Angedacht-Archiv 2022

26. Juni 2022

Die Zukunft liegt nicht in unserer Hand
von Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück

„Que sera, sera?“ - unvergessen das Lied, das Doris Day als Jo McKenna in dem Film „Der Mann, der zu viel wusste“ singt. Geht es in dem Film darum, eine gefährliche Situation zu meistern und Entführern zu entkommen, schildert der Text des Liedes etwas ganz anderes. Es geht um den Blick in die Zukunft. Um Aussichten. Um Fragen, die ein Kind seiner Mutter stellt.

Que sera, sera? Whatever will be, will be! The future's not ours to see. Es kommt, wie es kommt, die Zukunft liegt nicht in unserer Hand. Vertröstung oder Trost, das ist hier die Frage.

Wie gerne hätte ich eine Glaskugel und dann würde ich immer einen Blick hineinwerfen, wenn mich die Unsicherheit packt. Nicht unbedingt, um die Lottozahlen vom nächsten Samstag schon vorher zu wissen. Eher um zu sehen, ob das, was ich jetzt gerade tue, Sinn macht. Ob die Gedanken und Ideen, die wir haben, in der und für die Zukunft richtig sind. Wie gerne würde ich vorher prüfen können, welcher Weg der richtige ist. Oder gibt es vielleicht bei beiden Alternativen ein Ziel? Unsicherheit und Ungewissheit kann ich echt nur schwer aushalten. Ist schon komisch, denn zu enge Wege und zu feste Strukturen sind ja auch nichts für mich. Raum für Ideen und Kreativität und eine Garantie auf Erfolg, oder wenigstens Funktionstüchtigkeit. Das hätte ich gerne. Und auf keinen Fall die Katze im Sack. So viele Wünsche und es gibt bestimmt noch mehr. Aber: Es kommt, wie es kommt, und die Zukunft liegt nicht in unserer Hand.

Mal abgesehen von Doris Day und dem Hitchcock-Thriller ist das schon ein gutes Motto, um im Alltag zu bestehen. Als Kirche sowieso. Leben wir doch im und vor allen Dingen vom Vertrauen. Aber es ist eben auch nicht immer einfach, dieses Vertrauen groß zu machen und angesichts äußerer Zwänge zu behalten. Und wann ist es überhaupt Vertrauen, wann ist es Naivität? Und wie geht das zusammen mit der Verantwortung, die wir tragen? Als Menschen in der Welt, als Menschen in der Institution „Kirche“, als Menschen in den Gemeinden vor Ort, als Menschen, die Entscheidungen treffen müssen. Que sera?

„Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand“, so heißt es in einem Kirchenlied von Arno Pötzsch. Ein Satz, der schon oft zitiert wurde, der deswegen aber nicht abgenutzt ist. Die Zukunft liegt nicht in unsrer Hand heißt ja nicht, dass ich sie aus der Hand geben muss. Darf ich auch gar nicht. Denn ich will ja was tun für meine und unsere Zukunft. Ich hab' sie in der Hand. Und die Gewissheit, dass sie in jedem Fall auch in einer anderen Hand ist. Eine, die viel stärker und umfassender ist, als alle anderen Hände der Welt.  

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19. Juni 2022

Als Menschen können wir handeln
von Pfarrer Peter Liedtke, Girkhausen

Als die ersten Bilder der Pandemie zu sehen waren von dem unsäglichen Leid in Norditalien, war ich erschüttert. Doch mit den Wochen und Monaten wurde es normal, von überfüllten Intensivstationen zu hören und der steigenden Zahl der Todesopfer. Das furchtbare Leid der Betroffenen wurde Alltag. Anscheinend gewöhnt man sich auch an so etwas. Das änderte sich, als ich einen Mann kennenlernte, der nur mit knapper Not dem Tod durch den Corona-Virus entronnen war. Da bekam das Leid ein Gesicht und einen Namen.
Ähnliches erlebte ich, als es noch das Flüchtlings-Camp in Bad Berleburg gab. Natürlich las ich über die Situation in Syrien. Aber das Schlimme blieb auf Distanz. Das änderte sich, als ein Ehepaar in die Beratung kam, sich zu verabschieden. Sie hätten gerne hier gearbeitet oder gelernt. Sie dürften aber nur warten. Das würde sie verrückt werden lassen. Dann würden sie lieber zurückkehren nach Syrien, auch wenn es wahrscheinlich viel Leid oder sogar den Tod bedeutet. Mit einem Mal kannte ich jemanden, auf den in Syrien geschossen wird oder der gezwungen wird, selber zu schießen. Dieser sinnlose Krieg hatte nun ein Gesicht. Und ähnlich ging es mir bei dem jungen Mann im Kirchenasyl, der aus Afghanistan kam, und der mir dann noch Fotos seines Freundes zeigte, der der Abschiebung nicht entgangen war.

Gott hat uns eine wunderbare Gabe geschenkt: Er schuf uns als Wesen, die Beziehungen brauchen und die von Beziehungen her denken. Zahlen sagen uns nichts. Ob in einem Krieg so viele Menschen sterben, wie in ganz Wittgenstein leben oder soviel wie im Raum Dortmund, es berührt uns nicht. Aber wenn wir einen einzigen persönlich kennen, der Opfer ist, seinen Namen wissen und eine Vorstellung davon haben, wie er aussieht, dann rückt uns das Leid ganz nahe. Ist das nicht eine ständige Überforderung?

Es gibt viele Menschen, die sich davon nicht schrecken lassen. Sie stehen Menschen bei, die auf der Flucht sind oder als Obdachlose auf der Straße leben. Sie haben die Menschen im Ahrtal nicht vergessen und packen mit an. Sie sind Paten von behinderten Menschen oder stehen als Gesprächspartner für psychisch Erkrankte zur Verfügung. Was sie tun - ehrenamtlich oder hauptberuflich - ist schwer, denn das Leid bekommt ein Gesicht. Sie nehmen immer ein Stück davon mit nach Hause. Kriege zu beenden oder eine gerechte Wirtschaft zu schaffen liegt nicht in unseren Händen. Aber indem wir eine Beziehung haben zu einem Leidtragenden, machen wir aus einer Ziffer in der Statistik wieder ein Gegenüber. Die Menschen erhalten ein Stück ihrer Würde zurück. Und die, die helfen auch. Denn sie werden von hilflos Zuschauenden zu Menschen, die handeln können!

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12. Juni 2022

Unendlich viele Gründe, Gott zu danken
von Pfarrer Oliver Lehnsdorf, Oberndorf

Heute ist das Trinitatisfest. Entsprechend steht der dreieinige Gott im Mittelpunkt der Betrachtung. Gott offenbart sich als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Daran wird dabei gedacht. So heißt es auch im Wochenspruch: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ (2. Korinther 13, 13)

Dieser Bibelvers lädt uns ein, im Einzelnen auf die Wirkungsweise von Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist zu schauen. Beginnen wir mit Gott Vater, oder so, wie es im Wochenspruch heißt, mit der „Liebe Gottes“: Worin zeigt sich diese Liebe von Gott Vater? Nun, das ist meiner Ansicht nach vergleichsweise einfach. Man muss nur einmal Gottes Schöpfung näher betrachten, und man erkennt Gottes wunderbares Wirken. Ob es die kleinsten Dinge sind, oder die größten Einheiten: Alles in Gottes Schöpfung ist wunderbar. Das gilt auch ganz besonders deswegen, weil die Strukturen immer die gleichen sind: Sowohl die kleinsten Einheiten als auch die größten Strukturen sind gleich aufgebaut. Allein das schon lässt einen staunen. Und wenn man dann noch ins Detail geht, wird man schnell merken, wie einzigartig Gottes Schöpfung ist. Zum Beispiel gleicht kein Blatt dem anderen. Alles ist auf Einmaligkeit angelegt. Das gilt natürlich auch für uns Menschen.
Kommen wir zum Gottessohn Jesus Christus. Von ihm heißt es im Wochenspruch: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus“. Jesus ist in diese Welt gekommen, und lebte und wirkte bei uns, um uns dadurch Gottes Liebe zu uns Menschen zu offenbaren. Durch sein Erlösungswerk am Karfreitag und an Ostern hat er uns gerettet. Wenn wir über Jesus sprechen, dann ist das Wort „Liebe“ zentral. Jesu Liebe bleibt bis in alle Ewigkeit.
Und nicht zuletzt geht es am Trinitatissonntag auch um den Heiligen Geist. Der Wochenspruch sagt von ihm: „Die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ Hier wird gleich deutlich, was der Heilige Geist bewirkt: Er schafft Gemeinschaft. Er ist der Grund, warum es die Kirche und die Kirchengemeinden gibt. Ohne den heiligen Geist gäbe es keinen Glauben. Durch ihn sind wir miteinander verbunden. Dies gilt vor Ort und auch weltweit. Denn das Wirken des Heiligen Geistes unterscheidet nicht zwischen Kulturen, Hautfarben, Geschlechtern oder Nationen. Der Heilige Geist verbindet uns über alle Grenzen hinweg.

Also, wenn man diese Dinge und noch vieles Weitere betrachtet, dann gibt es unendlich viele Gründe, Gott für sein Wirken zu danken. Dazu lädt uns der Trinitatissonntag ganz besonders ein. Doch das können wir auch an jedem anderen Tag des Jahres tun: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

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5. Juni 2022

„Nie war er so wichtig wie heute...“
von Superintendentin Simone Conrad, Wingeshausen

Haben Sie das auch manchmal: Dass Ihnen alte Werbeslogans durch den Kopf geistern, die sich in früheren Zeiten durch Allgegenwart und beständige Wiederholung in Ihr Gehirn gefräst haben? Mir passiert das bisweilen. Verse oder Jingles aus der Zeit, als man noch Fernsehen sah und nicht bei Streamingdiensten unterwegs war; als zwischen den Mainzelmännchen mit großer Verlässlichkeit stets dieselben Werbespots liefen. Ich kann immer noch „Lavendel, Oleander, Jasmin…“ singen oder „Nichts ist unmöglich…“ ergänzen. Zu manchen Slogans erinnere ich das Produkt, dann wurde das Werbeziel erreicht, bei manchen erinnere ich noch gut den Jingle, aber nicht, was dazu gehört, damit wurde das Werbeziel klar verfehlt.

