Losungs-Impulse in den Zeiten von Corona

Als die Entwicklungen der Corona-Pandemie im Kirchenkreis Wittgenstein dazu führten, dass am 15. März 2020 hier fast alle Gottesdienste abgesagt werden mussten, da wurde spürbar, mit welcher Dynamik das Virus unser Leben verändert. Umso wichtiger ist ein theologischer Impuls, den die Pfarrerinen und Pfarrer aus dem Kirchenkreis seit dem 18. März von montags bis samstags nun täglich liefern. Hier veröffentlicht - und auch von heimischen Medien. Auf der Kirchenkreis-Homepage ergänzen sie die sonntäglichen Angedachts.

Bei einem täglichen Angebot bieten sich die Herrnhuter Losungen als Ausgangspunkt an. Diese bestehen laut Wikipedia aus einer Sammlung von kurzen Bibeltexten des Alten und des Neuen Testamentes. Sie gelten als überkonfessionell, da sie für alle Christen verfasst werden. Entstanden ist das Konzept vor knapp 300 Jahren dank Nikolaus Ludwig von Zinzendorf aus der Herrnhuter Brüdergemeine. Durch Auslosen wird für jeden Tag ein alttestamentlicher Vers festgelegt, dazu wird aus dem Neuen Testament durch einen Mitarbeiter der Brüdergemeine ein so genannter Lehrtext gewählt, der üblicherweise in direktem oder thematischem Bezug zu dem gelosten alttestamentlichen Vers steht.

18. März 2020

Es wartet alles auf dich, HERR, dass du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit. Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.

Psalm 104, 27 und 28

Ihr habt schon geschmeckt, dass der Herr freundlich ist.

1. Petrus 2, 3

Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück: Veranstaltungsverbot - Gottesdienstverbot. Hört sich doch total schrecklich an. Wie aus dunkelster Vergangenheit oder schon absolut endzeitlich. Also finden heute auch keine Passionsandachten statt. Kein organisiertes Besinnen auf den Leidensweg Jesu Christi. Besinnen wir uns also so - jede*r für sich. Mit den Worten aus der Tageslosung für diesen Tag: Ihr habt schon geschmeckt, dass der Herr freundlich ist.

Gott, wie sollst du gut schmecken, wenn die Bitterkeit grad alles überdeckt? Mach uns satt mit deiner Würze und dem Zucker, der dem Herzen so gut tut. So wollen wir dich schmecken. Amen!

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19. März

Der HERR wandte sich Israel wieder zu um seines Bundes willen mit Abraham, Isaak und Jakob und wollte sie nicht verderben, verwarf sie auch nicht von seinem Angesicht bis auf diese Stunde.

2. Könige 13, 23

Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen.

Römer 11, 29

Pfarrer Dieter Kuhli, Bad Laasphe: Wir alle leben von Gottes unwandelbarer Barmherzigkeit und Treue - in guten und in schweren Zeiten. Das hat das Gottesvolk Israel in seiner wechselvollen Geschichte immer wieder erfahren. In Jesus Christus gilt Gottes unwiderrufliches „Ja“ der ganzen Welt. Darauf dürfen wir vertrauen, auch hier und heute - allen Corona-Bedrohungen zum Trotz.

Der Herr ist noch und nimmer nicht von seinem Volk geschieden; er bleibet ihre Zuversicht, ihr Segen, Heil und Frieden. Mit Mutterhänden leitet er die Seinen stetig hin und her. Gebt unserm Gott die Ehre! (Johann Jakob Schütz, Ev. Gesangbuch 326, 5)

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20. März

Der HERR deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes

Psalm 27, 5

Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.
2. Korinther 12, 10

Pfarrerin Simone Conrad, Wingeshausen: Geborgenheit. Schutz. Nähe. Aufgehoben bei einem, der es gut mit mir meint. Gott - ein Zufluchtsort in Zeiten, in denen ich mich bedrängt fühle, ein Ort, wo ich Kraft schöpfen kann, wenn ich Angst habe. Er umhüllt mich, birgt mich bei sich. Liebevoll. Ich mag vielleicht isoliert sein von vielen und vielem - aber nicht allein. Nie.

Herr, unser Gott! Wenn wir Angst haben, dann lass uns nicht verzweifeln. Wenn wir enttäuscht sind, dann lass uns nicht bitter werden. Wenn wir gefallen sind, dann lass uns nicht liegenbleiben. Nein, dann lass uns deine Nähe und deine Liebe spüren! (Karl Barth)

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21. März

Der Herr spricht: Ich will Frieden geben in eurem Lande, dass ihr schlaft und euch niemand aufschrecke.

3. Mose 26, 6

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren.

Philipper 4, 7

Pfarrerin Silke van Doorn, Bad Laasphe: Friede wird. So war es für die Kinder Israels nach dem Auszug aus dem Sklavenhaus und nach der unruhigen Zeit der Wanderung durch Kargheit. Und dann diese feste Zusage: Kein böses Tier, dass die Menschen zittern lässt. Nie wieder Krieg. Welch eine Zusage des Friedens, der allen menschlichen Verstand übersteigt.
Wir wissen um die Kriegsflüchtlinge, die noch in der Wüste stecken. Geschreckt von Ängsten und Sorgen. Frieden über sie.
Was schreckt uns hier? Die Angst vor der Seuche, die alles verändert. Sei getröstet: Unsere Herzen und Sinne sind bewahrt in Christus. Friede wird.

Frieden ist in meinen Räumen,
dem Kamin nahe gerückt,
die Kienäpfel im Feuer duftend träumen,
Frieden ist in meinen Räumen,
dem Draußen weit entrückt.

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22. März - Angedacht

Pfarrer Joachim Cierpka, Bad Laasphe: „In der Ruhe liegt die Kraft“ pflegte mein Ausbilder mir zu sagen, wenn ich mal wieder etwas zu hektisch voran wollte. Viele von uns fühlen sich derzeit zu häuslicher Ruhe verurteilt. Jedenfalls merken wir, wie schwer wir uns an verlangsamtes Leben gewöhnen, wie schwer es uns fällt, auf noch unbestimmte Zeit Teilbereiche unseres Lebens in den Ruhemodus zu versetzen.

Die hebräische Bibel kennt das Ruhegebot des Sabbats, das älteste Sozialgebot der Menschheit. Zeit zur Muße, zur Reflexion, zum Gespräch mit Gott, für mich selbst und die, die mir nahe sind.

Natürlich, man kann in diesen Tage sorgenvoll auf das schauen, was derzeit alles nicht möglich ist. Oder aber das annehmen, was plötzlich möglich ist. Die geschenkte Zeit lässt sich sinnvoll füllen. Gerade in so ungewöhnlichen, teils hysterischen Zeiten wie der unseren bietet das erzwungene ‚Jetzt nicht‘ auch Chancen.

Trotz der Sorgen, wie sich die nächsten Tage und Wochen entwickeln, sollten wir uns auch Zeit nehmen, zu uns selber zu finden: Was ist mir wirklich wichtig? Was brauche ich, was ist vielleicht nicht nur dieser Tage verzichtbar? Was ist tragende Säule meins Lebens, und was - obgleich mir sonst selbstverständlich - ist eigentlich eher überflüssige Belastung.

Im Großen gilt das auch für unser gesellschaftliches Miteinander. Vielleicht gelingt uns in diesen Tage der Krise und danach eine neue Ausrichtung, die allen Gewinn bringt. Vielleicht lernen wir eine neue Sprache des Miteinanders. Welche demokratischen Werte dürfen wir im Normalfall genießen. Welche Freiheiten sind unverzichtbar, welche scheinbar unverzichtbaren Freiheiten aber belasten Umwelt und Mitmenschen mehr als nötig und können anders gestaltet werden?

Ich möchte Sie einladen, in dieser Zeit auch die Chancen zu sehen, die für die Gestaltung unseres Lebens durch die erzwungene Zeit des Innehaltens möglich werden. Und ich bin gewiss, dass uns daraus auch Kräfte erwachsen können, die uns nach überwundener Krise mit Freude neues Miteinander im Großen wie im Kleinen gestalten lassen werden.

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23. März

HERR, du bist's allein, du hast gemacht den Himmel und aller Himmel Himmel mit ihrem ganzen Heer, die Erde und alles, was darauf ist, die Meere und alles, was darinnen ist.

Nehemia 9, 6

Gott hat sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt.

Apostelgeschichte 14, 17

Pfarrer Peter Liedtke, Girkhausen: Ein Blick zurück: Gott hat viel Wunderbares getan, diese Welt und uns in Leben gerufen. Er bewahrte uns, indem er Regen und Fruchtbarkeit schenkte und wir genug zu essen hatten. Und er erfüllte unser Herz mit Freude. Dabei war auch die Vergangenheit erfüllt mit Herausforderungen und Krisen. Aber es gab Menschen, die sich vertrauensvoll auf Gottes Weg einließen. Für sie zählte im Rückblick nicht das Leid, sondern die Bewahrung.
Ein Blick nach vorn: Viele von uns sind verunsichert und haben Angst. Aber im Vertrauen auf Gott können wir unsere Furcht überwinden und in allem Schweren auch die Momente des Schönen und der Mitmenschlichkeit entdecken.

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24. März

Der HERR ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken.

Psalm 145, 17

Darum lassen auch wir nicht ab, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht.

Kolosser 1, 9

Pfarrer Henning Debus, Wallau: Gerecht und gnädig - arg strapaziert sind in diesen Tagen diese beiden Begriffe. Krankenhauspersonal, Verkaufspersonal in den Supermärkten und Polizei arbeiten am Limit. Lehrer und Lehrerinnen unterrichten online. Politiker und Politikerinnen kümmern sich rund um die Uhr. Wir leben von der Gerechtigkeit und Gnade Gottes. Und deshalb helfen wir dabei mit, dass das Ansteckungsrisiko für Risikogruppen so gering wie möglich ist. Da zeigt sich, was uns Gerechtigkeit und Gnade bedeuten.

Hören wir nicht auf, für diese Welt zu beten - um Gerechtigkeit und Gnade!

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25. März

Wie kehrt ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht! und ein Bildwerk spräche von seinem Bildner: Er versteht nichts!

Jesaja 29, 16

Alle miteinander bekleidet euch mit Demut.

1. Petrus 5, 5

Pfarrer Stefan Berk, Erndtebrück: Uralte Worte kommen erschreckend nah: Wie wenig kann ich mein Leben kontrollieren! Ein Virus, mit bloßem Auge nicht zu erkennen, stellt alles auf den Kopf. Doch die Luft wird besser, das Wasser sauberer. Einfache Dinge zählen. Ich frage mich: Haben wir doch alles umgekehrt? Und verstehen das Leben nicht mehr?
Demut fordert die Bibel von uns. Das ist der Mut, nachhaltig zu leben, sich als Teil des Ganzen zu begreifen. Mensch zu sein, mit allen Chancen und Grenzen. Mehr nicht.
Gott, Leben bleibt in Deiner Hand. Vergiss uns nicht - trotz allem. Lass uns Demut lernen, damit alle leben können. Amen.

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26. März

Ich bekenne meine Schuld, bekümmert bin ich meiner Sünde wegen.

Psalm 38, 19

Die Traurigkeit nach Gottes Willen wirkt zur Seligkeit eine Umkehr, die niemanden reut.

2. Korinther 7, 10

Pfarrer Steffen Post, Bad Laasphe: „Traurigkeit“ erinnert mich an Tränen, die in diesen Tagen fließen: Tränen der Wut, wo das Kontaktverbot ignoriert wird. Tränen des Schmerzes, weil das Abschiednehmen von einem geliebten Menschen nur eingeschränkt möglich ist. Tränen der Enttäuschung, weil geplante Feste vorerst ausfallen müssen. Tränen der Rührung beim Balkonsingen/-applaus und Glockenläuten. In der Bibel steht, dass Gott alle Tränen von unseren Augen abwischen wird.

Das tröstet mich und lässt mich bitten: „Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns in allem Leiden. Voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten.“ (Eugen Eckert, Ev. Gesangbuch 171, 2)

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27. März

Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen? Ich, der HERR, kann das Herz ergründen und die Nieren prüfen und gebe einem jeden nach seinem Tun.

Jeremia 17, 9-10

Daran erkennen wir, dass wir aus der Wahrheit sind, und können vor ihm unser Herz überzeugen, dass, wenn uns unser Herz verdammt, Gott größer ist als unser Herz und erkennt alle Dinge.

1. Johannes 3, 19-20

Pfarrerin Simone Conrad, Wingeshausen: Gott kennt unser Herz - er kennt unsere Ängste, Sorgen, Fragen. Er kennt unser Herz - er kennt auch die Abgründe, die Gemeinheiten, die Schuld. Er sieht in unser Herz wie kein anderer - und er sieht uns liebevoll an, barm-herzig. Also: mit einem Herz voller Erbarmen und Verzeihen. Gott liebt mich - obwohl er mich kennt, ganz und gar - oder vielleicht genau deswegen?

Guter Gott, du kennst und liebst uns, jede und jeden einzelnen. Du siehst in unser Herz. Erkenne, was wir jetzt brauchen in diesen Tagen: Mut und Kraft und Geduld - und schenke uns reichlich davon. Amen.

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28. März

Der HERR hat Gefallen an denen, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen.

Psalm 147, 11

Jesus spricht: Wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

Markus 3, 35

Pfarrer Thomas Janetzki, Wingeshausen: Wann gefallen wir Gott? Wenn wir stark sind, wenn wir Erfolg haben? Wir Menschen meinen oft, dass Gott doch auf der Seite der Sieger stehen müsste, denn was soll er mit den Kleinen, den Schwachen? Unsere Losung ist da völlig anderer Meinung: Es geht nicht darum, was wir aus eigener Kraft erreichen, in die Wege leiten, sondern darum, uns auf ihn zu verlassen, unsere Kraft aus seiner zu schöpfen, darauf zu vertrauen, dass er gnädig und gütig ist.

Nur durch ihn können wir etwas bewirken, nur im Vertrauen darauf, dass er uns nicht im Stich lässt, sondern uns begleiten wird bei allem, was wir vorhaben.

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29. März - Angedacht

Pfarrer Jaime Jung, Erndtebrück: „Wer einen Garten pflegt sieht deutlich, wie die verschiedenen Jahreszeiten wirken. In der Natur verläuft jedes Jahr nach dem gleichen, fast unveränderlichen Rhythmus. Grundsätzlich: Es gibt den Neuanfang im Frühling, den hellen Sommer, den stürmischen Herbst, den frischen Winter. Es gibt das Wachsen, das Reifen, das Ernten und das Ruhen. Wie im Jahreslauf gibt es auch im menschlichen Leben einen Rhythmus, in dem Höhepunkte und scheinbare Tiefpunkte sich abwechseln.

Jeder Mensch braucht einen Ausgleich im Leben: Arbeit und sinnvolle Aufgaben, aber auch Freizeit und Erholung. Essen und Trinken, Kleidung und ein Dach über dem Kopf, aber auch Musik, Blumen und Bilder. Wir brauchen den Frühling unseres Lebens, die glücklichen und bunten Zeiten, in denen wir neue Anfänge wagen können. Wir brauchen den Sommer, das volle Leben draußen in der weiten Welt, die Begegnungen, die Festlichkeiten. Auch der Herbst gehört zu unserem Leben, die Zeit der Ernte, der Dankbarkeit für alles, was uns gegeben wird. Wir brauchen ebenso den Winter, die Zeit des Abschieds und der Einsamkeit. In all seinen Lebensabschnitten braucht der Mensch den Kontakt zu anderen.

Nun erleben wir dieses Jahr eine ungewöhnliche Veränderung. Während draußen nach und nach der Frühling sich von seinen besten und bunten Seiten zeigt, wird uns empfohlen, drinnen zu bleiben: „Alle sozialen Kontakte werden in der nächsten Zeit ruhen müssen“, heißt es in der Politik. Das Normale ist gerade, dass vieles nicht normal ist. Es ist für mich nun so, als wäre mitten im Frühling wieder der Winter ausgebrochen, die Zeit des langen Wartens.

In unserer Region sind wir ja gewohnt, dass es auch mitten im Frühling plötzlich wieder kalt werden kann. Aber wir wissen dann: Auch das wird vorbei gehen. Und für unsere jetzige Situation gilt: Es wird wieder Begegnungen geben.

Was uns noch entgegenkommen wird, steht in Gottes Händen - und das ist gut so. Sicher ist: In allen Jahreszeiten des Lebens ist er bei und mit uns, als treuer Wegweiser und Begleiter. Er kennt unsere Freuden, aber auch unsere Sorgen, Ratlosigkeit und Ärgernisse. Er möchte uns täglich die Kreativität und den Mut schenken, das Beste aus unserer jetzigen Situation zu machen - egal, ob von einem unsichtbaren Virus verursacht oder von einem verzweifelten Herzen empfunden.

Bei der Coronavirus-Krise - samt Quarantäne - geht es nicht nur um Angst und um Verlust, sondern um Fragen, die über die Gegenwart hinausgehen: Wird mir deutlicher, was mir im Leben wirklich wichtig ist? Worauf kann ich und will ich in Zukunft verzichten? Was fehlt mir? Was habe ich in dieser Zeit gewonnen, zum Beispiel an Erkenntnissen über mich selbst und über andere Menschen?

Es mag wie ein Klischee klingen - und ist vielleicht auch eins - aber ich halte fest daran: Alles hat seine Zeit. Der Frühling lässt sich nicht aufhalten.

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30. März

Wo ist jemand, wenn er fällt, der nicht gern wieder aufstünde? Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme?

Jeremia 8, 4

Jesus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.

Johannes 6, 37

Jugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen: Wir sind eingeladen und werden nicht hinausgestoßen - und das in Zeiten der Kontaktsperre. Vielen von uns fällt es schwer, die Kontakte mit anderen zurückzufahren und auf Abstand zu gehen. Eine Kontaktsperre für Jesus gibt es nicht. Im Gegenteil, wir werden aufgerufen, gerade jetzt zu ihm zu kommen. Vielleicht können auch wir die Zeit nutzen, in der das öffentliche Leben immer weiter eingeschränkt wird, um ein wenig inne zu halten, zu beten und Gott mehr Raum in unserem Leben zu geben. Dazu lädt Jesus uns herzlich ein! Amen.

Jesus, zu dir kann ich so kommen, wie ich bin. Du hast gesagt, dass jeder kommen darf. (Feiert Jesus 2, Nr. 151)

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31. März

Jene, die fern sind, werden kommen und am Tempel des HERRN bauen.

Sacharja 6, 15

Durch Jesus Christus werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.

Epheser 2, 22

Pfarrer Peter Liedtke, Girkhausen: Gottesdienste und biblische Impulse in den Internetauftritten unserer Gemeinden, im Radio oder im Fernsehen werden dankbar angenommen, mir will scheinen mehr als in normalen Zeiten. Auch die sonst eher Distanzierten spüren die Kraft, die von Zusagen und Bildern der Schrift ausgehen, weil wir im Moment alle Suchende sind. Vielleicht baut sich hier etwas auf, eine neue Haltung.

Möge es eine Haltung sein mit Wänden aus Dankbarkeit, Mitmenschlichkeit, Solidarität und Wahrhaftigkeit, um dann bedacht zu sein vom Segen Gottes, der durch Jesus Christus zugedacht ist allen Menschen.

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1. April

Ich will mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.

Jesaja 65, 19

Jesus sprach zu den Jüngern: Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.

Johannes 16, 22

Pfarrerin Dr. Sandra Gintere, Winterberg: Visionen zu haben, ist für funktionierende Gesellschaft eine Grundvoraussetzung. Doch die Vision, dass wir Menschen die Herren über die Erde und das Leben seien, ist zerbrochen. Die Corona-Pandemie hat uns ratlos und weitgehend hilflos gemacht und uns unsere menschlichen Grenzen aufgezeigt. Ganz anders verhält es sich mit der Vision, die der lebendige Gott selbst entwickelt und entfaltet.

Auch in diesen schwierigen Zeiten, wenn so viele Menschen weltweit an dem Corona-Virus erkrankt sind oder Angst vor einer Ansteckung haben, schenke Du uns, Allmächtiger, gütiger Gott, die Zuversicht und das Vertrauen an deine große Vision des neuen Himmels und der neuer Erde, die Du für alle Menschen und Deine ganze Schöpfung vorbereitet hast. Amen.

hier gibt es die komplette Andacht

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2. April

Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder.

Psalm 71, 17

Simeon nahm das Kind Jesus auf seine Arme und lobte Gott und sprach: Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen.

Lukas 2, 28-30

Pfarrerin Ursel Groß, Grafschaft: Bei uns im Sauerland stehen auf den Höhen viele Kreuze. Einige von ihnen sind jetzt jeden Abend beleuchtet. Sie sind ein Zeichen in dieser Zeit der Krise, denn sie erzählen von Ostern. Der Heiland, der Retter hat mit seiner Auferstehung alle Dunkelheit überwunden und neues Leben geschenkt.

Erzählen wir einander von diesem Wunder Gottes in Briefen, beim Telefonieren, über WhatsApp, mit den Möglichkeiten, die wir in dieser Zeit haben, und stärken uns und andere damit in der Hoffnung auf Leben, so wie es Menschen durch die Jahrtausende immer getan haben.

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3. April

Wohl dem Volk, das jauchzen kann! HERR, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln.

Psalm 89, 16

Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

Epheser 5, 8 und 9

Pfarrer Stefan Berk, Erndtebrück: Nach ausgelassener Freude ist keinem zumute. Licht am Ende des Tunnels ist keins zu sehen, auch wenn die Frühlingssonne strahlt. Wir sind unsicher, ängstlich. Das Leben miteinander vertrocknet, unsere Seele ist im Corona-Modus.

Diese biblische Hoffnung tut gut, die sagt: Nicht verzweifeln, Gott lässt sich durch nichts vertreiben, auch nicht durch eine Pandemie. Deshalb macht euch gerade jetzt für Gerechtigkeit stark. Fragt nach wahren Nachrichten. Vertraut: Gottes Licht bleibt!

Gott der Hoffnung,
zeig uns Wege in deinem Licht.
Wir vertrauen darauf,
dass du bei uns bleibst.
Amen.

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4. April

Warum sollen die Heiden sagen: Wo ist denn ihr Gott? Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will.

Psalm 115, 2.3

Gottes unsichtbares Wesen - das ist seine ewige Kraft und Gottheit - wird seit der Schöpfung der Welt, wenn man es wahrnimmt, ersehen an seinen Werken.

Römer 1, 20

Pfarrer Oliver Lehnsdorf, Oberndorf: Gerade jetzt in der beginnenden Frühlingszeit erleben wir wieder von neuem, wie das Leben erblüht. Wir bestaunen Gottes Schöpfung und sind ihm dafür dankbar. Denn es ist uns bewusst, dass dies nicht selbstverständlich ist. Das Leben an sich und auch das Leben eines jeden einzelnen von uns ist ein Wunder. Zudem können wir darauf vertrauen, dass Gott immer an unserer Seite ist. Er will uns seinen Segen schenken, und das nicht nur in den guten Zeiten, sondern auch ganz besonders in den schwierigen Momenten unseres Lebens.

Ich wünsche uns, dass uns das Wissen darüber Halt und Hoffnung schenkt.

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5. April - Palmsonntag

Pfarrer Stefan Berk, Erndtebrück: Wenn es vor rund 2000 Jahren eine globale Pandemie-Strategie gegeben hätte, wäre es eine gespenstische Szene geworden: Jesus sitzt auf einem Esel und reitet mutterseelenallein auf der staubigen Hauptstraße Richtung Jerusalem. Ach nein, er ist nicht ganz allein, einer darf ja dabei sein. Aber wer von seinen zwölf besten Freunden? Petrus, der Fels? Johannes, zu dem er eine besonders enge Beziehung hatte? Oder hätte er Maria von Magdala ausgesucht?

Ganz gleich, die beiden wären nicht weit gekommen. Das Stadttor ist zu. Nur wer in Jerusalem seinen ersten Wohnsitz hat, darf raus und wieder rein. Vorausgesetzt, man gehört zu den Schlüsselpersonen oder kann nachweisen, dass der Weg aus der Stadt unverzichtbar ist für die Daseinsvorsorge.

Da hat Jesus schlechte Karten. Er ist einer vom Land, gehört nicht zu den Stadtbewohnern. Dringende Geschäfte kann er auch nicht belegen. Und Daseinsvorsorge? Das nimmt ihm niemand ab. Ein Zimmermann auf Wanderschaft kann genauso gut woanders bleiben. Die Angst vor einer Ansteckung ist viel zu groß.

Da hätten die Leute gar nicht unrecht. Denn dieser Mann aus Galiläa wirkt ansteckend! Wer ihm begegnet, kriegt Herzklopfen, weil der Himmel plötzlich offen steht. Da wird eine Ewigkeitssehnsucht wach, die einen nicht mehr los lässt. Da droht das berüchtigte Gerechtigkeitssyndrom, das Menschen ständig unbequeme Fragen stellen lässt. Und plötzlich auftretende Visionen vom Leben, in dem alle zu ihrem Recht kommen, alarmieren die Gesundheitsbehörden: Wo kämen wir hin, wenn alle meinten, das Miteinander könnte ohne Krieg geregelt werden!

