert ist, auch uns als seine Ansprechpartner zu haben. Und wir finden als Menschen des 21. Jahrhunderts in Gott auch heute unseren Ansprechpartner.

Gütiger Gott, bleib Du unser Ansprechpartner heute und morgen. Amen.

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24. Januar - Angedacht

Pfarrer Thomas Janetzki, Wingeshausen: In dieser Woche, nachdem der neue Präsident der USA sein schweres Amt angetreten hat, werden wir noch einmal mit der Frage nach der Wahrheit konfrontiert. Was war wahr von all den Gerüchten und Verschwörungstheorien im Vorfeld, im Verlauf dieser Wahlen? Woran halten sich diese Menschen, die das Capitol erstürmt haben, weil sie glaubten und glauben, dass man ihnen die Wahrheit vorenthält?

Gibt es eigentlich „die Wahrheit“ und wie gehen wir mit ihr um? Können wir Menschen sie überhaupt erkennen? Ist es nicht so, dass unsere Wahrheiten oft nur Teilwahrheiten sind, Halbwahrheiten und winzige Ausschnitte aus einem größeren Zusammenhang?

Wir haben leider in den zurückliegenden Jahren (aber nicht nur da!) auch immer wieder erfahren: Wenn man seine Sicht der Dinge oft genug wiederholt, selbst wenn es die größte Lüge und Irreführung ist, wird es für andere immer glaubhafter, wahrer. Insbesondere gilt dies, wenn es Wasser auf meine Mühlen ist, meine Meinung unterstützt. Wir Menschen sind nun mal so, dass wir uns dann gerne die Aussagen herauspicken, die uns gefallen und unsere Ansicht stützen. Das hat dann zwar mit der Suche nach Wahrheit nichts mehr zu tun, von der wie so gerne reden, aber wir biegen uns die Welt einfach so zurecht, dass sie uns passt.

Die Wahrheit über uns Menschen und unser Leben ist aber komplizierter, als wir es wahrhaben wollen, und oft genug widersprüchlicher, als es uns gefällt. Denn wir können sogar noch mit der Wahrheit lügen, großen Schaden anrichten und uns gegenseitig zutiefst verletzen.

Bedeutet das nun aber, die Suche nach ihr aufzugeben, sich sein kleines Weltbild so zusammenzubauen, wie uns in den Kram passt, und dann danach zu handeln? Ich bin fest davon überzeugt, dass es wichtig und richtig ist, um die Wahrheit zur ringen, um das, was richtig oder falsch ist - und sich dann für den richtigen Weg zu entscheiden.

Aber woran soll ich mich orientieren auf meiner Suche nach Wahrheit? An dem, der alle kennt und durchschaut, der auch in mein Herz bis auf den Grund blicken kann! Gott kennt uns und sieht uns ins Herz. Das Leben und Handeln Jesu, seine Worte weisen uns einen guten Weg. In ihm werden Wahrheit und Liebe zu Gott und den Menschen zusammengestellt und können uns Richtschnur sein. Denn aufrichtige Liebe und eine liebevolle Wahrheit können uns den Weg in unserem Leben weisen: den Weg zueinander und in eine bessere Welt, eine Welt des Friedens, eine mit mehr Wahrheit und Liebe. Das ist ein Traum, wie ich zugebe, aber einer, für dessen Verwirklichung es lohnt sich anzustrengen - finde ich! Denn: „Die Liebe freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit!“ 1. Korinther 13, 6

In diesem Sinne ein gutes Wochenende!

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23. Januar

So spricht der HERR: Es soll meine Freude sein, ihnen Gutes zu tun.

Jeremia 32, 41

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Lukas 19, 10

Pfarrer Peter Mayer-Ullmann, Banfe: Wenn wir wie Zachäus im Baum des Lebens sitzen und darauf warten, wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden, wenn wir wie der verlorene Sohn unser Leben scheinbar verspielt haben und nichts und niemand mehr so recht etwas mit uns zu tun haben will, wenn wir durch Corona oder anders wie einst Israel in der Verbannung sitzen, dann tut es gut, sich so wie heute daran erinnern zu lassen:
dass Weihnachten kein dreitägiger Spuk war und noch lange nicht vorbei ist, sondern immer schon wieder vor uns liegt,
dass Gott kein griesgrämiger Buchhalter ist, der zum Lachen in den Keller geht, sondern ganz offen, und sei es im hintersten Winkel von Palästina und in einem heruntergekommenen Stall, seine Freude daran hat, auch wenn es ihn sein Liebstes kostet, es uns gut gehen zu lassen und uns glücklich zu machen.

