Angedacht-Archiv 2021

11. April 2021

Einladung zum Dankbar-Sein
von Pfarrer Oliver Lehnsdorf, Oberndorf

Die österliche Zeit, in der wir uns gerade befinden, erinnert uns daran, dass uns Gott Hoffnung schenkt. Wir dürfen hoffen, dass Dinge, die nicht gut sind, gut werden können. Ich kann mich noch sehr gut an eine Fernsehmoderatorin erinnern, die am Ende jeder Sendung immer wieder sagte: „Alles wird gut.“ Ich fand es sehr tiefsinnig, was sie da sagte. Und wie ich später erfuhr, meinte sie dies auch genau mit diesem tiefen christlichen Hintergrund.

„Alles wird gut,“ ist die Kurzbeschreibung dessen, dass sich im Leben die Dinge zum Guten wenden können. Es ist ein Ausdruck dafür, dass man darauf vertrauen kann, dass es auch in schwierigen Zeiten immer wieder neu Hoffnung gibt und dass es dann auch Licht am Ende des Tunnels geben kann. Gott schenkt uns Glaube, Hoffnung und Liebe, die uns dabei helfen, trotz allem weitermachen zu können. Zudem dürfen wir hoffen, dass es aufgrund des Glaubens ein Leben nach dem Tod gibt. Denn so wie Jesus Christus an Ostern auferstanden ist und den Tod besiegt hat, so haben auch wir die Hoffnung auf die eigene Auferstehung. Und wir haben die Hoffnung, dass wir dadurch dann auch im Himmel die wiedersehen können, die vorher gestorben sind und uns nahestanden.

Aus diesem Grund schreibt auch Paulus im 15. Kapitel des 1. Korinther-Briefs in den Versen 53 und 57 Folgendes: „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel? Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus.“So ist die österliche Zeit eine Zeit der Hoffnung und der Freude. Sinnbildlich wird dies besonders auch bei den orthodoxen Christinnen und Christen, die an Ostern an verschiedenen Orten jeweils ein großes Feuerwerk begehen. Meine Familie und ich haben dies vor einigen Jahren auch einmal an Ostern in Kreta in Griechenland selbst miterleben dürfen. Neben dem Feuerwerk gab es dabei dann auch ein großes Fest. Und nicht zuletzt bekamen auch jede Besucherin und jeder Besucher als Zeichen für die österliche Freude jeweils ein Brot, ein buntes Ei und eine Kerze geschenkt.

Ich wünsche uns, dass wir auch diese Freude haben. Ich wünsche uns, dass wir Gott dafür dankbar sind, dass unser Leben keine Sackgasse ist, sondern durch den Glauben in Gottes ewigen Reich weitergehen kann. Möge Gott uns in diesem Sinne immer wieder neu segnen.

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4. April 2021

„Das Leben wird neu“
von Superintendentin Simone Conrad, Wingeshausen

Heute ist Ostern - Zeit des Suchens und Findens, Zeit für bunt gefärbte Eier und liebevoll befüllte Osternester. Solche Osternester werden gerne angenommen - übrigens auch von erwachsenen Kindern. Und nicht immer sind in diesen Osternestern die klassischen Schokoladenhasen, mit oder ohne Goldfolie und Glöckchen. In den Osternestern, die ich packe, finden sich auch schon mal Mango-Streifen, Chips-Tüten oder Badebomben. Ein bisschen verrückt, ja, ich weiß, aber Sinn und Zweck ist es ja, den Beschenkten eine Freude zu bereiten. Und die haben wir zurzeit bekanntermaßen bitter nötig.

Deswegen packe ich heute ein imaginäres Osternest für Sie, in der Hoffnung, Ihnen eine Freude zu bereiten. Dahinein kommen:
- ein rotes Osterei als ein altes christliches Symbol für das neu erwachende Leben.
- ein Tütchen mit Samen von Vergissmeinnicht als Erinnerung daran, dass wir die Hoffnung nicht vergessen dürfen. Sie muss gesät werden, die Hoffnung, und sie braucht Pflege und Zeit zum Gedeihen. Und nur wenn wir sie vergessen, stirbt sie.
- Kaffee. Ja, der gehört für mich dazu. In der Frühe des Ostermorgens das neue Leben begrüßen - und dann vielleicht ein Kaffee und ein Plausch mit der Nachbarin über den Gartenzaun? Auch Gemeinschaft (auf Distanz) macht lebendig.
- eine Kerze. Anstelle der Kerzen, die wir sonst in unseren Kirchen in der Osternacht entzündet hätten. Zeichen für das Licht, das in die Dunkelheit kommt. Zeichen für Jesus, der die Schwärze des Todes besiegt und das Leben wieder hell werden lässt.
- ein kleines Herz. Vielleicht aus Holz oder aus einem warmen Stein - ein Herz für das große Herz Gottes, der uns mit seinem Sohn Jesus Christus Anteil am ewigen Leben schenkt.
- und eine Osterglocke, diese kleine zarte Pflanze, die doch laut und hell läuten möge: Christ ist erstanden! Sie verbringt den Winter in der Dunkelheit der Erde, aber sie erwacht neu, jedes Jahr. Zäh und widerstandsfähig, trotzig bisweilen in Schnee und Hagel. Wie so viele Menschen sehne ich mich danach, wie die Osterglocke mich zu entfalten und von der Sonne bescheinen zu lassen: Wärme, Licht und die Gewissheit: Das Leben wird neu.

Denn das ist Ostern für mich: Das Leben wird neu. Es geht nicht nur irgendwie weiter, nein, es birgt Hoffnung und die Gewissheit: das Licht durchdringt die Dunkelheit. Denn Gott ist ja da, ist an unserer Seite. Leidet mit uns, ringt mit uns - und nimmt uns mit in das Leben. Und darum: Frohe Ostern Ihnen allen!