Heute ist Palmsonntag. Unsere Kirchen bleiben leer. Es muss wohl sein. Aber richtig fühlt es sich nicht an, weil es das Gegenteil von der Geschichte in den Evangelien ist, wie Jesus unter dem Jubel ungezählter Menschen in Jerusalem ankommt. Deshalb müssten unsere Kirchen gerade heute voll sein, und ausgelassene Freude müsste nach draußen dringen.

Andererseits: Schon damals erlebten die Menschen, wie schnell Stimmungen kippen können. Heute grenzenloser Jubel, weil die Menschen in Jesus den starken Mann sehen, der endlich aufräumt. Nur wenige Tage später ein wütender Mob, der Fäuste reckt - voller Frust und Enttäuschung, dass Jesus ihre Erwartungen nicht erfüllt hat. So endet er in einem qualvollen Tod an einem Verbrechergalgen. Wieder draußen, vor den Stadtmauern. Doch diesmal ohne Jubel, dafür lastendes Schweigen des Todes.

Ich merke, dass mir unsere leeren Kirchen weh tun. Wie gut, dass wenigstens die Glocken weiter läuten und daran erinnern: Glaube, Liebe, Hoffnung bleiben. Denn Ostern kommt. Jesus Christus lebt und steckt uns an: mit dem Glauben, dass Gott da bleibt. Mit der Hoffnung, dass es Zukunft für unsere Kinder gibt. Mit der Liebe zu allem Leben. Mit der Sehnsucht nach Gerechtigkeit, die alle umschließt. Und mit der Vision, dass sich Dinge ändern lassen – in unserem Land und in dieser Welt. Trotz und nach Corona.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag und Hoffnung in der Seele! Wir hören uns - heute Abend um halb Acht.

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6. April

Wenn ich auch noch so viele meiner Gebote aufschreibe, so werden sie doch geachtet wie eine fremde Lehre.

Hosea 8, 12

Jesus spricht: Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeuge. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme.

Johannes 18, 37

Pfarrer Joachim Cierpka, Bad Laasphe: Hilft Glauben gegen Angst? Wohl nicht immer und nicht sofort. Angst ist notwendiger Teil menschlichen Seins, denn sie leitet auch zur Vorsicht und Behutsamkeit. Aber wenn Angst uns in einer Weise beherrscht, die Verstand und Sinne lahmlegt, ist sie eben ein schlechter Ratgeber. Jesus weiß, dass wir Angst haben: Er sagt uns zu: In der Welt habt ihr Angst, aber ich habe die Welt überwunden.

Glaube stiftet Vertrauen und Hoffnung. Diese drei vermögen die Angst zu überwinden und aus der Starre zum Handeln zu führen. So bleibe auch Ihre Hoffnung größer als die Angst!

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7. April

Der HERR, der König Israels, ist bei dir, dass du dich vor keinem Unheil mehr fürchten musst.

Zefanja 3, 15

Jesus sprach zu den Jüngern: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?

Markus 4, 40

Jugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen: In Zeiten, in denen die Corona-Krise unseren Alltag bestimmt, ist die Frage Jesu „Was seid ihr so furchtsam?“ eine echte Herausforderung. Natürlich haben wir Angst und fühlen uns bedroht. Und dennoch fordert uns Jesus zum Nachdenken auf. Sollen etwa die Ängste unser Leben bestimmen? Jesus lädt uns vielmehr ein, ihn in den Blick zu nehmen und dabei zu erkennen, dass seine Macht und Kraft viel größer sind, als wir es erahnen können. Insofern möchte seine Frage uns trösten und Mut machen ihm zu vertrauen. Gerade dann, wenn wir nicht wissen, wie es weiter geht!

Danke Jesus, dass du uns nahe bist und dass wir mit unseren Ängsten zu dir kommen können. Amen

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8. April

Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus.

Psalm 51, 14

Eure Traurigkeit soll zur Freude werden.

Johannes 16, 20

Pfarrerin Claudia Latzel-Binder, Bad Berleburg: Trauer soll zur Freude werden! Das ist ein wunderbarer Trost und so viel mehr als „nach Regen kommt Sonnenschein“. Der Vers stammt aus den Abschiedsreden Jesu, in denen er seine Jüngerinnen und Jünger auf sein Sterben und Auferstehen vorbereitet. Er spricht offen über Schmerz und Trauer, lässt diesen Raum, weil sie zum Leben dazugehören. Und er gibt eine Hoffnung, die die erschrockenen Herzen wiederaufrichtet.

Es ist nicht das weitere Kräfte zehrende Warten, dass andere Zeiten kommen, sondern es ist etwas ganz Neues: Schweres wird verwandelt. Trauer zur Freude. Auferstehung ist mehr!

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9. April

Lasst uns gehen, den HERRN anzuflehen und zu suchen den HERRN Zebaoth; wir wollen mit euch gehen.

Sacharja 8, 21

Als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

Markus 14, 26

Pfarrer Stefan Berk, Erndtebrück: An manchen Tagen denke ich: Das ist mir zu viel Aktionismus. Wenn demokratische Werte infrage gestellt werden, Corona hin oder her, wird mir mulmig. Die Bibel sagt: Erst danken, dann handeln. Erst beten, dann losgehen. Erst das Ganze bedenken, dann Entscheidungen fällen. Dazu brauchen wir keine Starken Männer, sondern Vertrauen in Gott und eine Gemeinschaft, in der wir die Probleme solidarisch in den Griff kriegen.

Gott, auf Dich vertraue ich. Stärke uns, dass wir beieinander bleiben. Und lass uns das tun, was nötig ist. Amen.

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10. April - Karfreitag

Pfarrerin Christine Liedtke, Girkhausen: Karfreitag - Jesus stirbt am Kreuz. Es ist der stillste aller christlichen Feiertage. Jetzt, zu Corona-Virus-Zeiten, noch stiller. Nicht einmal zum stillen Gottesdienst können wir Christen uns versammeln. In uns klingt der Schrei Jesu am Kreuz nach: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? (Psalm 22) Am Kreuz schreit auch Jesus seine Not und Angst heraus.

Karfreitag lässt sich nur von Ostern her aushalten. Karfreitag lässt sich nur von dem Sieg Gottes über den Tod her begreifen.
In dem Menschen Jesus hat der mensch-gewordene Gott die ganze Bandbreite des menschlichen Lebens durchlebt: Geburt und Heranwachsen, Freunde finden und der Berufung folgen, von der eigenen Familie nicht verstanden werden, Gutes tun, verraten werden, im Stich gelassen werden, Unrecht erfahren, verspottet werden, angeklagt werden, verurteilt werden, Schmerzen erleiden, sterben. In dem Film „Die Passion Christi“ von Mel Gibson, der in seinen brutalen Folterungs-Szenen zeigt, wie die Gewalt uns Menschen beherrscht, fällt in der Todesstunde Jesu eine Träne vom Himmel, die neben dem Kreuz aufschlägt: Gott leidet mit an unserem Leben, das so ist, wie es uns begegnet: voll Krankheit und Heilung, Hoffnung und Verzweiflung, Verrat und Treue, Gesundheit und Pandemie, Licht und Dunkelheit, Stärke und Schwachheit, Geburt und Tod. Karfreitag lässt sich nur von Ostern her aushalten, nur aushalten, weil wir seit Ostern fest darauf vertrauen und in unserem Herzen wissen: Gott behält den Sieg, er ist stärker als der Tod und mächtiger als alles Todbringende in unserem Leben! Bis dahin, dass wir es selbst erfahren, dass wir nicht aus Gottes Hand herausfallen können, bis dahin gilt es, auf Ostern hin zu leben und die Osterhoffnung in unseren Herzen lebendig zu halten. So wie es das Lied von Heinz Martin Lonquich ausdrückt:

Hoffen wider alle Hoffnung, glauben, dass es dennoch weitergeht.
Lieben, wo es beinah nicht mehr möglich, damit die Welt auch morgen noch besteht.

Fühlen, wo Gefühle sterben, Licht sehn da, wo alles dunkel scheint.
Handeln anstatt tatenlos zu trauern, trösten auch den, der ohne Tränen weint.

Wach sein, Zeichen klar erkennen, helfen trotz der eignen großen Not.
Aufstehn gegen Unrecht, Mord und Lüge, nicht einfach schweigen, wo die Welt bedroht.

Trauen dem, der uns gesagt hat: „Seht doch, ich bin bei euch alle Zeit.“
Mit uns ist er auch in unserm Suchen, bis wir ihn schaun im Licht der Ewigkeit. -

Hoffen wider alle Hoffnung: Karfreitag lässt sich nur aushalten von Ostern her.

Das ist gewiss: Ostern kommt. Ich wünsche Ihnen am dritten Tag ein getrostes Osterfest.

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11. April

Ach, HERR, wenn unsre Sünden uns verklagen, so hilf doch um deines Namens willen!

Jeremia 14, 7

Christus hat unsre Sünden selbst hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben.

1. Petrus 2, 24

Pfarrer Steffen Post, Bad Laasphe: Der Pik-König Corona (lat.: Krone) hält mit seinem Stachel des Todes die Welt in Atem. Der Kreuz-König Jesus lässt sich dornengekrönt an seinem Leibe wund schlagen, ehe er stirbt. Scheinbar hat er schlechte Karten. Doch Gott hat noch ein Ass im Ärmel. Ostern zieht er seinen Trumpf - den Herz-König: Den Auferstandenen. Den Todesbesieger. Den Lebensbringer. Hoffnung für eine verängstigte Welt. Hoffnung, dass sich das Blatt wendet:
Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn. (Jürgen Henkys, Ev. Gesangbuch 97, 1)

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12. April - Ostersonntag

Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück:
„Kinder“, spricht die Mutter Hase,
„putzt euch noch einmal die Nase
mit dem Kohlblatttaschentuch!
Nehmt nun Tafel, Stift und Buch!
Tunkt auch eure Schwämmchen ein!
Sind denn eure Pfötchen rein?“
„Ja!“ „Nun marsch, zur Schule gehen!“
„Mütterchen, auf Wiedersehn!“

Der erste Schultag ist da! Fröhlich machen sich Hasengretchen und Hasenhans auf den Weg in die Häschenschule im Wald. Dort erwartet sie der alte Lehrer, um ihnen alles beizubringen, was ein richtiger Hase wissen sollte: Neben Pflanzenkunde, Gartenarbeit, Hakenschlagen und Geschichten über den gefährlichen Fuchs, lernen die Häschen natürlich auch das überhaupt Wichtigste, was es für einen Hasen zu lernen gibt.

Seht, wie ihre Augen strahlen, wenn sie lernen Eier malen!
Jedes Häslein nimmt gewandt einen Pinsel in die Hand,
färbt die Eier, weiß und rund, mit den schönsten Farben bunt.
Wer‘s nicht kann, der darf auf Erden nie ein Osterhase werden.

Tja, so ist das in dem Wald, wo die Häschenschule steht. Es scheint für einen normalen Feld-, Wald- und Wiesenhasen nichts Schöneres zu geben, als irgendwann einmal Osterhase zu werden. Nostalgie und heile Welt, davon erzählt das Buch „Die Häschenschule“. Unbeschwert hüpfen die kleinen Hasen durch den Wald und müssen sich nur vor dem Fuchs in Acht nehmen. Naiv-kitschig, so könnte man sagen. Was gäb‘ ich drum, wenn wir dieses Jahr was davon an Ostern hätten. Aber, trotzdem!!! Ostern ist bunt! Wie die Eier und die Regenbögen, die man überall sehen kann.

Blau für die Treue. Die Bibel erzählt von der Geschichte Gottes mit den Menschen, davon, wie er Wort und Treue gehalten hat. Angefangen beim Regenbogen bis hin zum leeren Grab von Ostern. Er ist der, der Bund und Treue ewiglich hält und das nicht loslässt, was er geschaffen hat. Das finden wir auch im der Farbe Rot, die natürlich für die Liebe steht. Die Liebe und das Leben haben ein für alle Mal gesiegt. Und Gelb? Wie das Sonnenlicht. Ostern ist ein Sonnenaufgang nach durchwachter und durchweinter Nacht. An diesem Morgen, mit diesem Sonnenaufgang hat sich alles verändert. Die Trauer ist der Freude gewichen, das Grau dem leuchtendem Sonnengelb. Und als Letztes kommt das Grün. Das steht für das größte Ostergeschenk: die Hoffnung. Das Grab war leer. Der Tod musste vor der Macht des Lebens weichen. Ostern zeigt uns, dass Gott die Welt nicht aufgegeben hat und sie nicht aufgeben wird. Ostern zeigt uns, dass wir hoffen dürfen.

Färbt die Eier, weiß und rund, mit den schönsten Farben bunt!“ An Ostern muss es bunt zugehen. Ostern muss in den verschiedensten Farben schillern: Blau, Rot, Gelb, Grün.

Ich wünsche uns allen, dass wir die Farbenpracht erkennen und uns daran freuen können. Trotz Allem! Dann kann das Licht von Ostern auch in dunkler Zeit umso heller leuchten.

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13. April - Ostermontag

Pfarrer Horst Spillmann, Arfeld:Seht meine Hände und meine Füße, dass ich es selbst bin, betastet mich und seht, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr es an mir seht.“ (Lukas 24, 39) So heißt es in dem Predigttext für den Ostermontag. Jesus zum Anfassen.

Wie heißt es in der Erklärung zu dem Christus ohne Arme in der Münsteraner Ludgerikirche: „Christus hat keine Hände, nur unsere Hände. Er hat keine Füße, nur unsere Füße.“ Wir als Christen sollen den Leib Christi in dieser Welt abbilden, auch indem wir untereinander Gemeinschaft haben, im Feiern, im helfenden Handeln, im ungezwungenen Miteinander im Kindergottesdienst, beim Frauenfrühstück, im Hauskreis, im Chor - all dies ist zurzeit nicht möglich. Und da merke ich, dass mir eine digitale Kirche zu wenig ist - sie ist eine Notlösung. In der Not braucht man mitunter schnellverfügbare Hilfsmittel, man behilft sich. Aber für den Normalfall, für das normale Leben ist dies keine Dauerlösung. Da gibt es nichts anzufassen, nichts zu riechen. Es ist reduziertes Erleben. Nein, so wird es auf Dauer nicht gehen - und ich glaube, dass das Gott auch nicht will. Er will mit allen Sinnen im menschlichen Miteinander erlebt werden.

Gleichwohl kann es sein, dass wir in eine Zeit hineingeführt werden, in der wir gerade unsere Sinne neu schärfen sollen, da wir merken, wie wichtig es ist, mit Menschen eng zusammen zu sein, ohne sich über den 1,50-Meter- bis 2-Meter-Abstand Gedanken machen zu müssen. Wir merken: So kann man doch nicht mit Menschen umgehen, es muss doch der körperliche Kontakt möglich sein, das Begrüßen und Umarmen, das Feiern. Ja, es wird auch wieder möglich sein - einfach, weil Gott dies will. Deshalb ist er ja in Jesus wahrer Mensch geworden. Aber wir haben darum kein Bewusstsein mehr, es ist uns das menschliche Miteinander zu selbstverständlich geworden. Und was uns selbstverständlich wird, kann über kurz oder lang belanglos werden und damit der Pflege entbehren, die alle menschliche Gemeinschaft braucht.

Ja, und auch Gott ist für die Gesellschaft belanglos geworden. Der nachlassende Besuch in den letzten Jahren in den Karfreitags- und Ostergottesdiensten ist Symptom dafür. Und ich bezweifle, ob das Wegbrechen dieser Selbstverständlichkeiten in der Zeit der Corona-Pandemie zu einer Hinwendung zu Gott führt. Die Gesellschaft bedauert nicht Wegfall der Ostergottesdienste, wohl aber der Osterfolklore. Die Gottesfrage bricht für unsere Gesellschaft nicht auf. Jetzt sind die Virologen die Heilsbringer, die uns möglichst bald wieder den Zugang zur Normalität eröffnen sollen, damit alles so weiter gehen kann wie vor Corona. Wie schreibt doch Heribert Prantl, Jurist und Journalist: „Corona verschafft einer überreizten, überforderten, erschöpften Gesellschaft eine Zwangspause.“ Wohl wahr! Und er fragt dann weiter: „Wird die Gesellschaft daraus Lehren ziehen, wenn die Zwangspause zu Ende ist?“ (aus: Prantls Blick, Newsletter vom 15. März 2020) Gewiss manche Konsequenzen, wie etwa das Gesundheitssystem zukünftig sicherer aufgestellt sein kann, werden gezogen werden, aber im Blick auf Gott wird sie keine Lehren ziehen, weil sie sich keiner Abhängigkeit von ihm mehr bewusst ist. Wir werden irgendwann wieder zur Normalität übergehen, in dem Irrglauben, das vorher Normale sei das Richtige gewesen. Nein, es war das Krankmachende, was uns Corona nur vor Augen führt - wenn wir es denn sehen wollen.

Besteht denn die Chance auf etwas Gesundes? Ja, in der Hinwendung zu Christus, denn er, der noch vor drei Tage Tote, er lebt. Einer, der den Tod überwunden hat - das Ergebnis aller Krankheit! - der ist wahrhaft gesund. An Jesus wird für uns das erfahrbar, was der Prophet Jesaja im Blick auf den Heiland Gottes, Jesus Christus, bereits angekündigt hat: „Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt.“ Nur durch ihn werden wir wahrhaft geheilt, gesund. Dass das wahr ist, sehen wir an dem Auferstandenen, der unendlich mehr ist, als eine Idee, ein Gedankenkonstrukt: Er ist der gegenwärtige Herr - betastbar in seiner sich um ihn versammelnden Gemeinde.

 


14. April

Meine Gerechtigkeit ist nahe, mein Heil tritt hervor, und meine Arme werden die Völker richten.

Jesaja 51, 5

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.

1. Petrus 1, 3

Pfarrer Henning Debus, Wallau: Ostern war gestern: Mit leeren Kirchen, (fast) leeren Straßen und Parks, (fast) leeren Wäldern. Ganz anders als sonst. Unwirklich irgendwie.
Ostern ist heute: Wir warten gespannt darauf zu erfahren, wie es weitergeht, wie unsere Welt heil wird, Heilung erfährt und wie unser Leben nach Corona aussehen mag. Wie nah ist die Gerechtigkeit? Wie nah das Heil?
Ostern ist morgen: Seit dem ersten Ostern in Jerusalem haben wir eine lebendige Hoffnung, weil Christus lebt! Er kommt uns entgegen. Gottes Gerechtigkeit stärkt unserer Hoffnung den Rücken.
Christ ist erstanden!

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15. April

Der HERR, dein Gott, ist bei dir gewesen. An nichts hast du Mangel gehabt.

5. Mose 2, 7

Paulus schreibt: In allem erweisen wir uns als Diener Gottes: in großer Geduld, in Bedrängnissen, in Nöten, in Ängsten; Als die Traurigen, aber allzeit fröhlich; Als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben und doch alles haben.

2. Korinther 6, 4.10

Pfarrerin Silke van Doorn, Bad Laasphe: Heute ist der Tag, an dem beraten wird, wie es weitergeht. „An nichts hast du Mangel gehabt“ in den letzten Wochen? Es gibt derzeit vieles nicht, was wir sonst selbstverständlich haben. Wir alle leben ein anderes Leben - aber Mangel? In Deutschland sind es nicht so viele, die hungern, da tatsächlich die Rettungsprogramme greifen. Mit der vertrauensvollen Zuversicht in Gott, können wir getrost auch in diesen Zeiten leben und Freude miteinander teilen. Noch nie habe ich Ostern so viel schöne Botschaften der Auferstehung bekommen.

Das sind die Diener*innen Gottes: die als Arme viele reich machen. Weil wir wissen, dass „Gott auch aus dem Bösesten Gutes entstehen lassen kann und will“, wie es im Glaubensbekenntnis von Dietrich Bonhoeffer heißt. Gutes: Kein Krieg und keine Waffen: Wenn Politiker so viel einschränken können, dann sollten sie auch nach Corona alles Lebensbedrohende verbieten.

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16. April

Weh denen, die weise sind in ihren eigenen Augen und halten sich selbst für klug!

Jesaja 5,21

Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, damit wir wissen, was uns von Gott geschenkt ist.

1. Korinther 2,12

Pfarrer Dieter Kuhli, Bad Laasphe: „Immer höher, immer weiter, immer schneller…“ Diese Lebenserfahrung und -erwartung hat in den letzten Wochen gründlich Schiffbruch erlitten. In Zeiten von Corona ist manches, was wir für unumstößlich hielten, fraglich geworden. Zugleich haben viele von uns eine wichtige Lebensweisheit neu entdecken können. Eine alte chassidische Geschichte erzählt davon auf eindrückliche Weise: Ein alter Rabbi fragte seine Schüler, wie man den Zeitpunkt bestimmen kann, an dem die Nacht endet und der Tag beginnt. „Ist es dann, wenn man von weitem einen Hund von einem Schaf unterscheiden kann?“ „Nein“, antwortet der Rabbi. „Ist es dann, wenn man von weitem einen Dattelbaum von einem Feigenbaum unterschieden kann?“, fragt ein anderer. „Nein“, sagt der Rabbi. „Aber wann ist es dann?“, fragen die Schüler. „Es ist dann“, sagt der Rabbi, „wenn du in das Gesicht eines Menschen siehst und darin deine Schwester oder deinen Bruder entdeckst. Dann beginnt der Tag!“ Bewahren wir uns diese Lebensweisheit für eine helle, von Mitmenschlichkeit geprägte Zukunft!

Es ist ja, Herr, dein G’schenk und Gab mein Leib und Seel und was ich hab in diesem armen Leben. Damit ich’s brauch zum Lobe dein, zu Nutz und Dienst des Nächsten mein, wollst mir dein Gnade geben. (Martin Schalling, Ev. Gesangbuch 397, 2).

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17. April

Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen kann, der du zugesagt hast, mir zu helfen.

Psalm 71, 3

Der Herr wird mich erlösen von allem Übel und mich retten in sein himmlisches Reich.

2. Timotheus 4, 18

Pfarrerin Ursel Groß, Grafschaft: Ostern 2020 - in unserer offenen Kirche sitzt eine Frau. Ich kenne sie und weiß: Ihre Arbeit fordert sie in diesen Corona-Tagen weit über ihre Kräfte hinaus. Sie ist gekommen, um Ruhe zu finden und um Trost und neue Kraft zu bekommen.Eine halbe Stunde sitzt sie in tiefer, bewegter Andacht da. Dann steht sie auf, geht zum Altar und zündet an der Osterkerze ein Licht an.Als sie geht, sagt sie: Danke! Das hat gut getan!

Der Auferstandene ist ein starker Hort. Mitten im Leben hilft er zu neuem Leben in neuer Kraft und Zuversicht.

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18. April

Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, Turteltaube, Schwalbe und Drossel halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des HERRN nicht wissen.

Jeremia 8, 7

Jesus Christus hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken.

Titus 2, 14

Pfarrerin Christine Liedtke, Girkhausen: Die Tiere leben uns vor, wie weise alles geordnet ist, im Wechsel der Jahreszeiten können wir es ebenfalls beobachten. Alles geschieht zu seiner Zeit; nur wir Menschen begreifen offenbar nur schwer, wie sehr auch wir verwoben sind mit aller Kreatur. Jetzt gehen wir wieder mehr zu Fuß und können in der erzwungenen Verlangsamung auch zu tieferen Gedanken finden.

Als die Zeit erfüllt war“ (Galater 4, 4), kam Gott als Mensch zu uns in Jesus Christus. Es gibt ein Zufrüh und ein Zuspät, und es gilt auch für uns, den rechten Moment gut zu gestalten - besonders in dieser Ausnahme-Zeit.

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19. April - Angedacht

Pfarrer Peter Liedtke, Girkhausen: Es gibt Worte, die sich im Moment immer wieder Gehör verschaffen: Corona, Abstand halten, Kontaktsperre, Rezession, Krise. Worte sind nicht nur Informationsträger. Sie prägen auch unsere Stimmungen und Haltungen. Wir wissen doch: Ein Schüler, der immer wieder vorgehalten bekommt, mit seinem fehlenden Leistungswillen werde er später scheitern, geht nicht sehr motiviert an das Lernen heran. Eine Mitarbeiterin, die am Freitagnachmittag im Team nicht nur gespiegelt bekommt, wo Verbesserungsmöglichkeiten wären, sondern auch hört, was Ihr besonders gelungen sei, wird mit mehr Elan und geringerer Neigung zu Erkrankungen in die nächste Woche gehen.

Die aktuelle Situation ist eine massive Herausforderung für uns alle. Gerade deshalb ist es aber nicht hilfreich, die kleine positive Rückmeldung „Wir haben beobachten können, dass sich fast alle an die Auflagen gehalten haben“ zunichte zu machen, indem dann fortgefahren wird mit „Aber...“ und dann soviel in dieses „Aber...“ gepackt wird, dass das Positive vom Anfang am Ende vergessen ist.