In der Vorbereitung auf das Pfingstfest, dass wir an diesem Wochenende feiern, ging mir auch solch ein Vers durch den Kopf: „Nie war er so wichtig (oder wertvoll?) wie heute...“ Das passende Produkt dazu kann ich Ihnen nicht mehr sagen - also: verfehltes Werbeziel. Aber ich kann Ihnen sagen, woran ich sofort dachte: An Gottes Heiligen Geist, den er den Menschen an Pfingsten schenkt. Gottes Geist hat viele Bedeutungen in der Bibel: Tröster, Geistkraft, Lebensatem, Mut und Stärke, Be-geisterung, mit der Gott uns Menschen erfüllt. Und es wird deutlich: Pfingsten, das ist kein Fest von gestern, nicht einfach eine alte Geschichte, die erzählt wird. Pfingsten, das heißt, sich erfüllen lassen von diesem guten Geist, mit dem Gott uns beschenkt und stärkt. Wir brauchen ihn so sehr!

Wir brauchen Trost in dieser von Krieg und unfassbarer Gewalt beschwerten Welt. Wir brauchen Kraft und Mut und Stärke, um an dem Platz, an den wir gestellt sind, das unsere zu tun, damit das Angesicht der Welt menschlicher wird. Wir brauchen langen Atem, um für unsere Schöpfung und deren Bewahrung einzustehen. Wir brauchen den Geist der Liebe und Barmherzigkeit, um Respekt und Toleranz täglich neu zu buchstabieren. Wir haben ihn bitter nötig, Gottes Geist. Heute. Hier. Jetzt. Nie war er so wichtig wie heute!

Und so wünsche ich allen ein erfülltes und gesegnetes Pfingstfest - dass Gottes Geist uns berührt, stärkt und tröstet.

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29. Mai 2022

Was brauche ich mehr, wenn ich Segen habe?
von Pfarrer Jaime Jung, Erndtebrück

Neulich im Park: Zwei kleine Kinder sitzen neben der Mutter auf einer Bank. Ein Kind hält ein Eis in der Hand, leckt es ab und reicht es weiter an seinen Bruder. Dieser leckt es auch ab und gibt es wieder zurück. So machen die beiden Kinder weiter, hin und her, bis das geteilte Eis alle ist. Sie lachen dabei, mit klebrigen Händen, zufrieden.

Ich merke, dass wir Erwachsene das Teilen erneut erlernen sollten, da wir lieber „mein“ als „unser“ sagen. Das Hamstern haben viele in der jüngsten Vergangenheit schnell gelernt. Wie wäre es jetzt mit Teilen? Wenn man eigeladen wird, zu spenden, geht es ja nicht nur um Geld oder Lebensmittel. Es geht auch darum, von meiner Zeit abzugeben, offene Ohren für jemanden zu haben. Es geht in erster Linie um Menschen, die Hilfe brauchen. Diese Menschen können einige tausend Kilometer von mir entfernt leben, aber vielleicht sitzen sie auch unterm selben Dach wie ich.

Liebe teilen kann sicher nur, wer sich selbst geliebt fühlt. Verschenken kann auch nur, wer sich reich beschenkt fühlt. Und reich beschenkt ist jeder von uns - manche Menschen aber nehmen das nicht wahr. Wenn man damit anfängt, für den Segen Gottes zu danken - auch für die kleinen und einfachen Dingen des Alltags - fällt es sofort auf, wie reichlich man von Gott beschenkt ist. Was macht mich nun aber zu einem wertvollen Menschen, der bereit ist, seinen eigenen Wert mit anderen zu teilen? Sicher nicht das Haben. Nicht, was ich mir erarbeitet habe, macht mich wertvoll. Nicht, was ich geleistet habe, macht mich liebenswert, auch nicht, was ich mir leisten kann.

Jesus verweist uns an Gott, der in das Verborgene sieht. Der jeden Menschen liebt. Dass ich Gott „unseren Vater“ nennen darf, weil er mich als sein Kind angenommen hat, macht mich wertvoll. Ich bin wichtig, weil Gott mich für so wichtig erachtet, dass er sich auf den Weg macht, um mich zu suchen. Und Gottes Liebe zu mir will weitergegeben werden. Nur wenn meine Liebe den Weg zum Nächsten findet, wird es mir leichtfallen, loszulassen und wegzugeben, was ich im Überfluss habe. Und vielleicht kann ich ja dann das Erstaunliche der Liebe erleben: Dass ich reicher werde, wenn ich gebe. Wie können wir je glücklich werden, wenn wir immer alles von anderen erwarten?

Ich denke wieder an die zwei Kinder, die das Eis miteinander geteilt haben. Leben ist Nehmen und Geben. Daher, lasst uns immer wieder neu anfangen, nicht für uns zu fordern und zu nehmen, sondern zu geben, uns für andere einzusetzen, sie zu trösten, mit ihnen zu lachen. Wenn ich Segen habe in Fülle, was brauche ich mehr? Da muss ich mich nicht durch große Gesten wichtig machen. Was mich am Leben hält, ist nicht mein Besitz und auch nicht meine gute Vorsorge. Was mich am Leben hält, das ist der Segen Gottes - und so kann auch ich ein Segen für meine Mitmenschen sein.

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22. Mai 2022

Geprägt heißt nicht erstarrt
von Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück

Warum sind wir eigentlich so, wie wir sind? Warum denken, handeln und reden wir so? Das ist unsere Prägung. Das scheint eine plausible Antwort zu sein. Das Umfeld, die Kultur, Menschen, bestimmte Werte, all das hat einen Einfluss. Als Mensch suche ich mir das heraus, was für mich wichtig, sinnvoll und wertvoll ist. Manches wird mir aber auch einfach zugeschrieben, obwohl ich es vielleicht gar nicht für mich selbst in Anspruch nehme. Klar, das sind die Erwartungen, die die anderen an mich haben. Als Mensch, als Frau, als Mutter, als Pfarrerin und was ich auch sonst noch für Rollen ausfüllen mag. Wenn diese Prägungen und Erwartungen mal sichtbar gemacht werden könnten, etwa als Klebezettel, die einem anhaften, dann wäre jeder und jede von uns sicher ganz schön zugepflastert.

Geprägt zu sein, ist an sich erst einmal nicht schlimm, auch nicht gefährlich. Kann ich ja nichts für. Geprägt und erstarrt zu sein, das ist schon eher bedenklich. Werte können sich verändern. Ich kann auch in Abgrenzung zu meiner Prägung leben und handeln, in dem Bewusstsein, dass hier und da doch immer wieder Dinge aus der alten Prägung aufblitzen können. Ich kann mich neuen Prägungen zuwenden und auch selbst andere prägen. Wichtig ist, dass alles in Bewegung bleibt. Geprägt heißt nicht erstarrt.

Münzen sind geprägt. Und am besten gehören Münzen in eine Schatzkiste. So könnte ich es auch mit Prägungen machen, die ich von früher her kenne, die ich auch schätze, die ich aber nicht weiter als Hauptzahlungsmittel verwenden möchte. Nur weil ich weiter denke, neue oder andere Werte formuliere, muss ich die alten ja nicht verleugnen oder wegwerfen. Loswerden kann ich meine Geschichte ja nie. Also packe ich sie, wie die Münzen in eine Schatzkiste. Da hab‘ ich einen Vorrat, da ist meine Geschichte. Manche sagen dazu auch Wurzeln. Mir gefällt das Bild der Münzen ganz gut, weil es ein munteres Bild ist. Münzen klimpern, wenn sie aneinanderstoßen. Manchmal verdecken sie einander, können zusammengelegt oder neu sortiert werden.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ein Mensch ist so, wie er ist. Oder sie. Ich bin so, wie ich bin, mit den unterschiedlichen Münzen in der Tasche oder in der Schatzkiste. Die Welt fordert mich heraus, jeden Tag neu über meine Prägung nachzudenken und zu überlegen, wie ich durch mein Handeln, Denken und Reden präge. Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber mir gefällt der Gedanke der Schatzkiste. Da kann ich rein räumen, manches drin verstecken, aber es ist eben trotzdem wertvoll. Und man bleibt im Denken mobil und die Gefahr zu erstarren ist geringer. Wie war das noch beim kleinen Tiger und beim kleinen Bären: Komm', wir finden einen Schatz.

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15. Mai 2022

Lasst uns gemeinsam singen!
von Pfarrerin Christine Liedtke, Girkhausen

Er stimmt leider gar nicht, dieser fröhliche Liedruf: „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder: böse Menschen kennen keine Lieder!“ Davon zeugen Kriegslieder und gesungene Hass-Parolen.Was aber stimmt: Singen macht den Körper weit, es erdet, es macht mutig. Wer singt, der kann - das ist erwiesen - keine Angst empfinden. Darum ist der Rat, singend in den gefürchteten dunklen Keller zu gehen, ein hilfreicher Rat: Singen hilft gegen die Angst, Singen stärkt die Zuversicht.

Einer der drei Sonntage jetzt, in denen vielerorts die Konfirmationen stattfinden, heißt: Kantate - Singet! Er steht in der Mitte des Dreiklanges: Jubilate! Kantate! Rogate! Das sind drei Aufforderungen: Jubelt! Singet! Betet! Ein hilfreicher Dreiklang für unser Leben: Besinne dich auf das Gute! Singe deinen Dank! Bete deine Sorgen!