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28. März 2021

„So lange ich atme, hoffe ich“
von Jugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen

„So lange ich atme, hoffe ich“ - so lautet der Titel eines Buches. Es handelt von James Scott, der mit einem weiteren Wanderer auf einer Trecking-Tour im Himalaya unterwegs ist. Ein Schneesturm überrascht sie und sie verlieren jegliche Orientierung. Sie geraten in Streit über das weitere Vorgehen und welchen Weg sie jetzt einschlagen sollen. Deshalb trennen sie sich, jeder geht in dieser schwierigen Situation seinen Weg. Die Sichtverhältnisse werden immer schlechter, James Scott verirrt sich immer mehr. Er verliert zudem seine Trinkflasche. Irgendwann kommt er an eine Stelle, an der es nicht mehr weiter geht. Ein Wasserfall auf der einen Seite, ein Abgrund auf der anderen Seite, nur ein steiler Felshang nach oben scheint der einzig plausible Weg. Doch irgendwann geht es auch hier nicht mehr weiter. Wieder runterklettern ist zu gefährlich. Weiter hinauf geht es aber auch nicht. Und das Schneetreiben macht jeden Versuch, weiterzukommen, unmöglich. Er sitzt fest, es geht nicht mehr vor und nicht mehr zurück. James Scott findet Unterschlupf unter einem schmalen Felsvorsprung. Er hat nur drei Schokoriegel dabei und - wie bei einer Treckingtour üblich - nur ganz wenige andere Sachen. 43 Tage hält er dort aus. Trotz Kälte, Hunger, Einsamkeit und Verzweiflung überlebt er. Und seine Schwester lässt unentwegt nach ihm suchen. Diese wahre Begebenheit berichtet vom Durchhalten in extrem schwierigen Situationen. Es geht um Mut, jeden Tag neu in Angriff zu nehmen und die Hoffnung nicht aufzugeben. Das ist es auch was mich an dem Buch so fasziniert.

„So lange ich atme, hoffe ich“ - wäre das nicht ein tolles Motto auch für uns? Es spiegelt doch eine positive Einstellung wieder, die in die Zukunft gerichtet ist. Kein Klagen ist zu hören, darüber wie schlimm alles ist oder werden könnte, sondern vielmehr die Hoffnung, dass alles gut wird.

„So lange ich atme, hoffe ich“  - vielleicht brauchen wir gerade jetzt, bei all den schwierigen Situationen unseres Alltags diesen Satz, der uns daran erinnert, den Mut nicht sinken zu lassen, sondern hoffnungsvoll nach vorn zu blicken.

„So lange ich atme, hoffe ich“ ist auch eine Einstellung, die mit Gott rechnet - ja mit Gott, der handelt, der eingreift und uns stärkt. Gott der noch Möglichkeiten hat, wo wir längst am Ende sind und nicht mehr weiter wissen. Gerade an Ostern wird es uns verdeutlicht. Mit Jesu Tod am Kreuz ist Gott nicht am Ende. Die Auferstehung Jesu zeigt uns, dass es geht weitergeht, auch nach dem Tod. Und darum lassen sie uns solange wir atmen, hoffen oder wie es Paulus im Brief an die Römer schreibt: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.

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21. März 2021

„Er wird uns Gutes sehen lassen!“
von Pfarrer Thomas Janetzki, Wingeshausen

Wohin kann ich fliehen mit meiner Unsicherheit und wohin soll ich gehen mit meiner Angst - eine Frage, die so auch aus der Bibel stammen könnte. In der Zeit der Corona-Pandemie stehen wir jeden Tag wieder vor solchen bedrängenden Fragen: Was wird aus unserer gespaltenen Gesellschaft, die in so vielen Hinsichten auseinanderdriftet? Welche Folgen wird das alles für die Wirtschaft und die Arbeitsplätze hier mit sich bringen? Was wird aus meinem Leben, wenn Corona nach mir oder meiner Familie greift?

Auf einmal ist unser Glauben an die menschliche Macht dahin, und wir sind durch Sorgen und Ängste wie eingesperrt, wollen aber gleichzeitig aus diesem inneren Gefängnis ausbrechen, sehnen uns nach Nähe und der Gesellschaft anderer, nach der Normalität von früher…

Was ist aus unseren Hoffnungen auf Gesundheit, Sicherheit, Erfolg und Glück seit dem Beginn des vergangenen Jahres geworden? Und: Wie lange können wir Menschen in einer solchen Situation leben, ohne innerlich und äußerlich Schaden zu nehmen?

Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ - diese Frage kann man in der Bibel im Psalm 4 lesen. Es ist die Frage eines Menschen, der damit deutlich macht, dass er sich in einer Not befindet, dass ihm oder ihr etwas fehlt. Wichtig ist dabei: Der Beter oder die Beterin in Israel sind nicht allein. Die Fragen, das Lob, die Klage in den Psalmen sind immer verbunden mit denen vieler anderer. In allen Nöten und Zweifeln gilt: Uns alle verbindet die Erfahrung unseres Glaubens, das feste Vertrauen auf Gott und seine Liebe zu uns. Das entscheidend Gute im Leben können wir nur von Gott erwarten.

Was bedeutet das für uns jetzt und hier? Für mich stellt es klar, wohin wir mit unserer Unsicherheit und unseren Ängsten kommen können: Zu Gott, von dem die Bibel immer wieder sagt, dass seine Liebe auch die größte Dunkelheit erhellt. Diese Erfahrung schlägt sich gerade auch in unserem Psalm 4 nieder: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ Ein paar Zeilen später heißt dann die Antwort: „Allein du, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne.

Da ist jemand, der mich sieht, der mich begleitet - nicht nur an den guten und schönen Tagen in meinem Leben, sondern gerade in Zeiten wie jetzt. Wenn wir in dieser Gewissheit leben, werden wir erleben, wie Gott uns in unserer Lebenssituation, wie immer sie auch sein mag, bewahrt. Das ist die neue Perspektive der Christen, die in allen Finsternissen, Unsicherheiten und Sorgen um die Zukunft Gott in seiner Güte und Zuwendung erfahren. So können sie vertrauensvoll mit ihm ihren Weg gehen und bleiben in seiner Hand in allen Höhen und Tiefen geborgen. Sie wissen sich unter seinem Schutz und haben Hoffnung für die weitere Geschichte Gottes in ihrem Leben und die Geschichte der ganzen Welt. Er wird uns Gutes sehen lassen!

