Losungs-Impulse in den Zeiten von Corona

Als die Entwicklungen der Corona-Pandemie im Kirchenkreis Wittgenstein dazu führten, dass am 15. März 2020 hier fast alle Gottesdienste abgesagt werden mussten, da wurde spürbar, mit welcher Dynamik das Virus unser Leben verändert. Umso wichtiger ist ein theologischer Impuls, den die Pfarrerinen und Pfarrer aus dem Kirchenkreis seit dem 18. März von montags bis samstags nun täglich liefern. Hier veröffentlicht - und auch von heimischen Medien. Auf der Kirchenkreis-Homepage ergänzen sie die sonntäglichen Angedachts.

Bei einem täglichen Angebot bieten sich die Herrnhuter Losungen als Ausgangspunkt an. Diese bestehen laut Wikipedia aus einer Sammlung von kurzen Bibeltexten des Alten und des Neuen Testamentes. Sie gelten als überkonfessionell, da sie für alle Christen verfasst werden. Entstanden ist das Konzept vor knapp 300 Jahren dank Nikolaus Ludwig von Zinzendorf aus der Herrnhuter Brüdergemeine. Durch Auslosen wird für jeden Tag ein alttestamentlicher Vers festgelegt, dazu wird aus dem Neuen Testament durch einen Mitarbeiter der Brüdergemeine ein so genannter Lehrtext gewählt, der üblicherweise in direktem oder thematischem Bezug zu dem gelosten alttestamentlichen Vers steht.

19. Januar

Der HERR hat mich gesandt, zu trösten alle Trauernden.

Jesaja 61, 1 und 2

Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.

Matthäus 5, 4

Verwaltungs-Mitarbeiter Michael Rose, Lützel: Ermahnen, androhen, Gericht ankündigen - Gottes Prophet zu sein, war kein Zuckerschlecken! Aber da gab es ja auch diese frohe Botschaft von Gnade, Freiheit, Heil und Trost, die der Prophet Jesaja den Juden überbrachte. Gott sendet uns auch heute frohe Botschaft, er nimmt unsere alltäglichen Sorgen wahr, sieht Leid und Not und bietet uns Hilfe und Trost an; und Gott möchte auch uns - dich und mich - heute gebrauchen. Wo können wir ganz konkret für andere da sein und sie trösten? So muß letztlich Glückseligkeit im Leid keine bloße Theorie bleiben, sondern kann zu einer starken Erfahrung werden.

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18. Januar

HERR, du machst alles lebendig und das himmlische Heer betet dich an.

Nehemia 9, 6

Von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit!

Römer 11, 36

Jugendreferentin Franzi Heß, Schwarzenau: Bei der heutigen Losung ist mir ein Wort direkt ins Auge gesprungen: lebendig. Auf den ersten Blick erscheint mir im Moment wenig himmlisch und erst recht nicht lebendig. Läden sind geschlossen, Masken sind ein ständiger Begleiter und viele Freizeitaktivitäten sind nicht möglich... Lebendig kommt mir das nicht grade vor. Das ganze Leben wirkt ein bisschen eingeschlafen, und nach meinem Gefühl ist nicht so viel los wie sonst. Doch unser Glaube ist etwas Himmlisches. In der Zeit, in der keine Gottesdienste und auch sonst wenig stattfinden kann, liegt es an uns, unseren Glauben lebendig zu machen.

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17. Januar - Angedacht

Pfarrerin Silke van Doorn, Dreis-Tiefenbach: Sich auf den Weg machen hat viele Aspekte: Jetzt gerade sind unsere Wege beschränkt: Ein Virus macht es nötig, dass wir möglichst nicht reisen, keine weiten Wege machen. Da wächst die Sehnsucht nach der Ferne. Verreisen wird für viele noch lange ein Traum bleiben. Doch haben wir Zeit für innere Aufbrüche. Darauf geworfen, ganz bei uns zu sein, entdecken wir Neues.