Heute feiern wir den Sonntag Kantate. Und schon gestern wurde der Eurovision Song Contest in Italien ausgetragen: Da hören wir viele unterschiedliche Lieder, die aber nicht zum Mitsingen gedacht sind, sondern die nur angehört werden wollen. Ich singe gerne. Viele wissen das. „Lasst uns lieber gemeinsam singen!“, möchte ich rufen: Lasst sie uns hervorrufen, diese Kraft, die sich im gemeinsamen Singen einstellt, lasst uns - miteinander singend - erleben, wie die Zuversicht stärker wird und Ängste kleiner werden. Lasst uns gemeinsam singen!

Was wir singen könnten? „We shall live in peace“ - wir werden im Frieden leben. Oder: „Dona nobis pacem“ - Herr, schenk uns Frieden. Oder: „It’s me, o Lord“ - Auf mich, Gott, kommt es an!

Wo wir singen könnten? Ich verspreche dir: In unseren Gottesdiensten wird gesungen. Und gebetet. Und gedankt. Vor Gott dürfen wir unser Leben in den Blick nehmen. Gutes wahrnehmen und dafür danken. Unsere Stimmen im Gesang vereinen und Trost und Zuversicht erfahren. Und alle Sorgen und Ängste vor ihn bringen.

Und: Was wir dort tun, verhallt nicht ungehört. Es kommt direkt vor Gott. Vor ihn, der die Welt in seinen Händen hält. Immer noch. Gott sei Dank!

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8. Mai 2022

Im Zweifel Vorrang für den anderen
von Pfarrer Thomas Janetzki, Wingeshausen

Nur ein kleiner Artikel in der Zeitung diese Woche, über ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofes, in dem es darum geht, wer Vorfahrt hat, wenn aus zwei Fahrstreifen einer wird, aber mit einer bemerkenswerten Begründung: Keine Partei hat Vorfahrt, urteilte das Gericht, es bedarf „besonderer Aufmerksamkeit, Besonnenheit und Geistesgegenwärtigkeit“: „Im Zweifel seien die Verkehrsteilnehmer gehalten, jeweils dem anderen den Vorrang einzuräumen.“

Passt ein solches Urteil in unsere Zeit, in der wir gewohnt sind, unser Recht einzufordern und auch durchzusetzen, im Kleinen wie im Großen - oder ist das Denken von Gestern? Freiwillig zurückstecken und auf den anderen warten statt Gas geben, das Recht des Stärkeren oder des Schnelleren in Anspruch nehmen?

Ich glaube, dass es wichtig ist, dass das Gericht ausdrücklich darauf aufmerksam macht, dass unsere Gesellschaft nicht auf Letzterem aufgebaut sein sollte, sondern dass - und ich glaube: nicht nur im Straßenverkehr - gegenseitige Rücksichtnahme und Abwägen der Interessen aller Seiten ein Grundprinzip unseres Handelns sein müsste.

Für die Bibel ist dieses Denken selbstverständlich; in einer neueren Übersetzung heißt es dort: „Denkt bei dem, was ihr tut, nicht nur an euch. Denkt vor allem an die anderen und daran, was für sie gut ist.“ (1. Korinther 10, 24)

Ist es nicht schade und traurig, dass uns dieses Denken, diese Art des Umgangs miteinander so sehr verloren gegangen ist? Ich glaube, es ist an vielen Punkten wirklich an der Zeit, sich hier mal wieder häufiger die Frage zu stellen: Ist das, was ich jetzt gerade will und vorhabe, nur zu meinem Vorteil oder denke ich dabei auch an die Folgen für andere?

Und ich bin überzeugt: Das gilt nicht nur für den Autoverkehr…

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1. Mai 2022

Einladung zum Zusammenrücken
von Pfarrer Steffen Post, Bad Laasphe

Als unverzichtbares Möbelstück ist er in jedem Haushalt zu finden. An ihm wird gequatscht und gespielt, gegessen und gesessen: der Tisch.

Ein solcher Tisch hat vor wenigen Wochen eine eher unrühmliche Geschichte geschrieben: Dieser Tisch, sechs Meter lang und gut zweieinhalb Meter breit, an den Wladimir Putin Mitte Februar zunächst Emmanuel Macron und später auch Olaf Scholz zum Gespräch lud und in Wirklichkeit gar nicht zum Gespräch bereit war. Für all die Bilder brutaler militärischer Gewalt und Verwüstung, die uns in diesen Tagen aus der Ukraine erreichen, lieferte dieser absurde Tisch das traurige Vorspiel. Da sitzt einer nicht mit anderen zusammen, im Gegenteil: Er nutzt den Tisch, um größtmöglichen Abstand zu markieren, Coronaschutzmaßnahmen hin oder her. Einsam, völlig isoliert, sitzt er da in seinem Größenwahn: An diesem gespenstischen Tisch, der Menschen nicht miteinander verbindet, sondern voneinander trennt. Eine Karikatur von Tisch.

Auch ein anderer Tisch hat Geschichte geschrieben. Zumindest für die Evangelisten, die Szenen aus dem Leben von Jesus schriftlich festgehalten haben, war er das Aufschreiben wert. Neben dem Gastgeber sorgt vor allem die Tischgesellschaft für Verwunderung: „Und es begab sich, als er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern.“ (Matthäus 9, 10) Am Tisch setzt sich Jesus an die Seite der Menschen. Er rückt nicht von ihnen ab, sondern er sucht den Kontakt, nimmt Teil an ihrem Leben, sucht das Gespräch, die Nähe, den Austausch. Dieser Tisch, das ist die Einladung von Jesus auf vier Beinen: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11, 28)

Daran erinnert in unseren reformiert geprägten Kirchen der Abendmahlstisch. Es ist der Tisch der Gemeinschaft: Eine bunte Mannschaft mit unterschiedlichen Charakteren hat Jesus sich an die Seite geholt und ich darf dazu gehören. Es ist der Tisch der Versöhnung: Meine Fehler und Schwächen stehen nicht mehr trennend zwischen Gott und mir. Jesus hat sie am Kreuz getragen und so die Beziehung zu Gott wieder in Ordnung gebracht. Er lädt mich zum Neuanfang ein. Es ist der Tisch der Stärkung: Keine üppige Mahlzeit wird aufgetischt, aber im Brot und im Saft der Trauben darf ich schmecken: Ich bin geliebt und ich bin versorgt, auch in turbulenten Zeiten.

Einige Internetnutzer haben die verstörende Leere am Tisch zwischen Putin und Macron nicht ausgehalten und das bei diesem Treffen entstandene Foto bearbeitet. Bei einer dieser Fotomontagen sitzen zwischen Putin und Macron Jesus und seine Jünger beim letzten Abendmahl. Diese mutige Darstellung zeigt, was in Zeiten der Angst und der Verzweiflung wirklich tröstet und stark macht: Wenn Menschen zusammenrücken, Gemeinschaft suchen, miteinander teilen.

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24. April 2022

Hoffnungsbilder einer kommenden Wirklichkeit
von Pfarrerin Claudia de Wilde, Hemschlar

Die Dia-Kästen brauchen viel Platz im Schrank. Ich habe sie gehütet wie einen Schatz. Reisen, Freizeiten, Begegnungen, Menschen, Landschaften, Kirchen. Auch viele Fotos sind in früheren Jahren entstanden, und die Negative liegen in den großen Umschlägen im Karton, sorgfältig beschriftet nach Jahren und Orten. Als ich sie anfertigte, um Erinnerungen zu bewahren, gab es noch keine Digitalkameras. Dafür aber später wunderbare Überraschungsmomente, wenn der Negativ-Scanner aus den scheinbar falschen Bildern, in denen die Farben nicht stimmen, wieder die richtigen Aufnahmen hervorbringt und Fotos als Abbild der Wirklichkeit ans Licht bringt.

Wenn das im realen Leben auch so einfach ginge: Aus den Negativen wieder das richtige Bild hervorbringen, so, wie es eigentlich sein müsste. Sich hineinträumen in eine andere, geordnete, heilsame Wirklichkeit, gerade wenn das Leben anders läuft. Welch eine Kraft zur Umgestaltung könnte daraus wachsen!

So erlebe ich es, wenn jetzt in der Europäischen Union und darüber hinaus über den Wiederaufbau der Ukraine nach dem Krieg gesprochen wird, wenn schon Gelder zurückgelegt werden für das, was später wieder an Gutem entstehen soll. Es sind Gegenbilder gegen die Negative, die wir gerade sehen - aber sie haben eine große Kraft. Mit dem Wiederaufbau kennen wir uns aus, haben starke Bilder im Kopf, auch von historischen Altstädten, die nach den Jahren der Zerstörung wieder neu errichtet wurden. Ich komme aus Münster, wo der prachtvolle Prinzipalmarkt heute davon erzählt, wie schön es wieder werden kann.

Hoffnungsbilder sind keine Utopie. Sie zeichnen ein Bild einer möglichen kommenden Wirklichkeit. Wie hilfreich das ist, wissen wir aus unserem persönlichen Leben. Es hilft bei der Genesung, sich vor Augen zu malen, was später wieder alles möglich werden könnte. Das Ausmalen einer freundlichen Perspektive kann uns viel Kraft geben.