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14. März 2021

Verschwenderisch-Sein wie der Frühling
von Pfarrerin Christine Liedtke, Girkhausen

Es ist schon merkwürdig: Kaum lässt sich der Frühling auch nur ansatzweise blicken, geraten wir in Unruhe. Es ist, als ob mit den ersten Trieben und Schösslingen, die durch die Erde brechen, auch in uns eine Kraft und Stärke freigesetzt wird, die sich entladen will. Und sie entlädt sich - im Frühjahrsputz! Die Sonne hat es zutage gebracht: Die Fenster müssen dringend geputzt werden; die Glasböden der Vitrine haben Staub angesetzt; und: Spinnweben sind in der Zimmerecke. So bewaffne ich mich mit Eimer und Schmierseife, mit Tüchern und Trittleiter und rücke so manchem Schmutz zu Leibe.

Und während ich das tue, kann ich meine Gedanken frei schweifen lassen. Und plötzlich kommt mir in den Sinn: Das wäre doch mal gut, so ein Frühjahrsputz für mein Inneres! Wie viel hat sich da angesammelt, gerade in den letzten Monaten, was dringend entfernt werden muss. Da sind die düsteren und dunklen Gedanken, die mich Schlimmstes für unsere Gesellschaft erwarten lassen.  Da ist die Unzufriedenheit, die sich spinnwebartig über mein Gemüt gelegt hat. Da ist ein Stück Aggressivität - sie hat sich gut versteckt, aber ich spüre sie doch auf. Da ist das graue Tuch der Depression - wollte ich es nicht längst mal gegen etwas Farbenfrohes austauschen? Wenn ich mich so an den Frühjahrsputz in meinem Inneren heranwage, entdecke ich, je genauer ich hinschaue, umso mehr Unschönes. Da hat sich viel im Dunkeln verborgen. Sind wir nicht „Kinder des Lichts“, wie es im Ersten Thessalonicher-Brief (Kapitel 5, Vers 5) heißt? Aber tritt in diesem Licht nicht all das Unschöne noch deutlicher hervor?

Beim Putzen im Bad fällt mein Blick in den Spiegel. Neulich hat ein Pastor gesagt: „Glauben heißt: sich nicht im Spiegel betrachten, sondern mit den Augen Gottes, mit den Augen der Liebe.“ Ich versuche, mein Spiegelbild mit den Augen der Liebe zu betrachten. Das hat etwas Befreiendes und Reinigendes. Es hat etwas von Frühjahrsputz. Wenn ich mich selbst sehen kann als die, die von Gott voller Liebe angesehen wird, dann wird meine Angst um mich selbst kleiner. Diese Sicht macht mich frei für Andere. Jesus hat uns vorgemacht, wie ein Leben aussieht, das nicht um das eigene Wohl kreist. Jesus lebte voller Liebe, er half und stärkte, heilte und tröstete. Wenn er sagt „Folge mir nach“, dann ist klar, was ich tun soll.

Ricarda Huch hat es knackig so ausgedrückt: „Liebe ist das einzige Gut, das wächst, wenn wir es verschwenden.“ Wenn der Frühling uns bald verschwenderisch mit Wachstum, Farben, Düften und Sonnenschein verwöhnt, dann können wir uns auf Huchs Satz besinnen und ganz einfach auch anfangen, verschwenderisch zu sein - mit tröstenden Worten, unterstützenden Taten und wohlmeinenden Gedanken, kurz: mit der Liebe!

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7. März 2021

Die Schatzkiste des Lebens
von Pfarrer Jaime Jung, Erndtebrück

Ich war schon seit langer Zeit nicht mehr beim Friseur, aber das stört mich nicht. Irgendwie habe ich mich an mein Erscheinungsbild mit längeren Haaren gewöhnt. Ganz besonders heben sich jetzt die grauen Haare heraus, die sich weder vermeiden noch verstecken lassen. Wir haben Frieden miteinander geschlossen. Sie gehören zu mir und zu meiner Lebensgeschichte. Diese Erkenntnis macht alles viel einfacher: Ich werde nun älter. Punkt. Und ich bin dankbar dafür!

Über das Altwerden gibt es viele Redensarten: „Alter: das ist immer noch das einzige Mittel, das man entdeckt hat, um lange zu leben“, „Jeder will alt werden, aber keiner will alt sein“, „Ich habe meine Falten so mühsam erworben, deshalb will ich sie auch behalten“. Irgendwo dazwischen befinden wir uns selbst. Man wird älter und damit ist man mal auf der heiteren Seite des Lebens, mal auf der etwas traurigen.

Viel wichtiger als die Antwort auf die Frage „Wo sind all die Jahre geblieben?“ ist es, dass eine möglichst positive Einstellung zum Leben erhalten bleibt - auch wenn das nicht immer einfach ist. Eine Voraussetzung für ein erfülltes Leben ist letztendlich das Staunen und die Freude über die kleinen Dinge, so wird jeden Tag zum Geschenk. Und - ganz wichtig dabei - das Vertrauen zu Gott: Wie eine Brücke über alle Ängste und Zweifel. Eine Brücke, die einen aushält und trägt und vorwärts gehen lässt. Und das trotz aller wilden Wasser, die unter einem toben.

Altern und reifen zu dürfen, Erkenntnisse zu gewinnen, das alles ist wie eine Schatzkiste. Die Zahlen, die auf der Geburtsurkunde stehen, sind nicht relevant. Zum Verständnis von Jung und Alt ist es wichtig, dass man seine Schatzkiste immer wieder öffnet und feststellen kann, was man schon alles sammeln durfte. Und davon zu erzählen. Warum? Weil das den Jüngeren auf dem Weg zum Älterwerden hilft. Weil das zur Besonnenheit beitragen kann: Wie viel durfte ich schon erleben, wie viele Freuden und Überwindungen gehören in meine Schatzkiste! Das Erzählen aus dem eigenen Leben kann einem selbst guttun und andere ermutigen und inspirieren.