Als Pfarrer mache ich es häufig umgekehrt. Ich nehme das Negative, Schmerzliche ernst und benenne es. Dann aber kommt mein „Aber...“ und ich spreche von der Hoffnung, von der Nähe Gottes, von dem Vorbild Jesu, der es verstand, vieles zum Guten umzukehren. Als Christ fällt mir das natürlich etwas leichter. Denn ich lebe von der Gewissheit, dass am Ende der Zeit Gott alles so fügen wird, dass wir sagen können: „Es ist alles gut.“ Oder wie ein Film diesen Gedanken fortführt: „Und wenn es nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende.“

Zu diesem Schauen auf die Chancen und Möglichkeiten möchte ich ermutigen. Nicht, weil die Chancen und Möglichkeiten die Schmerzen und das Leid aufwiegen. Sondern weil wir an dem Negativen, was geschieht, nichts oder nur wenig ändern können. Aber bei der Frage, was wir aus der Krise lernen können und welche Ideen wir für die Zukunft retten sollten, können wir gestalten, können wir zum Positiven hin verändern.

Ein Schauen auf das Positive kann viel Kraft freisetzen. Meine Großmutter sagte - zum Ärger und zum Spott der Familie - seit ihrem 60. Geburtstag immer wieder: „Wenn ich das noch erlebe.“ Sie sagte das nicht resignativ, sondern für uns war jedes Mal zu spüren: Sie möchte es erleben! Und dieses Hoffen auf den Besuch bei den Enkeln, auf die Fahrt mit ihrem Frauen-Clübchen oder auch nur den Gang über den Wochenmarkt baute sie auf. Sie wurde 87 Jahre alt und hat ihr Leben, gerade weil sie immer auf das Positive schaute, bis fast zum Ende genossen.

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20. April

Der HERR sprach: Dazu habe ich Abraham auserkoren, dass er seinen Kindern befehle und seinem Hause nach ihm, dass sie des HERRN Wege halten und tun, was recht und gut ist.

1. Mose 18, 19

Befreit von der Sünde und in den Dienst Gottes gestellt, habt ihr die Frucht, die Heiligung schafft, und als Ziel ewiges Leben.

Römer 6, 22

Pfarrer Steffen Post, Bad Laasphe: „Wir bleiben zuhause“ - dieses Motto ist prägend in diesen Tagen, auch wenn uns ab und an im Homeoffice die Decke auf den Kopf fällt. In einem Werbespot sind dabei Menschen zu sehen, die mit ihren Händen ein Dach über dem Kopf formen. Ein schönes Zeichen: Schützend, segnend, behütend. „Und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar“, so beschreibt für mich ein bekanntes Psalmwort die Hoffnung auf das ewige Leben.

In Gottes Obhut darf ich bleiben: Heute und alle Tage. Darauf vertrauend bitte ich: Halte zu mir, guter Gott, heut den ganzen Tag. Halt die Hände über mich, was auch kommen mag. (Rolf Krenzer, Das Kindergesangbuch Nr. 8)

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21. April

Sie zogen Daniel aus der Grube heraus, und man fand keine Verletzung an ihm; denn er hatte seinem Gott vertraut.

Daniel 6, 24

Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark!

1. Korinther 16, 13

Pfarrerin Berit Nolting, Berghausen: Ob wir wohl auch ohne Verletzungen aus dieser Corona-Zeit herauskommen, so wie Daniel aus der Löwengrube? Es war für Daniel eine gefährliche Situation - und das ist es auch bei uns. Bisher geht es in Deutschland und bei uns in Wittgenstein relativ gut. Wir haben Möglichkeiten, uns zu bewegen, und die Ansteckungsgefahr ist relativ gering. Jetzt scheint sich das Leben langsam zu normalisieren. Einige Schüler gehen wieder zur Schule und mehr Geschäfte öffnen. Vielleicht regelt sich auch wieder der Rest? Ich wünsche es uns, dass wir wie Daniel mit viel Gottvertrauen und ohne Kratzer aus unserer Löwengrube herauskommen.

Gott möge uns Kraft und Mut schenken, so dass wir diese Zeit bestehen.

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22. April

Ich schwor dir's und schloss mit dir einen Bund, spricht Gott der HERR, und, du wurdest mein.

Hesekiel 16, 8

Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus.

Galater 3, 26

Abenteuerdorf-Geschäftsführerin Silke Grübener, Mornshausen: Der Lehrtext zeichnet ein wunderschönes Bild: Verbunden sein mit Jesus - zu Gottes Familie gehören - sofort fallen mir Streiflichter aus meiner Jungschar-Zeit im CVJM und aus der Teilnahme beim Young-Ambassadors-Programm ein. Menschen, die gemeinsam unterwegs sind, die Leben teilen, weil sie in Jesus verbunden sind - Menschen, die uns in ihren Häusern aufnehmen ohne uns zu kennen mit dem einfachen Grund, dass wir alle zu Gottes Familie gehören, auch über Grenzen hinweg.

Ich freue mich daran, dass alle durch den Glauben mit Gott verbunden sind und damit auch untereinander. Ich wünsche mir, dass wir uns das immer wieder bewusst machen und füreinander da sind.

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23. April

Ich habe dich bereitet, dass du mein Knecht seist. Israel, ich vergesse dich nicht!

Jesaja 44, 21

Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.

Hebräer 10, 35

Pfarrerin Claudia de Wilde, Hemschlar:Als Kind habe ich sie besonders geliebt, die kleinen Blüten der Vergissmeinnicht. So klein und in der Wiese oft nicht gleich zu finden, aber doch so überwältigend schön in ihrem leuchtenden Blau. „Vergissmeinnicht“ - jemand, der an uns denkt, das brauchen wir in diesen Tagen mit soviel notwendiger Distanz ganz besonders. Und es gibt viele schöne Zeichen dafür: Ja, wir denken aneinander! Trotzdem sind sicher auch viele einsam.

Aber Gott hat versprochen, uns nicht zu vergessen. „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“ (Matthäus 28, 20). Darauf vertrauen wir.

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24. April

HERR, gedenke doch an deinen Bund mit uns und lass ihn nicht aufhören!

Jeremia 14, 21

Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.

1. Korinther 1, 9

Pfarrer Jaime Jung, Erndtebrück: Gott ist mir nahe, auch wenn ich mich von ihm entferne. Er glaubt an meine Fähigkeiten, an meine Stärken, auch wenn ich an mir selbst zweifle. Sein deutliches „Ja“ zu mir gilt, auch wenn ich viel zu oft das Wort „vielleicht“ benutze. Auch wenn ich mir zu viele Sorgen mache und denke, ich muss alles selbst regeln und auf die Reihe kriegen. Auch wenn ich eher an mich denke, andere Menschen vergesse und Gottes Hilfe nicht immer annehme, hält er dennoch treu zu mir. Er wendet sich nicht ab und kennt mich bei meinem Namen.

Er ist treu und sorgt für mich - das genügt.

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25. April

Der HERR wird sich wieder über dich freuen, dir zugut, wie er sich über deine Väter gefreut hat.

5. Mose 30, 9

Jesus spricht: Wenn ihr meine Gebote haltet, bleibt ihr in meiner Liebe, so wie ich meines Vaters Gebote gehalten habe und bleibe in seiner Liebe. Das habe ich euch gesagt, auf dass meine Freude in euch sei und eure Freude vollkommen werde.

Johannes 15, 10 und 11

Pfarrerin Heike Lilienthal, Herzhausen: Was ist wesentlich für mein Leben? Was trägt mich im Leben durch alles hindurch? Liebe, die mir zukommt. Von Gott, von Jesus, von Menschen. In der Liebe verbunden bleiben. Liebe leben, anderen zukommen lassen. In irgendeiner Weise. Gerade in diesen Zeiten so wichtig.

Nimm Gottes Liebe an. Du brauchst dich nicht allein zu müh‘n, denn seine Liebe kann in deinem Leben Kreise zieh‘n. Und füllt sie erst dein Leben, und setzt sie dich in Brand, gehst du hinaus, teilst Liebe aus, denn Gott füllt dir die Hand. (Manfred Siebald, Ev. Gesangbuch 659, 3)

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26. April - Angedacht

Pfrn. Simone Conrad, Wingeshausen: Morgen in einer Woche wäre Konfirmation gewesen in Birkelbach. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie das war, als meine Kinder Konfirmation hatten: Jahrelang vorher Raum reserviert. Catering festgemacht. Monatelang vorher Einladungskarten gebastelt. Gästelisten gemacht, Tortenliste geführt, Konfirmationstorte bestellt. Tischdeko ausgesucht, wieder gebastelt. Klamotten gekauft, bloß nicht zu früh, das Kind wächst ja wie wild.

Und jetzt? Dieses Jahr ist alles anders. Abschließendes Unterrichtsgespräch: abgesagt. Präsentationsgottesdienst: ausgefallen. Konfirmation: verschoben.

Und darum heute ein ganz besonderer Gruß an die Konfirmanden und Konfirmandinnen in unserem Kirchenkreis: Wir denken an euch! Wir sind mit euch traurig, dass euer großer Tag verschoben werden muss und wir werden uns mit euch freuen, wenn wir mit euch feiern dürfen!

Gottes „Ja“ zu euch, das bei der Konfirmation genauso befestigt wird wie euer „Ja“ zu ihm und seiner Kirche - das gilt auch trotz und wegen und gerade in Corona-Zeit. Ihr seid ihm wertvoll und wichtig - auch wenn die Konfirmation verschoben wird. Und er ist an eurer Seite - darauf dürft ihr vertrauen, auch wenn ihr auf euren Ehrentag noch warten müsst.

An Ostern lag vor unserer Kirche in Birkelbach ein Hoffnungsstein, darauf stand: Halte durch! Nur diese zwei Worte: Halte durch. Halte durch und lass dich nicht entmutigen!

Halte durch - und sei gewiss, dass die Kraft zum Durchhalten gegeben wird. „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht müde werden“ (Jesaja 40, 31) heißt es in der Bibel. Das ist ein großartiges Durchhalte-Wort - es ist mehr, als „das-wird-schon-wieder“. Denn es sagt: Das wird wieder - mit Gottes Hilfe. Und du schaffst das. Du hältst das durch. Und eure Konfirmation - die machen wir euch besonders schön!

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27. April

Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN.

1. Mose 3, 8

Ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!

Römer 8, 15

Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer, Raumland: Hier sehen wir den Weg Gottes mit den Menschen vom Alten zum Neuen Testament. Dort haben die Menschen sich vor Gott versteckt angesichts ihrer Schuld. Doch er hat für uns einen anderen Weg gewählt, indem er seinen Sohn Jesus Christus in diese Welt geschickt hat. Dieser hat für uns alle Schuld auf sich genommen. So können wir jetzt zu Gott als dem liebenden Vater kommen. Ihn können wir als Papa (Abba) ansprechen.

Er will uns als seine Kinder haben, die sich nicht ängstlich vor ihm verstecken müssen. Was für eine frohe Gewissheit in einer Zeit, in der viele Menschen Angst haben und nicht wissen, wie es weitergehen wird.

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28. April

So richtet nun euer Herz und euren Sinn darauf, den HERRN, euren Gott, zu suchen.

1. Chronik 22, 19

Lauft so, dass ihr den Siegespreis erlangt.

1. Korinther 9, 24

Pfarrer Peter Mayer-Ullmann, Banfe: Vieles hat sich in der Krise bewährt und darf uns stolz machen: unser Gesundheitswesen, Verantwortungsbewusstsein und Disziplin, Gemeinschaftssinn und Kreativität, finanzielle und logistische, aber auch geistige und geistliche Reserven und vieles anderes mehr.

Und doch sind wir wohl gut beraten, wenn wir dabei die vielen Opfer und Einzelschicksale dieser Krise im Auge behalten und dabei neu zu Gottes-Suchern werden: dankbar, vertrauend, aber auch zur Umkehr gemahnt. Und mit alledem eingewiesen in den eigentlichen Kampf des Lebens, eben das, was Jesus Christus für uns gewonnen hat, zu ergreifen und ins Leben umzusetzen.

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29. April

Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu.

Prediger 9, 10

Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn.

Römer 12, 11

Laienpredigerin Monika Benfer, Bad Laasphe: Helfende Hände. Hände in Schutzhandschuhen. Hände, die tun, was sie tun müssen, mit Kraft bis hin zur Erschöpfung. Danke an alle, die in dieser Zeit anpacken, auch mal ganz andere Dinge tun als bisher. Neu entdecken, was wir mit unseren Händen tun können, und dabei nicht müde werden, sondern das tun, was notwendig ist. Hände, die liebevoll geöffnet sind und nicht zu Fäusten geballt. Hände, die Gutes tun und nicht schlagen. Hände, die geben und nicht wegnehmen. Hände, die wir falten können zum Gebet, wenn wir nicht mehr weiter wissen. Hände, die dem Herrn dienen.

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30. April

Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind.

Psalm 73, 1

Ihr Lieben, wenn uns unser Herz nicht verdammt, so reden wir freimütig zu Gott, und was wir bitten, empfangen wir von ihm; denn wir halten seine Gebote und tun, was vor ihm wohlgefällig ist.

1. Johannes 3, 21 und 22

Jugendmitarbeiterin Birthe Becker-Betz, Fischelbach: Bevor wir im Psalm mitgenommen werden in eine Krise, stellt Asaf zu Anfang klar: „dennoch“ - also trotz meiner Zweifel, trotz meiner Glaubenskrise ist Gott mein Tröster. Eine Krise, ein ganz persönlicher Kampf zeichnet sich ab. Ein Herzenskampf. Wie passend in dieser Zeit. Ein Kampf, auch für uns. Haben wir noch genug Kraft und Mut das alles zu überstehen? Sind wir nicht selbst bald am Limit?

Ich denke, dass Gott in dieser Zeit, in der jeder von uns, seine eigene Krise, seinen persönlichen Herzenskampf zu bewältigen hat, der größte Trost sein kann, für alle, die an ihn glauben, mit ihm leben und nah an seiner Seite sind.

Ja, ich möchte nah bei Gott bleiben, durch jede Krise hindurch. Am Ende von Psalm 73 steht ein Vers, der mich seit Jahren begleitet und mich immer wieder durch Höhen und Tiefen hindurchträgt: „Gott nahe zu sein, ist mein Glück.“

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1. Mai

Ist denn die Hand des HERRN zu kurz?

4. Mose 11, 23

Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden?

Matthäus 6, 28 und 29 und 31

Pfarrerin Claudia de Wilde, Hemschlar: Ach, Jesus, wirklich ein schönes Bild, die prachtvollen Lilien auf dem Feld als anschauliches Beispiel für Gottes überschwängliche Fürsorge. Aber wir heute: Viele leiden jetzt schon unter den finanziellen Einbußen durch die Corona-Krise. Die wirtschaftlichen Prognosen sind düster. Hilft es uns da, über Lilien zu meditieren?

Sorget nicht um euer Leben“, erinnerst du uns in der Bergpredigt. Und bei Jesaja (59, 1) steht die Antwort auf die Frage an Mose: „Siehe, des HERRN Arm ist nicht zu kurz, dass er nicht helfen könnte.“ Erinnere uns, bitte, gerade jetzt an die Lilien!

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2. Mai

Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.

Psalm 51, 13

Wir danken Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er hat uns errettet aus der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines geliebten Sohnes.

Kolosser 1,3 und 13

Pfarrerin Berit Nolting, Berghausen: Ja, wir dürfen dankbar sein, wir dürfen auch Gott dankbar sein. Bisher sind wir in Deutschland und in Wittgenstein recht gut durch die Corona-Krise gekommen. Bisher - wir sind ja lange noch nicht am Ende. Aber es sind nur wenige Menschen gestorben und viele schon wieder genesen. Wir dürfen dankbar sein, unseren Politkern und unseren Mitmenschen, dass sie Schutzmaßnahmen eingesetzt und sich daran gehalten haben.

Wir dürfen Gott dankbar sein, dass er Menschen Lösungsmöglichkeiten und Einsichten gibt und uns dadurch errettet.

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3. Mai - Angedacht

Jugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen: Heute feiern wir den Sonntag Jubilate, auf Deutsch: Jubelt. Die Bedeutung für Jubel ist große Freude, die durch entsprechendes Verhalten in Gestik, Mimik, Stimme und Sprache deutlich wird.

Jubel ist uns vielleicht etwas fremd. Bestenfalls sehen und erleben wir den Jubel beim Sport, wenn eine oder einer oder ein ganzes Team gewonnen hat. Mit einem lauten Schrei, hoch gereckten Fäusten und strahlendem Gesicht wird der Sieg gefeiert, möglichst so intensiv, dass alle anderen mitmachen und applaudieren.

Aber wie sieht es in unserem Alltag mit Jubel aus? Wann haben Sie sich das letzte Mal so sehr gefreut, dass es alle anderen an ihrer Mimik und Gestik mitbekommen haben oder sogar angesteckt wurden?

Der Sonntag Jubilate möchte uns in der Zeit zwischen Ostern (Jubel über die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus) und Pfingsten (Jubel über die Kraft des Heiligen Geistes) einladen das Jubeln auch in unserem Alltag nicht zu vergessen.

Mag sein, dass wir in Zeiten der Corona-Krise wenig Grund zum Jubeln empfinden. Aber ist es nicht gerade jetzt gut, sich über manche Kleinigkeit zu freuen und sie vielleicht sogar zu bejubeln? Schauen Sie doch mal in die Natur, wie schön alles wieder anfängt zu blühen. Es führt uns vor Augen, dass Gott immer wieder einen neuen Anfang schafft. Freuen wir uns doch über jedes nette Wort, das wir gesagt bekommen, über jede Geste der Hilfsbereitschaft, die wir erleben.

Und mit jedem Jubel feiern wir eine Art Gottesdienst. Wir freuen uns, über all die wunderbaren Dinge, die Gott uns schenkt. Das tun wir beim Jubeln nicht nur mit der Sprache, sondern der ganze Körper, die ganze Seele ist daran beteiligt. Sichtbar zu jubeln und unserer Freude und unserem Dank Ausdruck zu verleihen, dazu sind wir am Sonntag Jubilate eingeladen.

So steht schon in der Bibel: „So geh hin und iss dein Brot mit Freuden, trink deinen Wein mit gutem Mut; denn dein Tun hat Gott schon längst gefallen.“ (Prediger 9, 7)

Bei diesem Satz muss ich immer an unsere jüngste Tochter denken, wie wir gemeinsam am Tisch sitzen und essen. In dem Moment, wo sie wahrnimmt, dass es etwas zu Essen gibt, fängt sie an heftig mit den Armen zu wedeln, grinst über das ganze Gesicht und hoppelt aufgeregt in ihrem Stühlchen umher. Ihr ganzer Körper ist von der Vorfreude ergriffen. Das ist Jubel!

Ich möchte von meiner Tochter lernen mich über die Kleinigkeiten des Alltags zu freuen und Gott so meine Dankbarkeit zu zeigen. Gott gefällt es, wenn wir unserer Freude Ausdruck verleihen und einander daran teilhaben lassen.

Lassen Sie uns kreativ werden, wie wir in Zeiten der Kontaktsperre voneinander wissen und gemeinsam über die kleinen Freuden und unseren großen Gott jubeln können.

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4. Mai

Die er aus den Ländern zusammengebracht hat von Osten und Westen, von Norden und Süden: Die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut.

Psalm 107, 3 und 8

Der Knecht im Gleichnis sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde.

Lukas 14, 22 und 23

Pfarrer Martin Ahlhaus, Kierspe: Von Osten und Westen, von Norden und Süden: So global und umfassend uns derzeit die Corona-Pandemie betrifft, so total und weltumspannend will Gott die Rettung der Menschen. Die Not unserer ökumenischen Freunde in Tansania hat er ebenso im Blick wie das Elend der Flüchtlinge auf Lesbos und die Einsamkeit in unseren Altenheimen. Die Angst der Menschen vor Infektion oder Arbeitslosigkeit in Bad Berleburg wie in Bangladesch oder Brasilien.

Gott ist ein im wahrsten Sinne des Wortes sympathischer, weil mitleidender Gott. Der lässt niemanden los oder im Stich, sondern ist auf Heil und Heilung aus, bei uns und überall. Gott sei Dank!

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Martin Ahlhaus unterstützt die internationale Partnerschaftsarbeit im Kirchenkreis.


5. Mai

Gott breitet den Himmel aus und geht auf den Wogen des Meers. Er macht den Großen Wagen am Himmel und den Orion und das Siebengestirn und die Sterne des Südens.

Hiob 9, 8 und 9

Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare.

Kolosser 1, 15 und 16

Pfarrerin Barbara Plümer, Siegen: Unnahbar. So erlebt Hiob Gott. Manchmal geht es mir genauso. Hiob klammert sich an die Regeln, die Gott selbst schuf. An sie muss sich auch Gott halten! Regeln, so fest wie der Lauf der Sterne. Grundlage für Saat und Ernte, für menschliches Überleben. Von Gott aufgestellt, vom Menschen erforschbar.

Regeln, an die auch ein kleines Virus sich halten muss. Erkennbare Regeln, die uns helfen, uns zu schützen. Gott sei Dank

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Barbara Plümer ist die Gehörlosen-Seelsorgerin im Wittgensteiner Kirchenkreis.


6. Mai

Ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht machen und das Höckerige zur Ebene.

Jesaja 42, 16

Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, auf dass es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Lukas 1, 78 und 79

Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück: In der Dämmerung irre ich umher. Ziellos, verunsichert durch Schatten, die mich packen wollen. Strauchelnd auf dem Weg. Hindernisse, Fallen machen mir den direkten Weg schwer. Jeder Schritt extra kostet Kraft. Ich kann kaum noch denken. Nicht mehr filtern, was auf mich einströmt. Wer will mir gut und wer denkt nur an seinen eigenen Profit? Ob ich wohl irgendwann ankomme? Ob dieser Weg, dunkel und verwirrend, irgendwo endet? Und was ist dann das Ziel? Alle sagen, sie wüssten, wo‘s lang geht. Haben kleine Funzeln und behaupten, sie könnten erleuchten. Kann denn niemand mal so richtig das Licht anmachen, das Chaos ordnen?

Gott spricht: Die Dunkelheit vor Ihnen mache ich zu Licht, und holpriges Gelände wird flach. (Jesaja 42, 16b)

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7. Mai

Du bist ein Gott der Vergebung, gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte.

Nehemia 9, 17

Sind wir untreu, so bleibt er treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen.

2. Timotheus 2, 13

Pfarrer Dr. Andreas Kroh, Wolzhausen: In der Losung sticht für mich besonders die Rede von Gnade und Barmherzigkeit heraus. Von mir selbst möchte und kann ich nicht behaupten, dass ich immer besonders nachsichtig wäre. Aber ich hoffe, dass ich meinem Mitmenschen immer wieder mit Respekt begegnen kann. Ich denke, dass besonders in dieser Corona-Krisenzeit die Vorstellung von Geduld und Nachsicht wichtig ist. Fehler finden sich immer, auch bei mir und in meinem Leben. Doch die Bibel lenkt unseren Blick nicht in erster Linie auf uns selbst, unsere Fehler oder auf unser Versagen. Sie lenkt unseren Blick auf Gottes große Güte. Das möchte ich beherzigen, auch im Umgang mit meinen Nächsten.

Barmherziger Gott, danke, dass Du uns in deiner Güte nicht vergessen wirst.

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8. Mai

HERR, lass mir deine Barmherzigkeit widerfahren, dass ich lebe.

Psalm 119, 77

Die Schwiegermutter Simons aber lag darnieder und hatte das Fieber; und alsbald sagten sie Jesus von ihr. Und er trat zu ihr, ergriff sie bei der Hand und richtete sie auf; und das Fieber verließ sie.

Markus 1, 30 und 31

Jugendreferentin Franzi Heß, Schwarzenau: Dein Gesetz befolge ich gerne. Erbarme dich über mich und hilf mir, denn nur so kann ich leben. So wird die Tageslosung in der Hoffnung-für-alle-Bibel übersetzt. Wie passend in der momentanen Situation. Neue Gesetzte, an die wir uns halten müssen. Das fällt nicht immer leicht. Befolgen - okay, aber das auch gerne tun? Wie in der Losung zu lesen ist.

Eltern setzen ihren Kindern Grenzen und verbieten beispielsweise, auf der Straße Fangen zu spielen. Auf ähnliche Weise will auch Gott uns mit seinen Gesetzen schützen und nur das Beste für uns.

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9. Mai

Der HERR, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände.

5. Mose 2, 7

Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie für treu befunden werden.

1. Korinther 4, 2

Prädikantin Traudel Stremmel, Berghausen: „Das hast du aber gut gemacht!“ Wer freut sich nicht über solch ein Lob, wenn ihm etwas gelungen ist? Gut gemacht - das haben in diesen schweren Zeiten viele Menschen, die im Hintergrund für uns arbeiten, die vielleicht noch nicht einmal ein Lob bekommen. Menschen, die mit ihren guten Werken kaum in Erscheinung treten. Nicht immer liegt das Gute nur an uns selbst. Das war „Glück“ oder „Zufall“ sagen wir dann. Für viele Menschen steckt hinter diesem Gelingen die Begleitung Gottes in ihrem Leben, die Bibel spricht vom Segen Gottes. Der Segen Gottes motiviert und spornt an zu guten Werken, auch dann, wenn mal etwas daneben geht.

Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen, schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn. (Dieter Trautwein, Ev. Gesangbuch 170, 2)

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10. Mai - Angedacht

Pfarrer Joachim Cierpka, Bad Laasphe: Heute ist der Sonntag Kantate, das heißt: Singet! Genau das wird aber in den Kirchen, die nun wieder Gottesdienste anbieten, unterbleiben müssen. Jedenfalls darf es kein gemeinsames Singen geben. Das ist verständlich, aber auch schade. Denn gemeinsames Singen und Musizieren verbindet Menschen nicht nur miteinander, auch über alle sprachlichen und kulturellen Unterschiede hinweg, es macht die Seele frei. Es ist Ausdruck von Lebensfreude gerade in Zeiten langsam wieder gewonnener Freiheiten.

Die Freiheit zu feiern bezieht sich allerdings nicht nur auf die Lockerungen im Rahmen der Corona-Krise. Am 8. Mai vor 75 Jahren machten nicht nur die Gefangenen des NS-Regimes endgültig erste Schritte in die wiedergewonnene Freiheit, sondern nach den besetzten Völkern Europas endlich auch das deutsche Volk. Gewiss geschah dies auch unter Schmerzen, aber es waren nach der durch Deutschland hervorgerufenen Katastrophe die Geburtswehen des freien Europa und der Demokratie, derer wir uns unterdessen im vereinigten Land erfreuen können. Nur politische - vielleicht unterdessen auch senile - Wirrköpfe bestreiten dies.

Die Freiheit haben Menschen zu allen Zeiten besungen: als Gospel schwarzer Sklaven, als Befreiungslied in der Urzeit wie Mirjam beim Auszug des Volkes Israel aus Ägypten, als Volkslied wie in „Die Gedanken sind frei“‘. Singen stiftet Freude, macht Mut, stiftet Gemeinschaft.

Die Bibel erzählt davon, dass da, wo Menschen Gott singend loben, die Herrlichkeit Gottes erscheint und wohnt, wie zum Beispiel im Tempel zu Jerusalem „Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiel erhob und man den Herrn lobte, erfüllte die Herrlichkeit des Herrn das Haus Gottes“, vergleiche 2. Chronik, 5. Wo Gott ist, sind Liebe und Freiheit.

Ich wünsche Ihnen ein Wochenende, das Ihnen Augenblicke dieser Herrlichkeit schenkt, in neuer Freiheit des Miteinander und Hoffnung und Kraft für das Kommende.

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11. Mai

Gott, wir haben mit unsern Ohren gehört, unsre Väter haben's uns erzählt, was du getan hast zu ihren Zeiten, vor alters.

Psalm 44, 2

Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu.

Lukas 10, 39

Pfarrerin Claudia Latzel-Binder, Bad Berleburg: In diesem Frühjahr mit mehr Zeit im Garten versuche ich, die Vögel am Gesang zu unterscheiden und Vogelstimmen zu lernen. Dazu muss ich natürlich in dem Moment, wenn sie singen, hinschauen und vor allem hinhören.

So ist das auch mit Gott. Er redet täglich mit uns auf vielerlei Weise. Und wir können lernen, seine Stimme zu hören, sie immer leichter zu erkennen. Dazu muss ich aber `mal still sein und hinhören. Dazu brauche ich das, was wir Christ*innen „Stille Zeit“ nennen. Und ich brauche andere, die mir hören helfen und erklären, was das genau für ein Ruf war, den ich noch nicht einordnen konnte.

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12. Mai

Der HERR sprach zu Salomo: Bitte, was ich dir geben soll! Salomo sprach: Du wollest deinem Knecht ein gehorsames Herz geben, dass er dein Volk richten könne und verstehen, was gut und böse ist.

1. Könige 3, 5 und 9

Paulus schreibt: Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung, sodass ihr prüfen könnt, was das Beste sei.

Philipper 1, 9 und 10

Pfarrerin Claudia de Wilde, Hemschlar: „Du hast einen Wunsch frei!“ - das kennen wir aus alten Weisheitsgeschichten. Und wissen dann auch, wie das schiefgehen kann.

Salomo darf sich etwas von Gott wünschen. Er ist ein junger König und soll ein großes Volk regieren. Dafür bittet er Gott um Hilfe. Gott bestätigt ihm seinen Wunsch, schenkt ihm darüber hinaus noch Reichtum und Ehre und verspricht ihm ein langes Leben, wenn er sich auch in Zukunft weiter zu Gott hält.

Paulus kann nicht bei seiner Gemeinde sein, nach der er sich sehnt, und bittet Gott für sie um Erkenntnis, das Beste zu erkennen.

Was erbitten wir heute von Gott?

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13. Mai

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.

1. Könige 8, 39

Unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns geliebt und uns einen ewigen Trost gegeben hat und eine gute Hoffnung durch Gnade, der tröste eure Herzen und stärke euch in allem guten Werk und Wort.

2. Thessalonicher 2, 16 und 17

Pfarrer Stefan Berk, Erndtebrück: Wer bin ich wirklich? Was traue ich mir zu? Wieso mache ich immer dieselben Fehler? Warum spiele ich so viele Rollen? Dabei sieht es in mir doch anders aus…

Gut, dass Gott mich auch innen drin kennt. Bei ihm traue ich mich, ehrlich zu sein. Denn er sagt: Ich nehme dich ganz und gar wie du bist. Das macht mich frei. Was für ein Glück!

Gott, danke, dass ich bei dir ich selbst sein darf. Amen.

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14. Mai

Meint ihr, dass ihr Gott täuschen werdet, wie man einen Menschen täuscht?

Hiob 13, 9

Erforscht euch selbst, ob ihr im Glauben steht; prüft euch selbst! Oder erkennt ihr an euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist?

2. Korinther 13, 5

Pfarrerin Ursel Groß, Grafschaft: Die Freunde Hiobs haben ihr Urteil gefällt: Hiob versündigt sich mit seinem Klagen und Fragen an Gott. Und die Gegner des Apostels Paulus in der Gemeinde in Korinth haben ihr Urteil gefällt: Paulus ist kein von Christus legitimierter Apostel. Der von Krankheit gezeichnete Mensch ist zu schwach für das Apostelamt. Menschen fällen ihre Urteile, weil sie Gott kennen und wissen - absolut wissen, wer ER ist.

Und Hiob? Und Paulus? Sie wenden sich nicht ab. Sie suchen das Gespräch. Sie fragen. Sie bleiben dran.

Und wir? Bleiben auch wir offen und suchen das Gespräch mit denen, die anders denken, oder wenden wir uns ab?

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15. Mai

Der HERR erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not.

5. Mose 26, 7

Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er bei ihnen lange warten?

Lukas 18, 7

Pfarrerin Berit Nolting, Berghausen: Gott kennt uns, das ist gut zu wissen. Er weiß um unsere Situation. Auch jetzt zu Zeiten von Corona.

Ich vertraue darauf, dass er auch bei uns Recht schafft, dass er uns hilft, so wie er es damals im alten Israel getan hat. Aber bitte ich ihn eigentlich auch darum? Und das ganz regelmäßig?

Lieber Herr, hilf uns, gib uns Kraft und Ausdauer, dass wir auf Dich vertrauen und Dir immer wieder sagen, was wir von Dir wünschen. Bitte hilf, dass wir auf Dich vertrauen und Deine Hilfe erwarten. Amen.

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16. Mai

Der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen, und die darauf wohnen, werden wie Mücken dahinsterben. Aber mein Heil bleibt ewiglich.

Jesaja 51, 6

Jesus spricht: Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.

Lukas 21, 33

Pfarrerin Christine Liedtke, Girkhausen: Wie zerbrechlich Normalität, Gesundheit und Wohlstand sind, ist uns in den vergangenen Wochen sehr deutlich geworden. Nichts ist sicher, alles kann uns genommen werden. Nein, nicht alles: wir haben eine Basis, die uns einen festen Halt gibt, wir haben einen Felsengrund, der uns Sicherheit gibt: das ist die Liebe unseres Gottes, der uns verspricht, dass er uns nie im Stich lässt und dass wir nie tiefer fallen können als nur in seine Hand.

Er, der Himmel und Erde gemacht hat, ist auch da, wenn unsere persönliche Welt zerbricht. Er steht unverbrüchlich zu uns.

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17. Mai - Angedacht

Pfarrerin Kerstuin Grünert, Erndtebrück: Auf der Suche nach einem Thema fürs Angedacht hänge ich meinen Gedanken nach. Die Schlagzeilen der Woche gehen mir durch den Kopf. Corona-Müdigkeit, Überforderung, Schlachthöfe, Demonstrationen, Verschwörungstheorien, Reproduktionszahl, Grenzöffnungen, Abstand, Spielplatz, Bundesliga. Ein heilloses Durcheinander an Themen und je nach Mischung so richtig brisant. Manchmal denk‘ ich, ob wir überhaupt noch klar denken können. Ob es nicht einfach wirklich zu viele Informationen sind, die ein einzelnes Hirn gar nicht richtig verarbeiten kann. Wahrscheinlich müsste man viel mehr aus dem Bauch heraus entscheiden. So, wie es sich gerade anfühlt, dann auch danach handeln. Schließlich weiß ja nur ich am besten, was gut für mich ist. Da soll mir niemand anderes von außen etwas vorschreiben.

Hört sich nach starker Parole und absolut nachvollziehbar an. Aber dann auch wieder nicht. Denn natürlich bin ich für mich selbst der beste Experte, aber ich bin ja nicht alleine auf dieser Welt! Da braucht es andere Fachleute, die den Überblick haben und Dinge aus den verschiedenen Richtungen einordnen können. Sonst fühlen wir zu einseitig.

„Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben“ - ein weiser Rat aus dem Buch der Sprüche. Manchmal muss der Kopf das Herz bewahren. Fleißig denken, um nicht alles fühlen zu müssen. Der Kopf weiß Konsequenzen, die das Herz bisweilen gar nicht fühlen kann. Da hilft dann bevor wir handeln das Nachdenken während oder darüber, wie wir etwas tun.

Eine Krise fordert den Menschen besonders heraus. Die Zündschnur ist kurz, unterschiedlichste Gefühle machen das Denken mitunter schwer. Und gerade, weil jeder für sich selbst der beste Experte ist, ist es wichtig, das Herz zu schützen. Nicht aus kardiologischer Sicht. Es ist lebenswichtig, dass wir Herz UND Kopf gebrauchen, das Denken, die Vernunft und die Fakten nicht vergessen. So überfordere ich mich nicht in meinem Fühlen, kann Konsequenzen im Blick haben und lebensfördernd handeln. Denn darum geht es uns wohl doch. Dass das Leben hervorquelle. Es soll blühen, wachsen und gedeihen. Alles soll wieder gut werden! Und schön. Und lebendig. Überall. Dass das so wird, dafür brauchen wir aber auch unseren Verstand. Das Herz ist der Motor des Lebens, der Kopf ist das Lenkrad. Und das brauchen wir nun mal, damit wir nicht mit voller Wucht gegen die Wand donnern oder in den Abgrund fahren.

Danke Gott, dass Du mir Herz und Verstand gegeben hast. Schenk‘ mir auch Nerven, dass ich das eine nicht gegen das andere ausspiele, sondern nur das tue, was Leben fördert. Meins und das meiner Mitmenschen. Amen.

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18. Mai

Der HERR, unser Gott, neige unser Herz zu ihm, dass wir wandeln in allen seinen Wegen.

1. Könige 8, 58

Wie ihr nun angenommen habt den Herrn Christus Jesus, so lebt auch in ihm, verwurzelt und gegründet in ihm und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und voller Dankbarkeit.

Kolosser 2, 6 und 7

Pfarrer Peter Liedtke, Girkhausen: Manche zählen 615 Ge- und Verbote im ersten Teil unserer Bibel. Ein Buchautor hat den Versuch unternommen, all diese Regeln wörtlich zu befolgen. Es kam zu man skurriler Situation. Wörtlich genommen kann die Befolgung von Regeln das Gegenteil vom Gewünschten hervorrufen. Darum kommt es auf den richtigen Geist an.

Wir müssen uns fragen, was der Sinn ist von Regeln ist, in Zeiten des Alten Testaments wie bei Corona: Menschen gelingendes Leben zu ermöglichen. Und in diesem Geist gilt es die Regeln zu leben.

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19. Mai

So kehrt nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben?

Hesekiel 33, 11

Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.

Lukas 19, 8

Pfarrer Henning Debus, Wallau: Sterben hat viele Gesichter: Über 300.000 Menschen sind weltweit nachweislich an Covid-19 gestorben. Zahlreiche Selbständige und bisher gesunde Betriebe sind im letzten Vierteljahr in wirtschaftliche und soziale Lebensgefahr geraten. Manche unserer Schülerinnen und Schüler schweben in der Gefahr, den Anschluss zu verpassen. Wie geht das weiter?

Leben hat viele Gesichter: Viele davon konnten wir in den letzten Wochen an vielen Orten wahrnehmen. Es wird in Zukunft vor allem darauf ankommen, dass wir mehr miteinander teilen: Zeit, Geld und Hoffnung. Zachäus macht es uns vor.

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20. Mai

Der Gerechte erkennt die Sache der Armen.

Sprüche 29, 7

Gott ist nicht ungerecht, dass er vergäße euer Werk und die Liebe, die ihr seinem Namen erwiesen habt, indem ihr den Heiligen dientet und noch dient.

Hebräer 6, 10

Pfarrer Oliver Lehnsdorf, Oberndorf: Die Partnerschaft der Evangelischen Kirchenkreise Wittgenstein und Ngerengere in Tansania besteht schon seit 30 Jahren. Sie basiert auf dem wechselseitigen Gebet und der gegenseitigen Hilfe. Der Wittgensteiner Kirchenkreis ist zum Beispiel in dieser schwierigen Zeit der Corona-Krise mit unseren Partnern in Tansania darüber im Gespräch, wie man ihnen helfend zur Seite stehen kann. Dies ist ein kleiner Ausdruck der gegenseitigen Wertschätzung und Verbundenheit.

Möge Gott diese Partnerschaft immer wieder neu segnen.

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21. Mai

Die ihr den HERRN liebet, hasset das Arge!

Psalm 97, 10

Lasst uns wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus.

Epheser 4, 15

Laienpredigerin Monika Benfer, Bad Laasphe: „Du bist aber groß geworden“, diese Aussage hören Kinder immer wieder. Und es stimmt ja auch, Kinder wachsen viel zu schnell, werden viel zu schnell groß. Vieles befindet sich im Wachstum und manches wächst viel zu schnell. Immer höher, schneller, weiter. Doch gerade in der jetzigen Zeit fühlt man sich ausgebremst. Das Gefühl des Nach-unten-Ziehens überwiegt, doch wir haben einen Herrn, der uns aufrichten möchte. Der unseren Blick aufhebt, der durch seine Liebe uns trägt, der uns eine Perspektive schenkt. Zu Jesus hin wachsen bedeutet einen Halt haben.

Wir wollen wachsen.

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22. Mai

Ist nicht Ephraim mein teurer Sohn und mein liebes Kind? Denn sooft ich ihm auch drohe, muss ich doch seiner gedenken; darum bricht mir mein Herz, dass ich mich seiner erbarmen muss, spricht der HERR.

Jeremia 31, 20

Als der Sohn noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

Lukas 15, 20

Abenteuerdorf-Geschäftsführerin Silke Grübener, Mornshausen:Und er lief... Er ging nicht zögernd, er blieb nicht zwischendurch abwartend stehen, er wartete nicht, bis sein Sohn sich entschuldigt hatte oder auf den Knien auf ihn zu rutschte.
Er lief… Ohne zu überlegen, was seine Angestellten dachten, was die Nachbarn dachten, was seine Familie dachte.
Er lief und fiel ihm um den Hals…

Entgegenkommend, vorbehaltlos und liebevoll - wie gut, dass uns Gottes Liebe auch heute noch so gilt - immer - und immer wieder!

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23. Mai

Mose sprach: Siehe, ich lege euch heute vor den Segen und den Fluch: den Segen, wenn ihr gehorcht den Geboten des HERRN, eures Gottes, die ich euch heute gebiete; den Fluch aber, wenn ihr nicht gehorchen werdet den Geboten des HERRN, eures Gottes.

5. Mose 11, 26 bis 28

Dient dem Herrn Christus! Denn wer unrecht tut, der wird empfangen, was er unrecht getan hat; und es gilt kein Ansehen der Person.

Kolosser 3, 24 und 25

Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück: Gebote und Gott, ganz schwierige Geschichte. Oft missbraucht für das Bild des Despoten, der seine Menschen triezt und zwingt sich passend zu verhalten. Leere Hüllen, religiöser Zwang, der keinen Raum für Freiheit lässt. Hop oder Top, Fluch und Segen hängen von der Einhaltung der Gebote ab. So ist es. So steht es im 5. Buch Mose und man kann es nicht wegdeuteln und wegkuscheln. In einer Beziehung zu Gott kommt es eben auch darauf an, dass ich als Geschöpf aushalte, dass der Schöpfer Gebote für ein gelingendes Leben der Menschen untereinander gegeben hat. Denn darum geht es in den Geboten. Dass Beziehung geregelt ist. Die zu Gott und die der Menschen untereinander.

Und das ist doch ein Segen, dass uns gegeben ist, wie Leben gelingen kann.

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24. Mai - Angedacht

Pfarrer Steffen Post, Bad Laasphe: „Auf das, was da noch kommt“ - mit dieser Liedzeile habe ich den Silvestergottesdienst 2019 bei uns in Bad Laasphe eröffnet und dabei erklärt, was mich daran anspricht: Es ist der ehrliche Blick auf unser Leben, denn neben der Freude „auf Euphorie und alles Leichte“, wird auch „jedes Stolpern, jedes Scheitern“ auf unserem Lebensweg nicht verschwiegen.

Dass wenige Monate später ein Virus kommt und unseren Alltag so massiv verändert, das war damals nicht zu erahnen. Gefühlt haben wir in diesem Jahr schon mehrere Silvester hinter uns: „Auf das, was da noch kommt“, nach dem 16. März, 20. April und 11. Mai und der jeweils neu gefassten Corona-Schutzverordnung. „Stolpern und Scheitern“, weil Vieles auf einmal so ungewohnt ist. Weil Politiker und Virologen hier und da unsicher sind bei dem, was jetzt richtig ist. Inzwischen werden erste Lockerungen gewagt, mit deren Hilfe das ein oder andere Gewohnte wieder vorsichtig möglich ist, ohne, dass gleich schon „Euphorie“ ausbricht für „alles Leichte“.

„Auf das, was da noch kommt“ - vielleicht hätte diese Liedzeile damals auch die Jüngerinnen und Jünger unmittelbar nach Jesu Himmelfahrt angesprochen. Nach dem „Stolpern und Scheitern“ an Karfreitag und der „Euphorie“ an Ostern, stand auch ihnen mit der Rückkehr von Jesus zu seinem himmlischen Vater ein erneuter Silvestertag ins Haus: Abschied von Vertrautem und Unsicherheit mit Blick „auf das, was da noch kommt“. „Stolpern und Scheitern“? Weil die bohrenden Fragen dominieren: Wie soll es jetzt weitergehen? Wie lange wird das dauern, bis der versprochene Heilige Geist kommt? Oder doch zuversichtlich „auf Euphorie und alles Leichte“ nach vorne schauen? Weil die Hoffnung überwiegt: „Was er verspricht, das bricht er nicht. Er bleibet meine Zuversicht...“ (Ev. Gesangbuch, 374, 5)

Mit der Himmelfahrt von Jesus fällt die Tür nicht zu, nein, das Tor zum Himmel bleibt und ist geöffnet für „das, was da noch kommt“: „Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf dass auch ihr seid, wo ich bin.“ (Johannes 14, 2) Nach seiner Himmelfahrt wird Jesus zum Wohnungseinrichter für uns, damit wir ein Zuhause haben für immer und ewig.

Und für die Gegenwart? Zehn Tage müssen die Jüngerinnen und Jünger warten. Dann kommt er, der Heilige Geist, die „Kraft aus der Höhe“ (Lukas 24, 49), die sie zu neuen Schritten ermutigt und Kraft für den Alltag gibt. So macht Jesus sein Versprechen wahr, dass er bei uns sein will alle Tage, auch im „Stolpern und Scheitern“. Und gleichzeitig will er mir durch seinen Heiligen Geist die Augen öffnen für „alles Leichte“, für hoffnungsvolle und tröstliche Momente in meinem Leben: Für helfende Hände, wachsende Blumen, ermutigende Melodien, einen postalischen Gruß. Gott ist immer für eine Überraschung gut. Darauf will ich vertrauen, bei dem, „was da noch kommt“.

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25. Mai

HERR, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir wenden und aufmerken.

Psalm 5, 4

Betet allezeit mit allem Bitten und Flehen im Geist und wacht dazu mit aller Beharrlichkeit und Flehen für alle Heiligen.

Epheser 6, 18

Pfarrerin Silke van Doorn, Bad Laasphe: Du, der du mir nahe bist wie meine Halsschlagader.
Du, der du so ferne bist, dass ich dich nicht spüre.
Du, der du wartest auf meine aufrichtigen Gebete und verantwortlichen Taten. Du, der du antwortest, auch wenn ich nicht höre.
Wenn mein Kopf schwer und mein Herz leer scheint, dann wächst mein Wunsch, in dir geborgen zu sein. Das ist kein Verkriechen, sondern ist ein Beten für die Wortlosen, ein Wachen für die ohne Schlaf in Schmerz und Sorge und Leid. In dir geborgen inmitten des Tosens und wissen: Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr. Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor. Dass ich mit seinem Worte begrüß das neue Licht: Schon an der Dämmrung Pforte ist er mir nah und spricht.

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26. Mai

Der HERR schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, dass er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage.

Psalm 14, 2

Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

Römer 12, 2 

Pfarrerin Simone Conrad, Wingeshausen: Gott schaut vom Himmel um zu sehen, ob wir klug sind und nach ihm fragen…Beim ersten Lesen oder Hören hört sich das nach Kontrolle an und nach Beurteilen. Die ist klug, die nicht…was passiert mit denen, die nicht klug sind? Klug sind wir nach dem Psalm, wenn wir nach Gott fragen. Ihn suchen. Wir müssen also keine fertigen Antworten haben. Wir müssen nicht weise sein, nicht alles verstehen. Aber auf der Suche sein - und fragen nach Gottes Willen.

Gott, hilf mir, deinen Willen zu erkennen! Amen.

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27. Mai

Der HERR wird's vollenden um meinetwillen.

Psalm 138, 8

Paulus schreibt: Ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird's auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.

Philipper 1, 6

Jugendmitarbeiterin Birthe Becker-Betz, Fischelbach: Wenn wir Gott als unseren Helfer und Tröster, als unseren Fels und Anker in unserem Leben annehmen, reicht es aus zuversichtlich zu sein. Mein Glaube schenkt mir Mut, Hoffnung, lässt mich optimistisch in die Zukunft schauen, denn ich bin getragen.

Heute flatterte als Überraschung eine Postkarte von einem lieben Menschen aus unserem Chor ins Haus. Der Text darauf ist aus einem Lied von Andi Weiss: „Ich weiß, es kommen wieder gute Tage, drum hör‘ nicht auf zu leben, denn Wolken zieh‘n vorbei. Dann wirst du wieder steh‘n, gar keine Frage. Drum hör‘ nicht auf zu werden, hör‘ nicht auf zu sein.“

Ich wünsche allen diese Gewissheit, dass wieder gute Tage kommen und dass Gott jeden von uns hält und trägt, heute und für immer.

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28. Mai

Wende dich zu mir und sei mir gnädig; denn ich bin einsam und elend.

Psalm 25, 16

Der Kranke antwortete Jesus: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser sich bewegt; wenn ich aber hinkomme, so steigt ein anderer vor mir hinein. Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!

Johannes 5, 7 und 8

Prädikantin Traudel Stremmel, Berghausen: „Kannst du mir mal helfen?“ - „Ja gleich, ich muss erst noch …“ - Und schon sind wir mit unserer Frage aus dem Blickfeld des Gefragten gerückt. Er hat sich von uns, jedenfalls in diesem Moment, abgewandt. Wie anders fühlen wir uns, wenn sich Menschen uns und unseren Nöten zuwenden. Zuwendung bedeutet: Du bist mir wichtig, ich nehme dich wahr. Das tut uns gut und das tut den anderen gut. Der Psalmbeter bittet um Gottes Zuwendung, er ist in großer Not. Und Gott wendet sich ihm zu - in seinem Sohn Jesus Christus wird diese Zuwendung zu den Menschen sichtbar und konkret erfahrbar.

Wir sind Gott wichtig, er nimmt uns und unsere Sorgen und Nöte wahr. Trauen wir uns, um diese Zuwendung Gottes zu bitten.