Die Bibel ist voll von solchen Hoffnungsbildern. Die Ruhe im Sturm erleben wir mit dem Beter des 23. Psalms, dem Gott einen Raum der Ruhe am gedeckten Tisch schafft, während Feinde ihm nachstellen. Die Zeit, in der wir nach allem Schweren bei Gott zur Ruhe kommen können, beschreibt die Offenbarung mit Bildern von einer Welt, in der es kein Leid, keine Klagen, keine Trauer mehr geben wird, weil Gott selbst uns die Tränen abwischen wird - was für eine Geste! An vielen Stellen in den Psalmen wird Gott „Burg“, „Schutz“ und „Zuflucht“ genannt. Das ist keine Weltflucht in eine fromme Utopie, sondern Hilfe zur Gestaltung des realen Lebens mitten in der Bedrängnis: ein Hoffnungsbild, das Kraft gibt zum Durchhalten und Aushalten in dem Schweren, was es gerade zu bewältigen gilt. Welche Hoffnungsbilder stärken Sie auf Ihrem Weg durch unwegsames Gelände?

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17. April 2022

Der Plan B muss keine Notlösung sein
von Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück

Ostern ist der Plan B! Wie bitte? Ist Ostern nicht das Allergrößte und sicher ganz bewusst von Gott so gewollt und vorherbestimmt worden? Ich finde nicht. Ich finde, es ist viel effektiver, Ostern als Plan B zu denken. Wie kann ein Plan B effektiv sein? Er ist doch nur eine Notlösung. Stimmt gar nicht. Das ist ein absolutes Missverständnis und wird dem Plan B nicht gerecht. Es ist eben eine andere Möglichkeit. Nicht weniger gut oder nur die Hälfte wert. In einem Buch bin ich auf diesen Gedanken gestoßen worden und ich habe ihn zu meinem diesjährigen Oster-Schatz erwählt.

Wie war es denn mit Jesus? Seine Laufbahn auf der Erde war schnell beendet. Anfang 30 war er, als er gekreuzigt wurde. Nun ja, als Aufrührer musste er wohl damit rechnen, dass er immer auch gefährlich lebt. Aber geplant hatte er solch ein Ende am Kreuz bestimmt nicht. Jetzt ist es aber doch so, dass man auch sagen kann: Gott hat es genau so geplant. Ein grausames Ende für seinen Sohn. Und es ist jedes Jahr das Gleiche. Ich kann Karfreitag kaum aushalten und denke immer: Hätte er sich das nicht anders ausdenken können? Warum gerade die grausamste Variante der damaligen Todesstrafe?

Die Bibel ist voll von Geschichten mit Plan B. Und das ist jetzt wirklich nicht abwertend oder so gemeint. Ich liebe diese Texte, seien es Psalmen oder andere Geschichten, in denen so richtig deutlich wird, wie schief es schon mal mit dem Menschsein laufen kann und wie gut es ist, dass Gott einen Plan B hat. Bei der Sintflut zum Beispiel, da wollte Gott die ganze Menschheit vernichten und hat das auch sehr eindrucksvoll gestaltet. Aber im großen Zorn ändert er seine Meinung und verspricht: Das mache ich nicht wieder! Samt Siegel, dem Regenbogen.

In diesen Geschichten zeigt sich ein Gott, der aus dem größten Schlamassel noch etwas Gutes machen kann. Der damit zeigt, wie Hoffnung über die Resignation siegt. So auch an Ostern. Hinter der grauseligen Todesstrafe steckt das wunderbare Geschenk, dass Gott sich für gar nichts zu schade ist, nicht mal für den Tod. Damit stellt er ein für alle Mal klar, dass es nichts gibt, was ihn von den Menschen trennt. Das hätte ja schon gereicht. Im Tod bewahrt und auch dann nicht verlorengegeben, damit lässt es sich doch leben. Viel besser lässt es sich aber mit dem Plan B leben. Der Auferstehung. Da setzt Gott noch einen drauf. Das mit Jesus sollte nicht tragisch und traurig zu Ende gehen, sondern verändert und verändernd. Deshalb Plan B, deshalb Auferstehung.

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10. April 2022

Nutzen wir unser Nardenöl
von Pfarrer Peter Mayer-Ullmann, Banfe

Geld oder Liebe - das ist nicht zuletzt das brisante Thema des heutigen Palmsonntags, wo ja die jubelnde Menge mit ihren Kleidern und Palmzweigen Jesus einen herzlichen und liebevollen Empfang in Jerusalem bereitet, um dann doch nach wenigen Tagen in das gewohnte Hamsterrad der Abhängigkeiten und scheinbaren Notwendigkeiten zu verfallen und das „Kreuzige ihn“ zu schreien.

Geld oder Liebe - das ist aber durchaus nicht nur das Thema der Kreti und Pleti zu diesem Tag, sondern auch das der Menschen, die Jesus eigentlich sehr, sehr nahe stehen. So erzählt Markus in einem der Evangelien-Texte zu diesem Tag (Markus 14, 3 bis 9) von einer namenlosen Frau, die Jesus schon im Vorfeld zum Karfreitags-Geschehen mit einer Flasche sündhaft teuren Nardenöls für sein Begräbnis salbt, dessen Wert umgerechnet dem eines Kleinwagens entspricht. Das allerdings stößt auf wenig Gegenliebe bei den Jüngern und den anderen Anwesenden, die dieses Nardenöl doch lieber zu Geld gemacht und den Armen zugewendet hätten. Einzig Jesus nimmt diese Frau in Schutz und weiß den Moment und diesen Liebesdienst zu schätzen.

Geld oder Liebe - das ist schließlich auch der Dreh- und Angelpunkt für das, was unser Bundeskanzler in seiner Regierungserklärung mit dem Wort „Zeitenwende“ bezeichnet hat: den russischen Überfall auf die Ukraine und die Tatsache, dass die Welt dadurch und durch die folgenden, weltweiten Sanktionen gegen Russland eine andere geworden ist. Das alles wegen eines Mannes und seiner Regierungsmitglieder, die ein starkes, weltweit gefürchtetes Großrussland wollen und dafür das Völkerrecht brechen und Kriegsverbrechen begehen.

Hat die Liebe also wieder einmal verloren? Oder bringen wir unser Fläschchen Nardenöl zum Einsatz, indem wir uns der Menschen annehmen, die aus der Ukraine fliehen müssen: in den Kitas, den Schulen; im Dorf, Stadtteil oder in Kirchengemeinden; bei der Wohnungssuche oder beim Gang zu Behörden. Wir spenden etwas, sagen andere, die keine praktische Hilfe leisten können. Wir unterstützen die großen Hilfsorganisationen beim Kauf von Zelten, Nahrungsmitteln und Medikamenten. Wir beten für die Opfer und für die Täter und hoffen, dass dieser Wahn aufhört und Frieden möglich wird. Und schließlich: Wir überlegen ernsthaft, wie wir unsere Lebensweise weiterhin so verändern können, dass wir Energie einsparen.

Wie die namenlose Frau in der Salbungsgeschichte zu Palmsonntag halten wir uns so durch unser Tun manche Schrecken und Ohnmachtsgefühle ein klein wenig vom Leib. Gegen den Irrsinn dieses Krieges können wir nichts tun. Aber wir können etwas gegen seine Folgen tun. Wir können, mit Gottes Hilfe, den schwer geprüften, traumatisierten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ein sie achtender, hilfsbereiter Mensch sein und so der Liebe und schon gelebter Auferstehung das letzte Wort erteilen.

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3. April 2022

Was können wir ganz konkret vor Ort tun?
von Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück

Nachwuchs ist wichtig! Aber wo kommt er her? Nein, ich meine jetzt nicht die Geschichte mit den Bienchen und Blümchen und dem Klapperstorch. Sondern die dringende Angelegenheit, dass es an allen Ecken und Enden an Menschen fehlt, die einmal nachrücken und irgendwann das Ruder übernehmen. Das ist ein bekanntes Problem und lauter kreative Formate für Nachwuchs-Akquise sprießen wie Krokusse im Frühling aus dem Boden.

So auch bei der Kirche. Am Donnerstag habe ich zwei Theologiestudentinnen und einen Studenten kennengelernt, die sich genau mit diesem Thema beschäftigen. Wie kann man den Pfarrberuf und andere kirchliche Berufe attraktiv machen? Was brauchen junge Menschen für Informationen, wenn sie sich mit dem Arbeiten bei Kirche auseinandersetzen möchten? Wie können sich die Kirchenkreise präsentieren, wenn es darum geht, (angehende) Pfarrerinnen und Pfarrer zu gewinnen? Für mich war das ziemlich spannend und aufschlussreich, denn vor 16 Jahren musste ich nach dem ersten Examen ganz anders denken und fühlen. Da war ich froh, dass mich die Landeskirche überhaupt in den Dienst übernommen hatte. Aber, die Zeiten haben sich geändert - wie überall.

Jedenfalls hat mich das Zusammentreffen mit den Studierenden dazu gebracht, noch einmal einen Blick auf unseren Kirchenkreis zu werfen. Und das war echt toll. So viel Schönes gibt es da zu entdecken. Menschen, Themen, Projekte, Einrichtungen und einiges mehr prägen das kirchliche Leben in Wittgenstein und im Hochsauerlandkreis. Klar, in den vergangenen zwei Jahren ist es an ein paar Stellen drunter und drüber gegangen und manches liegt auch noch brach. Aber im Großen und Ganzen genieße ich das, was mir da in den Sinn gekommen ist. Auch der Blick in die Nachbarschaft, zum Kirchenkreis Siegen, ist lohnenswert. Nicht umsonst wollen wir uns ja auch zusammentun und einen neuen, großen und deutlichen Kirchenkreis gründen. Das Verfahren dazu läuft noch.

Lange Rede, kurzer Sinn. Es geht um die Investition in die Zukunft, eigentlich schon in die Gegenwart. Als ich von dem Treffen nach Hause gefahren bin, war ich ziemlich in Gedanken versunken. Wie schön ist es, dass junge Menschen sich für kirchliche Berufe interessieren und einsetzen. Wie schade ist es, dass Kirche an ihrer Selbstverständlichkeit einbüßt. Und was kann ich, was können wir hier ganz konkret vor Ort tun, damit die Gegenwart und die Zukunft unserer Kirche lebens- und liebenswert bleiben? Und was ist überhaupt unsere Kirche? Der Kirchturm? Die Menschen, die dort arbeiten? Die Menschen, die dort hingehen? Ich bin gespannt auf die Antworten.

