Angedacht-Archiv 2021

10. Januar 2021

„Wer wird uns Gutes sehen lassen?“
von Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück

In einer Demokratie geht die Staatsgewalt vom Volk aus, jede und jeder Einzelne hat also das Recht, bei den Entscheidungen, die das ganze Land angehen, mitzubestimmen.

Man unterscheidet zwischen einer direkten und repräsentativen Demokratie. Wichtige Werte einer Demokratie sind Gleichheit, Freiheit, der Schutz der Grund-, Bürger- und Menschenrechte sowie die Meinungs- und Pressefreiheit. So findet man es im Lexikon. Und so ist es wünschenswert. Eine Demokratie ist auch kompliziert, weil viele Ansichten und Meinungen unter einen Hut gebracht werden müssen, es bei Wahlen Gewinner und Verlierer gibt und das Verlieren seit Menschengedenken eine nur schwer zu ertragende Angelegenheit ist. Oft weiß es jemand besser, dann wollen andere lieber noch ein bisschen gleicher sein als gleich. Und in einer repräsentativen Demokratie stehen die Vertreterinnen und Vertreter des Volkes ständig unter schärfster Beobachtung. Und egal wie sie entscheiden, für irgendjemanden ist es immer verkehrt. Obwohl ihnen manchmal nur die Wahl zwischen Pest und Cholera bleibt.

Trotzdem ist eine Demokratie eine lebensfördernde Herrschaftsform. Ich bin froh, in einem Land zu leben, in dem die Demokratie fest im Grundgesetz verankert ist.

Aber, sie ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr und man muss nahezu täglich neu an ihr festhalten (wollen)! Auf einmal wird Meinungsfreiheit für Hetzerei und Pöbelei missbraucht. Der Grat wird immer schmaler zwischen Freiheit und Aufwiegelung.

Ein schwarzer Tag für die Demokratie, so wurden die Ereignisse vom Mittwochabend in den USA beschrieben. Der scheidende Präsident nutzt das Volk zum Sturm auf das Capitol, um die Erklärung seiner Wahlniederlage zu verhindern. Ein schlechter Verlierer, dem die grundsätzlichen Werte der Demokratie noch nie besonders wichtig waren. Aber - er wurde gewählt. Und ist nun, wenn auch nicht mit überwältigender Mehrheit, aber mit sieben Mio. Stimmen weniger abgewählt. Und die Hoffnung ist, dass die Demokratie und ihr Fairplay in den USA wieder an Kraft gewinnen.

Es mag schwierig sein, Politik und Glaube in einen deutlichen Zusammenhang zu stellen. Aber für die Menschen in den USA und überhaupt alle in einem jeden Land möchte ich den Monatsspruch für den Januar in ganz großen Buchstaben aufschreiben: Viele sagen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ HERR, lass leuchten über uns das Licht Deines Antlitzes! (Psalm 4, 7)

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3. Januar 2021

Jeden Tag als Geschenk Gottes sehen
von Jugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen

Das neue Jahr 2021 hat begonnen. Ein Blick in den noch überschaubaren Kalender zeigt, dass bereits einige wichtige Termine eingetragen sind. Welche Planungen stehen bei Ihnen für das Jahr 2021 schon fest im Kalender? Und wie blicken Sie diesen entgegen: voller Vorfreude oder eher mit Sorge?

Das vergangene Jahr hat uns gelehrt, dass alle Planungen nur vorläufig sind. Ja, die ein oder andere Ungewissheit bleibt bei all unseren Vorhaben. Und doch hoffe ich, dass die Vorfreude auf bestimmte Ereignisse überwiegt. Wir brauchen Highlights, auf die wir hinarbeiten und die uns Freude bereiten. Gerade deshalb ist es doch gut trotz aller Unwägbarkeiten zu planen.

 Beim Blick in den Kalender taucht die Frage auf, wie wir in dieses neue Jahr gehen. Bestimmen uns die Schwierigkeiten, Sorgen und Altlasten, die wir mitnehmen? Oder sehen wir die vielen Möglichkeiten und Chancen, Neues zu entdecken, uns weiterzuentwickeln, zu wachsen mit den Herausforderungen und Aufgaben, die sich uns bieten?

Wenn ich über die vor uns liegenden Tage nachdenke, kommt mir ein Wort aus Psalm 118, Vers 24 in den Sinn, wo es heißt: „Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Ja, das ist doch mal ein schönes Motto für das Jahr 2021, ein guter Vorsatz, wenn sie so wollen. Jeden Tag als ein Geschenk Gottes zu betrachten, den er uns zur Verfügung stellt. Lassen sie uns trotz aller Ungewissheit nicht versäumen, fröhlich und mutig nach vorn zu blicken und zu entdecken, was Gott für uns bereithält, an Gaben, Wundern, an Segen oder auch an Aufgaben und Herausforderungen. Wir sind eingeladen dankbar jeden Tag zu genießen, und uns zu freuen. Jeder Tag bietet die Möglichkeit, Gott zu entdecken und Erfahrungen mit ihm zu machen.

Vielleicht hängen Sie diesen Vers an einen Ort, den Sie täglich im Blick haben, etwa an den Spiegel im Bad, an den Kühlschrank in der Küche oder an die Haustür. Sie werden merken, wenn Sie früh morgens im Bad Ihr unrasiertes oder ungeschminktes Gesicht im Spiegel erblicken und Sie dabei der Vers aus Psalm 118 anlacht, dann können sie gar nicht anders als neugierig und positiv in den Tag zu gehen, den Gott Ihnen schenkt.

Denn wenn Gott der Herr die Tage macht, bleibt uns nur, uns darüber zu freuen und dankbar zu sein. Schließlich ist es ein Ausdruck seiner Nähe. Er geht mit und ist da, auch im neuen Jahr 2021, trotz aller Ungewissheit.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes und gesundes neues Jahr 2021.

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Die Westfalenpost hat seit Ostern 2009 die Serie „An-Gedacht“ in ihrem Wittgensteiner Lokalteil, in der Pfarrer*innen aus dem Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein jeden Samstag zu Wort kommen. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion drucken wir die Gedanken ab Sonntag auch hier ab. Verantwortlich für den Inhalt sind die Verfasser*innen. Bei den Texten handelt es sich übrigens nicht um Predigten, sondern ganz einfach um kurze Gedanken mit einem theologischen Impuls. Sie können nicht - und wollen auch nicht - die Gemeinschaft, die Musik und die Predigt eines richtigen Gottesdienstes ersetzen. Aber sie dürfen gern von allen Leser*innen als Einladung verstanden werden, am nächsten Sonntag einen Gottesdienst in einer der heimischen Gemeinden zu besuchen.