In den Nachthimmel zu schauen und bei klarem Himmel die Sterne zu sehen, zu wissen, es sind viel zu viele, um sie zu zählen. Sterne kommen in der Bibel vor. Sie sind von Gott ans Firmament gesetzt. Sie sind ein Bild für die unüberschaubare Menge der Nachkommenschaft, die beispielsweise Sarah und Abraham versprochen wurde. In dieser Nachkommenschaft spiegelt sich der Segen - unendlich, unergründlich, unermesslich - mit dem Gott segnet. Es wird auch vor der Anbetung der Sterne gewarnt. Nicht zuletzt ist da der Stern, der aufgegangen ist, um von Jesu Geburt zu künden. Dieser Stern ist der Morgenstern selbst, den Philipp Nicolai in seinem Lied besingt: „Wie schön leuchtet der Morgenstern“. Weise Männer aus dem Osten, aus Anatolien, machten sich auf. Sie warteten auf etwas, dass die Welt wahrhaft verändern wird. Etwas, das Frieden bringt, Gerechtigkeit und Liebe. Sie wagten den Aufbruch und fanden das Kind, von dem die Kraft der Veränderung ausgeht. König sollte er sein. Aber keiner wie Regierende oft sonst sind: Dieses Kind ist machtlos und zieht uns in seinen Bann, weil wir berührt sind und alle Kräfte mobilisieren, um alles Denken und Handeln darauf abzustellen, dass dieses Kind, dass jedes Kind leben kann.

Das erzählt uns die Geschichte in der Epiphaniaszeit, die noch zwei Wochen dauert. Sie verlängert den Glanz des Weihnachtsfestes und regt uns an, den Mut zur Veränderung zu haben.

„Weil Leben heißt, sich regen, weil Leben wandern heißt“ - diese Liedzeile gefällt mir sehr. Aufbrüche aus dem Gewohnten sind lehrreich und heilsam. Sie bringen uns aus dem Trott, sie sind schmerzhaft. Aufbrüche können auch geschehen, wenn man an Ort und Stelle bleibt.

Die Sehnsucht nach der Ferne steckt in vielen Urlaubswünschen. Das sind Aufbrüche im Kleinen. Aufbrüche auf Zeit. Die weisen Männer damals brachen auf, um einem Sternenpunkt zu folgen. Der hat sicherlich ihr Leben verändert.

Viele Aufbrüche wünsche ich Ihnen gerade auch in dieser schweren Zeit der Verunsicherung.

Ihre Pfarrerin Silke van Doorn, die sich hiermit verabschiedet.

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16. Januar

Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand, dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.

Psalm 121, 5 und 6

Jesus betet: Ich bitte dich nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen.

Johannes 17, 15

Pfarrerin Christine Liedtke, Girkhausen: Die beiden gelosten Psalmverse stammen aus einem der schönsten Psalmen unserer Bibel. Sie beginnen nicht mit einem Wunsch, sondern mit einer Feststellung: Der Herr behütet dich. Gott ist da, das ist klar, er ist nicht fern, sondern er sieht auf dich und kümmert sich. Er ist tags und nachts da. Nichts soll dich bekümmern. Jesus bittet Gott in seinem Gebet nicht darum, dass uns Schweres und Kummer erspart bleiben, denn diese gehören zur Welt. Er bittet darum, dass das Böse uns nicht überwindet, dass es uns nicht den Glauben daran nehmen kann, das Gott an unserer Seite und auf unserer Seite ist.

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15. Januar

Die Frau nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß.

1. Mose 3, 6

Kann denn ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?

Lukas 6, 39

Pfarrerin Heike Lilienthal, Herzhausen: Weiß ich immer, wann ich blind bin? Kann ich meine blinden Anteile wahrnehmen? Erkenne ich den Balken in meinem Auge? Merke ich, wenn ich einem Blinden folge? Was macht mich blind? Wie erkenne ich mein Blindsein? Was führt mich aus der Blindheit heraus?

„Man sieht nur mit dem Herzen gut.“  Antoine de Saint-Exupéry

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14. Januar

Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen! Denn der HERR ist ein großer Gott.

Psalm 95, 2 und 3

Dem König aller Könige und Herrn aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, der da wohnt in einem Licht, zu dem niemand kommen kann, den kein Mensch gesehen hat noch sehen kann, dem sei Ehre und ewige Macht!