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27. März 2022

Wir selbst können viel bewirken!
von Pfarrerin Christine Liedtke, Girkhausen

„Dämmerstündchen“ nannte meine Mutter sie: diese Zeit am Abend, wenn das Tageslicht langsam schwindet und es draußen dunkler und stiller wird, wenn der Tag zu Ende geht und die Seele zur Ruhe kommen darf. In ihrer Kindheit wurde dann kein Licht im Zimmer gemacht. Mit dem schwindenden Tageslicht war es, als ob sie und ihre Mutter näher zusammenrückten. Ihr Vater war aus dem Krieg nicht zurückgekommen. Sie waren geflohen, mussten neu Wurzeln schlagen. Mutter und Tochter sangen in dieser Dämmerstunde und unterhielten sich. Dämmerstunden haben es an sich, dass man dabei schnell über Wesentliches spricht.

Zu einer Dämmerstunde oder sogar Dunkelstunde waren wir gestern aufgerufen! Zwischen 20.30 und 21.30 Uhr durften wir uns beteiligen an der „Earth Hour“, in der alle, die sich anschließen wollten, in Wohnung, Haus und Garten sämtliche Lichter ausschalteten. Es tat gut, eine Kerze anzuzünden und darüber nachzusinnen, warum die Earth Hour, diese Stunde für die Erde, durchgeführt wird: Wir können uns klar machen, dass uns diese Erde nur geliehen ist, dass wir Verantwortung für ihren Erhalt tragen, dass ihre Rohstoffe endlich sind und dass wir umdenken müssen, damit der Klimawandel die natürlichen Ordnungen nicht noch mehr durcheinander wirft. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir unser Verhalten ändern können, um dem Klima weniger zu schaden. Zahlreiche Kommunen beteiligten sich an der Earth Hour und schalteten die Beleuchtung öffentlicher Gebäude und Plätze aus.

Das erinnert mich an eine Unterhaltungssendung Ende der 70er Jahre. Der Moderator forderte die Zuschauer und Zuschauerinnen auf, einmal in ihrer Wohnung alle überflüssigen Lichtquellen auszuschalten. Er konnte am Ende der Sendung verkünden, dass die eingesparte Energie dazu ausgereicht hätte, eine Stadt wie Hagen mit 200.000 Menschen einen Tag lang mit Energie zu versorgen! Das hat mich jungen Menschen damals sehr beeindruckt, weil ich selbst in Hagen wohnte. Und es zeigte uns allen, die wir mitgemacht hatten: Wir selbst können viel bewirken!

Ja, wir können viel bewirken! Sind wir doch von Gott „kaum geringer als Gott“ geschaffen worden, wie der Beter des Psalms 8 staunt: „Die Werke deiner Hände hast du dem Menschen anvertraut, alles hast du, Gott, ihm zu Füßen gelegt.

Das ist eine große Verantwortung: Gott hat uns Menschen die Erde in die Hand gegeben. Gott hat sich dabei keine Hintertür gelassen in dem Sinne: Und wenn ihr das nicht schafft, dann greife ich ein. Nein, Gott hat diese große Verantwortung an uns abgegeben. Lasst sie uns annehmen und wahrnehmen!

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20. März 2022

Ich packe meinen Koffer...
von Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück

Ich packe meinen Koffer und nehme mit: ein Buch, eine Zahnbürste, ein Foto meines Liebsten, ein Kuscheltier, die Lieblingsjeans, Gummibärchen, das gut riechende Parfum... So oder so ähnlich würde es sich bei mir anhören. „Ich packe meinen Koffer“ - ein Gesellschaftsspiel, das zum Nachdenken und Konzentrieren herausfordert und außerdem noch deutlich werden lässt, was einem wichtig ist und worauf man nicht verzichten kann.

Koffer packen, eigentlich etwas Schönes. Hat mit Vorfreude zu tun. Ist manchmal schwierig und nervig, vor allem, wenn der Koffer dann nicht zugeht. Kofferpacken heißt sein Leben für die nächsten zwei oder mehr Wochen kompakt zusammenzufassen, je nachdem, wie lange die Reise dauert und wohin es geht.

Und was ist, wenn es schnell gehen muss? Wenn die Sachen nur zusammengerafft werden können und gar nicht ordentlich gefaltet werden. Und was ist, wenn statt einem Urlaubsvergnügen die reine Ungewissheit auf einen wartet. Kein Abschied auf Zeit mit Freude auf das, was vor einem liegt, sondern Zurücklassen von allem, was einem lieb und teuer ist, auch von wichtigen Menschen.

Noch nie war mir das Thema „Flucht und Abschied“ so nah wie in den vergangenen drei Wochen. Ja, das muss ich zugeben. Die Schicksale der Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen, haben mich zwar auch vorher berührt und beschäftigt, aber jetzt, im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine, ist es noch einmal ein ganz anderes Gefühl. Warum, weiß ich gar nicht. Vielleicht liegt es daran, dass mir an so vielen Punkten die Sicherheit abhandengekommen ist. Zu viele Meldungen, zu viel Bedrohung. Und die Bilder von den Menschen, oftmals Frauen und Kinder, die auf der Flucht sind, bringen mich dazu, über meinen eigenen Koffer nachzudenken. Was packe ich ein, wenn es mal schnell gehen muss? Menschen, Dinge, Erinnerungen, Lieblingsessen. Ich merke, das ist ein Gedanke, den ich gar nicht denken möchte und kann. Verbindungen kappen, Zelte abbrechen, Menschen aufgeben, ein Leben zurücklassen und ungewiss in ein neues aufbrechen.

Ratlos und überfordert sehe ich die Bilder und höre die Geschichten und voller Tatendrang sehe ich die Aufgabe, die auf uns zukommt. Ich packe meinen Koffer für das, was in den nächsten Wochen und Monaten zu tun ist, und nehme mit: Meine Angst, denn ohne sie wäre ich nicht echt. Meinen Trotz, dass es doch irgendwie auch wieder gut werden muss. Meine Hoffnung und meine Freude, denn ohne sie wäre ich auch nicht echt. Und den Gedanken, den Carl Friedrich von Weizsäcker formulierte: „Man kann in dieser Welt, wie sie ist, nur dann weiterleben, wenn man zutiefst glaubt, dass sie nicht so bleibt, sondern werden wird, wie sie sein soll.“

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13. März 2022

Nicht nörgeln, sondern beten
von PJugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen

In den vergangenen Wochen und Monaten gab es im Fernsehen viele Sondersendungen zu aktuellen Themen, wie Corona oder dem Krieg in der Ukraine. Es ist gut und wichtig, dass wir informiert werden über bestimmte Ereignisse in der Welt. Meist werden bei diesen Sondersendungen Politiker, andere ranghohe Persönlichkeiten oder spezielle Fachleute zu Rate gezogen. Dabei werden sie zu ihren Gedanken und Einschätzungen der weiteren Entwicklungen befragt. So spannend diese Fragen sind und so gern wir darauf eine präzise Antwort haben wollen, bleiben die Aussagen oft sehr vage. Wie sollte es auch anders sein, schließlich kann niemand in die Zukunft sehen. Die letzten Wochen haben uns deutlich vor Augen geführt, dass vieles unkalkulierbar ist. Dementsprechend fallen auch die Antworten der Politiker auf bestimmte Fragen aus. Manchmal sind es nur vorsichtige Vermutungen und hin und wieder bleibt das Gefühl, dass eher um das Anliegen herumgeredet wird.

Ich muss aber ehrlich gestehen, ich möchte mit keinem dieser Menschen tauschen. Es sind äußerst schwere Entscheidungen, die zurzeit getroffen werden müssen, und das auch noch innerhalb kürzester Zeit. Zudem nimmt auch die Unzufriedenheit der Bürger zu, und manch einer glaubt zu wissen, wie es richtig geht. In diesen Zeiten zu regieren ist kein einfacher Auftrag. Somit taucht die Frage auf, was wir tun können, um Politiker in ihrem Amt zu unterstützen. Im Timotheus-Brief erhalten wir einen Anhaltspunkt, wie solch eine Unterstützung aussehen kann: „So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit. Dies ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserm Heiland.“ (1. Timotheus 2, 1 bis 3) Nicht nörgeln, sondern beten. Dazu sind wir aufgefordert. Auch wenn wir nicht alle Entscheidungen gut finden oder uns mit manchen Werten, Prioritäten, Abläufen und Ansichten schwertun, ist es trotzdem unsere Aufgabe, für die Verantwortungsträger zu beten. Das ist das Wenigste und zugleich Beste, was wir tun können. Bringen wir Gott die Verantwortungsträger in Kirche, Politik und Gesellschaft und beten wir, dass Gott ihnen Weisheit bei allen Entscheidungen schenkt, dass sie mit Kraft und Geduld ausgestattet werden und Gott sie segnet für ihren Dienst. Beten wir dafür, dass sie zum Wohl der Menschen agieren und ihre Macht nicht missbrauchen.

Lassen Sie uns nicht müde werden zu beten - gerade jetzt.

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6. März 2022

„Gib Frieden, Herr, gib Frieden“
von Pfarrerin Simone Conrad, Wingeshausen

Mehr als eine Woche wütet nun schon ein grausamer und menschenverachtender Krieg in der Ukraine. Die Nachrichten und Bilder entsetzen und schockieren mich. Bombeneinschläge, Zerstörung, mehr als eine Million Ukrainer auf der Flucht. Verletzte. Tote, Zivilisten und Soldaten, Getöte aus beiden Ländern, aus der Ukraine und aus Russland - Opfer der Gewalt.

