Angedacht-Archiv 2021

17. Oktober 2021

Die positive Kehrseite der Gefahr
von Pfarrer Matthias Elsermann, Kreuztal

„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ Friedrich Hölderlin hat dieses oft zitierte Wort gedichtet. Über 200 Jahr ist es alt, aber doch nicht veraltet. In diesen zwei kurzen Versen steckt Hoffnung und Ermutigung. Denn Gefahren und Schwierigkeiten sind uns vertraut. Schnell fühlen wir uns ohnmächtig und schwach. Alles scheint uns über den Kopf zu wachsen. Für Hölderlin aber vergrößert sich nicht die Krise. Er stellt fest: In der Gefahr wächst - das Rettende auch! Eine gehörige Portion Optimismus steckt in dem Satz. Dabei formuliert er keine Verheißung. Er drückt auch nicht einen Wunsch aus. Sondern er macht eine Feststellung: so ist es und nicht anders: es wächst - das Rettende auch!

Vielleicht hat sich dieser Satz auch in diesem Sommer bewahrheitet. Auf der einen Seite haben wir mit Entsetzen und tiefer Betroffenheit das Leiden und die Verluste der durch die verschiedenen Hochwasser betroffenen Menschen wahrgenommen. Aber dann durften wir auch die Bilder sehen und Berichte lesen von dem Einsatz der Freiwilligen, die zu Hilfe kamen - auch aus unserer Region!
„Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ Die erschreckende Seite der Gefahr hat auch eine positive Kehrseite: Diese ist Solidarität und Hilfsbereitschaft.

Zitate werden oft aus dem Zusammenhang gerissen. Und es lohnt, sich bei diesem Zitat zusätzlich auf die ersten beiden Verse des - insgesamt sehr langen - Gedichtes „Patmos“ von Hölderlin zu schauen:
„Nah ist,
und schwer zu fassen der Gott.
Wo aber Gefahr ist, wächst
das Rettende auch.“

Wenn ich diese Verse lese, dann kann ich nicht anders, als in dem „Rettenden“, von dem Hölderlin spricht, die Nähe Gottes zu entdecken. So wird der für uns Menschen schwer zu fassende Gott konkret. Seine Gegenwart wird in dem rettenden Handeln erfahren. So stellt uns auch Jesus in seinen Gleichnissen Gott vor: In dem jeweiligen Geschehen, von dem die Gleichnisse erzählen, wird Gott mitten in dieser Welt erkennbar, wächst mitten unter uns sein Reich. Sei es im Rettungshandeln des barmherzigen Samariters für den unter die Räuber Gefallenen, sei es im Suchen und Finden des verlorenen oder verirrten Schafes. Im rettenden, helfenden Handeln des Menschen wird Gott erfahren und sein Reich erlebt.

Daran erinnert uns Hölderlin mit seinen Zeilen. Wir dürfen fest darauf vertrauen, dass wir in Gefahr nicht überwältigt werden und unterliegen. Gott ist nah, das Rettende wächst!

Dies lässt uns Menschen anders mit Gefahren umgehen. Wir müssen uns ihnen zwar immer noch stellen. Wir können ihnen nicht ausweichen. Wir können uns auch keinen hundertprozentigen Rundumschutz verschaffen. Aber wir dürfen auf Gott vertrauen und gewiss sein, dass das Rettende wächst. In der Gefahr werden wir so auch die positive Kehrseite erfahren: Solidarität und Hilfsbereitschaft.

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Matthias Elsermann ist seit 1. August der Schulreferent der Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein.


10. Oktober 2021

Geborgenheit als Gottes Geschenk
von Pfarrer Dr. Andreas Kroh, Wolzhausen

„Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag“, so heißt es Lied mit der Nummer 65 im Evangelischen Gesangbuch. Die Frage nach Geborgenheit ist eine, die sich vermutlich in unserer Zeit wieder verstärkt stellt. Diese göttliche Geborgenheit ist wie ein Geschenk. Es ist ein Wirken, das zugleich ein Behüten darstellt. Aber was ist das eigentlich wirklich, Geborgenheit? Wenn Gott handelt, dann handelt er im Blick auf die Förderung des Guten und des Positiven. Zugleich führt der Weg zur Erkenntnis Gottes über die Stille. In der Tradition der christlichen Religion ist der Gottesdienst ein Ort von Stille, von Spiritualität und Gebet. Stille und Gebet führen Menschen nicht in Isolation oder vielleicht sogar in die Einsamkeit. Im Gegenteil, Stille und Gebet führen zu einer Form der Entschleunigung, auch wenn das in früheren Zeiten mit diesem Begriff noch nicht so bezeichnet worden ist. Stille vor Gott weist daher im Grunde auf ein barmherziges Wirken in der Welt von heute hin. Gott selbst will diese Barmherzigkeit sein. Er will diese Geborgenheit als Geschenk geben. Nicht selten werde ich in meinem Arbeitsbereich, der Klinikseelsorge, mit dem Wunsch nach innerem Frieden konfrontiert. Er zeigt für mich, dass in unserer Zeit materielle Dinge, finanzielle Absicherung oder das Erreichen von Wohlstand diesen inneren Frieden nicht geben können.

Der Text ist 1944 in einem Gefängnis entstanden. Die Worte strahlen zuversichtlich in eine offene Zukunft. Der Entstehungszeitraum des Textes von Dietrich Bonhoeffer gibt eine Hilfestellung zum Verständnis des gesamten Gedichtes „Von guten Mächten treu und still umgeben“. Der Beginn stellte eine Art Rückblick dar auf das Vergangene. Die Tatsache, dass er sich in Gefangenschaft des NS-Regimes befindet, tritt an dieser Stelle in besonderem Maß hervor. Qual, böse Tage und schwere Lasten - das sind zentralen Ausdrücke und gewichtige Worte. Der Dichter dieser Zeilen reflektiert im Rückblick auf das Vergangene sein Leben, seine Situation und seinen Glauben. Sein Glaube weist auf einen zentralen Angelpunkt hin. Dieser Angelpunkt ist das Heil, das Gott durch Jesus Christus für alle Menschen geschaffen hat. Die Gefangenschaft von Dietrich Bonhoeffer offenbart die Unmenschlichkeit der Diktatur. Sie offenbart zugleich auch die Bedeutung des christlichen Glaubens als ethisch-moralische Richtschnur. Auch wenn es Rückschläge gibt, auch wenn es immer wieder Niederlagen im Leben gibt, so gibt es da doch auch immer wieder diese wertvolle und gute Perspektive des Glaubens. Die Welt und diese Leben aus der wertvollen und guten Perspektive des Glaubens an die Barmherzigkeit Gottes zu sehen, das gehört zum Vermächtnis von Dietrich Bonhoeffer für heute und morgen.

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3. Oktober 2021

Beschenken wir uns selbst
von Pfarrer Peter Liedtke, Girkhausen

„Danke schön“ sagen - als Kind wurde mir das immer wieder aufgegeben. Egal, ob ich mich über die Tafel Schokolade der Nachbarin oder über die Glückwunschkarte meiner Tante freute oder ob nicht, „Danke“ hatte ich zu sagen. An diesem Wochenende sagen Menschen in vielen Kirchengemeinden ein Danke an Gott. Doch wofür danken wir eigentlich? Es gibt doch so viel Leid, im persönlichen Bereich wie in der Welt um uns herum. Ich kann schon verstehen, dass es Menschen gibt, die Gott nicht danken wollen. Und doch möchte ich Sie ermutigen zu danken - nicht wie vor ein paar Wochen den Menschen, die sich selbstlos für andere einsetzen, sondern diesmal Gott zu danken.

Eine meiner ehemaligen Konfirmandinnen starb kurz nach ihrer Konfirmation. Sie wusste - wie auch ihre Eltern -, dass sie nicht alt werden würde. Von Geburt an war die bösartige Erkrankung bekannt. Bei der Trauerfeier standen aber nicht Bitterkeit und Enttäuschung im Raum, sondern Liebe, Freude, Dankbarkeit. Keine Dankbarkeit, weil sie sterben musste, sondern Dankbarkeit, weil sie 14 Jahre in ihrer Familie leben durfte. Sie hatte gute Freundinnen, sie hat das Leben genossen, hatte trotz ihrer körperlichen Einschränkungen noch viel Freude auf dem Kirchentag gehabt, den sie mit den anderen ihres Jahrgangs kurz vor der Konfirmation besuchte. Ja, wir haben geweint bei ihrer Trauerfeier, aber auch gelacht und Gott gedankt.

Möglich war es, weil wir uns alle mit unserem Leben in Gottes Hand wussten. Egal, wie unser Leben verläuft, ob es kurz ist oder lang, leicht oder schwer, am Ende wird Gott unser Leben vollenden. Von dieser Gewissheit her relativiert sich alles Leid. Und wir können trotz Kummer und Trauer, trotz bitterer Enttäuschungen und unerreichbarer Wünsche auch das andere sehen, die schönen Augenblicke, die Momente tiefer Geborgenheit, die Erfüllung in der Liebe, die mir geschenkt wird.

Auf diese Dinge Rückschau zu halten, möchte ich Sie einladen. Ich lade Sie nicht dazu ein, damit Sie Gott einen Gefallen tun. Sondern wir beschenken uns selbst, wenn wir uns bewusst machen, welche wertvollen Dinge uns in den letzten Monaten widerfahren sind. Es gibt Menschen, die haben ein schön gestaltetes Gefäß auf ihrem Nachttisch. Abends schreiben sie auf einen oder mehrere Zettel, was schön war. Und nach zwölf Monaten nehmen sie sich all diese Zettel vor, lesen sie, erinnern sich und erleben, wie es ihnen warm ums Herz wird. Dankbare Erinnerung kann mein Leben verändern. Darum lassen sie uns innehalten und dankbar das Gute in unserem Leben sehen.

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26. September 2021

Suchet der Stadt Bestes
von Pfarrerin Simone Conrad, Wingeshausen

Heute ist Bundestagswahl. Unüberhörbar, unübersehbar: Trielle, Plakate, Online-Formate, die um Wählerstimmen werben. Und doch - trotz aller Information, trotz Wahlkampf und Parteiprogrammen - habe ich in den letzten Wochen in unterschiedlichsten Zusammenhängen und von verschiedensten Menschen den Satz gehört: „Ich weiß echt nicht, wen ich wählen soll.“ Und dann im Nachsatz: „Vielleicht wähle ich dieses Jahr einfach gar nicht. Dann muss ich mir nicht den Kopf zerbrechen und mache nichts falsch.“  „Doch!“, habe ich in einer solchen Situation gesagt. „Doch, genau das wäre falsch: Nicht zu wählen, sein Wahlrecht nicht wahr zu nehmen!“ Bei allem Suchen, bei aller Unsicherheit: Ich habe hier eine Verantwortung - und die will ich wahrnehmen.

Was das mit meinem christlichen Glauben zu tun hat? Nun: „Suchet der Stadt Bestes“ heißt es in der Bibel. Macht euch Gedanken und tragt dafür Sorge, dass Leben in Würde und Respekt gedeihen kann. „Suchet der Stadt Bestes“ - nehmt eure Verantwortung wahr für das euch anvertraute, kostbare Leben - und für das Leben eurer Mitmenschen, Nächste und Fernste. Nehmt Verantwortung wahr für die Schöpfung, die Gott uns anvertraut hat.

Wählen zu gehen - das bedeutet, nach bestem Wissen und Gewissen dieser Verantwortung eine Stimme zu geben. Auch wenn es nur eine Stimme unter vielen ist, auch, wenn ich mit dieser Stimme vielleicht nicht die Welt verändere. Aber: „Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn, denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s euch auch wohl.“ (Jeremia 29, 7) 

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19. September 2021

„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst“
von Pfarrer Oliver Lehnsdorf, Oberndorf

Jetzt im September finden in einigen Kirchengemeinden des Kirchenkreises Wittgenstein die Konfirmationen statt. Sie sollten eigentlich im Frühjahr sein, was aber wegen der Corona-Pandemie da nicht möglich war. Auch bei uns in Feudingen gibt es im September mehrere Konfirmationen. Einer der Konfirmationssprüche, der dabei gerne gewählt wird, findet sich im 43. Kapitel des Jesaja-Buchs im Vers 1b. Dort heißt es: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ Mich spricht dieser Bibelvers sehr an. Denn in ihm finden sich wichtige Aussagen über unseren Glauben, die ich nun auch ein wenig näher beleuchten möchte.

Die Grundaussage ist, dass wir keine Angst zu haben brauchen. Damit will uns der Prophet Jesaja darauf hinweisen, dass unser Leben als Ganzes von Gottes Begleitung umfangen ist. Nichts kann uns von Gottes Liebe zu uns trennen. Er ist immer an unserer Seite, und das nicht nur in den guten Zeiten, sondern auch ganz besonders in den schlechten Zeiten. Jede und jeder Einzelne von uns ist ihm wichtig. Gott kennt jeden Namen von uns. Im biblischen Sinn ist das mehr als nur das Wissen um den Namen an sich. Es ist Gottes Vertraut-Sein mit unserem ganzen Wesen. Er kennt uns mit all unseren Ecken und Kanten. Und er liebt uns bedingungslos. Wir sind seine Kinder. Er ist unser Vater. Wir gehören zu ihm.

Dieses Wissen schenkt einem Orientierung, Halt und Kraft. Denn dadurch weiß man, dass man nie allein ist. Vielmehr ist das Leben von einem als Ganzes in Gottes Händen. Jede und jeder von uns ist von Gottes Liebe umfangen. Und dies ist meiner Ansicht nach auch das Besondere der Liebe Gottes. Es geht primär darum, dass ich weiß, dass Gott mich bedingungslos liebt. Liebe ist zunächst ein Geschenk, das Gott mir gibt. Aus diesem Wissen heraus, kann ich diese Liebe auch an andere weiterverschenken. Ich kann dabei dann das Doppelgebot der Liebe verwirklichen, indem ich Gottes Liebe aufnehme und sie an Gott, an mich selbst und an andere weitergebe. Das tut mir und anderen gut. Dabei gilt es stets abzuwägen, was, wann und in welcher Weise dran ist. Möge Gott uns dabei immer wieder neu segnen.

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12. September 2021

Abschotten ist nicht mehr
von Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück

Donnerstagvormittag. Ich bin mit dem Angedacht dran. Es ist für das 11.-September-Wochenende. Da muss man ja eigentlich auch über den 11. September schreiben. Gerade in diesem Jahr. 20 Jahre ist es her, dass die Welt sich mit einem Schlag veränderte. Mit vier koordinierten Flugzeugentführungen und damit verbundenen Selbstmordattentaten auf symbolkräftige zivile und militärische Gebäude der USA wurden knapp 3000 Menschen in den Tod gestürzt und mehr als 6000 Menschen verletzt. Der Terrorismus hatte damit eine Dimension erreicht, die bisher so nicht vorstellbar war. Menschen hatten sich perfektioniert im Töten von Menschen.

Das war für mich damals die erschütterndste Erkenntnis. Immer wieder hatte ich mich naiv abschotten wollen von Schreckensnachrichten, die man über Krieg, Terror und Menschenverachtung in der Welt zu hören bekam. Aber den Ereignissen vom 11. September konnte man sich nicht mehr entziehen. Der Alltag wurde ein anderer, Bundeswehreinsätze in Afghanistan und am Horn von Afrika gehörten auch dazu. Menschen waren im Einsatz, um das Töten von Menschen zu verhindern.

Die Welt ist in einem besorgniserregenden Zustand, wenn Menschenwürde, Menschlichkeit und Gleichberechtigung mit Waffen und Gewalt bewahrt oder verteidigt werden müssen. Frauen verlassen ihr Land, weil sie nur noch unter lebensbedrohlichen Bedingungen Sport treiben können. Sprachlos machen mich die Berichte über die afghanischen Fußball-Nationalspielerinnen, die aus Angst nach Australien flohen. Unfassbar, dass es immer noch nicht möglich ist, dass Menschen gleichermaßen frei sein können. An viel zu vielen Stellen in der Welt ist das noch so.