Auch in der Bibel ist das graue Haar ein eindrückliches Bild für die Weisheit des Alters, die ich mir sehr wünsche. Zu dieser Weisheit jedes Menschen gehören zwei Dinge: Zum einen die Dankbarkeit für das, was gewesen ist. Es ist nun mal so, dass man das Vergangene nicht mehr ändern kann. Aber man kann Frieden damit schließen und sagen: Es war gut so! Und dabei lässt man los und erleichtert das eigene Herz. Zum anderen die Gelassenheit vor dem, was kommen wird. Egal in welcher Lebenslage, wünsche ich mir und Ihnen so viel Gottvertrauen, dass wir sagen können: Was immer auch kommt, ich kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hände.

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28. Februar 2021

Go(o)d Hairday
von Pfarrerin Claudia Latzel-Binder, Bad Berleburg

Die Friseure dürfen wieder öffnen und ich will die Gelegenheit beim Schopfe packen, das Thema „Haare und Glauben“ mit Ihnen anzudenken. Auch wenn mir persönlich die wuscheligen Köpfe zur Zeit des Lockdowns gut gefallen, ist für viele der Gang zum Cutdown ein wichtiges Zeichen für die schnittweise wiedergewonnene persönliche Freiheit.  „Du hast die Haare schön“ heißt es in einem bekannten Schlager recht prosaisch. Auf biblisch klingt das so: „Siehe, meine Freundin, du bist schön… Dein Haar ist eine Herde Ziegen, die herabsteigt vom Gebirge Gilead“ (Hoheslied 4, 1).

Das ist Poesie! Die Bibel beschreibt die Körperteile von Menschen insgesamt und eben auch die Haare nicht nach äußeren Kategorien wie rot, schwarz, blond, braun, borstig, lockig oder so, sondern viel mehr nach ihrer Funktion und Wirkweise. Die Haare dieser Frau strotzen demnach nur so vor Vitalität, strahlen Schwung, Dichte, Hüpfen und Bewegung aus und werden deshalb besungen. Ich finde es faszinierend, dass man, wenn man irgendwo hinten sitzt, bei Menschen ihr Alter an den Haaren abschätzen kann. Und das hängt nicht nur mit dem Schnitt oder der Farbe zusammen, sondern wie sie eben insgesamt wirken. Im traurigsten Fall eben wie ein paar letzte, lahme Ziegen, die den Berg herunterhinken. Bei manchen Krankheiten werden Haare stumpf oder dünn oder fallen sogar aus. Und auch Giftstoffe lassen sich bekanntlich in Haaren nachweisen. Ist es dann eine Haarspalterei, zu fragen, ob man uns allen - nicht nur den Erkrankten - die Coronazeit an den Haaren ansieht?

Vermutlich sieht man das manchmal schon. Eben, wenn sie nicht geschnitten wurden und die ursprüngliche Farbe wieder zum Vorschein kommt. Auch wenn man sich beim Home-Office nicht so ordentlich frisiert und beim Home-Schooling manches Mal komplett auf duschen, waschen, föhnen verzichtet. Was man aber nicht sehen kann sind all die Empfindungen dieser Zeit wie Sorge, Einsamkeit, Genervt-Sein. Wie tröstlich ist es, wenn Jesus sagt, dass jedes unserer (im Durchschnitt 100.000!) Haare von Gott gezählt ist „Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Haupt alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht!“ (Matthäus 10,30).

Das heißt doch: Gott weiß und kümmert sich auch um die kleinsten Dinge unseres Lebens, weiß warum welches Haar grau oder stumpf geworden oder ausgefallen ist. Er weiß, was uns bekümmert, uns den Schwung und die Lebenskraft raubt. Und er versteht auch, warum wir unsere Frisur so tragen, wie wir es tun, sie manchmal vernachlässigen oder besonders viel Wert auf sie legen. Er weiß auch um das, was äußerlich niemand sonst ablesen kann. Er weiß, was uns ärgert, besorgt, wovor wir Angst haben. Fürchtet euch nicht, sagt er. Das ist für mich die Haupt-Sache schlechthin. Gott kümmert sich um uns. Er geht mit uns durch diese haarige Zeit. Egal mit welcher Frisur - wir sind ihm wichtig. Das ist ein echter Trost.

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21. Februar 2021

Unser Platz ist an der Seite der Schwachen
von Pfarrerin Simone Conrad, Wingeshausen

Heute ist der erste Sonntag der Passionszeit, vergangenen Mittwoch, am Aschermittwoch, hat die Fastenzeit begonnen. „Fasten, ernsthaft?“ bin ich gefragt worden. „Auf noch mehr verzichten? Ich verzichte doch schon auf so viel!“ Ja, wir verzichten auf viel: auf Nähe und Freunde, auf Umarmungen und gemeinsames Lachen, wir vermissen Unbeschwertheit und etlichen entschwindet die Lebensgrundlage, die sie trägt. Und ich merke: Ich werde so müde dabei, bin der erzwungenen Distanz überdrüssig, und möchte einfach nur noch, dass das alles endlich vorbei ist. Aus dem optimistischen „Gemeinsam schaffen wir das!“ zu Anfang der Pandemie ist eine teils perspektivlose murrende Unzufriedenheit geworden.