1. Timotheus 6, 15 und 16

Prädikantin Traudel Stremmel, Berghausen: Ich stelle mir gerade vor, wie es ist, wenn wir alle wieder zusammen kommen können in den Gottesdiensten, den Versammlungen, den Konzerten, den gemeinsamen Feiern. Wie es ist, wenn hunderte, ja tausende Stimmen zu Gottes Ehre einstimmen, wenn die Posaunen und Trompeten wieder voll und kräftig klingen, wenn die Orgel schmettert und alle singen. Fast ein Jahr lang haben wir darauf verzichten müssen oder konnten nur eingeschränkt zusammenkommen. Gott sei Dank ist vieles digital möglich geworden. Aber wir werden trotzdem noch einige Zeit nur in unserem Kämmerlein singen oder musizieren können.

Dennoch gilt: Gott ist und bleibt groß, ewig, mächtig und treu, unabhängig von unseren Möglichkeiten. Er wird uns durch diese dürren Zeiten tragen und das kann uns dankbar machen trotz aller Entbehrungen. Ihm sei Ehre und Lob - wenn auch im Moment nur sehr verhalten.

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13. Januar

Ein Sohn soll seinen Vater ehren. Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre?, spricht der HERR.

Maleachi 1, 6

Es hatte ein Mann zwei Söhne und ging zu dem ersten und sprach: Mein Sohn, geh hin und arbeite heute im Weinberg. Er antwortete aber und sprach: Ich will nicht. Danach aber reute es ihn, und er ging hin.

Matthäus 21, 28 und 29

Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück: Vater oder Mutter zu sein ist echt nicht so einfach. Ständig ist da dieses Hin und Her zwischen fliegen lassen und festhalten wollen, zwischen gefühltem „zu viel“ und „zu wenig“. Und vom Vergleich zu anderen Eltern ganz zu schweigen. Jedenfalls geht es mir so. Zugespitzt wird das Ganze in dieser Woche: Homeschooling bei bestem Winterwetter. Erst die Aufgaben, dann das Vergnügen. Obwohl es aus Sicht der Kinder andersherum eindeutig besser wäre. Und grundsätzlich: Wie kann Mama oder Papa sich sicher sein, immer das Beste für das Kind rausholen zu können?

Gott sei Dank haben wir alle einen Vater, bei dem das schon längst und in Ewigkeit klar ist.

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12. Januar

Ich will die Übriggebliebenen meiner Herde sammeln aus allen Ländern und will sie wiederbringen zu ihren Weideplätzen, dass sie fruchtbar sein sollen und sich mehren.

Jeremia 23, 3

Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eines von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er's findet?

Lukas 15, 4

Presbyter Christian Gerhardt, Hesselbach: Fürsorge - was für ein Begriff. Und das gerade in der heutigen Zeit. Fürsorge kommt (so erkläre ich es mir ) von füreinander sorgen. Manche Menschen sagen: „Wenn jeder für sich selbst sorgt, ist an alle gedacht!“ Falsch - was ist mit Menschen, die nicht für sich sorgen können? Lasst uns nicht auf die Egomanen der heutigen Welt hören. Lasst uns sehen was Jesus getan hat! Er beschreibt einen Hirten, der seine Herde zurücklässt, um das eine Schaf zu finden, das verloren war.

Lasst uns unser eigenes Ego zurückstellen und den Blick für den Nächsten schärfen: für die Nachbarin, die nicht einkaufen kann, für den Mitschüler, der meine Hilfe braucht, für den Arbeitskollgen, der private Probleme hat. Lasst uns wieder unsere Augen, Ohren und vor allem unsre Herzen aufmachen, um mit Liebe und Fürsorge einander gegenübertreten.

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11. Januar

Gott der HERR spricht: Ich will noch mehr sammeln zu der Schar derer, die versammelt sind.

Jesaja 56, 8

Gott, unser Heiland, will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

1. Timotheus 2, 3 und 4

Pfarrerin Claudia Latzel-Binder, Bad Berleburg: Des Menschen Wille ist sein Himmelreich, heißt es im Sprichwort. Das stimmt so nicht. Und es hilft mir nicht, einfach schulterzuckend die Welt wahrzunehmen. Durch das, was Menschen wollen, entsteht kein Paradies, oft aber die Hölle für andere. Der wahre Aspekt an dem Satz ist, dass das Himmelreich dabei eben das eigene sein soll, es für sich selbst gesucht, gefordert oder erkämpft wird. Andere sind nicht im Blick.