Wie befreiend, ermutigend und anleitend für den Umgang mit uns selbst und unserem Nächsten! Danke, Gott!

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22. Januar

Die Israeliten werden umkehren und den HERRN, ihren Gott, suchen, und werden mit Zittern zu dem HERRN und seiner Gnade kommen in letzter Zeit.

Hosea 3, 5

Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.

Philipper 2, 13

Prädikantin Christiane Petri, Hatzfeld: Haben Sie schon resigniert und erkannt, dass es auch in 2021 wieder nichts werden wird mit den guten Vorsätzen vom Jahresanfang? Schon bei Matthäus heißt es: „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“ Die menschliche Unzulänglichkeit betrifft eben auch das Glaubensleben. Ich gebe mir ja alle Mühe - ich will hoffnungsvoller sein, dankbarer, glaubensstärker. Dass Gott um meine Unvollkommenheit weiß, lässt mich gelassener damit umgehen, dass mir das immer wieder misslingt. In der Waagschale seiner Gnade zählt schon der Versuch, da bin ich mir ganz sicher.
Als ergänzenden Text im Losungsbuch findet man heute ein Zitat von Huldrych Zwingli: „Seinen Anfang nimmt der Glaube damit, dass der Mensch beginnt, an sich selbst zu verzweifeln und einzusehen, dass er auf Gott allein vertrauen muss.“

Gott-Vertrauen zu haben,  das ist mehr als ein guter Vorsatz für jeden Tag in diesem noch jungen Jahr!

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21. Januar

Gott der HERR machte den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.

1. Mose 2, 7

Johannes schreibt an Gaius: Mein Lieber, ich wünsche, dass es dir in allen Stücken gut gehe und du gesund seist, so wie es deiner Seele gut geht.

3. Johannes 1, 2

Jugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen: Können Sie sich noch daran erinnern, wie sie als Kinder mit Erde gematscht haben? Was sind nicht alles für Löcher und Erdhügel im Garten entstanden. Der Dreck klebte am Ende des Tages noch am ganzen Körper. Doch bei all dem Spiel mit Erde ist nie etwas Lebendiges entstanden. Die Erde musste stets von einem selbst bewegt werden. Sie war nur das Baumaterial in den eigenen Händen.

Und genau diese Erde benutzt Gott, um lebendige Menschen zu machen. Welch eine enorme Energie und Macht hier zum Vorschein kommt. Unfassbar, wie detailverliebt Gott auch das Nichtigste gebraucht, um Großes, Lebendiges entstehen zu lassen. Was für eine Demonstration seiner Macht.

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20. Januar

Du gibst meinen Schritten weiten Raum, und meine Knöchel wanken nicht.

2. Samuel 22, 37

Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.

2. Korinther 3, 17

Presbyter Christian Schneider, Schwarzenau: Zielstrebig. So wirkt David im heutigen Losungstext. In seinem Dankeslied spricht er auch von seinen Schritten - dank unserem Gott weit und gefestigt. Aber wohin führen sie? Im Text stellt David unerbittlich seinen Feinden nach.

Und heute? Ich glaube, dass Gott uns auch heute gefestigte Schritte gibt, wir aber oft vergessen damit auf seine Ziele zuzulaufen. Zuzulaufen auf Gottes Reich, Gemeinschaft mit Menschen und Gott, aber auch Feinden nachzustellen, die sich in Gier, Missgunst oder ähnlichem zeigen können. Das Ziel zu erkennen ist die Herausforderung, den Rest gibt Gott dazu. Siehst du es?

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19. Januar

Der HERR hat mich gesandt, zu trösten alle Trauernden.

Jesaja 61, 1 und 2

Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.

Matthäus 5, 4

Verwaltungs-Mitarbeiter Michael Rose, Lützel: Ermahnen, androhen, Gericht ankündigen - Gottes Prophet zu sein, war kein Zuckerschlecken! Aber da gab es ja auch diese frohe Botschaft von Gnade, Freiheit, Heil und Trost, die der Prophet Jesaja den Juden überbrachte. Gott sendet uns auch heute frohe Botschaft, er nimmt unsere alltäglichen Sorgen wahr, sieht Leid und Not und bietet uns Hilfe und Trost an; und Gott möchte auch uns - dich und mich - heute gebrauchen. Wo können wir ganz konkret für andere da sein und sie trösten? So muß letztlich Glückseligkeit im Leid keine bloße Theorie bleiben, sondern kann zu einer starken Erfahrung werden.

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18. Januar

HERR, du machst alles lebendig und das himmlische Heer betet dich an.