Und dann - dann habe ich mit meiner Freundin telefoniert, Pfarrerin in der Krankenhausseelsorge. Von den Mitarbeitenden im Krankenhaus ans Sterbebett eines Corona-Patienten gerufen. Sie hat mir von ihrem Dienst erzählt, den gemischten Gefühlen, die sie auf dem Weg ins Krankenhaus begleitet haben - und sie hat auch erzählt, wie gut es war, dass sie dort war. Gut für den Sterbenden, den anderen Patienten im Zimmer, gut für die Angehörigen, gut auch für die behandelnde Ärztin. Eine junge Ärztin, viele Stunden schon im Dienst, eigentlich sollte sie den Tag frei haben - aber sie musste einspringen, weil einige aus dem Ärzteteam selbst an Corona erkrankt waren. Zeit nur für ein kurzes Gespräch, sie musste weiter, der Dienst ruft. Was gesprochen wurde, ist vertraulich, aber ein Satz aus dieser Begegnung, ein Satz aus dem Mund dieser jungen Ärztin, der hat mich ins Herz getroffen. Denn auf die Frage, ob die Routine hilft bei ihrem schweren Dienst, hat sie geantwortet: „Man gewöhnt sich nicht daran, dass Menschen bei lebendigem Leib ersticken.“

Und auf einmal wusste ich wieder, warum ich verzichte. Und alles, was ich persönlich in Kauf nehme, erscheint so klein, so unbedeutend gegenüber dieser Aussage: „Man gewöhnt sich nicht daran, dass Menschen bei lebendigem Leib ersticken.“ Ja, ich bin es leid, ja, ich bin müde, ja, ich will nicht mehr. Aber ich weiß, dass es notwendig ist. Ich weiß, wofür. Und ich weiß auch, wohin Gott mich schickt: an die Seite der Schwachen. Da ist unser Platz.

Deshalb werde ich weiter verzichten - auf Nähe und Freunde, auf Umarmungen und gemeinsames Lachen. Ich tue das nicht gerne - nein, das wäre nicht ehrlich. Aber ich tue es überzeugt.

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14. Februar 2021

„... und stärke unsre Liebe“
von Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück

„Wenn mich die weltpolitische Lage deprimiert, denke ich immer an die Ankunftshalle im Flughafen Heathrow. Es wird immer behauptet, wir leben in einer Welt von Hass und Habgier, aber das stimmt nicht. Im Gegenteil, mir scheint, wir sind überall von Liebe umgeben. Oft ist sie weder besonders glanzvoll noch spektakulär, aber sie ist immer da. Väter und Söhne, Mütter und Töchter, Ehepaare, frisch Verliebte, alte Freunde. Als die Flugzeuge ins World Trade Center flogen, gab es unter den Anrufen der Menschen an Bord meines Wissens nach keine Hass- oder Rachebotschaften, es waren alles Botschaften der Liebe. Ich glaube, wer darauf achtet, wird feststellen können, dass Liebe tatsächlich überall zu finden ist.“

So hört man Hugh Grant als britischen Premierminister zu Beginn des Films „Tatsächlich… Liebe“. Dazu Bilder aus besagter Flughafenhalle. Man sieht, wie sich Menschen in den Armen liegen. Man sieht tatsächlich Liebe.

Mir gefällt ein Satz ganz besonders. Denn Liebe wird ja mit allerlei Erwartungen überfrachtet. Aber: Oft ist sie weder besonders glanzvoll noch spektakulär. Doch sie ist immer da. Liebe ist pur und rein, frei von Erwartungen und Konventionen. Kann das denn sein? Das passt doch so gar nicht zu dem, was zwischen Menschen abgeht. Auch nicht in dem Film. Ich hab‘ ihn schon oft gesehen und finde es jedes Mal aufs Neue empörend, wenn Alan Rickman Emma Thompson wegen Heike Makatsch betrügt. Also in ihren jeweiligen Rollen natürlich. Liebe kann also auch verblassen und müde werden. Oder eben in einem Strohfeuer enden.

Tatsächlich Liebe, das ist etwas, das gut zu Gott und uns Menschen passt. Gottes Liebe zu uns ist Fakt, eine Tatsache. In der Bibel wird viel über die Liebe geschrieben. Leidenschaftlich und voller Feuer ist sie, auch erotisch, so wie sie im Hohelied beschrieben wird. Aufopferungsvoll und bedingungslos, so steht es im Neuen Testament, so äußert sich Jesus über die Liebe: „Ihr sollt einander lieben - so wie ich euch geliebt habe.“ (Johannes 15, 12) Wir sind zuerst geliebt und sind deswegen überhaupt erst fähig, Liebe untereinander auszuteilen.

Heute ist der Tag der Liebe. Lasst ihn uns begehen. Neu und anders als sonst. Noch einmal so richtig grundsätzlich. Heute schenke ich dir ein Herz, um dir zu zeigen: Du bist geliebt! Total bedingungslos und voller Leidenschaft. Gott ist so richtig verliebt in dich. In mich auch. So sehr, dass er alles darangesetzt hat, dass die Menschen dieses großartige Geschenk der Liebe annehmen. Seine Liebe ist tatsächlich überall. Und ich will sie mit meinen Taten zum Leuchten bringen, lebendig und leidenschaftlich machen. Valentinstag 2021 - hab‘ ein Herz für dich und lass' dich lieben.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der halte unseren Verstand wach und unsre Hoffnung groß und stärke unsre Liebe!

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7. Februar 2021

„Schaut hin“
von Pfarrer Peter Liedtke, Girkhausen

Ökumenischer Kirchentag 2021 in Frankfurt - viele haben dem dritten ökumenischen Kirchentag entgegengefiebert. Einander begegnen und Brücken bauen für ein weiter wachsendes Miteinander über alle Konfessionsgrenzen hinweg, das täte gut. Doch statt Begegnung „Face to Face“, gemeinsamem Singen aus dem Liederbuch und dem Anstehen vor bald überfüllten Hallen gibt es nun Kacheln und Soziale Medien.  Es geht uns bei Kirche so wie auch vielen Menschen in ihren familiären Planungen: Trauungen und Taufen können nicht stattfinden, runde Geburtstage im Wohnzimmer statt in der Schützenhalle, Schüleraustausch und Abi-Feten müssen abgesagt werden. Uns geht viel verloren, und etliches davon kann auch nicht nachgeholt werden. Doch die Traurigkeit angesichts der notwendigen Einschnitte ist nur eine Seite.