Gottes Wille ist da anders: Er will nicht für sich, sondern für alle Menschen. Er will, dass alle gerettet werden. Dazu zwingt er aber niemanden, sondern lädt ein. Und das tun wir in seinem Namen. Denn Gottes Wille für alle ist das Himmelreich.

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10. Januar - Sonntags-Angedacht

Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück:

In einer Demokratie geht die Staatsgewalt vom Volk aus, jede und jeder Einzelne hat also das Recht, bei den Entscheidungen, die das ganze Land angehen, mitzubestimmen.

Man unterscheidet zwischen einer direkten und repräsentativen Demokratie. Wichtige Werte einer Demokratie sind Gleichheit, Freiheit, der Schutz der Grund-, Bürger- und Menschenrechte sowie die Meinungs- und Pressefreiheit. So findet man es im Lexikon. Und so ist es wünschenswert. Eine Demokratie ist auch kompliziert, weil viele Ansichten und Meinungen unter einen Hut gebracht werden müssen, es bei Wahlen Gewinner und Verlierer gibt und das Verlieren seit Menschengedenken eine nur schwer zu ertragende Angelegenheit ist. Oft weiß es jemand besser, dann wollen andere lieber noch ein bisschen gleicher sein als gleich. Und in einer repräsentativen Demokratie stehen die Vertreterinnen und Vertreter des Volkes ständig unter schärfster Beobachtung. Und egal wie sie entscheiden, für irgendjemanden ist es immer verkehrt. Obwohl ihnen manchmal nur die Wahl zwischen Pest und Cholera bleibt.

Trotzdem ist eine Demokratie eine lebensfördernde Herrschaftsform. Ich bin froh, in einem Land zu leben, in dem die Demokratie fest im Grundgesetz verankert ist.

Aber, sie ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr und man muss nahezu täglich neu an ihr festhalten (wollen)! Auf einmal wird Meinungsfreiheit für Hetzerei und Pöbelei missbraucht. Der Grat wird immer schmaler zwischen Freiheit und Aufwiegelung.

Ein schwarzer Tag für die Demokratie, so wurden die Ereignisse vom Mittwochabend in den USA beschrieben. Der scheidende Präsident nutzt das Volk zum Sturm auf das Capitol, um die Erklärung seiner Wahlniederlage zu verhindern. Ein schlechter Verlierer, dem die grundsätzlichen Werte der Demokratie noch nie besonders wichtig waren. Aber - er wurde gewählt. Und ist nun, wenn auch nicht mit überwältigender Mehrheit, aber mit sieben Mio. Stimmen weniger abgewählt. Und die Hoffnung ist, dass die Demokratie und ihr Fairplay in den USA wieder an Kraft gewinnen.

Es mag schwierig sein, Politik und Glaube in einen deutlichen Zusammenhang zu stellen. Aber für die Menschen in den USA und überhaupt alle in einem jeden Land möchte ich den Monatsspruch für den Januar in ganz großen Buchstaben aufschreiben: Viele sagen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ HERR, lass leuchten über uns das Licht Deines Antlitzes! (Psalm 4, 7)

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9. Januar

HERR, wenn ich auch mit dir rechten wollte, so behältst du doch recht; dennoch muss ich vom Recht mit dir reden.

Jeremia 12, 1

Als die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeder seinen Silbergroschen. Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und die Hitze getragen haben.

Matthäus 20, 10 bis 12

Pfarrerin Simone Conrad, Wingeshausen: Sorgen, und manchmal auch ganz menschliches Klagen: Was, mein Gott, denkst du dir dabei? Dann wiederum mache ich mir Vorwürfe und denke: Wer bin ich kleiner Mensch, dass ich mit Gott rechten, seinen Ratschluss in Frage stellen dürfte? „Du behältst doch recht, dennoch muss ich… mit dir reden“, sagt Jeremia. Genauso geht es mir: wissend um Gottes Größe und doch… ich muss mit dir reden. Und ich darf und soll mit Gott reden! Denn Gedanken auszusprechen befreit das Herz - und Gott hört uns zu.

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8. Januar

Gott ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht wanken werde.

Psalm 62, 7

Stärkt die müden Hände und die wankenden Knie und tut sichere Schritte mit euren Füßen.