Und, was kann ich daran ändern? In meiner kleinen, heilen Welt hier in Wittgenstein. Naiv abschotten ist nicht mehr. Das kann ich mir als verantwortlicher Mensch gar nicht leisten. Als Frau auch nicht. Menschenwürde, Menschlichkeit und Gleichberechtigung sind nämlich auch hier vor Ort Thema und immer auch schützenswert. Manchmal muss man sie auch neu erklären und dann durchboxen. Und mal ganz davon abgesehen haben wir Erwachsenen eine Vorbildfunktion. Das mag sich jetzt abgedroschen anhören. Ist aber so. Wir sollen vor den Augen der Kinder nicht bei Rot über die Ampel gehen und wir müssen menschenverachtendes Verhalten, Denken oder Säbelrasseln aufdecken und im Keim ersticken.

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5. September 2021

„Fürchte dich nicht, ich helfe dir!“
von Jugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen

Wissen Sie, wer der größte Reifen- und Fahrzeughersteller der Welt ist? Wenn Sie jetzt an VW, Dunlop oder ähnliche Firmen denken, stimmt das nicht. Denn die meisten Fahrzeuge und Reifen produziert und verkauft Lego. Der Spielzeughersteller mit den markanten Plastiksteinen begeistert Groß und Klein mit unterschiedlichen Themenwelten. Und zugegeben, auch ich baue immer noch sehr gerne Legobausätze, ganz im Sinne der Wortbedeutung: leg godt, auf Deutsch: spiel gut.

Aber auch ein Blick in die Geschichte des Unternehmens und die Biographie des Gründers ist sehr interessant. Als zehntes Kind einer eher ärmeren dänischen Familie wird Ole Kirk Christiansen 1891 geboren und übernimmt 1916 eine kleine Maschinenschreinerei, in der er Möbel baut. 1924 brennt diese allerdings ab. Doch das ist nicht der einzige Schicksalsschlag den Christiansen erleidet. Nach der Geburt des vierten Kindes stirbt seine Frau. Auch die Wirtschaftskrise setzt dem Unternehmen und der Familie sehr zu. Eher aus der Not heraus stellt Christansen mit seinem Sohn Kinderspielzeug aus Holz her: Bauklötze, Puppenhausmöbel, Jojos, Ziehenten. Damit wurde und blieb die Spielzeugherstellung das Kerngeschäft. So war Christiansen der erste Unternehmer in Dänemark, der in den 1940er Jahren eine Kunststoff-Spritzgussmaschine kaufte, um damit Plastikbausteine zu produzieren. Zum richtigen Durchbruch verhalf dann sein Sohn Godfred, der die bunten Steine und Platten zu kompletten Sets zusammenstellte.

Ich finde Biographien sehr interessant und spannend zu lesen oder zu hören, was Menschen erleben. Besonders eindrücklich ist für mich, wie Menschen mit Krisen und Schicksalsschlägen umgehen und vor allem, was ihnen hilft, Schwierigkeiten zu überwinden. So auch bei Ole Kirk Christiansen: Als Christ betonte er immer, dass Gott ihm Halt und Kraft gibt. Sein Vertrauen auf Gott gab ihm Hoffnung und Mut, neue Schritte zu wagen.

So kann man noch heute auf der Homepage des Lego-Unternehmens nachlesen, dass Christiansens Glaube in Verbindung mit seiner Entschlossenheit, harter Arbeit, Mut und Optimismus ihm geholfen haben, persönliche und ökonomische Krisen zu überstehen.

Auch in unserer eigenen Biographie gibt es schwere Zeit. Die Frage ist, was hilft uns, nicht in hoffnungsloses Gejammer oder Resignation zu verfallen. Wie gehen wir mit Krisen um? Was gibt uns Kraft? Was hilft uns, neue Wege zu gehen? Gott lädt uns ein, genau diese Wege mit ihm zu gehen: „Denn ich bin der HERR, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir!“ (Jesaja 41, 13)

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Archiv


29. August 2021

Die himmlische Staatsbürgerschaft
von Pfarrerin Claudia Latzel-Binder, Bad Berleburg

Manche Dinge verstehe ich nicht. Oder besser gesagt, ich will sie nicht verstehen oder akzeptieren. So zum Beispiel die Regelungen mit den Staatsangehörigkeiten und den Evakuierungen aktuell in Kabul. Westliche Staaten versuchen ja gerade, in erster Linie die Menschen auszufliegen, die den jeweils entsprechenden Pass besitzen. Eine Staatsbürgerschaft bekommt man in der Regel durch die Geburt. So ist sie unabhängig von der eigenen Leistung für die Gesellschaft, unabhängig davon, ob man das eigene Land wertschätzt oder verachtet und unabhängig davon, wie sehr man sich für die Werte und Grundsätze dieses Staates engagiert.

Nun gibt es in Afghanistan die sogenannten Ortskräfte sowie Menschen, die sich dort für eine freie und demokratische Gesellschaft eingesetzt haben. Menschen, die das System der westlichen Staaten wertgeschätzt und unterstützt haben und auf deren Politik vertraut haben. Gerade deren Leben wird aber nun vermutlich nicht mehr über die Luftbrücke gerettet werden können, wenn die internationalen Streitkräfte sich in der kommenden Woche ganz zurückziehen und auch den Flughafen als letzten Zufluchtsort den Taliban überlassen. Und gerade ihre Entscheidung kann jene Menschen jetzt das Leben kosten. Ihnen stehen nicht die gleichen Rechte zu, wie all denen, die einfach den jeweils passenden und damit besseren Pass haben. Die einen haben Glück, die anderen Pech. Und das weigere ich mich zu verstehen oder zu akzeptieren.

Das hängt mit meiner zweiten Staatszugehörigkeit zusammen, die ich habe. Neben meinem deutschen Pass habe ich in der Taufe schon als Säugling die himmlische Staatsbürgerschaft von Gott ohne allen Verdienst, ohne jede Leistung geschenkt bekommen. Ich brauchte sie einfach nur anzunehmen. Epheser 2, 19 beschreibt das so: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ Und ich habe mich in meinem Leben entschieden, die Werte dieses Reiches zu schätzen, sie in die Gesellschaft einzubringen und mich für sie zu engagieren.

Als Gottes Staatsbürgerin ist mir wie allen, die sich dafür entscheiden, für meinen Tod die himmlische Luftrettung zugesagt. Egal wo und unter welchen Bedingungen ich da gerade bin. Bis dahin aber will ich mich für Gottes Reich und seine Werte hier auf Erden einsetzen. Zu diesen Werten gehört die Verantwortung für die Freiheit und die Würde jedes einzelnen Menschen, für Frieden und für eine gerechte, soziale Gesellschaft. Jedes Menschenleben gehört geschützt und gerettet. Jedes! Egal, ob in Deutschland, in Kabul oder auf dem Mittelmeer.

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22. August 2021

Die Sprengkraft der Bibel
von Pfarrerin Claudia de Wilde, Hemschlar

„Alle Bahnsteige sind wieder frei“, meldeten die Nachrichtendienste am frühen Abend des 3. August 2021 vom Bielefelder Hauptbahnhof. Der Fund eines herrenlosen Metallkoffers hatte am Nachmittag zur Sperrung von mehreren Gleisen über fast zwei Stunden geführt und damit ein ordentliches Durcheinander ausgelöst. Es bestand die Sorge, dass sich in ihm eine Bombe verbergen könnte. Die herbeigerufenen Sprengstoffexperten aus Hannover sahen zunächst mit einem mobilen Röntgengerät nach, was sich wohl in dem Koffer befand, um ihn dann vorsichtig zu öffnen. Keine Bombe, sondern eine Geldbörse - und eine Bibel!

Der Bielefelder Pfarrer Bertold Becker kommentiert: „Als ich diese Nachricht las, war ich kurz irritiert: ‚Sprengstoffexperten werden zu einem Koffer mit Bibel gerufen‘. Das hätte auch eine Kunstaktion sein können: Eine Bibel in einem Koffer, keine Attrappe, nicht ausgeschnitten für Drogen in ihrem Inneren, sondern das Original: Ein Text aus hebräischen und griechischen Buchstaben. Sprengstoffexperten rücken an, um zu untersuchen, zu übersetzen und festzustellen: Nicht zu entschärfen. Für immer aktiv. Eine aktuelle Gefahr besteht nicht, aber eine Explosion kann hier und da trotzdem nicht ausgeschlossen werden: Energien, die Glaube und Hoffnung und Liebe freisetzen. Sprengstoff durch die Botschaft - entziffert als Aufruf zu radikalen Veränderungen: eine Überwindung der Gewalt, eine Verschrottung aller Waffen, das Ende eines Denkens in Feindschaften, keine Herrschaft, keine Knechtschaft, Fehlerfreundlichkeit, Vergebung statt Aufrechnerei. ‚Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus‘ (Gal, 3,28) ist zu lesen. Energie für eine Zusammengehörigkeit, die alle Grenzen sprengt. Ein Sprengstoffeinsatz für einen Koffer, in dem sich die Bibel befindet. Geschichten, die das Leben schreibt.“

Nach dem Schmunzeln folgt der Blick darauf, dass wir als Menschen zusammengehören und einander beistehen können, hier bei uns, aber auch über Ländergrenzen und Sprachbarrieren hinweg. Die spontane riesige Hilfe für die Flutopfer, die hoffentlich noch lange anhält, hat gezeigt, wozu wir in der Lage sind, wenn wir uns berühren lassen von der Not der anderen. Jetzt ist es an der Zeit, die aus Afghanistan geflüchteten Ortskräfte und die dort beheimateten Mitarbeiter von humanitären Organisationen mit ihren Familien hier willkommen zu heißen und ihnen einen neuen Anfang bei uns zu ermöglichen. Sie haben vieles hinter sich gelassen und sind in Sorge um ihre Familien und Freunde. Lassen wir sie etwas spüren von der Energie der Zusammengehörigkeit, die alle Grenzen sprengt!   

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15. August 2021

Vergiss nicht zu danken
von Pfarrer Peter Liedtke, Girkhausen

„Räumst Du bitte nachher die Spülmaschine aus?“;  „Kannst Du bitte mal eben mit dem Rad zum Supermarkt fahren und mir Margarine holen?“;  „Mähst Du bitte den Rasen?“ - diese in eine Frage gekleideten Bitten kennen alle Kinder. Und alle Eltern, die so fragen, kennen die mögliche Erwiderung ihrer Kinder: „Was bekomme ich dafür?“ Diese Haltung, dass jede Arbeit, jeder Dienst einen Preis hat, ist in unserer Gesellschaft inzwischen tief verwurzelt. Freiwillige Feuerwehr, THW oder DRK, aber auch Diakonie, Jugendtreff oder Kirchengemeinde bekommen dies vielerorts bei der Suche nach Freiwilligen zu spüren. „Ehrenamtlich sich einsetzen? So blöd bin ich nicht!“ Zum Glück denken nicht alle so. Bei dem Aufräumarbeiten an der Ahr und der Erft und anderen Flüssen bringen Menschen sich ein und packen an - bis an die Grenzen des Machbaren - oder gar darüber hinaus. Diese Bereitschaft, zu helfen, tut allen gut: denen, die von der Flut betroffen sind, wie auch denen, die die Chance erhalten, zu helfen. Und niemand fragt: „Was bekomme ich dafür.“ Es ist angesichts dieser Katastrophe eine Herzensangelegenheit.

Bei alltäglichen ehrenamtlichen Aufgaben schwindet aber die Bereitschaft zum Mittun. „Wenn ich mich einbringe, soll sich das lohnen.“ Gott macht es mit uns anders. Die Bibel ist voll davon, dass Gottes Handeln von den Menschen nicht wertgeschätzt wird. Sie nehmen seinen Beistand und Schöpfungshandeln entweder als selbstverständlich hin oder sie treten mit Füßen, was er für sie, für uns getan hat. Und trotzdem gibt er nicht auf. Trotz all der Enttäuschungen, die wir Menschen ihm bereiten, geht er uns weiter nach. Er ringt um uns, setzt sich für uns ein, setzt selbst seinen Sohn der Gemeinheit dieser Welt aus.  Und wir werden es ihm nie lohnen können. Nur eins können wir: ihm danken und ihn dafür lieben. Warum fällt uns das so schwer?

Und warum fällt es uns so schwer, aus der Dankbarkeit und Liebe heraus für all das, was uns geschenkt wird, auch selber uns einzubringen ohne nach dem Gewinn für mich zu fragen? Vielleicht, weil wir die Dankbarkeit und Liebe derer nicht spüren, für die wir uns einsetzen?

Es ist immer an der Zeit, denen Danke zu sagen und die wertzuschätzen, die sich mehr einsetzen als sie müssten: in der Pandemie, bei der Not nach dem Hochwasser, beim Mittun in Feuerwehr, DRK und THW und all den anderen Ehrenämtern; aber auch denen, die in ihrem Job mehr leisten als sie bezahlt bekommen: die trotz aller Überforderung freundlich bleiben und zuhören und nicht um Punkt den Hammer fallen lassen. DANKE!

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8. August 2021

„Einer trage des Anderen Last“
von Pfarrerin Christine Liedtke, Girkhausen

Im Urlaub lief sie mir über den Weg: diese hübsche kleine Schnecke, die ihr Haus mit dabei hatte. Und ich hatte Zeit, ihr zuzuschauen und ins Nachsinnen zu kommen. Wie praktisch ist es, immer den eigenen kleinen Rückzugsort dabei zu haben; sich schnell klein zu machen, hineinzukriechen in das Schneckenhaus, der Welt da draußen nur die harte Schale zu präsentieren! Wir hatten dort in Mecklenburg ja auch unser Haus dabei: den kleinen Wohnwagenanhänger, der anders als ein Zelt viele Bequemlichkeiten bietet. Dort können wir gut auf Matratzen schlafen, auf kleiner Flamme kochen, haben einen Mini-Kühlschrank und sogar eine Toilette dabei. Wir haben Kartenspiele mit und viel Lesestoff. Es ist gerade in diesen Zeiten gut, einen eigenen kleinen Rückzugsort immer dabei zu haben.

Ein Dach über dem Kopf zu haben, das ist eines der Grundbedürfnisse des Menschen. Wir brauchen es, geschützt zu sein vor Unwettern, vor neugierigen Blicken, vor Kälte und Wind. Dort hinein lasse ich nur Menschen, die mir willkommen sind. Und das unterscheidet mein Haus von dem Schneckenhaus: Es bietet Platz für Andere! Ich kann meine Tür öffnen und Andere hineinbitten. Ich kann eine Zeitlang mein Haus mit ihnen teilen.

Und anders als die Schnecke kann ich auch ein neues Zuhause suchen: ein größeres oder kleineres, ein Heim in der Stadt oder auf dem Land, bei Verwandten - oder in einem Haus, wo für mich gesorgt wird. Wo bleibt die Schnecke, wenn sie nicht mehr allein zurecht kommt?

Wir Menschen bleiben nicht auf der Strecke. Jedenfalls dann nicht, wenn wir mindestens einen Menschen haben, der sich um uns sorgt, der sich Gedanken um uns macht, der Hilfe anbietet; ein Mensch, dem wir nicht egal sind. Ein Mensch, der zu uns nach Hause kommt. - Gebe Gott, dass Sie einen solchen Menschen haben!

Und vielleicht dürfen Sie selbst für einen Anderen ein solcher Mensch sein: einer, der mit Freude ins Haus gebeten wird, einer, der um Rat gefragt wird, einer, der helfen darf: einer, der den weichen Kern eines anderen sehen darf, seine Verletzlichkeit, sein Angewiesensein.  

Einer trage des Anderen Last“, ermutigt uns die Bibel (Galater 6,2). Was für ein Segen, dass wir einander helfen können, unterstützen dürfen, füreinander sorgen können, miteinander tragen können!