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29. Mai

Meine Zunge soll reden von deiner Gerechtigkeit und dich täglich preisen.

Psalm 35, 28

Die Jünger kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.

Lukas 24, 52 und 53

Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer, Raumland: Das Wort des Königs David stammt von einem Menschen, der alles andere als gerecht in seinem Leben war. Er hat sich vieler Vergehen schuldig gemacht. Und doch preist er Gottes Gerechtigkeit, die ihn nicht nur immer wieder überführt, sondern ihm auch ein Ansporn ist, sein Leben besser zu führen.

So tun es auch die Jünger nach der Himmelfahrt Jesu. Sie wissen den leiblich nicht mehr anwesenden Herrn immer noch gegenwärtig und loben und preisen ihn.

Und so tun es seit 2000 Jahren die Christinnen und Christen. Sie wissen, dass sie die Vergebung der Sünden selbst nötig haben, die sie verkünden und dass sie oft genug hinter den an sie gestellten Ansprüchen zurückbleiben, doch sie reden und singen von diesem Gott, der bedingungslos ja zu uns Menschen sagt.

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30. Mai

Bileam sprach: Wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch nicht übertreten das Wort des HERRN.

4. Mose 22, 18

Wir sind ja nicht wie die vielen, die mit dem Wort Gottes Geschäfte machen; sondern wie man aus Lauterkeit und aus Gott redet, so reden wir vor Gott in Christus.

2. Korinther 2, 17

Pfarrer Thomas Janetzki, Wingeshausen: König Balak will, dass der Seher Bileam seine Feinde, die Israeliten, verflucht, um sie endlich besiegen zu können. Der ist zuerst auch nicht abgeneigt. Gott muss es ihm durch Boten mehrmals verbieten, bis er es begreift.

Was ist mit diesem Bileam los? Will er Gott nicht verstehen? Aber: Bin ich besser? Verspreche ich nicht auch schon mal zuviel, verrenne mich in falschen Plänen?

Wie gut, dass es andere gibt, denen das auffällt, die mir das sagen - so wie Gott damals Bileam. Das sehe ich nicht immer sofort ein, bin aber später dann doch dafür meistens dankbar. Ich bin mir sicher, Bileam war es auch…

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31. Mai - Angedacht

Pfarrer Stefan Berk, Erndtebrück: Ich gehe einkaufen, natürlich mit vorgeschriebenem Mundschutz. Die meisten Leute, denen ich begegne, auch. Außerdem achten sie genau auf den Abstand. Wir machen einen weiten Bogen umeinander. An der Kasse schaut mich jemand an und schaut wieder weg. Komisch, denke ich: Wer war das? Draußen nickt mir jemand zu. Kenne ich den?

Ich weiß jetzt, warum es das Vermummungsverbot gibt: Mit ihrem Mund-Nasen-Schutz erkenne ich die Leute nicht mehr! Und natürlich passiert es, wie es passieren muss: Einen Tag später habe ich einen guten Bekannten am Telefon, der das Gespräch ein bisschen spitz beginnt: „Du willst scheinbar auch nicht mehr alle Leute kennen, was?“ Genau: Er hatte mich vor dem Supermarkt freundlich gegrüßt, wollte auch noch einen Satz mit mir reden - und ich bin einfach zum Auto weitergegangen.

Natürlich, die Masken sind nötig. Das haben (fast) alle inzwischen begriffen. Aber sie machen auch deutlich, wie wichtig es ist, dass wir uns mit offenem Visier begegnen können. Für ein gutes Miteinander muss ich den anderen erkennen können. Das Gesicht erzählt viel darüber, wie es dem Gegenüber geht, in welcher Stimmung er ist, worüber wir reden werden. Vielleicht telefoniere ich deshalb nicht so gerne, weil ich dann nur die Stimme höre und die Mimik des anderen nicht sehen kann. Kommunikation, das fällt mir in diesen Wochen auf, braucht viele Kanäle. Wenn so etwas Wichtiges wie ein Gesichtsausdruck fehlt, geht die Leichtigkeit und die Alltäglichkeit verloren.

Morgen ist Pfingsten. In der zentralen Geschichte am Anfang der Apostelgeschichte im Neuen Testament (Kapitel 2) geht es um eine Sprachenvielfalt. Die „be-geisterten“ Freunde Jesu fanden passende Worte für alle, die sie trafen, so unterschiedlich sie waren. Dieses Kirchenfest erinnert mich daran, dass die Gute Nachricht vom Leben, das auf immer bleibt, keine Grenzen kennt. Jede Möglichkeit der Kommunikation ist eine gute Möglichkeit. Jeder Weg, Menschen zu erreichen, ist ein richtiger Weg. Mit und ohne Maske, mit Gesten und Zeichen, mit Bildern und Liedern, mit Plakaten und auf YouTube. Das braucht Aufmerksamkeit und Offenheit. Das braucht die Fantasie, sich immer wieder neu zu überlegen, wie wir kommunizieren und welche neuen Formate es gibt. Ich bin begeistert, wie viele Leute sich gerade Gedanken machen, wie diese Gute Nachricht von Gott in unsere digitale Welt transportiert werden kann.

Vielfalt ist angesagt. Vielfalt ist gut und normal. Jede und jeder von uns hat ihre und seine eigene Sprache fürs Leben. Gut zu wissen, dass Gott sie alle spricht, so geheimnisvoll das auch klingt. Da könnte ich ruhig mutiger sein und diesem Pfingstgeist mehr zutrauen.

Wenn mir wieder jemand beim Einkaufen begegnet, der mich merkwürdig ansieht oder mich freundlich grüßt und ich kann mir keinen Reim drauf machen, dann habe ich mir vorgenommen: Ich frage einfach nach. Was ist schon dabei? In der Zeit der Masken muss man manchmal eben deutlicher werden, um sich zu verstehen. Und darauf kommt es am Ende an.

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1. Juni

Fürchtet euch nicht und erschreckt nicht! Habe ich's dich nicht schon lange hören lassen und es dir verkündigt? Ihr seid doch meine Zeugen!

Jesaja 44, 8

Was euch gesagt wird in das Ohr, das verkündigt auf den Dächern.

Matthäus 10, 27

Jugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen: Ist es nicht eine merkwürde Vorstellung, auf das Dach zu steigen und Gottes Wort zu verkündigen? Es fällt uns mitunter im Alltag schon schwer, unseren Glauben zu bezeugen oder zu leben. Doch genau dazu lädt uns die Losung ein. Hörbar, vielleicht sogar sichtbar und furchtlos von unserem großen Gott zu reden, seine Taten und Wunder kundzutun.

Gott fordert uns regelrecht auf seine Zeugen zu sein. Er gibt uns zu verstehen: Los jetzt, ihr könnt das! Und er selbst gibt uns Mut und Kraft dazu. Das feiern wir an Pfingsten.

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2. Juni

Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN.

1. Samuel 2, 1

Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude.

1. Petrus 1, 8

Pfarrerin Dr. Sandra Gintere, Winterberg: Der Apostel Petrus erinnert uns, dass unser Glaube ein hohes Ziel hat. Er fordert uns auf, das wichtigste Ziel des Lebens im Blick zu behalten: die Errettung der Seele. Auch unsere alltäglichen Ziele sind wichtig. Aber, das Ziel des Glaubens ist wichtiger. Wenn wir das im Auge behalten, dann können wir Freude erleben, die so groß ist, dass uns die Worte dafür fehlen, dass wir sprachlos vor Freude sein werden.

Es gibt für uns keinen Grund, diese überfließende Freude nicht schon jetzt zu genießen, unabhängig von den Schwierigkeiten, die uns im Leben begegnen können. Denn, die Zusage und Zusicherung Gottes für unser Heil und die Errettung unserer Seelen ist zeitlos, gilt uns heute wie den ersten Christen damals, an die Petrus geschrieben hat.

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3. Juni

Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien.

Psalm 34, 16

Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.

Matthäus 7, 7

Pfarrer Dieter Kuhli, Bad Laasphe: „Unter Gottes Schutz.“ So ist in der Lutherbibel der 34. Psalm überschrieben: Ein Weisheitspsalm, der zum bewussten, verantwortlichen, dankbaren Leben einlädt. Einzelne Sätze kommen mir vor wie kostbare Perlen des Glaubens: „Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein“, „Als ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht“, „Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet!“, „Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!“, „Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.“ Die Versanfänge folgen im hebräischen Urtext dem Alphabet. Miteinander bilden sie ein einzigartiges Alphabet des Trostes und der Ermutigung: die Einladung an uns alle, auch in Corona-Zeiten dankbar unter Gottes Schutz zu leben.

Danke, Gott, dass ich auf deine Treue und Barmherzigkeit, auf dein gutes Geleit vertrauen darf. Ich glaube - hilf meinem Kleinglauben. Amen.

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4. Juni

David sprach zu Goliat: Du kommst zu mir mit Schwert, Spieß und Sichelschwert, ich aber komme zu dir im Namen des HERRN Zebaoth.

1. Samuel 17, 45

So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit und beschuht an den Füßen, bereit für das Evangelium des Friedens.

Epheser 6, 14 und 15

Pfarrer Peter Mayer-Ullmann, Banfe: Wenn wir es im Leben mit einem Goliat zu tun kriegen und uns die Angst im Griff hat, dann - so lernen wir heute von David - ist es ratsam, einen Gang zurück zu schalten: uns unserer antrainierten Rüstung aus Verdrängung und vermeintlicher Heldenhaftigkeit zu entledigen und so leicht und frei zu werden für ein Leben aus dem Vertrauen auf den, der mich ins Leben gesandt hat und darum auch jetzt Wege finden wird, wo mein Fuß wieder gehen kann.

Wege, die mich auf die Spur Jesu setzen, indem ich mich an der Wahrheit über mich und das Leben nicht vorbeimogle, Gerechtigkeit mich bewahrt vor Anfeindungen und dem Sturz ins eigene Schwert und sich so die Tür wieder auftut für den Auftrag zum Frieden.

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5. Juni

Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?

Psalm 42, 4

Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit.

2. Korinther 12, 9

Pfarrerin Claudia Latzel-Binder, Bad Berleburg: Unerträglich finde ich es, wie der amerikanische Präsident die gegen rassistische Polizeigewalt Demonstrierenden mit Waffen aus seinem Weg räumen lässt, um mit der Bibel vor einer Kirche zu posieren, die tags zuvor bei den Protesten beschädigt wurde. Solch ein Missbrauch von christlicher Symbolik für die eigene Politik der Stärke und Machtsicherung ist widerlich.

Dass Gottes Gnade ihren Raum in den Schwachen wählt, verstehe ich angesichts dieser ekelerregenden Bilder noch einmal tiefer. Für diesen Weg hat Gott sich in Jesus entschieden: Gnade statt Gewalt. Ein Weg aber, der viele Tränen kostet. Und den Hohn von Mächtigen.

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6. Juni

Wie groß sind Gottes Zeichen und wie mächtig seine Wunder! Sein Reich ist ein ewiges Reich, und seine Herrschaft währet für und für.

Daniel 3, 33

Weil wir ein Reich empfangen, das nicht erschüttert wird, lasst uns dankbar sein und so Gott dienen.

Hebräer 12, 28

Pfarrer Dr. Andreas Kroh, Wolzhausen: Die Botschaft aus dem Buch Daniel scheint auf den ersten Blick nicht zu dieser krisenhaften Zeit zu passen. Wer möchte Gottes Herrschaft angesichts von Tausenden von Menschen, die allein in Italien und Spanien am Coronavirus verstorben sind, loben? Wer denkt an das große Leid aller Trauernden und Hinterbliebenen, die Vater, Mutter, Schwester, Bruder, Frau, Mann, Sohn oder Tochter verloren haben? Aber das Wort aus der Bibel ist ein Zuspruch Gottes. Wenn ich auf Gottes Wort höre und darauf vertraue, was dort als Botschaft an die Welt geschrieben ist, dann höre ich auch, dass Gottes Güte größer ist als Tod und Vergänglichkeit. Aus dem Hören auf Gott wächst auch in chaotischen Zeiten Zuversicht.

Barmherziger Gott, wir loben Deine Güte und Barmherzigkeit. Lass die Welt deine Gnade und Liebe besonders in diesen Tagen der großen Hilflosigkeit spüren. Amen.

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7. Juni - Angedacht

Pfarrer Jaime Jung, Erndtebrück: Ich möchte Ihnen eine kleine Geschichte weitergeben, die mir zur wertvollen Erkenntnis verholfen hat, dass ich öfters Ja sagen soll und darf.

Einem Bauern lief sein einziges Pferd davon. Da hatten die Nachbarn Mitleid mit dem Mann und sagten: „Du Ärmster! Dein einziges Pferd ist weggelaufen: Welch ein Unglück!“
Der Bauern antwortete: „Wer sagt denn, dass dies ein Unglück ist?“

Und tatsächlich kehrte nach einigen Tagen das Pferd zurück - und brachte ein Wildpferd mit. Da sagten die Nachbarn: „Erst läuft dir das einzige Pferd davon - und dann bringt es noch ein zweites mit! Was hast du bloß für ein Glück!“
Der Bauer schüttelte den Kopf: „Wer weiß, ob das Glück bedeutet?“

Das Wildpferd wurde von seinem ältesten Sohn eingeritten; dabei stürzte er und brach sich ein Bein. Die Nachbarn eilten herbei und sagten: „Welch ein Unglück!“
Der Bauer gab zur Antwort: „Wer will wissen, ob das ein Unglück ist?“

Kurz darauf kamen die Soldaten des Königs ins Dorf und zogen alle jungen Männer zum Kriegsdienst ein. Den ältesten Sohn des Bauern ließen sie zurück - mit seinem gebrochenen Bein.
Da riefen die Nachbarn: „Was für ein Glück! Dein Sohn wurde nicht eingezogen!“
Der Bauer: „Wer sagt denn, dass dies ein Glück ist?“

Endlos könnte man dieses Märchen weitererzählen: Glück oder Unglück - wer soll das entscheiden? Oft erfahren wir erst im Nachhinein, dass vermeintliches Glück gar keins war und dass ein offensichtliches Unglück am Ende Glück bedeuten kann. So sollten wir nicht zu schnell urteilen, was schlecht im Leben läuft. Manchmal entdecken wir, dass schwere Zeiten im Nachhinein ein Geschenk waren. Nicht immer, aber oft.

Vor Allem, dürfen wir als Christen fest daran glauben, dass auch in schwierigen Zeiten Gott bei uns ist. Dann reden wir nicht von Glück oder Zufall, sondern von Segen. Gott beschenkt uns mit seinem Segen immer wieder neu. Ob wir diese Segen erkennen und dankbar dafür sind, darf jeder Mensch selbst beantworten. Auf jeden Fall kann uns die Gewissheit, dass Gott bei uns ist, Mut machen, mit Hoffnung und neuer Kraft die Welt verändern zu wollen oder Dinge so anzunehmen, wie sie auf uns zukommen.

„Was morgen ist, auch wenn es Sorge ist, ich sage: Ja. So wie die Blume still im Regen abends spricht, weil sie im neuen Licht auch wieder blühen will: Was morgen ist, auch wenn es Sorge ist, ich sage: Ja.“ Das schreibt Wolfgang Borchert. Leichter gesagt als getan, das merke ich bei mir selbst.

Ach, wenn ich das nur immer so könnte… Ja sagen! Ja zum Heute. Ja zum Morgen. Ja zu mir. Ja zu den Anderen. Ja zum Gestern. Ja zum Leben. Ja zur Liebe. Einfach Ja.

Ich möchte es mindestens versuchen, denn mit Gottes Hilfe kann und darf ich Ja sagen, egal was kommt. Das ist für mich Zuversicht: Ich kann Ja sagen, denn ich weiß, ich bin in guten Händen aufgehoben und geborgen, komme was wolle.

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8. Juni

Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist.

Jesaja 40, 2

Auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.

Römer 8, 21

Jugendreferentin Franzi Heß, Schwarzenau: Bei jemandem in der Kreide stehen. Wer kennt es nicht? Den letzten Kaffee habe ich bezahlt… jetzt du wieder.

Jerusalem stand bei Gott in der Kreide. Sie wendeten sich von Gott ab und wurden daraufhin bestraft. Erst nach vielen Jahren der Strafe waren die Menschen frei von Schuld. Zum Glück ergeht es uns heute besser. Jesus ist für all unsere Sünden gestorben. Wir müssen uns keine Sorgen machen, wir stehen niemals bei Gott in der Kreide.

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9. Juni

Du sollst nicht stehlen.

2. Mose 20, 15

Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient.

1. Korinther 10, 24

Pfarrer Martin Ahlhaus, Kierspe: Zwei Sätze aus der Bibel, die es in sich haben! Alt bekannt und jeden Tag aktuell, klar und deutlich: Das siebte Gebot und der Aufruf des Paulus zu Solidarität und Nächstenliebe. Martin Luther hat das Gebot so erklärt: „Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsers Nächsten Geld oder Gut nicht nehmen noch mit falscher Ware oder Handel an uns bringen, sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten.“

Bestehlen sät Misstrauen, Austricksen zerstört Gemeinsinn - das hatten wir lange genug. Lasst uns jetzt aufeinander achtgeben und darauf sehen, dass niemand zurückbleibt! Das macht Gerechtigkeit groß und Mut für den weiteren Weg!

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Martin Ahlhaus unterstützt die internationale Partnerschaftsarbeit im Wittgensteiner Kirchenkreis.


10. Juni

Das Mehl im Krug ging nicht aus, und der Ölkrug wurde nicht leer, nach dem Wort des HERRN, das dieser durch Elia gesprochen hatte.

1. Könige 17, 16

Jesus nahm die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel, dankte und brach die Brote und gab sie den Jüngern, dass sie sie ihnen austeilten, und die zwei Fische teilte er unter sie alle. Und sie aßen alle und wurden satt.

Markus 6, 41 und 42

Pfarrer Joachim Cierpka, Bad Laasphe: Durchhalten! Das ist trotz der Lockerungen immer doch gefragt, denn vieles ist anders und wird auch noch lange eingeschränkt bleiben. Das greift die Ressourcen an. Gott sagt uns das Nötige zu, um durchalten zu können. Im Vaterunser ist es die Bitte um das ‚tägliche Brot‘, die alles umfasst, was wir zum Leben brauchen. Im Textzusammenhang der Losung wird dies der Witwe zugesagt, die Elia trotz ihrer Armut aufnimmt.

So können wir auch gerade im Teilen der Güter mit anderen merken, dass wir gewinnen statt zu verlieren, wenn wir Gottes Gebot der Nächstenliebe folgen und ihm vertrauen.

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11. Juni

Unsre Seele ist entronnen wie ein Vogel dem Netze des Vogelfängers; das Netz ist zerrissen, und wir sind frei.

Psalm 124, 7

Der Engel des Herrn kam in das Gefängnis und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.

Apostelgeschichte 12, 7

Pfarrerin Barbara Plümer, Siegen: Ein Vogelnetz. Eine Falle! Ich in der Falle? In welcher stecke ich? Bis Corona: in der Schneller-besser-höher-Falle. Doch dann? Alles dicht: Geschäfte, Schulen, Kirchen. Die Corona-Falle schnappt zu. Nun lockern sich die Beschränkungen. Heimbewohner können wieder Besuch empfangen, mehr sehen als das eigene Gesicht im Badezimmer-Spiegel. Gott Lob!

Doch Vorsicht, liebe Seele! Geh dem alten Trott nicht auf den Leim! Corona hat dir gezeigt, was wirklich zählt. Vergiss das nicht!

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Barbara Plümer ist die Gehörlosen-Seelsorgerin im Wittgensteiner Kirchenkreis.


12. Juni

Du, HERR, du kennst mich, du siehst mich und prüfst, ob mein Herz bei dir ist.

Jeremia 12, 3

Jesus spricht: Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe!

Johannes 15, 9

Pfarrer Jaime Jung, Erndtebrück: Wenn mein Herz bei Gott ist, dann ist es fest verankert. In Zeiten voller Ungewissheit wie unseren, da kann solch ein festes Herz nur guttun. Das Gestern und Heute, das kenne ich und da kann ich feststellen, wie oft mich die Liebe Gottes getragen hat. Aber wie ist es mit der Zukunft? Auch wenn sie noch unbekannt bleibt, bleibt die feste Zuversicht, dass seine Liebe mich auch da begleiten wird.

Ich bin getragen worden und ich werde getragen von meinem Gott, der mich kennt und sieht. Mehr brauche ich nicht. So bekomme ich dieses feste Herz geschenkt und muss keine Angst vor der Zukunft haben.

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13. Juni

Aber über das Haus David und über die Bürger Jerusalems will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets.

Sacharja 12, 10

Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt.

Römer 8, 26

Pfarrer Steffen Post, Bad Laasphe: Wie wir beten - also mit Gott ins Gespräch kommen können? Mit vertrauten Worten als Sprachhelfer, wie dem Vaterunser oder Psalm 23. Mit eigenen Worten: Dankbar für schöne Erlebnisse, aber auch klagend und fragend, wenn mich etwas bedrückt. Mit den Schlagzeilen der Zeitung, wie es Jörg Zink formuliert hat: „Wer nicht weiß, was er beten soll, schlage eine Zeitung auf und rede mit Gott über das, was er liest.“ So kann der heiße Draht zwischen Himmel und Erde zum Glühen gebracht werden.

Danke, Gott, dass ich mit Dir reden darf. Danke, dass Du mich hörst.

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14. Juni - Angedacht

Pfarrer Steffen Post, Bad Laasphe: Eigentlich wollte ich an dieser Stelle etwas zur Eröffnung der Fußball-EM schreiben, aber die ist wegen Corona verschoben. Dafür rollt der Ball bei Geisterspielen in der Bundesliga. Nicht alle Fußballfans sind von diesem Format und der Fortsetzung der Saison begeistert. Das zeigt mir, dass Fußballfans durchaus ein feines Gespür für das gesellschaftliche Miteinander haben, auch wenn sich manche Personen im Stadion gelegentlich anders verhalten.

Im vergangenen Jahr bin ich auch beim Kirchentag in Dortmund darauf gestoßen, dass es inzwischen eine ganze Reihe christlicher Fanclubs gibt. Einige haben sich unter dem Namen „Totale Offensive“ zusammengeschlossen und sind im Stadion an Fahnen in Vereinsfarben mit einem Fischsymbol, dem Zeichen der ersten Christen, zu erkennen. So verbinden sie ihre Begeisterung für den Fußball mit ihrem christlichen Glauben: Sie treffen sich nicht nur zu Andachten oder Gottesdiensten vor Fußballspielen, sondern kümmern sich auch um ihre Mitmenschen, etwa durch Beratungsangebote, organisieren Lebensmittelspenden für bedürftige Menschen, helfen bei Wohnungssuche und Umzügen oder laden Fans mit geringem Einkommen zu Themenrunden und Fußballübertragungen ein.

Andere Fans setzen sich für die Aufarbeitung der Vereinsgeschichte ein. Dabei haben sie in den vergangenen Jahren zu Tage gefördert, dass in den Anfangsjahren einiger Bundesligaclubs ein Präsident, ein Trainer oder Spieler mit jüdischen Wurzeln von entscheidender Bedeutung waren, die dann häufig während der Zeit des Nationalsozialismus als Mitglieder ausgeschlossen wurden. Dank dieser Fan-Initiativen konnte inzwischen das Schicksal einzelner Sportler und Funktionäre aufgearbeitet werden; Lebensgeschichten, die uns heute im Kampf gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus zur Mahnung und Wachsamkeit dienen können.

Auch während der Corona-Pandemie waren Fangruppen ehrenamtlich aktiv: So boten BVB-Fans ihre Hilfe bei Einkäufen und Botengängen für Menschen an, die zur Risiko-Gruppe gehörten, und FC-Fans unterstützten den Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki bei der Essensausgabe in einer Suppenküche für Wohnungslose in der Domstadt.

In dieser Vielfalt haben Fußballfans das in die Tat umgesetzt, was sie sonst ab und an im Stadion singen und was auch für unser Leben immer wieder eine ermutigende Melodie sein kann: „Wenn Du durch einen Sturm gehst, geh‘ erhobenen Hauptes. Und hab‘ keine Angst vor der Dunkelheit. Am Ende des Sturms gibt es einen goldenen Himmel. Und das süße, silberhelle Lied der Lerche. Geh‘ weiter, durch den Wind, geh‘ weiter durch den Regen; auch wenn sich alle deine Träume in Luft auflösen. Und Du wirst niemals alleine gehen. Du wirst niemals alleine gehen. Geh‘ weiter, geh‘ weiter, mit Hoffnung in Deinem Herzen. Und Du wirst niemals alleine gehen: You'll Never Walk Alone.“

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15. Juni

Deine Toten werden leben.

Jesaja 26, 19

Wir wissen, dass der, der den Herrn Jesus auferweckt hat, wird uns auch auferwecken mit Jesus.