Hebräer 12, 12 und 13

Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer, Raumland: Kennen Sie das Herzensgebet? Es ist eine uralte geistliche Übung, bei der ein Wort oder ein kurzer Satz wiederholt gesprochen wird, wie ein Refrain bei einem Lied. Einen solchen Satz haben wir in der heutigen Losung auch vor uns. Der Psalmbeter wiederholt ihn in seinem Lied über die Macht und die Gnade Gottes. Er ruft uns geradezu auf, es ihm gleich zu tun und uns immer wieder der Hilfe und des Schutzes Gottes zu versichern. „Gott ist mein Fels“; „Christus ist mein Heil“; „Gott ist mein Schutz“. Probieren Sie es ruhig einmal aus, sich im Herzen einen solchen oder ähnlichen Satz selbst zuzusprechen. Sie werden entdecken, wie müde Hände und wankende Knie gestärkt werden.

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7. Januar

Ich bin dein, hilf mir.

Psalm 119, 94

Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.

Johannes 15, 7

Abenteuerdorf-Geschäftsführerin Silke Grübener, Mornshausen: „Wenn Du mich nicht in Ruhe lässt, hole ich meinen (großen) Bruder“ - an diesen Ausspruch erinnere ich mich bei diesem Vers aus Psalm 119. Auf die Hilfe meiner Brüder bauen können, weil man als Geschwister auf besondere Weise miteinander verbunden ist, das tut gut. Und wie im Bibeltext auf Gottes Hilfe zählen dürfen, weil wir seine Kinder und so mit ihm verbunden sind - wie tröstlich ist das für das neue Jahr, das noch so unbekannt vor uns liegt, jeden Tag aufs Neue.

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6. Januar

HERR Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!

Psalm 84, 13

Da die Weisen den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an.

Matthäus 2, 10 und 11

Pfarrerin Silke van Doorn, Dreis-Tiefenbach: „Stern, auf den ich schaue“ - so richtig habe ich dieses Lied hier, in Wittgenstein, kennengelernt. Das Lied vom leuchtenden Stern am nachtfinsteren Himmel, der den Weg weist, wird gern zu Beerdigungen gesungen. Die Verrücktheit der weisen Menschen aus dem Morgenland, dem Stern zu folgen - wer hätte dieses Vertrauen schon gehabt? Alles stehen und liegen zu lassen und am Ende ein kleines Kind zu finden? Sie wussten: Das ist der Morgenstern. Dabei geht es nicht um Esoterik, sondern um Gott, der sich für viele Menschen auf die wunderbarsten Weisen gezeigt hat. Der der Einzige ist, auf den wir uns verlassen können.

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5. Januar

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Psalm 23, 6

Jesus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge.

Johannes 10, 10

Claudia Seyfried, Girkhausen: Manche Erlebnisse des Tages verfolgen uns bis in unsere Träume. Manche Erfahrungen und Kränkungen verfolgen uns unser ganzes Leben. Die Frage ist: Wollen wir uns davon bestimmen lassen? Auch der Beter des 23. Psalms hat in seinem Leben viele Rückschläge hinnehmen müssen. Eigene Verfehlungen, hinterhältige Angriffe - sogar aus der eigenen Familie, schmerzliche Verluste. Trotzdem richtet er seinen Blick auf die Güte und Barmherzigkeit Gottes, die uns überall hin und für immer folgt. Zum Beginn des neuen Jahres laden uns diese Verse ein, die guten Gaben Gottes in unserem Leben zu entdecken und dankbar anzunehmen.

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Claudia Seyfried ist Mitarbeiterin des Archivs der Evangelischen Kirche von Westfalen.


4. Januar

Der HERR spricht: Möge doch ihr Herz so bleiben, dass sie mich allezeit fürchten und meine Gebote halten, damit es ihnen und ihren Kindern gut geht, für immer!

5. Mose 5, 29

Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.

Hebräer 13, 9

Pfarrer Henning Debus, Wallau: Das erste Wochenende des Jahres liegt hinter uns. Vieles hat sich im letzten Jahr verändert. Wir nehmen das alles mit ins Neue Jahr. Unsere Wünsche für 2021 haben vor allem zu tun mit der Hoffnung auf ein schnelles Ende der Pandemie.

Auch Gott wünscht sich etwas von uns. Er ist dabei gar nicht bescheiden. Sein Wunsch zielt auf unser Herz, damit es uns und allen Menschen gut gehen möge für 2021 und für immer. Ein lebendiges, empathisches Herz bekommt seine Impulse von Gottes Gnade. Mögen unsere Herzen so im göttlichen Takt bleiben, unser Leben lang!