Ein machtgieriger Despot bringt unsägliches Leid über ein Land, das zwei Stunden und 35 Minuten Flugzeit von uns entfernt ist. So nah ist der Krieg - und so brüchig, verletzlich, fragil der Frieden.

In mir werden viele Erinnerungen und Bilder frei, die von der tröstenden Decke des andauernden Friedens in Europa umhüllt waren: Ich denke an meine Mutter, die keine Filme im Fernsehen anschauen konnte, in denen Schießereien vorkamen, weil sie als Kind den Zweiten Weltkrieg erlebt hatte und traumatisiert war von den Schüssen, vor denen sie geflohen ist. Die in jeder Silvesternacht gelitten hat, weil das Böllern der Feuerwerksraketen Erinnerungen wachgerufen hat an die Bomben, die fielen. Die ihren Vater auf der Flucht verloren hat. Und die ihrem Kind und ihren Enkelkindern nichts dringlicher gewünscht hat, als dass wir in einer Welt des Friedens aufwachsen und leben dürfen.

Und nun ist Krieg in Europa. Ein Bild aus meiner Jugendzeit: Ein Button, dick bedruckt: „Schwerter zu Pflugscharen“ - das Motto der Friedensbewegung damals in den 80ern. Damals in der Zeit des Aufrüstens der Atommächte, als ich die Schule geschwänzt habe, um zu den großen Friedensdemos nach Bonn zu fahren. Schwerter zu Pflugscharen - ich weiß gar nicht, ob ich den Button noch habe, ich hatte die Hoffnung, ich bräuchte ihn nicht mehr.

Doch jetzt drückt dieses geflügelte Wort aus der Bibel, aus der Friedensvision beim alttestamentlichen Propheten Micha, den Herzenswunsch, die Sehnsucht von uns Menschen aus: dass der Krieg ein Ende haben möge und die Waffen schweigen. Dass aus Gewaltinstrumenten Nutzwerkzeuge werden; dass es nicht um Vernichtung gehen mag, sondern um Aufbau, nicht um Tod, sondern um Leben.

Ich weiß nicht, ob ich meinen alten Button noch finden werde. Aber ich weiß, dass ich beten will für den Frieden; beten, dass die Waffen schweigen; beten, dass der gierige Machthaber zur Vernunft kommt. Mit den Worten eines Liedes aus unserem Gesangbuch: „Gib Frieden, Herr, gib Frieden, die Welt nimmt schlimmen Lauf. Recht wird durch Macht entschieden, wer lügt, liegt obenauf.“ Das Unrecht geht im Schwange, wer stark ist, der gewinnt. Wir rufen: Herr, wie lange? Hilf uns, die friedlos sind.

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27. Februar 2022

Beten mit dem Zukunftsplan „Hoffnung“
von Pfarrerin Berit Nolting, Berghausen

Vor Jahren hatte ich mir ein neues Kleidungsstück gekauft und stellte es meinem Sohn vor. Als ich ihn fragte, wie es ihm gefällt, fragte er zurück: Ach, ist wieder Weltgebetstag? Ich war schockiert und habe mich gefragt, was für ein Bild vom Weltgebetstag ich ihm bisher vermittelt hatte? Es geht doch um die Probleme der Menschen in dem jeweiligen Weltgebetstags-Land und darum, für die Menschen dort zu beten.

Okay, wir beschäftigen uns selbstverständlich wegen der Menschen dort auch mit ihrer Kultur und Kleidung, die für uns manchmal sehr fremd ist. Und vielleicht lernt man ein paar Wörter der Landessprache. Aber das hat nichts mit Verkleiden und Karneval zu tun. In diesem Jahr hätte uns das auch nicht passieren können. Der Weltgebetstag kommt diesmal aus England, Wales und Nordirland. Dort trägt man ja die Kleidung, die auch wir tragen. Und trotzdem ist es interessant, sich mit den Menschen und ihren Problemen dort zu beschäftigen. Natürlich sind sie unseren Schwierigkeiten ganz ähnlich. Wir bleiben ja in diesem Jahr in Europa und sind nicht in Afrika, Asien oder auf dem amerikanischen Kontinent.

 Zukunftsplan „Hoffnung“ ist das diesjährige Thema des Weltgebetestages. Ich finde es sehr aktuell.

Den Zukunftsplan „Hoffnung“, den haben hoffentlich auch unsere Politiker - einen Zukunftsplan, wie wir gut aus der Pandemie mit allem, was dazu gehört, herauskommen.

Einen Zukunftsplan „Hoffnung“ hat hoffentlich die Queen mit ihrer Familie und den Angestellten, dass sie ihre Corona-Infektion gut überstehen kann. Einen Zukunftsplan „Hoffnung“, haben hoffentlich auch wir. Eine Hoffnung für unser Leben und dafür einen Plan, was wir beruflich oder privat erreichen möchten.

Wir haben hoffentlich einen guten Plan für unser Leben. Beten wir am Weltgebetstag dafür, dass unser Zukunftsplan „Hoffnung“ in Erfüllung gehen möge, genauso wie die Zukunftspläne der Engländerinnen, Waliserinnen und Nordirinnen. Aber wir werden ganz sicher an diesem Weltgebetstag für die Menschen in der Ukraine beten, deren Leben und Zukunft gerade gefährdet ist. Und wir beten mit dem Zukunftsplan „Hoffnung“ am 4. März an vielen Orten im Kirchenkreis Wittgenstein auch ganz allgemein für den Frieden in der Ukraine und in der ganzen Welt.

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20. Februar 2022

„Ich danke meinem Gott, sooft ich euer gedenke“
von Jugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen

Bei einer Autobahnfahrt letzte Woche geriet ich in einen Stau. Im Schritttempo kämpften sich die Autos vorwärts. Irgendwann waren viele gelb und blau blinkende Lichter zu sehen. Es folgte eine Fahrbahnverengung, die durch eine mobile Warntafel angezeigt wurde und mich an einem Unfall vorbeiführte. Ein Lkw war von der Fahrbahn abgekommen, stand nun hinter der Leitplanke. Im aufgeweichten Untergrund steckte das Fahrzeug fest. Dem Fahrer schien es, Gott sei Dank, gut zu gehen, das Führerhaus war kaum beschädigt. Vor der Leitplanke standen rund 15 Personen. Es waren Mitarbeiter des Bergungsunternehmens, der Straßenwacht sowie Polizisten. Sie waren in ein Gespräch vertieft, bei dem es wohl darum ging, wie der Lkw geborgen werden kann.

Auf meiner weiteren Tour musste ich immer wieder an den Unfall denken. Wie geht es dem Fahrer? Der Unfall hätte schlimmer ausgehen können. Mir gehen die vielen Leute an der Unfallstelle nicht aus dem Kopf.

Es hat mich fasziniert, das Zusammenspiel unterschiedlicher Arbeitsbereiche zu sehen. Die Polizei sicherte die Unfallstelle ab und nahm den Unfall auf. Die Straßenwacht hatte schnell die Verkehrsführung angepasst und gab frühzeitig Warnhinweise. Zudem kümmerten sie sich ums Zerlegen der Leitplanke, um den Lkw bergen zu können. Das Bergungsunternehmen kam mit einem Kran, einem Abschleppwagen, viel Werkzeug. Es war ein professionelles, routiniertes Miteinander.

Dieses Bild ließ mich nicht los. Mir wurde bewusst, dass es so auch im Leben ist. Die großen Aufgaben können nur gemeinsam bewältigt werden. Diese Menschen an der Unfallstelle zeigen eindrücklich, wie wichtig es ist zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig zu helfen. Es ist ein beeindruckendes Miteinander, bei dem jeder seinen Teil, seine Fähigkeiten und seine Erfahrung einbringt. Das wünsche ich auch uns, dass wir den Wert des Miteinanders erkennen und uns einbringen, wo wir gebraucht werden mit den Gaben, die Gott uns gegeben hat.

Immer noch fahre ich sehr nachdenklich weiter. Wieder muss ich an die vielen Leute denken. Doch diesmal aus einem ganz anderen Grund. Ich frage mich, ob diesen Menschen wohl jemand Danke sagt. Danke, dass sie selbstverständlich nachts im strömenden Regen bei Sturm ihren Dienst tun. Ich wäre am liebsten umgekehrt und hätte mich bedankt. Schlagartig fallen mir ganz viele Menschen ein, die selbstverständlich ihren Dienst tun. Menschen, die kein großes Aufhebens darum machen. Ich verspüre den Drang mich bei ganz vielen bedanken zu wollen. Da ich unterwegs bin, kann ich das nur tun, wie Paulus es im Brief an die Philipper schriebt: „Ich danke meinem Gott, sooft ich euer gedenke.“ Ich spreche ein Gebet, und danke Gott für all die wunderbaren Menschen, die einfach da sind, wenn man sie braucht, egal ob es stürmt oder schneit oder ob die Sonne scheint. DANKE.

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13. Februar 2022

Der Grund ist gelegt
von Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück

Ich habe ihn geliebt. Am allermeisten, wenn er Schokoladenpudding kochte und dazu dann Ka-Ka-O benutzte. Einen großen Teil meiner Kindheit habe ich mit ihm verbracht und er war auch der Grund, warum ich als Studentin am Wochenende früh aufgestanden bin. Nur um ihn zu sehen. Ich mochte seine Weisheiten und seinen unbedingten Gerechtigkeitssinn. Er war schon älter, aber ich mag ältere Menschen, denen man das Leben so richtig anmerkt. Die guten und die schweren Zeiten. Ich mag es, wenn ich an ihrer Erfahrung und an ihrem Denken teilhaben darf. Das hat bei ihm immer funktioniert. Gustl Bayrhammer wäre gestern 100 Jahre alt geworden. Ich habe ihn als Meister Eder kennen und lieben gelernt. Wenn er dem kleinen Kobold die Welt erklärte, dann war ich ganz gefangen und habe mich gerne mit in die Welt der Münchener Hinterhofwerksatt hineinziehen lassen. Ist doch komisch, wie einen eine Figur aus dem Fernsehen so prägen kann. Ist es einfach die Erinnerung an die gute alte Zeit oder geht es wirklich um diesen Typen Mensch? Es ist wahrscheinlich beides. Ich merke, wie meine Gedanken immer öfter und immer deutlicher an FRÜHER hängen bleiben. Das liegt entweder an den letzten zwei Jahren oder daran, dass ich älter werde und anfange, von früher zu erzählen.