2. Korinther 4, 14

Pfarrer Stefan Berk, Erndtebrück: Das Leben konnte sich schon immer von einem Augenblick zum anderen ändern. Seit der Corona-Bedrohung spüre ich das aber intensiver: Trotz aller Sicherheitstechnik und medizinischer Kunst bleibt das Leben „lebensgefährlich“.

Vertrauen zu Gott hilft! Dann ahne ich, dass uns nicht der Tod, sondern das Leben bestimmt. Und dass alles Leben bei Gott geborgen bleibt.

Dann wird die Corona-Pandemie nicht zur Pandemie der Angst. Dann starren wir nicht nur auf Infektionszahlen, sondern stützen das Leben als Ganzes. Dann suchen wir gemeinsam mit allen das Leben neu: Solidarisch und zuversichtlich. Ich will hoffen - und vertrauen.

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16. Juni

Das alles hast du dir doch selbst bereitet, weil du den HERRN, deinen Gott, verlässt, sooft er dich den rechten Weg leiten will.

Jeremia 2, 17

Jesus spricht: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger.

Johannes 8, 31

Pfarrer Henning Debus, Wallau: Seit gestern ist unser Weg durch die Pandemie in NRW wieder etwas breiter geworden. Schutzmaßnahmen wurden gelockert. Ob es der „rechte Weg“ ist, werden wir erst im Nachhinein wissen. Gebe Gott, dass wir nicht leichtsinnig werden!

Aber wir können selbst etwas dafür tun, dass wir auf dem „rechten Weg“ bleiben, indem wir die Grundregeln einhalten: Abstand halten und Gesichtsschutz benutzen. Damit schützen wir andere Menschen und die anderen uns. An Gottes Wort zu bleiben, bemisst sich auch daran, wie engagiert wir alle zur Nächstenliebe bereit sind.

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17. Juni

Dienet dem HERRN mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!

Psalm 100, 2

Sagt Dank dem Vater, der euch tüchtig gemacht hat zu dem Erbteil der Heiligen im Licht.

Kolosser 1, 12

Pfarrerin Claudia de Wilde, Hemschlar: Glauben verbindet. Zuallererst verbindet er uns mit Gott. Da ist eine Beziehung, die stärker ist als jede Beziehung zwischen Menschen, weil Gott uns als unser Schöpfer gewollt und ins Leben gerufen hat. Wir gehören dazu, bedingungslos, sind in die Gemeinschaft mit ihm gestellt.

Davon erzählen die Losungen heute. Das ist der Grund, warum wir voller Freude vor Gott leben können. Und damit sind wir zugleich in eine Gemeinschaft gestellt, in die Gemeinde vor Ort, aber auch weltweit. Wir gehören zu Gott und zu einer großen Gemeinschaft. Das ist wirklich ein Grund zur Freude!

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18. Juni

Noah tat alles, was ihm Gott gebot.

1. Mose 6, 22

Es ist der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.

Hebräer 11, 1

Pfarrer Dr. Andreas Kroh, Wolzhausen: Ein Gemeindehaus trägt den Namen „Arche“ und erinnert damit an Noah. Die Gemeinde hat mit der Auswahl des Namens ein bedeutsames Zeichen der Hoffnung gesetzt. Sie erinnert die Welt an Gott, der Noah in seinen Dienst gestellt hat. Gottes Güte ist und bleibt ein Geschenk - in den Tagen des Noah genauso wie in den Tagen der Corona-Krise.

Gütiger Gott, danke, dass Du in Deiner Barmherzigkeit auch heute Menschen in Deinen Dienst stellst.

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19. Juni

Der HERR spricht: Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst.

Psalm 32, 8

Versteht, was der Wille des Herrn ist.

Epheser 5, 17

Pfarrerin Silke van Doorn, Bad Laasphe: Gott selbst will mich unterrichten. Zusammen mit ihm darf ich zuversichtlich auf den Entdeckungspfad gehen: Der Weg, den ich mit Gottes Weisung im Ohr gehe, kann kein verkehrter sein. Doch so einfach scheint es nicht zu sein, denn sonst bedürfte es keiner Aufforderung, zu verstehen, was Gottes Wille ist. Was ist Gottes Wille? Sicherlich gibt es ein Kriterium: Liebe üben. Diese Messlatte hört sich einfach an. Sie ist hoch. Liebe üben bedeutet, den Anderen wahrzunehmen, wie er ist, suchen, was er benötigt.

Manche, die schwersten, Wege scheinen wir allein zu gehen.

Hilde Domin dichtet:
und doch, wenn du lange gegangen bist,
bleibt das Wunder nicht aus,
weil das Wunder immer geschieht,
und weil wir ohne die Gnade
nicht leben können.

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20. Juni

Was der HERR tut, das ist herrlich und prächtig, und seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich.

Psalm 111, 3

Es lasse ab von Ungerechtigkeit, wer den Namen des Herrn nennt.

2. Timotheus 2, 19

Pfarrerin Dr. Sandra Gintere, Winterberg: Wie und wo erleben wir diese herrlichen und prächtigen Taten unseres Gottes? Wodurch ist unser Herz so erfreut, dass wir Gott loben können, so wie der Psalmist es tut? Meistens dann, wenn wir mit der atemraubenden Schönheit der Natur konfrontiert sind. Im Sommer fällt uns das besonders leicht, da unsere Herzen fast tagtäglich von bunten Farben, süßen Düften, herrlichen Klängen und vielfältigen Pflanzen und Tieren erquickt werden. Wir dürfen an Gottes herrlichen Taten teilhaben, indem wir in dieser prächtigen Welt leben dürfen.

In der Schöpfungsordnung und den Geboten, die ER den Menschen gegeben hat, kommt Gottes ewige Gerechtigkeit zum Ausdruck. Lassen wir uns dafür die Augen öffnen!

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21. Juni - Angedacht

Pfrn. Kerstin Grünert, Erndtebrück: Jetzt wird alles anders! Denn der Sommer ist da. Lange, laue Abende, Eis im Sonnenschein, lockeres Flattern der Gardinen im Wind, alles ist leicht und vieles wird losgelassen. So ein bisschen wie in der Pralinenwerbung, ohne Schokolade.

Aber es ist doch so, der Sommer steht für Unbeschwert-Sein und Freiheit. Vielleicht wegen der Ferien, weil man weniger zum alltäglichen Leben braucht. Stimmt das denn? Die Schlagzeilen der vergangenen Woche zeichnen ein anderes Bild. Und jetzt meine ich nicht die Diskussion darüber, ob, wie und wo ein Auslandsurlaub möglich ist oder eben nicht. Oder wie viel Wert ein Geister-Meistertitel hat.

Obwohl es sich wieder gemütlicher anfühlt, stecken wir immer noch tief in der Krise. Immer noch oder schon immer?! Jeden Tag ploppt irgendwo etwas Neues auf, das uns zeigt, wie uns Menschen der ausschließlich am Profit orientierte Lebensstil auf die Füße fällt. Sind wir da eigentlich noch zu retten?

Das Leben hat eine neue Form bekommen. Irgendwie fühle ich mich im permanenten Einsatzmodus. Es geht nur noch ums Reagieren. Eigene Pläne haben an Kraft verloren. Immer muss man noch ein Einerseits und Andererseits dabei denken. Träumen und Rumspinnen geht irgendwie nicht mehr. Ich habe Sehnsucht nach dem Unbeschwerten und Spontanen. Ich vermisse die Leichtigkeit und die Visionen, die den Alltag immer auch bunt gemacht haben.

Ist das jetzt alles weg? Auf Nimmerwiedersehen? Oder muss ich einfach nur neu sortieren? Einfach ist das ja nun nicht. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und kann sich offensichtlich nur schwer umgewöhnen. Wo kriege ich also die neue Leichtigkeit her? Wo kann ich abladen?

„Kommt her, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Im Matthäus-Evangelium stehen diese Worte Jesu aufgeschrieben. Jesus kann also leicht machen. Und wie macht er das? Wie kriege ich das im Alltag mit? Kommt er und organisiert das Home-Schooling der Kinder für mich? Das wäre doch eine gute Sache: Jesus und der Satz des Pythagoras.

Wahrscheinlich ist es ein bisschen weiter gefasst. Es wird leichter, wenn ich andere Maßstäbe setze. Das kann ich von Jesus lernen. Gesellschaftliche Konventionen, Normen, die ein menschliches Miteinander behindern, die Nächstenliebe verblassen lassen, rücken in den Hintergrund. Maßstäbe, die den Menschen als Geschöpf Gottes kleinhalten, haben nichts mit seiner bedingungslosen Liebe zu tun, die er mit Jesus in die Welt gebracht hat.

Ich träume von der Leichtigkeit, die mir von Gott in Jesus geschenkt wird. Leicht und sanft, nicht gleichgültig. Hoffentlich kriege ich es mit, wenn sie da ist. Nicht, dass ich das Geschenk verpasse.

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22. Juni

Du krönst das Jahr mit deinem Gut.

Psalm 65, 12

Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts.

Jakobus 1, 17

Pfarrerin Ursel Groß, Grafschaft: Ich kenne die Verse. Sie gehören zum Erntedanktag. Aber Erntedank haben wir nicht - oder doch? Der Psalm erzählt vom täglichen Erntedank: Gott erhört Gebete. Er vergibt Schuld. Er schenkt reichen Trost. Und noch mehr: Er hat unseren Lebensraum geschaffen und bewahrt ihn. Und er gibt uns Brot und Wasser. Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei dem keine Veränderung ist noch Wechsel des Lichts und der Finsternis.

Herr, hilf mir, dir jeden Tag zu danken für deine Gaben, die du mir und allen Menschen in deiner Treue und Liebe zum Leben schenkst. Amen.

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23. Juni

Er sendet seine Rede auf die Erde, sein Wort läuft schnell.

Psalm 147, 15

Gottes Wort ist nicht gebunden.

2. Timotheus 2, 9

Abenteuerdorf-Geschäftsführerin Silke Grübener, Mornshausen: Schnell - ein Begriff mit positiven Erinnerungen aus meiner Kinderzeit. Schnell rennen, schnell groß werden und in die Schule gehen. Heute eher ein Begriff, der mich an Fristen erinnert, an Gehetzt-Werden auf der Arbeit, im Straßenverkehr, bei Eindrücken, die aus den Medien auf mich einprasseln. SEIN Wort läuft schnell - will ich das dann überhaupt? Ja und nein.

Ja, denn die gute Nachricht von Gottes Liebe soll viele erreichen. Und nein, denn ich möchte dieses Wort nicht nur im Vorbeigehen hören oder lesen. Ich möchte mich wieder darauf einlassen, über SEIN Wort nachzudenken und mit anderen darüber ins Gespräch zu kommen. Daher heute die herzliche Einladung, sich dazu Zeit zu nehmen und einfach mal den eigenen Tauf- oder Konfirmationsspruch gedanklich wieder hervorzukramen.

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24. Juni

Wie die Erde hervorbringt, was sprießt, so wird Gott der HERR Gerechtigkeit sprießen lassen und Ruhm vor allen Nationen.

Jesaja 61, 11

Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird gesät in Frieden für die, die Frieden stiften.

Jakobus 3, 18

Pfarrerin Christine Liedtke, Girkhausen: Nein, gerecht geht es nicht zu auf dieser Erde. Es herrscht große Ungerechtigkeit, und wir sehnen uns nach Gerechtigkeit. Sie soll von selbst wachsen, wie Jesaja in Gottes Auftrag sagt, sie wird sprießen wie Wildkräuter. Dafür sorgt Gott. Dafür hat er Jesus gesandt. Jesus predigt über Jesaja 61 (Lukas-Evangelium, Kapitel 4) und sagt: „Heute ist dieses Wort erfüllt vor euren Ohren.“

Gerechtigkeit soll groß werden; auch durch uns, die wir Jesus Christus nachfolgen. Sie kann nicht mit Gewalt aufgerichtet werden, sondern kann nur wachsen und sich entwickeln.

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25. Juni

Ich, der HERR, bin dein Heiland, und ich, der Mächtige, dein Erlöser.

Jesaja 60, 16

Wer will uns scheiden von der Liebe Christi?

Römer 8, 35

Prädikantin Christiane Petri, Hatzfeld: Ein vielleicht etwas altertümlich anmutendes, aber sehr schönes Wort: Heiland. Es sagt mir zu, da ist jemand, der mich heil macht, der die Risse meiner Seele kittet, der Balsam für mein verwundetes Herz ist. Nein, kein „Heile, heile Segen“ wie im Kinderreim, sondern ein Zuspruch: Ich bin für Dich da, jeden Tag. Ich umhülle Dich mit meiner Liebe. Das ist eine sehr starke Zusage. Aber - kann ich diese Liebe immer annehmen und spüren? Es gibt Tage, da schlägt alles über mir zusammen. Warum erlebe ich Gottes Liebe in manchen Momenten so beglückend intensiv und in anderen wiederum überhaupt nicht?

Der Apostel Paulus schreibt im Brief an die Römer weiter: „… weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes… kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem HERRN.“ Also darf ich auch mal zweifeln. Ich darf auch mal einen schlechten Tag haben. Jesus gibt mir Bestätigung und Trost. Seine Liebe zu mir ändert sich nie. Komme was wolle.

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26. Juni

Wohl denen, die das Gebot halten und tun immerdar recht!

Psalm 106, 3

Die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.

1. Johannes 2, 17

Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück: Ich hab‘ nichts anzuziehen. Der Schrank quillt über und trotzdem gibt es nichts. Neues muss her! Und da ist es wieder, dieses Gefühl von Glück, Zufriedenheit, das man nur an der Ladenkasse fühlt, oder beim Aufmachen eines Pakets. Wie Gollum, der sehnsüchtig die Hände nach dem Ring austreckt: „Mein Schatz!“ Und dann? Alles verflogen. Nichts mehr da. Gefühle auf Null.

Gott, du weißt, was ich wirklich brauche und kennst meine Sehnsucht. Zeige mir, wo ich falschen Versprechungen hinterherlaufe! Bewahre mich vor Selbsttäuschung und stille du meinen Hunger nach Glück. Amen.

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27. Juni

Gott, gedenke an deine Gemeinde, die du vorzeiten erworben und dir zum Erbteil erlöst hast.

Psalm 74, 2

Ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet.

2. Korinther 8, 9

Pfarrer Stefan Berk, Erndtebrück: Gnade: Das ist der große Tausch! Ich stehe plötzlich auf der Seite Gottes. Und er begegnet mir auf Augenhöhe. Alles ohne Bedingungen, denn Gott will es so.

Kaum zu glauben? Kann sein. Im Alltag kommen mir mehr als genug Zweifel an allem. Gut, dann an die Gnade zu denken: Für Gott zähle ich. Auf jeden Fall.

Gebet: Gott, lass mich nie aus dem Blick verlieren, dass ich zu Dir und Du zu mir gehörst. Und dass mein Leben zählt, selbst wenn ich es ganz anders empfinde. Danke dafür und Amen.

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28. Juni - Angedacht

Pfarrer Thomas Janetzki, Wingeshausen:Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. 2. Timotheus 1, 7

Warum geht mir dieses Bibelwort jetzt durch den Kopf? Weil die Nachrichten zum Thema „Corona“ mich fast schon wieder fürchten lassen, dass alles, was wir hofften überwunden zu haben, zurückkommt: Ausgangs- und Reisebeschränkungen, Kontaktverbote…

Ein Geist der Furcht könnte sagen: „Diese zweite Welle kommt doch sowieso.“ Dann sind ab jetzt wieder allen anderen zuerst ein mögliches Risiko für meine Gesundheit, erst dann meine Mitmenschen. Oder aber: „Die zweite Welle kommt sowieso - darum tue ich jetzt alles, was Spaß macht, bevor es zu spät ist...“

Hier steht aber das Wort „Besonnenheit“: Natürlich fragen wir uns, ob wir nicht alles zu früh wieder angefangen, gelockert haben, haben Angst, dass eine zweite Infektionswelle uns wieder in einen Lockdown zwingt - und das ist verständlich und hat sein Recht. Aber Angst kann auch kippen, zu Panik werden. Dann suchen wir schnell nach Schuldigen und laden alles auf sie ab. Denn wir sind doch nur unschuldige Leidtragende dieses Skandals… Aber ist das wirklich so einfach?

Die Besonnenheit versteht unsere Gefühle, aber sie fragt mit großer Klarheit zurück: Wovor hast Du Angst? Wie willst es vermeiden? Was ist die Alternative? Was kannst Du daraus lernen?

Besonnen ist, uns einzugestehen: Wir wissen einfach nicht, wie gefährlich Corvid-19 (wieder) noch werden wird. Es könnte unser Gesundheitssystem überfordern - es kann aber auch so kommen wie eine heftige Grippe - zumindest hier.

Besonnen ist, das zu tun, was nachweislich zur Eindämmung hilft, was auch alle wissen und die meisten beherzigen. Aber: Das ist nicht einfach nur „soziale Distanzierung“! Es gibt manchmal Nähe, die gefährlich ist, wo man andere anstecken kann, ohne es zu merken, sich auch selbst infizieren kann. Aber: Es gibt auch Distanz, die schaden kann, Menschen, die auf uns und unsere Zuwendung, wie sie auch aussehen mag, angewiesen sind. Besonnenheit heißt eine gesunde Balance finden…

Was kann uns dabei helfen? Ich denke, die beiden Begriffe „Kraft“ und „Liebe“ aus dem Bibelvers können uns helfen. Gott verspricht uns neue Kraft, wenn wir ruhig bleiben, mit ihm sprechen, uns von ihm ansprechen lassen - und uns fragen: Bemitleiden wir uns nur selbst, weil wir eingeschränkt sind in unserer Freiheit, oder tun wir etwas für die, die uns brauchen? Jesus ist immer gerade auf die zugegangen, mit denen keiner etwas zu tun haben wollte: etwa auf die Schwachen, Ausgegrenzten; sogar auf die, die schuldig geworden waren. Das ist unser Weg: Nächstenliebe - ohne jede Bedingung. Und die entwickelt ein feines Gespür für die, die Beistand und Unterstützung benötigen, ist erfinderisch darin, wie sie das tut. Lassen wir uns doch von Nächstenliebe leiten...

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29. Juni

Daniel sprach: Mein Gott hat seinen Engel gesandt, der den Löwen den Rachen zugehalten hat, sodass sie mir kein Leid antun konnten.

Daniel 6, 23

Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um.

2. Korinther 4,9

Laienpredigerin Monika Benfer, Bad Laasphe: Daniel in der Löwengrube - und er erlebt etwas, das kaum zu glauben ist. Gott ist ihm nah. Rettet ihm das Leben auf unbegreifliche, wundersame Weise. Engel behüten ihn vor den Bissen der Löwen. Engel, die Leben retten? Engel, die unterwegs sind auch heute, unsichtbar und geheimnisvoll? Ja, es gibt sie. Überall da wo Menschen verfolgt werden, Leid erfahren, bedroht und unterdrückt werden. Leise tun sie ihre Arbeit versuchen zu trösten, Hoffnung zu schenken, Leben zu retten.

Wir können getrost in den Tag gehen: Von guten Mächten wunderbar geborgen.

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30. Juni

Mein Herz hält dir vor dein Wort: »Ihr sollt mein Antlitz suchen.« Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz.

Psalm 27, 8

Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!

Philipper 4, 6

Pfarrer Martin Ahlhaus, Kierspe: Viele Sorgenfalten hat uns die Corona-Krise ins Gesicht gezeichnet: Sorge um Leben und Gesundheit, Familie und Freunde. Angst vor Ansteckung und der zweiten Infektionswelle. Sorge um die globalen Folgen des Lockdowns und die sozialen Verwerfungen in unserem Land.

„Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Kopf fliegen, kannst du nicht ändern. Aber dass sie Nester bauen in deinem Haar, das kannst du verhindern.“ Diesen Rat Martin Luthers nehme ich mir zu Herzen: Weder von Sorgen zerfressen lassen noch sorglos in den Tag leben, sondern sorgsam sein mit mir, mit anderen, mit dieser Welt - und in allem Gott das große Sorgen überlassen.

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Martin Ahlhaus unterstützt die internationale Partnerschaftsarbeit im Wittgensteiner Kirchenkreis.


1. Juli

Meinst du, dass sich jemand so heimlich verbergen könne, dass ich ihn nicht sehe?, spricht der HERR. Bin ich es nicht, der Himmel und Erde erfüllt?, spricht der HERR.

Jeremia 23, 24

Wenn jemand Gott liebt, der ist von ihm erkannt.

1. Korinther 8, 3

Pfarrer Jaime Jung, Erndtebrück: Als Kind habe ich gerne Verstecken gespielt. Es hat Spaß gemacht, sich zu verstecken und gefunden zu werden. Als Erwachsener merke ich, dass ich das Versteckspielen nicht ganz aufgegeben habe: Manchmal verstecke ich Gefühle, ich ziehe mich zurück, um nicht verletzt zu werden, ich mache mich sogar schon mal klein, um bestimmte Verantwortungen nicht übernehmen zu müssen. Das ist durchaus menschlich.

Aber vor Gott kann ich mich nicht verstecken. Noch besser: Das muss ich auch gar nicht! Ich darf mich von ihm finden lassen, denn er sucht nach mir und nimmt mich liebevoll an, so wie ich bin. 

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2. Juli

HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen.

Psalm 8, 2

Maria sprach: Er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.

Lukas 1, 49

Pfarrer Thomas Janetzki, Wingeshausen: Leider war gerade in den Industrieländern lange Zeit die Einsicht verloren gegangen, dass die besondere Stellung, die wir als Menschen haben, allein auf der Tatsache beruht, dass Gott sie uns geschenkt hat. Nicht wir, obwohl wir uns gerne so sehen, sind Herrscher über die Schöpfung, sondern auch nur Geschöpfe, die aber einen besonderen Auftrag von Gott erhalten haben: Nämlich Verantwortung zu übernehmen für seine Welt.

In den letzten Jahren erkennen wir nun immer mehr, dass wir dabei lange Zeit versagt haben, und viele Menschen beginnen sich zu fragen, wie sie das am besten ändern können - für mich eine mutmachende Entwicklung, die uns hoffentlich gemeinsam die richtigen Schritte gehen lässt…

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3. Juli

Deine Hände haben mich gemacht und bereitet; unterweise mich, dass ich deine Gebote lerne.

Psalm 119, 73

Und das ist sein Gebot, dass wir glauben an den Namen seines Sohnes Jesus Christus und lieben uns untereinander.

1. Johannes 3, 23

Prädikantin Traudel Stremmel, Berghausen: Woher komme ich? Das ist eine Frage, die sich jeder Mensch irgendwann einmal stellt. Dabei versuchen viele, durch Ahnenforschung ihre Ursprünge zu entdecken. Wir möchten uns einreihen in die Geschichte der Menschheit, unseren Platz darin finden. Neben diesem menschlichen Ursprung, sagt die Bibel, haben wir auch einen göttlichen. Wir sind Geschöpfe Gottes, haben unseren Platz unter den Kindern Gottes, geliebt und zur Liebe fähig.

Und das Ziel unseres Lebens ist auch definiert: Die Gebote unseres Schöpfers lernen, den Glauben an seinen Sohn nicht verlieren und Liebe üben. Wenn wir uns untereinander mit Liebe begegnen, geben wir anderen die Würde, die ihnen von Gott zukommt. Darin zeigt sich unsere Herkunft als Kinder Gottes.

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4. Juli

Der HERR spricht: Ich will mich zu euch wenden und will euch fruchtbar machen und euch mehren und will meinen Bund mit euch halten.

3. Mose 26, 9

Auf alle Gottesverheißungen ist in Jesus Christus das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zur Ehre.

2. Korinther 1, 20

Pfarrerin Heike Lilienthal, Herzhausen: Das Ja berührt mich. Was Gott zugesagt hat, ist in Jesus in allem zum Ausdruck gekommen. Das Ja Gottes in Jesus hat auch Auswirkungen auf uns, auf mich. Von Gottes Ja leben. Von Gottes Zuwendung, Gottes Liebe, Gottes Beziehung zu uns. Gottes Ja: Ich werde mit dir sein. Ich bin für euch da. Dankbar vertraue ich diesem Ja.

Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28, 20)

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5. Juli - Angedacht

Jugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen: Die Ferien haben endlich begonnen. Und doch ist dieses Jahr alles anders. Urlaubsreisen können nur eingeschränkt und unter Auflagen stattfinden. Auch unser Begegnungsprogramm „Young Ambassadors“ zwischen Jugendlichen aus dem Kirchenkreis Wittgenstein und der United Church of Christ in Indiana und Kentucky in den USA, das dieses Wochenende beginnen sollte, musste wegen der Corona-Pandemie auf nächstes Jahr verschoben werden.

Dennoch: Es sind Ferien! Wenn nun auch alles anders ist als geplant, sind die Ferien von vielen Schülern, Eltern und Lehrern regelrecht herbeigesehnt worden. Ferien sind besondere Zeiten im Jahr. Der englische Begriff dafür - „holiday“ - kann das sehr schön veranschaulichen. Es setzt sich aus den Wörtern „holy“ und „day“ zusammen. Damit wird deutlich, was Ferien sind: heilige Tage.