Nehemia 9, 6

Von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit!

Römer 11, 36

Jugendreferentin Franzi Heß, Schwarzenau: Bei der heutigen Losung ist mir ein Wort direkt ins Auge gesprungen: lebendig. Auf den ersten Blick erscheint mir im Moment wenig himmlisch und erst recht nicht lebendig. Läden sind geschlossen, Masken sind ein ständiger Begleiter und viele Freizeitaktivitäten sind nicht möglich... Lebendig kommt mir das nicht grade vor. Das ganze Leben wirkt ein bisschen eingeschlafen, und nach meinem Gefühl ist nicht so viel los wie sonst. Doch unser Glaube ist etwas Himmlisches. In der Zeit, in der keine Gottesdienste und auch sonst wenig stattfinden kann, liegt es an uns, unseren Glauben lebendig zu machen.

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17. Januar - Angedacht

Pfarrerin Silke van Doorn, Dreis-Tiefenbach: Sich auf den Weg machen hat viele Aspekte: Jetzt gerade sind unsere Wege beschränkt: Ein Virus macht es nötig, dass wir möglichst nicht reisen, keine weiten Wege machen. Da wächst die Sehnsucht nach der Ferne. Verreisen wird für viele noch lange ein Traum bleiben. Doch haben wir Zeit für innere Aufbrüche. Darauf geworfen, ganz bei uns zu sein, entdecken wir Neues.

In den Nachthimmel zu schauen und bei klarem Himmel die Sterne zu sehen, zu wissen, es sind viel zu viele, um sie zu zählen. Sterne kommen in der Bibel vor. Sie sind von Gott ans Firmament gesetzt. Sie sind ein Bild für die unüberschaubare Menge der Nachkommenschaft, die beispielsweise Sarah und Abraham versprochen wurde. In dieser Nachkommenschaft spiegelt sich der Segen - unendlich, unergründlich, unermesslich - mit dem Gott segnet. Es wird auch vor der Anbetung der Sterne gewarnt. Nicht zuletzt ist da der Stern, der aufgegangen ist, um von Jesu Geburt zu künden. Dieser Stern ist der Morgenstern selbst, den Philipp Nicolai in seinem Lied besingt: „Wie schön leuchtet der Morgenstern“. Weise Männer aus dem Osten, aus Anatolien, machten sich auf. Sie warteten auf etwas, dass die Welt wahrhaft verändern wird. Etwas, das Frieden bringt, Gerechtigkeit und Liebe. Sie wagten den Aufbruch und fanden das Kind, von dem die Kraft der Veränderung ausgeht. König sollte er sein. Aber keiner wie Regierende oft sonst sind: Dieses Kind ist machtlos und zieht uns in seinen Bann, weil wir berührt sind und alle Kräfte mobilisieren, um alles Denken und Handeln darauf abzustellen, dass dieses Kind, dass jedes Kind leben kann.

Das erzählt uns die Geschichte in der Epiphaniaszeit, die noch zwei Wochen dauert. Sie verlängert den Glanz des Weihnachtsfestes und regt uns an, den Mut zur Veränderung zu haben.

„Weil Leben heißt, sich regen, weil Leben wandern heißt“ - diese Liedzeile gefällt mir sehr. Aufbrüche aus dem Gewohnten sind lehrreich und heilsam. Sie bringen uns aus dem Trott, sie sind schmerzhaft. Aufbrüche können auch geschehen, wenn man an Ort und Stelle bleibt.

Die Sehnsucht nach der Ferne steckt in vielen Urlaubswünschen. Das sind Aufbrüche im Kleinen. Aufbrüche auf Zeit. Die weisen Männer damals brachen auf, um einem Sternenpunkt zu folgen. Der hat sicherlich ihr Leben verändert.

Viele Aufbrüche wünsche ich Ihnen gerade auch in dieser schweren Zeit der Verunsicherung.

Ihre Pfarrerin Silke van Doorn, die sich hiermit verabschiedet.

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16. Januar

Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand, dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.

Psalm 121, 5 und 6

Jesus betet: Ich bitte dich nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen.

Johannes 17, 15

Pfarrerin Christine Liedtke, Girkhausen: Die beiden gelosten Psalmverse stammen aus einem der schönsten Psalmen unserer Bibel. Sie beginnen nicht mit einem Wunsch, sondern mit einer Feststellung: Der Herr behütet dich. Gott ist da, das ist klar, er ist nicht fern, sondern er sieht auf dich und kümmert sich. Er ist tags und nachts da. Nichts soll dich bekümmern. Jesus bittet Gott in seinem Gebet nicht darum, dass uns Schweres und Kummer erspart bleiben, denn diese gehören zur Welt. Er bittet darum, dass das Böse uns nicht überwindet, dass es uns nicht den Glauben daran nehmen kann, das Gott an unserer Seite und auf unserer Seite ist.