Die Losung des Kirchentages gibt einen Hinweis, wie wir mit der Situation auch umgehen dürfen. „Schaut hin“ heißt es in Markus 6, 38. Die Plakate dazu sind eine Frechheit - dachte ich zuerst. Auf dunkelblauem und rosa Hintergrund die Losung in einer verschwommenen Schrift. Im Eben-mal-drüber-Sehen kann man die Losung nicht lesen. Damit entsprach das Plakat so gar nicht meinen Sehgewohnheiten. Aber genau damit erklärt das Plakat, worum es in der Losung geht. Genau hinschauen und nicht nur flüchtig; sich Zeit nehmen, über das Dargestellte nachdenken.

Solche Haltung widerspricht den heutigen Leitgedanken. Wir sollen schnell und schneller hören, sehen und dann reagieren. Wer sagt „Darüber muss ich jetzt erst einmal nachdenken“, hat in unserer Zeit oft schon verloren.

In Wahrheit kommt es aber genau darauf an: Genauer hinzuschauen, intensiver nachzudenken, sich einzufühlen in Andere.

Im Moment stehen viele Veränderungen an, die über die Bewältigung der Krise hinausgehen. Und wir müssen hinschauen: Was dient unserem Miteinander? Welche Werte wollen wir pflegen? Welche neuen Haltungen gilt es einzuüben? Im Moment werden manche Fehler sichtbar, die wir bisher zudecken konnten. Fehler vor allem, wie wir mit Menschen umgehen. Welche Notlagen übersehen wir einfach? Welche Gaben, die uns gegeben sind, verstecken wir, um sie ganz allein für uns zu haben?

Bei der Brotvermehrung, aus der die Losung stammt, schauen die Jünger, was an Essen da ist. Fünf Brote und zwei Fische bekommen sie zu sehen. Doch als Jesus das Wenige teilt, schauen die Menschen noch einmal ganz genau bei sich selber hin. Manches Verborgene tritt zutage. Und siehe da, es reicht, dass alle satt werden.

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31. Januar 2021

„Bleiben Sie behütet und zuversichtlich“
von Pfarrer Martin Ahlhaus, Kierspe

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lukas 6, 36) - selten hat eine Jahreslosung so gut in die Zeit gepasst wie diese. Das lange vor der Corona-Pandemie ausgewählte Bibelwort für 2021 fordert auf, barmherzig zu sein: gelassen mit mir selbst, gnädig mit anderen, rücksichtsvoll mit der Schöpfung!

Wenn uns die globale Covid-19-Epidemie eins gelehrt hat, dann dies: Wie unberechenbar und gefährdet unser Leben ist und mit ihm all die Selbstverständlichkeiten in Familie und Freundeskreis, Schule und Beruf. Unbefangenes Begegnen und herzliches Umarmen, ausgelassenes Feiern und grenzenloses Reisen, unbegrenztes Wachstum und nimmersattes Wirtschaften: all das ist uns in den vergangenen Monaten abhandengekommen! Im Rückspiegel betrachtet erscheint uns das Leben vor der Pandemie wie ein Tanz auf dünnem Eis: Bis ins Detail verplant, von Ansprüchen gehetzt, auf Konsum gebürstet!

Nun lernen wir die dunkle Seite der Globalisierung kennen: Ein Virus, das sich nicht einfangen lässt, und Infektionen, die sich trotz Reiseverboten ausbreiten. Überall auf der Welt intensives Forschen und mühsames Erklären der Medizin, angestrengte und anstrengende Maßnahmen der Politik. Wie sollten da keine Fehler passieren und Ungereimtheiten entstehen? Wie sollte hier alles reibungslos und auf Anhieb klappen? Wer wollte dort über die Vermessenheit von gestern und die Verzweiflung von heute richten? Langsam lernen wir: Diese Krise werden wir nur gemeinsam meistern - in Deutschland, Europa und der Einen Welt - oder gemeinsam versagen!

Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“, sagt Jesus zu den Menschen, die ihm nacheifern. Lernt Geduld und Erbarmen, Rücksicht, Gnade und Liebe von dem Gott, der Mutter und Vater aller Menschenkinder ist! Dessen Herz für diese Erde schlägt und dem es an die Nieren geht, wenn Menschen hungern und leiden, einander Gewalt und Unrecht antun und die gute Schöpfung vor die Hunde geht. Darum habt Erbarmen, ein warmes, weites Herz: Für euch selbst und euer Leben; für eure nahen und fernen Nächsten; für diese ganze Welt, die Gott ins Herz geschlossen hat. Übt euch in Zivilcourage und Solidarität! Trachtet nach Gerechtigkeit und Frieden! Erbarmt euch der Benachteiligten und Ausgegrenzten! Sorgt für die faire Verteilung von Nahrung und Impfstoff in Süd und Nord und schützt diese Erde vor weiterem Raubbau in Ost und West!

„Seid barmherzig!“ - selten hat eine Jahreslosung so gut in die Zeit gepasst wie dieses Jesuswort in das begonnene Jahr. Bleiben Sie behütet und zuversichtlich, gesegnet und bewahrt!

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24. Januar 2021

Wo finde ich Orientierung?
von Pfarrer Thomas Janetzki, Wingeshausen

In dieser Woche, nachdem der neue Präsident der USA sein schweres Amt angetreten hat, werden wir noch einmal mit der Frage nach der Wahrheit konfrontiert. Was war wahr von all den Gerüchten und Verschwörungstheorien im Vorfeld, im Verlauf dieser Wahlen? Woran halten sich diese Menschen, die das Capitol erstürmt haben, weil sie glaubten und glauben, dass man ihnen die Wahrheit vorenthält?

Gibt es eigentlich „die Wahrheit“ und wie gehen wir mit ihr um? Können wir Menschen sie überhaupt erkennen? Ist es nicht so, dass unsere Wahrheiten oft nur Teilwahrheiten sind, Halbwahrheiten und winzige Ausschnitte aus einem größeren Zusammenhang?