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1. August 2021

Mir ist viel geschenkt - deswegen kann ich teilen
von Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück

Letzten Mittwoch im Gemeindebüro. Mein Kollege und ich trafen uns kurz und er sagte zu mir: „Ah, Kerstin, gestern hab‘ ich an dich gedacht, als ich das Reiten aus Tokio im Fernsehen geschaut hab‘.“ Nun gut, es liegen wohl noch Welten zwischen der Dressur-Equipe und dem, was ich auf einem Pferderücken zustande bringe, aber ich hab‘ mich über diesen Gedankengruß gefreut und bin darüber ins Träumen geraten. Einmal auf dem Treppchen stehen, das wär‘ doch was. Es müsste gar keine Goldmedaille sein. Bronze würde ja schon reichen. Hart gekämpft und dann belohnt. Wenn ich jetzt mal runter vom Pferd und weg von Olympia gehe - wie sieht es denn mit dem Ehrgeiz im ganz normalen Alltag aus? Ein gewisser Antrieb ist ganz nützlich und bringt voran. Aber die Kunst ist es, im Leben bei einem gesunden Ehrgeiz zu bleiben. Motivation und nicht Frustration. Und da sind da auch noch die Träume, denen ich nachjage. Manche total utopisch, manche aber realistisch, auch wenn ein paar davon durchaus mit einem schmerzvollen Weg verbunden sind.

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern“, so steht es im Lukas-Evangelium (Lk 12, 48b) Ehrgeiz ist also biblisch? Jesus will, dass ich mich anstrenge? Höher, schneller, weiter? Go for Gold? So ist es nicht gemeint. Jesus formuliert hier eher eine logische Konsequenz. Der, der viel besitzt, kann viel geben. Die, die vieles zur Verfügung hat, muss vieles verteilen. Ist ja wieder typisch. Da bleibt ja gar nichts für einen selbst übrig. Tja, manchmal lohnt es sich pingelig zu sein, wenn man biblische Verse zitiert. Und da bin ich besonders ehrgeizig! Die Aktivität geht nämlich gar nicht von dem aus, der viel hat. Ich lese es so: Da ist jemand, der hat viel. Nicht nur an Gütern, sondern auch an Begabungen. Dieser Mensch strahlt es nach außen hin aus, man merkt es ihm an, dass da was zu holen ist. Deswegen suchen viele bei ihm, deswegen wird sie von vielen herausgefordert. Nicht: Ich muss viel bringen und alles an die anderen abgeben, sondern: Mir ist viel geschenkt und deswegen kann ich es mit anderen teilen. Das gilt für Güter und vor allem für Begabungen.

Wir haben also alle das Zeug zum Gewinnen. Wenn wir unsere Güter zusammenlegen, dann gibt’s eine Goldmedaille für jeden. Denn das Gute dabei ist, jeder Mensch ist anders begabt und begütert und im Teilen und Miteinanderverbinden entsteht eine Fülle, die unheimlich satt machen kann. Im Leben. Im übertragenen Sinne und ganz konkret. Und darüber kann man ins Träumen geraten.

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24. Juli 2021

Bleibt verbunden mit den Leuten
von Young-Ambasssadors-Leiterin Melinda Sterrett, New Albany, Indiana

Die Young-Ambassador-Gruppe hat, wie der Rest der Welt, in den vergangenen 18 Monaten Enttäuschung und Verlust erfahren. Covid-Reisebeschränkungen haben verhindert, dass wir uns, wie geplant, persönlich treffen, aber nichts hat uns davon abgehalten, die Mission unserer Gruppe und unser aller Auftrag auszuleben: Gott zu lieben und Gottes Liebe mit anderen zu teilen.

Meine Botschaft heute ist der Aufruf an alle, die diese Worte hören/lesen, über Gottes Liebe für uns nachzudenken und dann Gottes Gebot für uns, einander zu lieben, zu befolgen. Seid Ihr unsicher, wie Ihr das machen könnt? Sucht bei den Jugendlichen des Young-Ambassador-Programms Inspiration, diesen Auftrag Gottes zu erfüllen!

Bleibt verbunden mit den Leuten, die Ihr liebt und die Euch etwas bedeuten… nutzt technische Möglichkeiten (wie Zoom) oder schickt einem Freund einen kurzen handgeschriebenen Brief der Ermutigung und der Dankbarkeit. Und was ist mit denen, die Ihr nicht kennt? Ihr könnt Euch für die Gesellschaft engagieren, Möglichkeiten dafür gibt es in Euren Gemeinden oder anderen Gruppen und Vereinen. Die Young Ambassadors widmen immer einige Stunden des Freiwilligendienstes der Verbesserung ihres Lebensumfeldes.

Und schlussendlich: Achtet auf Euer körperliches und seelisches Selbst. Genießt Zeit in der Natur; bestaunt die Schönheit, die Gott für uns erschaffen hat. Seht insbesondere Christi Antlitz in jeder Person, die an Euch vorbeigeht. Das ist manchmal schwer, deshalb: Trainiert es weiter. Nehmt Euch Zeit zum andächtigen Nachdenken im Gebet. Zeit zu nutzen, um Gottes Gegenwart zu suchen, ist die höchste Form der Selbstfürsorge. Die Heilige Schrift lehrt uns, dass Gott in uns verweilt, wenn wir Seine Liebe mit anderen teilen. Wie wir das wissen? Schaut einfach die Jugendlichen an!

Die Jugendlichen aus Wittgenstein haben ihre Liebe mit der ganzen Welt geteilt. Weshalb? Weil Ihr ihnen beigebracht habt, wie das geht. Ihre Familien und ihre Gemeinden, waren dabei - natürlich - gute Lehrerinnen. Und auch wenn Ihr nur mal für die Young Ambassadors gebetet haben oder selbst wenn Ihr noch nie von dem Programm gehört haben, so seid Ihr doch selbst Teil dieses Wunders, einfach durch Eure Liebe für Gott. Wenn wir einander lieben, dann findet Gottes Liebe ihren größtmöglichen Ausdruck in uns. Mach weiter, Wittgenstein, mit Deiner guten Arbeit, und all Deine Anstrengungen seien gesegnet. Eure Jugendlichen leben hier in Christi Wirklichkeit, teilen Seinen Frieden und Seine Hoffnung, und erwecken Seine Liebe zum Leben, überall in dieser Welt, die er selbst so sehr liebte, dass er für sie gestorben ist.

Möge Gott Euch in Seiner Hand halten. Amen.

Und hier im englischen Original:
The Young Ambassador group, like the rest of the world, has experienced disappointment and loss these last 18 months. Covid travel restrictions have prevented us from being together in person as planned, but nothing has prevented us from living out our group’s mission and common purpose of loving God and sharing God’s love with others.

My message today is a call for every one hearing/reading these words to reflect on God’s love for us, then follow God’s command for us to love one another. Are you uncertain how to do this? Look to the youth of the Young Ambassadors’ program for inspiration of how to accomplish this call from God!

Stay connected to the people you love and care about… using technology (like Zoom) or with a simple hand-written note of encouragement or gratitude for a friend. And what about those whom you do not know? You can be in service to your wider community through opportunities in your parish or other civic groups. Young Ambassadors dedicate several hours of volunteer service for the betterment of their individual communities.

And finally, take care of your physical and spiritual selves. Enjoy time in nature; marvel in the beauty God has created for us. Notice, especially, the face of Christ in each person who passes by. Sometimes this is difficult, keep practicing. Set aside time for prayerful meditation. Time spent seeking God’s presence is the highest form of self-care. The scriptures teach us that God dwells in us when we share His love with others. How do we know this to be true? Just look to the youth!

The youth of Wittgenstein have been sharing God’s love all over the world. How? Because you cared enough to teach them how to do it! Their families and their parishes, of course, have been good teachers. But even if you have only offered a simple prayer or have never heard of the program at all - you are participating in the miracle simply by loving God. When we love one another, God’s love is brought to full expression in us. Keep up the good work, Wittgenstein, and may your efforts be blessed. Your youth are out here living in Christ’s truth, sharing His peace and hope with others, and embodying His love, throughout this world He loved enough to die for.

May God hold you in the palm of His hand, Amen.

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18. Juli 2021

Jesus sitzt in unserem Begleitfahrzeug
von Pfarrer Steffen Post, Bad Laasphe

Heute geht die 108.Tour de France nach 3414 km auf dem Champs-Élysées zu Ende. Auch wenn das traditionelle Radrennen in diesem Jahr im Schatten der Fußball-EM stand und durch verschiedene Dopingskandale in früheren Jahren an Ansehen eingebüßt hat, schaue ich mir gerne einzelne Etappen im Fernsehen an. „Ich habe gelernt, was es bedeutet, die Tour de France zu fahren. Sie ist mehr als ein Radrennen. Sie ist ein Abbild des Lebens", diese Aussage von dem ehemaligen Tour-Sieger Lance Armstrong hat mir noch einmal einen anderen Blick für dieses Radrennen eröffnet.

Wenn ich mir vor diesem Hintergrund die Grafiken zu den Streckenprofilen der Etappen anschaue, denke ich: Die Flach-Etappen sind dann die Abschnitte, in denen das Leben seinen gewohnten Gang geht und ohne große Besonderheiten dahineilt. Die Zeitfahren, bei denen die Uhr den Takt vorgibt, stehen für arbeitsreiche Phasen, in denen ein Termin den anderen jagt und ich allzu oft vergesse, dass meine Zeit doch in Gottes Händen steht. Und dann die Berg-Etappen: Die quälenden Anstiege, die kräftezehrenden Herausforderungen als Symbol für Lebensabschnitte, in denen etwas wie ein Berg vor einem liegt und wir gar nicht wissen, wie wir da drüber kommen sollen: Rückschläge in der Schule oder im Beruf, eine schwere Krankheit, ein Todesfall in der Familie. „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?“ (Psalm 121, 1), so wird schon in der Bibel gefragt.

Da ist es hilfreich, wenn man neben einer guten Mannschaft auch einen erfahrenen sportlichen Leiter an seiner Seite hat: Auf den ersten Blick hat es den Anschein, als ob diese einen leichten Job haben, sind sie doch mit dem Auto unterwegs. Dabei sind sie für die Taktik im Rennen und die Verpflegung sowie die Begleitung der Fahrer zuständig. Über Funkgeräte sind sie mit jedem einzelnen ihrer Sportler verbunden und können anhand von Messgeräten den aktuellen Leistungsstand von jedem Fahrer erkennen. Häufig sitzen in den Teamfahrzeugen ehemalige Radsportler, die genau wissen, was ihre Fahrer empfinden und durchmachen.

Mir ist das zu einem weiteren Bild für unsere „Tour des Lebens“ geworden: In unserem Begleitfahrzeug sitzt kein geringerer als Jesus Christus. Durch die Taufe beruft er uns in sein Team. Das Brot und der Saft der Trauben beim Abendmahl sind die Powerriegel, die er uns reicht. Über das Gebet haben wir Funkkontakt mit ihm. Mit Worten der Bibel motiviert und stärkt er uns und hält uns so auf Kurs. Jesus weiß, was auf den Straßen des Lebens vor sich geht und er verheißt uns seine Begleitung: „Und siehe, ich bin bei euch, alle Tage, bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28, 20) Mit diesem Begleitfahrzeug an unserer Seite können wir die anstehenden Etappen unserer persönlichen „Tour des Lebens“ getrost und zuversichtlich unter unsere Räder nehmen.                    

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11. Juli 2021

Was haben Sie dabei?
von Pfarrerin Christine Liedtke, Girkhausen

Wie sehr bewundere ich Menschen, die mit nur wenig Gepäck in den Urlaub starten! Ich hingegen überlege lange: Was nehme ich mit und was kann zu Hause bleiben? Was brauche ich unbedingt, was höchstwahrscheinlich, was benötige ich für Unvorhergesehenes? Ganz schnell erweist sich die große Reisetasche als zu klein. Dann heißt es aussortieren. Mitgegebene Weisheiten helfen: Kleidung mitnehmen, die sich schichtweise an- und ausziehen lässt: der Zwiebel-Look. Bequeme Schuhe für weite Wege mitnehmen. Für Regen vorsorgen. Hygieneartikel nicht vergessen. Ein Kartenspiel mitnehmen und ein Buch.

Im Urlaub selbst kommen mir diesmal Gepäck-Gedanken: was wäre, wenn ich mein Leben als Reise betrachte? Und: Ich dürfte Handgepäck mitnehmen, aber nur ganz kleines, weil ich es die ganze Zeit dabeihaben würde! Was möchte ich unbedingt bei mir haben wollen?

Ich möchte Zuversicht im Gepäck haben und ein bisschen Neugier. Ein Päckchen Humor wäre gut - und ganz viel Gelassenheit. Ich werde immer wieder Kraft brauchen und langen Atem. Das Jammern und Klagen will ich nicht dabeihaben. Auch nicht die Schwarzseherei. Neidisches Vergleichen und böse Nachrede sind wie Wackersteine - die will ich nicht schleppen müssen. Ich brauche einen Rucksack: Das kann vielleicht die Geduld sein, die mich die Lasten des Lebens tragen lässt. Und gutes Schuhwerk: mein Glaube, der mich getrost meinen Weg gehen lässt. Als Kompass dient mir Gottes Wort. Habe ich alles was ich brauche?

Über mir wölbt sich der Segen Gottes, seine Liebe umgibt mich wie Wind und Licht. Unter mir der sichere Grund: die Zusage Gottes, dass er mich nie verlässt. Und - geb‘s Gott! - neben mir gute Wegbegleiter.

So lässt es sich reisen, ein Leben lang, mit leichtem Handgepäck! Was haben Sie dabei?

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4. Juli 2021

Eine Pause als Geschenk Gottes
von Pfarrer Jaime Jung, Erndtebrück

Endlich.... die Sommerferien! Viele von Ihnen freuen sich sicherlich auf den Ferienbeginn. Schülerinnen und Schüler zählten den Countdown bis sie frei haben. So vieles war in den vergangenen Wochen noch zu erledigen: Abschlussarbeiten und Prüfungen, Vertretungsregelungen für die Sommerzeit finden, Abschlussfeste - auch wenn nur in kleinem Rahmen. Das bedeutete viele Termine und oftmals auch Stress. Auch wer keine Kinder mehr in der Schule hat oder nicht an die Sommerferien gebunden ist, merkt, dass es in den sechs Wochen der Sommerferien in unseren Dörfern und Städten ruhiger zugeht, denn wir schalten einen Gang runter. Viele Menschen sind auf Reisen und erholen sich. Der eigene Garten kann aber auch zum kleinen Paradies werden. Das tut gut. Ein Gefühl von Freiheit stellt sich ein. Innehalten und neue Kraft finden.

In Psalm 31 heißt es: „Gott, Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Ein Gedanke, der uns aufatmen lässt. Wer schon einmal am Meer gestanden hat oder im Urlaub auf einen Berg geklettert ist, hat diese Weite körperlich richtig gespürt. Ein schöner Vers für die beginnende Sommerzeit. Frei zu haben, ist etwas Wunderbares. Wir bekommen den Kopf wieder frei und können mit neuem Schwung an unsere Aufgaben gehen. Gott schenkt uns solchen Freiraum.

Der Beter des 31. Psalms schreibt seinen Psalm aber nicht aus dem sonnigen Urlaub, sondern mitten aus Sorgen und Kummer. Und trotzdem weitet sich sein Blick und er erkennt, dass Gott ihm Weite und einen Freiraum schenkt. Diese Einsicht lässt ihn danken und neuen Mut schöpfen. Denn er vertraut darauf, dass Gott bei ihm ist und ihm helfen wird. Laut dankt er und betet: Meine Füße stehen auf Gottes weitem Raum und er eröffnet mir einen Weg zum Gehen.