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3. Januar - Sonntags-Angedacht

Jugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen: Das neue Jahr 2021 hat begonnen. Ein Blick in den noch überschaubaren Kalender zeigt, dass bereits einige wichtige Termine eingetragen sind. Welche Planungen stehen bei Ihnen für das Jahr 2021 schon fest im Kalender? Und wie blicken Sie diesen entgegen: voller Vorfreude oder eher mit Sorge?

Das vergangene Jahr hat uns gelehrt, dass alle Planungen nur vorläufig sind. Ja, die ein oder andere Ungewissheit bleibt bei all unseren Vorhaben. Und doch hoffe ich, dass die Vorfreude auf bestimmte Ereignisse überwiegt. Wir brauchen Highlights, auf die wir hinarbeiten und die uns Freude bereiten. Gerade deshalb ist es doch gut trotz aller Unwägbarkeiten zu planen.

 Beim Blick in den Kalender taucht die Frage auf, wie wir in dieses neue Jahr gehen. Bestimmen uns die Schwierigkeiten, Sorgen und Altlasten, die wir mitnehmen? Oder sehen wir die vielen Möglichkeiten und Chancen, Neues zu entdecken, uns weiterzuentwickeln, zu wachsen mit den Herausforderungen und Aufgaben, die sich uns bieten?

Wenn ich über die vor uns liegenden Tage nachdenke, kommt mir ein Wort aus Psalm 118, Vers 24 in den Sinn, wo es heißt: „Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Ja, das ist doch mal ein schönes Motto für das Jahr 2021, ein guter Vorsatz, wenn sie so wollen. Jeden Tag als ein Geschenk Gottes zu betrachten, den er uns zur Verfügung stellt. Lassen sie uns trotz aller Ungewissheit nicht versäumen, fröhlich und mutig nach vorn zu blicken und zu entdecken, was Gott für uns bereithält, an Gaben, Wundern, an Segen oder auch an Aufgaben und Herausforderungen. Wir sind eingeladen dankbar jeden Tag zu genießen, und uns zu freuen. Jeder Tag bietet die Möglichkeit, Gott zu entdecken und Erfahrungen mit ihm zu machen.

Vielleicht hängen Sie diesen Vers an einen Ort, den Sie täglich im Blick haben, etwa an den Spiegel im Bad, an den Kühlschrank in der Küche oder an die Haustür. Sie werden merken, wenn Sie früh morgens im Bad Ihr unrasiertes oder ungeschminktes Gesicht im Spiegel erblicken und Sie dabei der Vers aus Psalm 118 anlacht, dann können sie gar nicht anders als neugierig und positiv in den Tag zu gehen, den Gott Ihnen schenkt.

Denn wenn Gott der Herr die Tage macht, bleibt uns nur, uns darüber zu freuen und dankbar zu sein. Schließlich ist es ein Ausdruck seiner Nähe. Er geht mit und ist da, auch im neuen Jahr 2021, trotz aller Ungewissheit.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes und gesundes neues Jahr 2021.

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2. Januar

Sie lasen aus dem Buch, dem Gesetz Gottes, Abschnitt für Abschnitt und erklärten es, sodass man verstand, was gelesen wurde.

Nehemia 8, 8

Paulus blieb zwei volle Jahre in seiner eigenen Wohnung und nahm alle auf, die zu ihm kamen, predigte das Reich Gottes und lehrte von dem Herrn Jesus Christus mit allem Freimut ungehindert.

Apostelgeschichte 28, 30 und 31

Pfarrerin Claudia de Wilde, Hemschlar: Unser Glaube lebt vom Erzählen davon, was Menschen mit Gott erlebt haben und miteinander die Bibel zu lesen und auszulegen. Auch in der Pandemie: Gottesdienste im Internet, Andachten in der Zeitung, telefonische Kontaktmöglichkeiten zu Pfarrer/innen, Seelsorgenden, Ehrenamtlichen, zum Hospizdienst. In vielen Teilen der Welt gibt es diese Freiheiten nicht. Paulus hat seine Chancen zur Ausbreitung des Evangeliums damals in Rom genutzt, sogar als er vom römischen Staat bewacht wurde. Nutzen wir sie auch - und bleiben wir in Verbindung mit denen, die ihren Glauben anderswo nicht frei leben können!