Es hat so ein bisschen etwas von den Fleischtöpfen Ägyptens. Früher war alles besser, eben: die gute alte Zeit. Ich glaube, das hat was mit Überwinden zu tun. Durchkommen und Überstehen. Und der Blick auf die Vergangenheit ist immer einfacher als in die Zukunft. Obwohl das ja auch nicht immer stimmt. Vergangenheitsbewältigung kann manchmal ganz schön gruselig sein und wirklich heftige Dinge hervorbringen. Da ist es doch schöner, von einer rosigen Zukunft zu träumen. Es ist wohl so, dass man beides braucht und im Blick haben sollte. Nicht nur in eine Richtung, sondern eine Rundumsicht. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“, so heißt es im 31. Psalm. Eigentlich hatte ich diese Worte nie so richtig für mich in Anspruch genommen. Mal abgesehen davon, dass ich sie als Motto für unser Abenteuerdorf kannte. Aber letzte Woche hat mich ein wirklich lieber Mensch mit der Nase darauf gestoßen. Und im Nachdenken über die gute alte Zeit bekommen sie eine neue Bedeutung. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind der Raum, der mir zum Leben eröffnet wird. Mal ist er mir viel zu groß, und mal will ich aus den engen Grenzen ausbrechen. Aber immer bin ich hingestellt. Habe einen Grund unter meinen Füßen, den mir keiner nehmen kann. Nie und nimmer!

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6. Februar 2022

Gute Worte haben Kraft
von Pfarrer Jaime Jung, Erndtebrück

Am nächsten Freitag wäre Thomas Edison 175 Jahre alt geworden, er war einer der größten Erfinder, die es jemals gab. Deshalb wird an seinem Geburtstag, dem 11. Februar, in den USA der „Nationale Erfindertag“ gefeiert. Über Edison gibt es eine bewegende Geschichte:

Der kleine Thomas kommt eines Tages von der Schule nach Hause und überreicht seiner Mutter einen Brief. „Mein Lehrer hat mir diesen Brief gegeben“, sagt er: „Ich soll ihn nur dir zu lesen geben.“ Die Mutter hat Tränen in den Augen, als sie ihrem Sohn den Brief vorliest: „Ihr Junge ist ein Genie! Unsere Schule ist viel zu klein für ihn. Sie verfügt nicht über die Lehrer, die gut genug wären, ihn zu unterrichten. Bitte unterrichten Sie ihn von nun an selbst.“ So geschieht es dann. Die Mutter gibt ihrem Sohn Unterricht. Und das mit großem Erfolg. Aus Thomas Edison wird ein genialer Tüftler. Jahre später - die Mutter ist schon lange tot - sucht Edison etwas in einer alten Schublade. Und findet ein Blatt Papier - den Brief, den sein Lehrer damals geschrieben hat. Edison fängt an zu lesen: „Ihr Sohn ist geistig behindert. Wir können und möchten ihn nicht länger auf unserer Schule unterrichten.“ Es heißt, dass Edison nach dieser Entdeckung lange geweint hat. Das Vertrauen seiner Mutter hat in dieser Geschichte den Ausschlag gegeben, dass er so ein großer Erfinder wurde.

Wir haben das wohl alle schon erlebt: Da sagt jemand etwas Unangenehmes zu dir und es ist, als wenn dir ein nasser Lappen um die Ohren gehauen wird. Oder es sagt dir jemand etwas Nettes, und es ist, als ob die Sonne aufgeht. Gute Worte braucht die Welt, heute mehr denn je. Man kann damit anfangen, zu sich selbst Gutes zu sagen, auch wenn das ungewöhnlich ist. Denn es ist eher so, dass man sich oft kritisiert und selten mit sich zufrieden ist. Oft genug zweifelt man an den eigenen Möglichkeiten und fragt sich: Was kann ich schon ausrichten? Das kenne ich aus eigener Erfahrung.

Genau dann darf ich mich daran erinnern: Gott meint es gut mit mir. Ich bin sein Kind und er nimmt mich liebevoll an. Wenn ich Gottes Zusage höre, schaue ich neu auf meine Gaben und Möglichkeiten. Ich bin keiner, der die Welt retten wird, aber ich kann versuchen, sie für andere heller zu machen, zumindest hier und da. Ein Anfang könnte sein: „Ich will heute mindestens einem Menschen einen ermutigen Satz sagen, der ihm den Tag besser macht.“

Gott gibt uns seine Zusage jeden Tag neu. Er weiß: Menschen brauchen jemanden, der an ihrer Seite bleibt, der sie trägt und begleitet in ihrer Schwachheit und Angst. Der ihnen wieder aufhilft, wenn sie fallen. So geht Gott mit uns um, so können wir mit anderen umgehen. Mir hilft die Vorstellung, dass Gott etwa so ist wie die Mutter von Thomas Edison. Er vertraut uns, er traut uns zu, dass wir in seinem Sinne wirken können und dass dabei etwas Gutes herauskommt.

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30. Januar 2022

Kleine Momente sind wichtig
von Pfarrer Oliver Lehnsdorf, Oberndorf

Während meines sechswöchigen Diakoniepraktikums im Evangelischen Krankenhaus St. Johannisstift in Paderborn wurde ich gebeten, als Pflegehelfer in einer Diabetikerstation auszuhelfen. In dieser Zeit lernte ich die dortigen Krankenschwestern und Krankenpfleger, Ärztinnen und Ärzte und die weiteren Angestellten kennen.

Unter ihnen fiel mir eine Krankenschwester auf, die selten zu sehen war. Wenn ich mit ihr zusammen die gleiche Schicht hatte, wusste ich, dass sie kaum mit mir redete. Sie wirkte in sich gekehrt und schien mit ihren Gedanken immer woanders zu sein. Ich kam nicht an sie heran und dachte mir, dass sich dies in meiner Praktikumszeit auch nicht mehr ändern würde. Doch mit der Zeit stellte ich fest, dass sie recht lang auf den Zimmern der Patientinnen und Patienten zu finden war. Zudem fiel mir auf, dass sie sich dort viel Zeit für die Patientinnen und Patienten nahm und sich auch mit ihnen lange und ausführlich unterhielt. Dies war auch der Grund, warum sie so selten zu sehen war. Und ihre Gedanken waren oft noch bei den Gesprächen, die sie mit Patientinnen und Patienten führte, wie sie mir dann später einmal sagte.

Als ich dies herausfand, wurde mir einiges klar. Und mit der Zeit kamen wir beiden dann auch immer besser ins Gespräch. Mein erster Eindruck von ihr war nicht der richtige. Mit der Zeit musste ich etwas ganz anderes feststellen, nämlich dass sie sich sehr liebevoll um die Patientinnen und Patienten kümmerte und eine sehr einfühlsame Person war. Und dann erfuhr ich auch, dass sie dies alles aus einer christlichen Motivation heraustat. Dabei war ihr schon immer der folgende Bibelvers wichtig: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (3. Mose 19, 18)

Einer, der sich ausführlich mit diesem Gebot der Nächstenliebe beschäftigt hat, ist Albert Schweitzer. In einem seiner Bücher schreibt er: „Tut die Augen auf und suchet, wo ein Mensch ein bisschen Zeit, ein bisschen Teilnahme, ein bisschen Gesellschaft, ein bisschen Fürsorge braucht. Vielleicht ist es ein Einsamer, ein Verbitterter, ein Kranker, dem du etwas sein kannst. Wer kann die Verwendungen alle aufzählen, die der Mensch haben kann. An ihm fehlt es an allen Ecken und Enden. Darum suche, ob sich nicht eine Anlage für dein Menschentum findet.“

Es gilt, sich im Sinne Albert Schweitzers anrühren zu lassen und in vielfältiger Weise zu handeln. Dabei müssen es nicht unbedingt die großen und aufwendigen Taten sein. Es sind gerade auch die vielen kleinen und oft unscheinbaren Momente, die so wichtig sind, Momente, in denen wir Nähe und Geborgenheit verschenken und für andere da sind und für sie Zeit haben.

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23. Januar 2022

Einladung zur Frohen Botschaft
von Pfarrer Dr. Andreas Kroh, Wolzhausen

Das Jahr 2022 ist jetzt schon einige Tage alt. Doch es passiert immer mal wieder bei meiner Arbeit im Krankenhaus, dass mir jemand begegnet und mir noch ein gutes neues Jahr wünscht. Ich freue mich jedes Mal über einen solchen Wunsch. Ich mache es nämlich auch so, wenn ich jemanden noch nicht gesehen habe, dann wünsche ich ihm oder ihr auch noch ein gutes neues Jahr. Diesmal ist mir aufgefallen, dass viele Menschen einen weiteren Wunsch hinzufügen, der ihnen besonders am Herzen liegt. Dieser weitere Wunsch ist, dass man doch bitte gesund bleiben möge. Ich kann einen solchen Wunsch angesichts der Corona-Pandemie gut verstehen. Die grassiert immer noch weltweit. Und mit dem Wunsch nach Gesundheit verbinden sehr viele Menschen - auch ich selbst - den Wunsch nach einem Ende der Pandemie. Und vielleicht tritt dies in diesem Jahr auch tatsächlich ein.