Dieses Psalmwort gilt ebenfalls uns mitten im Sommer 2021. Gott stellt auch unsere Füße auf einen weiten Raum. Wir spüren sogar ein bisschen mehr Bewegungsfreiheit als vor einigen Wochen. Diese dürfen wir mit Vernunft genießen. Und sogar noch mehr: Als Christen und Christinnen sind wir überall freie Menschen. Wir werden zu nichts gezwungen, sondern all unser Tun und Lassen soll von der Liebe bestimmt werden: Die Liebe zu Gott, zu unseren Nächsten und zu uns selbst. Eine Pause zu machen, ist notwendig und zählt auch zur Selbstachtung, als ein Geschenk Gottes.

Vielleicht hilft uns die bevorstehende freie Zeit, diese Freiheit wahrzunehmen und Gottes Begleitung in unserem Leben zu erkennen. Zu merken, dass Gott in allen Höhen und Tiefen, in den schönen, hellen Momenten, aber eben auch in schwierigen Zeiten da war und da ist. Dann gewinnen wir weiten Raum, um Gott zu danken und mit dem Psalmbeter in sein Lob einzustimmen.

Ein Vorschlag? Entdecken Sie diesen weiten Raum, in dem Sie sich bewegen! Egal, wo und wie lange. Dabei können Sie Gottes Schöpfung bewusst wahrnehmen und dafür danken.

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27. Juni 2021

Alle Dinge sind möglich bei Gott
von Pfarrer Oliver Lehnsdorf, Oberndorf

Bei dieser Andacht möchte ich die Losung und Lehrtext von heute in den Mittelpunkt stellen. So finden sich in diesen zwei Bibelversen drei Aussagen über Gottes Wesen, die ich Einzelnen näher beleuchten möchte. Im ersten Teil der heutigen Losung heißt es: „Unser Herr ist groß und von großer Kraft...“ (Psalm 147,5a). Hierbei geht es um das Besondere von Gottes Wesen. Er ist nicht nur groß, sondern er lebt auch in alle Ewigkeit. Sein Wirken ist unvergleichbar. Es ist umfangen von seiner Liebe zu seiner Schöpfung und darin auch zu uns Menschen. Nicht umsonst heißt es auch deswegen im zweiten Teil des heutigen Losungsverses: „… und unermesslich ist seine Weisheit“ (Psalm 147,5b). Dieser ewige und unendliche Gott hat als Hauptcharakteristikum die Liebe. So wird es immer wieder in den biblischen Schriften bezeugt. Sie ist die gute Grundlage für sein Wirken. Dadurch ist auch alles gut, was Gott macht. Alles, was ist, existiert nicht aus Zufall, sondern weil Gott es so wollte. Es ist die Folge seines weisen Handelns.

Dadurch bedingt heißt es dann auch im heutigen Lehrtext: „Alle Dinge sind möglich bei Gott.“ (Markus 10,27b) In diesem Bibelvers wird Gottes Einzigartigkeit thematisiert. Er, der schon immer war und auch immer sein wird, ist derjenige, der auch seine Schöpfung in seinen Händen hält. Und dies bezieht sich natürlich auch auf uns Menschen. So dürfen wir uns als Gottes Kinder bezeichnen, weil Gott das so möchte. Er hat uns geschaffen und will mit uns immer in Verbindung sein.

So ist es Gottes Wunsch, dass wir das auch möchten. Er will, dass wir dazu ja sagen, dass wir seine Kinder sind. Er möchte, dass wir uns von ihm segnen lassen, so dass immer wieder neu Glaube, Hoffnung und Liebe möglich sind. Er möchte, dass wir von seiner Güte umfangen sind und in seiner Nachfolge leben. Wir können Gottes Liebe zu uns aufnehmen, und sie an Gott, an uns selbst und an unsere Nächsten weiterverschenken. Möge Gott uns in diesem Sinn immer wieder neu segnen.

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20. Juni 2021

Wozu sind wir eigentlich unterwegs?
von Pfarrerin Claudia Latzel-Binder, Bad Berleburg

„Warum wandern die Elefanten?“ - es sind die Meldungen wie diese, auf die ich beim Zeitungslesen immer gerne stoße. Und auch wenn ich manchen zentralen Artikel morgens nur überfliege oder gar überblättere, so etwas lese ich immer: Eine Elefantenherde wandert schon seit einem Jahr durch China und die 15 Tiere haben dabei bereits mehr als 500 Kilometer zurückgelegt. Ihr Marsch wird in China und mittlerweile weltweit wahrgenommen und medial verfolgt.

Und es wird gerätselt und diskutiert, was diese sympathischen Dickhäuter dazu veranlasst hat, aufzubrechen. Warum sind sie unterwegs? Wo wollen die eigentlich hin? Liegt es daran, dass ihr Naturreservat, in dem sie bisher beheimatet waren, um 40 Prozent verkleinert wurde, die Population der Elefanten dort aber stieg? Oder ist ihr geomagnetisches Koordinationssystem irritiert oder haben sie gar eine geheime politische Mission?

Außer, dass diese Dickhäuter einfach sympathisch sind und solche Artikel ein bisschen Leichtigkeit in die Zahl der vielen ernsten und traurigen Nachrichten der morgendlichen Lektüre bringen, sind sie für mich auch wie ein Gleichnis: Die Fragen über die Elefanten lassen sich ja auch gut für unser Leben stellen: Warum sind wir unterwegs? Wo wollen wir eigentlich hin? Als Christinnen und Christen gehen wir unseren Lebensweg in der Zuversicht, dass wir ein Ziel in Gott haben. Und weil es dieses Ziel gibt, ist es eben nicht egal, wo ich bin und was ich mache. Jedes Leben hat einen Auftrag, der darüber hinausgeht zu schauen, wo meine Herde heute ihre Nahrung und einen angenehmen Ruheplatz findet.

Wozu sind wir eigentlich unterwegs? Gott möchte, dass wir ihm begegnen und dass wir ein Segen für seine Welt sind. Was uns dabei antreibt und wie ein inneres Koordinatensystem ist, ist seine Liebe zu uns Menschen und dieser Welt. Ich würde mir wünschen, dass das bei uns genauso sein könnte wie bei den netten Elefanten. Dass nämlich Menschen aufmerksam werden auf unseren Weg und uns fragen: Warum machst du das? Was soll die Mühe? Wieso engagierst du dich in der Kirche? Warum gehst du dahin? Und dass wir dann davon erzählen, dass die Erfahrung mit Gott uns antreibt, weil wir ihn jetzt schon erleben und an unserer Seite wissen und ihm deshalb immer weiter entgegengehen. Und dass wir mit unserem Leben diese Mission haben, auf ihn hinzuweisen und dieser Welt ein Segen zu sein, uns gegen Unrecht und Zerstörung einzusetzen und Gutes zu tun. Denn anders als die Elefanten können wir ja antworten. Auf geht´s!

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13. Juni 2021

Regeln beachten, Nähe zulassen
von Pfarrerin Simone Conrad, Wingeshausen

Vor Kurzem habe ich mit einer älteren Freundin aus dem Ruhrgebiet telefoniert. „Stell dir vor, ich bin jetzt zweimal geimpft, ich bin so dankbar“, erzählte sie mir. „Und endlich, endlich sinken die Inzidenzwerte und ich darf auch wieder bummeln gehen in der Stadt. Aber weißt du was: Ich habe mich gar nicht getraut, meine Lieblingsboutique zu betreten. Auf einmal sah alles zu eng und so klein aus - ich habe mich nicht hineingewagt. Ich war innerlich verunsichert… Darf ich das jetzt? Und ich habe gespürt: Ich bin die Nähe von Menschen einfach nicht mehr gewohnt. Ich muss erst wieder lernen, anderen Menschen nah zu sein. Ich habe das Gefühl, wir müssen jetzt alle erstmal wieder ausgewildert werden.“

„Ich habe das Gefühl, wir müssen jetzt alle erstmal wieder ausgewildert werden“ - bei dieser Bemerkung bin ich hängen geblieben. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht - aber ich kann das gut nachvollziehen. Wenn Menschen auf mich zukommen, mir zur Begrüßung die Hand geben oder mich gar umarmen wollen - dann gehe ich instinktiv einen Schritt rückwärts. Abstand, eingeübt seit nun 15 Monaten. Ich bin dann entsetzt über mich selbst, denn eigentlich bin ich doch ein Mensch, der die Nähe sucht und braucht. Mühsam und schmerzlich haben wir Distanz gelernt in unserer Gesellschaft - nun ist es Zeit, wieder die Nähe zu lernen.

Das ist wie ein Aufbruch in meinem eigenen Leben, auch ein Ausbruch aus fremd- und selbstverordneter Enge. Das wird Behutsamkeit und Vertrauen und Mut brauchen. Und dennoch sind es ureigene menschliche Bedürfnisse: Gemeinschaft und Nähe. Gott hat uns aneinander gewiesen: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.“ (1. Mose, 2, 18) Ich wünsche uns allen, dass wir es schaffen, uns natürlich an alle Regeln zu halten, die ja gut und notwendig sind - aber auch, dass wir neu lernen, Nähe zuzulassen… und zu genießen.

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6. Juni 2021

Hör' auf deine SeelenTöne
von Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück

Es ist Mittag und ich hätte schon längst das Angedacht abschicken müssen. Auf dem Weg zum Schreibtisch fällt mein Blick auf eine Postkarte, die schon seit Wochen auf der Treppe liegt. Ablage nach oben sozusagen. Sie ist vom Posaunenwerk Westfalen und vorne steht drauf: Jeder Ton ist Hoffnung. Dazu gemalte Noten, Trompeten und eine Posaune. Und ich denke mir, warum schreibe ich nicht einfach mal über die Töne. Chöre und Kapellen sind schon so lange verstummt.

Dabei ist Musik so wichtig: unter der Dusche am liebsten Schlager, zum Wachwerden Tote Hosen oder Santiano und im Auto unterschiedliche Playlists, je nach Stimmung und Mondphase. Musik ist für mich eine Ausdrucksweise, um mein Innerstes nach außen zu kehren. Tanzend und laut singend oder mit Wolldecke in einer Ecke. Je nach dem. Musik ist Gottesdienst. Und jeder Ton ist Hoffnung.

Und man hört sie wieder. Mit den sinkenden Infektionszahlen steigen die Möglichkeiten zum Musik-Machen. Draußen, sodass es alle hören können. Posaunen, Tambourcorps und Jagdhörner hab‘ ich in Erndtebrück schon gehört. Und es tut so gut. Bald geht es hoffentlich auch wieder im Gottesdienst. Chöre sammeln sich wieder und stimmen mit Abstand an. Jeder Ton ist Hoffnung.

Da sind laute und kräftige Töne, gut getroffen, manchmal auch etwas schräg. Und da sind die leisen, zaghaften, die man manchmal gerne lauter drehen möchte. Wenn ich so überlege, hat eigentlich jeder die Möglichkeit für ein großes Repertoire. Es gibt eben unterschiedliche Anlässe. Mal ist ein Solo gefordert, mal geht es um den Chor oder das Orchester. Und jeder Ton ist Hoffnung.

Singen und Musizieren geht nicht nur mit Lautstärke, sondern kann auch innerlich funktionieren. „Du meine Seele singe“, so schreibt Paul Gerhardt. Mein Seelenlied kann nur ich hören. Das ist gerade gut oder auch besonders schade. Nur jeder selbst und Gott, vielleicht. Oder sagen wir so: Ich will doch stark hoffen, dass er meine Seele singen - und jammern hört. Denn dafür ist er doch zuständig, für die SeelenTöne. Dur oder Moll, feurig oder getragen, lupenrein oder einfach nur schief - alles will er sich anhören. Das ist meine Hoffnung.

Hör‘ hin, auf die anderen und mach‘ selber Töne! Und vergiss nicht, auf deine SeelenTöne zu hören. Das ist die allerschönste Musik.

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30. Mai 2021

Die Güte Gottes immer da
von Pfarrer Dr. Andreas Kroh, Wolzhausen

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ - diesen Wunsch hat der Apostel Paulus im 2. Korintherbrief der Christengemeinde in Korinth aufgeschrieben. Dieser Wunsch ist zugleich der Wochenspruch für die kommende Woche. Am vergangenen Sonntag konnten wir Pfingsten feiern. Zum ersten Mal in diesen schwierigen Zeiten waren Gottesdienste an vielen Orten wieder möglich. Und die Kirchengemeinden freuen sich ganz sicher, dass es jetzt ein Licht am Ende des Tunnels dieser Pandemie gibt. Über ein Jahr lang gab es diesen Ausnahmezustand. Das Pfingstfest 2021 war das erste Fest, das wieder unter halbwegs normalen Bedingungen stattfinden konnte - mit Präsenzgottesdiensten. Ein Licht am Ende des Tunnels ist ein gutes Gefühl.

„Glaube ist der Vogel, der singt, wenn die Nacht noch dunkel ist“, dieses Zitat stammt von dem indischen Philosophen Rabindranath Tagore. Es beschreibt für mich eindrucksvoll, womit der Glaube in Pandemie-Zeiten verglichen werden kann. Der Gesang eines Vogels, wenn die Nacht noch dunkel ist, erinnert daran, dass es nach der Dunkelheit sicher wieder hell wird. Wenn es langsam hell wird, dann kann man in dieser Jahreszeit tatsächlich ganz häufig auch Vögel singen hören. Oft sind es ganz laute und kräftige Stimmen, die da miteinander singen. Manchmal klingt es auch nach einem ziemlichen Durcheinander, der eine Vogel singt so, der andere völlig anders. Aber selbst in diesem Durcheinander von Stimmen hört es sich so an, als ob es irgendwie doch zusammenpasst. Trotzdem ist da eine Art Harmonie, die der Schöpfer in seiner Güte und Gnade seiner Schöpfung mitgegeben hat. Da leuchtet und klingt etwas mit von dem gütigen Gott und seiner Liebe.   

Heute ist im Ablauf des Kirchenjahres ein besonderer Tag mit einem speziellen Namen. Der erste Sonntag nach Pfingsten wird „Trinitatissonntag“ genannt, das bedeutet „Tag der Dreifaltigkeit Gottes“. Jeder Gottesdienst wird mit der Aussage eröffnet: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Im Grunde ist dies eine Zusage. Die Gemeinde hört diese Zusage und sie darf darauf vertrauen. Sie darf Gott bei seinem Wort nehmen. Wie ein kleines Kind die Hand der Mutter oder des Vaters ergreift, wenn es sicher gehen möchte, so darf die Christengemeinde Gottes Hand ergreifen, wenn sie ihren Weg durch diese Welt sicher finden möchte. Ein kleines Kind weiß, dass diese Hand immer da ist und dass diese schützende Hand auch wirklich festhält. Genau so ist auch die Güte Gottes immer da und hält uns fest.   

Ich möchte diese Besinnung zum Trinitatissonntag schließen mit einem Gebet:
Gütiger Gott,
wir bitten Dich auch weiter
um Deine Treue
in dieser besonderen Zeit.
Steh allen bei,
die Deine Hilfe besonders benötigen.
Amen.

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23. Mai 2021

Vom Wunder der Verständigung
von Pfarrer Steffen Post, Bad Laasphe

„Alexa kann evangelisch beten“, lese ich als Überschrift in einem christlichen Newsletter und denke im Stillen: Gott sei Dank hat es wenigstens diesem technischen Gerät noch nicht die Sprache verschlagen. Mir fällt es nämlich schwer in diesen Tagen, die richtigen Worte zu finden angesichts der Bilder über die Gewalt im Nahen Osten und die verstörenden Demonstrationen in einigen deutschen Städten. Mir vergeht der Appetit, wenn ich beim Frühstück in der Zeitung die am Strand aufgebahrten Corona-Toten in Indien sehe. Ich bekomme Genickschmerzen vom Kopfschütteln bei dem Bericht über Anfeindungen gegen einen Kommunalpolitiker, der zermürbt von Hass und Hetze seinen Job im Rathaus aufgibt. Hilft nur noch beten oder fehlen uns selbst dazu die Worte?