Heilige Tage beinhalten mehr als das Verreisen in ferne Länder und zu interessanten Orten. „Heilig“, das bedeutet Gott geweiht. Dabei ist der Fokus auf Gott gerichtet. Es geht bei den „heiligen Tagen“ also darum, in Beziehung mit Gott zu treten und dankbar und fröhlich zu erkennen, was er uns täglich Gutes gibt. In den Ferien, wenn wir zur Ruhe kommen, die Seele baumeln lassen, neue Kräfte sammeln, erleben wir Gottes Nähe nochmal viel intensiver. Vieles was im Alltag untergeht, wird neu und anders wahrgenommen. Deshalb sind besonders die Ferientage - wie aber generell jeder andere Tag auch - von Gott geschenkte Tage.

So bekennt auch der Beter des 118. Psalms in Vers 24: „Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Der Beter sieht die Tage als ein Geschenk Gottes. Jeder Tag bietet viele neue Möglichkeiten, etwas Spannendes zu erleben, über kleine und große Dinge zu staunen, Menschen zu begegnen und Gottes Größe, Macht und Liebe zu erfahren. Gerade in den Ferien sind wir eingeladen, gezielt inne zu halten und die Einzigartigkeit und besonderen Momente jedes einzelnen Tages wahrzunehmen und zu genießen.

Lassen Sie uns trotz all der Umstände und Einschränkungen fröhlich und gespannt schauen, was Gott für uns in diesen heiligen Tagen bereithält. Vielleicht reflektieren Sie am Ende eines jeden Tages beim gemütlichen Abendessen, was Sie heute erlebt haben und wofür Sie dankbar sind.

Möglicherweise hilft diese Übung dabei, auch im Alltag vermehrt innezuhalten, um Gottes Nähe zu suchen und seine Liebe zu erkennen und all die wunderbaren Gaben wahrzunehmen.

Ich wünsche Ihnen schöne „holy days“.

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6. Juli

So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein.

Psalm 103, 12

Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade noch viel mächtiger geworden.

Römer 5, 20

Pfarrer Dieter Kuhli, Bad Laasphe: „Das eben ist der Fluch der bösen Tat, dass sie, fortzeugend, immer Böses muss gebären.“ Manchmal fällt es mir fällt schwer, dieser Lebensweisheit aus Friedrich Schillers „Wallenstein“ zu widersprechen. Es gibt so viel Trauriges und Hässliches, so viel Entsetzliches und Ungerechtes auf der Welt, dass wir aufpassen müssen, in den Sog des Negativen nicht immer tiefer hineinzugeraten. Im biblischen Zeugnis wird das Böse nicht bagatellisiert, im Gegenteil, es wird ganz offen „Übertretung“ und „Sünde“ genannt. Und wir werden bei unserer Verantwortlichkeit behaftet. Dann aber folgt ein großes „Aber“: In seiner Menschenfreundlichkeit tritt Gott selbst in Jesus Christus der Sünde entgegen. Seine Liebe, das Übermaß seiner Gnade wiegt schwerer als „der Fluch der bösen Tat“. Und wir dürfen aufatmen und als Entlastete und Befreite leben. Gott sei Dank!

Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. (Psalm 103, 1 bis 4)

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7. Juli

Ich sprach, da ich weglief vor Angst: Ich bin verstoßen aus deinen Augen. Doch du hast mein lautes Flehen gehört, als ich zu dir schrie.

Psalm 31, 23

Am Wege saß ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus. Und als er hörte, dass es Jesus von Nazareth war, fing er an zu schreien und zu sagen: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Und viele fuhren ihn an, er sollte schweigen. Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn her!

Markus 10, 46 bis 49

Pfarrerin Simone Conrad, Wingeshausen: Aus den Augen, aus dem Sinn - sagt eine alte Redewendung. Oder: Wir haben uns aus den Augen verloren …was so viel heißt wie: Wir achten nicht mehr aufeinander; ich weiß nicht, wie es einer alten Freundin geht, weil ich sie lange nicht mehr gesehen habe. Das geht so unheimlich schnell - das Aus-den-Augen-Verlieren. Wie schnell ist gesagt: Da habe ich keine Zeit, da steht etwas anderes an, wir sehen uns andermal. Auf einmal ist der andere nicht mehr im Blick… Gott sei Dank, dass Gott uns nie aus den Augen verliert. Selbst wenn wir vor ihm weglaufen, behält er uns im Blick. Nimmt uns wahr, hört unser Rufen.

Danke Gott, dass deine Augen liebevoll auf uns ruhen. Amen.

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8. Juli

Ich will auch hinfort mit diesem Volk wunderlich umgehen, aufs Wunderlichste und Seltsamste, dass die Weisheit seiner Weisen vergehe.

Jesaja 29, 14

Viele, die Jesus zuhörten, verwunderten sich und sprachen: Woher hat er dies? Und was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist? Und solche Taten geschehen durch seine Hände?

Markus 6, 2

Pfarrer Steffen Post, Bad Laasphe: Um das Corona-Virus zu verstehen, haben wir auf die Erkenntnisse der Wissenschaft gehört. Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, haben wir auf die Empfehlungen der Politik gehört. Dabei führt uns das Auf und Ab der Meinungen und Maßnahmen vor Augen, dass unser Wissen Stückwerk ist. Da kann es helfen, auf eine andere Stimme, auf Gottes Stimme zu hören. Die Impulse zu den Losungsversen empfinden dabei viele Leser*innen als ermutigend. Dieses Hören auf Gottes Wort gibt Kraft für den Alltag.

Darum bitte ich: „Herr, gib uns Mut zum Hören auf das, was du uns sagst. Wir danken dir, dass du es mit uns wagst.“ (Kurt Rommel, Ev. Gesangbuch 605, 1)

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9. Juli

Der HERR ist deine Zuversicht.

Psalm 91, 9

Weil wir nun solche Hoffnung haben, sind wir voller Freimut.

2. Korinther 3, 12

Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer, Raumland: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Sicherlich kennen Sie diesen Satz und haben ihn vielleicht auch schon selbst verwendet. Diese Hoffnung, von der dort die Rede ist, die überhaupt sterben kann, ist immer eine Hoffnung, die wir Menschen uns selbst suchen oder geben. Sie unterscheidet sich aber grundlegend von der Hoffnung, die Gott und schenkt. Denn diese geschenkte Hoffnung stirbt nie, denn Gott ist ewig, und so bleibt die Hoffnung, die er schenkt, auch ewig.

Aus dieser geschenkten Hoffnung erwächst die Zuversicht, von der die Tageslosung für heute spricht. Und aus dieser Hoffnung heraus können wir voller Freimut und Zuversicht in die Zukunft blicken. Denn nicht wir müssen dafür einstehen, dass die Hoffnung nicht stirbt, sondern das tut Gott.

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10. Juli

Eine Generation rühmt der andern deine Werke, und deine mächtigen Taten verkünden sie.

Psalm 145, 4

Die Gnade mehre sich durch die wachsende Zahl der Glaubenden, und so ströme der Dank reichlich zur Verherrlichung Gottes.

2. Korinther 4, 15

Gemeindepädagoge Johannes Drechsler, Feudingen: In dem Denkschema „Leistung gleich Anerkennung“ ist der Mensch unüberlegt gefangen. Das überträgt er auf seine Gottesbeziehung. So versucht der Mensch durch seine Leistung, seine Werke, Ansehen vor Gott zu erwerben.

Doch Gott ist sowieso dem Menschen durch seine Werke und Taten ganz nah. Wer sich von Gott anerkannt weiß, ist unabhängig von jeglicher Anerkennung geworden. So kann ich voll Staunen und Dankbarkeit Gottes Liebe rühmen. Mein Leben hat seine Zielbestimmung zurückgewonnen. Ich bin frei, für den Ruhm Gottes zu sorgen, weil Gott für meinen Ruhm gesorgt hat. Das Rühmen des Menschen ist Echo auf das Liebeshandeln Gottes.

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11. Juli

Der HERR wird seinem Volk Kraft geben.

Psalm 29, 11

Sie sahen aber den Freimut des Petrus und Johannes und wunderten sich; denn sie merkten, dass sie ungelehrte und einfache Leute waren, und wussten auch von ihnen, dass sie mit Jesus gewesen waren.

Apostelgeschichte 4, 13

Jugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen: Was gibt Ihnen im Alltag Kraft? Was hilft Ihnen, mutig Schritte zu wagen? Wir alle brauchen hin und wieder kleine Mutmacher, die uns Kraft geben für die Aufgaben und Herausforderungen unseres Alltags und Glaubens und uns motivieren, nicht aufzugeben. Die Losung heute zeigt uns Gott als Mutmacher, der uns stärkt und beisteht. Mit Gott an unserer Seite werden wir Außergewöhnliches erleben.

„Nun aufwärts froh den Blick gewandt und vorwärts fest den Schritt! Wir geh‘n an unsers Meisters Hand, und unser Herr geht mit.“ (August Hermann Franke, Ev. Gesangbuch 394, 1)

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12. Juli - Angedacht

Hätte Gott mich anders gewollt,
So hätt' er mich anders gebaut.
Johann Wolfgang von Goethe

Pfarrerin Silke van Doorn, Bad Laasphe: Alle Menschen sind gleich. Lange Zeit wollten uns Wissenschaftler erklären, dass einige gleicher sind. Unterscheidung von körperlichen Merkmalen diente zur Einordnung der Menschen. Die, die herrschen (wollen), erklärten die ihnen ähnlich Sehenden zu hochwertig, die Anderen als Minderwertige. Heute wissen wir genau, dass die Gene der äußerlich unterschiedlichen Menschen gleich sind. Vor allem wissen wir, dass gar nichts einen qualitativen Unterschied ausmacht. Der liegt nicht in den Genen, nicht in Farben, nicht in Kulturen.

Weltweit führen wir gerade die Rassismus-Debatte. Nicht nur in den USA, sondern auch bei uns ist sie aufgeflammt. Jetzt steht unsere Polizei auf dem Prüfstand. Anders als der Innenminister können sich viele in der Polizei eine kritische Überprüfung vorstellen. Die Polizist*innen halten für die Wahrung unseres Grundgesetzes ihre Köpfe hin - der übergroße Teil steht natürlich auf der richtigen Seite. Richtig ist, dass die Polizei ein Spiegel der Gesellschaft ist. Rassisten gibt es überall. Das nötigt uns alle, auf uns selbst zu schauen und jede Gruppierung unserer Gesellschaft zu beäugen: Wieviel ausgrenzende, rassistische Vorurteile und Beurteilungsmuster stecken in mir? Rassismus ist keine Frage der Biologie, sondern der Kulturen: „Die sind anders, die verstehen uns nicht!“

Zur Kultur wird auch die Religion gezählt: Religionen, die verschieden sind. Unsere Religion ist die einzig wahre - das ist unser Denken. Zur Kultur wird auch die sexuelle Identität gezählt: So wie ich liebe, ist normal - das ist unser Denken.

„Die Zeit ist gekommen, in der wir einen bestimmten Ruf vernehmen: Dass die Welt als EINE zusammen kommen muss.“ Seit 1985 gibt es das Lied „We Are the World“. Die bekanntesten überwiegend amerikanischen Musiker unterschiedlichster Hautfarbe sangen, um acht Millionen Äthiopier vom drohenden Hungertod zu retten. Die Welt sollte ihren Geschwistern helfen - sofort. „Wir sind die Welt. Wir sind die Kinder. Wir sind die, die einen leuchtenderen Tag machen können - lasst uns beginnen, zu handeln, zu geben. Schickt ihnen eure Herzen, dass sie wissen, dass es jemanden gibt, der sich kümmert, dass sie stärker und freier leben können. Gott hat uns gezeigt, dass aus Steinen Brot werden kann. So strecken wir die helfende Hand aus.“

Angesichts der Bedrohung der Menschen durch ein Virus, das unsere Gesellschaft verändert, viele Menschen zerstört, können wir uns Rassismus endgültig nicht mehr leisten. Wir müssen - und können - als EINE Welt zusammenstehen. Alle Menschen sind gleich - und jede/r anders.

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13. Juli

Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt!

Hosea 10, 12

Zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Epheser 4, 24

Jugendmitarbeiterin Birthe Becker-Betz, Fischelbach: Was Neues anfangen - hört sich gut an. Vor allem im Moment. Die Baumärkte haben während der Corona-Krise gute Umsätze gemacht. Ganz nach dem Motto „Packen wir es an!“ wurden Gartenhäuschen, Klettergerüste für die Kinder oder was auch immer gebaut. Zeit für was Neues? Im zehnten Kapitel beim Propheten Hosea können wir nachlesen, warum es auch dort an der Zeit für eine Veränderung war. Götzen wurde gedient und die Menschen dachten nicht an Gott. Er aber machte ihnen das Angebot, zu ihm zu kommen, ihn als ihren Herren anzunehmen. Es war noch nicht zu spät und das ist es auch für uns heute nicht. Niemals! Die Gartenhäuschen sind ja bestimmt jetzt fertig...

Zeit für was Neues? Zeit für und mit Gott?!

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14. Juli

Man wird wieder hören den Jubel der Freude und Wonne, die Stimme des Bräutigams und der Braut und die Stimme derer, die da sagen: »Danket dem HERRN Zebaoth; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.«

Jeremia 33, 11

Jesus sprach zu ihnen: Wie können die Hochzeitsgäste fasten, während der Bräutigam bei ihnen ist?

Markus 2, 19

Pfarrer Joachim Cierpka, Bad Laasphe: Wird es wieder eine unbeschwerte Zeit geben, ohne Sorgen, ohne Virus-Angst und frei? Genauso könnte man fragen: Kann ich Weihnachten wieder so feiern, wie als Kind? Die Antwort ist klar: Nein! Denn Leben ist eine Geschichte des Abschieds, der Brüche, trennender Schuld und wachsender Einsamkeit - und der Veränderung. Das Leben kennt keine Delete-Taste, mit der wir alles löschen und einfach auf Anfang stellen könnten.

Aber neues, anderes Leben ist möglich. Dazu lädt Gott ein. Zur Barmherzigkeit statt zum Gegeneinander, zur Versöhnung statt zum Kampf, zur Liebe statt zur Gleichgültigkeit. Das führt in neue Freiheit. Das ist Grund, wieder freudig zu jubeln. Und wo‘s gelingt erst recht zum Danken.

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15. Juli

In eines Mannes Herzen sind viele Pläne; aber zustande kommt der Ratschluss des HERRN.

Sprüche 19, 21

So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen habt untereinander beharrliche Liebe.

1. Petrus 4, 7 und 8

Pfarrer Peter Liedtke, Girkhausen: Manchmal verändert das Drumherum eines Satzes unsere Möglichkeit ihn zu verstehen: „Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen habt untereinander beharrliche Liebe; denn »Liebe deckt der Sünden Menge zu«.“

So gelesen ist die Losung für den heutigen Tag eine Mahnung und Ermutigung zugleich. Es kann sein, dass heute der Tag ist, auf den es ankommt - in meinem eigenen Leben. Ein Tag, auf den es ankommt für die Menschen, für die zu beten wichtig ist und denen mit Zuwendung zu begegnen alles zum Guten wenden kann. Morgen schon kann die Chance vertan sein.

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16. Juli

Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser!

Jesaja 55, 1

Jesus spricht: Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten.

Johannes 4, 14

Jugendreferentin Franzi Heß, Schwarzenau: Eine starke Schulter, an die man sich lehnen kann. Genau das brauchen wir. Erst recht in diesen unbeständigen Zeiten. Halt finden wir immer bei unserem Gott. Er ist der Mächtigste und Größte, der uns immer beisteht und zu uns hält. Auf ihn können wir zählen, bei ihm können wir über unsere Sorgen sprechen und Trost finden.

Genau dafür sollten wir uns Zeit nehmen. Gott ist immer da, zu ihm können wir immer kommen und müssen keinen Abstand halten.

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17. Juli

Der HERR, euer Gott, ist der Gott der Götter und der Herr der Herren, der große, starke und furchtbare Gott, der kein Ansehen der Person kennt und keine Bestechung annimmt.

5. Mose 10, 17

Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.

Matthäus 5, 8

Jugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen: Groß, stark und mächtig, vielleicht sogar beängstigend wird Gott in der heutigen Losung beschrieben. Und doch stellt sich heraus, dass bei unserem allmächtigen Gott nicht das Ansehen der Person oder der Reichtum von Bedeutung sind. Es ist doch tröstlich zu wissen, dass die Liebe unseres großen Gottes allen Menschen gilt, unabhängig vom Prestige-Denken in der Welt. Schnell sind wir nämlich dabei, andere nach Aussehen, Ansehen oder Leistung zu beurteilen. Solche Beurteilungen, die oft oberflächlich und unfair sind, sind Gott völlig fremd.

Gottes Liebe ist bedingungslos. 

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18. Juli

Auch künftig bin ich derselbe, und niemand ist da, der aus meiner Hand erretten kann. Ich wirke; wer will's wenden?

Jesaja 43, 13

Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.

2. Korinther 5, 10

Presbyter Christian Schneider, Schwarzenau: Harte Worte stehen heute im Lehrtext. Für manchen klingen sie vielleicht sogar etwas bedrohlich. Wer weiß, wie man bei diesem Richter abschneidet…

In den vorangehenden Versen ergibt sich jedoch ein anderes Bild. Schon mit der Überschrift „Sehnsucht nach der himmlischen Heimat“ macht Paulus deutlich, wie er zum ewigen Leben steht. Voller Vorfreude blickt er auf eine Zeit nach dem Körperlichen, auf eine Zeit des Schauens. Denn er hat schon damals, auch ohne es zu sehen, die unverdienbare Herrlichkeit verstanden, die uns alle erwartet.

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19. Juli - Angedacht

Pfarrer Peter Liedtke, Girkhausen: Wir kennen das Gefühl, nur ein kleines Licht zu sein, unbedeutend, einer unter vielen. Ob wir uns in den Verflechtungen deutscher Verwaltung verirren, ob wir - trotz aller Beteuerungen aus der Politik - auf den Arzttermin viele Monate warten müssen, oder ob uns Händler oder Handwerker ansprechen und die gegebene Zusage auf die nächste Woche, den nächsten Monat, das nächste Quartal verschieben, immer wieder schleicht sich das Gefühl ein: Mit mir kann man es ja machen, auf mich kommt es nicht an, die scheren sich um meine Sorgen nicht.

Als Jugendlicher habe ich eine Erfahrung gemacht, die mich darin bestärkt, wie schnell wir solche Erfahrungen persönlich nehmen. Bei mir war es ein positives Ereignis: Eine Mitarbeiterin des Sozialamtes rief bei uns an. Zwei Jahren zuvor bei der Berechnung der uns zustehenden Leistungen sei ein Fehler unterlaufen. Sie habe festgestellt, uns sei zu wenig ausgezahlt worden. Sie bat um Entschuldigung, und der Fehlbetrag werde in den nächsten Tagen gutgeschrieben. Mich hat diese außergewöhnliche Erfahrung einige Jahre begleitet und für diese Zeit mein Verhältnis zu Behörden und Institutionen verändert.

In unserer Gesellschaftsform, in der unser Gegenüber immer größere und immer ferner rückende Institutionen sind, tut es gut zu erleben, dass ich nicht eine Nummer, eine Diagnose, ein Fall bin.

Das war - in anderen Zusammenhängen - zur Zeit Jesu das erste Wunder, das Menschen in der Begegnung mit dem Mann aus Nazareth widerfuhr. Sie waren nicht der Leprakranke, die Hure, der Zöllner, der Geldsack, der Bettler. Sondern sie waren immer ein „Du“, ein Gegenüber. Jesus interessierte sich dafür, was sie plagt, was ihre Geschichte ist und worauf sie hoffen.

Noch vor ein paar Wochen sah es so aus, als würde dieses Interesse an der Situation von Leidenden und Verzweifelten eine neue Kultur unter uns entfalten. Wir nahmen Anteil an den Mühen der Pflegekräfte, der Einsatzkräfte, der KurzarbeiterInnen und der Kleingewerbetreibenden.

Aber es scheint damit schon wieder vorbei zu sein. Es sind inzwischen wieder nur „die“ Pflegekräfte, wir sehen nur die Prozentzahlen der Arbeitslosen und Kurzarbeiter. Das Leid des einzelnen tritt dahinter zurück.

Sehr bedauerlich. Denn ich meine, wir brauchen eine Leitkultur, die sich an dem Vorbild des Manns aus Nazareth orientiert, ob wir in ihm nun den Christus sehen oder nur einen herausragenden Menschen. Wir brauchen die Sicht auf das „Du“, denn dann blitzt in jedem Fall etwas auf von einem neuen Himmel und einer neuen Erde. Wie ich es erlebt habe: Von einem Sozialhilfefall, der der Welt gleichgültig ist, hin zu einem Menschen, mit dessen Namen man etwas verbindet.

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20. Juli

Hört mir zu, ihr trotzigen Herzen, die ihr ferne seid von der Gerechtigkeit! Ich habe meine Gerechtigkeit nahe gebracht; sie ist nicht ferne.

Jesaja 46, 12 und 13

Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und erzieht uns, dass wir absagen dem gottlosen Wesen.

Titus 2, 11 und 12

Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück: Früher im Studium nannte mich ein Kommilitone „widerborstige Garst-Kerstin.“ Es war durchaus liebevoll gemeint und eben darauf bezogen, dass ich gerne auch bockig sein konnte. Bin ich auch. Bockig heißt für mich, auf meinem Standpunkt zu beharren. Aber bockig wäre nicht bockig, wenn es nicht besser anders wäre. Und das ist echt das Schwierigste, den Blick von sich selbst und dem eigenen Standpunkt weg, hin zum anderen zu wenden, der es gut meint und eine Angelegenheit vielleicht besser angeht.

Bockig ist gut, ein offenes Herz aber noch besser!

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21. Juli

Ich danke dem HERRN von ganzem Herzen und erzähle alle deine Wunder.

Psalm 9, 2

Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.

1. Thessalonicher 5, 18

Abenteuerdorf-Geschäftsführerin Silke Grübener, Mornshausen: Neulich bin ich bei einer Fahrradtour an einem großen Feld mit reifer Gerste vorbeigekommen. Weil mich der Anblick so faszinierte, stoppte ich und stellte später eines der Fotos des Getreidefeldes in meinen WhatsApp-Status auf dem Smartphone ein, das dann auch von Freunden angeschaut werden konnte.

Daraufhin erhielt ich von einer lieben Freundin folgenden Kommentar zu diesem Foto: „Wie schön, wenn man da noch ein Auge für hat - Bilder aus der Kinderzeit.“ Das hat mich sehr berührt. Vielleicht sind uns Kinder in diesem Punkt ganz oft ein Stück voraus - im Staunen über Gottes Wunder, über die Schöpfung, über einen einzelnen Gerstenhalm, der in der Sonne leuchtet und Nahrung verspricht. Lassen wir uns anstecken davon!

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22. Juli

Gott tut große Dinge, die nicht zu erforschen, und Wunder, die nicht zu zählen sind.

Hiob 9, 10

Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und steht auf, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst - er weiß nicht wie. Von selbst bringt die Erde Frucht.

Markus 4, 26 bis 28

Pfarrerin Simone Conrad, Wingeshausen: Am liebsten habe ich alles gut und gründlich erklärt. So, dass ich die Dinge verstehe - dann werden sie greifbar, vielleicht auch kontrollierbar und ich habe nicht das Gefühl, ausgeliefert oder ohnmächtig zu sein. Es liegt in unserer menschlichen Natur, neugierig und wissensdurstig zu sein - und das ist gut so. Aber je älter ich werde, desto mehr erkenne ich, wie klein und begrenzt unser Verstand ist - dass es Wunder zwischen Himmel und Erde gibt, die ich nicht begreifen kann, weil sie so groß sind und sich meinem Zugriff entziehen. Das muss mir keine Angst machen - weil Gott es ja gut mit uns Menschen meint.

So kann ich staunend vor einem Neugeborenen stehen oder unter dem sommerlichen Sternenhimmel - Danke für Gottes Wunder!

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24. Juli

Ihr seid meine Zeugen, spricht der HERR.

Jesaja 43, 10

Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.

Markus 16, 15

Pfarrer Dr. Andreas Kroh, Wolzhausen: Die Botschaft aus dem Buch Jesaja ist ein großer Zuspruch und zugleich auch ein Anspruch an uns alle. Wir sollen ein Zeugnis sein für Gott in dieser Welt. Was wird uns da von Gott her zugetraut? Gott möchte, dass wir Zeugnis ablegen. Unser Zeugnis soll gehört werden. Insbesondere in dieser krisenhaften Corona-Zeit ist das Bibelwort auch ein Anspruch und eine Verheißung. Lassen wir uns davon leiten. Lassen wir uns von Gott her sagen, was in unserem Leben und in unserem Alltag und in dieser Welt bedeutsam ist: Gottes Zuwendung an uns alle durch Jesus Christus.

Barmherziger Gott, wir danken für Deine Barmherzigkeit durch Jesus Christus.
Danke, dass Dein Evangelium auch heute und in diesen Tagen laut wird. Amen

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24. Juli

Ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab!