Wir haben leider in den zurückliegenden Jahren (aber nicht nur da!) auch immer wieder erfahren: Wenn man seine Sicht der Dinge oft genug wiederholt, selbst wenn es die größte Lüge und Irreführung ist, wird es für andere immer glaubhafter, wahrer. Insbesondere gilt dies, wenn es Wasser auf meine Mühlen ist, meine Meinung unterstützt. Wir Menschen sind nun mal so, dass wir uns dann gerne die Aussagen herauspicken, die uns gefallen und unsere Ansicht stützen. Das hat dann zwar mit der Suche nach Wahrheit nichts mehr zu tun, von der wie so gerne reden, aber wir biegen uns die Welt einfach so zurecht, dass sie uns passt.

Die Wahrheit über uns Menschen und unser Leben ist aber komplizierter, als wir es wahrhaben wollen, und oft genug widersprüchlicher, als es uns gefällt. Denn wir können sogar noch mit der Wahrheit lügen, großen Schaden anrichten und uns gegenseitig zutiefst verletzen.

Bedeutet das nun aber, die Suche nach ihr aufzugeben, sich sein kleines Weltbild so zusammenzubauen, wie uns in den Kram passt, und dann danach zu handeln? Ich bin fest davon überzeugt, dass es wichtig und richtig ist, um die Wahrheit zur ringen, um das, was richtig oder falsch ist - und sich dann für den richtigen Weg zu entscheiden.

Aber woran soll ich mich orientieren auf meiner Suche nach Wahrheit? An dem, der alle kennt und durchschaut, der auch in mein Herz bis auf den Grund blicken kann! Gott kennt uns und sieht uns ins Herz. Das Leben und Handeln Jesu, seine Worte weisen uns einen guten Weg. In ihm werden Wahrheit und Liebe zu Gott und den Menschen zusammengestellt und können uns Richtschnur sein. Denn aufrichtige Liebe und eine liebevolle Wahrheit können uns den Weg in unserem Leben weisen: den Weg zueinander und in eine bessere Welt, eine Welt des Friedens, eine mit mehr Wahrheit und Liebe. Das ist ein Traum, wie ich zugebe, aber einer, für dessen Verwirklichung es lohnt sich anzustrengen - finde ich! Denn: „Die Liebe freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit!“ 1. Korinther 13, 6

In diesem Sinne ein gutes Wochenende!

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17. Januar 2021

„Weil Leben heißt, sich regen“
von Pfarrerin Silke van Doorn, Dreis-Tiefenbach

Sich auf den Weg machen hat viele Aspekte: Jetzt gerade sind unsere Wege beschränkt: Ein Virus macht es nötig, dass wir möglichst nicht reisen, keine weiten Wege machen. Da wächst die Sehnsucht nach der Ferne. Verreisen wird für viele noch lange ein Traum bleiben. Doch haben wir Zeit für innere Aufbrüche. Darauf geworfen, ganz bei uns zu sein, entdecken wir Neues.

In den Nachthimmel zu schauen und bei klarem Himmel die Sterne zu sehen, zu wissen, es sind viel zu viele, um sie zu zählen. Sterne kommen in der Bibel vor. Sie sind von Gott ans Firmament gesetzt. Sie sind ein Bild für die unüberschaubare Menge der Nachkommenschaft, die beispielsweise Sarah und Abraham versprochen wurde. In dieser Nachkommenschaft spiegelt sich der Segen - unendlich, unergründlich, unermesslich - mit dem Gott segnet. Es wird auch vor der Anbetung der Sterne gewarnt. Nicht zuletzt ist da der Stern, der aufgegangen ist, um von Jesu Geburt zu künden. Dieser Stern ist der Morgenstern selbst, den Philipp Nicolai in seinem Lied besingt: „Wie schön leuchtet der Morgenstern“. Weise Männer aus dem Osten, aus Anatolien, machten sich auf. Sie warteten auf etwas, dass die Welt wahrhaft verändern wird. Etwas, das Frieden bringt, Gerechtigkeit und Liebe. Sie wagten den Aufbruch und fanden das Kind, von dem die Kraft der Veränderung ausgeht. König sollte er sein. Aber keiner wie Regierende oft sonst sind: Dieses Kind ist machtlos und zieht uns in seinen Bann, weil wir berührt sind und alle Kräfte mobilisieren, um alles Denken und Handeln darauf abzustellen, dass dieses Kind, dass jedes Kind leben kann.

Das erzählt uns die Geschichte in der Epiphaniaszeit, die noch zwei Wochen dauert. Sie verlängert den Glanz des Weihnachtsfestes und regt uns an, den Mut zur Veränderung zu haben.

„Weil Leben heißt, sich regen, weil Leben wandern heißt“ - diese Liedzeile gefällt mir sehr. Aufbrüche aus dem Gewohnten sind lehrreich und heilsam. Sie bringen uns aus dem Trott, sie sind schmerzhaft. Aufbrüche können auch geschehen, wenn man an Ort und Stelle bleibt.

Die Sehnsucht nach der Ferne steckt in vielen Urlaubswünschen. Das sind Aufbrüche im Kleinen. Aufbrüche auf Zeit. Die weisen Männer damals brachen auf, um einem Sternenpunkt zu folgen. Der hat sicherlich ihr Leben verändert.

Viele Aufbrüche wünsche ich Ihnen gerade auch in dieser schweren Zeit der Verunsicherung.

Ihre Pfarrerin Silke van Doorn, die sich hiermit verabschiedet.

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10. Januar 2021

„Wer wird uns Gutes sehen lassen?“
von Pfarrerin Kerstin Grünert, Erndtebrück

In einer Demokratie geht die Staatsgewalt vom Volk aus, jede und jeder Einzelne hat also das Recht, bei den Entscheidungen, die das ganze Land angehen, mitzubestimmen.