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15. Januar

Die Frau nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß.

1. Mose 3, 6

Kann denn ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?

Lukas 6, 39

Pfarrerin Heike Lilienthal, Herzhausen: Weiß ich immer, wann ich blind bin? Kann ich meine blinden Anteile wahrnehmen? Erkenne ich den Balken in meinem Auge? Merke ich, wenn ich einem Blinden folge? Was macht mich blind? Wie erkenne ich mein Blindsein? Was führt mich aus der Blindheit heraus?

„Man sieht nur mit dem Herzen gut.“  Antoine de Saint-Exupéry

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14. Januar

Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen! Denn der HERR ist ein großer Gott.

Psalm 95, 2 und 3

Dem König aller Könige und Herrn aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, der da wohnt in einem Licht, zu dem niemand kommen kann, den kein Mensch gesehen hat noch sehen kann, dem sei Ehre und ewige Macht!

1. Timotheus 6, 15 und 16

Prädikantin Traudel Stremmel, Berghausen: Ich stelle mir gerade vor, wie es ist, wenn wir alle wieder zusammen kommen können in den Gottesdiensten, den Versammlungen, den Konzerten, den gemeinsamen Feiern. Wie es ist, wenn hunderte, ja tausende Stimmen zu Gottes Ehre einstimmen, wenn die Posaunen und Trompeten wieder voll und kräftig klingen, wenn die Orgel schmettert und alle singen. Fast ein Jahr lang haben wir darauf verzichten müssen oder konnten nur eingeschränkt zusammenkommen. Gott sei Dank ist vieles digital möglich geworden. Aber wir werden trotzdem noch einige Zeit nur in unserem Kämmerlein singen oder musizieren können.

Dennoch gilt: Gott ist und bleibt groß, ewig, mächtig und treu, unabhängig von unseren Möglichkeiten. Er wird uns durch diese dürren Zeiten tragen und das kann uns dankbar machen trotz aller Entbehrungen. Ihm sei Ehre und Lob - wenn auch im Moment nur sehr verhalten.

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13. Januar

Ein Sohn soll seinen Vater ehren. Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre?, spricht der HERR.

Maleachi 1, 6

Es hatte ein Mann zwei Söhne und ging zu dem ersten und sprach: Mein Sohn, geh hin und arbeite heute im Weinberg. Er antwortete aber und sprach: Ich will nicht. Danach aber reute es ihn, und er ging hin.

Matthäus 21, 28 und 29

Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück: Vater oder Mutter zu sein ist echt nicht so einfach. Ständig ist da dieses Hin und Her zwischen fliegen lassen und festhalten wollen, zwischen gefühltem „zu viel“ und „zu wenig“. Und vom Vergleich zu anderen Eltern ganz zu schweigen. Jedenfalls geht es mir so. Zugespitzt wird das Ganze in dieser Woche: Homeschooling bei bestem Winterwetter. Erst die Aufgaben, dann das Vergnügen. Obwohl es aus Sicht der Kinder andersherum eindeutig besser wäre. Und grundsätzlich: Wie kann Mama oder Papa sich sicher sein, immer das Beste für das Kind rausholen zu können?

Gott sei Dank haben wir alle einen Vater, bei dem das schon längst und in Ewigkeit klar ist.

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12. Januar

Ich will die Übriggebliebenen meiner Herde sammeln aus allen Ländern und will sie wiederbringen zu ihren Weideplätzen, dass sie fruchtbar sein sollen und sich mehren.

Jeremia 23, 3

Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eines von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er's findet?

Lukas 15, 4

Presbyter Christian Gerhardt, Hesselbach: Fürsorge - was für ein Begriff. Und das gerade in der heutigen Zeit. Fürsorge kommt (so erkläre ich es mir ) von füreinander sorgen. Manche Menschen sagen: „Wenn jeder für sich selbst sorgt, ist an alle gedacht!“ Falsch - was ist mit Menschen, die nicht für sich sorgen können? Lasst uns nicht auf die Egomanen der heutigen Welt hören. Lasst uns sehen was Jesus getan hat! Er beschreibt einen Hirten, der seine Herde zurücklässt, um das eine Schaf zu finden, das verloren war.