In ihrer Funktion als Sprachassistentin lenkt Alexa mit Blick auf Pfingsten meine Aufmerksamkeit auf den Heiligen Geist. Von ihm schreibt der Apostel Paulus: „In gleicher Weise steht uns der Geist Gottes da bei, wo wir selbst unfähig sind. Wir wissen ja nicht einmal, was wir beten sollen. Und wir wissen auch nicht, wie wir unser Gebet in angemessener Weise vor Gott bringen. Doch der Geist selbst tritt mit Flehen und Seufzen für uns ein. Dies geschieht in einer Weise, die nicht in Worte zu fassen ist.“ (Römer 8, 26)

Das finde ich so wertvoll an der Bibel: Sie nimmt unser Leben realistisch wahr und benennt gleichzeitig mit dem Heiligen Geist einen Sprachassistenten, der selbst unsere Sprachlosigkeit so aufnimmt und transportiert, dass unsere Anliegen bei Gott Aufnahme und Gehör finden. Aber er zeigt sich nicht nur als Sprachassistent bei der himmlischen Kommunikation, sondern will auch den Austausch von Mensch zu Mensch gestalten: „Sind das nicht alles Leute aus Galiläa, die hier reden? Wie kommt es, dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache reden hört?“, heißt es in der Bibel (Apostelgeschichte 2, 7f).

Pfingsten erzählt von dem Wunder der Verständigung zwischen Menschen aus ganz unterschiedlichen Nationen. Im aufeinander Hören und im miteinander Reden geschieht eine Verständigung, die verbindet und es entsteht ein Staunen darüber, was Gott wirken kann. Das ist ein Gegenentwurf zum Fäusteballen und Kriegstreiben; eine Einladung zum Händereichen und Friedenstiften.

Die christlichen Funktionen von Alexa können allerdings nur genutzt werden, wenn ich die entsprechende App auf dem Gerät installiere und dann auch aktiviere. Die Nutzung von Gottes Sprachassistent hingegen kann besonders zu Pfingsten mit der schlichten Bitte geschehen: "O Heilger Geist, kehr bei uns ein und lass uns deine Wohnung sein." (Ev. Gesangbuch 130, 1) - und damit verbunden die Bereitschaft, mich im Umgang mit Gott und meinen Mitmenschen von seinem Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit prägen zu lassen.

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16. Mai 2021

Schaut hin
von Pfarrer Peter Liedtke, Girkhausen

Wo sollen wir hinschauen? Wir lieben es, so will es mir scheinen, im Schmutz zu wühlen. Sind wir also aufgefordert, auf die Missstände bei den anderen zu schauen? Bei denen, die behaupten, an nichts zu glauben? Bei denen der jeweils anderen Konfession? „Schaut hin“ meint eigentlich, erst einmal bei sich selbst zu schauen. Beim Blick auf unsere Kirchengeschichte gibt es vieles, was einer kritischen Betrachtung würdig wäre. Hexenverbrennungen im Namen der Rechtgläubigkeit; Religionskriege; das Schweigen zu den Greuel des Nationalsozialismus. Aber auch in näherer Vergangenheit gibt es Unschönes zu entdecken: Wenn unsere Kirche sich verbeugt vor der Herrschaft des Geldes und sich eine Unternehmensberatung einkauft. Oder wenn viele Jahre eine Theologin nicht Pfarrerin werden durfte, weil sie einen griechisch-orthodoxen Mann geheiratet hat. Oder eine andere nie übernommen wurde, weil sie Multiple Sklerose hatte. Oder denken Sie an die Weigerung unserer Kirche über viele Jahre, die Liebe von Menschen gleichen Geschlechts zueinander genauso wertzuschätzen wie die heterosexueller Paare und ihnen daher den Segen vorenthielten.

Lassen Sie uns hinschauen. Nicht um unsere Kirche, die unsere Heimat ist, mit Dreck zu bewerfen. Sondern um zu lernen aus unseren Fehlern. Und um uns vor Überheblichkeit anderen gegenüber zu bewahren. Dann, wenn wir uns nicht mehr besser dünken als die anderen, entdecken wir im Gegenüber den Bruder, die Schwester.

In dem Speisungswunder ist genau das geschehen. Jesu Predigt öffnete seinen Zuhörerinnen und Zuhörern die Augen für eine neue Sicht auf den Menschen an ihrer Seite: ein Mensch, genauso bedürftig wie ich, voller unerfüllter Sehnsucht und zerstörter Hoffnung. Auch der andere musste sich mit dem Leben arrangieren so wie ich es musste. In diesem neuen Schauen offenbart sich aber noch etwas anderes. Gott sieht mich an, er schaut hin, ganz genau, sieht meine Schwäche, mein Versagen, meine Schuld - und er nimmt mich trotzdem an. Er liebt mich, trotz allem. So den Blick geweitet ist es gar kein so ganz weiter Weg mehr dahin, dass alle satt werden, alle Menschen erhalten, was sie zum Leben brauchen: Essen und Trinken, Nähe und Verständnis, ein gutes Wort und einen Platz in der Mitte der anderen, an dem sie sein dürfen, was sie sind: von Gott geliebte Menschen.

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9. Mai 2021

Wir dürfen Fehler machen
von Jugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen

Der Radiergummi ist ein nützlicher Begleiter von klein auf. Hat man sich vermalt oder verschrieben, können die Fehler mit dem Radiergummi schnell wieder weggemacht werden. Mittlerweile ist der Radiergummi nicht mehr nur rechteckig, sondern in außergewöhnlichen Formen und Motiven erhältlich. Und weil ein Radiergummi so ein praktisches Werkzeug ist, um schnell etwas auszubessern, bin ich bei einem Zeitungsartikel hängen geblieben, der berichtete, dass bei Erstklässlern in Neuseeland die Radierer aus der Federtasche verbannt werden. Das machte mich neugierig. Ist es denn nicht sinnvoll, Fehler zu verbessern? Wer möchte schon die eigenen Fehler ständig vor Augen haben? Und so las ich interessiert weiter und erkannte eine ganz andere Strategie dahinter.

In Neuseeland möchte man den Kindern vermitteln, dass Fehler zum Lernen und Leben dazu gehören. Solange niemand zu Schaden kommt, sind sie nichts Schlimmes. Natürlich bleiben auch die Schreibfehler in Neuseelands Schulen nicht unkorrigiert. Das richtige Wort wird leserlich in die Zeile über dem Falschen geschrieben, auch nicht mit roter sondern mit grüner Farbe. Somit haben die Kinder beides vor Augen, das falsche und das richtige Wort. Diese visuelle Darstellung hilft den Kindern, sich das Richtige besser merken zu können. Die Kinder sollen lernen, dass Fehler nichts sind, für das man sich schämen muss, sondern die Philosophie dahinter lautet: „Und wieder wächst dein Gehirn ein bisschen.“

Ist das nicht ein wertschätzender Umgang mit Menschen, die Fehler machen? Schließlich ist niemand von uns fehlerlos und somit stellt sich schon die Frage, wie gehen wir mit Fehlern um? Hierzulande lässt sich beobachten, dass es einen Hang zum Perfektionismus gibt und Fehler keinen Raum haben. Hinzu kommt noch, dass Fehler teilweise schamlos von anderen ausgenutzt werden. Dadurch wächst die Angst, etwas falsch zu machen. Mitunter wird versucht, die eigenen Fehler zu verbergen oder im schlimmsten Fall sogar anderen in die Schuhe zu schieben.

Gerade heute am Muttertag kann uns das Bild einer liebenden Mutter ein Vorbild sein. Sie liebt ihre Kinder trotz ihrer Fehler. Und genauso ist es mit Gott. Ja, es gibt sogar einen Radiergummi auf dem steht: „Gott liebt mich mit meinen Fehlern“. Vielleicht braucht jeder von uns genau solch einen Radiergummi, der uns täglich vor Augen führt: Wir dürfen Fehler machen und sind trotzdem geliebt. Und der dazu einlädt, anderen ebenfalls Fehlern zuzugestehen. So heißt es auch in der Jahreslosung: „Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ Lukas 6, 36

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2. Mai 2021

Singen befreit die Herzen
von Vikarin Carolin Kremendahl, Bad Laasphe

„Singt!“ - so heißt der heutige Sonntag. Eine Aufforderung zu singen. Mir ist vor Kurzem ein Projekt mit dem Namen „Zusammenkunst“ begegnet, in dem sich Kunstschaffende getroffen haben, um sich gegenseitig ihre noch unveröffentlichten Stücke vorzuspielen. Dabei entstand auch ein gemeinsamer Song, der den Titel „Mehr singen“ trägt und zum Singen einlädt. Singen geht auch in die Beine und lässt einen tanzen - und auch das befreit. Eine Zeile gefällt mir besonders: „Denn wer singt, hat keinen Kopf für Wut, und wer tanzt, der kann die ganze Welt umarmen. Und wenn ich Dir nur lang genug in die Augen schau‘, dann sehe ich in Dir auch ein bisschen von mir.“

Vielen Menschen fehlt das Singen unterwegs zur Arbeit im Auto oder in der Gemeinschaft im Chor. Ein Grund mehr, der Aufforderung „Singt!“ gerade jetzt und trotz allem nachzugehen. Denn Singen befreit. Singen befreit die Herzen, berührt die Seele. Singen schafft etwas, das tiefer greift als Worte. Und Singen betrifft den ganzen Körper und lässt ihn mitschwingen. Und wer singt, betet doppelt, soll Augustin oder Luther oder keiner von beiden gesagt haben. Da ist etwas Wahres dran. Denn wer von Herzen singt, dessen Gesang kann zu einem Gebet werden.

Musik kann trösten. Sie kann helfen, Zweifel, Ängste, Anspannung, Frust und Wut ein bisschen weniger schlimm zu machen und vielleicht sogar zu überwinden.

Musik kann dem auch Ausdruck verleihen, was uns innerlich blockiert. Der Knoten im Hals lockert sich, der Weg für die angestauten Tränen wird frei und es löst sich etwas.

Und wenn Sie gerade kein Liederbuch zur Hand haben, lade ich Sie ein, die Bibel aufzuschlagen. Denn nicht zuletzt befindet sich in der Bibel ein ganzes Gesangbuch, nämlich die Psalmen. Und die Psalmen kennen alle menschlichen Erfahrungen und bieten für jede Stimmungslage etwas. Für Frust, für Wut, für Zweifel, wobei ein Psalmist am Ende dabei nicht vergisst, dass es ein Lob Gottes ist, das den Himmel öffnet und uns Gott nah sein lässt.

Und egal, ob gerade oder schief; egal, ob laut oder leise; egal, ob mehr geschrien als gesungen: „Singt! Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut heute noch Wunder!“ Psalm 98, 1

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25. April 2021

Jede Frucht hat ihren Wert
von Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück

Was machen Sie jetzt eigentlich die ganze Zeit? Viel zu tun gibt es ja nicht! Und überhaupt, müsste Kirche sich nicht ganz anders in diesen Zeiten darstellen? Nah bei den Menschen sein?!
Internetvideos sind ja ganz schön, aber was ist mit den alten Menschen. Die haben kein YouTube. Da muss man doch was machen!
Es muss doch möglich sein, dass Gottesdienste gefeiert werden können. An der Supermarktkasse stehen doch auch alle dicht beisammen. Die Kirche macht es sich da zu einfach!

So oder so ähnlich, in geballter Form oder als Einzelstimme werden Anfragen an mich und in anderen Gemeinden bestimmt auch an Kolleginnen und Kollegen herangetragen. Und das nagt ganz schön. Ist da was dran? Wie sieht es mit den Früchten aus, die am Kirchenbaum hängen. Sind sie wohlschmeckend und süß, ausreichend groß und verlockend? Oder hängen nur noch die letzten Reste vom vergangenen Jahr da, vertrocknet und übriggeblieben?

Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben. Wer mit mir verbunden bleibt und ich mit ihm, der bringt reiche Frucht.“ So heißt es im Johannes-Evangelium. Und dieser Text ist Predigttext für heute. Reden wir also über die Früchte. Klar ist, sie hängen nicht am Kirchenbaum. Wir sind alle miteinander mit dem und in dem einen Weinstock verbunden. So sagt Jesus über sich selbst und über die anderen, also auch uns. Wir sind ein Teil von vielen. Wir leisten unseren Beitrag zur Ernte genauso wie andere Bereiche in der Gesellschaft auch. Kann man den Vergleich überhaupt so ziehen? Die Gesellschaft als Reben, die mit Jesus verbunden sind? Vielleicht will die Gesellschaft gar nicht. Kann sein. Aber ich mache es so. Als Christin, als Pfarrerin, die über den Zusammenhang von biblischen Texten und der heutigen Welt nachdenkt. Wenn ich meinen Glauben ernst nehme und die Welt, wie ich sie kenne, in den Zusammenhang der Verheißung Gottes stelle und deute, dann komme ich fast ganz automatisch dazu. Wir sind alle Trauben an Gottes Weinstock. Wir tragen alle Frucht. Und sind dabei aufeinander abgestimmt und abhängig vom Wetter, vom Klima, das um uns und zwischen uns herrscht.

Also, die Ernte bringt schon was ein. Neue Früchte, manche alten Sorten vielleicht nicht so ergiebig wie in früheren Jahren. Vielleicht ist auch etwas Fallobst dabei, durchs Klima geschädigt oder weil die Verbindung zu den anderen gekappt wurde. Jede Frucht hat ihren Wert und ihre Bedeutung. Schmeckt dem einen süß, der andere bräuchte noch mehr. Und in Zeiten, die eine Ernte schwer machen, ist es wichtig, dass wir alle unsere Früchte zusammentragen und gemeinschaftlich untereinander teilen.

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18. April 2021

Gerade für die im Dunkeln auf dem See
von Pfarrerin Claudia de Wilde, Hemschlar

Mit 35 jungen Menschen und einigen Mitarbeitern leben wir für zwei Wochen zusammen in urigen Blockhäusern mit Kamin im Wald am Ufer des Saimaa-Sees in Finnland - eine Freizeit des CVJM zu Beginn der 90er Jahre. Auf einige von den Jugendlichen wartet ein besonderes Abenteuer, weil ein zuverlässiger Mitarbeiter eine mehrtägige Bootstour vorbereitet hat. Mit den kleinen Motorbooten wollen sie ein paar Tage das Saimaa-Seengebiet nach Karte erkundigen und in Zelten am Ufer übernachten. Die Gruppe verabschiedet die acht Abenteurer am Strand. Für den vierten Tag erwarten wir sie zurück.

Aber dann warten wir vergeblich. Am vierten Tag ist kein Boot in Sicht. Und wir haben in den Jahren noch keine Handys. Unser Leiter setzt sich ins Auto und fährt die Küstenstraßen ab. Er findet sie nicht. Unruhe machte sich breit, die Stimmung in der Gruppe ist gedrückt. Ob den Abenteurern etwas passiert ist? Ob sie die Orientierung verloren haben? Ob der Proviant, das Wasser reichen? Wir sind in großer Sorge.

Einer kommt auf die Idee für eine Strandparty. Wir zünden abends am Strand mehrere Lagerfeuer an, Küstenfeuer, die den Bootsfahrern den Weg zeigen sollen. Einer bringt seinen CD-Player an den Strand, und so tanzen wir zur Musik im Schein des Lagerfeuers. Die ausgelassene Stimmung kann nicht hinwegtäuschen über das, was uns bedrückt. Aber dann entdeckt einer im Mondlicht die Boote auf dem See, noch in weiter Ferne. Sie rudern langsam herbei. Als sie ankommen, bestürmen wir die Gruppe mit Fragen.

Das Benzin hat nicht gereicht. Es war berechnet für die gesamte Strecke, aber auf windigem See fuhren sie im Zickzack, damit die Boote nicht kentern, und so war der Tank schneller leer als gedacht. Den Rest der Strecke mussten sie rudern, und das dauerte. Aber jetzt feiern sie mit uns, essen und trinken sich satt und tanzen mit uns am Strand in der Nacht im Schein der Lagerfeuer.