Man unterscheidet zwischen einer direkten und repräsentativen Demokratie. Wichtige Werte einer Demokratie sind Gleichheit, Freiheit, der Schutz der Grund-, Bürger- und Menschenrechte sowie die Meinungs- und Pressefreiheit. So findet man es im Lexikon. Und so ist es wünschenswert. Eine Demokratie ist auch kompliziert, weil viele Ansichten und Meinungen unter einen Hut gebracht werden müssen, es bei Wahlen Gewinner und Verlierer gibt und das Verlieren seit Menschengedenken eine nur schwer zu ertragende Angelegenheit ist. Oft weiß es jemand besser, dann wollen andere lieber noch ein bisschen gleicher sein als gleich. Und in einer repräsentativen Demokratie stehen die Vertreterinnen und Vertreter des Volkes ständig unter schärfster Beobachtung. Und egal wie sie entscheiden, für irgendjemanden ist es immer verkehrt. Obwohl ihnen manchmal nur die Wahl zwischen Pest und Cholera bleibt.

Trotzdem ist eine Demokratie eine lebensfördernde Herrschaftsform. Ich bin froh, in einem Land zu leben, in dem die Demokratie fest im Grundgesetz verankert ist.

Aber, sie ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr und man muss nahezu täglich neu an ihr festhalten (wollen)! Auf einmal wird Meinungsfreiheit für Hetzerei und Pöbelei missbraucht. Der Grat wird immer schmaler zwischen Freiheit und Aufwiegelung.

Ein schwarzer Tag für die Demokratie, so wurden die Ereignisse vom Mittwochabend in den USA beschrieben. Der scheidende Präsident nutzt das Volk zum Sturm auf das Capitol, um die Erklärung seiner Wahlniederlage zu verhindern. Ein schlechter Verlierer, dem die grundsätzlichen Werte der Demokratie noch nie besonders wichtig waren. Aber - er wurde gewählt. Und ist nun, wenn auch nicht mit überwältigender Mehrheit, aber mit sieben Mio. Stimmen weniger abgewählt. Und die Hoffnung ist, dass die Demokratie und ihr Fairplay in den USA wieder an Kraft gewinnen.

Es mag schwierig sein, Politik und Glaube in einen deutlichen Zusammenhang zu stellen. Aber für die Menschen in den USA und überhaupt alle in einem jeden Land möchte ich den Monatsspruch für den Januar in ganz großen Buchstaben aufschreiben: Viele sagen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ HERR, lass leuchten über uns das Licht Deines Antlitzes! (Psalm 4, 7)

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3. Januar 2021

Jeden Tag als Geschenk Gottes sehen
von Jugendreferent Daniel Seyfried, Girkhausen

Das neue Jahr 2021 hat begonnen. Ein Blick in den noch überschaubaren Kalender zeigt, dass bereits einige wichtige Termine eingetragen sind. Welche Planungen stehen bei Ihnen für das Jahr 2021 schon fest im Kalender? Und wie blicken Sie diesen entgegen: voller Vorfreude oder eher mit Sorge?

Das vergangene Jahr hat uns gelehrt, dass alle Planungen nur vorläufig sind. Ja, die ein oder andere Ungewissheit bleibt bei all unseren Vorhaben. Und doch hoffe ich, dass die Vorfreude auf bestimmte Ereignisse überwiegt. Wir brauchen Highlights, auf die wir hinarbeiten und die uns Freude bereiten. Gerade deshalb ist es doch gut trotz aller Unwägbarkeiten zu planen.

 Beim Blick in den Kalender taucht die Frage auf, wie wir in dieses neue Jahr gehen. Bestimmen uns die Schwierigkeiten, Sorgen und Altlasten, die wir mitnehmen? Oder sehen wir die vielen Möglichkeiten und Chancen, Neues zu entdecken, uns weiterzuentwickeln, zu wachsen mit den Herausforderungen und Aufgaben, die sich uns bieten?

Wenn ich über die vor uns liegenden Tage nachdenke, kommt mir ein Wort aus Psalm 118, Vers 24 in den Sinn, wo es heißt: „Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Ja, das ist doch mal ein schönes Motto für das Jahr 2021, ein guter Vorsatz, wenn sie so wollen. Jeden Tag als ein Geschenk Gottes zu betrachten, den er uns zur Verfügung stellt. Lassen sie uns trotz aller Ungewissheit nicht versäumen, fröhlich und mutig nach vorn zu blicken und zu entdecken, was Gott für uns bereithält, an Gaben, Wundern, an Segen oder auch an Aufgaben und Herausforderungen. Wir sind eingeladen dankbar jeden Tag zu genießen, und uns zu freuen. Jeder Tag bietet die Möglichkeit, Gott zu entdecken und Erfahrungen mit ihm zu machen.

Vielleicht hängen Sie diesen Vers an einen Ort, den Sie täglich im Blick haben, etwa an den Spiegel im Bad, an den Kühlschrank in der Küche oder an die Haustür. Sie werden merken, wenn Sie früh morgens im Bad Ihr unrasiertes oder ungeschminktes Gesicht im Spiegel erblicken und Sie dabei der Vers aus Psalm 118 anlacht, dann können sie gar nicht anders als neugierig und positiv in den Tag zu gehen, den Gott Ihnen schenkt.

Denn wenn Gott der Herr die Tage macht, bleibt uns nur, uns darüber zu freuen und dankbar zu sein. Schließlich ist es ein Ausdruck seiner Nähe. Er geht mit und ist da, auch im neuen Jahr 2021, trotz aller Ungewissheit.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes und gesundes neues Jahr 2021.

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Die Westfalenpost hat seit Ostern 2009 die Serie „An-Gedacht“ in ihrem Wittgensteiner Lokalteil, in der Pfarrer*innen aus dem Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein jeden Samstag zu Wort kommen. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion drucken wir die Gedanken ab Sonntag auch hier ab. Verantwortlich für den Inhalt sind die Verfasser*innen. Bei den Texten handelt es sich übrigens nicht um Predigten, sondern ganz einfach um kurze Gedanken mit einem theologischen Impuls. Sie können nicht - und wollen auch nicht - die Gemeinschaft, die Musik und die Predigt eines richtigen Gottesdienstes ersetzen. Aber sie dürfen gern von allen Leser*innen als Einladung verstanden werden, am nächsten Sonntag einen Gottesdienst in einer der heimischen Gemeinden zu besuchen.