Lasst uns unser eigenes Ego zurückstellen und den Blick für den Nächsten schärfen: für die Nachbarin, die nicht einkaufen kann, für den Mitschüler, der meine Hilfe braucht, für den Arbeitskollgen, der private Probleme hat. Lasst uns wieder unsere Augen, Ohren und vor allem unsre Herzen aufmachen, um mit Liebe und Fürsorge einander gegenübertreten.

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11. Januar

Gott der HERR spricht: Ich will noch mehr sammeln zu der Schar derer, die versammelt sind.

Jesaja 56, 8

Gott, unser Heiland, will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

1. Timotheus 2, 3 und 4

Pfarrerin Claudia Latzel-Binder, Bad Berleburg: Des Menschen Wille ist sein Himmelreich, heißt es im Sprichwort. Das stimmt so nicht. Und es hilft mir nicht, einfach schulterzuckend die Welt wahrzunehmen. Durch das, was Menschen wollen, entsteht kein Paradies, oft aber die Hölle für andere. Der wahre Aspekt an dem Satz ist, dass das Himmelreich dabei eben das eigene sein soll, es für sich selbst gesucht, gefordert oder erkämpft wird. Andere sind nicht im Blick.

Gottes Wille ist da anders: Er will nicht für sich, sondern für alle Menschen. Er will, dass alle gerettet werden. Dazu zwingt er aber niemanden, sondern lädt ein. Und das tun wir in seinem Namen. Denn Gottes Wille für alle ist das Himmelreich.

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10. Januar - Sonntags-Angedacht

Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück: In einer Demokratie geht die Staatsgewalt vom Volk aus, jede und jeder Einzelne hat also das Recht, bei den Entscheidungen, die das ganze Land angehen, mitzubestimmen.

Man unterscheidet zwischen einer direkten und repräsentativen Demokratie. Wichtige Werte einer Demokratie sind Gleichheit, Freiheit, der Schutz der Grund-, Bürger- und Menschenrechte sowie die Meinungs- und Pressefreiheit. So findet man es im Lexikon. Und so ist es wünschenswert. Eine Demokratie ist auch kompliziert, weil viele Ansichten und Meinungen unter einen Hut gebracht werden müssen, es bei Wahlen Gewinner und Verlierer gibt und das Verlieren seit Menschengedenken eine nur schwer zu ertragende Angelegenheit ist. Oft weiß es jemand besser, dann wollen andere lieber noch ein bisschen gleicher sein als gleich. Und in einer repräsentativen Demokratie stehen die Vertreterinnen und Vertreter des Volkes ständig unter schärfster Beobachtung. Und egal wie sie entscheiden, für irgendjemanden ist es immer verkehrt. Obwohl ihnen manchmal nur die Wahl zwischen Pest und Cholera bleibt.

Trotzdem ist eine Demokratie eine lebensfördernde Herrschaftsform. Ich bin froh, in einem Land zu leben, in dem die Demokratie fest im Grundgesetz verankert ist.

Aber, sie ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr und man muss nahezu täglich neu an ihr festhalten (wollen)! Auf einmal wird Meinungsfreiheit für Hetzerei und Pöbelei missbraucht. Der Grat wird immer schmaler zwischen Freiheit und Aufwiegelung.

Ein schwarzer Tag für die Demokratie, so wurden die Ereignisse vom Mittwochabend in den USA beschrieben. Der scheidende Präsident nutzt das Volk zum Sturm auf das Capitol, um die Erklärung seiner Wahlniederlage zu verhindern. Ein schlechter Verlierer, dem die grundsätzlichen Werte der Demokratie noch nie besonders wichtig waren. Aber - er wurde gewählt. Und ist nun, wenn auch nicht mit überwältigender Mehrheit, aber mit sieben Mio. Stimmen weniger abgewählt. Und die Hoffnung ist, dass die Demokratie und ihr Fairplay in den USA wieder an Kraft gewinnen.

Es mag schwierig sein, Politik und Glaube in einen deutlichen Zusammenhang zu stellen. Aber für die Menschen in den USA und überhaupt alle in einem jeden Land möchte ich den Monatsspruch für den Januar in ganz großen Buchstaben aufschreiben: Viele sagen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ HERR, lass leuchten über uns das Licht Deines Antlitzes! (Psalm 4, 7)

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9. Januar

HERR, wenn ich auch mit dir rechten wollte, so behältst du doch recht; dennoch muss ich vom Recht mit dir reden.

Jeremia 12, 1

Als die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeder seinen Silbergroschen. Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und die Hitze getragen haben.