Jesaja 63, 19

Erlöse uns von dem Bösen.

Matthäus 6, 13

Pfarrerin Ursel Groß, Grafschaft: Sie sind verzweifelt. Sie sehen keinen Ausweg. Sie wissen nicht, was sie tun sollen. Da tun sie das Einzige, was ihnen bleibt: Sie schreien zu Gott, denn: Du, Herr, bist unser Vater; „Unser Erlöser“, das ist von alters her dein Name.

Ja, wenn nichts mehr geht - das bleibt: Die Zuwendung des Vaters, der hört, und die befreiende, erlösende Kraft seines Wortes und seines Tuns.

Darauf bauen Menschen in ihrer Not und Verzweiflung bis heute immer wieder, und sie tun das nicht umsonst. Menschen aus unserer Gemeinde haben mir erzählt, wie viel Trost und Kraft sie mitten in der Corona-Zeit in unserer Offenen Kirche in Gleidorf gefunden haben.

Bist zu uns wie ein Vater, der sein Kind nie vergisst. Der trotz all seiner Größe immer ansprechbar ist. (Christoph Zehendner)

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25. Juli

Gerechtigkeit führt zum Leben; aber dem Bösen nachjagen führt zum Tode.

Sprüche 11, 19

Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.

Matthäus 5, 6

Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer, Raumland: Es gibt in der deutschen Sprache kein Wort für „nicht durstig“. Auch der Versuch, „sitt“ dafür zu erfinden und in die Sprache einzuführen, hatte keinen Erfolg. Hunger und vor allem Durst sind so existentielle menschliche Erfahrungen, dass der Zusammenhang mit der Gerechtigkeit, den Jesus in den Seligpreisungen herstellt, aufhorchen lässt. Gerechtigkeit ist eine Verheißung von Gott. Sie führt einerseits dazu, den realen Ungerechtigkeiten die Hoffnung auf eine bessere Zukunft entgegenzusetzen und andererseits erweckt sie die Kraft, sich aktiv für Gerechtigkeit und gegen Unrecht einzusetzen. Jesus geht über die alttestamentliche Spruchweisheit hinaus und stellt das Tun des Guten in den Horizont der Verheißungen Gottes.

Von Gott her bekommt unser Tun Sinn und Ziel.

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26. Juli - Angedacht

Pfarrer Peter Liedtke, Girkhausen: Beim Blick aus dem Fenster schaue ich auf ein Stück Garten unseres Nachbarn, das voller Mohn und Kornblumen ist. Diese Mischung aus zartem rot, hellblau und einem Tupfen violett tut den Augen und der Seele gut. Und wenn der Wind die langen Halme leicht hin und her wiegt, möchte ich gar nicht aufhören, hinzuschauen. Als Schüler habe ich auf dem Heimweg gerne diese Blumen gepflückt und meiner Mutter mitgebracht. Ein Bauer, auf dessen Feld diese besonders schön wuchsen, fand meine Blumensammelaktion gut, solange ich nicht die Getreidehalme platt trat. Denn er schimpfte auf dieses Unkraut. Warum - das hatte ich nicht verstanden. In Erinnerung blieb, wie unterschiedlich Teile der Natur bewertet werden: für den einen Unkraut, für einen anderen ein Fest für die Augen.

Auf dem Höhepunkt der Lockdown-Maßnahmen erlebte ich ähnliches. Viele Menschen wurden in ihrer persönlichen Freiheit auf das schärfste beschnitten, andere aber atmeten auf - sogar im wörtlichen Sinne. Bewohner der Ballungsräume konnten viel besser Luft bekommen, Fotografen erfreuten sich an einem streifenfreien Himmel und viele Tiere hatten wegen des geringeren Lärmpegels weniger Stress.

Was immer wir tun, es kann für die einen eine Steigerung der Lebensqualität bedeuten und für andere einen deutlich negativen Einschnitt. Ohne Insektizide im Garten muss man sich öfter bücken, aber die Insekten und Vögel haben mehr Lebensraum. Missachte ich die aktuellen Modetrends, bin ich out und meine Kleidung hat möglicherweise Gebrauchsspuren. Dafür muss weniger Material auf eine Reise um die Welt gehen. Kaufe ich nicht alle zwei Jahre ein neues Handy oder einen neuen Computer, dann kann mein Gerät vielleicht nicht alles, was die neueste Generation auf dem Markt zu bieten hat. Aber ich schone die sowieso schon knappen Ressourcen an seltenen Erden und Edelmetallen.

Alles hängt mit allem zusammen. Und es gibt keinen idealen Weg, keine absolut eindeutige Position. Felder, auf denen nur Blumen wachsen, machen nicht satt. Ohne Warenverkehr wäre ein Leben, wie wir es kennen, nicht möglich. Und Hosen mit Rissen über dem Knie und unter dem Knie und unterhalb des Pos sind nur für die attraktiv, die nicht so schnell frieren. Aber im Zuhören und Nachdenken können wir mit Sicherheit Wege finden, die das Leben für alle auf unserem Planeten verbessern und nicht nur Dividenden wachsen lassen. Denn das ist unsere Verantwortung: Wir sind die, die Konsequenzen unseres Handelns bedenken können. Das ist unsere Gottebenbildlichkeit. Diese Gabe nicht zu nutzen, wäre ein Verrat an unserem innersten Wesen.

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27. Juli

Der HERR gibt Weisheit, und aus seinem Munde kommt Erkenntnis und Einsicht.

Sprüche 2, 6

Wenn es jemandem unter euch an Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der jedermann gern und ohne Vorwurf gibt; so wird sie ihm gegeben werden.

Jakobus 1, 5

Claudia Seyfried, Girkhausen: Wenn es jemandem an Weisheit mangelt… Ich lese diese Worte und tatsächlich fallen mir sofort Menschen ein, denen es in meinen Augen an Weisheit fehlt. Menschen in verantwortlichen Positionen genauso wie in meinem privaten oder beruflichen Umfeld. Doch beim zweiten Lesen fühle ich mich ertappt. Es geht hier nicht darum, andere zu beurteilen und für sie bei Gott zu bitten, sondern mich selbst zu prüfen. In welchen Lebenssituationen verhalte ich mich nicht klug? Welche großen Lebensentscheidungen stellen mich vor Herausforderungen? Wo stoße ich an meine Grenzen?

Und ein wenig beschämt aber vor allem dankbar nehme ich das Angebot unseres allmächtigen und allwissenden Gottes an, ihn um Weisheit - und auch um Demut - zu bitten.

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Claudia Seyfried ist Mitarbeiterin des Archivs der Evangelischen Kirche von Westfalen.


28. Juli

Bis hierher hat uns der HERR geholfen.

1. Samuel 7, 12

Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht.

2. Korinther 4, 8

Pfarrerin Berit Nolting, Berghausen: In manchem WhatsApp-Status entdecke ich zur Zeit Urlaubs- und Freizeitbilder: etwa von Gipfelkreuzen. Menschen sind stolz, Berge erklommen und Radtouren bewältigt zu haben. Ob sie dann sagen „Bis hierher hat mir der Herr geholfen“? Bisher habe ich das gedacht, wenn ich mir den Verlauf der Corona-Pandemie angesehen habe. Aber jetzt? Die Zahl der Neuinfizierten steigt.  Das kann Angst machen.  Da kann ich mir den Vers aus dem 1. Korintherbrief zu Herzen nehmen: „Wir sind von allen Seiten bedroht, aber wie ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht.

Selbstverständlich sehe ich die steigenden Zahlen mit großem Unbehagen. Aber ich vertraue darauf, dass Gott bei uns ist. Dass er Menschen befähigt, uns zu helfen, Einsicht schenkt und Kraft, diese Situation zu bestehen, so dass wir am Ende sagen können: Bis hierher hat der Herr geholfen. 

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29. Juli

Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren.

Hiob 1, 21

Wir haben nichts in die Welt gebracht; darum können wir auch nichts hinausbringen. Wenn wir aber Nahrung und Kleider haben, so wollen wir uns damit begnügen.

1. Timotheus 6, 7 und 8

Pfarrer Henning Debus, Wallau: Ohne „Gepäck“ haben wir die Welt betreten. Ohne „Gepäck“ werden wir sie wieder verlassen. Das ist der Rahmen um unser Lebensbild. Erstaunlich nüchtern spricht der biblische Hiob von seinem Lebensbild. Es ist zerstört. Er hat alles verloren.

Angst vor Verlust bestimmt unser Leben in diesen Tagen: Verlust der Gesundheit, Verlust des Arbeitsplatzes, Verlust sozialer Kontakte. Ängste, die an die Substanz vieler Menschen gehen. Wird uns die Krise helfen zu erkennen, worauf es bei der nötigen (Neu-)Gestaltung unseres Lebensbildes wirklich ankommt?

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30. Juli

Seid stille vor Gott dem HERRN, denn des HERRN Tag ist nahe.

Zefanja 1, 7

Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Markus 4, 9

Laienpredigerin Monika Benfer, Bad Laasphe: Im Moment genieße ich es, abends in der Dämmerung auf der Bank im Garten zu sitzen und zu hören. Alles ist so still und die lauten Geräusche des Tages sind weit weg. Diese Stille tut gut und ich bin dankbar für diese Zeit. Zeit zum Nachdenken und Reden mit Gott. Stille sein vor Gott und hören. Denn wo sonst hat unter all den Nachrichten und Informationen, die wir täglich aufnehmen, das Wort Gottes eine Chance, uns zu treffen?

Jesus hat das auch gewusst: Deshalb richtet er die Worte, von den hörenden Ohren, an uns Menschen. Seine Botschaft ist so wichtig, dass sie nicht überhört werden darf.

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31. Juli

Du sollst kein falsches Gerücht verbreiten.

2. Mose 23, 1

Paulus schreibt: Bemühe dich darum, dich vor Gott zu erweisen als ein angesehener und untadeliger Arbeiter, der das Wort der Wahrheit recht vertritt.

2. Timotheus 2, 15

Pfarrer Stefan Berk, Erndtebrück: Auch ohne Twitter gab es Fake News und falsche Gerüchte schon vor mehr als 3000 Jahren. Damals wurde ein einfaches und klares Verbot ausgesprochen. Denn allen war klar: Lügen vergiften das Vertrauen unter Menschen. Gerüchte sind wie dichter Nebel, der die Sicht versperrt. Das zerstört eine Gesellschaft von innen, wie wir gerade in den USA miterleben.

Mein Glaube sagt mir: Vor Gott zähle ich doch so wie ich bin. Lügen sind überflüssig. Wahrheit setzt sich durch und macht frei. Davon lebt jede Gemeinschaft. Vielleicht wäre so ein Gesetz gegen das öffentliche Lügen gar nicht verkehrt.

Gott, gib mir Mut zur Wahrheit und lass mich Deine Freiheit schmecken. Amen.

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1. August

Ich komme, um alle Völker und Zungen zu versammeln, dass sie kommen und meine Herrlichkeit sehen.

Jesaja 66, 18

Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen.

Römer 10, 12

Pfarrer Oliver Lehnsdorf, Oberndorf: Die ökumenische Kommunität in Taizé in Frankreich ist für mich etwas Besonderes. Denn ich war dort recht häufig bei den internationalen Jugendtreffen. Diese sind dazu da, die Verständigung und den Frieden unter den Menschen aus verschiedenen Ländern zu stärken. Gerade heutzutage wird einem wieder ganz besonders bewusst, wie wichtig dieses Anliegen von Taizé ist.

Möge Gott die internationalen Jugendtreffen in Taizé und auch allgemein den Austausch zwischen Menschen aus unterschiedlichen Ländern immer wieder neu segnen.

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2. August - Angedacht

Pfarrerin Christine Liedtke, Girkhausen: Unsere Heizung wird nachhaltig erneuert. Das ist prima. Nicht so schön ist, dass wir fast drei Tage ohne warmes Wasser sein werden. „Du kannst bei mir duschen,“ schlägt mir meine 82-jährige Freundin vor, die nicht weit weg wohnt. Und fügt hinzu: „Wir haben uns die ersten 20 Jahre meines Lebens immer nur gewaschen, und samstags kamen alle in die Badewanne - und das Wasser musste noch ins Haus getragen werden.“ Diese Zeiten kenne ich nicht mehr. Ich bin groß geworden mit fließend warmem Wasser, mit Waschmaschine und später einer Spülmaschine.

Vor zwei Jahren in Tansania habe ich die Erfahrung gemacht: Duschen geht auch anders. Wir Frauen waren bei reichen Leuten untergebracht, weil unsere tansanischen Kirchen-Partner uns gut wollten. Die Dusche war ein gekachelter Bereich, in dem ein ebenfalls gekacheltes Loch im Fußboden auch als Toilette diente. Das Wasser stand in einem großen Eimer bereit. Es wurde jedes Mal extra vom Hof hinein geholt. Darum wollte ich sparsam sein. Das Schöpfgefäß fasste etwa einen halben Liter. Mit fünf Füllungen kam ich aus - mit Haarewaschen!

Heute habe ich mir die doppelte Menge unter die Dusche geholt und warmes Wasser, denn der Wasserkocher funktioniert ja. Was für ein Luxus!

Warum nehmen wir so vieles so selbstverständlich hin? Im Winter haben wir warme Wohnungen, weil alle eine Heizung haben. Wir haben fließend warmes und kaltes Wasser im Haus. Wir haben vielfältige Maschinen, die uns einen großen Teil der Arbeit erleichtern. Wir haben Arbeit und bekommen eine Grundsicherung, wenn wir kein Einkommen haben. Im Alter bekommen wir Renten. Ja, ich weiß auch, dass vieles besser sein könnte. Aber lasst uns nicht vergessen: Vieles könnte auch viel schlimmer sein! Die gegenwärtige Krise, die in unserem Land wirklich gut angegangen wird, sollte uns ebenfalls dankbar machen. Für viele junge Leute ist es das erste Mal, dass sie erkennen, dass manches nur vorläufig und gefährdet ist. Meine Gesundheit, mein Einkommen, meine älteren Angehörigen, die medizinische Versorgung, die soziale Absicherung, die vielfältigen Hilfsstrukturen und Unterstützungsangebote: wäre ich in Tansania geboren worden, dann sähe das ganz anders aus. Ich habe nichts dazu getan, dass ich in Deutschland zur Welt gekommen und aufgewachsen bin. Aber ich kann etwas dazu tun, dass unser Land demokratisch bleibt, dass es ein guter Lebensraum für viele Menschen ist, dass in meinem Lebensumfeld Menschen gesehen werden, dass es ein gutes Miteinander gibt, dass Nachbarschaft funktioniert.

Der Psalmbeter bringt es auf den Punkt: Nicht ich kann für das Gute in meinem Leben sorgen. Das meiste fällt mir unverdient zu. Und es gibt einen Adressaten für meinen Dank. Psalm 103: „Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:“ Und dort steht ein Doppelpunkt am Ende. Und nun können Sie und ich für uns aufzählen, was es alles Gutes in unserem Leben gibt. Lasst uns nicht vergessen, dass fast alles uns unverdient zufällt. Wer schon einmal in sehr armen Ländern war, der kann vergleichen. Und der wird darunter leiden, dass die Güter dieser Welt so ungleich verteilt sind. Darum ist neben der Dankbarkeit die Suche und das Bemühen nach Gerechtigkeit so wichtig. Und das Abgeben. Wir können spenden. Die Welt schreit nach Hilfe. Der Hunger tötet täglich unvorstellbar viele Menschen, die fehlende medizinische Versorgung, die kriegerischen Auseinandersetzungen, die politische Verfolgung und daraus folgende Flucht ebenfalls. Lasst uns nicht vergessen, wie gut es uns geht! Und dann etwas tun, auch wenn unsere Schritte nur klein sind.

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3. August

Den Demütigen wird der HERR Gnade geben.

Sprüche 3, 34

Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst.

Philipper 2, 3

Jugendreferentin Franzi Heß, Schwarzenau: „Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an jeden gedacht.“ Ein Spruch, welcher vermutlich schon den meisten von uns begegnet ist. Währenddessen folgt der Lehrtext zur Losung jedoch einen gegensätzlichen Ansatz, weg von einem Übereifer an Selbstbezug hin zu einem solidarischen Miteinander.

Insbesondere in dieser ereignisreichen Zeit ist dieser Text eine Ermutigung für uns alle! Denn: „Gemeinschaft vereinfacht, was nicht alleine klappt.“

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4. August

Ich will den HERRN loben in den Versammlungen.

Psalm 26, 12

Wie ist es nun, Brüder und Schwestern? Wenn ihr zusammenkommt, so hat ein jeder einen Psalm, er hat eine Lehre, er hat eine Offenbarung, er hat eine Zungenrede, er hat eine Auslegung. Lasst es alles geschehen zur Erbauung!

1. Korinther 14, 26

Presbyter Christian Schneider, Schwarzenau:Ich will den HERRN loben in den Versammlungen“ - so schließt David Psalm 26 ab. Schaut man in den Psalm hinein, sieht man Bitten und Rechtfertigungen und trotzdem schließt er sein Gebet mit einem Lob an Gott ab. Daran, dass Gebete etwas bewirken, hat David keinen Zweifel, und so fällt auch das Lob nicht schwer.

Aber wie sehen wir das? Wann beten wir, und können wir Gebete immer zuversichtlich abschließen? Probieren Sie es doch mal aus. Beten Sie so, als ob Gott schon alles erledigt hätte.

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5. August

Der HERR, der gütig ist, wolle gnädig sein allen, die ihr Herz darauf richten, Gott zu suchen.

2. Chronik 30, 18 und 19

Da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. Und er begehrte, Jesus zu sehen.

Lukas 19, 2 und 3

Prädikantin Christiane Petri, Hatzfeld: Diese Verse lassen meine Gedanken zu einem weiteren Bibelwort wandern: „Denn wo Dein Schatz ist, da ist auch Dein Herz.“ Genau so ist es doch: Das, was ich mit Leidenschaft mache, wofür ich brenne, was mir wichtig ist, das nimmt mich mit Haut und Haaren, und eben auch mit dem ganzen Herzen, in Beschlag. Aber was zählt wirklich? Worauf kommt es tatsächlich an? In Zeiten wie diesen stellen sich diese Fragen wieder ganz neu; die Welt hat andere Vorzeichen bekommen. Der Zöllner Zachäus damals stellt sein bisheriges Leben auf den Prüfstand, als er Jesus begegnet, krempelt es um, wendet Jesus sein Herz zu…

Gott, lass mich erkennen, was mir am Herzen liegen sollte und immer wieder Dich suchen in allem, was mir begegnet. Amen.

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6. August

Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.

Psalm 103, 10

Wir glauben, durch die Gnade des Herrn Jesus selig zu werden.

Apostelgeschichte 15, 11

Prädikantin Traudel Stremmel, Berghausen: Wie du mir, so ich dir - ein bekanntes Sprichwort. Wir Menschen versuchen, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, das Gute wie auch das Böse. Sich einfach mal etwas schenken lassen, Verfehlungen anderer vergeben oder gar vergessen, fällt uns oft schwer. Wir sehen darin vielleicht eine Gerechtigkeit und Gleichwertigkeit unter uns Menschen. Gott handelt zum Glück anders. Gleichwertig sind Menschen für ihn darin, dass er sie alle liebt, ihnen allen ihre Schuld, ihre Sünde, ihre falschen Wege vergibt - für alle möglich und sichtbar in Jesus Christus. Das ist Gottes Gerechtigkeit und ist Gnade, Geschenk.

Wie gut, dass wir nicht unsere eigenen Maßstäbe aufstellen müssen, sondern unter der Gnade Gottes leben dürfen.

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7. August

Der HERR wird Zion wieder trösten.

Sacharja 1, 17

Aus großer Todesnot hat er uns errettet und wird er uns erretten; auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt.

2. Korinther 1, 10

Jugendmitarbeiterin Yvonne Thomas, Winterberg: Wir brauchen Trost! Grade jetzt. Traurige Nachrichten von Krankheit, Tod, Streit… Die Liste könnte lang werden. Paulus schreibt an die Korinther, er war oft unterwegs, war in der Wüste, auf dem Meer, hat Hitze und Frost erlebt und was sonst auf ihn zukam. Er schreibt auch, wenn sie am Leben verzagten, sollten sie ihr Vertrauen nicht auf sich setzen, sondern auf Gott. Wer denkt, Paulus hatte ja immer Hilfe von Gott, der muss wissen, er denkt trotzdem auch mal, dass sie zu Ende gehen könnte. Es gibt keine Garantie für unser Vertrauen. Daher ermutigt Paulus, alles auf Gott zu setzen. Gott wird uns auch in Zukunft retten.

Was auch kommt, Gott als der Retter/Helfer bleibt. Es ist nicht sicher, dass nichts passiert, aber wir wissen, dass der, der Jesus errettet hat, uns retten wird. Darum setzen wir unsere Hoffnung auf ihn.

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8. August

Meine Augen sehen stets auf den HERRN; denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.

Psalm 25, 15

Paulus schreibt: Betet für uns, dass das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde wie bei euch und dass wir gerettet werden vor falschen und bösen Menschen; denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding. Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.

2. Thessalonicher 3, 1 bis 3

Pfarrer Dieter Kuhli, Bad Laasphe: „Treue“, das ist ein großes Wort. Vielen erscheint es inzwischen zu groß, zu pathetisch, zu verschlissen. Viele Enttäuschungen im persönlichen, aber auch im politisch-gesellschaftlichen Bereich haben uns skeptisch gemacht. Und doch: Ohne Treue, ohne das Vertrauen auf Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit wird unser Leben nicht gelingen. Gut, dass uns die biblische Botschaft Gottes unumstößliche Treue bezeugt. Gott lässt uns nicht los, lässt uns nicht fallen. Immer wieder schenkt er uns die Kraft, die wir zum Leben brauchen. Und er hat versprochen, uns vor dem Bösen zu bewahren. So können wir dankbar und getrost jeden Tag von Neuem aus seiner Hand annehmen. Was kann uns Besseres passieren?!

Dein Lieb und Treu vor allem geht, kein Ding auf Erd so fest besteht; das muss ich frei bekennen. Drum soll nicht Tod, nicht Angst, nicht Not von deiner Lieb mich trennen. (Johannes Eccard, Ev. Gesangbuch 473,2).

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9. August - Angedacht

Pfarrerin Silke van Doorn, Bad Laasphe: „Uns ist heut' ein Kind geboren. Ein Sohn ist uns gegeben.“ Es ist nicht Weihnachten. Aber Jesajas Jubelruf liegt doch auf den Lippen derjenigen, die ein Kind geschenkt bekommen. Ich bin gerade eben wieder Großmutter geworden. Constantin ist vor einer Woche glücklich angekommen. Das Gefühl, ein Neugeborenes im Arm zu halten, ist immer wieder wunderbar und überwältigend. Es ist ein Geschenk in eine Zeit hinein, die uns vor neue Herausforderungen stellt. Die Verantwortung für ein Kind zu übernehmen ist noch größer geworden.

Lasset die Kinder zu mir kommen“, sagte Jesus. Segnen will er die Kinder, teilhaben lassen, denn sie sind das Wichtigste. Seine Jünger sind ganz anderer Ansicht. Sie wollen von ihrem großen Idol lernen. Lernen: Nun sollen die Kinder wieder zum Lernen in die Schule. Die Herausforderung ist groß: Niemand weiß genau, ob durch die Urlaubsrückkehrer die Corona-Zahlen wieder sehr in die Höhe schnellen. Wir wissen vom ersten Shutdown, dass bei allen Bemühungen von Lehrer*innen und Eltern, viele Kinder nicht zum Lernen gekommen sind. Es sind gerade die Kinder, die sowieso schon Schwierigkeiten haben: Weil sie in prekären Verhältnissen leben. Weil sie keinen Zugang haben zu elektronischen Medien. Weil sie nicht zu den Aufgaben kommen, die ihre Lehrer*innen ihnen eigentlich stellen. Weil die Vertrautheit im Umgang mit E-Learning in vielen Schulen überhaupt noch nicht geschaffen sind. Nun sind die Vorgaben für das Öffnen der Schulen durch die Landesregierung nicht immer nachvollziehbar. Ich würde mir sehr wünschen, dass die Bedingungen in den Schulen endlich verbessert werden: Dass Seife und gute Sanitäreinrichtungen selbstverständlich werden. Dass Platz in den Klassenräumen ist. Dass wir einen neuen, sehr vorsichtigen und umsichtigen Umgang miteinander lernen, so dass Abstand- und Anstandsregelungen mit herzlichem, fröhlichem Miteinander-Wahrnehmen gelebt werden. Dass Freude über das wieder mögliche Miteinander gezeigt wird, ohne dass es gefährlich wird. Lasst die Kinder in die Schule kommen und miteinander sein. Lasst uns aufeinander achten und miteinander lernen. Für unsere Kinder.

Jedes Neugeborene weckt in jedem Menschen das Gefühl, dass wir es bewahren wollen und für das Baby unsere Welt. Mit jedem neuen Menschen, der uns anvertraut wird, erneuert Gott sein Versprechen, dass er Zukunft und Hoffnung will für seine Schöpfung.

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