Ob es damals so ähnlich war, als die Jünger nach einer erfolglosen Nacht vom Fischen zurückkamen? Kein einziger Fisch war ihnen ins Netz gegangen. Eine erfolglose Nacht, nichts zu essen, kein Verdienst in Sicht. Sie sind verzweifelt, hungrig, ungeborgen, es ist kalt. Jesus steht morgens dort am Ufer, wartet am Lagerfeuer auf sie und versorgt sie mit Brot und Fisch. Nach der Dunkelheit und der Verzweiflung werden sie erwartet. Jesus sorgt sich um sie, versorgt sie mit dem, was nottut. Und sie werden satt an Leib und Seele.

Diese Geschichte (nach Johannes 21) muss immer wieder erzählt werden - vor allem denen, die noch in der Nacht auf dem See sind. Damit sie die Küstenfeuer entdecken und den, der am Ufer mit Brot und Fisch auf sie wartet. Damit sie sich aufwärmen und satt werden können.

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11. April 2021

Einladung zum Dankbar-Sein
von Pfarrer Oliver Lehnsdorf, Oberndorf

Die österliche Zeit, in der wir uns gerade befinden, erinnert uns daran, dass uns Gott Hoffnung schenkt. Wir dürfen hoffen, dass Dinge, die nicht gut sind, gut werden können. Ich kann mich noch sehr gut an eine Fernsehmoderatorin erinnern, die am Ende jeder Sendung immer wieder sagte: „Alles wird gut.“ Ich fand es sehr tiefsinnig, was sie da sagte. Und wie ich später erfuhr, meinte sie dies auch genau mit diesem tiefen christlichen Hintergrund.

„Alles wird gut,“ ist die Kurzbeschreibung dessen, dass sich im Leben die Dinge zum Guten wenden können. Es ist ein Ausdruck dafür, dass man darauf vertrauen kann, dass es auch in schwierigen Zeiten immer wieder neu Hoffnung gibt und dass es dann auch Licht am Ende des Tunnels geben kann. Gott schenkt uns Glaube, Hoffnung und Liebe, die uns dabei helfen, trotz allem weitermachen zu können. Zudem dürfen wir hoffen, dass es aufgrund des Glaubens ein Leben nach dem Tod gibt. Denn so wie Jesus Christus an Ostern auferstanden ist und den Tod besiegt hat, so haben auch wir die Hoffnung auf die eigene Auferstehung. Und wir haben die Hoffnung, dass wir dadurch dann auch im Himmel die wiedersehen können, die vorher gestorben sind und uns nahestanden.

Aus diesem Grund schreibt auch Paulus im 15. Kapitel des 1. Korinther-Briefs in den Versen 53 und 57 Folgendes: „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel? Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus.“So ist die österliche Zeit eine Zeit der Hoffnung und der Freude. Sinnbildlich wird dies besonders auch bei den orthodoxen Christinnen und Christen, die an Ostern an verschiedenen Orten jeweils ein großes Feuerwerk begehen. Meine Familie und ich haben dies vor einigen Jahren auch einmal an Ostern in Kreta in Griechenland selbst miterleben dürfen. Neben dem Feuerwerk gab es dabei dann auch ein großes Fest. Und nicht zuletzt bekamen auch jede Besucherin und jeder Besucher als Zeichen für die österliche Freude jeweils ein Brot, ein buntes Ei und eine Kerze geschenkt.

Ich wünsche uns, dass wir auch diese Freude haben. Ich wünsche uns, dass wir Gott dafür dankbar sind, dass unser Leben keine Sackgasse ist, sondern durch den Glauben in Gottes ewigen Reich weitergehen kann. Möge Gott uns in diesem Sinne immer wieder neu segnen.

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4. April 2021

„Das Leben wird neu“
von Superintendentin Simone Conrad, Wingeshausen

Heute ist Ostern - Zeit des Suchens und Findens, Zeit für bunt gefärbte Eier und liebevoll befüllte Osternester. Solche Osternester werden gerne angenommen - übrigens auch von erwachsenen Kindern. Und nicht immer sind in diesen Osternestern die klassischen Schokoladenhasen, mit oder ohne Goldfolie und Glöckchen. In den Osternestern, die ich packe, finden sich auch schon mal Mango-Streifen, Chips-Tüten oder Badebomben. Ein bisschen verrückt, ja, ich weiß, aber Sinn und Zweck ist es ja, den Beschenkten eine Freude zu bereiten. Und die haben wir zurzeit bekanntermaßen bitter nötig.

Deswegen packe ich heute ein imaginäres Osternest für Sie, in der Hoffnung, Ihnen eine Freude zu bereiten. Dahinein kommen:
- ein rotes Osterei als ein altes christliches Symbol für das neu erwachende Leben.
- ein Tütchen mit Samen von Vergissmeinnicht als Erinnerung daran, dass wir die Hoffnung nicht vergessen dürfen. Sie muss gesät werden, die Hoffnung, und sie braucht Pflege und Zeit zum Gedeihen. Und nur wenn wir sie vergessen, stirbt sie.
- Kaffee. Ja, der gehört für mich dazu. In der Frühe des Ostermorgens das neue Leben begrüßen - und dann vielleicht ein Kaffee und ein Plausch mit der Nachbarin über den Gartenzaun? Auch Gemeinschaft (auf Distanz) macht lebendig.
- eine Kerze. Anstelle der Kerzen, die wir sonst in unseren Kirchen in der Osternacht entzündet hätten. Zeichen für das Licht, das in die Dunkelheit kommt. Zeichen für Jesus, der die Schwärze des Todes besiegt und das Leben wieder hell werden lässt.
- ein kleines Herz. Vielleicht aus Holz oder aus einem warmen Stein - ein Herz für das große Herz Gottes, der uns mit seinem Sohn Jesus Christus Anteil am ewigen Leben schenkt.
- und eine Osterglocke, diese kleine zarte Pflanze, die doch laut und hell läuten möge: Christ ist erstanden! Sie verbringt den Winter in der Dunkelheit der Erde, aber sie erwacht neu, jedes Jahr. Zäh und widerstandsfähig, trotzig bisweilen in Schnee und Hagel. Wie so viele Menschen sehne ich mich danach, wie die Osterglocke mich zu entfalten und von der Sonne bescheinen zu lassen: Wärme, Licht und die Gewissheit: Das Leben wird neu.

Denn das ist Ostern für mich: Das Leben wird neu. Es geht nicht nur irgendwie weiter, nein, es birgt Hoffnung und die Gewissheit: das Licht durchdringt die Dunkelheit. Denn Gott ist ja da, ist an unserer Seite. Leidet mit uns, ringt mit uns - und nimmt uns mit in das Leben. Und darum: Frohe Ostern Ihnen allen!

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28. März 2021

„So lange ich atme, hoffe ich“
von Jugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen

„So lange ich atme, hoffe ich“ - so lautet der Titel eines Buches. Es handelt von James Scott, der mit einem weiteren Wanderer auf einer Trecking-Tour im Himalaya unterwegs ist. Ein Schneesturm überrascht sie und sie verlieren jegliche Orientierung. Sie geraten in Streit über das weitere Vorgehen und welchen Weg sie jetzt einschlagen sollen. Deshalb trennen sie sich, jeder geht in dieser schwierigen Situation seinen Weg. Die Sichtverhältnisse werden immer schlechter, James Scott verirrt sich immer mehr. Er verliert zudem seine Trinkflasche. Irgendwann kommt er an eine Stelle, an der es nicht mehr weiter geht. Ein Wasserfall auf der einen Seite, ein Abgrund auf der anderen Seite, nur ein steiler Felshang nach oben scheint der einzig plausible Weg. Doch irgendwann geht es auch hier nicht mehr weiter. Wieder runterklettern ist zu gefährlich. Weiter hinauf geht es aber auch nicht. Und das Schneetreiben macht jeden Versuch, weiterzukommen, unmöglich. Er sitzt fest, es geht nicht mehr vor und nicht mehr zurück. James Scott findet Unterschlupf unter einem schmalen Felsvorsprung. Er hat nur drei Schokoriegel dabei und - wie bei einer Treckingtour üblich - nur ganz wenige andere Sachen. 43 Tage hält er dort aus. Trotz Kälte, Hunger, Einsamkeit und Verzweiflung überlebt er. Und seine Schwester lässt unentwegt nach ihm suchen. Diese wahre Begebenheit berichtet vom Durchhalten in extrem schwierigen Situationen. Es geht um Mut, jeden Tag neu in Angriff zu nehmen und die Hoffnung nicht aufzugeben. Das ist es auch was mich an dem Buch so fasziniert.

„So lange ich atme, hoffe ich“ - wäre das nicht ein tolles Motto auch für uns? Es spiegelt doch eine positive Einstellung wieder, die in die Zukunft gerichtet ist. Kein Klagen ist zu hören, darüber wie schlimm alles ist oder werden könnte, sondern vielmehr die Hoffnung, dass alles gut wird.

„So lange ich atme, hoffe ich“  - vielleicht brauchen wir gerade jetzt, bei all den schwierigen Situationen unseres Alltags diesen Satz, der uns daran erinnert, den Mut nicht sinken zu lassen, sondern hoffnungsvoll nach vorn zu blicken.

„So lange ich atme, hoffe ich“ ist auch eine Einstellung, die mit Gott rechnet - ja mit Gott, der handelt, der eingreift und uns stärkt. Gott der noch Möglichkeiten hat, wo wir längst am Ende sind und nicht mehr weiter wissen. Gerade an Ostern wird es uns verdeutlicht. Mit Jesu Tod am Kreuz ist Gott nicht am Ende. Die Auferstehung Jesu zeigt uns, dass es geht weitergeht, auch nach dem Tod. Und darum lassen sie uns solange wir atmen, hoffen oder wie es Paulus im Brief an die Römer schreibt: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.

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21. März 2021

„Er wird uns Gutes sehen lassen!“
von Pfarrer Thomas Janetzki, Wingeshausen

Wohin kann ich fliehen mit meiner Unsicherheit und wohin soll ich gehen mit meiner Angst - eine Frage, die so auch aus der Bibel stammen könnte. In der Zeit der Corona-Pandemie stehen wir jeden Tag wieder vor solchen bedrängenden Fragen: Was wird aus unserer gespaltenen Gesellschaft, die in so vielen Hinsichten auseinanderdriftet? Welche Folgen wird das alles für die Wirtschaft und die Arbeitsplätze hier mit sich bringen? Was wird aus meinem Leben, wenn Corona nach mir oder meiner Familie greift?

Auf einmal ist unser Glauben an die menschliche Macht dahin, und wir sind durch Sorgen und Ängste wie eingesperrt, wollen aber gleichzeitig aus diesem inneren Gefängnis ausbrechen, sehnen uns nach Nähe und der Gesellschaft anderer, nach der Normalität von früher…

Was ist aus unseren Hoffnungen auf Gesundheit, Sicherheit, Erfolg und Glück seit dem Beginn des vergangenen Jahres geworden? Und: Wie lange können wir Menschen in einer solchen Situation leben, ohne innerlich und äußerlich Schaden zu nehmen?

Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ - diese Frage kann man in der Bibel im Psalm 4 lesen. Es ist die Frage eines Menschen, der damit deutlich macht, dass er sich in einer Not befindet, dass ihm oder ihr etwas fehlt. Wichtig ist dabei: Der Beter oder die Beterin in Israel sind nicht allein. Die Fragen, das Lob, die Klage in den Psalmen sind immer verbunden mit denen vieler anderer. In allen Nöten und Zweifeln gilt: Uns alle verbindet die Erfahrung unseres Glaubens, das feste Vertrauen auf Gott und seine Liebe zu uns. Das entscheidend Gute im Leben können wir nur von Gott erwarten.

Was bedeutet das für uns jetzt und hier? Für mich stellt es klar, wohin wir mit unserer Unsicherheit und unseren Ängsten kommen können: Zu Gott, von dem die Bibel immer wieder sagt, dass seine Liebe auch die größte Dunkelheit erhellt. Diese Erfahrung schlägt sich gerade auch in unserem Psalm 4 nieder: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ Ein paar Zeilen später heißt dann die Antwort: „Allein du, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne.

Da ist jemand, der mich sieht, der mich begleitet - nicht nur an den guten und schönen Tagen in meinem Leben, sondern gerade in Zeiten wie jetzt. Wenn wir in dieser Gewissheit leben, werden wir erleben, wie Gott uns in unserer Lebenssituation, wie immer sie auch sein mag, bewahrt. Das ist die neue Perspektive der Christen, die in allen Finsternissen, Unsicherheiten und Sorgen um die Zukunft Gott in seiner Güte und Zuwendung erfahren. So können sie vertrauensvoll mit ihm ihren Weg gehen und bleiben in seiner Hand in allen Höhen und Tiefen geborgen. Sie wissen sich unter seinem Schutz und haben Hoffnung für die weitere Geschichte Gottes in ihrem Leben und die Geschichte der ganzen Welt. Er wird uns Gutes sehen lassen!

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14. März 2021

Verschwenderisch-Sein wie der Frühling
von Pfarrerin Christine Liedtke, Girkhausen

Es ist schon merkwürdig: Kaum lässt sich der Frühling auch nur ansatzweise blicken, geraten wir in Unruhe. Es ist, als ob mit den ersten Trieben und Schösslingen, die durch die Erde brechen, auch in uns eine Kraft und Stärke freigesetzt wird, die sich entladen will. Und sie entlädt sich - im Frühjahrsputz! Die Sonne hat es zutage gebracht: Die Fenster müssen dringend geputzt werden; die Glasböden der Vitrine haben Staub angesetzt; und: Spinnweben sind in der Zimmerecke. So bewaffne ich mich mit Eimer und Schmierseife, mit Tüchern und Trittleiter und rücke so manchem Schmutz zu Leibe.

Und während ich das tue, kann ich meine Gedanken frei schweifen lassen. Und plötzlich kommt mir in den Sinn: Das wäre doch mal gut, so ein Frühjahrsputz für mein Inneres! Wie viel hat sich da angesammelt, gerade in den letzten Monaten, was dringend entfernt werden muss. Da sind die düsteren und dunklen Gedanken, die mich Schlimmstes für unsere Gesellschaft erwarten lassen.  Da ist die Unzufriedenheit, die sich spinnwebartig über mein Gemüt gelegt hat. Da ist ein Stück Aggressivität - sie hat sich gut versteckt, aber ich spüre sie doch auf. Da ist das graue Tuch der Depression - wollte ich es nicht längst mal gegen etwas Farbenfrohes austauschen? Wenn ich mich so an den Frühjahrsputz in meinem Inneren heranwage, entdecke ich, je genauer ich hinschaue, umso mehr Unschönes. Da hat sich viel im Dunkeln verborgen. Sind wir nicht „Kinder des Lichts“, wie es im Ersten Thessalonicher-Brief (Kapitel 5, Vers 5) heißt? Aber tritt in diesem Licht nicht all das Unschöne noch deutlicher hervor?

Beim Putzen im Bad fällt mein Blick in den Spiegel. Neulich hat ein Pastor gesagt: „Glauben heißt: sich nicht im Spiegel betrachten, sondern mit den Augen Gottes, mit den Augen der Liebe.“ Ich versuche, mein Spiegelbild mit den Augen der Liebe zu betrachten. Das hat etwas Befreiendes und Reinigendes. Es hat etwas von Frühjahrsputz. Wenn ich mich selbst sehen kann als die, die von Gott voller Liebe angesehen wird, dann wird meine Angst um mich selbst kleiner. Diese Sicht macht mich frei für Andere. Jesus hat uns vorgemacht, wie ein Leben aussieht, das nicht um das eigene Wohl kreist. Jesus lebte voller Liebe, er half und stärkte, heilte und tröstete. Wenn er sagt „Folge mir nach“, dann ist klar, was ich tun soll.

Ricarda Huch hat es knackig so ausgedrückt: „Liebe ist das einzige Gut, das wächst, wenn wir es verschwenden.“ Wenn der Frühling uns bald verschwenderisch mit Wachstum, Farben, Düften und Sonnenschein verwöhnt, dann können wir uns auf Huchs Satz besinnen und ganz einfach auch anfangen, verschwenderisch zu sein - mit tröstenden Worten, unterstützenden Taten und wohlmeinenden Gedanken, kurz: mit der Liebe!