Matthäus 20, 10 bis 12

Pfarrerin Simone Conrad, Wingeshausen: Sorgen, und manchmal auch ganz menschliches Klagen: Was, mein Gott, denkst du dir dabei? Dann wiederum mache ich mir Vorwürfe und denke: Wer bin ich kleiner Mensch, dass ich mit Gott rechten, seinen Ratschluss in Frage stellen dürfte? „Du behältst doch recht, dennoch muss ich… mit dir reden“, sagt Jeremia. Genauso geht es mir: wissend um Gottes Größe und doch… ich muss mit dir reden. Und ich darf und soll mit Gott reden! Denn Gedanken auszusprechen befreit das Herz - und Gott hört uns zu.

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8. Januar

Gott ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht wanken werde.

Psalm 62, 7

Stärkt die müden Hände und die wankenden Knie und tut sichere Schritte mit euren Füßen.

Hebräer 12, 12 und 13

Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer, Raumland: Kennen Sie das Herzensgebet? Es ist eine uralte geistliche Übung, bei der ein Wort oder ein kurzer Satz wiederholt gesprochen wird, wie ein Refrain bei einem Lied. Einen solchen Satz haben wir in der heutigen Losung auch vor uns. Der Psalmbeter wiederholt ihn in seinem Lied über die Macht und die Gnade Gottes. Er ruft uns geradezu auf, es ihm gleich zu tun und uns immer wieder der Hilfe und des Schutzes Gottes zu versichern. „Gott ist mein Fels“; „Christus ist mein Heil“; „Gott ist mein Schutz“. Probieren Sie es ruhig einmal aus, sich im Herzen einen solchen oder ähnlichen Satz selbst zuzusprechen. Sie werden entdecken, wie müde Hände und wankende Knie gestärkt werden.

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7. Januar

Ich bin dein, hilf mir.

Psalm 119, 94

Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.

Johannes 15, 7

Abenteuerdorf-Geschäftsführerin Silke Grübener, Mornshausen: „Wenn Du mich nicht in Ruhe lässt, hole ich meinen (großen) Bruder“ - an diesen Ausspruch erinnere ich mich bei diesem Vers aus Psalm 119. Auf die Hilfe meiner Brüder bauen können, weil man als Geschwister auf besondere Weise miteinander verbunden ist, das tut gut. Und wie im Bibeltext auf Gottes Hilfe zählen dürfen, weil wir seine Kinder und so mit ihm verbunden sind - wie tröstlich ist das für das neue Jahr, das noch so unbekannt vor uns liegt, jeden Tag aufs Neue.

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6. Januar

HERR Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!

Psalm 84, 13

Da die Weisen den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an.

Matthäus 2, 10 und 11

Pfarrerin Silke van Doorn, Dreis-Tiefenbach: „Stern, auf den ich schaue“ - so richtig habe ich dieses Lied hier, in Wittgenstein, kennengelernt. Das Lied vom leuchtenden Stern am nachtfinsteren Himmel, der den Weg weist, wird gern zu Beerdigungen gesungen. Die Verrücktheit der weisen Menschen aus dem Morgenland, dem Stern zu folgen - wer hätte dieses Vertrauen schon gehabt? Alles stehen und liegen zu lassen und am Ende ein kleines Kind zu finden? Sie wussten: Das ist der Morgenstern. Dabei geht es nicht um Esoterik, sondern um Gott, der sich für viele Menschen auf die wunderbarsten Weisen gezeigt hat. Der der Einzige ist, auf den wir uns verlassen können.

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5. Januar

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Psalm 23, 6

Jesus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge.

Johannes 10, 10

Claudia Seyfried, Girkhausen: Manche Erlebnisse des Tages verfolgen uns bis in unsere Träume. Manche Erfahrungen und Kränkungen verfolgen uns unser ganzes Leben. Die Frage ist: Wollen wir uns davon bestimmen lassen? Auch der Beter des 23. Psalms hat in seinem Leben viele Rückschläge hinnehmen müssen. Eigene Verfehlungen, hinterhältige Angriffe - sogar aus der eigenen Familie, schmerzliche Verluste. Trotzdem richtet er seinen Blick auf die Güte und Barmherzigkeit Gottes, die uns überall hin und für immer folgt. Zum Beginn des neuen Jahres laden uns diese Verse ein, die guten Gaben Gottes in unserem Leben zu entdecken und dankbar anzunehmen.

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Claudia Seyfried ist Mitarbeiterin des Archivs der Evangelischen Kirche von Westfalen.


4. Januar

Der HERR spricht: Möge doch ihr Herz so bleiben, dass sie mich allezeit fürchten und meine Gebote halten, damit es ihnen und ihren Kindern gut geht, für immer!

5. Mose 5, 29

Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.