Gleichzeitig ist mir aber klar, dass ich Vieles im Grunde nicht selbst in der Hand habe. Auch das Jahr 2022 habe ich nicht selbst in der Hand. Sicher, manches kann ich absehen, manches kann ich sehr gut einschätzen, auch planen, aber sehr Vieles eben nicht. In einem meiner Klinik-Gottesdienste habe ich zum Jahresbeginn das neue Jahr mit einem Tor, mit einer Tür verglichen. Der Übergang nach 2022 ist so, als ob ich durch ein mir unbekanntes Tor gehen würde. Ich öffne eine mir unbekannte Tür. Durch diese unbekannte Tür betrete ich einen neuen Raum. Diesen kenne ich nicht: 2022 ist jetzt gerade drei Wochen alt, es liegt noch weitgehend unbekannt vor einem jeden, einer jeden von uns.

In Wittgenstein haben wir besonders viele historische Kirchen, deren Alter bis auf das Mittelalter zurückgeht. Besonders achte ich mittlerweile auch auf die Türen und Eingangsportale der einzelnen Kirchengebäude. Darunter finden sich hier in Wittgenstein nicht wenige Türen und Eingänge, die besonders verziert sind. Frühere Generationen haben sich sehr viel Mühe gegeben, die Eingänge zu ihren Kirchen für alle Besucherinnen und Besucher schön zu gestalten. Jeder und jede soll sich beim Betreten des Gotteshauses wohlfühlen. Aber es kommt neben dem Wohlfühlen noch auf etwas anderes an. Wer durch eine Kirchentür das Haus Gottes betritt, der kommt an einen besonderen Ort. Der Gang durch die Kirchentür ist ein Weg zur Gemeinde. Wenn sich die Gemeinde versammelt, dann geschieht dies in einer besonderen Absicht und zu einem besonderen Zweck. „Ich will dem Herrn singen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin.“ (Psalm 104, 33) Der Psalm spricht von einer lebenslangen Beziehung. Das ist eine Beziehung nicht nur für ein Jahr. Letztlich sind die Türen zu unseren Kirchen auch Türen zum Gotteslob und zur Frohen Botschaft des Evangeliums, einer Botschaft, die immer gültig ist.

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16. Januar 2022

Nicht im Alltag die Frohe Botschaft vergessen
von Pfarrerin Dr. Sandra Gintere, Winterberg

Manchmal habe ich den Eindruck, dass ich mit der Geschwindigkeit des heutigen digitalen Zeitalters kaum noch Schritt halten kann. Geht es Ihnen auch so? Die Zeitabschnitte und die Gültigkeit von Erkenntnissen, Verordnungen und Entwicklungen werden immer kürzer, die Liste der Fragen und Probleme leider immer länger und umfangreicher. Vor einigen Wochen haben wir noch um den Adventskranz gesessen, Plätzchen gebacken, Weihnachtseinkäufe gemacht, Geschenke verpackt und uns voll Freude auf Weihnachten vorbereitet: Die herausgeputzten Wohnungen, die festlich geschmückten Weihnachtsbäume sowie die Krippe mit Maria und Josef und dem Jesuskind sind äußere Zeichen dieser erwartungsvollen Zeit.

Soeben haben wir an Silvester einander ein glückliches neues Jahr gewünscht, und jetzt ist das neue Jahr schon zwei Wochen alt. Mir fällt es schwer, dies zu begreifen.

Ich wünsche mir so sehr, dass uns die alte kirchliche Tradition, dass die Weihnachtszeit eigentlich 40 Tage bis zum 2. Februar dauert, neu bewusst wird. Das Kirchenjahr kennt diesen besonderen Rhythmus von 40 Tagen. 40 Tage dauert die Fastenzeit. 40 Tage sind es von Ostern bis Christi Himmelfahrt. 40 Tage vom ersten Weihnachtstag bis zu Mariä Lichtmess. Solche wiederkehrenden Rhythmen, also gleichbleibende Abstände, tun gut, sie sprechen eine tiefe Zuversicht aus, dass das von Gott gegebene Leben weiter geht und unsere Zeit in Gottes Händen steht.

Weihnachten ist nicht vorbei, obwohl es für viele Menschen freilich so aussieht. Für viele ist Weihnachten im wahrsten Sinne des Wortes mit Epiphanias, dem Gedenken an die Heiligen Drei Königen, erledigt. Schon am ersten Weihnachtstag fragte ein Nutzer bei Facebook: „Wo sind eigentlich die Sammelstellen für ausrangierte Tannenbäume?“

Leider haben wir in unserer Zeit diese 40-tägige Weihnachtszeit ganz aus den Augen verloren. Warum wohl? Vielleicht, weil wir keine Zeit mehr dafür haben und wir nach Weihnachten wieder schnell zur Tagesordnung übergehen müssen.

Aber, die wichtigste Frage ist: Was ist von Weihnachten geblieben, außer großartigen Geschenken, festlicher Stimmung und gemeinsamem Feiern?

Hat die Weihnachtsbotschaft „In Jesus ist Gott Kind geworden, damit wir Gottes Kinder werden können“ unsere Herzen erreicht? Gott ist Mensch geworden. Er ist uns damit so nahegekommen, wie es nur möglich ist. Im Leben dieses Gotteskindes können wir Gott erkennen: an seinem Handeln und seinem Leben, aber auch an seinem Sterben.

Hat dieser göttliche Liebesbeweis, diese sprichwörtliche Frohe Botschaft in unserem Leben etwas verändert? Es wäre doch wunder-bar, wenn diese Botschaft Spuren in unserem Alltag hinterlassen würde. Denn, seine Liebe will unseren Alltag neugestalten und mit Freude, Sinn und Inhalt erfüllen. Ich wünsche Ihnen von Herzen ein reich gesegnetes Jahr 2022.

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9. Januar 2022

Wegweiser und Reiseproviant in einem
von Pfarrer Thomas Janetzki, Wingeshausen

Deshalb müssen wir umso mehr auf das achten, was wir hören. Sonst verfehlen wir noch das Ziel! (Hebräer-Brief 2,1)

Wer früher mit dem Auto eine Reise antreten wollte, musste erst einmal eine Landkarte studieren - bei längeren Fahrten auch schon mal mehrere Blätter aneinanderlegen, wenn es nur Teilkarten waren. Heute ist das mit der Hilfe von GPS und Navigationsgeräten sehr viel einfacher geworden. Aber immer noch muss man erst mal wissen, wo man überhaupt hinwill, um etwas eingeben und aufbrechen zu können.

Und wie ist das nun mit der Fahrt durch unser Leben? Wir sind ja alle auf unserer persönlichen Reise unterwegs; egal, auf welchem Streckenabschnitt…

Haben wir ein festes Ziel oder fahren wir eher ins Blaue? Das ist die entscheidende Frage, scheint mir. Und es geht mir dabei nicht um Ziele wie persönliches Glück, Erfolg im Beruf oder Vorkehrungen für meine Zeit im Alter - eher um die Frage, was ich als letztes großes Ziel im Auge habe, wo ich einmal am Ende meiner Zeit ankommen möchte.

Die Bibel sagt uns dazu, dass es nur ein letztes Ziel gibt, das sich anzustreben lohnt: die Ewigkeit bei Gott. Und der Weg dorthin ist sein Sohn Jesus Christus. Wer ihm die Führung durch sein Leben überlässt, der ist auf dem richtigen Weg.

Aber woher kann ich denn wissen, dass meine Straße die richtige ist? Auch da hat die Bibel einen Rat, denn sie selbst ist eine Art Landkarte auf dem Weg zu Gott. Der Bibelvers rät uns dazu, vor allem dabei auf das Wort zu achten, das wir hören, damit wir nicht das Ziel verfehlen.

Das bedeutet mehreres: Gottes Wort ist unser Wegweiser und Reiseproviant in einem. Es zeigt uns, wohin wir gehen können, und gibt uns die Kraft, loszugehen und diesen Weg auch zu verfolgen. Aber: Ein guter Start ist noch keine Garantie dafür, dass wir das Ziel auch wirklich erreichen. Wie schaffen wir es dann? Indem wir an unserer Reiseroute festhalten, indem wir dem treu bleiben, was wir hören und lesen.

An Jesus zu glauben, bedeutet ganz einfach, zielgerichtet zu leben, konzentriert auf der Reise durchs Leben zu bleiben, weil es sich lohnt. Es bedeutet aber auch, sich immer wieder selbst zu fragen, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind, um unser Ziel zu erreichen. Der Bibelvers aus dem Hebräer-Brief will uns genau dazu Mut machen. Er sagt uns: Bleibt dran an diesem Wort! Bittet Gott um die Kraft, auf seinem Weg weiter zu gehen! Jesus Christus hat versprochen, uns auf unserer Reise niemals zu verlassen und uns zu bewahren, gerade auf den schwierigen Stücken des Weges. Mit ihm können wir unser Ziel nicht verfehlen.

Also: Vertrauen wir ihm unseren Weg an; er wird uns sicher führen!

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Die Westfalenpost hat seit Ostern 2009 die Serie „An-Gedacht“ in ihrem Wittgensteiner Lokalteil, in der Pfarrer*innen aus dem Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein jeden Samstag zu Wort kommen. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion drucken wir die Gedanken ab Sonntag auch hier ab. Verantwortlich für den Inhalt sind die Verfasser*innen. Bei den Texten handelt es sich übrigens nicht um Predigten, sondern ganz einfach um kurze Gedanken mit einem theologischen Impuls. Sie können nicht - und wollen auch nicht - die Gemeinschaft, die Musik und die Predigt eines richtigen Gottesdienstes ersetzen. Aber sie dürfen gern von allen Leser*innen als Einladung verstanden werden, am nächsten Sonntag einen Gottesdienst in einer der heimischen Gemeinden zu besuchen.