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7. März 2021

Die Schatzkiste des Lebens
von Pfarrer Jaime Jung, Erndtebrück

Ich war schon seit langer Zeit nicht mehr beim Friseur, aber das stört mich nicht. Irgendwie habe ich mich an mein Erscheinungsbild mit längeren Haaren gewöhnt. Ganz besonders heben sich jetzt die grauen Haare heraus, die sich weder vermeiden noch verstecken lassen. Wir haben Frieden miteinander geschlossen. Sie gehören zu mir und zu meiner Lebensgeschichte. Diese Erkenntnis macht alles viel einfacher: Ich werde nun älter. Punkt. Und ich bin dankbar dafür!

Über das Altwerden gibt es viele Redensarten: „Alter: das ist immer noch das einzige Mittel, das man entdeckt hat, um lange zu leben“, „Jeder will alt werden, aber keiner will alt sein“, „Ich habe meine Falten so mühsam erworben, deshalb will ich sie auch behalten“. Irgendwo dazwischen befinden wir uns selbst. Man wird älter und damit ist man mal auf der heiteren Seite des Lebens, mal auf der etwas traurigen.

Viel wichtiger als die Antwort auf die Frage „Wo sind all die Jahre geblieben?“ ist es, dass eine möglichst positive Einstellung zum Leben erhalten bleibt - auch wenn das nicht immer einfach ist. Eine Voraussetzung für ein erfülltes Leben ist letztendlich das Staunen und die Freude über die kleinen Dinge, so wird jeden Tag zum Geschenk. Und - ganz wichtig dabei - das Vertrauen zu Gott: Wie eine Brücke über alle Ängste und Zweifel. Eine Brücke, die einen aushält und trägt und vorwärts gehen lässt. Und das trotz aller wilden Wasser, die unter einem toben.

Altern und reifen zu dürfen, Erkenntnisse zu gewinnen, das alles ist wie eine Schatzkiste. Die Zahlen, die auf der Geburtsurkunde stehen, sind nicht relevant. Zum Verständnis von Jung und Alt ist es wichtig, dass man seine Schatzkiste immer wieder öffnet und feststellen kann, was man schon alles sammeln durfte. Und davon zu erzählen. Warum? Weil das den Jüngeren auf dem Weg zum Älterwerden hilft. Weil das zur Besonnenheit beitragen kann: Wie viel durfte ich schon erleben, wie viele Freuden und Überwindungen gehören in meine Schatzkiste! Das Erzählen aus dem eigenen Leben kann einem selbst guttun und andere ermutigen und inspirieren.

Auch in der Bibel ist das graue Haar ein eindrückliches Bild für die Weisheit des Alters, die ich mir sehr wünsche. Zu dieser Weisheit jedes Menschen gehören zwei Dinge: Zum einen die Dankbarkeit für das, was gewesen ist. Es ist nun mal so, dass man das Vergangene nicht mehr ändern kann. Aber man kann Frieden damit schließen und sagen: Es war gut so! Und dabei lässt man los und erleichtert das eigene Herz. Zum anderen die Gelassenheit vor dem, was kommen wird. Egal in welcher Lebenslage, wünsche ich mir und Ihnen so viel Gottvertrauen, dass wir sagen können: Was immer auch kommt, ich kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hände.

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28. Februar 2021

Go(o)d Hairday
von Pfarrerin Claudia Latzel-Binder, Bad Berleburg

Die Friseure dürfen wieder öffnen und ich will die Gelegenheit beim Schopfe packen, das Thema „Haare und Glauben“ mit Ihnen anzudenken. Auch wenn mir persönlich die wuscheligen Köpfe zur Zeit des Lockdowns gut gefallen, ist für viele der Gang zum Cutdown ein wichtiges Zeichen für die schnittweise wiedergewonnene persönliche Freiheit.  „Du hast die Haare schön“ heißt es in einem bekannten Schlager recht prosaisch. Auf biblisch klingt das so: „Siehe, meine Freundin, du bist schön… Dein Haar ist eine Herde Ziegen, die herabsteigt vom Gebirge Gilead“ (Hoheslied 4, 1).

Das ist Poesie! Die Bibel beschreibt die Körperteile von Menschen insgesamt und eben auch die Haare nicht nach äußeren Kategorien wie rot, schwarz, blond, braun, borstig, lockig oder so, sondern viel mehr nach ihrer Funktion und Wirkweise. Die Haare dieser Frau strotzen demnach nur so vor Vitalität, strahlen Schwung, Dichte, Hüpfen und Bewegung aus und werden deshalb besungen. Ich finde es faszinierend, dass man, wenn man irgendwo hinten sitzt, bei Menschen ihr Alter an den Haaren abschätzen kann. Und das hängt nicht nur mit dem Schnitt oder der Farbe zusammen, sondern wie sie eben insgesamt wirken. Im traurigsten Fall eben wie ein paar letzte, lahme Ziegen, die den Berg herunterhinken. Bei manchen Krankheiten werden Haare stumpf oder dünn oder fallen sogar aus. Und auch Giftstoffe lassen sich bekanntlich in Haaren nachweisen. Ist es dann eine Haarspalterei, zu fragen, ob man uns allen - nicht nur den Erkrankten - die Coronazeit an den Haaren ansieht?

Vermutlich sieht man das manchmal schon. Eben, wenn sie nicht geschnitten wurden und die ursprüngliche Farbe wieder zum Vorschein kommt. Auch wenn man sich beim Home-Office nicht so ordentlich frisiert und beim Home-Schooling manches Mal komplett auf duschen, waschen, föhnen verzichtet. Was man aber nicht sehen kann sind all die Empfindungen dieser Zeit wie Sorge, Einsamkeit, Genervt-Sein. Wie tröstlich ist es, wenn Jesus sagt, dass jedes unserer (im Durchschnitt 100.000!) Haare von Gott gezählt ist „Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Haupt alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht!“ (Matthäus 10,30).

Das heißt doch: Gott weiß und kümmert sich auch um die kleinsten Dinge unseres Lebens, weiß warum welches Haar grau oder stumpf geworden oder ausgefallen ist. Er weiß, was uns bekümmert, uns den Schwung und die Lebenskraft raubt. Und er versteht auch, warum wir unsere Frisur so tragen, wie wir es tun, sie manchmal vernachlässigen oder besonders viel Wert auf sie legen. Er weiß auch um das, was äußerlich niemand sonst ablesen kann. Er weiß, was uns ärgert, besorgt, wovor wir Angst haben. Fürchtet euch nicht, sagt er. Das ist für mich die Haupt-Sache schlechthin. Gott kümmert sich um uns. Er geht mit uns durch diese haarige Zeit. Egal mit welcher Frisur - wir sind ihm wichtig. Das ist ein echter Trost.

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21. Februar 2021

Unser Platz ist an der Seite der Schwachen
von Pfarrerin Simone Conrad, Wingeshausen

Heute ist der erste Sonntag der Passionszeit, vergangenen Mittwoch, am Aschermittwoch, hat die Fastenzeit begonnen. „Fasten, ernsthaft?“ bin ich gefragt worden. „Auf noch mehr verzichten? Ich verzichte doch schon auf so viel!“ Ja, wir verzichten auf viel: auf Nähe und Freunde, auf Umarmungen und gemeinsames Lachen, wir vermissen Unbeschwertheit und etlichen entschwindet die Lebensgrundlage, die sie trägt. Und ich merke: Ich werde so müde dabei, bin der erzwungenen Distanz überdrüssig, und möchte einfach nur noch, dass das alles endlich vorbei ist. Aus dem optimistischen „Gemeinsam schaffen wir das!“ zu Anfang der Pandemie ist eine teils perspektivlose murrende Unzufriedenheit geworden.

Und dann - dann habe ich mit meiner Freundin telefoniert, Pfarrerin in der Krankenhausseelsorge. Von den Mitarbeitenden im Krankenhaus ans Sterbebett eines Corona-Patienten gerufen. Sie hat mir von ihrem Dienst erzählt, den gemischten Gefühlen, die sie auf dem Weg ins Krankenhaus begleitet haben - und sie hat auch erzählt, wie gut es war, dass sie dort war. Gut für den Sterbenden, den anderen Patienten im Zimmer, gut für die Angehörigen, gut auch für die behandelnde Ärztin. Eine junge Ärztin, viele Stunden schon im Dienst, eigentlich sollte sie den Tag frei haben - aber sie musste einspringen, weil einige aus dem Ärzteteam selbst an Corona erkrankt waren. Zeit nur für ein kurzes Gespräch, sie musste weiter, der Dienst ruft. Was gesprochen wurde, ist vertraulich, aber ein Satz aus dieser Begegnung, ein Satz aus dem Mund dieser jungen Ärztin, der hat mich ins Herz getroffen. Denn auf die Frage, ob die Routine hilft bei ihrem schweren Dienst, hat sie geantwortet: „Man gewöhnt sich nicht daran, dass Menschen bei lebendigem Leib ersticken.“

Und auf einmal wusste ich wieder, warum ich verzichte. Und alles, was ich persönlich in Kauf nehme, erscheint so klein, so unbedeutend gegenüber dieser Aussage: „Man gewöhnt sich nicht daran, dass Menschen bei lebendigem Leib ersticken.“ Ja, ich bin es leid, ja, ich bin müde, ja, ich will nicht mehr. Aber ich weiß, dass es notwendig ist. Ich weiß, wofür. Und ich weiß auch, wohin Gott mich schickt: an die Seite der Schwachen. Da ist unser Platz.

Deshalb werde ich weiter verzichten - auf Nähe und Freunde, auf Umarmungen und gemeinsames Lachen. Ich tue das nicht gerne - nein, das wäre nicht ehrlich. Aber ich tue es überzeugt.

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14. Februar 2021

„... und stärke unsre Liebe“
von Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück

„Wenn mich die weltpolitische Lage deprimiert, denke ich immer an die Ankunftshalle im Flughafen Heathrow. Es wird immer behauptet, wir leben in einer Welt von Hass und Habgier, aber das stimmt nicht. Im Gegenteil, mir scheint, wir sind überall von Liebe umgeben. Oft ist sie weder besonders glanzvoll noch spektakulär, aber sie ist immer da. Väter und Söhne, Mütter und Töchter, Ehepaare, frisch Verliebte, alte Freunde. Als die Flugzeuge ins World Trade Center flogen, gab es unter den Anrufen der Menschen an Bord meines Wissens nach keine Hass- oder Rachebotschaften, es waren alles Botschaften der Liebe. Ich glaube, wer darauf achtet, wird feststellen können, dass Liebe tatsächlich überall zu finden ist.“

So hört man Hugh Grant als britischen Premierminister zu Beginn des Films „Tatsächlich… Liebe“. Dazu Bilder aus besagter Flughafenhalle. Man sieht, wie sich Menschen in den Armen liegen. Man sieht tatsächlich Liebe.

Mir gefällt ein Satz ganz besonders. Denn Liebe wird ja mit allerlei Erwartungen überfrachtet. Aber: Oft ist sie weder besonders glanzvoll noch spektakulär. Doch sie ist immer da. Liebe ist pur und rein, frei von Erwartungen und Konventionen. Kann das denn sein? Das passt doch so gar nicht zu dem, was zwischen Menschen abgeht. Auch nicht in dem Film. Ich hab‘ ihn schon oft gesehen und finde es jedes Mal aufs Neue empörend, wenn Alan Rickman Emma Thompson wegen Heike Makatsch betrügt. Also in ihren jeweiligen Rollen natürlich. Liebe kann also auch verblassen und müde werden. Oder eben in einem Strohfeuer enden.

Tatsächlich Liebe, das ist etwas, das gut zu Gott und uns Menschen passt. Gottes Liebe zu uns ist Fakt, eine Tatsache. In der Bibel wird viel über die Liebe geschrieben. Leidenschaftlich und voller Feuer ist sie, auch erotisch, so wie sie im Hohelied beschrieben wird. Aufopferungsvoll und bedingungslos, so steht es im Neuen Testament, so äußert sich Jesus über die Liebe: „Ihr sollt einander lieben - so wie ich euch geliebt habe.“ (Johannes 15, 12) Wir sind zuerst geliebt und sind deswegen überhaupt erst fähig, Liebe untereinander auszuteilen.

Heute ist der Tag der Liebe. Lasst ihn uns begehen. Neu und anders als sonst. Noch einmal so richtig grundsätzlich. Heute schenke ich dir ein Herz, um dir zu zeigen: Du bist geliebt! Total bedingungslos und voller Leidenschaft. Gott ist so richtig verliebt in dich. In mich auch. So sehr, dass er alles darangesetzt hat, dass die Menschen dieses großartige Geschenk der Liebe annehmen. Seine Liebe ist tatsächlich überall. Und ich will sie mit meinen Taten zum Leuchten bringen, lebendig und leidenschaftlich machen. Valentinstag 2021 - hab‘ ein Herz für dich und lass' dich lieben.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der halte unseren Verstand wach und unsre Hoffnung groß und stärke unsre Liebe!

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7. Februar 2021

„Schaut hin“
von Pfarrer Peter Liedtke, Girkhausen

Ökumenischer Kirchentag 2021 in Frankfurt - viele haben dem dritten ökumenischen Kirchentag entgegengefiebert. Einander begegnen und Brücken bauen für ein weiter wachsendes Miteinander über alle Konfessionsgrenzen hinweg, das täte gut. Doch statt Begegnung „Face to Face“, gemeinsamem Singen aus dem Liederbuch und dem Anstehen vor bald überfüllten Hallen gibt es nun Kacheln und Soziale Medien.  Es geht uns bei Kirche so wie auch vielen Menschen in ihren familiären Planungen: Trauungen und Taufen können nicht stattfinden, runde Geburtstage im Wohnzimmer statt in der Schützenhalle, Schüleraustausch und Abi-Feten müssen abgesagt werden. Uns geht viel verloren, und etliches davon kann auch nicht nachgeholt werden. Doch die Traurigkeit angesichts der notwendigen Einschnitte ist nur eine Seite.

Die Losung des Kirchentages gibt einen Hinweis, wie wir mit der Situation auch umgehen dürfen. „Schaut hin“ heißt es in Markus 6, 38. Die Plakate dazu sind eine Frechheit - dachte ich zuerst. Auf dunkelblauem und rosa Hintergrund die Losung in einer verschwommenen Schrift. Im Eben-mal-drüber-Sehen kann man die Losung nicht lesen. Damit entsprach das Plakat so gar nicht meinen Sehgewohnheiten. Aber genau damit erklärt das Plakat, worum es in der Losung geht. Genau hinschauen und nicht nur flüchtig; sich Zeit nehmen, über das Dargestellte nachdenken.

Solche Haltung widerspricht den heutigen Leitgedanken. Wir sollen schnell und schneller hören, sehen und dann reagieren. Wer sagt „Darüber muss ich jetzt erst einmal nachdenken“, hat in unserer Zeit oft schon verloren.

In Wahrheit kommt es aber genau darauf an: Genauer hinzuschauen, intensiver nachzudenken, sich einzufühlen in Andere.

Im Moment stehen viele Veränderungen an, die über die Bewältigung der Krise hinausgehen. Und wir müssen hinschauen: Was dient unserem Miteinander? Welche Werte wollen wir pflegen? Welche neuen Haltungen gilt es einzuüben? Im Moment werden manche Fehler sichtbar, die wir bisher zudecken konnten. Fehler vor allem, wie wir mit Menschen umgehen. Welche Notlagen übersehen wir einfach? Welche Gaben, die uns gegeben sind, verstecken wir, um sie ganz allein für uns zu haben?

Bei der Brotvermehrung, aus der die Losung stammt, schauen die Jünger, was an Essen da ist. Fünf Brote und zwei Fische bekommen sie zu sehen. Doch als Jesus das Wenige teilt, schauen die Menschen noch einmal ganz genau bei sich selber hin. Manches Verborgene tritt zutage. Und siehe da, es reicht, dass alle satt werden.