Hebräer 13, 9

Pfarrer Henning Debus, Wallau: Das erste Wochenende des Jahres liegt hinter uns. Vieles hat sich im letzten Jahr verändert. Wir nehmen das alles mit ins Neue Jahr. Unsere Wünsche für 2021 haben vor allem zu tun mit der Hoffnung auf ein schnelles Ende der Pandemie.

Auch Gott wünscht sich etwas von uns. Er ist dabei gar nicht bescheiden. Sein Wunsch zielt auf unser Herz, damit es uns und allen Menschen gut gehen möge für 2021 und für immer. Ein lebendiges, empathisches Herz bekommt seine Impulse von Gottes Gnade. Mögen unsere Herzen so im göttlichen Takt bleiben, unser Leben lang!

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3. Januar - Sonntags-Angedacht

Jugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen: Das neue Jahr 2021 hat begonnen. Ein Blick in den noch überschaubaren Kalender zeigt, dass bereits einige wichtige Termine eingetragen sind. Welche Planungen stehen bei Ihnen für das Jahr 2021 schon fest im Kalender? Und wie blicken Sie diesen entgegen: voller Vorfreude oder eher mit Sorge?

Das vergangene Jahr hat uns gelehrt, dass alle Planungen nur vorläufig sind. Ja, die ein oder andere Ungewissheit bleibt bei all unseren Vorhaben. Und doch hoffe ich, dass die Vorfreude auf bestimmte Ereignisse überwiegt. Wir brauchen Highlights, auf die wir hinarbeiten und die uns Freude bereiten. Gerade deshalb ist es doch gut trotz aller Unwägbarkeiten zu planen.

 Beim Blick in den Kalender taucht die Frage auf, wie wir in dieses neue Jahr gehen. Bestimmen uns die Schwierigkeiten, Sorgen und Altlasten, die wir mitnehmen? Oder sehen wir die vielen Möglichkeiten und Chancen, Neues zu entdecken, uns weiterzuentwickeln, zu wachsen mit den Herausforderungen und Aufgaben, die sich uns bieten?

Wenn ich über die vor uns liegenden Tage nachdenke, kommt mir ein Wort aus Psalm 118, Vers 24 in den Sinn, wo es heißt: „Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Ja, das ist doch mal ein schönes Motto für das Jahr 2021, ein guter Vorsatz, wenn sie so wollen. Jeden Tag als ein Geschenk Gottes zu betrachten, den er uns zur Verfügung stellt. Lassen sie uns trotz aller Ungewissheit nicht versäumen, fröhlich und mutig nach vorn zu blicken und zu entdecken, was Gott für uns bereithält, an Gaben, Wundern, an Segen oder auch an Aufgaben und Herausforderungen. Wir sind eingeladen dankbar jeden Tag zu genießen, und uns zu freuen. Jeder Tag bietet die Möglichkeit, Gott zu entdecken und Erfahrungen mit ihm zu machen.

Vielleicht hängen Sie diesen Vers an einen Ort, den Sie täglich im Blick haben, etwa an den Spiegel im Bad, an den Kühlschrank in der Küche oder an die Haustür. Sie werden merken, wenn Sie früh morgens im Bad Ihr unrasiertes oder ungeschminktes Gesicht im Spiegel erblicken und Sie dabei der Vers aus Psalm 118 anlacht, dann können sie gar nicht anders als neugierig und positiv in den Tag zu gehen, den Gott Ihnen schenkt.

Denn wenn Gott der Herr die Tage macht, bleibt uns nur, uns darüber zu freuen und dankbar zu sein. Schließlich ist es ein Ausdruck seiner Nähe. Er geht mit und ist da, auch im neuen Jahr 2021, trotz aller Ungewissheit.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes und gesundes neues Jahr 2021.

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2. Januar

Sie lasen aus dem Buch, dem Gesetz Gottes, Abschnitt für Abschnitt und erklärten es, sodass man verstand, was gelesen wurde.

Nehemia 8, 8

Paulus blieb zwei volle Jahre in seiner eigenen Wohnung und nahm alle auf, die zu ihm kamen, predigte das Reich Gottes und lehrte von dem Herrn Jesus Christus mit allem Freimut ungehindert.

Apostelgeschichte 28, 30 und 31

Pfarrerin Claudia de Wilde, Hemschlar: Unser Glaube lebt vom Erzählen davon, was Menschen mit Gott erlebt haben und miteinander die Bibel zu lesen und auszulegen. Auch in der Pandemie: Gottesdienste im Internet, Andachten in der Zeitung, telefonische Kontaktmöglichkeiten zu Pfarrer/innen, Seelsorgenden, Ehrenamtlichen, zum Hospizdienst. In vielen Teilen der Welt gibt es diese Freiheiten nicht. Paulus hat seine Chancen zur Ausbreitung des Evangeliums damals in Rom genutzt, sogar als er vom römischen Staat bewacht wurde. Nutzen wir sie auch - und bleiben wir in Verbindung mit denen, die ihren Glauben anderswo nicht frei leben können!