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1. Januar 2021 - Neujahrs-Angedacht

Synodalassessor Peter Liedtke, Girkhausen: „Das Video einer Aktion von Corona-Skeptikern sorgt derzeit für Empörung. Zu sehen ist eine Gruppe von Männern und Frauen, die ohne Maske und Abstand einen Supermarkt in Prenzlauer Berg besuchen. Im Eingangsbereich macht die Gruppe Kniebeugen, singt ‚Ein bisschen Sars muss sein‘, klatscht und winkt.“ So schrieb die Berliner Zeitung vor Weihnachten auf ihrer Homepage. Meine Tochter hatte mir bereits das virale Video gezeigt. Sie war empört - ich auch. Wie nahe liegt da der Gedanke zu sagen: „Wenn Corona doch diese Idioten träfe.“ Leider bin ich überhaupt nicht fehlerfrei und solche Gedanken kommen mir auch schon mal. Worte wie der Lehrtext für den 1. Januar weisen mich dann zurecht: „Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, auf dass ihr Segen erbt.“ (1. Petrus 3, 9) Und ich erinnere mich an die Geschichte von Gerhard Zwerenz aus dem Deutschunterricht: „Nicht alles gefallen lassen...“, die auf den Punkt bringt, welche Folgen sich ergeben könnten, wenn man aus der Spirale aus Ignoranz, Hass, Verleumdung und Gewalt nicht aussteigt.

Vor uns liegt ein neues Jahr, dem wir leicht verkatert entgegensehen. Nicht die rauschenden Feste sind Grund für den Kater, sondern die Ereignisse des vergangenen Jahres. Es war ein verrücktes Jahr, ein angstmachendes Jahr. Gerne würden wir heute mit der Hand über die Augen wischen, um dann festzustellen, dass es nur ein Albtraum war. Doch leider war es kein Traum - und mit dem heutigen Tag ist nicht alles vorbei. Selbst wenn die Impfungen greifen und wir die Pandemie Stück für Stück in den Griff bekommen, sind die Folgen der eingangs geschilderten Spaltung unserer Gesellschaft noch lange nicht vorbei. Es sind verschiedene Lager entstanden: Auf der einen Seite stehen die um Solidarität Bemühten, auf der anderen Seite die, die ihre eigenen Vorstellungen für den Stein der Weisen halten. Auf der einen Seite die, die sich für die Bewahrung der Demokratie und Menschlichkeit einsetzen, auf der anderen Seite die, die das Recht des Stärkeren einfordern.

Und mitten drin, zwischen diesen beiden Polen:  viele, die verunsichert sind.

In dieser Situation sind wir gefragt, wir als Christinnen und Christen. Wir glauben, dass Gott uns in Liebe annimmt, obwohl wir Sünder sind und seine Liebe nicht verdient haben. Wir leben von unverdienter Gnade und erleben, wie aus diesem Gefühl, trotz allem angenommen zu sein, eine ungeheure Kraft erwächst. Diese Kraft kann vieles zum Guten wenden, in uns und um uns herum. Aus dieser Erfahrung heraus sollen wir denen, die Anstand und Menschlichkeit verachten, es nicht in gleicher Münze zurückzahlen. Sondern sie als Menschen ernst nehmen und in ihnen keine schlechten Menschen sehen, sondern nur Menschen, die Schlechtes tun. Die meisten sind im Innersten nicht böse. Und selbst bei den Bösen haben wir nicht das Recht, sie zu verachten. Denn solange Gott sie nicht aufgegeben hat, dürfen wir sie auch nicht aufgeben.

Eines allerdings gehört an den Pranger: Reden, Medien und Schriften, die gezielt Unwahrheiten verbreiten, Fake-News oder, wie eine Übersetzerin diesen Ausdruck Trumps übersetzte: „alternative Wahrheiten“. Man kann unterschiedlicher Meinung sein. Aber deswegen dürfen Tatsachen nicht verdreht werden und Meinungen nicht als Tatsachen verkauft werden. Das gilt allerdings sowohl für die da unten wie für die da oben. Es wäre schön, wenn 2021 einmal als das Jahr der Wiederentdeckung der Wahrheit bezeichnet werden würde.

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