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31. Januar 2021

„Bleiben Sie behütet und zuversichtlich“
von Pfarrer Martin Ahlhaus, Kierspe

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lukas 6, 36) - selten hat eine Jahreslosung so gut in die Zeit gepasst wie diese. Das lange vor der Corona-Pandemie ausgewählte Bibelwort für 2021 fordert auf, barmherzig zu sein: gelassen mit mir selbst, gnädig mit anderen, rücksichtsvoll mit der Schöpfung!

Wenn uns die globale Covid-19-Epidemie eins gelehrt hat, dann dies: Wie unberechenbar und gefährdet unser Leben ist und mit ihm all die Selbstverständlichkeiten in Familie und Freundeskreis, Schule und Beruf. Unbefangenes Begegnen und herzliches Umarmen, ausgelassenes Feiern und grenzenloses Reisen, unbegrenztes Wachstum und nimmersattes Wirtschaften: all das ist uns in den vergangenen Monaten abhandengekommen! Im Rückspiegel betrachtet erscheint uns das Leben vor der Pandemie wie ein Tanz auf dünnem Eis: Bis ins Detail verplant, von Ansprüchen gehetzt, auf Konsum gebürstet!

Nun lernen wir die dunkle Seite der Globalisierung kennen: Ein Virus, das sich nicht einfangen lässt, und Infektionen, die sich trotz Reiseverboten ausbreiten. Überall auf der Welt intensives Forschen und mühsames Erklären der Medizin, angestrengte und anstrengende Maßnahmen der Politik. Wie sollten da keine Fehler passieren und Ungereimtheiten entstehen? Wie sollte hier alles reibungslos und auf Anhieb klappen? Wer wollte dort über die Vermessenheit von gestern und die Verzweiflung von heute richten? Langsam lernen wir: Diese Krise werden wir nur gemeinsam meistern - in Deutschland, Europa und der Einen Welt - oder gemeinsam versagen!

Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“, sagt Jesus zu den Menschen, die ihm nacheifern. Lernt Geduld und Erbarmen, Rücksicht, Gnade und Liebe von dem Gott, der Mutter und Vater aller Menschenkinder ist! Dessen Herz für diese Erde schlägt und dem es an die Nieren geht, wenn Menschen hungern und leiden, einander Gewalt und Unrecht antun und die gute Schöpfung vor die Hunde geht. Darum habt Erbarmen, ein warmes, weites Herz: Für euch selbst und euer Leben; für eure nahen und fernen Nächsten; für diese ganze Welt, die Gott ins Herz geschlossen hat. Übt euch in Zivilcourage und Solidarität! Trachtet nach Gerechtigkeit und Frieden! Erbarmt euch der Benachteiligten und Ausgegrenzten! Sorgt für die faire Verteilung von Nahrung und Impfstoff in Süd und Nord und schützt diese Erde vor weiterem Raubbau in Ost und West!

„Seid barmherzig!“ - selten hat eine Jahreslosung so gut in die Zeit gepasst wie dieses Jesuswort in das begonnene Jahr. Bleiben Sie behütet und zuversichtlich, gesegnet und bewahrt!

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24. Januar 2021

Wo finde ich Orientierung?
von Pfarrer Thomas Janetzki, Wingeshausen

In dieser Woche, nachdem der neue Präsident der USA sein schweres Amt angetreten hat, werden wir noch einmal mit der Frage nach der Wahrheit konfrontiert. Was war wahr von all den Gerüchten und Verschwörungstheorien im Vorfeld, im Verlauf dieser Wahlen? Woran halten sich diese Menschen, die das Capitol erstürmt haben, weil sie glaubten und glauben, dass man ihnen die Wahrheit vorenthält?

Gibt es eigentlich „die Wahrheit“ und wie gehen wir mit ihr um? Können wir Menschen sie überhaupt erkennen? Ist es nicht so, dass unsere Wahrheiten oft nur Teilwahrheiten sind, Halbwahrheiten und winzige Ausschnitte aus einem größeren Zusammenhang?

Wir haben leider in den zurückliegenden Jahren (aber nicht nur da!) auch immer wieder erfahren: Wenn man seine Sicht der Dinge oft genug wiederholt, selbst wenn es die größte Lüge und Irreführung ist, wird es für andere immer glaubhafter, wahrer. Insbesondere gilt dies, wenn es Wasser auf meine Mühlen ist, meine Meinung unterstützt. Wir Menschen sind nun mal so, dass wir uns dann gerne die Aussagen herauspicken, die uns gefallen und unsere Ansicht stützen. Das hat dann zwar mit der Suche nach Wahrheit nichts mehr zu tun, von der wie so gerne reden, aber wir biegen uns die Welt einfach so zurecht, dass sie uns passt.

Die Wahrheit über uns Menschen und unser Leben ist aber komplizierter, als wir es wahrhaben wollen, und oft genug widersprüchlicher, als es uns gefällt. Denn wir können sogar noch mit der Wahrheit lügen, großen Schaden anrichten und uns gegenseitig zutiefst verletzen.

Bedeutet das nun aber, die Suche nach ihr aufzugeben, sich sein kleines Weltbild so zusammenzubauen, wie uns in den Kram passt, und dann danach zu handeln? Ich bin fest davon überzeugt, dass es wichtig und richtig ist, um die Wahrheit zur ringen, um das, was richtig oder falsch ist - und sich dann für den richtigen Weg zu entscheiden.

Aber woran soll ich mich orientieren auf meiner Suche nach Wahrheit? An dem, der alle kennt und durchschaut, der auch in mein Herz bis auf den Grund blicken kann! Gott kennt uns und sieht uns ins Herz. Das Leben und Handeln Jesu, seine Worte weisen uns einen guten Weg. In ihm werden Wahrheit und Liebe zu Gott und den Menschen zusammengestellt und können uns Richtschnur sein. Denn aufrichtige Liebe und eine liebevolle Wahrheit können uns den Weg in unserem Leben weisen: den Weg zueinander und in eine bessere Welt, eine Welt des Friedens, eine mit mehr Wahrheit und Liebe. Das ist ein Traum, wie ich zugebe, aber einer, für dessen Verwirklichung es lohnt sich anzustrengen - finde ich! Denn: „Die Liebe freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit!“ 1. Korinther 13, 6

In diesem Sinne ein gutes Wochenende!

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17. Januar 2021

„Weil Leben heißt, sich regen“
von Pfarrerin Silke van Doorn, Dreis-Tiefenbach

Sich auf den Weg machen hat viele Aspekte: Jetzt gerade sind unsere Wege beschränkt: Ein Virus macht es nötig, dass wir möglichst nicht reisen, keine weiten Wege machen. Da wächst die Sehnsucht nach der Ferne. Verreisen wird für viele noch lange ein Traum bleiben. Doch haben wir Zeit für innere Aufbrüche. Darauf geworfen, ganz bei uns zu sein, entdecken wir Neues.

In den Nachthimmel zu schauen und bei klarem Himmel die Sterne zu sehen, zu wissen, es sind viel zu viele, um sie zu zählen. Sterne kommen in der Bibel vor. Sie sind von Gott ans Firmament gesetzt. Sie sind ein Bild für die unüberschaubare Menge der Nachkommenschaft, die beispielsweise Sarah und Abraham versprochen wurde. In dieser Nachkommenschaft spiegelt sich der Segen - unendlich, unergründlich, unermesslich - mit dem Gott segnet. Es wird auch vor der Anbetung der Sterne gewarnt. Nicht zuletzt ist da der Stern, der aufgegangen ist, um von Jesu Geburt zu künden. Dieser Stern ist der Morgenstern selbst, den Philipp Nicolai in seinem Lied besingt: „Wie schön leuchtet der Morgenstern“. Weise Männer aus dem Osten, aus Anatolien, machten sich auf. Sie warteten auf etwas, dass die Welt wahrhaft verändern wird. Etwas, das Frieden bringt, Gerechtigkeit und Liebe. Sie wagten den Aufbruch und fanden das Kind, von dem die Kraft der Veränderung ausgeht. König sollte er sein. Aber keiner wie Regierende oft sonst sind: Dieses Kind ist machtlos und zieht uns in seinen Bann, weil wir berührt sind und alle Kräfte mobilisieren, um alles Denken und Handeln darauf abzustellen, dass dieses Kind, dass jedes Kind leben kann.

Das erzählt uns die Geschichte in der Epiphaniaszeit, die noch zwei Wochen dauert. Sie verlängert den Glanz des Weihnachtsfestes und regt uns an, den Mut zur Veränderung zu haben.

„Weil Leben heißt, sich regen, weil Leben wandern heißt“ - diese Liedzeile gefällt mir sehr. Aufbrüche aus dem Gewohnten sind lehrreich und heilsam. Sie bringen uns aus dem Trott, sie sind schmerzhaft. Aufbrüche können auch geschehen, wenn man an Ort und Stelle bleibt.

Die Sehnsucht nach der Ferne steckt in vielen Urlaubswünschen. Das sind Aufbrüche im Kleinen. Aufbrüche auf Zeit. Die weisen Männer damals brachen auf, um einem Sternenpunkt zu folgen. Der hat sicherlich ihr Leben verändert.

Viele Aufbrüche wünsche ich Ihnen gerade auch in dieser schweren Zeit der Verunsicherung.

Ihre Pfarrerin Silke van Doorn, die sich hiermit verabschiedet.

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10. Januar 2021

„Wer wird uns Gutes sehen lassen?“
von Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück

In einer Demokratie geht die Staatsgewalt vom Volk aus, jede und jeder Einzelne hat also das Recht, bei den Entscheidungen, die das ganze Land angehen, mitzubestimmen.

Man unterscheidet zwischen einer direkten und repräsentativen Demokratie. Wichtige Werte einer Demokratie sind Gleichheit, Freiheit, der Schutz der Grund-, Bürger- und Menschenrechte sowie die Meinungs- und Pressefreiheit. So findet man es im Lexikon. Und so ist es wünschenswert. Eine Demokratie ist auch kompliziert, weil viele Ansichten und Meinungen unter einen Hut gebracht werden müssen, es bei Wahlen Gewinner und Verlierer gibt und das Verlieren seit Menschengedenken eine nur schwer zu ertragende Angelegenheit ist. Oft weiß es jemand besser, dann wollen andere lieber noch ein bisschen gleicher sein als gleich. Und in einer repräsentativen Demokratie stehen die Vertreterinnen und Vertreter des Volkes ständig unter schärfster Beobachtung. Und egal wie sie entscheiden, für irgendjemanden ist es immer verkehrt. Obwohl ihnen manchmal nur die Wahl zwischen Pest und Cholera bleibt.

Trotzdem ist eine Demokratie eine lebensfördernde Herrschaftsform. Ich bin froh, in einem Land zu leben, in dem die Demokratie fest im Grundgesetz verankert ist.

Aber, sie ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr und man muss nahezu täglich neu an ihr festhalten (wollen)! Auf einmal wird Meinungsfreiheit für Hetzerei und Pöbelei missbraucht. Der Grat wird immer schmaler zwischen Freiheit und Aufwiegelung.

Ein schwarzer Tag für die Demokratie, so wurden die Ereignisse vom Mittwochabend in den USA beschrieben. Der scheidende Präsident nutzt das Volk zum Sturm auf das Capitol, um die Erklärung seiner Wahlniederlage zu verhindern. Ein schlechter Verlierer, dem die grundsätzlichen Werte der Demokratie noch nie besonders wichtig waren. Aber - er wurde gewählt. Und ist nun, wenn auch nicht mit überwältigender Mehrheit, aber mit sieben Mio. Stimmen weniger abgewählt. Und die Hoffnung ist, dass die Demokratie und ihr Fairplay in den USA wieder an Kraft gewinnen.

Es mag schwierig sein, Politik und Glaube in einen deutlichen Zusammenhang zu stellen. Aber für die Menschen in den USA und überhaupt alle in einem jeden Land möchte ich den Monatsspruch für den Januar in ganz großen Buchstaben aufschreiben: Viele sagen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ HERR, lass leuchten über uns das Licht Deines Antlitzes! (Psalm 4, 7)

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3. Januar 2021

Jeden Tag als Geschenk Gottes sehen
von Jugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen

Das neue Jahr 2021 hat begonnen. Ein Blick in den noch überschaubaren Kalender zeigt, dass bereits einige wichtige Termine eingetragen sind. Welche Planungen stehen bei Ihnen für das Jahr 2021 schon fest im Kalender? Und wie blicken Sie diesen entgegen: voller Vorfreude oder eher mit Sorge?

Das vergangene Jahr hat uns gelehrt, dass alle Planungen nur vorläufig sind. Ja, die ein oder andere Ungewissheit bleibt bei all unseren Vorhaben. Und doch hoffe ich, dass die Vorfreude auf bestimmte Ereignisse überwiegt. Wir brauchen Highlights, auf die wir hinarbeiten und die uns Freude bereiten. Gerade deshalb ist es doch gut trotz aller Unwägbarkeiten zu planen.

 Beim Blick in den Kalender taucht die Frage auf, wie wir in dieses neue Jahr gehen. Bestimmen uns die Schwierigkeiten, Sorgen und Altlasten, die wir mitnehmen? Oder sehen wir die vielen Möglichkeiten und Chancen, Neues zu entdecken, uns weiterzuentwickeln, zu wachsen mit den Herausforderungen und Aufgaben, die sich uns bieten?

Wenn ich über die vor uns liegenden Tage nachdenke, kommt mir ein Wort aus Psalm 118, Vers 24 in den Sinn, wo es heißt: „Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Ja, das ist doch mal ein schönes Motto für das Jahr 2021, ein guter Vorsatz, wenn sie so wollen. Jeden Tag als ein Geschenk Gottes zu betrachten, den er uns zur Verfügung stellt. Lassen sie uns trotz aller Ungewissheit nicht versäumen, fröhlich und mutig nach vorn zu blicken und zu entdecken, was Gott für uns bereithält, an Gaben, Wundern, an Segen oder auch an Aufgaben und Herausforderungen. Wir sind eingeladen dankbar jeden Tag zu genießen, und uns zu freuen. Jeder Tag bietet die Möglichkeit, Gott zu entdecken und Erfahrungen mit ihm zu machen.

Vielleicht hängen Sie diesen Vers an einen Ort, den Sie täglich im Blick haben, etwa an den Spiegel im Bad, an den Kühlschrank in der Küche oder an die Haustür. Sie werden merken, wenn Sie früh morgens im Bad Ihr unrasiertes oder ungeschminktes Gesicht im Spiegel erblicken und Sie dabei der Vers aus Psalm 118 anlacht, dann können sie gar nicht anders als neugierig und positiv in den Tag zu gehen, den Gott Ihnen schenkt.

Denn wenn Gott der Herr die Tage macht, bleibt uns nur, uns darüber zu freuen und dankbar zu sein. Schließlich ist es ein Ausdruck seiner Nähe. Er geht mit und ist da, auch im neuen Jahr 2021, trotz aller Ungewissheit.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes und gesundes neues Jahr 2021.

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Die Westfalenpost hat seit Ostern 2009 die Serie „An-Gedacht“ in ihrem Wittgensteiner Lokalteil, in der Pfarrer*innen aus dem Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein jeden Samstag zu Wort kommen. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion drucken wir die Gedanken ab Sonntag auch hier ab. Verantwortlich für den Inhalt sind die Verfasser*innen. Bei den Texten handelt es sich übrigens nicht um Predigten, sondern ganz einfach um kurze Gedanken mit einem theologischen Impuls. Sie können nicht - und wollen auch nicht - die Gemeinschaft, die Musik und die Predigt eines richtigen Gottesdienstes ersetzen. Aber sie dürfen gern von allen Leser*innen als Einladung verstanden werden, am nächsten Sonntag einen Gottesdienst in einer der heimischen Gemeinden zu besuchen.