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1. Januar 2021 - Neujahrs-Angedacht

Synodalassessor Peter Liedtke, Girkhausen: „Das Video einer Aktion von Corona-Skeptikern sorgt derzeit für Empörung. Zu sehen ist eine Gruppe von Männern und Frauen, die ohne Maske und Abstand einen Supermarkt in Prenzlauer Berg besuchen. Im Eingangsbereich macht die Gruppe Kniebeugen, singt ‚Ein bisschen Sars muss sein‘, klatscht und winkt.“ So schrieb die Berliner Zeitung vor Weihnachten auf ihrer Homepage. Meine Tochter hatte mir bereits das virale Video gezeigt. Sie war empört - ich auch. Wie nahe liegt da der Gedanke zu sagen: „Wenn Corona doch diese Idioten träfe.“ Leider bin ich überhaupt nicht fehlerfrei und solche Gedanken kommen mir auch schon mal. Worte wie der Lehrtext für den 1. Januar weisen mich dann zurecht: „Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, auf dass ihr Segen erbt.“ (1. Petrus 3, 9) Und ich erinnere mich an die Geschichte von Gerhard Zwerenz aus dem Deutschunterricht: „Nicht alles gefallen lassen...“, die auf den Punkt bringt, welche Folgen sich ergeben könnten, wenn man aus der Spirale aus Ignoranz, Hass, Verleumdung und Gewalt nicht aussteigt.

Vor uns liegt ein neues Jahr, dem wir leicht verkatert entgegensehen. Nicht die rauschenden Feste sind Grund für den Kater, sondern die Ereignisse des vergangenen Jahres. Es war ein verrücktes Jahr, ein angstmachendes Jahr. Gerne würden wir heute mit der Hand über die Augen wischen, um dann festzustellen, dass es nur ein Albtraum war. Doch leider war es kein Traum - und mit dem heutigen Tag ist nicht alles vorbei. Selbst wenn die Impfungen greifen und wir die Pandemie Stück für Stück in den Griff bekommen, sind die Folgen der eingangs geschilderten Spaltung unserer Gesellschaft noch lange nicht vorbei. Es sind verschiedene Lager entstanden: Auf der einen Seite stehen die um Solidarität Bemühten, auf der anderen Seite die, die ihre eigenen Vorstellungen für den Stein der Weisen halten. Auf der einen Seite die, die sich für die Bewahrung der Demokratie und Menschlichkeit einsetzen, auf der anderen Seite die, die das Recht des Stärkeren einfordern.

Und mitten drin, zwischen diesen beiden Polen:  viele, die verunsichert sind.

In dieser Situation sind wir gefragt, wir als Christinnen und Christen. Wir glauben, dass Gott uns in Liebe annimmt, obwohl wir Sünder sind und seine Liebe nicht verdient haben. Wir leben von unverdienter Gnade und erleben, wie aus diesem Gefühl, trotz allem angenommen zu sein, eine ungeheure Kraft erwächst. Diese Kraft kann vieles zum Guten wenden, in uns und um uns herum. Aus dieser Erfahrung heraus sollen wir denen, die Anstand und Menschlichkeit verachten, es nicht in gleicher Münze zurückzahlen. Sondern sie als Menschen ernst nehmen und in ihnen keine schlechten Menschen sehen, sondern nur Menschen, die Schlechtes tun. Die meisten sind im Innersten nicht böse. Und selbst bei den Bösen haben wir nicht das Recht, sie zu verachten. Denn solange Gott sie nicht aufgegeben hat, dürfen wir sie auch nicht aufgeben.

Eines allerdings gehört an den Pranger: Reden, Medien und Schriften, die gezielt Unwahrheiten verbreiten, Fake-News oder, wie eine Übersetzerin diesen Ausdruck Trumps übersetzte: „alternative Wahrheiten“. Man kann unterschiedlicher Meinung sein. Aber deswegen dürfen Tatsachen nicht verdreht werden und Meinungen nicht als Tatsachen verkauft werden. Das gilt allerdings sowohl für die da unten wie für die da oben. Es wäre schön, wenn 2021 einmal als das Jahr der Wiederentdeckung der Wahrheit bezeichnet werden würde.

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